Beiträge von Leonhard

    gerne auch mit modern interpretierten Giebelhäusern, wie sie bei der Neuen Mitte stehen: 102403687_f6285c4be9.jpg - wobei man solche Häuser sicher besser gestalten kann.

    Ich finde gerade solche "modernen Interpretationen" von Giebelhäusern besonders schlimm, das ist mir in Ulm eigentlich als das störendste aufgefallen... das ist wie eine Karikatur oder noch besser gesagt Verarschung der historischen Vorbilder.

    Klar, unförmige Kuben sind auch nicht besser, aber diese aalglatte Pseudoanlehnung an alte Formen ist schon besonders furchtbar.

    Das mag verständlich sein vor dem Hintergrund, dass viele Altstädte, auch und gerade Würzburg, Mängel hinsichtlich gesunder Wohnverhältnisse aufgewiesen haben. Es hat daher vor dem Krieg schon den Wunsch gegeben, hier einiges zu verändern.

    Übrigens, das war damals eines der häufigsten und im Endeffekt furchtbarsten Argumente gegen die Altstädte, dass man propagiert hat, die Enge und der "Mangel an Luft" wären ungesund... es waren eher die sanitären Verhältnisse in den Häusern, das Fehlen von Bädern, der Mangel an Hygiene und fließendem Wasser, die ungesund waren. Man hat später "enge" Altstädte wie Regensburg oder Salzburg auch wunderbar sanieren und in äußerst gesuchte Wohnquartiere umwandeln können, ohne die alten Häuser abreißen zu müssen. Das darf keine Rechtfertigung für Abrisse von im Krieg beschädigten Häusern sein.

    Mit Verlaub, Zeno, das sind aber schon sehr dürftige Ansprüche an einen gelungenen Wiederaufbau. Um eine überzeugende Wirkung zu erreichen, sollte es in erster Linie um die Wiederherstellung der Seele und Ausstrahlung einer Stadt gehen. Dazu gehören neben der Wiederherstellung von wichtigen Wahrzeichen und Monumentalbauten vor allem einige geschlossene Bereiche mit gelungenen Füllbauten, die sich in Qualität und Anmutung an den früheren Zustand annähern. Es reicht nicht aus, das Straßennetz, die Parzellierungen und die Proportionen der Häuser wiederherzustellen, wenn die Qualität und Aussagekraft der einzelnen Häuser unbefriedigend ist. Das Problem von vielen 50er-Jahren-Füllbauten ist schlicht und simpel, dass sie völlig bieder und unpersönlich sind und in dieser Aussagelosigkeit nicht im Geringsten an den Vorkriegszustand anknüpfen können. Die Bewahrung von Straßennetz und Grundform der Häuser ist völlig nutzlos, wenn der Straßenraum nicht mit Häusern von adäquater Qualität gefüllt wird; es braucht, so wie immer in der Kunst, ein angemessenes und ausgeglichenes Verhältnis von Form und Inhalt. Die Form mag in Würzburg einigermaßen stimmen, der Inhalt und die Seele fehlen leider fast ganz. Das ist das enttäuschende bei Städten wie Würzburg!

    Leuten wie Ursus (und auch mir) ist es dann halt lieber, wenn das sogenannte Altstadtareal zwar klein, aber von hoher Qualität ist (so wie in Warschau oder in Danzig) und der ganze große Rest moderner Müll, anstatt eine riesige Fläche mittelmäßig und nichts wirklich überzeugend. In ersterem Fall besteht immerhin ein kleiner Teil der alten Seele weiter, in zweiterem nichts.

    und nach vielen Stunden eines Feuersturms mit bis zu 2000 °C standen zwar noch viele Außenfassaden, waren aber sicherlich nicht mehr statisch intakt.

    Die Frage ist, wieviel trotzdem bei gutem Willen noch hätte gerettet werden können... auch statisch nicht mehr intakte Fassaden können abgestützt und neu hinterbaut werden. Aber das ist natürlich schwierig herauszufinden, welche Fassaden man erhalten hätte können und welche nicht. Ich denke erstens, dass Abrissentscheidungen damals in der Not auch oft schnell und unkoordiniert getroffen wurden und zweitens, dass der Mehrheit der damaligen Bevölkerung andere, praktische Probleme mehr am Herzen lagen als die mühselige Erhaltung alter Bausubstanz, für die man größtenteils schon vor dem Krieg nicht mehr viel übrig hatte. Insgesamt glaube ich, dass man bei gutem Willen in Würzburg trotz der großen Zerstörung wesentlich mehr hätte erhalten können, die 90 % Zerstörungsgrad haben sicher nicht so ausgesehen, dass 90 % des Stadtgebietes durch die Bomben bis auf die Grundmauern plattgemacht worden waren. Das Foto auf Wikipedia zeigt eigentlich noch eine ziemlich gut erhaltene Stadtstruktur, die Mauern scheinen fast alle noch da zu sein. Vergleichbare Fotos von München unmittelbar nach dem Krieg sehen oft schlimmer aus.

    Ansonsten: ich denke, dass 1945 die Zeit für einen ästhetischen Städtebau alter Prägung einfach vorbei war, es ist schlichtweg zuviel verlangt, sich von der damaligen Generation etwas Wertvolles zu erwarten. Die kulturelle Entwicklung in Europa war schon viel zu sehr an dem Punkt angelangt, dass die individuellen Ansprüche an das Leben wichtiger waren als die städtische Gemeinschaft. Die Basis für einen harmonischen Städtebau ist aber das Zusammengehörigkeitsgefühl, das Gefühl einer gemeinsamen Identität. Die Innenstädte waren schon in der Gründerzeit zu Geschäftszentren geworden, in denen Kommerz und Gewinnstreben die alte gemischte Wohn- und Handwerksstruktur verdrängt hatte. Es ist in individualistischen Kommerzgesellschaften moderner kapitalistischer Prägung halt von keinerlei Vorteil, schöne und lebenswerte Stadtbilder zu produzieren und deswegen wurde das Ganze irgendwann auf der Müllhalde der Geschichte entsorgt. Die moderne Stadt hat Services anzubieten und muss funktionieren, so sehen das die meisten.

    Verlust historischer Bebauung: Kommt immer drauf, was man drunter versteht. Jedenfalls sind am Markt wertvolle Barockfassaden Petrinis nachträglich vernichtet worden. So auch am Main-Brückenkopf anstelle dieses unsäglichen Disneylandsupermarktes, der hier so viele Liebhaber zu haben scheint. Zweifellos ist das Gros der wiederherstellbaren Fassadenreste vernichtet worden, obwohl der Zerstörungsgrad sehr hoch war. Einzelne Gebäude wurden gerettet, was hier lobend anzuführen ist, weil ich das nicht unter "Reko" erfassen würde.

    Das ist ein Punkt, den ich auch schon ansprechen wollte: es geht bei der Beurteilung von Wiederaufbauleistungen nicht nur um die Frage nach Rekonstruktionen, Anpassungsbauten oder moderne Bauten, sondern es geht vor allem einmal darum, zu beurteilen, was von den wiederherstellbaren historischen Überbleibseln tatsächlich gerettet wurde.

    In München z.B. wurden recht wenig Häuser ex nihilo rekonstruiert, aber es wurde doch so einiges, was zumindest zum Teil stehengeblieben war, wiederhergestellt. Die Altstadt wurde, je nachdem welche Quelle man konsultiert, zu 60 - 90 % zerstört oder schwer beschädigt (wenn man sich den Schadensplan ansieht, würde ich sagen zu ca. 75 %), was aber im Falle Münchens als steinerne Stadt bedeutete, dass in vielen Fällen doch noch Teile der Fassaden stehengeblieben waren, die man retten konnte. In den langen Straßenzügen der Ludwigstraße, Maximilianstraße und Brienner Straße sah es kaum anders aus, die meisten Häuser waren schwerst beschädigt und es standen nur noch mehr oder weniger große Teile der Fassaden. Hier und in einigen Fällen in der Altstadt hat man dann eben entschieden, dass man die Fassaden originalgetreu wiederherstellt und neu hinterbaut. Aus genau diesem Grund schaut München zumindest in einigen Teilen wieder so gut aus und nicht, weil man vollkommen zerstörte Häuser von Null auf rekonstruiert oder so tolle Anpassungsbauten kreiert hätte. Bei den Kulturbauten wie Residenz, Nationaltheater, den Kirchen, Museen, den großen Prachtstraßen und generell öffentlichen Gebäuden konnte der bayerische Staat und vor allem die Münchner Stadtverwaltung in vielen Fällen eine einigermaßen zeitnahe Wiederherstellung sicherstellen, das Schicksal der Privatbauten hingegen blieb meistens den privaten Eigentümern überlassen, die in der wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeit oftmals weder finanzielle Mittel noch Interesse hatten, die alten Fassaden mühsam zu retten und neu zu hinterbauen. (Die alten Häuser, vor allem die aus Barock und Klassizismus, waren übrigens bei vielen Eigentümern schon vor dem Krieg nicht mehr sonderlich beliebt gewesen, weil sie zu hohe Räume und somit zu wenig Etagen für eine optimale wirtschaftliche Verwertbarkeit hatten.) Und so ließen so manche Besitzer von alten Häusern die Ruinen einfach jahrelang in Wind und Wetter stehen, bis sie so marode waren und Einsturzgefahr bestand, so dass die Stadtverwaltung, die eigentlich gemäß des Wiederaufbaukonzepts Meitingers die Devise ausgegeben hatte, dass nach Möglichkeit alles wertvolle Stehengebliebene gerettet werde sollte, schließlich doch die Abbruchgenehmigung erteilte. Wie gesagt, es war eine Notzeit und die Stadtverwaltung hatte nicht die Möglichkeit, sich frühzeitig um alle Ruinen zu kümmern.


    So, nach diesem langen Diskurs über München als Beispiel für gerettete historische Bauten nun meine Frage an die Würzburg-Experten: Würzburg war doch auch zum größten Teil eine steinerne Stadt, oder täusche ich mich da? Sind dort nicht auch viele Fassaden oder zumindest Teile davon stehengeblieben? Hätte man davon nicht auch wie in München so einiges retten können? Ich glaube nicht, dass Würzburg stärker bombardiert wurde als München und dass fast alle Fassaden in Schutt und Asche lagen. Meiner Meinung nach könnte der Fehler hier liegen, nämlich dass von Seiten der Stadtverwaltung und der Bevölkerung gar kein großes Interesse bestand, das alte Bild zu retten. Ich hab auch einmal in den Erinnerungen eines Würzburger Malers von der Jahrhundertwende gelesen, dass die Altstadt Würzburgs vielen Bewohnern schon um die Jahrhundertwende relativ egal war.

    Bzgl. Obuda hast du recht, das ist ziemlich durchwachsen. Gemessen am immensen Zerstörungsgrad Budapests, in dem neben Bombardements auch wochenlange Artilleriekämpfe zwischen sich zurückziehenden deutschen und vorstoßenden russischen Truppen stattfanden, schaut Budapest aber heute wesentlich besser und homogener aus als jede Großstadt in Deutschland.


    Bzgl. Warschau: immerhin hat man ein geschlossenes und homogenes Gebiet wiederaufgebaut (wie du ja schon auf vielen Bildern gezeigt hast), in dem man das alte Warschau wiedererleben kann und zwar in hoher Qualität, nicht mit dieser lieb- und leblosen Sterilität, wie dies in Deutschland oft der Fall ist und die einem total die Stimmung verdirbt. Diese Sensibilität für Ensembles gibt es in Deutschland meistens nicht. Dann ist es mir auch relativ egal, wie der Rest der Stadt ausschaut, wenn es ein schönes Zentrum gibt.

    Unter den Blinden ist der Einäugige König ;-) es mag in Deutschland so sein, dass die bayerischen Wiederaufbauleistungen nach dem Krieg zu den "besten" gehörten, der Vergleich zählt aber leider nicht viel, wenn das übrige deutsche Wiederaufbauniveau halt einfach grottig ist. Im internationalen Vergleich, gerade mit Städten wie Warschau oder Budapest, sieht's dann aber deutlich schlechter aus.

    So schnell kann's gehen: gestern wurden beim Neubau Weinstraße 7 bereits die Gerüste mit den Planen abgebaut! Das Erdgeschoß ist noch nicht fertig, aber die Fassade kann schon einmal begutachtet werden. Ein bisserl eigenartig und gewöhnungsbedürftig schaut es schon aus, trotzdem gefällt es mir in echt sehr gut, ich finde diese Fassade eine riesige Aufwertung für die Weinstraße! Besonders schön finde ich die Wiederauflebung der alten Tradition, die Jahreszahl der Errichtung auf der Fassade zu verewigen, ein schönes Zeichen handwerklichen Stolzes!

    Ich war gestern nur zufällig in der Gegend und hatte nur mein Smartphone dabei, ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Fassade schon komplett zu sehen wäre.


    Weinstrase-7-Fassade-1-Leo.jpg


    Weinstrase-7-Fassade-2-Leo.jpg


    Weinstrase-7-Fassade-3-Leo.jpg


    Weinstrase-7-Fassade-4-Leo.jpg

    Ich war heute wieder mal in der Weinstraße und hab ein paar Fotos vom Neubau des Hauses Nr. 7 / 7a gemacht. Der Bau ist in letzter Zeit sehr schnell fortgeschritten, die Rückseite zur Frauenkirche hin ist bis auf des Erdgeschoß fertig, die Vorderseite dürfte bald folgen, ein Teil der verhüllenden Planen ist schon weg.

    Wie ich bereits im APH geschrieben habe, schaut die Rückseite zum Frauenplatz hin leider nicht sonderlich überzeugend aus, weil die Architekturformen nur einfarbig (schwarz) eingeritzt sind und sich somit keine Reliefwirkung ergibt. Es sieht fast wie aufgedruckt aus und wirkt künstlich und billig. Die Haupfassade an der Weinstraße und der größte Teil der Seitenfassade an der Filserbräugasse hingegen scheinen aber - soweit man es schon beurteilen kann - wesentlich besser gelungen zu sein, dort sind die Ornamente und Architekturformen zweifarbig - schwarz und rot - gefertigt, so dass sich eine zwar feine, aber doch deutlich wahrnehmbare Reliefwirkung einstellt.

    Das Rückgebäude am Frauenplatz ist für mich ein bisschen eine Enttäuschung, das Vorgängerhaus Andechser war stimmiger. Das Vordergebäude hingegen wird wahrscheinlich eine riesige Verbesserung im Vergleich zum völlig unpassenden Vorgängerbau sein, worüber man sich sehr freuen kann. Sehr schade ist natürlich, dass man keine Sprossenfenster verbaut hat, die glatten Fensterflächen stören schon ziemlich... aber das könnte man in Zukunft ja auch noch mal ändern.

    Hier schon einmal ein paar Fotos (ich hab die Auflösung etwas größer gelassen, damit man die Sgraffito-Arbeiten besser erkennen kann, Verzeihung für die längeren Ladezeiten).


    Vorderseite an der Weinstraße:


    Vorderfassade-1-Leo.jpg


    Vorderfassade-2-Leo.jpg


    Vorderfassade-3-Leo.jpg


    Seitenfassade Filserbräugasse:


    Seitenfassade-Leo.jpg


    Rückgebäude am Frauenplatz:


    Ruckfassade-1-Leo.jpg


    Ruckfassade-2-Leo.jpg


    Ruckfassade-3-Leo.jpg


    Ruckfassade-4-Leo.jpg

    Na ja, es wär halt ein erster Schritt zu einer wirklichen Stadtreparatur gewesen, wenn der neue Sport Scheck ein wirklich angemessenes Gebäude gewesen wäre... das Gebäude ist dermaßen groß, dass es schon eine Schlüsselrolle an der Stelle innehat, umgebender Nachkriegsschrott hin oder her. Natürlich stellt der Sport Scheck im Vergleich zum Vorgängergebäude eine veritable Verbesserung dar, der Karstadt war ja wirklich unterirdisch. Trotzdem kann man mit dem jetzigen Sport Scheck an dieser Stelle nicht zufrieden sein.

    Der Sport Scheck schaut in echt übrigens wesentlich dunkler und abweisender aus als auf dem obigen, etwas geschönten Foto, das ihm eher schmeichelt.

    Was die Südseite der Neuhauser Straße betrifft, gebe ich dir recht, da ist isoliert betrachtet der Sport Scheck vielleicht gar nicht so schlimm und die unsägliche Nachkriegsbebauung wirklich viel störender. Diese Stelle der Neuhauser Straße wird aber nicht von der Südseite dominiert, sondern von der Nordseite mit Alter Akademie (ehem. Jesuitenkolleg), St. Michael, der ehem. Augustinerkirche und den darüber hervorschauenden Türmen der Frauenkirche. Das ist mE eines der großartigsten altstädtischen Ensembles nicht nur Münchens, sondern Deutschlands überhaupt! Vor allem der Renaissance-Komplex aus Alter Akademie und St. Michael ist hochbedeutend. Und genau da gegenüber steht der neue Sport Scheck mit seiner riesigen klobigen Rostfassade, das ist ein Schlag ins Gesicht! Hier hätte man ein Gebäude mit Stein- oder Putzfassade hinstellen müssen, nicht so eine Rostlaube. Das hätte ein absolut großartiger Platz werden können, von daher ist der Sport Scheck schon sehr ärgerlich und eine riesige vertane Chance.


    Hier ein paar Fotos von der genannten Nordseite:


    St.-Michael-mit-Alter-Akademie-1.jpg


    St.-Michael-mit-Alter-Akademie--Augustinerstock.jpg


    St.-Michael-mit-Alter-Akademie-2.jpg

    Das "Isartor-Palais" ist natürlich - abgesehen von seinem idiotischen Namen - ein absoluter Glücksfall, wie er in München selten vorgekommen ist in den letzten Jahrzehnten.

    Im Zentrum einer Großstadt hätte der Bau mit diesen auskragenden Balkonen jedenfalls nichts verloren, Die stören mich neben den "Quetschgeschossen" auch am meisten.

    Gegenthese: anstelle vom neuen Sport Scheck in der Neuhauser Straße wäre mir dieser Bau deutlich lieber! Er strahlt trotz aller berechtigter Kritik ein gewisse großstädtische Eleganz aus.


    Hier der Sport Scheck:


    fkn_gruppe_fassaden_projekt_jpm_3.jpg


    Hier nochmal das Haus Friedrich aus ähnlicher Perspektive:


    fs-v2-c2d-04-neu.jpg


    Also da müsste ich nicht lange überlegen, was mir lieber ist. Idem, wenn ich an den Peek & Cloppenburg in Wien oder das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck denke.

    Natürlich kann man jetzt wieder hergehen und sagen "der Sport Scheck ist ja auch denkbar häßlich und somit ein schlechter Vergleich", aber das sind nunmal beides Beispiele für das, was heute so gebaut wird und somit realistisch ist. Ein gründerzeitliches Kaufhaus wie der Hirmer oder der Oberpollinger wäre sicher besser, aber momentan leider völlig unrealistisch.

    Aber natürlich ist Eure Kritik richtig, der Bau hat deutliche Mängel. Ich wäre trotzdem froh, wenn öfter so gebaut würde.

    Und der Eingang ist wegen seiner Klobigkeit, seiner Aufdringlichkeit und Protzigkeit einfach nur peinlich.

    Er ist zu niedrig und zu gedrungen, ansonsten ist er für ein Zinshaus dieser Größe und dieses Anspruchs nicht zu überdimensioniert. Er müsste halt höher und großzügiger sein, dann würde er natürlicher wirken. Ich bin ein großer Fan von prächtigen Entrées, das verleiht einem so großen Gebäude erst eine Mitte. Bei Gründerzeitlern gibt's noch viel prunkvollere Portale.

    Eine gewisse Klobigkeit und Gedrungenheit besitzt das Gebäude schon, das liegt einfach an der einen Etage mehr im Vergleich zu gründerzeitlichen Altbauten, siehe das Bild mit dem Nachbargebäude Friedrichstraße 17, welches bei gleicher Höhe 3 Obergeschosse anstatt 4 wie bei Nr. 19 besitzt. Ich finde auch die Lösung mit den niedrigeren Fenstern im 1. bis 3. Stock nicht gelungen, wie Loggia schon angemerkt hat. Insgesamt aber ist es ein schöner und gediegener Anblick, in der Realität noch mehr als auf meinen Fotos. Die Tatsache mit den zu vielen Geschossen ist heutzutage fast nicht vermeidbar, weil kein Investor in unserer teuren und gewinnorientierten Zeit freiwillig auf eine ganze Etage an verkaufbarer Wohnfläche verzichten wird. Leider geht damit fast immer diese Gedrungenheit der Fassaden einher... es wäre höchstens interessant zu erfahren, wie viel mehr Geld gewisse Kunden für größere Raumhöhen, so wie sie in gründerzeitlichen Zinshäusern vorkommen, zahlen würden - ich schätze mal, dass die Raumhöhen im heutigen "Luxussegment" wie hier höchstens 3m betragen (wahrscheinlich eher nur 2,80m), während sie in den prächtigsten Gründerzeitlern ja 3,50 bis 4m erreichen. Vielleicht könnte man so eine besonders zahlungskräftige Klientel ansprechen.

    Die weiße Farbe sticht sicher etwas aus dem Umfeld heraus, ein etwas cremigerer Anstrich wäre vielleicht nicht schlecht gewesen. Aber alles in allem ist das eine große Aufwertung für die Gegend, wie ich finde.

    Ein weiteres interessantes Neubauprojekt, das inzwischen (fast) fertig geworden ist, ist das Haus Friedrich in der Friedrichstraße 19 in Schwabing. Hier die Website dazu: http://LEGAT LIVING

    Geplant wurde das Gebäude vom Münchner Architekturbüro Landau + Kindelbacher. Der Stil ist wieder einmal ein bisschen an Art Deco angelehnt, was in die Gegend ganz gut passt, weil Schwabing sehr von Jugendstilbauten geprägt ist (natürlich neben vielen Nachkriegsgebäuden, weil Schwabing im 2. WK stark zerstört wurde).

    Im APH haben wir zuletzt hier darüber diskutiert, ich fand das Vorhaben damals sehr gut, Jakob eher weniger ;)

    Jetzt ist das Gebäude fast fertig, es fehlen nur noch einige Verkleidungen im Sockelbereich.

    Ich hatte heute leider nur mein Smartphone dabei, außerdem stand die Sonne ungünstig, von daher bitte ich die suboptimale Qualität der Fotos zu entschuldigen.

    Ich finde das Gebäude trotz einer gewissen Klobigkeit sehr gelungen, es wirkt hochwertig und wertet die Umgebung auf. Auf jeden Fall ist es um Welten besser als der Nachkriegsschrott, der in Schwabing sonst oft herumsteht. Aber seht selbst.


    Hier zwei Ansichten von der Kreuzung Friedrichstraße / Franz-Joseph-Straße:


    Friedrich_19_1_leo.jpg


    Friedrich_19_2_leo.jpg


    Von der Friedrichstraße:


    Friedrich_19_3_leo.jpg


    Friedrich_19_4_leo.jpg


    Friedrich_19_5_leo.jpg


    Ansicht von der Nordseite, d.h. der Franz-Joseph-Straße:


    Friedrich_19_6_leo.jpg


    Balkone:


    Friedrich_19_7_leo.jpg


    Zwei gegenüberliegende Jugendstilgebäude:


    Friedrich_1823_leo.jpg