Beiträge von Tübinger

    Nun das Pulverdinger Holz - ein wirklich interessanter kleiner Wald. Nicht so sehr wegen der mysteriösen Solitudeallee:


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    Sie schaut halt aus, wie ein langer, gerader Waldweg eben ausschaut:


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    Spannend sind vielmehr die Bunkerruinen der Neckar-Enz-Stellung. Die NES wurde ab 1935 erbaut, um die Lücke zwischen dem Schwarzwald und dem Odenwald gegen Angriffe von Frankreich her zu verteidigen. Beim Pulverdinger Holz befand sich das südliche Ende der NES. Die Bunker wurden nach dem Kriegsende gesprengt, aber danach nicht weiter zerstört und auch nicht mit Erde überdeckt (was andernorts oft geschehen ist). Vier Bunker im Wald habe ich mir angeschaut.


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    In Norddeutschland würde das fast als Hünengrab durchgehen:


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    Das ist der relativ intakte Eingangsbereich eines Bunkers auf der dem Feind abgewandten Seite. Links ist eine MG-Scharte, die den Eingang schützt. Rechts (da wo mein Kopf seinen Schatten wirft) ist der Eingang.


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    Die MG-Scharte aus der Nähe:


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    Innen sehen die Bunker dann so aus:


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    Übrigens hat jemand die Bunker der NES in die OpenTopoMap eingetragen. Mir hat das sehr geholfen und man kann den Verlauf der Stellung bestens erkennen: OpenTopoMap - Topographische Karten aus OpenStreetMap

    Heute, am 30.12.2019, bin ich von Enzweihingen über Pulverdingen und Markgröningen nach Asperg gewandert. Dabei kam ich auch durch das Pulverdinger Holz. Das Rätsel, wie die Solitudeallee zu ihrem Namen kam, konnte ich nicht lösen. Ein paar Bilder aus der Gegend will ich trotzdem zeigen. Wie wir schon in der obigen Diskussion festgestellt haben, verläuft durch den Wald eine alte Fernstraße, die in Enzweihingen die Enz überquerte. Dort befand sich auch seit dem 16. Jahrhundert eine Taxissche Posthalterei. Man sieht noch heute, dass der Ort wohlhabend war. Am beeindruckendsten ist das "Große Haus" (wegen der Lichtverhältnisse konnte ich kein eigenes Bild machen):


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    Enzweihingen Grosses Haus PF1380ABW P. Fendrich [CC BY-SA 4.0 (Creative Commons — Attribution-ShareAlike 4.0 International — CC BY-SA 4.0)], via Wikimedia Commons


    Blick über den Ort von Süden. In der Bildmitte das "Große Haus" von hinten.


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    Hinten die Kaltenburg oberhalb von Vaihingen an der Enz (ca. 3,5 km Luftlinie entfernt). An der Dunstschicht erkennt man die Inversionswetterlage.


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    Die Gegend ist heute noch wichtig für den Verkehr. Knapp östlich von Enzweihingen überquert die ICE-Strecke die Enz. Rechts sieht man, dass der Dampf aus einem Kraftwerk nur bis zur Inversionsgrenze aufsteigt.


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    Sehr herzlichen Dank für Deine Galerie! Du hast Tübingen sehr angemessen vorgestellt, man kann sagen: mit einem Kennerblick. Ein paar sehenswerte Stellen sind Dir entgangen (wie z.B. die Collegiumsgasse oder der Schulberg), aber dafür, dass es Dein erster Besuch war, hast Du doch sehr viel gesehen. Ich merke auch, dass wir einen ähnlichen Geschmack haben und uns die selben Stellen gefallen.

    Alles in allem finde ich immer wieder, dass Tübingen sich unter den mittelgroßen deutschen Altstädten wirklich sehen lassen kann.

    das Haus mit den rot-braunen Balken von 1359

    Dieses Haus wurde 1983 gründlich saniert und dürfte daher statisch in Ordnung sein. Wie es mit der Belastbarkeit der Böden aussieht, weiß ich nicht. Kommt wohl auch auf den Einzelfall an. Riegel könnte uns kompetent Auskunft geben. In einem anderen Fachwerkhaus in der Haaggasse musste vor einigen Jahren eine Wohnung zwangsweise geräumt werden, weil ihr (psychisch wohl nicht ganz gesunde) Bewohner so viel Metallschrott gehortet hatte, dass die Statik des Hauses gefährdet war.

    Übrigens staune ich auch immer wieder, wie krumm Fachwerkhäuser sein können und trotzdem noch bewohnt und genutzt sind. Bei modernen Bauten hätte längst das Bauamt oder eine andere Behörde eingegriffen.

    Das ist eine meiner Lieblingsansichten in Tübingen. Sie zeigt, was den Reiz der Altstadt ausmacht: Stattliche und dicht gruppierte Ensembles ohne störende Neubauten; der Wechsel von verputztem und unverputztem Fachwerk; spannende Sichtachsen dank der unebenen Topographie und dem unregelmäßigen Stadtgrundriss.

    Der Blick zurück in die Kirchgasse:

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    Als ich den Turm zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich, das sei ein kaiserzeitlicher Wasserturm, weil er so rund ist und diesen neogotischen Aufsatz hat.

    Warum sind Kirchtürme in Deutschland fast niemals rund? Bei Wehrbauten (z.B. Bergfrieden) sind runde Türme ja nicht ungewöhnlich. In England sind Kirchen mit runden Türmen etwas weniger selten, aber auch nicht wirklich häufig: Round-tower church - Wikipedia


    In der Romanik findet man, scheint mir, mehr Beispiele als in späteren Epochen:

    - datei:059_klosterkirche_lorch.jpg

    - Rundturmkirche – Wikipedia

    - Campanile – Wikipedia

    Das ist so ziemlich das stattlichste noch erhaltene Ensemble von Bürgerhäusern in Ulm. Erfreulich also, dass man dieses wichtige Haus endlich saniert hat. Die Rückseite ist allerdings ein Schlag aufs Auge. Ich frage mich auch, wie viel noch von der originalen Fachwerkkonstruktion übrig ist, wenn man einen solchen Riesenerker an der Außenwand aufhängen kann. Zumindest die Rückseite muss weitestgehend ersetzt worden sein.

    Ulm kann man noch erwähnen. Die Fachwerkhäuser sahen dort ganz ähnlich aus wie in Tübingen, Stuttgart und Esslingen, doch unter diesen Städten war Ulm im Mittelalter weitaus die größte und bedeutendste Stadt. Auch wenn ich dem alten Stuttgart nachtrauere, so finde ich doch, dass Ulm der schlimmere Verlust ist, auch wenn von Ulm noch ganz beachtliche Teile erhalten sind.

    Danke für den Hinweis! Dieses hübsche Modell kannte ich noch nicht. Es zeigt das Zentrum um 1790, ohne die Stadterweiterungen im Norden und Süden. Wenn ich mir das so anschaue, finde ich doch, dass Tübingen da mithalten kann.


    Esslingen war im Mittelalter größer als Stuttgart, aber da es eine Reichsstadt war, konnte es nicht zur Hauptstadt von Württemberg aufsteigen. Tübingen wiederum konnte auf dem Höhepunkt seiner Bedeutung, im 15. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, durchaus noch mit Stuttgart konkurrieren. Tübingen war der Sitz der Landesuniversität und offiziell die zweite Residenzstadt Württembergs. Einige Herzöge verbrachten mehr Zeit in Tübingen als in Stuttgart. Ab ca. 1550 verlagerte sich die Macht aber deutlich nach Stuttgart und spätestens mit dem 30jährigen Krieg war Tübingens Blüte vorbei.

    die tuebinger Oberstadt hat schon was vom alten Stuttgart, oder auch Frankfurt(!). Nur scheinen mir diese ehemaligen Stadtkerne auch flaechenmaessig groesser gewesen zu sein.

    In Frankfurt kenne ich mich nicht aus, ich nehme aber an, dass das Frankfurter Zentrum erheblich grösser war (zu keinem Zeitpunkt hat Tübingen an die Bedeutung Frankfurts irgendwie herangereicht). Bei Stuttgart bin ich mir nicht so ganz sicher. Der älteste Kern Stuttgarts war nicht grösser als der von Tübingen. Stuttgart wuchs dann ab dem 15. Jahrhundert durch planmäßige Stadterweiterungen, während Tübingen bis ins 19. Jahrhundert innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern verharrte.

    Auf diesem Stadtplan von 1794 kann man den mittelalterlichen Kern Stuttgarts noch klar erkennen und selbst am Ende des 18. Jahrhunderts waren die Stadterweiterungen noch nicht sehr dicht bebaut.


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    Christian Friedrich Roth; Gottlieb Friedrich Abel [Public domain], via Wikimedia Commons

    (8stöckig, ist das wirklich so?)

    Ich kann es bezeugen. 5 Vollgeschosse, ein Kellergeschoss (aber mit Zugang vom Klosterberg) und 2 Dachgeschosse. Das riesige Calwer Haus zwischen Kirchgasse und Kronenstraße (Bilder werden wohl noch folgen) hat auch 8 Geschosse, nämlich 4 Vollgeschosse und 4 Dachgeschosse (und vermutlich gibt es noch einen Keller, von dem ich aber nichts weiß - das wären dann 9 Geschosse). Tübingen wirkt auf mich übrigens urbaner als z.B. Rothenburg o.d.T. (aus aktuellem Anlass sei das gesagt). Rothenburg ist zwar der Fläche nach deutlich größer und seine Stadtbefestigung ist ganz fabelhaft, aber Tübingen ist im Zentrum dichter und höher bebaut. Tübingen ist gewissermaßen klein, aber intensiv.

    Die allerwenigsten Besucher werden diesen Durchgang bemerken. Daher bin ich erfreut, dass Du ihn gefunden hast, Niederländer. Hier noch drei Bilder von mir:


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    Der gotische Türrahmen gefällt mir besonders gut:


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    Dieses mittelalterliche Fachwerkhäuschen scheint mir weitgehend erneuert worden zu sein:

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    Korrekt. Ammergasse 7. Das steinerne Erdgeschoss dürfte weitgehend original sein, das Fachwerk wurde rekonstruiert (wie originalgetreu das ist, mag unser Experte Riegel bewerten). Es ist, glaube ich, eine echte Fachwerkkonstruktion und nicht nur vorgeblendet.

    Die von Dir angegebene Bildindex-Ansicht zeigt die Gasse 'Laufertormauer', und zwar den Bereich mit der Einwärtsbiegungung auf Höhe des "Alcibiadesturms" (Kasemattenturm II). Das grosse Haus mit dem Dachtürmchen hatte die Adresse 'Spitzenberg 4'. Es steht genau in der Axe der Schmausengasse!

    Wunderbar. Das Photo aus dem Bildindex war nämlich mein Ausgangspunkt. Auf dem von Dir verlinkten Stadtplan hatte ich dann nach einer Stelle gesucht, an der die Stadtmauer einen Knick wie auf dem Photo macht. So bin ich auf die Laufertormauer und schließlich auf die Schmausengasse gekommen. Die ganze Gegend ist leider photographisch kaum dokumentiert, scheint mir. In dem Stadtmodell von Hehl meine ich an der passenden Stelle ein grosses Haus mit Türmchen erkennen zu können:


    1939-stadtmodell.pdf


    Aber einen soliden Beweis konnte ich bisher nicht finden.