Beiträge von giulio

    Wirklich genau kann ich das jüdische Kazimierz leider nicht verorten, es muß wohl ziemlich klein gewesen sein, ein Fünftel der Fläche bei der Hälfte der Einwohnerzahl.


    Das Zentrum war die oben gezeigte Szeroka, Krakow Travel bietet ein Luftbild.


    Ich habe mich bemüht, anhand der Synagogen die Mindestausdehnung zu rekonstruieren:



    Den "Israelitischen Friedhof" jenseits der Bahnlinie habe ich in das Viertel nicht aufgenommen, vielleicht später angelegt, nachdem die Mauern schon fielen?


    Hat jemand dazu genauere Informationen oder gar einen alten Stadtplan?


    Gefunden habe ich diese Übersichtszeichnung: kazimir.html


    Zwischen Ring und Alter Synagoge befinden sich praktisch nur alte Industriebauten und ein früheres Straßenbahndepot, zwischen Fronleichnamsbasilika und der Szeroka liegt ein Kloster und als Abschluß nach Osten ein Gymnasium aus dem Jahr 1902, dahinter könnte das jüdische Viertel begonnen haben, also generell deutlich nördlich des Hauptplatzes mit dem Rathaus.


    Industriebauten:



    Das VI Liceum Ogólnokształcące im. Adama Mickiewicza w Krakowie :smile:


    Ein kurzer Abstecher weiter nach Norden zur Eisenbahnbrücke, die über die Dietla führt:



    Unmittelbar dahinter endet die Dietla übrigens schon, sie ändert den Namen zu Grzegozecka und ist dann auch nur noch zweispurig, bevor dann auch die historische Bebauung endet und die für das heutige Krakau dominierende moderne Bebauung beginnt.


    Daher geht es die Starowinska weiter in Richtung Innenstadt, die Straße durchquert auch Stradom und endet erst am Planty, der Grünanlage rund um die Altstadt (in direkter Verlängerung käme man übrigens direkt am Hauptmarkt heraus).



    Das Gebäude der Hauptpost, direkt am Ende der Starowinska gelegen:



    Ein wenig nördlich davon, hier geht es auf der Planty-Grünanlage, die in diesem Abschnitt nach der Westerplatte benannt ist, wieder nach Norden zum Bahnhof:



    Hier haben wir schon wieder fast den Ausgangspunkt der Rundgangs erreicht, wir befinden uns hier direkt neben dem Slowacki-Theater:



    Und ganz zum Schluß noch ein Blick auf den früheren Bahnhof:


    Auch im Umfeld dieser früheren Synagoge sieht es etwas wild aus, hier der Blick in Richtung Osten (Dajwor-Straße):


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    Weiter im Norden ist hingegen ein netter kleiner Platz mit vielen Lokalen, jüdische Küche und Bagels gibt es hier ebenso wie Pizza und sogar einen Inder. Offensichtlich hat der Platz gar keinen Namen, sondern trägt einfach den Namen der Szeroka-Straße:


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    Das Ariel scheint das bekannteste Lokal zu sein:


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    Westlich ist die Synagoge Remuh mitsamt Friedhof gelegen:


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    Klezmer-Lokal:


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    Blick zurück nach Süden:


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    Etwas abseits vom Platz, östlich davon und schon jenseits der Bahnlinie, gibt es einen weiteren jüdischen Friedhof:


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    Gleich daneben dann Tennisplätze und Wohnblöcke neueren Datums, dort endet die historische Bebauung dann schon.


    Daher wieder zurück und über die Starowisina-Straße (die im Süden über die Weichsel führt) wieder zurück nach Norden zur Dietla, hier einige Häuserfassaden:


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    Hier ist nun aber definitiv die Dietla erreicht, und zwar wieder deren nördlicher Abschnitt, meines Erachtens die einzige echte Großstadtstraße in Krakau:


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    Das stimmt, leider habe ich die beiden anderen größeren Kirchen völlig übersehen, die sich beide fast in einer Linie mit der obigen Basilika westlich davon befinden.


    Es handelt sich um die Paulinerbasilika an der Weichsel und die Augustinerkirche, zwischen denen sich eine große Grünfläche befindet.


    Aus Zeitgründen habe ich leider auch die frühere Vorstadt Stradom gleich nördlich davon ziemlich vernachlässigt und tatsächlich keine einzige der Kirchen dokumentiert, das wären:


    Bernhardinerkirche (gleich am Wawel), Lazaristenkirche (wenige Schritte entfernt) und die Agneskirche (etwas versteckt, aber fast direkt an der Dietla) - allein das würde einen weiteren Krakau-Urlaub rechtfertigen :smile:

    In Ermangelung von polnischen Sprachkenntnissen kann ich da leider auch keine Quellen auswerten, gefunden habe ich:

    Visiting today, it’s hard to imagine that Plac Wolnica was once equal in size and stature to Kraków’s Rynek Główny. When laid out as the town square of Kazimierz (Rynek Kazimierski) upon the town’s establishment in 1335, this space measured 195m by 195m (only 5m shorter on each side than Rynek Główny) making it the second largest market square in Poland, if not Europe. (...) Hardly the bustling marketplace it once was, today’s Plac Wolnica (named so since the end of the 18th century when it was granted the privilege of free trade) covers only a small fragment of the square’s original size. Fortunately the Town Hall which stood at its very centre has managed to survive. Falling into ruin after Kazimierz’s incorporation into Kraków in 1802, the Town Hall was taken over by local Jewish authorities who renovated it into its present neo-Renaissance style in the late 19th century.

    Mein Architekturführer erwähnt allgemein einen Stadtbrand von 1683, Plünderungen durch die Schweden, wann die umgebende Bebauung entstanden ist, weiß ich leider nicht, offensichtlich nur noch ein Fragment des ursprünglichen Platzes.

    Kazimierz wurde 1355 als eigene Stadt gegründet und durch Österreich im Jahr 1800 nach Krakau eingemeindet.


    Effektiv gibt es zwei Stadtzentren, da Ende des 15. Jahrhunderts nach Pogromen die Krakauer Juden nach Kazimierz umgesiedelt wurden und in einem eigenen, von Mauern umgebenen Stadteil im Osten lebten - erst 1822 wurden die Mauern abgetragen und die Juden konnten sich frei niederlassen.


    Wir besichtigen erst den Westen, wo nördlich des Rathauses die Fronleichnamsbasilika liegt:





    Das Rathaus von Kazimierz liegt am Wolnica-Platz, von dort aus ist die obige Kirche zu sehen:



    Das Rathaus verlor nach der Eingemeindung nach Krakau seine Funktion und verfiel, befindet sich heute aber durchaus wieder in akzeptablem Zustand:



    Nochmals etwas südlich davon ein größeres Krankenhaus:



    Und an der Weichsel wieder reichlich heruntergekommene Bauten:




    Daher weiter in den Ostteil, wo ein großes Brauhaus mitsamt Freigelände kommt - wir befinden uns jetzt unmittelbar östlich der oben gezeigten Fronleichnamsbasilika:




    Nach einigen "wilden" Straßenzügen:



    Haben wir dann das Zentrum des jüdischen Kazimerz erreicht, wo es heute noch mehrere Synagogen gibt. Den Auftakt macht die Alte Synagoge, die heute ein jüdisches Museum enthält:



    Bei den Anbauten handelt es sich um die Frauenbetsäle:


    Vorbei an diesem schönen Gebäude ...


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    .. geht es nun wieder nach Norden, allerdings nicht zum Hauptmarkt, der hier schon wieder zu erahnen ist:


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    Sondern zum Kleinen Markt, der sich etwas östlich des Hauptmarkts befindet, gleich hinter der Marienkirche:


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    Bei der ansatzweise zu erkennenen Kirche handelt es sich um die Rückseite der Sankt-Barbara-Kirche:


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    Wir überschreiten den Platz:


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    Am Nordende befindet sich dieses Eckhaus:


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    Von hier aus die Mikolajska entlang, die sich am Hotel Amadeus aufteilt:


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    Im Hintergrund ist schon wieder die Grünanlage Planty zu sehen:


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    Hier beginnt nun mit Stradom eine Gegend, die den meisten Besuchern wohl unbekannt sein dürfte ... wobei sich die Attraktivität im nördlichen Abschnitt dieses Stadteils in Grenzen hält.


    Bemerkenswert immerhin das monumentale Szyszko-Bohusz-Gebäude der Zwischenkriegsjahre - benannt nach dem gleichnamigen Architekten


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    Somit haben wir die bereits angesprochene Jozefa Dietla-Straße erreicht (ja, die ist nach Josef Dietl benannt), die breiteste Innenstadtstraße auf einem trockengelegten Weichselarm, die im Süden fast parkähnlich mit großen Grünanlagen zwischen den Fahrspuren angelegt ist.


    Die Architektur ist durchaus großstädtisch, der Erhaltungszustand an der Grenze zu Kazimierz ist aber deutlich schlechter als im Zentrum:


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    Nun weiter zum Loretto-Viertel, das auf dem Areal der früheren gleichnamigen Kaserne errichtet wurde - die Räume der Kaserne selbst werden durch die Tübinger Volkshochschule genutzt.


    Der Hauptplatz, links die Kaserne:



    Die Kaserne:



    Rundherum ist ein Stadtviertel mit viel Grün und allen möglichen Fassadenstilen entstanden, irgendwie typisch für Tübingen:





    Am südlichen Rand wurde durch ein erhaltenes Gebäude eine Treppe gelegt, die zu einer Brücke über die B27 führt:





    Dahinter geht es ähnlich grün und ruhig weiter, hier ein Seminargebäude für Lehrkräfte:



    Von hier aus wieder zurück und am südlichen Rand der Loretto-Bebauung entlang weiter zum Hechinger Eck:




    Östlich der B27 endet die Bebauung:


    An der Kathedrale fallen die wuchtigen Kapellen auf, von der Gestaltung fast so ähnlich wie in Breslau:





    Von hier aus wird nun der Wawel wieder verlassen ...




    ... und es geht in den südlichen Teil der Altstadt:




    Hier lebte der spätere Papst, der ja in der Nähe geboren ist und Krakau stets verbunden blieb (u. a. Promotion und Professur):



    Im südlichen Teil der Altstadt ist die Bebauung aufgelockerter, viele Häuser sind bescheidener, die Kirchen dafür um so prächtiger. Außerdem ist die Altstadt hier bestenfalls noch 300 Meter breit und wirkte auf mich fast kleinstädtisch (Eichstätt ...):



    Die bedeutendste Kirche ist sicherlich die Jesuitenkirche, gestaltet nach römischem Vorbild:



    Gleich daneben die deutlich kleinere und ältere Andreaskirche:




    Verlaufen kann man sich nicht, es gibt nur eine einzige Straße, die vom Wawel in Richtung Hauptmarkt führt, die Grodzka:




    Vorher kreuzt aber noch eine größere Straße in Ost-West-Richtung, die im Westen Franziszkanska und im Osten Dominikanska heißt - benannt nach den jeweiligen Kirchen Franziskanerbasilika und Dominikanerbasilika.


    Die Franziskanerkirche ist deutlich kleiner und hat ein angeschlossenes Kloster:





    Hier die Dominikanerbasilika:




    Kurioses Haus in der Umgebung, offensichtlich zum Schutz vor herabfallenden Fassadenteilen wurde hier ein schwarzes Netz gespannt:


    Das ist eher das allgemein sehr niedrige bundesdeutsche Gegenwartsniveau, ob Musik, Kunst oder eben Architektur - mehr als kahle Betonkästen scheint das Architekturbüro nicht zu beherrschen.


    Hier das Straßburger Gegenstück:



    Ein reich gegliedertes Gebäude, das sogar Gestaltungselemente und Farben und Materialien (Sandstein) der nördlich davon befindlichen historischen Bebauung aufnimmt.


    Auf die Idee, wie im Ausland das Umfeld zu betrachten, um sich dann einzufügen, scheint man gar nicht zu kommen.


    Beispiel Danzig: das Einkaufszentrum Forum Danzig - mehr Informationen hier



    Generell scheinen in der Bundesrepublik heute nur noch Kästen entweder aus Beton, Glas und vorzugsweise in grau zu entstehen. Andere Formen oder gar Farben scheint es nicht mehr zu geben.

    Nach diesem kleinen Exkurs nun weiter mit der Besichtigung - wir nähern uns dem Wawel:



    Blick zurück auf die mäßig attraktive Uferbebauung:



    Vor dem Wawel steht ein Übersichtsplan mit Kazimierz, die "Dietla" war früher wie schon beschrieben ein Nebenarm der Weichsel:



    Entlang der Mauer und vorbei am Sandomierska Turm ...



    ... geht es weiter auf den Wawel-Hügel:




    Polizei mit Segway:



    Und oben angekommen fällt der Blick auf die Kathedrale mit ihren angebauten Kapellen:



    Der heutige Zustand des Wawel ist in weiten Teilen auf die umfassenden Umbauten von Anfang des 20. Jahrhunderts zurückzuführen - zuvor verfiel das Areal viele Jahre bzw. wurde von österreichischen Truppen im 19. Jahrhundert als Kaserne genutzt, wobei die große freie Fläche durch Abriß der vorhandenen Bebauung entstand und als Exerzierplatz genutzt wurde.


    Beim Umbau zur Kaserne nahm man kaum Rücksicht und vermauerte auch die Arkaden im Innenhof, die heutigen Arkaden sind eine Neuschöpfung und stammen ebenfalls von Anfang des 20. Jahrhunderts.


    Hier nochmals der Blick auf die Kathedrale:



    Bei diesem Gebäude bin ich mir nicht sicher, ob es sich dabei komplett um eine Erweiterung aus der NS-Zeit handelt?



    Ist dies die "Ehrenhofanlage", die errichtet wurde, als Krakau der "Regierungssitz" des Generalgouvernements war? Der monumentale und wuchtige Stil erinnert jedenfalls an typische NS-Architektur. Weiß hier jemand mehr?

    Blick nach oben:



    Das schönste ist wohl die Grünanlage:



    Massiver Beton:






    Hoch auf der Paul-Löbe-Staffel:





    Die Bebauung im unmittelbaren Umfeld:




    Das Gebäude von oben gesehen:




    Die Hauptfassade zur Straße:



    An einigen Stellen liegt noch Material herum:



    Die Betonplatten müssen natürlich unbedingt die Spuren der Bearbeitung aufweisen:



    Dazwischen ist so eine Art schwarzer Gummi (?):



    Abschließend noch ein Blick auf die Innenstadt:


    Hier einige Fotos der neuen Ballettschule, gelegen oberhalb der Staatsgalerie, also in sehr innenstadtnaher Hanglage.


    Das Umfeld besteht überwiegend aus anspruchsloser Nachkriegsbebauung (weiter oben, in Richtung Eugensplatz wird die Bebauung aber schöner):




    Hier ist der untere Teil der Ballettschule schon zu sehen, neben dem Bau der Hochschule für Musik und darstellende Kunst:




    Kunst an der Fassade:



    Blick in die Innenstadt mit dem modernen Erweiterungsbau der Alten Staatsgalerie:


    Dann will ich es mal auflösen, es wird "scholjibosch" ([ʐɔˈlʲibɔʂ]) ausgesprochen und steht tatsächlich für französisch "joli" und "bord" (wobei die Ähnlichkeiten zu "bord" überschaubar sind), also "schönes Ufer" und bezeichnet einen Stadtteil von Warschau, der offensichtlich malerisch am Weichselufer liegt.


    Der wichtigste Platz ist der Plac Wilsona, der Herrn Wilson gewidmet ist (offensichtlich ist das "a" am Ende eine Genitivform? - jedenfalls werden auch Namen inkl. Vornamen mit Flexionsendungen versehen, vgl. Aleja Adama Mickiewicza in Krakau, und Einladungen an den deutschen Botschafter Michael H. Gerdt ergehen folglich an Michaela H. Gerdta :lachen: - das ist dann vermutlich ein Vokativ?).


    Nachtrag: überarbeitet nach Hinweis von ursa carpaticiczka.