Beiträge von Tübinger

    seit 1938 Museum der Schwalm.

    Das ich schon einmal besucht habe, es muss ca. 1991 gewesen sein. Wir waren dort mit Verwandten, die in Bad Hersfeld wohnten. Sie sind nun schon lange tot. In dem Museum kann ich mich nur noch an den Meteorit von Treysa erinnern. Nun lese ich, dass in Ziegenhain lediglich ein Abguss ausgestellt ist, während das Original in Marburg aufbewahrt wird. Das war mir damals, glaube ich, nicht bewusst und mit fast 30 Jahren Verspätung bin ich ein wenig enttäuscht. Bei dem Besuch war die Frau meines Großonkels dabei, die sich noch an den Fall des Meteoriten im Jahr 1916 erinnern konnte.

    Ist es jetzt heut ein Häfn oder nicht?


    Ach so, Fremdsprachenproblem: Strafvollzugsanstalt.

    Ja und anscheinend ist es ein ziemlich harter Knast: https://de.wikipedia.org/wiki/justizvollzugsanstalt_schwalmstadt


    "In der geschlossenen Hauptanstalt mit höchster Sicherungsstufe sind rund 300 männliche Erwachsene mit einer Strafhaftdauer von 24 Monaten bis lebenslang untergebracht. Zudem wird hier auch die Sicherungsverwahrung für die Bundesländer Hessen und Thüringen vollstreckt."


    An den Vorfall kann ich mich noch erinnern: "Am 4. April 1993 wurde der wegen dreifachen Mordes verurteilte Häftling Lothar Luft mit Hilfe eines Panzers befreit. Ein Freund des Insassen hatte vom Gelände der Herrenwald-Kaserne in Stadtallendorf einen Radpanzer vom Typ Fuchs entwendet, damit vier Gefängnistore durchbrochen und den beim Hofgang befindlichen Häftling durch eine Luke einsteigen lassen.Anschließend fuhren sie mit dem Panzer wieder aus der Anstalt und entkamen in einem Waldgebiet. Der Dreifachmörder konnte erst drei Monate später im Elsass gefasst werden."

    Hast Du die Schilder photographiert? Die Seite der Stadt Schwalmstadt spricht vom 13. Jahrhundert, was für mich plausibler ist: "Das Lüdertor bot nach Anlage der Festung durch Philipp von Hessen den einzigen Zugang zur Stadt. Der heute noch sichtbare Torbogen wurde 1537 vom Rangenturm hierher versetzt und trägt den Namen des ersten Festungskommandanten Heinz von Lüder. Reste der ersten Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert befinden sich an beiden Seiten des Tores."


    Bei obigem Luftbild erkennt man übrigens auch den heute trockenen äußeren Graben, besser aber noch auf diesem Bild von 1954 (sehr hübsch war der Ort damals; er wirkt ziemlich dörflich):


    1024px-Ziegenhain-1954.jpg
    Ziegenhain-1954 Foto: Wschmock / Public domain



    Festung ziegenhain grundriss
    Matthäus Merian / Public domain

    Und dieser Turm ist tatsächlich noch aus dem 11. Jahrhundert??

    Würde mich wundern. Wehrbauten aus dieser Zeit sind sehr sehr sehr selten.


    Generell ein typ. ungepflegtes Stadtbild mit wertvoller Substanz, aber wenig Gesamtwirkung.

    Ja, das Stadtbild ist ziemlich lahm. Interessant ist Z. eben als Festungsstadt, die es in Deutschland ja nicht so viele gibt. Am meisten genießt man das Städtchen vielleicht aus der Luft.


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    Luftbild Wasserfestung Ziegenhain Ludwig May / CC BY-SA (Creative Commons — Attribution-ShareAlike 3.0 Unported — CC BY-SA 3.0)

    Tübinger Unikat, das vollautomatische Parkhaus Lorettoplatz:

    Der vollautomatische Teil wird demnächst endgültig stillgelegt, da er unheilbar störungsanfällig ist und den Stadtwerken einen Millionenverlust verursacht hat: Eine Parkhaus-Pannenserie geht zu Ende


    eher mäßig gelungenen Einzelbauten wie der St. Michaels-Kirche

    Jahrelang habe ich gegenüber gewohnt und mit der Zeit hat mir die Kirche immer besser gefallen. Das ist ein schnörkelloser neoromanischer Bau, der sich bruchlos in die Tradition der schwäbischen Dorfkirchen einfügt. Die späteren An- und Umbauten haben der Kirche leider nicht gut getan. So war der originale Zustand:


    ak-ansichtskarte-tuebingen-kirche-sankt-michael-kat-tuebingen.jpg


    ak-ansichtskarte-tuebingen-sankt-michael-kirche-kat-tuebingen.jpg

    Gerade eben gefunden, auf der Suche nach den mysteriösen Bildern, die ursus erwähnt hat, mir bisher unbekannte Filmaufnahmen von 1945, sehr spannend.


    Die erste Sequenz zeigt den Südwesten von Tübingen. Das große Gebäude mit den Rotkreuzfahnen auf dem Dach ist das heutige Wildermuth-Gymnasium. Gefilmt wurde die Stelle wegen den beiden von der Wehrmacht gesprengten Neckarbrücken. Dahinter die Neckarhalde und der Spitzberg mit dem Schloss.


    Die zweite Sequenz ab 0:29 zeigt den Güterbahnhof von Westen kommend, am Anfang erkennt man die Blaue Brücke


    Ab 0:54 zuerst der Österberg mit dem Österbergturm, dann der Hang zum Neckar und unten die Gartenstraße. Bemerkenswert die Bombenkrater im Neckar bei 1:24


    Zuletzt ab 1:34 nochmal der Güterbahnhof, diesmal von Osten. Man sieht, dass vor allem die Bahnanlagen bombardiert worden sind.



    Da sind noch mehr Videos von anderen Städten: https://www.youtube.com/channel/ucyuopbuf30lfks9q9phwdvw/videos

    Dh eigentlich wieder nicht, denn auch die Vorstädte hab ich mir weit eleganter und noblicher vorgestellt.

    Ich glaube, mit sowas kann Tübingen nicht aufwarten. Auch sind in den Vorstädten zwar die allermeisten Häuser aus der Vorkriegszeit erhalten, aber sie sind oft durch die typischen schwäbischen Baumarktsanierungen beeinträchtigt, zumindest die einfacheren Wohnhäuser. Die Villenviertel sind nicht übel, aber natürlich bescheiden im Vergleich zu Städten wie Dresden oder Wiesbaden usw. Das Univiertel ist beachtlich mit einer fast komplett erhaltenen Universität aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. (Die mittelalterlichen Universitätsbauten in der Altstadt sind auch fast vollständig erhalten.)

    Ist Tübingen eigentlich schwer bombardiert worden?

    Nein. Es kam zu keinem großen Angriff. Wohl gab es etliche (ich weiß aber nicht, wieviele) kleinere Angriffe und einige Male haben sich schwere Bomber auf dem Weg nach Stuttgart oder sonstwohin verflogen und Tübingen erwischt. Beschädigt wurde fast ausschließlich die Gegend südlich des Neckars. Nördlich war es, glaube ich, nur die Bombe, die am unteren Ende der Mühlstraße explodiert ist. Insgesamt wurden 82 Gebäude total zerstört, was ja nun nicht sehr viel ist.

    Sie zeigte mir Bilder des zerstörten Tübingens verbunden mit antiamerikanischen Tiraden, also gegen "die Amerikaner", die aus ihren Flugzeugen Bomben "heruntergeworfen" hätten. Diese Bilder zeigten eine typische Trümmerlandschaft à la Nürnberg etc, die ich mir heute eigentlich nicht erklären kann. Andererseits glaub ich nicht, dass ich mir irre, an das Schloss über dieser Ruinenlandschaft kann ich mich noch gut erinnern, und es entspricht dem Schloss Hohentübingen.

    Sehr interessant. Solche Bilder sind mir nicht bekannt.

    Die Gegend südlich von der Altstadt zwischen Neckar und der Eisenbahn kann man nicht schönreden. Da steht eine Mischung aus meist ziemlich lahmen Altbauten und schlechten Neubauten (der Bereich beim Anlagensee ist aber ganz nett; vielleicht zeigt uns den giulio noch). Weiter südlich, jenseits der Eisenbahn, wirds besser, aber auch da erwarten einen keine Wunder. Zur Ehrenrettung Tübingens will ich aber sagen, dass die Stadtteile westlich, nördlich und östlich von der Altstadt alle besser erhalten sind als der Bereich im Süden, der seit dem 19. Jahrhundert von Verkehrsschneisen geprägt ist und auch im Krieg wegen der Eisenbahnanlagen und Kasernen etliche Bomben abgekriegt hat.


    Tübingen ist übrigens insgesamt im 19. Jahrhundert deutlich weniger stark gewachsen als viele andere Städte und weitläufige Gründerzeitquartiere und dergleichen findet man hier nicht. Staatsbauten aller Art sind aber mit guten Beispielen vertreten, v.a. im Univiertel nördlich von der Altstadt. Auf dem Spitzberg und dem Österberg gibt es auch hübsche Villenviertel mit vielen Verbindungshäusern.

    Wirklich sehenswert ist die heutige Karlstraße nicht mehr, was mich indes verblüfft, ist die ineffiziente Raumausnutzung. Hinter dem Zinser-Gebäude befindet sich eine freie Fläche:


    IMG_3607_sil.jpg

    Wie man sieht, wird die Fläche zur Zeit neu bebaut. Das Haus rechts (Karlstraße 11) besaß ein großes Hinterhaus, das abgerissen worden ist: die-karlstrasse-11-besteht-aus-dem-vorder-und-dem-493528og.jpg

    Der Investor wollte auch den vorderen Bau beseitigen, die Stadt konnte ihn aber retten. Zum aktuellen Bauprojekt siehe hier: Sanierungsgebiet "Südliches Stadtzentrum"; Projekt Karlstr. 11

    Und direkt gegenüber noch eine viel größere ungenutzte Fläche in Richtung Bahnhof:

    Tja, die ist wirklich so öde und wird wohl auch so öde bleiben. An Wochenenden trafen sich da gerne Jugendliche zum Vorglühen, wovon am nächsten Morgen Haufen von leeren Flaschen und Plastikbechern zeugten. Inzwischen werden die Durchgänge nachts mit Gittern verschlossen.

    Der Bau von 1953 wurde aber mindestens zweimal noch verändert: erstens lief der Erker ursprünglich nicht um die Ecke herum, sondern bestand nur giebelseitig,

    Das glaube ich aber nicht: file:fuhrpark_drk_neckarbruecke_1957.jpg


    Übrigens trauere ich vor allem der alten Walkmühle nach, dem einzig legitimen Bau an dieser Stelle, und den Mord hat nicht das Haus von 1953 und auch nicht die alliierte Fliegerbombe begangen, sondern der Gründerzeitler.


    Apropos Fliegerbombe: Das war die einzige Bombe, die Tübingens Altstadt im Zweiten Weltkrieg getroffen hat und sie hat ausschließlich Häuser aus dem 19. und 20. Jahrhundert zerstört, das älteste war wohl Uhlands Haus von 1828. An fast jeder anderen Stelle der Altstadt wäre sehr viel ältere Bausubstanz verloren gegangen.

    Tübingen ist bekanntermaßen eine gut erhaltene Stadt, aber die Gegend am unteren Ende der Mühlstraße, bzw. am nördlichen Ende der Neckarbrücke ist gleich zweimal zerstört worden, nämlich nach 1880 beim Durchbruch der Mühlstraße und 1944 durch eine schwere Fliegerbombe. Hier der Urzustand beim Hochwasser von 1872:


    1024px-P_Sinner_-_Hochwasser_am_Neckar_bei_der_Eberhardsbr%C3%BCcke%2C_Mai_1872_%28TSiW064%29.jpg
    https://commons.wikimedia.org/wiki/file:p_sinner_-


    So kurz vor 1900, noch mit der mittelalterlichen Neckarbrücke, die 1901 durch einen breiteren Nachfolger ersetzt worden ist:


    1024px-Partie_an_der_Neckarbr%C3%BCcke_%28AK_425_C_Sch%C3%B6nwalter_1904_TPk46%29.jpg

    Partie an der Neckarbrücke (AK 425 C Schönwalter 1904 TPk46)
    Photographer: Unknown author Publisher: Postkartenverlag C. Schönwalter, Cannstatt / Public domain


    Rechts das Wohnhaus Ludwig Uhlands, das noch aus der Zeit vor dem Bau der Mühlstraße stammt. 1944 wurde es von der Bombe voll getroffen


    512px-Blick_%C3%BCber_den_Neckar_in_die_M%C3%BChlstra%C3%9Fe_um_1895_%28TSiW096%29.jpg

    Blick über den Neckar in die Mühlstraße um 1895 (TSiW096)
    Unknown author / Public domain


    Einige Photos vom Zustand nach dem Angriff sieht man hier: Bilder vom zerstörten Uhlandhaus aufgetaucht An der Stelle des Uhlandhauses steht heute der einstöckige Imbissbau. Der Stadt ist er schon lange ein Dorn im Auge; da er aber in Privatbesitz ist und der Eigentümer kein Interesse an einem Neubau hat, wird er uns wohl noch lange erhalten bleiben.


    der Kasten im letzten Bild ist aber auch nicht ohne.

    Dieses Haus ist von 1953. Zuvor stand dort ein großer, 1944 zerstörter Gründerzeitbau aus dem Jahr 1881, der die alte Walkmühle ersetzt hat, die man auf dem ersten Bild noch sieht. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass der Bau von 1953 besser ins Stadtbild passt als der kaiserzeitliche Schinken.


    Neckarbr%C3%BCcke_mit_%C3%96sterberg_und_Uhlandhaus_AK_HTSl_023082.jpgNeckarbrücke mit Österberg und Uhlandhaus AK HTSl 023082

    Autor unbekannt / Public domain

    Das Schloss Roseck bei Unterjesingen (einem Teilort von Tübingen) wird aktuell zum Kauf angeboten, für 4,5 Millionen Euro. Die Makler haben eigens eine Website erstellt: Schloss Roseck – Kulturdenkmal mit atemberaubendem Panorama Interessant finde ich die Bildergalerien, denn das Schlossareal ist seit Jahren nicht mehr zugänglich und Bilder vom Schlossinneren habe ich überhaupt noch nie gesehen - wobei es da auch nicht viel zu sehen gibt, denn das Schloss ist 1991 ausgebrannt und nur im Rohbau wiederhergestellt worden.


    Schloss-Roseck-ago-16.jpg

    Da fallen mir aber schon einige ähnlich gut erhaltene Burganlagen ein

    Mir auch, aber am Rhein hat der Historismus besonders gründliche Arbeit geleistet. (Nebenbei: Praktisch alle erhaltenen Burgen wurden im 19. Jahrhundert oder 20. Jahrhundert restauriert und dabei unweigerlich verändert. Zum Beispiel sind Zinnen, die schnell verwittern, sehr oft moderne Ergänzungen. Es kommt dann darauf an, wie stark eine Burg verändert worden ist und wie originalgetreu die Ergänzungen sind. Die Grenze zwischen legitimer Restaurierung und historistischer Zuckerbäckerei ist nicht immer ganz klar.)