Beiträge von Leonhard

    Ich war nur im St.-Martin-Spital in Obergiesing (einem Stadtteil von München), erbaut 1893/94, in dem es eine hübsche Spitalkirche gibt, die normalerweise geschlossen ist, weil sie in Teilen baufällig ist und seit 30 Jahren nicht mehr benützt wird. War sehr schön! Ansonsten hat es am Sonntag in München leider arg geschüttet, so dass ich keine Lust hatte, noch woanders hinzugehen, obwohl es noch einige interessante Dinge zu sehen gegeben hätte (u.a. die Altstadtführung "Umbruch - Abbruch - Aufbruch" mit Klaus Bäumler vom Münchner Forum zum Thema Kaufhof am Marienplatz und dem Hettlage-Anbau neben der Alten Akademie oder der Derzbachhof in Forstenried u.a.m.).

    Ich bin auch etwas enttäuscht, dass es so lang dauert, aber man muss im Endeffekt sehr froh sein, dass die Gelbe Treppe überhaupt rekonstruiert wird. Am Beginn der seit letztem Jahr abgeschlossenen 10-jährigen Restaurierung des Königsbaus war die Rekonstruktion der Treppe noch überhaupt nicht vorgesehen, im Laufe der Zeit wurde es der Residenzbauleitung dann aber klar, dass dies für sehr lange Zeit die letzte Gelegenheit sein würde, dieses fehlende Stück wiederherzustellen: die Situation mit dem Nachkriegs-Dachstuhl des Antiquariums war dermaßen kompliziert, dass man in absehbarer Zukunft keine so große neue Baustelle mehr aufgemacht hätte. Das hieß "jetzt oder nie" und so fing man an, sich nach einer Finanzierung umzusehen: durch mehrere glückliche Fügungen hat sich dann ergeben, dass die Edith-Haberland-Wagner Stiftung, also im Endeffekt die Augustiner-Brauerei, die Kosten übernommen hat. Es standen drei Optionen zur Diskussion: eine für 2 Millionen €, eine für 4 Mio. und eine für 6 Mio. Die Variante für 2 Mio. hätte nur die nackte Treppe mitsamt Raumkubatur wiederhergestellt, die Variante für 4 Mio. hätte die Wände mit billigeren Materialien annäherungsweise an den historischen Zustand hergestellt und die Variante für 6 Mio. schließlich sah die komplette Rekonstruktion mitsamt aller original verwendeten Materialien vor: also der Marmor für die Treppenstufen aus demselben Steinbruch aus der Rosenheimer Gegend, der gesamte Stuck und die Karyatiden sowie vor allem der extrem aufwendige gelbe Stuckmarmor für die Wände, was sehr viel Zeit und Geld kostet, da dies heutzutage kaum mehr jemand beherrscht. Die Edith-Haberland-Wagner Stiftung entschied sich Gottseidank für die 6 Mio € Variante und so werden wir hoffentlich nächstes Jahr einen überwältigenden Raumeindruck erleben dürfen :-)

    Also als Dank an die Edith-Haberland-Wagner Stiftung schlage ich fleißigen Augustiner-Genuß vor :biggrin:

    Ein Update zur Rekonstruktion der Gelben Treppe in der Residenz:


    Ich war vor ein paar Tagen bei einer Baustellenführung dabei und hab dort einige interessante Informationen erhalten. Ein paar Fotos hab ich auch gemacht, allerdings steht im Treppenbereich alles voller Gerüste, weswegen man kaum etwas sieht...

    Die Bauarbeiten verzögern sich leider, weil es einen Streit mit der Stuckateurfirma gegeben hat: die Residenz-Bauleitung hatte deren Arbeit als fehlerhaft kritisiert und Nachbesserung gefordert, was die Firma jedoch nicht zu leisten imstande war. Daraufhin hat sich die Firma vertragswidrig von der Baustelle zurückgezogen und die Weiterarbeit verweigert, was rechtliche Schritte nach sich ziehen wird. Inzwischen läuft zwar eine neue Ausschreibung, laut Chef der Bauabteilung verzögern sich aber dadurch andere Arbeiten, weil die Gerüste so lange stehenbleiben müssen, bis die Stuckarbeiten abgeschlossen sind.

    Die gelben Stuckmarmorarbeiten der unteren Wandpartien laufen hingegen nach Plan; laut Bauabteilung seien dies auch die wesentlich schwierigeren Arbeiten, da dieses Kunsthandwerk inzwischen nur mehr extrem selten gebraucht wird, vor allem in diesen Dimensionen. Fachkräfte für Stuckmarmor bekommen inzwischen hauptsächlich Aufträge für Restaurierungen, aber nicht für komplette Neuschöpfungen auf so großen Wandflächen. Einige wenige Teile der originalen Stuckmarmorflächen sind zwar erhalten, aber das meiste muss komplett neu gemacht werden.

    Das schwierigste der ganzen Rekonstruktion seien aber die architektonischen Vorarbeiten gewesen: nach dem Krieg hatte man den Dachstuhl des angrenzenden Antiquariums mit Betonsparren wiederaufgebaut (in der damaligen Notzeit das einzige Material, was zur Hand war) und dabei auch die Reste der angrenzenden Gelben Treppe, vor allem den kassettierten Triumphbogen, durchschnitten und zugebaut. Nun musste man diese Dachkonstruktionen wieder voneinander trennen und außerdem den halbkuppelgekrönten Vorraum der Treppe neu abstützen: dieser befindet sich über den Gewölben des darunterliegenden Antiquariums, dessen Gewölbe natürlich nicht belastet werden dürfen. Klenze hatte diesen Vorraum damals als leichte Holzkonstruktion gebaut, was heute aus Brandschutzgründen natürlich nicht mehr geht; dies sei auch der Grund, weswegen dieser Vorraum im Krieg komplett verbrannt und zerstört wurde. Die Abstützung und Aufhängung der neuen Konstruktion im Kontext des Baubestandes sei laut Bauabteilungschef eine ingenieurtechnische Meisterleistung.

    Die Karyatiden sind sozusagen fertig (siehe Fotos), nur der Zweig der Gerechtigkeit fehlt noch.

    Die Fertigstellung ist nunmehr für Oktober 2020 anvisiert.


    Hier ein paar Fotos, wie gesagt sieht man aufgrund der Gerüste nicht sehr viel (weitere Fotos siehe hier) :


    Erstmal ein schöner Blick in den Brunnenhof, links ist der Antiquariumstrakt, an dessen Südende die Gelbe Treppe anstößt; der Blick geht nach Nordwesten, in der Mitte der Uhrturm, links dahinter die Türme und Kuppel der Theatinerkirche:


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    In der gelben Treppe Blick von oben nach unten, oben zu sehen Teile des kassettierten Bogens:


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    Reste des originalen Stucks, darunter der neue gelbe Stuckmarmor:


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    Original erhaltener Stuck existiert übrigens nur im Schacht der Treppe, der Vorraum unten wurde, wie oben bereits beschrieben, im Krieg komplett zerstört.


    Links unten neue Stuckgesimse, auf die die Ornamente noch aufgetragen werden müssen; leicht rechts darüber zwischen den Gerüsten zu sehen ein kleiner Teil der rekonstruierten Halbkuppel:


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    Im Empfangsraum oberhalb der Treppe befindet sich das Atelier des Stuckateurs. Ein paar Fotos der Karyatiden:


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    Stuckdetail:


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    Hier ein interessanter alter Dokumentarfilm zu Tittmoning von 1989 von Dieter Wieland über die damalige "Renovierung" des Stadtplatzes, die Gottseidank sehr behutsam umgesetzt wurde. Besonders interessant ist, dass die neuen Steine für die Gehsteige vom Stadtplatz in Pilsen stammen und von der dortigen Stadtverwaltung verkauft worden waren...


    Danke für die schönen Bilder! Ich war selber leider noch nie in Caserta. Das Schloss wird in Italien als eine der wichtigsten Königsresidenzen angesehen, auch wenn es gemessen am italienischen Barock sehr, sehr spät entstanden ist und schon mitten im Übergang zum Klassizismus steht (von dem es auch einige Stilelemente aufweist). Die Zusammenhänge mit Maria Amalia von Sachsen würden sich dabei sicherlich lohnen, weiterverfolgt zu werden.

    Das Stiegenhaus finde ich ob seiner Dimensionen besonders beeindruckend, der Typus ist der der Kaisertreppe, wie er das erste Mal 1584 im spanischen Escorial verwendet wird (Fotos hier, hier und hier), eine im Vestibül beginnende einarmige Treppe, die auf ein Wendepodest führt und sich dort in zwei parallele Treppenarme aufspaltet, die in Gegenrichtung zurückführen. In Mitteleuropa wird diese Art Stiege zum ersten Mal von Domenico Martinelli 1690 im Wiener Palais Harrach ausgeführt (allerdings in etwas bescheideneren Formen und Dimensionen, Fotos hier und hier) und 1701/04 von Enrico Zuccalli für Schloss Schleißheim bei München geplant: dort wird sie nach der Bauunterbrechung, die durch Kurfürst Max Emanuels Flucht nach der Niederlage bei Höchstädt erzwungen worden war, allerdings erst ab 1715 durch Joseph Effner verwirklicht (Fotos hier, hier, hier und hier). Die Schleißheimer Treppe ist derjenigen von Caserta sehr ähnlich, wenn auch nicht ganz so groß. Der Höhepunkt der Kaisertreppe wird sicher in der Residenz Würzburg erreicht, die allerdings im Vergleich zu Schleißheim und Caserta keine Laterne hat (dafür aber natürlich das großartige Fresko von Tiepolo).

    Lieber Ursus, ist kein Problem, ich hatte mir nur gedacht, dass du vielleicht eh ein paar lockere Gstanzln zum Thema Graz auf Lager hättest :wink: aber du musst dich nicht extra einlesen, kein Stress! Ich verstehe gut, dass das zuviel Aufwand ist. Aber vielleicht könntest du zu den Buidln noch dazuschreiben, wo das jeweils ist... das wäre nett!


    Edit: steht eh da, wenn man auf die Bilder klickt, musst es nicht dazuschreiben!

    Danke, wieder was dazu gelernt! Ich wusste tatsächlich nicht, dass die eigentliche Ostzunge der Karpaten sich so weit nach Westen verlängert, dass ihre Ausläufer bis nach Mähren und Niederösterreich reichen. Für mich haben die Karpaten gefühlsmäßig immer schon in der Ukraine, spätestens in Polen aufgehört. Danke für die erhellende Information!

    Weinkeller prägen das westkarpatische Land

    Erstmal vielen Dank für die schönen Bilder deiner Heimat (ich bin erstens ein überaus höflicher Mensch und zweitens finde ich die dargestellten Örtlichkeiten wirklich sehr schön und berührend), aber nun würde mich doch einmal eine grundsätzliche Sache interessieren: wieso "karpatisch"? Was ist an dir und deiner Heimat eigentlich karpatisch? Meinem bescheidenen Wissen nach beginnen die Karpaten viel, viel weiter im Osten und haben mit deiner Heimat weder geographisch noch kulturell viel zu tun (bis auf die Tatsache, dass Siebenbürgen auch einmal zu Kakanien gehört hat - aber Siebenbürgen ist so unendlich tief in Transleithanien, dass es schon fast gar nicht mehr wahr ist)... woher diese Sehnsucht?

    Danke Ursus, aber könntest du - wenn du mal Zeit hast - das genauer ausführen? Welche Kirchen, Palais und Bürgerhäuser sind in deinen Augen besonders wertvoll und welche stilistischen Beziehungen haben sie zu anderen österreichischen (oder mitteleuropäischen) Städten, vor allem im Vergleich zu Wien? Das Landhaus ist auf jeden Fall schon mal etwas absolut Besonderes und übertrifft an architektonischem Wert sicher auch die Wiener Stallburg, dem einzigen bedeutenden erhaltenen Renaissance-Bauwerk Wiens (meines Wissens gab es an Renaissance in Wien aber sowieso nicht viel).

    Ich weiß, dass ich dich damit um einen großen Gefallen bitte und dass dies ein bissl Aufwand bedeutet, aber wer wenn nicht du könnte so eine Übersicht von Graz und einen Vergleich mit Wien erstellen? :)

    Lieber Ursus, vielen Dank für die Bilder! Ich habe aber noch eine Bitte: ich kenne mich mit Graz leider überhaupt nicht aus und war nur mal als Kind dort, könntest du vielleicht die kunsthistorische Bedeutung der Stadt etwas beschreiben und in den mitteleuropäischen Kontext einordnen? Welche bedeutenden Kirchen und Palais gibt es dort und welchen Stellenwert haben sie im Vergleich mit anderen mitteleuropäischen Städten? Die Stadt scheint mir von den Bildern, die ich von ihr gesehen habe, sehr wertvoll zu sein und doch spricht man in kunsthistorischen Büchern eher wenig über sie. Oder täusche ich mich? Wenn du mir ein bisserl was über Graz erzählen könntest, wäre ich dir sehr dankbar, vielen herzlichen Dank!

    Das Landhaus ist auf jeden Fall schon mal sehr beeindruckend!

    Lieber Fusajiro, vielen Dank für die tollen Fotos! Die Rekonstruktion der Fassaden scheint wirklich fantastisch gelungen zu sein, vor allem die sicherlich sehr schwierigen Bildhauerarbeiten. Großes Kompliment an alle Ausführenden!


    Ich habe das ganze Vorhaben nicht so verfolgt, weiß man ungefähr, wie viel die Rekonstruktion der Fassaden gekostet hat bzw. noch kosten wird?

    Ein kleiner Nachtrag zu Passau: wer ihn noch nicht kennt, dem lege ich Dieter Wielands schönen Dokumentarfilm über Passau aus dem Jahre 1975 ans Herz, den man unter folgendem Link anschauen kann:


    https://www.br.de/mediathek/video/topographie-1975-passau-die-schwimmende-stadt-av:5896bbeeab0d0d0012fcd265#tab=bcastinfo&jump=tab


    Die Szene, in der im Zuge der Restaurierung der Residenz der lebensgroße Engel per Seilwinde auf den Balkon "fliegt" und sich seine vollendete Rokoko-Grazie vielleicht zum ersten Mal im freien Flug entfalten darf, ist wohl einer der schönsten und bewegendsten Momente in der Geschichte der Dokumentarfilme (ab min 19:50). Auch die Kamerafahrten über die Dächer der Altstadt mit ihren erstaunlichen Ein- und Tiefblicken in ein noch nicht komplett restauriertes Passau sind einzigartig und unwiederbringlich.

    Ich eröffne hier mal einen Faden zum Bau- und Sanierungsgeschehen in München.


    Bzgl. der anstehenden "Sanierung" der Lukaskirche im Lehel (im APH zuletzt besprochen), habe ich gestern zuerst mit dem Mesner und dann mit dem Pfarrer gesprochen. Beide waren erstaunt, woher ich das wüsste, der Pfarrer war sogar etwas irritiert und hat die Stirn gerunzelt... Der Mesner hat mir zuerst mitgeteilt, dass die Pläne des Wettbewerbsiegers nicht komplett umgesetzt würden, dass neben einer allgemeinen Sanierung nur die vorderen Bänke des Hauptraumes (also nicht die Seitenbänke!) entfernt würden, damit sie mehr Platz bekämen und außerdem ein mobiler Altar (so eine Art Volksaltar) aufgestellt würde. Von einer Entfernung der Seitenbänke und der steinernen Seitenbalustraden sowie von der Aufhängung von Akustiksegeln wisse er nichts. Da mir diese Antwort nicht 100% sattelfest vorkam, habe ich dann noch den Pfarrer aufgesucht und ihm die gleiche Frage gestellt. Wie gesagt schien er etwas irritiert, dass ich überhaupt etwas davon wusste und hat dann nur ausweichende Antworten gegeben, indem er zuerst darauf hingewiesen hat, dass die Gemeinde St. Lukas natürlich hocherfreut wäre, eine solche Kirche zu besitzen, aber dass man auch verstehen müsse, dass so eine Kirche auch lebt und benützt werden soll und dass zu diesem Zweck die Innenraumgestaltung auch an neue Anforderungen angepasst werden müsse, man wolle eben mehr Platz für Veranstaltungen haben. Man sei aber noch in der Planungsphase und würde mit dem Denkmalschutzamt die Möglichkeiten ausloten. Dann hat er darauf hingewiesen, dass ja schließlich im hinteren Bereich auch historische Gegebenheiten wiederhergestellt würden, indem z.B. zwei historische Holzdecken wieder freigelegt würden, desweiteren zwei Portale reaktiviert würden, die in den 60er Jahren zugemauert worden waren und schließlich die Farbgebung des gesamten Innenraumes, die heute einheitlich grau-beige ist, an die ursprüngliche angepasst würde (wie das genau aussehen sollte, wollte er nicht sagen). Auf meine konkrete Frage, ob denn die Seitenbänke und Balustraden drinbleiben und Akustiksegel in der Kuppel aufgehängt würden, wollte er nicht antworten und hat darauf hingewiesen, dass er zum jetzigen Zeitpunkt nichts darüber sagen könne, er bitte um Verständnis. Die Bauarbeiten sollen erst im Sommer 2020 beginnen.


    Alles in allem keine sehr beruhigende Antwort, man kann nur hoffen, dass das Denkmalschutzamt zu krasse Veränderungen untersagt. Das Argument, dass die Kirche schließlich auch an die Anforderungen des Gemeindelebens angepasst werden solle, verstehe ich zwar einerseits; andererseits scheint der Gottesdienst-Besuch in St. Lukas aber eher gering zu sein, obwohl es eine der wichtigsten und größten evangelischen Kirchen in München ist: ich war am Sonntag im Pfingst-Gottesdienst (obwohl ich katholisch bin) und es waren vielleicht 60-70 Leute im Gottesdienst. Und das am Pfingstsonntag! Der Mesner hat gemeint, dass sonst noch weniger kommen würden und auch der Pfarrer zeigte sich in seiner Predigt erfreut, dass "heute soviele Leute im Gottesdienst wären". Die großen katholischen Kirchen in der Altstadt Münchens sind an solchen Feiertagen total voll und auch an normalen Sonntagen gut besucht. Angesichts dieser kleinen Gemeinde von St. Lukas scheint eine Vergrößerung des freien Platzes vor dem Altar schwer legitimierbar zu sein, aber es geht ihnen anscheinend mehr um außergottesdienstliche "Veranstaltungen".

    Ich weiß jetzt auch nicht, ob und wie man da weiter vorgehen sollte, vielleicht könnte man mit dem Denkmalschutzamt reden, das aber halt auch schon involviert ist.

    Blick Richtung Süden:


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    Ein wunderbarer Platz! Hier kann man sich auf eine Bank setzen, die Zeit und alles um sich herum vergessen und zur Ruhe kommen.


    Noch zwei Herbstimpressionen:


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    Das war's aus Murnau!

    Nun zum letzten Teil meiner Murnau-Galerie: dem Friedhof. Der Friedhof von St. Nikolaus ist vielleicht der schönste Platz von Murnau und einer der schönsten Friedhöfe, die ich kenne. Er ist auf einen nach Westen und Süden hin abfallenden Hang gebettet und erinnert fast an einen Weinberg. Als katholischer Bayer habe ich von Haus aus eine Affinität zu Friedhöfen, ich liebe es, über die schmalen Wege zwischen den Gräbern zu spazieren, die schmiedeeisernen Kreuze und Grabsteine zu betrachten und mich auf eine Bank unter einen Baum zu setzen, um über das Leben, den Tod, frühere Zeiten und Leute und alles mögliche zu sinnieren. Ein schöner Friedhof überträgt mir das Gefühl von Ewigkeit und Ruhe, er erinnert mich daran, dass wir alle einmal diesen Weg gehen werden und uns mit unseren Ahnen in Gott vereinen werden. Das ist ein tröstlicher Gedanke.


    Friedhof mit Blick zur Kirche:


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    Friedhof Richtung Schloss:


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    Blick Richtung Ortskern:


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    Weg hinunter in den Ort:


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    Deckenfresken Chor & Altar:


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    Kanzel & kleine Empore links:


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    Chor rechts:


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    Kirchenbank:


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    Orgel:


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    Das war's aus St. Nikolaus. Eine unerwartet großartige Kirche, die man sich in einem so kleinen und unbedeutenden Markt wie Murnau nicht erwarten würde!


    Übrigens: ich habe die Fotos auf Flickr gehostet, wo man sich auch höher aufgelöste Versionen der Fotos anschauen kann, was sich im Falle der Kirche sicher lohnt. Einfach auf die Fotos hier klicken, dann werdet Ihr zu Flickr weitergeleitet!

    Wie es sich für einen anständigen bayrischen Ort gehört, besitzt Murnau eine schöne Barockkirche: die Pfarrkirche St. Nikolaus. Weithin sichtbar steht sie am südlichen Rand des Schlossberges. An der Stelle der heutigen Barockkirche befand sich die 1134 erstmals genannte alte gotische Kirche St. Nikolaus, bis diese ab 1717 durch die neue Barockkirche ersetzt wurde (Weihe 1734). Wer die Kirche gebaut hat, ist nicht ganz klar; früher glaubte man, es könnten der Münchner Hofbaumeister Enrico Zuccalli oder Johann Michael Fischer gewesen sein. Aufgrund innenarchitektonischer Ähnlichkeiten mit der gleichzeitig entstandenen Wallfahrtskirche Einsiedeln in der Schweiz nimmt man aber inzwischen an, dass der dortige Architekt Caspar Moosbrugger der Ideengeber und der damalige Bauleiter von Ettal Pater Roman Deschamps der planende Architekt war.

    Von außen mutet die Kirche eher bescheiden an, es ist ein relativ schmuckloser Längsrechteckbau mit dreiachsiger, italienisch-barocker Giebelfassade im Westen; der Chor ist kreuzförmig mit zwei halbrund geschlossenen Chorseitenarmen; der Kirchturm mit Zwiebelhaube und Laterne ist in den Kirchenkörper integriert und steht auf dem gotischen Unterbau der alten Kirche.

    Angesichts dieses simplen Äußeren würde man sich innen einen länglichen Saalraum erwarten, doch weit gefehlt: den eintretenden Besucher überrascht ein Zentralraum, welcher durch ein dreischiffiges Emporenvorjoch vorbereitet und durch eine ebenfalls zentralisierte Choranlage fortgesetzt wird. Der überraschend weite Hauptraum präsentiert sich als kreisrund überkuppeltes Oktogon, ähnlich wie es auch in Einsiedeln zu sehen ist. Unter dem Oktogon befinden sich acht Bogenöffnungen, die sich in ihrer Höhe abwechseln: die vier Bögen zum Chor, den beiden Längsseiten und zur Orgelempore sind höher und stützen die runde Kuppel, die diagonal dazwischen liegenden Bögen sind etwas tiefer und stellen im Endeffekt nur Ausbuchtungen des Hauptgesimses dar; außerdem geben die niedrigeren Bögen den Blick frei in vier die Raumtiefe betonende Eckräume, in denen Seitenaltäre stehen (und im Falle der rückwärtigen Orgelempore zusätzlich die seitlichen Emporenräume). Gestützt werden die acht Bögen jeweils durch Doppelpilaster mit Kompositkapitellen.

    Der Chor ist kleeblattförmig und durch ein Vorjoch mit Logen vom Hauptraum getrennt.

    Laut Dehio darf diese Raumschöpfung als wichtige Vorstufe zu den Gestaltungen Johann Michael Fischers angesehen werden, was auch der Grund ist, weswegen man ihn lange als den Schöpfer dieser Kirche angesehen hat (was allerdings zeitlich nicht ganz hinkommt, da Fischer 1717 noch auf Lehrwanderschaft in Böhmen, Mähren und Österreich war).


    Die Stuckaturen stammen von Johann Baptist Zimmermann (Hauptraum 1724/25 und Chor 1729/30), die Fresken hingegen sind nicht original barock, sondern wurden Ende des 19. Jhs in neobarocker Manier geschaffen: die Chorfresken 1871/72 von Johann Michael Wittmer und Joseph Anton Schwarzmann, das Hauptfresko (das Jüngste Gericht darstellend) 1893-95 von Waldemar Kolmsperger. Ich weiß leider nicht, wie die Gewölbe vorher gestaltet waren und ob es vorher bereits andere Fresken gegeben hatte. Ich empfinde das Fresko des Hauptraumes aber als sehr passend und überzeugend; wenn ich nicht gelesen hätte, dass es nicht aus der Barockzeit stammt, hätte ich es nicht gemerkt. Die Fresken des Chorraumes schauen ein bissl nach Nazarenerstil aus und passen vielleicht nicht so perfekt in eine barocke Kirche. Der Rest der Ausstattung, d.h. die Altäre, Heiligenfiguren und Beichtstühle stammen überwiegend aus der Barock- und Rokokozeit.


    Hier eine Gesamtansicht von St. Nikolaus von Südwesten:


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    Nordseite:


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    Nordseite mit Kriegerdenkmal:


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    Chor:


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    Nun zum Inneren:


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    Sehr beeindruckend!


    Queransicht des vorderen Bereiches:


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    Rückseite:


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    Deckenfresko Hauptraum, hier sieht man auch schön die Bögen:


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    Deckenfresken und Stuckaturen im Chor:


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    Nun weitere Hausansichten aus Seitenstraßen.


    Grüngasse in Richtung Osten:


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    Grüngasse in Richtung Westen, in der Bildmitte hinten der Chor der Mariahilfkirche:


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    Häuser wie diese sind typische Handwerkerhäuser in Murnau, zweistöckige traufständige Häuser, teilweise mit Dachgauben.



    Johannisstraße 18 aus der 1. Hälfte des 19. Jhs:


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    Pfarrstraße 21, ehem. Doppelbauernhaus, zweigeschossiger Flachsatteldachbau mit traufseitiger Laube und Zierbund, um 1770:


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    Ein ähnlicher ehemaliger Doppelbauernhof ist das Mesnerhaus Mayr-Graz-Weg 1, ein zweigeschossiger Flachsatteldachbau mit einfachem Zierbund aus der Mitte des 18. Jhs:


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