Beiträge von Heimdall

    Um mal etwas vom off-topic fortzukommen... :zwinkern:

    eigentlich sind die beiden Hochstraßen sogar das einzig sehenswerte in Ludwigshafen

    Das kann ich so nicht teilen. An den Hochstraßen ist nichts sehenswert. Es sei denn, man findet Autobahn-ähnliche Rampen besichtigungswürdig. (Hier ein Bild)


    Sicherlich verfügt Ludwigshafen als Stadtgründung des 19. Jahrhunderts kaum über klassische Sehenswürdigkeiten. Das bekannteste Gebäude dürfte die Wallfahrtskirche im Stadtteil Oggersheim sein (hier). Die Innenstadt hat noch gründerzeitliche Baudenkmale aufzuweisen, wobei diese in der nördlichen Innenstadt (also nördlich der Hochstraße Nord) als Ensemble weit ausgeprägter vorhanden sind. Im Norden findet sich z.B. das repräsentative Stadthaus Nord von Ernst May (Hier) neben Gründerzeit (z.B. hier, hier oder hier) und interessanten historischen Arbeitersiedlungen (Hier). Aber auch in der Südstadt finden sich noch vereinzelte Perlen (z.B. hier, hier oder hier).


    Klar, das ist alles nicht viel, und Ludwigshafen ist mit Sicherheit alles andere als ein Touristen-Pilgerort. Da sind wir uns völlig einig. Aber ich wollte doch mal ein wenig dem Bild entgegentreten, diese schrecklichen Hochstraßen seien die einzige besichtigungswürdige Anlage dieser Stadt.

    Ich sprach ja nur vom direkten Vergleich zwischen Heidelberg und Ludwigshafen. In seiner Struktur ist der Heidelberger Hbf (ähnlich wie der gezeigte in Trier) ein klassisches, reines Bahnhofsgebäude. In Ludwigshafen ist es eine Struktur im Verkehrsnetz. Während er in Saarbrücken eher das Untergeschoss eines Büroriegels zu sein scheint.


    Bezüglich des Bahnhofs als Vorahnung der Stadt. Nun sind Erwartungen ja sehr subjektiv. Manch einer erwartet von einer Stadt ganz anderes als ein anderer. Aber die Diskrepanz zwischen Bahnhöfen und Innenstädten ist teils auch eine Folge des Bombenkriegs im 2. Weltkrieg. Ich habe mal gelesen, dass die Amerikaner eher Infrastruktur bombardierten, während die Briten tendenziell Terror durch Vernichtung der Innenstädte betrieben, die Infrastruktur aber schonten, weil sie sie weiterverwenden wollten. Das bedeutet: In amerikanisch bombardierten Städten hat man noch eher erhaltene Altstädte, dafür aber moderne Bahnhöfe. In britisch bombardierten Städten steht der alte Bahnhof noch, dafür aber ist die Altstadt ausradiert. Das muss natürlich nicht davon abhalten, Bahnhöfe heute stärker im traditionellen bzw. historischen Stil neu zu errichten. Indes, wenn ich mir anschaue, wie die Bahn mit ihren bestehenden historischen Bahnhöfen teils umgeht, muss ich diesbezüglich pessimistisch in die Zukunft blicken.

    Der Heidelberger Hauptbahnhof ist von 1955 und ein eigentlich noch recht klassisches Bahnhofsgebäude. Der Ludwigshafener Hauptbahnhof ist von 1969 und eigentlich eher nur noch eine Art Struktur innerhalb des Hochstraßen-Netzes.

    Ich gebe mal Äußerungen zur Zukunft unserer Städte kommentarlos wieder, die Peter Cachola Schmal, Leiter des Frankfurter Architektur-Museums, beim Neujahrsempfang der "Grünen" in Offenbach getätigt hat. Dass er dort als Redner auftrat, dürfte seinen parteipolitischen Sympathien entsprechen. Cachola Schmal sieht die europäischen Städte in Zukunft als abgeschottete, grüne Museumslandschaften.

    Ich zitiere aus der Printausgabe der Offenbach-Post vom 17.2.2020, S.9:

    Zitat

    Einen dunkelgrauen Blick auf die Städte der Jahre 2050 bis 2100 wirft Cachola Schmal. Anhand von informativen, aber in viel zu schneller Abfolge präsentierten Schaubildern macht er deutlich, dass sich die Metropolen des Südens und des Ostens anders entwickeln werden als die der Nordhalbkugel. Die Demografie werde dafür sorgen, dass etwa Lagos in Nigeria zu einem kaum noch beherrschbaren Moloch mit mehr als 80 Millionen Einwohnern und Indien das bevölkerungsreichste Land der Erde werde. Im Gegensatz dazu würden in den grünen und ruhigen Metropolen des überalterten Nordens geradezu paradiesische Zustände herrschen. "Diese Städte werden zu besichtigungswürdigen Museen", meint Cachola Schmal.
    Weil diese Diskrepanz zu Wanderungsbewegungen in Richtung Norden führten, Europa aber keine Ertrinkenden mehr im Mittelmeer sehen wolle, werde die "erste Grenze der Festung Europa" in die Sahara verlagert. "Die Drecksarbeit überlassen wir dem Süden". Funktionieren werde das alles im Übrigen nur durch die totale Überwachung via Gesichtserkennung, die etwa in China schon beängstigend weit sei.

    Heute bekam ich Post von den Altstadtfreunden Nürnberg, Förderkreis Pellerhof. Daraus zitiere ich folgende Passage:


    Zitat

    2019 hätte im Pellerhof das Jahr werden sollen, in dem Fußböden verlegt, Wände verputzt, Türumrahmungen gebaut und Decken verkleidet werden. Es kam jedoch anders. zum ersten Mal seit Baubeginn müssen wir unsere Arbeiten mit der Stadt absprechen. So muss beispielsweise geklärt werden, wohin wir unsere Leerrohre für Kabel im Fußboden verlegen. Die Stadt muss absegnen, das Wasser der Dachrinnen nach außen abzuführen, damit die Dachschläuche nicht sichtbar im Hof verlaufen. Der Ganz, der hinter dem Schaugiebel die beiden Galerien im 2. OG verbindet und das Chörlein sowie die Fenster erschließt, muss genehmigt werden und es muss aufgeschlüsselt werden, wer von beiden Vertragspartners - Stadt oder Altstadtfreunde - welche Kosten für Innenausbau und Infrastruktur übernimmt. Ebenfalls ist zu klären, ob wir einen Teil der von uns gebauten Räume selbst nutzen dürfen. Hierzu fanden im Dezember 2018 Gespräche statt. Am 25.02.2019 erhielt die Stadt ein Schreiben mit den offenen Fragen und unserem Nutzungskonzept für den westlichen Hofflügel. Leider war es im gesamten Jahr 2019 nicht möglich, für einen dieser Punkte eine Antwort zu erhalten, so dass, abgesehen von zwei Monaten Bestandssanierung und dem Einbau der Fenster im Westflügel, praktisch keine Arbeiten stattfinden konnten. Um überhaupt ein sichtbares Ergebnis dieses verlorenen Jahres zu hinterlassen, haben wir im Dezember die vier meisterhaften Kupferwasserspeier des Metallbildhauers Adolf Held anbringen lassen. Die "Wildheit" dieser kupfernen Drachen bildet nun wieder einen interessanten Kontrast zu der eher geordneten Architektur des Hofes.


    (Zum Glück leben wir nicht in China, sondern in einem demokratischen Land mit sorgfältig prüfender Verwaltung. :lachentuerkis: Diese kleine Spitze konnte ich mir nicht verkneifen.)

    Stadt sucht nach Alternativen

    Hochstraße Süd in Ludwigshafen bleibt bis 2023 dicht

    https://www.swr.de/swraktuell/…sse-ludwigshafen-106.html


    Optimismus bei der Stadtverwaltung

    Ersatz für Ludwigshafener Hochstraße Nord könnte bereits 2031 stehen

    https://www.swr.de/swraktuell/…er-gebaut-werden-100.html


    Man beachte die Worte "bereits 2031" in Zusammenhang mit "Optimismus bei der Stadtverwaltung" :lachentuerkis:.

    Zur Erläuterung. Zwei Hochstraßen als Monstren des Konzepts der "autogerechten Stadt" durchziehen die Ludwigshafener Innenstadt. (Hier auf einem Bild zu sehen) Vor einigen Jahren stellte man fest, dass die Hochstraße Nord (auf dem Bild links) marode ist. Die Stadt entschied sich für den Abriss und die Anlage eines ebenerdigen neuen Stadtboulevards, was ich städtebaulich unbedingt als begrüßenswert erachte. Die Brücke sollte eine neue Auffahrt erhalten. In der Bauphase sollte der Verkehr stärker über die Hochstraße Süd (auf dem Bild rechts) laufen. Nun stellte man fest, dass die Hochstraße Süd noch maroder ist und abgerissen werden muss. Das heißt, die Hochstraße Nord muss stehen bleiben und erst einmal notdürftig geflickt werden. Die Stadtreparatur rückt in weite Ferne. Ich prophezeihe, dass sie womöglich nicht mehr kommen wird, weil die kommunalen Finanzen in über zehn Jahren die Buchstaben P-L-E-I-T-E tragen dürften. Also wird wohl weiterhin ein Schrottbauwerk im 3. Welt-Stil die Ludwigshafener Innenstadt zieren. So bekommen sie am Ende eben die Rechnung für die einst visionär begrüße modernistische Stadtgestaltung serviert. Aber, lassen wir uns (hoffentlich positiv) überraschen.


    Vertiefender Artikel hinter Bezahlschranke:


    Verfallende Hochstraßen

    Marode. Irreparabel. Einsturzgefährdet

    hochstrassen-in-ludwigshafen-marode-irreparabel-einsturzgefahr.html


    Hier sieht man die Alternativ-Planungen zur Stadtgestaltung nach einem Abriss der Hochstraße Nord:

    Offen informieren, koordiniert planen

    Ludwigshafen: Sanierung Hochstraße Süd und Abriss Hochstraße Nord: Alle Infos zur Mega-Maßnahme | Ludwigshafen

    Traditionell oder nicht? Außen hui, innen pf...? Bildet Euch ein Urteil.


    Der Architekt Adam Richards erbaute sich 2019 als Wohnhaus die Nithurst Farm in West Sussex/Südengland. Von außen ein ganz interessanter Bau, in Materialität der Tradition angepasst. Innen aber schlägt der aktuell unvermeidliche Sichtbeton-Fetisch der globalen Architekten-Zunft zu. Nur im Badezimmer mag man es dann (abgesehen von der Decke) doch etwas gemütlicher.


    Nithurst Farm: Adam Richards Distills a Trove of Architectural Inspirations into his Family Home | Yatzer

    In Santpedor in Spanien wurde von 2005 bis 2010 ein verfallende Kirche von dem Architekt David Closes in ein Versammlungszentrum umgebaut. Er betonte, dass keine Rekonstruktion angestrebt gewesen sei, sondern die klare, disharmonische Scheidung zwischen alter Bausubstanz und modernen Einbauten. Dabei sollte die Zerstörung konserviert werden.


    Zitat (deutsch übersetzt):

    Zitat "Anstatt die Kirche zu rekonstruieren, hat die Intervention gerade das alte Gefüge gefestigt und die neuen Elemente, die von den ursprünglichen ausgeführt werden, klar unterschieden", sagt Closes über seine clevere Lösung. "Die Intervention hat die Kirche konsolidiert, ohne den Prozess der Zerstörung und des Einsturzes, unter dem das Gebäude gelitten hat, zu löschen."

    Da die Architekten im Zuge der Globalisierung auch global agieren, wird also die Dehio-Doktrin auch international eingesetzt. Eine große Egalisierung. Heraus kommen die immer gleichen disharmonischen Anbauten aus dekonstruktiven Formen, Glas und Sichtbeton. Das mag in Einzelfälle noch einen Aha-Effekt erzeugen, in der Masse aber führt es nur zum völligen Verlust von Urigkeit.


    https://www.yatzer.com/Saint-F…id-Closes-Santpedor-Spain

    Der Abriss der städtischen Bühnen wurde beschlossen.
    Zugleich wurde aber in der Presse erwähnt, dass eine historisierende Neugestaltung nicht zur Diskussion stehe. Ein Architekturwettbewerb solle her. Nun, warten wir mal die Entwicklung ab.


    Frankfurt : Theater und Oper werden abgerissen

    https://www.faz.net/aktuell/rh…-abgerissen-16609749.html


    Oper und Schauspiel

    Städtische Bühnen Frankfurt: Entscheidung gegen die Sanierung

    https://www.fr.de/frankfurt/st…n-sanierung-13512930.html