Beiträge von ursus carpaticus

    Zitat von Fachwerkliebhaber

    zu bezeichnen bislang noch niemandem eingefallen ist


    ---Also ich muss doch sehr bitten!

    ??? Hast meinen Satz nicht vollständig gelesen???


    Zitat von Giuglio

    Was indes schon unerwünscht ist, sind Formulierungen wie "substratloses Gestänkere", noch dazu gegen Neumitglieder gerichtet.


    Aha. Danke. Das muss man sich hingegen natürlich von einem Neumitglied sagen lassen:

    Tag für Tag schreibst du den gleichen Schrott....bis zum Erbrechen

    Aber ich betrachte das hier wirklich für beendet.

    Nun, rein architektonisch ist diese Situation nicht sehr vom Wiener Stephansplatz verschieden, wenngleich das Areal dort natürlich ungleich enger ist. An sich zählt der Hradschin mW nicht zur Kleinseite.

    Müll und Schrott ist reine APH-Terminologie, die laufend gegen Stuttgart, Pforzheim, Mannheim, Ruhrgebiet, insb Köln verwendet wurde und die "unter der Gürtellinie" zu bezeichnen bislang noch niemandem eingefallen ist. Man muss halt zur Kenntnis nehmen, dass bei Würzburg gewisse Empfindlichkeiten vorliegen. Vielleicht wirklich Wirtschaftswunderpatriotismus.

    Aber wahrscheinlich bist du einfach nur soooo extrem gekränkt dass dein "fränkisches Prag" nicht 1:1 wiederaufgebaut wurde.

    Hör doch endlich auf damit, das wird schon langsam ärgerlich. Realitätssinn in Sachen Würzburg!!! Wie kann man da nur 1:1 Wiederaufbau in den Mund nehmen?

    Kannst mir ja erklären, was an der Karmeliterstraße so schön zu finden ist jenseits vom Rückermain. Ich komm da einfach nicht mit, erblicke da nur Ödnis und Leere. Und wenn die Schustergasse ein Vorzeigemodell sein soll... Na ja. Aber immerhin - bin ja schon froh, dass mir überhaupt wer was Konkretes darüber sagt, was denn nun so zu bewundern sein soll.

    Was meine Auswahl betrifft, so hätt ich noch mehr und wohl auch Strittigeres, jedenfalls Triftigeres, vielleicht auch Erhellendere, jedenfalls Diskussionsrelevanteres zu bieten gehabt- ich war ja erst bei den relativ harmloseren Beispielen. Aber jetzt freut es mich nicht mehr. Stellt euer heiliges Würzburg unter Denkmalschutz oder gleich unter einen Glassturz.

    So ein Theater hat die Welt noch nicht erlebt.

    Bitte jetzt nur nicht gegen Nürnberg provozieren, das ja auch alles ganz richtig gemacht hat....

    Die Aufgabe war dort mE noch schwieriger. Auf den Zerstörungsbildern schaut Nürnberg natürlich noch schlimmer aus, dazu gab es mehr Fachwerk. Dazu war das Terrain sozusagen ideologisch vermint. Ich halte Nürnberg für ähnlich schlecht wiederaufgebaut. Im APH ist Philon immer sehr hart mit dem Wiederaufbau ins Gericht gegangen und auch sehr substanziiert, in jüngerer Zeit auch Franka. Die haben in großem Stil getan, was mir hier ansatzweise untersagt wird: Galerien oder doch lange Bildbeiträge über die Defekte. Es hat allerdings auch Widerspruch gegeben.

    Man könnte auch Leonhard anführen, wie kritisch er sich mit München auseinandersetzt. Dabei hat München, anders als die fränkischen Metropolen, sehr wohl zusammenhängende Stadträume bzw gar Stadtviertel erhalten bzw wiederhergestellt. Vielleicht die falschen, vielleicht auch nicht. Immerhin ist schon diese bloße Tatsache viel wert.

    Dass du auf Frankentops substratloses Gestänkere einsteigen musst, Zeno, auf welches ich mich fortan einzugehen weigere...

    Ja klar verstehen wir uns. Diese Diskussion hat sich entzunden, weil Würzburg als gutes Wiederaufbaubeispiel genannt wurde, worauf ich widersprochen habe, worauf widersprochen wurde, worauf halt diskutiert wird. Und jetzt das:

    Du darfst mir glauben, dass ich unzählige Bausünden und unglaublich viel Unschönes in dieser Stadt kenne, nicht nur Herzogenstraße 8 (das Bata-Haus) und den Posttunnel. Es kommt nicht von ungefähr, dass ich jedes Jahr mindestens einmal nach Würzburg komme. Und weil ich so genau weiß, was in dieser Stadt alles nicht so schön ist, ist es wirklich nicht nötig, nochmal und nochmal und nochmal in der Wunde rumzubohren.

    Dann darf man aber auch nicht fortwährend schreiben, wie froh man über den Wiederaufbau von Würzburg ist und dass dort alles so lieb und so anheimelnd ist. Und an und für sich sind Foren wie diese zum Diskutieren da.


    Du wirst sicherlich verstehen, Ursus, dass nicht jeder von uns die Zeit und Energie hat, all diese Beiträge zu lesen und durchzudenken. Einige von uns sind berufstätig und beschäftigen sich in dieser Zeit mit was anderem. So wird wohl auf die meisten Deiner Stellungnahmen zu einzelnen Gebäuden keine Reaktion kommen.

    Ich verstehe, aber ... wer tut dir einen Zwang an? Du MUSST das nicht lesen und MUSST es nicht erwidern. Wenn man es tut, dann in einer respektvollen Art. Wie gesagt, das ist ein Architekturforum, wo so etwas erörtert wird. Ich hab halt momentan arbeitsmäßig viel Zeit - eine Strukturreform steht an, und Übergangszeiten sind halt etwas lockerer - ja tschuldigung, dass ich momentan viel schreibe. Das war nicht immer so. Aber das ist ja nicht einmal ein Politschmarren sondern ein forumsureigenes Thema. Was ist jetzt, wenn sich Hannoveraner gekränkt fühlen, weil sich Silesien und ich einvernehmlich nicht gut über ihre Stadt ausgesprochen haben? Über Stuttgart gab es richtiggehend Hass-Threads im APH. Wie soll es erst einem armen Pforzheimer ergehen, der vielleicht auch seine Stadt liebt und immer nur das Letzte über sie lesen muss, bei jeder sich bietenden Gelegenheit? Oder überhaupt einen armen Magdeburger oder überhaupt Ossi? Da hat es im APH wirkliche Fälle gegeben, wo ein Ostbewohner stolz irgendein Projekt vorgestellt hat und total verrissen worden ist, dass er sich gekränkt zurückgezogen hat. Was muss ein Lupi wegen Anklam alles einstecken?

    Nicht bös sein, aber gerade gegenüber den gelinde gesagt leicht selbstbewussten Franken, die da glauben, sie hätten die schönsten Städte und eh alles richtig gemacht, scheint da weniger Sensibilität angebracht.


    Du sagst uns beständig, wir sollen Würzburg genauso wenig schätzen wie Du.

    Wer soll so etwas gesagt haben? Ich schätze das barocke Würzburg über alles. Und wem soll ich verbieten wollen, das heutige zu schätzen?


    Auch hat nicht jeder studiert und eine professionelle Ahnung von Architekur und Städtebau. Und dann geht man einfach nach seinem Gefühl. Es wird doch wohl noch erlaubt sein, eine Stadt auch nach seinem Gefühl zu erleben und nicht nur nach abstrakten Einteilungen der Architekturgeschichte.

    Wem hat von uns eine professionelle Ahnung von Architektur? Und wenn es so jemanden gäbe? Könnte man da nix lernen? Und wem wird verboten, nach seinem Gefühl zu gehen und irgendwas entsprechend zu "erleben"? Darf ich dich drauf aufmerksam machen, wie mir von zB dir mein positives Gefühl für die NMU übelgenommen wird? Darf ab jetzt auch nicht mehr gegen die NMU "polemisiert" werden?

    Deine andauernden Provokationen gegen eine Stadt, die ich mag

    Das ist doch absurd. Die Bewertung des Würzburger Wiederaufbaus ist doch hier alles andere als einhellig. Warum darf nur die Meinung bestehen, dass dieser nicht so schlecht war? Was soll daran eine Provokation sein? Wie kann man "eine Stadt provozieren"? (außer Pforzheim vielleicht, dass immer bei jeder unpassenden Gelegenheit erwähnt werden muss. Ich will kein Pforzheimer sein). Oder nicht einmal eine Stadt, denn dass ich der Würzburger Baukultur nichts anderes als höchsten Respekt entgegenbringe, wird ja keiner leugnen. Kann man gegen so etwas Abstraktes wie einen Wiederaufbau provozieren? Soll ich dir sagen, wer hier wirklich provoziert wird: von wegen Schrott schreiben und so weiter? Damit bist natürlich nicht du gemeint, du hast das nicht geschrieben.


    Nehmen wir ein näherliegendes Beispiel. Wiener Dachausbauten. Jeder seine Stadt liebende Wiener leidet darunter. Jeder Spaziergang durch die Stadt birgt die Gefahr einer neuen Entdeckung irgendwelcher Scheußlichkeiten, sogar, wie mir jüngst ergangen, via Google-Maps für dieses Forum. Hat sich irgendein Wiener aufgeregt gegen den APH-Strang: Draufsetzen - Wien beschädigt sein Stadtbild? Und dieses Thema war anders als dieses keineswegs kontrovers. Keiner verteidigt die Wiener Baupolitik.

    Kein Ossi hat sich über höchst negative Bewertungen des Gesamtdresdner Stadtraumes gekränkt gefühlt, obwohl hier wirklich tiefe Wunden vorliegen, gemischt mit berechtigtem Stolz über das bisschen (nun, so wenig ist es nicht) Erreichte. Würzburg hingegen scheint wirklich eine Art fränkische Ikone eines Wirtschaftswunderpatriotismus zu sein.

    ja, da ist viel Wahrheit dran, aber ich will zeigen, wie sehr der reine Modernismus der Stadt schadet.


    Beispiel 17 Theaterstraße 28 Volksbank


    https://www.google.at/maps/uv?…4UKHWC_C4UQoiowEnoECBkQAw


    Es wird schmerzlicher. Der Residenzplatz ist schon weit anfälliger als die bisherigen kaputten Areale. Theaterstraße 25 spielt hier auch mit hinein.


    Beispiel 16 Sparkasse Mainfranken, Hofgasse 2


    https://www.wuerzburgerleben.d…grossbaustelle-sparkasse/


    Manche stören sich an der benachbarten Mozartschule, die zweifelsohne nicht in eine Altstadt gehört, aber einen gewissen Charme hat. Aber dieses Nachbargebäude ist doch ein ganz anderes Kaliber...


    Beispiel 15 Burkhardushaus (am Bruderhof/Plattnerstraße)


    http://www.firmengruppe-goebel…uerzburg/burkardushaus-2/


    Nicht einmal den Komplex Dom/Kreuzgang haben diese Modernisten verschont...

    so wurde die Einbettung des Doms in ein vernünftiges Stadtbild systematisch untergraben.


    Wir haben also wieder 3 Beispiele für a)!

    Umfangreiche Dokumentation, muss man zugeben.

    Und wie ist es mit diesen Häusern (links bzw mitte):



    IMG_0067_sil.jpg

    Modern oder modernistisch ist wohl zu allgemein, um definiert zu werden. Entscheidend ist einfach, wie sie willentlich bzw phänotypisch die Entstehungszeit widerspiegeln.

    Zitat

    Veritablen Modernismus gibt es in Würzburg nämlich auch in rauhen Mengen. ---

    Das wage ich wiederum zu bezweifeln, es sei denn, man definiert alle Nachkriegsbauten, die nicht als exakte Kopie älterer Vorbilder daherkommen, als "Modernismus"

    Also: betrachten wir konkrete Beispiele. Betrachten wir nach dem obigen Exkurs in andere Städte unseren Gegenstand selbst, also Würzburg. 20 ausgewählte Beispiele, drunter kann man es beim besten Willen nicht tun. In aufsteigender Reihenfolge je nach "Triftigkeit", also nach dem Beeinträchtigungsgrad des Stadtbildes (natürlich subjektiv!). Wir werden alles finden: a) reine Modernismen b) gemäßigte Moderne (mein "Lieblingsgebiet") c) misslungene Anpassung.

    Ich behaupte, a) ist gar nicht so selten. Auch der reine Modernismus setzt Würzburg arg zu.


    Beispiel 20: ehem Bata-Haus (Dolmetschschule), Herzogenstraße 8


    https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%BCrzburger_Dolmetscherschule#/media/Datei:Würzburg_-_Dolmetscherschule_WDS_(Außenansicht).jpg


    Glaub kaum dass dieser an Le Courbusier gemahnende Bau zB Zeno gefallen dürfte, aber im gegenständlichen Zusammenhang kann man sich da nicht mehr sicher sein. Ich persönlich bin ja kein Fan von LC und finde diese Bude schlichtweg hässlich und höchst altstadtuntauglich. Aufgrund des tristen Umfeldes ist die Triftigkeit aber eher gering, daher nur Platz 20.


    Beispiel 19 Mainfrankentheater

    https://de.wikipedia.org/wiki/Mainfranken_Theater_W%C3%BCrzburg#/media/Datei:Mainfrankentheater_Würzburg.JPG


    Eine selten miese Kiste. Die Theaterstraße war immerhin eine barocke Prachtstraße, unweit auch der Rote Bau.

    Triftigkeit dennoch heute nicht mehr allzu hoch, leider ….


    Beispiel 18 Regierung Unterfranken, Peterplatz 9


    Gnadenhalber hast du uns ja mit einer Gesamtansicht verschont.

    http://www.hdbg.de/wiederaufba…obb_detailansicht-014.php


    Ein plumper Kasten par excellence. Viel hässlicher KANN man eigentlich nicht bauen. Triftigkeit eher gering, da auch hier eh alles im Ar...gen liegt.


    Bisher: 3x a)!

    dazwischen jede Menge mehr oder weniger gelungener oder gepflegter Nachkriegsgebäude, die immerhin als "Platzhalter" noch Strukturen und Stadträume erlebbar machen.

    Genau. Diese Qualität leugne ich, genau das ist die Crux.


    ich habe auf eine ausgewogene Fotoauswahl geachtet und eben bewußt auch Gebäude wie das Hörsaalgebäude abgebildet oder die Brachfläche hinter dem Kloster.

    Das leugnet niemand. Daher kann man deine Bilder auch sehr gut als Anschauungsmaterial heranziehen, weil sie nichts beschönigen.


    Wir haben klassische Dachformen und einen Versuch, sich mit Anklängen der 50er Jahre an den ursprünglichen Baustil anzulehnen

    Beides würde ich bestreiten. Die Dachformen sind aus der Fußgängerperspektive kaum wahrnehmbar und noch dazu aus den Baukörpern kaum organisch erklärbar. Letztlich handelt es sich um reine Kistenarchitektur, denen ein Flachdach sogar besser anstehen würde. Es gibt keinen "ursprünglichen Baustil" mit dieser Ornamentik bzw den hier verwandten Vokabular. Die "Anklänge" der 50er sind keine bloßen solchen, sondern vollständige Manifestation jener Wiederaufbauzeit, die rein auf Zweckmäßigkeit bedacht war - wie jener DDR-Block. Beispielsweise findet man kein einziges Element, das nicht auf einen rechten Winkel zurückzuführen wäre, ein Minimalismus, der eindeutig modernistisch ist. Jedenfalls verhehlen sie ihre Entstehungszeit nicht. Die paar plumpen Linien oder Felder reichen nicht aus, um als Anspielung auf Lisenen oder Spiegel durchzugehen. Es ist einfach übelste renditeorientierte Kistenarchitektur. Dazu kommt der hohe Anteil Fensterfläche, auch dies ein untrügliches Element der Moderne. Natürlich kann man, wenn man mit "Modernismus" irgendwelche Gestaltungsqualitäten verbindet, diese Apostrophierung in Frage stellen und sagen, dass diese Fassaden ob ihrer völligen gestalterischen Nichtigkeit nicht einordenbar sind. Da könnten wir uns einigen.


    In Würzburg habe ich sofort wieder erfreulichere Gebäude um die Ecke wie das gezeigte Gymnasium, das Universitätsgebäude, das Landgericht, in der Münzstraße selbst den Petersbau und die schon von der anderen Seite gezeigte St. Peter und Paul

    Klar gibt es diese Bauten und in gar nicht geringer Zahl. Aber das sind Solitäre. Meine Kritik gilt dem Stadtbild, an welches angesichts dieser nach einem würdevollen Umfeld geradezu schreienden Prachtbauten eben höhere Anforderungen zu stellen wären. Der Schmerz, den einem Nürnberg oder Würzburg an nahezu allen Stellen bereiten, liegt an der Dissonanz zwischen solchen Bauten und ihrem Umfeld. In Würzburg lässt sich eben nicht drum streiten, ob das Glas halbleer oder halbvoll ist - der Befund ist leider eindeutig. Wir haben ein paar kleine Löffel edler Substanz, die, was das Stadtbild anbelangt, durch Beimengung großer Mengen Unrat verdorben worden ist.


    Und das ist nur ein Aspekt. Veritablen Modernismus gibt es in Würzburg nämlich auch in rauhen Mengen.

    Da die positiven Beispiele aus der Feder Frankentops ausbleiben, könnte man sich an die Auflistung der schlimmsten Bausünden heranwagen. Vielleicht kommt man da weiter. Die Frage der Bewertung jener gemäßigten Moderne bringt nicht viel, hier sind die Standpunkte hinlänglich ausgetauscht. Ich hasse sie, manche können damit leben, manche lieben sie. Das muss man alles so akzeptieren.

    München hat, finde ich, auch seine guten Seiten und vermag insgesamt eine doch erfreuliche Wirkung auszuüben. Augsburg auch, weil halt noch vieles steht, was an der inferioren Wiederaufbauleistung natürlich nichts ändert. In Wü reagiere ich halt so, wie ich es tue, weil ich bei Barockstädten ein Sensibelchen bin, und weil hier doch ein enormes Potential bestanden hätte. Was heißt auch schon ... unwohl gefühlt... ich bin dort auf Urlaub. Erhebende Einzelmonumente gibt es genug, und auch Elemente wie "Türme", "Brücke", Burg... tun ihr übriges.

    N ist nur schmerzhaft, ich habe allen Ernstes vor, dort nicht mehr hinzufahren.


    Und wenn man diese gewaltigen Gebäude wieder einigermassen sinnvoll wiedererstehen lassen kann, dann sollte das mit weiteren Gebäuden eigentlich erst recht möglich sein.

    Na ja, weißt, es macht halt eben doch auch die Menge... Mit einem oder zwei ist nichts getan. Eine Zukunft für BS könnte ich in alternativen Modellen wie FF erblicken. Die Stadt hat keine besondere Silhouette, da ist viel "Luft nach oben". Es wird drauf ankommen, dem wilden Nebeneinander aus Alt und Neu Qualitäten abzugewinnen, ein wirklich schicke moderne Stadt draus zu machen mit gar nicht kleinen, aber irre bedeutenden Fachwerkbeständen. So etwas wäre einmalig. Rekos werden hier niemals zum flächenfüllenden Mittel werden. Man sollte mE eher trachten, bestehende Teilensembles zu vervollkommnen (Kohlmarkt). Eine richtige großflächige Fachwerkaltstadt kann da nicht mehr draus werden.

    Also Hannover muss man jetzt nicht wirklich verteidigen. Ich habe es nur angeführt als Beispiel, dass es selbst hier Projekte gab, die jeglichen privaten Rahmen sprengen mussten. Ansonsten erachte ich es als genauso schlecht wie Würzburg aufgebaut, nur mit weniger Erhaltenem bzw Wiederhergestellem bzw überhaupt ungleich weniger Sehenswürdigkeiten.

    der Rest der Stadt ist ziemlich grauenhaft

    Völlig richtig. Nur, was ich offenbar nie verstehen werde: wo liegt da der Unterschied zu Würzburg?



    IMG_0134_sil.jpg


    IMG_0126_sil.jpg

    Alle Versuche, zwischen diesen Hässlichkeiten zu differenzieren, arten doch unweigerlich in gehobene Erbsenzählerei aus.



    Zum Oberen Markt gestatte, dass ich zwecks Veranschaulichung mein Bild heranziehe:


    22821328323_aca3ee0601_k.jpg

    Hier sieht man die ungünstige Situation weit besser. Die beiden in Frage stehenden Neubauten sind zwar eher im Stile der NMU gehalten und für sich betrachtet natürlich ein Fortschritt. Leider stehen sie halt nicht für sich, sondern an neuralgischen Punkten eines historisch höchst bedeutsamen Platzgefüges, welches sie völlig unnütz "terrorisieren".

    Hier der natürlich gleichsam unbefriedigende, aber weniger brutale Eindruck des ursprünglichen Wiederaufbaus:

    https://www.stadtpanoramen.de/wuerzburg/haus_zum_falken.html

    diese beiden schiachen Türme sind völlig unmotivierte Ausrufungszeichen in einem bislang einigermaßen klassischen Platzgefüge und zeugen von großer gestalterischer Ungeschicklichkeit.

    wobei mir natürlich der Vorkriegszustand mit seiner Prachtentfaltung wesentlich besser gefiel

    Mir übrigens auch. Woran das wohl liegen mag?

    Vermutlich wird das Wort "modernistisch" in der ursianischen Sprache anders genutzt, so ähnlich wie in der silesianischen Sprache "teilweise überzeugend" eigentlich "ziemlich unterirdisch" meint :smile:

    klar. Erstgenannte Sprache neigt eher wenig zu britischem Understatement als Stilmittel. "Modernistisch" ist hier so gemeint, wie es steht.

    Modernistisch ist für mich dieses:


    IMG_0063_sil.jpg

    ebenso wie dieses:



    IMG_6452_DxO.jpg


    Beide Beispiele sind zwar höchst unterschiedlich, entstammen aber ungefähr derselben Epoche (2 ist wohl später). Damit ist nicht gesagt, dass ich sie als ästhetisch gleichrangig erachte. Unnütz zu sagen, dass mir Beispiel 2 ungleich besser gefällt. Das hat wenigstens ein Gesicht und ein Bekenntnis, während Beispiel 1 bloß ein Ärgernis darstellt.

    Sinnloserweise, weil man mich ja missverstehen WILL und man mir eh wieder einen Strick draus drehen wird, sei angefügt, dass ich mir Beispiel 2 in Würzburg keinesfalls wünschen würde.

    Aber modernistisch ist beides. Alle gezeigten Fassaden haben mit der klassischen Auffassung absolut nichts gemeinsam. Beispiel 1 ist ein höchst kleingeistiger Versuch, zu gefallen, was angesichts der Pervertierung des eingesetzten Vokabulars nur völlig scheitern kann. Beispiel 2 macht diesen Versuch glücklicherweise nicht, sondern punktet mit Wucht, die natürlich schon brutal geworden ist. Beide Beispiele haben in Altstädten nichts verloren. Altstadtareale, die so bebaut sind, erscheinen aufgegeben. Aus Beispiel 2 lassen sich immerhin modernistische Effekte wie harte Kontrastbildung à la Chemnitz gewinnen, Beispiel 1 ist völlig nutzlos. Der Dom allein auf weiter Flur stünde schöner da (und wieder nein, ich wünsche kein so ein Solitärdasein. Einbettung muss sein, nur nicht in ein derartig modernistisches worst-case-Szenario).


    Aber das hat nichts mit Würzburg zu tun. Ich glaube, der Hauptunterschied in den Betrachtungen besteht darin, dass das, was ich als allerabstoßendsten Modernismus ansehe, für andere ein akzeptables Altstadtmodell darstellt. Diese Sichtweisen dürften tatsächlich nicht zu versöhnen sein. Die Frage, ob die NMU nur schiach oder doch irgendwie akzeptabel sein dürfte, scheint dagegen ein Klacks zu sein. Hier liegen die wahren Welten zwischen den Auffassungen.

    Es gibt genug Berichte, dass Leute in Nürnberg gehindert wurden, ihre Häuser traditionell wiederaufzubauen, bzw dass der öffentliche Druck in eine bestimmte, modernistische Richtung enorm war. Dass die Würzburger Innenstadt im wesentlichen das Produkt privater Gestaltung ist, kann ausgeschlossen werden. Im Gegensatz zur dortigen Lösung gibt es genug Beispiele für frühe Arten von Gestaltungsatzungen, wie in Münster, Freudenstadt, Donauwörth - sogar Nürnberg wäre hier anzuführen, wenngleich auf höchst minimalistischem Niveau (Kubatur, Dachformen) - allesamt im Westen gelegen.

    Sogar im erwähnten Hannover wurde "gestaltet", wie das Versetzen ganzer Fachwerkzeilen (oder wenigstens einer) beweist. Aber wie gesagt: "Würzburg" ist mehr als Hannover und all diese Beispiele. Hier hätte ungleich mehr geschehen müssen. Wichtiger noch ist der Aspekt: Hier müsste künftig etwas geschehen.

    Der Blick in die Rotlöwengasse daneben überzeugt nur teilweise:

    Hm, und wo würde da der überzeugende Teil liegen?


    Das Bauamt zeigt wieder einmal, wie schwer in D der Historismus mitunter von den Originalstilen zu unterscheiden ist. Wäre die decouvrierende EG-Gestaltung nicht, würde man dies als schlichte Barockfassade mit Renaissanceerker und -Portal glatt durchgehen lassen...

    Übrigens zeigt dieser Bau, wie einfach ein altstadtkompatibler Stil aussehen hätte können...

    Man vergleiche damit die unmittelbaren Nachbargebäude des "Heubarn" und der Karmeliterkirche...

    Aber ich will ja nichts gesagt haben, denn mir fehlt ja augenscheinlich die nötige Sensibilität für gewisse Schönheiten im Zusammenhang mit dieser Stadt.

    Was wäre zu Osnabrück zu sagen? Ich war dort, und der Eindruck war - wie üblich - recht gemischt. Ganz gut war die Gestaltung des Markt/Rathausplatzes. ob die Giebelhäuser Rekos waren oder erhalten geblieben sind, weiß ich nicht. Grundsätzlich positiv ist das Streben nach "Traditionsinseln", wie in Niedersachsen eher noch üblich.


    Braunschweig hat ein frühes, mE nicht genug hochzulobendes Wiederaufbauprojekt aufzuweisen:

    den Altstadtmarkt nämlich.

    Die Gestaltung der Gewandhausseite mit dem transozierten FWH war geradezu genial und hätte richtungsweisend sein können.

    https://www.braunschweig.de/le…rkte/wm_altstadtmarkt.php


    https://www.braunschweig.de/le…rkte/wm_altstadtmarkt.php


    damit hat man drei gute Seiten. Die vierte ist natürlich enttäuschend, aber jetzt mal auch noch gerade erträglich - dieser Platz "funktioniert".


    Die Wiederherstellung der Alten Waage fällt eher in die Zeit der Hildesheimer Rekos.

    Das Schloss wurde auch schon diskutiert. Letztlich hebt die Reko nicht ganz den Skandal des Abrisses auf.

    Der Normalfall des Braunschweiger Wiederaufbaus gilt als trostlos, was natürlich zutrifft. Für mich ist er nicht schlechter als anderswo, er hat halt hier keine Fürsprecher. Die Rekonstruktion niedersächsischer FWH war halt die allerschwierigste Aufgabe, überhaupt im Vergleich zu den schlichten Sandsteinfassaden Nürnbergs. Die mitunter zu beobachtende Herstellung "falschen FW", also rein ornamentalen, fassadistischen (va um Michaelskirche), wird zwar harsch kritisiert, ist aber in meinen Augen immer noch "besser als nichts."


    Unterm Strich würde ich BS daher als weitaus überdurchschnittlich gelungen ansehen.

    Geh Zeno, den letzten Satz hättest du dir wirklich sparen können, da ist ein bisschen viel Polemik in anderthalb Zeilen. Und dazu wirklich unnötige persönliche Untergriffigkeit. Irgendwie kommt es mir schon so vor, du würdest dich selber als Mastermind des "Neuen Würzburgs" verstehen und alle Kritik daran als persönlichen Angriff verstehen. Wir haben uns doch sonst immer gut verstanden? Und du hast doch gewusst, dass ich - niemanden ad personam verachte, aber das heutige Stadtbild aus ganzem Herzen ästhetisch verabscheue. Weils ja wirklich schiach ist.

    Zu deiner mE höchst unangebrachten Polemik: Erstens muss man dem argumentativen Gegner auch so etwas wie schlüssiges Denken zugestehen. So hat UNM mit dem Thema nur insofern zu tun, als damit auch eine jener relativ frühen Wiederaufbaustruktur beseitigt wurde. Somit ist es logisch, dass man der Neuen Mitte schon rein grundsätzlich positiv gegenüberstehen muss, wenn man Phänomene wie den Würzburger Wiederaufbau ablehnt.

    Zweitens ist die Würzburger Altstadt doch nicht Ausgeburt materieller Not, sondern der Wirtschaftswunderzeit. Der Würzburger "Arme Leute"-Stil (dieses Wort ist nicht von mir) war zu dieser Zeit nicht mehr wirtschaftlich geboten.

    "Eine Stadt ist kein Museum" war das damalige Totschlagewort, "mit welchem man so gut wie alle Anschläge gegen den guten Geschmack" rechtfertigen konnte (auch nicht von mir: DKV-Band Würzburg, Vorwort). In Würzburg waren die gleichen doktrinären Modernisten am Werk wie anderswo. In Verbindung mit dem Kommerz der Wirtschaftswunderzeit war das keine gute Mischung, und entsprechend sieht das Ergebnis aus.

    Somit hat man, drittens, in Würzburg, wie zum 100. Male gesagt, eben nicht ans historische Vorbild "angepasst" gebaut, bis auf wenige Ausnahmen vielleicht, sondern unbekümmert modernistisch drauflos geklotzt. Das ist der Vorwurf. Das Bisschen schlecht, dh mit unzureichendem Formgefühl ausgeführte Anpassungsarchitektur, so sehr mich das auch stört, ist letztlich ein Luxusproblem in diesem einförmigen modernistischen Meer. Es gibt übrigens genug Dokumente, wie vor allem dem Straßenbau etliche stehengebliebene Barockfassaden geopfert wurden. So "grundrissgetreu" war dieser dein so geschätzter Wiederaufbau also wieder auch nicht.

    Viertens verachtet niemand die Trümmerfrauen und die damals in Baracken Lebenden, den damals gebotenen sozialen Wohnbau an sich. Wenn so etwas angeklungen sein mag, dann nur hinsichtlich des Umstandes, dass das unmittelbare Domumfeld wie der Kardinal Döpfner-Platz für derlei doch nicht der geeignete Ort sein muss! Ich würde nicht einmal von einer "Verachtung" hinsichtlich der damaligen Doktrin des Kommerzialismus, Modernismus und der Gleichgültigkeit gegenüber historischen Stilen schreiben. Das war halt ein zeitbedingter Fehler, so was gibt es, warum soll man es groß verachten. Heute wäre es halt Zeit, diesen Fehler zu korrigieren und sich Schritt für Schritt von diesem unzureichenden Stadtbild zu verabschieden, wie es längst auch anderswo geschieht. Unverständlich hingegen erscheint mir, wie man sich an diesem Fehler so festkrallen kann, wie es in Würzburg geschieht, wie Leute wie du, die doch genug verstehen, sich mit Verbissenheit da hineinsteigern - als ob es hier wirklich was zu verteidigen gäbe. Abgesehen davon muss man doch erkennen, wohin diese Verteidigung, die ja richtigerweise eine Verteidigung des Modernismus ist, führt: nämlich zu weiterem Modernismus. Schließlich hat man ja (fast) alles richtiggemacht. Wenn also dein heißgeliebter Wiederaufbau-Modernismus in die Jahre kommt, wird dessen Schäbigkeit, wie um den Oberen Markt schon passiert, durch noch mehr Modernismus ersetzt werden. Eine grundsätzliche Infragestellung der stadtbildmäßigen Paradigmen hat ja nie stattgefunden.

    Und so wird alles noch schlechter, sogar dort, wo dies noch möglich ist: Den bisher mittels kluger Aussparung hübsch gebliebenen Westteil des Marktes verschandelt nun das in der Tat modernistisch-abscheuliche Petrini-Haus (Tschuldigung, wenn ich damit deine Gefühle verletzen sollte - es hat ja immerhin ein schräges Dach).

    Aber es gibt neben den vielen repräsentativen Bauten auch schöne Straßenzüge und Plätze. ..Es werden ja meist die gleichen Fotos der weniger gelungenen Straßen gezeigt.Vielleicht hat er schlechte Erfahrungen in der Stadt gemacht? Oder er hat die Stadt nie gesehen.

    Hast natürlich recht. Hab die Stadt noch nie gesehen, sondern mir mein Bild nur anhand von Foren wie diesem gemacht. Leider werden wirklich nur ungünstige Bilder gepostet. Aber du wirst sicher so gut sein und ein paar schönere Bilder einstellen, die mich überzeugen können.

    Dieses da wär nicht schlecht, (sieht man von dem Kitschkasten links unten ab)

    Diese Ansicht scheint mir irgendwie neu:

    https://www.pikist.com/free-photo-sqoep/cs


    Vielleicht muss ich meine Meinung noch tatsächlich revidieren?