Beiträge von Riegel

    Überall der gleiche fantasielose Investorenschrott, von Norden bis in den Süden...

    https://phoenix.blverlag.ch/kai-haeuser-in-haarlem/

    Standardisierte Fenster und Dachneigungen... Mal heller Klinker, mal dunkler... gerade weil so vieles doch im Angebot ist! Eine Fassade mal schnell spiegeln... und schon hat man ein zweites Haus entworfen. Oder einfach ein anderes Woihnzimmerfenster ankleben. Wie kann Individualität entstehen, wenn das ganze Projekt von einem Architekten stammt?


    Panoramalink: https://goo.gl/maps/VkH7bAVewg9P3uvcA

    boecklinstrasse schuetzengarten 01.10.2020 8127


    Nach der Steigung folgt ein gerades Strassenstück, welches das Schützengarten-Brauereiareal oben abschliesst. Bergseitig liegt über einer Stützmauer das grosse Villengrundstück von Müller-Friedberg-Strasse 36, das einst zur Brauerei gehörte und durch die Böcklinstrasse nun abgetrennt ist.




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    Dem horizontalen Rissbild nach handelt es sich um eine mit einem Kieselwurf verputzte Stampfbetonmauer, die 1912/13 zusammen mit der Böcklinstrasse errichtet wurde. Die Mauerkrone bildet eine Reihe kleiner Felsblöcke. Bis hierher wurde die Strasse vor wenigen Jahren erneuert, und man sieht auf der Fotografie das Zusammentreffen des neuen und alten Banketts.




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    Am Ende des Brauereiareals steht der Siloturm aus den spätern 1920er-Jahren. Zwei bemerkenswerte, sehr charakteristische Doppeltore führen auf den Vorplatz, die heute noch bei der Anlieferung von Getreide von Hand geöffnet und geschlossen werden müssen. Dies funktioniert nun seit bald 100 Jahren einwandfrei!




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    Vom Strassenrandstein über die Tore bis zum Siloturm ist seit 100 Jahren alles orgiginal erhalten!




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    Die einzige Änderung in den letzten 100 Jahren auf diesem Bild sieht man nicht: Seit etwa 25 Jahren riecht man das Bier während des Gährprozesses in den Gährbecken im Gebäude rechts nicht mehr. Ich mag mich noch erinnern, dass man das Bier bis zu unserer Wohnung roch, obwohl wir knapp 500 m entfernt wohnten.




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    Ein seit Jahrhunderten unangetastetes Stück Rosenberg mit Wiesland und Obstbäumen östlich von Müller-Friedberg-Str. 36.




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    Zugehörender Panoramalink: Google Maps


    Aus der Bauzeit der Villa Müller-Friedberg-Str. 40 von 1917 hat sich an der Böcklinstrasse eine frühe Doppelgarage erhalten. Die (nicht mehr originalen) Tore wurden kürzlich durch neue, ungegliederte Rolltore ersetzt. Auf einer Flugaufnahme von Walter Mittelholzer von 1924 erkennt man die Garage noch im ursprünglichen Zustand mit zwei zweiflügligen Toren und einem zusätzlichen Abschluss gegen die Strasse, natürlich alles noch für Handbetrieb!




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    Ausschnitt aus einer Fotoansichtskarte, Flugaufnahme von Walter Mittelholzer, 1924. Sammlung Riegel.




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    Stützmauer von Müller-Friedberg-Str. 40: Unter dem abgefallenen Verputz kommt ein roher Stampfbetonmauerkern zum Vorschein. Der Verputz weist eine Randabglättung auf; darüber folgt ein neubarockes Schmiedeeisengeländer.




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    Ab hier folgt die Böcklinstrasse dem natürlichen Verlauf des noch weitgehend unbebauten Schönbühltobels. Im Hintergrund links erkennt man den tiefen Einschnitt für die Böcklinstrasse, der infolge der bestehenden Häuserreihe im Leimat vorgenommen werden musste. Im Mittelgrund die Leimatstrasse und rechts das Haus "Schönbühl", Leimatstr. 7 (s. auch hier).




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    Hauseingang zu Böcklinstr. 39 von 1914. Das Haus entstand knapp unterhalb des frühestens 1907 aufgelassenen Stauweihers im Schönbühltobel.

    Böcklinstrasse


    Die Böcklinstrasse ist eine Verbindungsstrasse vom Unteren Graben ins Leimatquartier und wurde 1912/13 erstellt. Da sie weitgehend unbebaute Grundstücke durchquert und den oberen Abschluss des Areals der "Brauerei Schützengarten" bildet, wird sie nur im unteren Bereich und gegen das Leimat von Wohnbauten gesäumt. Sie ist verkehrsarm und kommt mit einer für den Rosenberg eher gemächlichen Steigung aus.


    Vor wenigen Jahren wurde die Strasse im Steigungsbereich unnötigerweise saniert, wobei die breiten Trottoirrandsteine entsorgt und durch helle, scharfkantige und wohl fremdländische Steine ersetzt wurden. Auch der Strassenabschluss gegen die hangseitigen Mauern wurde erneuert. In den letzten Jahren herrscht in St. Gallen eine ziemlich aggressive, wenig nachhaltige Strassenerneuerungspolitik, was ich am Beispiel der Böcklinstrasse zeigen möchte. Während über hundert Jahren war man sich in St. Gallen gewohnt, dass die Randsteine wiederverwendet wurden.


    Die ganze Strasse kann übrigens bequem mit Google-Maps 'abgelaufen' werden, mit Start beim Unteren Graben: Google Maps Böcklinstrasse (Bilder von 2013 von vor der Strassenerneuerung).




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    Am Beginn der Böcklinstrasse steht die 1925 eröffnete "First Church of Christ, Scientist". Sie wurde auf einem zu kleinen Grundstück errichtet, sodass kein anständiger Vorplatz und Vorgarten angelegt werden konnten. Seit dem Auszug der Kirchgemeinde vor einigen Jahren betreiben hier die katholische und reformierte Kirchgemeinde oekumenisch die "Offene Kirche". Nachdem die Comic-Fassadenbemalung befristet bewilligt wurde, ist sie nun zum Providurium geworden. Entsprechend ungepflegt ist auch der Vorplatz, dessen Beparkung mit Autos offensichtlich geduldet wird. Überhaupt ist in den letzten zehn Jahren generell in der Stadt eine schnell um sich greifende, bauliche Verwahrlosung feststellbar, bis mitten ins Stadtzentrum hinein!


    Bilder von vor der Fassadenbemalung.


    Bild nach der Fertigstellung 1925:


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    Bild: Fotosammlung Arch. Ernst Kuhn, St. Gallen.


    Eine der Kastanien, die offenbar schon vor dem Bau der Böcklinstrasse hier standen, überlebte bis 1977. Damals wurde der Untere Graben verbreitert und ein Ersatzbaum gepflanzt. Dieser ist mittlerweile auch wieder verschwunden, sodass hier eine Ödnis herrscht.




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    Gerade zu Beginn der Strasse bei Nr. 4 ein Holzzaun, wie er sonst nur in landwirtschaftlichen Gegenden zu finden ist: Möglicherweise ist es ein Provisorium aus der Bauzeit der Strasse von 1913, das alle paar Jahrzehnte ersetzt werden muss.




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    Gegenüber: Böcklinstr. 9. Um 2015 wurde der Vorgängerbau aus dem 1. Viertel des 19. Jahrhunderts durch ein neues Mehrfamilienhaus ersetzt. Dabei blieb die alte Stützmauer - wohl von 1913 - erhalten. Auf der Seite eines privaten Erschliessungssträsschens wurde ziemlich lieblos eine Tiefgarageneinfahrt angeordnet: roh geschalter Beton, industrielles Sektionaltor, Maschendrahtzaun.




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    Stilistisch passt die Mauer eher zu den Gebäuden weiter oben an der Müller-Friedberg-Strasse. Der Lattenzaun wurde infolge von Sicherheitsvorschriften auf einen Meter erhöht. Für die Kontinuität und als Auftakt zur Strasse war es sehr wichtig, dass diese Mauer erhalten geblieben ist.




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    Die Mauer besteht aus roh behauenen Nagelfluh(?)blöcken ohne Randschlag. Die obersten beiden Steinreihen sind im Gegensatz zu den unteren Reihen unregelmässig versetzt.




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    Zugehörender Panoramalink: Google Maps, 2013.


    Der klassizistische Vorgängerbau aus dem 1. Viertel des 19. Jahrhunderts, um 2015 abgebrochen. Möglicherweise trug diese Haus den Namen "zum Friedberg". Der Name des einstigen Gutes "zum Friedberg" hat nichts mit der Müller-Friedberg-Strasse weiter oben zu tun, die erst 1905 erstellt wurde.




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    Die folgende Mauer ist wohl zusammen mit dem Haus Böcklinstr. 11 in den frühen 1930er-Jahren errichtet worden. Die Lisenen aus Kunststein und der Kratzputz haben mittlerweile neunzig Jahre ohne nennenswerte Schäden überstanden. Bei der kürzlichen Strassensanierung wurde ein Bankett vor die Mauer gesetzt, das weder als Sockel der Mauer noch als Strassenabschluss wirkt.




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    Nachträglich in einer halbrunden Nische eingefügter Wasserhydrant.




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    Zugehörender Panoramalink: Google Maps. 2013.


    Der Zustand vor der Strassensanierung mit zwei Reihen Pflastersteinen, wobei die zweite Reihe als Wasserrinne dient.




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    Zugehörender Panoramalink: Google Maps, 2013


    Bei meiner kürzlichen Fototour erinnerte ich mich an die Situation vor Böcklinstr. 13, die ich allerdings nicht mehr so vor fand. Ein Google Maps-Bild von 2013 zeigt noch diesen Zustand. Es handelt sich um einen bemerkenswerten Wohnblock aus den 1940er-Jahren, der mit seinem weitausladenden, dunkel gebeizten Vordach und teilweise Sprossenfenstern einen rustikalen Eindruck machte. Trotz der etwa zehn Wohneinheiten kam man damals noch mit zwei Garagen aus. Ein Teil des Vorgartens lag über einer Trockensteinmauer.




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    Der Vorgarten wurde um 2018 samt der Trockensteinmauer zugunsten zweier weiterer Garagen weggebaggert, das Haus selber modernisiert. Vergleich zu 2013: Google Maps.




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    Zwischen den Stützmauern von Böcklinstr. 13 und 17 liegt ein schmaler Zugang zu Müller-Friedberg-Str. 28 hinauf.




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    Hoch über Mauer und Garten von Böcklinstr. 17 (rechts, erbaut um 1950) thront die Villa "Neuburger-Reichenbach", Müller-Friedbergstr. 30, erbaut 1915 von Arch. Ernst Kuhn, in deren Garten Böcklinstr. 17 hineingepfercht wurde.




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    Böcklinstr. 17 wirkt von hier aus wirklich wie ein hässliches kleines Entlein. Die Erdgeschossfront zurückspringend, in der Mitte der Hauseingang, der von vier Garagen flankiert wird, der Vorplatz samt Besucherparkplatz komplett zubetoniert. Zusätzlich wurde das Haus vor etwa zehn Jahren mit einem Löwenzahngelb farblich aufgepeppt.

    Eine Dokumentation von arte über den Umzug aller im Louvre gelagerten (nicht ausgestellten!) Kunstschätze in sicherer gelegene Depots als im Überflutungsgebiet der Seine. Leider etwas langatmige 54 Minuten, weshalb ich ab und zu vorspulte. Aber es ist sehr interessant, was für eine Logistik es für so ein Unterfangen braucht, und wie emotionell einige Pariser darauf reagierten, dass "ihre" Kunstschätze weg von Paris gebracht werden sollen. Bei Youtube ist die Dokumentation nur bis am 15. November online.


    Das Bernsteinzimmer dürfte 1945 in den Kellern des Königsberger Schlosses verbrannt sein.

    Zwischen 2001 und 2008 finanzierte das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel die Freilegung von Teilen des Schlosskellers, die vom Kaliningrader Kunsthistorischen Museum durchgeführt wurden. Man hoffte, dort auf verschüttete Kunstschätze des früheren Schlossmuseums und möglicherweise auch auf Reste des Bernsteinzimmers zu stoßen.

    Die Grabungen wurden aus "Desintresse der Kaliningrader Behörden" eingestellt. Offenbar ist noch nicht alles ergraben worden.

    Zur städtebaulichen Entwicklung des Apfelbergwegs



    Hier folgt ein Beitrag, der zwar nichts mit dem Thema "Mauern und Einfriedungen" zu tun hat. Während der Bearbeitung des letzten Beitrags ist mir aber aufgefallen, dass der Apfelbergweg nur noch ein kleines Relikt eines einstigen Wegsystems ist, das heute völlig in Vergessenheit geraten ist. Es liegt in der Natur der Sache, dass man bei geschichtlichen Forschungen auf weitere, bisher unbekannte Aspekte stösst. Deshalb soll diesem Wegsystem erstmals ein kurzer geschichtlicher Rückblick gewidmet werden.


    Die Leimatstrasse ist in Form von teilweise umgewidmeten Strassen und Wegen bis heute erhalten; ebenso der Freibergweg, der im unteren Bereich der Erschliessung von Wohnhäusern dient und im obern Bereich bis heute ein schmaler Kiesweg ist.


    Der Apfelbergweg führte einst wie der Freibergweg von der Leimatstrasse zur Guisanstrasse (früher Wienerbergstrasse) hinauf.Von ihm zweigte auf halber Wegstrecke bis 1886 der Bellevueweg ab, der in horizontaler Lage südwestwärts bis zum Beginn des Höhenwegs beim Varnbüel führte.


    Der Höhenweg ist ein jahrhundertealter Panoramaweg fast auf der Krete des Rosenbergs. An ihm sind diverse Landhäuser von reichen Stadtbürgern aus dem späten 16. Jahrhundert nachweisbar ("Fehr'sches Schlösschen" Höhenweg 50, 1848 abgebrochenes "Höggerschlösschen" gegenüber Höhenweg 21, Tigerbergstr. 28). Bis heute ist dieses Strässchen noch erhalten und dient der Erschliessung von Wohnhäusern. Infolge üppigen Baumbewuchses ist das Panorama heute allerdings kaum mehr erlebbar: https://goo.gl/maps/18wFKMvNBNcXpUAv5 (bei Höhenweg 50).


    Der Bellevueweg war quasi die nordöstliche Fortsetzung des Höhenwegs bis zum Apfelbergweg, stand wohl aber in Privatbesitz mit öffentlichem Durchgangsrecht. Seinen Namen erhielt er vom Gut "Bellevue" (im östlichen Spickel zwischen Bellevueweg und Dohlengässlein/heute Varnbüelstrasse). Beide - der Weg und das Gut - wurden 1886 mit dem Bau der weiter unten angelegten Dufourstrasse aufgegeben.


    Der Apfelbergweg führte ab der Verzweigung des Bellevuewegs durch das Wiesland des Girtannerbergs, welcher 1889/91 mit dem Waisenhaus der Ortsbürgergemeinde (Dufourstr. 40, 1973 zugunsten des Neubaus der Helvetia-Versicherung abgebrochen) besetzt wurde. Somit verschwand fast die Hälfte des Apfelbergwegs. Beim Bau der Müller-Friedberg-Strasse und Goethestrasse 1905 erfuhr der Weg eine abermalige Kürzung. Seine letzte Amputation erfolgte im Leimat 1934 mit dem Bau der beschriebenen Stützmauer Leimatstrasse/Böcklinstrasse.


    Vom einst rund 530 Meter langen Weg existieren heute nur noch die 100 Meter zwischen Böcklin- und Goethestrasse (violett hervorgehoben)!



    Apfelberg Stadtplanüberlagerung 1863

    Stadtplan 1863. Das Wegsystem im Gebiet Leimat und Apfelberg.



    Apfelberg Stadtplanüberlagerung 1883

    Stadtplan 1883. Das teilweise jahrhundertealte Wegsystem im Gebiet Leimat und Apfelberg ist unmittelbar vor Beginn der Überbauung des Rosenbergs noch vorhanden. Im Vergleich mit 1863 ist einzig am Bellevueweg ein Landhaus samt Garten verschwunden, dessen Existenz und Name bis jetzt unbekannt waren.



    Apfelberg Stadtplanüberlagerung 1903

    Stadtplan 1903. Zwischen 1883 und 1886 wird die 1.6 km lange Dufourstrasse von der Kreuzung Zwingli-/ Nussbaumstrasse im Westen bis zur Leimatstrasse im Osten fertiggestellt. Sie ist die erste durchgehende Erschliessungsstrasse am Rosenberg und ist bis heute(!) grösstenteils in ihrer ursprünglichen Breite mit einseitigem Trottoir erhalten. Der Bellevueweg wurde dadurch aufgegeben. Mit dem Bau des Waisenhauses "Girtannersberg" 1889/91 wurde auch der Apfelbergweg um die Hälfte dezimiert. Die nördliche Hälfte des durch die Dufourstrasse geteilten Apfelberg-Gutes wird ab etwa 1889 bis 1899 mehr oder weniger planmässig überbaut (Kirchhoferhäuser).

    Edit. 23.10.2020: Der Apfelbergeweg vom Waisenhaus bis zur Guisanstrasse blieb weiterhin als privater Weg innerhalb des Waisenhausareals erhalten, wie man auf einer 1926 gelaufenen Flugaufnahme sehen kann. Möglicherweise bestand er noch bis zum Abbruch des Waisenhauses 1973.



    Apfelberg Stadtplanüberlagerung 2019

    Stadtplan 2019. Das Gebiet am Bellevue wird ab 1962 von der Universität für Wirtschaftswissenschaften St. Gallen genutzt. Das Waisenhaus"Girtannersberg" wird 1973 für den Neubau für die Helvetia Versicherungen abgebrochen. Das restliche Gebiet des Girtannersbergs ist Bauentwicklungsgebiet für die Universität und wird derzeit als Schrebergartenareal genutzt. Durch eine künftige Bebauung ist der Freibergweg in seinem ländlichen Erscheinungsbild sehr gefährdet.

    Apfelbergweg



    Der Apfelbergweg ist heute nur noch ein kleines Stück eines sehr alten Strässchens, das ursprünglich von der Leimatstrasse kurz unterhalb des oben gezeigten Brunnens abzweigte und nach Nordwesten bis zur Guisanstrasse (Wienerberg) führte. Eine Abzweigung nach Südwesten stellte als "Bellevuestrasse" mitten durch das heutige Universitätsgelände die Verbindung mit dem Höhenweg (Varnbüel, Bellevue) her.


    Mit dem Bau der Dufourstrasse 1886 von Westen her bis zur Leimatstrasse und dem Bau des Waisenhauses "Girtannersberg" 1889/91 (heute Helvetia Versicherung) wurden der Westarm des Apfelbergwegs und die Bellevuestrasse aufgegeben. Der Beginn beim Leimat wurde wahrscheinlich bereits bei der Tieferlegung der Leimatstrasse zwischen Nr. 23 und 26 weiter nach unten verlegt. Der ursprüngliche Lauf dürfte etwa dem Verlauf der heutigen Mauer Leimatstrasse/Böcklinstrasse auf halber Höhe entsprochen haben. Mit dem Bau der Müller-Friedberg-Strasse und Goethestrasse 1905 wurde ihm ein weiteres Stück abgezwackt. Für den Bau der Böcklinstrasse 1912/13 wurde die Einmündung des Apfelbergwegs in die Leimatstrasse zur Böcklinstrasse umgewidmet. Damals wurde auch die Leimattreppe (heute Apfelbergtreppe), die vom Apfelbergweg hinunter an den Blatternhäusern (Böcklinstr. 48/50) vorbei bis zur Leimatstrasse eine Abkürzung bildete, in ihren heutigen Verlauf abgeändert. Sie ist bereits auf dem Zuberplan von 1828 vorhanden. 1934 wurde mit dem Bau der heutigen Mauer Leimatstrasse/Böcklinstrasse das östliche Ende des Apfelbergwegs endgültig gekappt. Seither ist er nur noch über die erwähnte Treppe erreichbar und endet bereits wieder an der Goethestrasse. Er erschliesst die beiden Liegenschaften Nr. 3 und 7 "zum Apfelberg".



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    Stadtplan 2018.


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    Stadtplan 1863. Die Schattierung unterhalb des Wegs (links beim ehemaligen Schönbühlweiher) kennzeichnet das steil abfallende Wiesenbord.


    Ich kenne diesen Weg nun schon seit Jahrzehnten als dicht zugewachsen und von alten Mauern gesäumt. Im Stadtplan von 1863 wird aber deutlich, dass dieser noch erhaltene Bereich ganz aussen an die Kante des Apfelberg-Plateaus zum Schönbühl-Tobel gelegt worden war. Und tatsächlich, wenn man einen Blick durch das dichte Gestrüpp erspäht, wird einem die Aussicht erst bewusst! Es muss ein richtiggehender Panoramaweg gewesen sein, wie der Höhenweg auch. Auf diesem Plateau entstanden im frühen 19. Jahrhundert die Häuser "Apfelberg" (Apfelbergweg 7) und "Leimatburg" (heute Dufourstrasse 37, welche 1912 den klassizistischen Vorgängerbau ersetzte) mit einer grandiosen Aussicht.


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    Als Auftakt zur Stützmauer wurde an der Böcklinstrasse wohl aus dem Abbruchmaterial der alten Mauer eine Trockenmauer aufgeschichtet. Für die Natur und den Anblick äusserst wertvoll, und wie man sieht, hat sie schon seit 86 Jahren Bestand! Im Hintergrund die Treppe zum Apfelbergweg hinauf, der ursprünglich an der oberen Wiesenkante zur Leimatstrasse hinab führte.

    (aus dem 3. Beitrag über die Mauer an der Leimat- und Böcklinstrasse.)



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    Aufgang von der Böcklinstrasse her zum Apfelbergweg. Oben am Wiesenbord die noch erhaltene Mauerkrone entlang des 1934 aufgegebenen Wegabschnitts, der zur Leimatstrasse hinunter führte.



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    Sehr alte Sandsteinquadermauer beim Zugang zu Apfelbergweg 7, die später mit Stampfbeton erhöht wurde. Auf dem Stadtplan von 1863 ist sie noch nicht vorhanden.



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    Restaurierte Stützmauer bei Apfelbergweg 3, wohl mit ursprünglichem Eisengeländer zusammen mit der Villa 1885 erstellt.



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    Blick zurück mit den Stützmauern von Nr. 3 und 7. Rechts die die Panoramaaussicht verdeckende Hecke.



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    Aussicht vom Apfelbergweg auf Höhe Haus Nr. 3 über die Hecke in Richtung Altstadt. Vorne rechts die Böcklinstrasse, links die Kurve der Leimatstrasse mit dem Haus "Schönbühl" (Leimatstr. 7) und zugehöriger Remise/Stall.



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    Ausschnitt mit der Stützmauer bei Nr. 3.



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    Bis zum Bau der Goethe- und Müller-Friedberg-Strasse 1905 verlief der Apfelbergweg ab hier weiter westwärts. Anstelle seines Terrains wurde 1912 beim Neubau der "Leimatburg", Dufourstr. 37, ein Zugang zum Garten samt neuer Stützmauer aus Stampfbeton mit Kieselwurfverputz angelegt. Auch wenn die Mauer "nur" aus Beton ist - dringender Sanierungsbedarf ist jetzt angesagt, um irreparable Schäden zu vermeiden!

    Die Dreieichstrasse ist bereits ein gründerzeitlicher Durchbruch in der heutigen Breite durch den östlichsten Teil von Alt-Sachsenhausen. Sie entstand in der Verlängerung der 1878 eröffneten Ignatz-Bubis-Brücke (ehemals Obermainbrücke). Dadurch wurde die Grosse Rittergasse unterbrochen. Nach Süden bestand zwar bereits die schmale Klappergasse, deren Fläche dann in diesem Bereich für die Dreieichstrasse benutzt wurde. Anstelle des schmalen Gründerzeiteckgebäudes standen zwei schmale Häuschen, Grosse Rittergasse 23 und das Eckhaus Klappergasse 1. Nach ihrem Abbruch und Abzwackung von Boden für den Strassendurchbruch entstand dann auf der Restfläche dieser Gründerzeitbau. Östlich von ihm blieben als Relikt noch die fünf Häuschen Grosse Rittergasse 13-21 mindestens bis 1944 bestehen. Heute stehen hier zwei neuere Wohnblocks, deren Rückseiten man auf FWL's Bild rechts von der schmalen Brandmauer noch knapp sieht.

    Wenn man einen Link von Wikipedia kopiert, wird jeweils aus unerfindlichen Gründen die abschliessende Klammer vom Link abgetrennt. Dein Link sieht deshalb folgendermassen aus:

    https://de.wikipedia.org/wiki/haus_zur_goldenen_waage_(frankfurt_am_main)


    Im Modus "Beitrag bearbeiten" kannst du nun auf den Link klicken und im erscheindenden Feld dann auf "Bearbeiten". So kannst du die fehlende Klammer manuell eingeben (in 'Link' und in 'Text'), dann abspeichern und am Schluss die schwarze, ursprüngliche Klammer löschen. Dann sieht es so aus und der Link funktioniert:

    https://de.wikipedia.org/wiki/haus_zur_goldenen_waage_(frankfurt_am_main)


    Probier es doch in deinem Beitrag gleich am besten selber aus; bei beiden Links besteht übrigens das Problem.



    Übrigens: Sehr gut, dass Du den zweiten Beitrag für ein eventuelles Register offen gelassen hast! :thumbup:

    Doch, das ist eindeutig die Partie ab Brunnengasse 17 westwärts (Du solltest noch ergänzen, dass es in Nürnberg nebst der Brunnengasse tatsächlich auch ein Brunnengässchen gibt, aber in der Sebalder Altstadt). "Möbel Zahn" ist Nr. 19, dann zweigt nach Süden das Heldengässchen ab. Die Flucht von Nr. 21 war gemäss Stadtplan ein bisschen zurückversetzt, was man auf der Fotografie gut sehen kann (anstelle von Nrn. 21 und 25 heute ein Platz, siehe Link). Das Heldengässchen ist deshalb verdeckt. Gegen Norden verläuft das Heldengässchen leicht versetzt weiter. Auf der Fotografie kann man die Einmündung im Vordergrund rechts erahnen.


    Trotz Kleinteiligkeit, Mauerwerk und Steildächern zeigt sich hier Nürnberg von seiner 'besten' Seite...: https://goo.gl/maps/rv6f49v2t6rk3dnxa

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    Leimatstr. 13. Weiter oben die Böcklinstrasse.


    Leimatstr. 13 thront über einer Mauer, die mir schon immer besonders gefallen hat. Sie wird regelmässig unterhalten, was man an den hellen Ausfugungen sieht. Die Abdeckplatten aus Sandstein werden zwar nach und nach durch Zement ersetzt. Der Bewuchs der Mauer wird auf ein tolerierbares Mass beschränkt, sodass die Wurzeln die Sandsteinkanten nicht wegsprengen. Darüber fasst ein uraltes Eisengeländer den Garten ein, der vorwiegend mit einheimischen Pflanzen besetzt ist. Die Mauer kenne ich nun schon seit über fünfzig Jahren in diesem Zustand und sie ist für mich ein perfektes Zusammenspiel von Statik, Ästhetik, Alterungswürde und Einklang mit der Natur.


    Bemerkenswert sind die Stufen im Wiesenhang: Diese rühren durch das regelmässige "Mähen" durch Schafe her. Wie an steilen Berghängen üblich, treten die weidenden Tiere allmählich solche Stufenlandschaften heraus, die für ein Stadtbild ungewöhnlich sind. Am ganzen Rosenberg haben sich nur hier im Gebiet Leimat-, Böcklin- und Müller-Friedberg-Strasse grössere, unbebaute Flächen erhalten und zeugen vom früheren Bild des Rosenbergs als Wiesenhang mit Obstbäumen.




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    Ausschnitt aus der Mauer bei Leimatstr. 13.


    Die Sandsteinquader weisen keine Bossen auf, sind dafür aber gestockt mit fein belassenem Rand.




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    Leimatstr. 13. Links oben das Haus "zum Apfelberg" Apfelbergweg 7.


    Das zugehörende Haus stammt wohl aus dem frühen 19. Jahrhundert. Auf Zubers Stadtplan von 1828 ist es bereits samt Vorgarten eingezeichnet. Das Mansarddach - nicht mehr wie im Barock mit geschwungener Mansardkontur, sondern gerader - lässt es am ehesten ins erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts datieren. Die Mauer, die sich von der Steinmetztechnik der benachbarten Mauer unterscheidet, stammt auch frühestens von 1887, denn auch sie fehlt noch im Stadtplan von 1863. Allerdings ist dort bereits auch eine abgewinkelte Stützmauer, aber ein bisschen näher am Haus und mit einem andern Winkel zu diesem, eingezeichnet. Möglicherweise wurden die Steine dieser älteren Mauer für die heutige wiederverwendet.


    Bemerkenswert ist die Neigung der Oberkante, die nicht dem Strassengefälle folgt, sondern annähernd horizontal ist. Dadurch entfaltet die Mauer vielmehr die Wirkung eines Gebäudesockels als nur die einer Hangstützmauer.




    Mit den nächsten zwei unteren Gebäuden hat es eine besondere Bewandtnis: Eine klassizistische Scheune/Remise (ohne Hausnummer) von 1802 und das klassizistisches Wohnhaus Leimatstr. 7. von 1784. Beide standen bis 1853 im 5 km entfernten Speicher (AR) und wurden vom damaligen Besitzer kurzerhand nach St. Gallen an die Leimatstrasse "gezügelt". Dies war infolge der Bauweise des Wohnhauses in Blockbau relativ leicht möglich.


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    Remise/Scheune, 1802 in Speicher errichtet und 1853 nach St. Gallen versetzt.




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    Detail der Einzäunung, dahinter die "Rasenmäher".


    Die Sechspassmotive und die bekrönenden Tannenzapfen und Eicheln erinnern an die Neugotik. Das Geländer kann also durchaus aus der Bauphase von 1853 stammen. In St. Gallen bestand bereits seit 1828 die Eisengiesserei und Maschinenwerkstätte von Michael Weniger, die 1853 von seinem einstigen Angestellten Franz Saurer übernommen wurde. Gusseiserne Ausstattungsteile waren im damals noch kleinen St. Gallen keine Seltenheit. Und falls dieses Geländer tatsächlich von 1853 stammen sollte, könnte es ein Frühwerk der im selben Jahr gegründeten, mittlerweile seit 170 Jahren in der ganzen Welt agierenden Firma Saurer sein. Ein Grund genug, um es unter Schutz zu stellen! Dass dem Geländer eine Wertschätzung zukommt, zeigt, dass es vor zehn Jahren von der Stadt zur Korrektur der engen Kurve um einen knappen Meter zurückversetzt und originalgetreu wiederaufgebaut wurde, freilich nicht mehr mit einem Sockel und Pfeilern aus Sandstein, sondern Beton und Verputz.




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    Garten unterhalb des Hauses "Schönbühl", Leimatstr. 7.


    Die erste Korrektion der Leimatstrasse 1850 und das "Zügeldatum" des Hauses 1853 fallen beinahe aufeinander, woraus das Erstellungsdatum der Mauer durchaus auch in diese Zeit postuliert werden darf.




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    Detail der Stützmauer von Leimatstr. 7.


    Die Bearbeitung und Grösse der Sandsteinquader ist fast identisch wie bei Leimatstr. 13, nur das hier der fein belassene Rand schmaler ist. Auch die Eisengeländer unterscheiden sich kaum voneinander. Die Oberkante der Mauer folgt hier nicht dem Strassengefälle, sondern ist treppenförmig ausgebildet.

    Mauern an der Leimatstrasse von der Kreuzung Böcklinstrasse an abwärts bis zur St. Jakob-Strasse



    Auf der Bergseite der Leimatstrasse findet sich eine durchgehende Mauer von der Böcklinstrasse an abwärts bis über die Abzweigung des Apfelbergwegs. Sie beginnt bei Leimatstr. 21 beinahe auf Bodenhöhe, um bis Nr. 13 allmählich auf über zwei Meter Höhe anzuwachsen. Sie gehört zu verschiedenen privaten Liegenschaften.


    Die Mauerabschnitte weisen ein ansehnliches Alter auf und bestehen durchwegs aus Sandstein, mit Ausnahme eines kürzlich erneuerten Teils in Beton infolge eines Tiefgarageneubaus. An Baudaten für die Leimatstrasse kennen wir 1850, 1887 und 1891/92. Es ist aber schwierig, diese aufgrund der Quaderbearbeitung und anderer Merkmale den einzelnen Mauerabschnitten zuzuordnen. Mittels des Studiums archivarischer Quellen dürfte die exakte Bestimmung aber möglich sein.


    Die meisten Stützmauern gehören zu den Liegenschaften und nicht zu den Strassen. Die wenigsten sind im Besitz der Stadt und fallen somit nicht in deren Aufgabenbereich. Bei Mauern in öffentlichem Besitz war meistens die Neuanlage oder Verbreiterung einer Strasse der Grund dafür, dass dort die Zuständigkeit der Stadt anheim viel. So gehört die Eingangs vorgestellte hohe Stützmauer an der Leimatstrasse/Böcklinstrasse grösstenteils der Stadt; nur der oberste, noch erhaltene Bereich der älteren Mauer bei Leimatstr. 25 ist in privater Hand. Bei der Strassenverbreiterung 1934 hätte man unmöglich den Hausbesitzern die Kosten für die Neuerstellung der Mauer aufbürden können, zumal sie ja gar nicht die Urheber der Baumassnahme waren.



    leimatstrasse 21 25.06.2020 7578

    Leimatstr. 21.


    Während 1934 die Strasse noch verbreitert wurde, fanden um 2000 zur Verkehrsberuhigung diverse Strasseneinengungen statt. Bei Leimatstr. 21 erfolgte dies leider auf der falschen Strassenseite: vor den Anfang der historischen Mauer wurde ein Beet mit Bodenbedeckern angelegt, das seitdem nur Unterhaltskosten generiert. Die dritte Dimension der Strasse (Mauer, Hecke) wurde hier negiert, und man erhält kurz den Eindruck, als stünde man irgendwo in einem locker bebauten, flachen Einfamilienhausquartier. Der Eindruck einer historischen Strasse und einem historischen Quartier wurde dadurch geschmälert.




    leimatstrasse boecklinstrasse 58 25.06.2020 7576

    Leimatstrasse mit Stützmauer vor Böcklinstr. 58.


    Vor dem Nachbarhaus Böcklinstr. 58 hat sich ein sehr baufälliges Stück dieser Mauer noch im Originalzustand erhalten. Lediglich die Krone wurde in den frühen 1970er-Jahren zurückversetzt leicht erhöht, nachdem das Gartenniveau allmählich Talwärts erodiert war. Diese Mauer ist wohl nicht mehr sanierbar, da die meisten Sandsteinquader recht stark verwittert sind und in einzelne Schichten zerfallen. Früher oder später wird hier wohl eine Betonmauer ihre Stelle einnehmen, da es sich bei der Liegenschaft nicht um ein Liebhaberobjekt handelt.




    leimatstrasse boecklinstrasse 54 25.06.2020 7580

    Tiefgarage an der Leimatstrasse.


    Bis vor kurzem lief die Mauer in gleicher Bautechnik und Alter vor den nächsten Liegenschaften Böcklinstr. 56 - 50 und Leimatstr. 15 durch, wo sie beim Apfelbergweg endete. Leider wurde kürzlich unter den Gärten von Böcklinstr. 50 - 54 eine Tiefgarage erstellt und die historische Mauer durch eine leicht reliefierte Betonmauer ersetzt.




    leimatstrasse boecklinstrasse 52 25.06.2020 7583


    Wohl gab man sich bei der Gestaltung der Ein-/Ausfahrt Mühe, aber die Geschlossenheit des historischen Strassenlaufs wurde damit dennoch aufgerissen. Links folgt Leimatstr. 15 mit der Fortsetzung der historischen Mauer. Als Mauerkrone fungiert ein billigster Maschendrahtzaun .




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    Bei Böcklinstr. 48/50 (linkes Haus mit Fachwerkgiebel) handelt es sich der Überlieferung nach um die spätmittelalterlichen "Blatternhäuser" (Wohnhäuser abseits der Stadt für Pestkranke) aus dem späten 16. Jahrhundert. Tatsächlich weisen auch sie wie Leimatstr. 28a eine jahrhundertealte Wandständerkonstruktion als Grundgerüst auf.




    leimatstrasse 15 25.06.2020 7585

    Mauer vor Leimatstr. 15.


    Die Mauer selbst ist wohl älter als das 1902 erstellte Wohnhaus und in einem schlechten Zustand. Eine oberflächliche Sanierung scheint noch möglich, aber eine Ausbauchung im unteren Bereich weist darauf hin, dass die Mauer ihre Aufgabe nicht mehr allzulange erfüllen kann. Bei einem Alter von etwa 130 Jahren (Datierung siehe nachfolgenden Beitrag) darf man sagen, dass die Sandsteinquader ihren Zweck nun sehr lange erfüllt haben!




    leimatstrasse 13 25.06.2020 7575

    Abzweigung des Apfelbergwegs (früher Apfelbergtreppe und noch früher Leimattreppe) zwischen Leimatstr. 13 und 15. Oben im Hintergrund thront das Haus "zum Apfelberg", Apfelbergweg 7.


    Solche Treppen aus Holzstufen mit Hinterfüllung aus Teer (früher Kies) sind typisch für St. Gallen. Wegen der federnden Holzbalken sind sie angenehm zu betreten, sei es hinauf oder hinunter, und bei Regen und Schnee sind sie erstaunlich Rutschfest. So wie vor vielen Jahren ein Buch über alle 200 Brücken der Stadt erschienen ist, sind nun seit einem Jahr auch alle Treppen mit ihrer Geschichte und Gestalt in einem Buch erfasst:

    http://www.vgs-sg.ch/katalog/n…n-haus-fr-die-natur-h8dlf


    Hier endet auch die einst ununterbrochene Mauer. Vermutlich wurde sie in einem Zug bei einer der Erneuerungen der Leimatstrasse 1887 oder 1891/92 erstellt, denn auf dem sehr verlässlichen Stadtplan von 1863 ist sie noch nicht vorhanden. Ihre Bautechnik aus eher kleinen Sandsteinbossenquadern und kräftigen, unprofilierten Abdeckplatten ist auf den ersten Blick durchgehend dieselbe.

    Ein Mauerkonglomerat beim Brunnen an der Kreuzung Leimatstrasse - Heinestrasse verbinde ich sehr mit meinen Kindheitserinnerungen, vor allem den Brunnen.



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    Brunnenplätzchen bei der Abzweigung der Heimatstrasse von der Leimatstrasse, dahinter der Garten von Leimatrasse 28. Im Brunnen eingemeisselt die Jahrzahl "1886".


    Lokalisierung auf der bereits im vorletzten Beitrag gezeigten Fotografie:


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    Leimatstr. 23 bis 32 nach dem Bau der Dianastrasse (Abzweigung nach unten rechts). Das giebelständige Haus ganz rechts ist die "Rosenburg" Leimatstr. 28a. Rechts davon die Scheune Heinestr. 1. Vor ihnen verläuft der steile Untere Leimatweg (nicht sichtbar), der durch den Bau der Heinestrasse und Dianastrasse um 1905 / 1910 in der Höhenlage angepasst und mit Treppen versehen wurde. 1920 gelaufene Fotoansichtskarte, Sammlung Riegel.




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    Leimatstr. 28 und 28a. Um einen ebeneren Garten zu erhalten, wurde er vor 20 Jahren aufgeschüttet und das Bord oberhalb der Mauer mit Felsblöcken versehen. Die Auffahrt rechts führt zu Heinestr. 1 und 3.


    Die Mauern gehören zu Leimatstr. 28 und 28a. Letztere wurde 1563 wohl als Bauernhaus als ein mit Bohlen ausgefachter Wandständerbau errichtet. Der Anbau von Nr. 28 erfolgte in den 1750er-Jahren. Die zugehörige Scheune Heinestr. 1 wurde in den 1950er-Jahren zu einem Wohnhaus umgebaut. Östlich folgt ein weiteres bäuerliches Wohnhaus Heinestr. 3. Auf den Stadtplanausschnitten im zweit- und drittletzten Beitrag ist die Häusergruppe oben rechts jeweils angeschnitten.


    Vor 1886 sah die Situation so aus:


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    Leimatstr. 28/28a und Heinestr. 1, 3. Links verläuft die Leimatstrasse, und nach rechts unten führt der in seiner Höhenlage noch nicht korrigierte Obere Leimatweg. Die Auffahrt zu Heinestr. 1 und 3 war damals schon vorhanden. Bemerkenswert ist die anstossende Trockensteinmauer, die - allerdings verputzt - heute noch existiert! Die heute daran links anschliessende entstand dann beim Bau der Heinestrasse um 1905. Die wohl um 1880 gepflanzte Tanne war bis ins Jahr 2000 zu einem mächtigen Baum angewachsen und wurde dann für die bessere Benützungsmöglichkeit des Gartens gefällt. Foto vor 1886, städtisches Bauarchiv.



    (Zusatzbemerkung zur Jahrzahl "1886" am heutigen Brunnentrog:


    Auf dem Stadtplan von 1903 ist der Brunnen noch am alten Standort eingezeichnet. Freilich handelt es sich um einen der Übersichtspläne über die ganze Stadt, die wohl nicht bis ins letzte Detail exakt nachgeführt wurden. Dies betrifft insbesondere jene im Massstab 1:15'000. Die Pläne im Massstab 1:5'000, zu welchen auch derjenige von 1903 gehört, sind genauer. Es wird sohl so sein, dass nach der Erstellung der Heinestrasse um 1905 ein vorhandener Brunnentrog von 1886 hier aufgestellt wurde, der den älteren Brunnen ersetzte. Die einfachste Brunnensäule wohl von 1905. Diesbezüglich ist die Datierung der Fotografie mit "vor 1886" mit Vorsicht zu geniessen; sicherer wäre "vor 1905".)

    Ein Campingfplatz in den später 1950er-Jahren: Gampelen am Neuenburgersee (in der Nähe von Bern)


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    (Quelle: ungelaufene Ansichtskarte)


    Aufgrund der grossen anstatt ursprünglich kleinen Heckscheibe des Käfers im Vordergrund ist die Aufnahme frühestens 1957 entstanden. Bemerkenswert finde ich die dumpfe Farbigkeit der Zelte, die jener der Fahrzeuge entspricht.

    Das ist Kaiserstr. 28. Über das Gebäude habe ich hier schon geschrieben und eine Aufnahme des ursprünglichen Zustands beigefügt. Das dort verlinkte Zitat verweist auf das APH, wo ich weitere aktuelle Aufnahmen (ganz am Schluss) eingestellt habe.

    Für Backsteingewölbe gibt eine Verputzschicht zusätzliche Festigkeit, indem auch die Fugen sicher verschlossen werden. Teilweise können diese Schichten recht stark sein, und oft sind sie mit Fasern oder Haaren armiert.


    Wie das bei romanischen und gotischen Kirchen, für deren Gewölbeflächen teilweise recht grosse Steinblöcke verwendet wurden, gehandhabt wurde, weiss ich gerade nicht. Man müsste da nach Innenaufnahmen von Dachstühlen suchen; bei Notre Dame in Paris sind wohl einige Aufnahmen zu finden.

    Vom Innenraum her sieht es mir nach aufmodellierten Rippen aus. Dass Backsteingewölbe dachseitig verputzt wurden, war normal. In diesem Beitrag siehst du die Gewölbe der Kathedrale von St. Gallen aus den 1760er-Jahren, ebenfalls von oben. Sie sind aus Backsteinen gemauert, von oben verputzt und mit aufgemauerten Rippen gegen Stauchen und Bauchen versehen, obwohl sie raumseitig keine Gliederung aufweisen.

    Gute Frage, inwiefern das Gewölbe nach dem Krieg denkmalgerecht instandgesetzt wurde ... vielleicht weiß hier Riegel mehr?

    Ich glaube, dass das gar keine Rippengewölbe sind, sondern lediglich aus Backstein gemauerte Gewölbe, denen Scheinrippen aufgesetzt wurden. Bei echten Rippengewölben kan man von oben her aber auch oft die vorstehenden Rippen beobachten; oft sind auch zusätzliche Rippen auf grosse rippenlose Gewölbe aufgebracht worden, um ein Ausnkicken der Gewölbe zu unterbinden (vor allem im Barock).


    Wenn man den Grundriss betrachtet, sind wohl nur die Chor-, das Vierungs- und Turmgewölbe Rippengewölbe.