Beiträge von silesien

    Nun abschließend zum letzten Gebäude dieser Galerie - oder eigentlich zum ersten, denn die Zählung beginnt ja an dieser Stelle mit der Hausnummer 1 der Neuen Straße ... und als Eckhaus hat es gleich zwei Hausnummern, nämlich auch noch die Nummer 6 der Kinderspielgasse im Norden.


    Das Gebäude ist das frühere Verwaltungsgebäude des Elektrizitätswerks, errichtet 1914 bis 1915 (die Kinderspielgasse ist links):



    Hier noch eine Nahaufnahme, zwar leicht schief fotografiert, dafür aber ungleich sommerlicher:



    Der Bau stammt von den Architekten Hollweg und Bieber, die beide sonst keine Gebäude in Straßburg errichteten und auch nicht aus Straßburg kamen - Hollweg war Regierungsbaumeister und arbeitete mit Bieber von 1911 bis 1930 zusammen, vorwiegend von München aus.


    Oswald Bieber machte ab 1933 verstärkt Karriere, in München ist eine Straße nach ihm benannt. Ebenfalls in München tätig war der Bildhauer Hermann Hahn, der die Skulpturen auf der Fassade schuf, die die vier Elemente darstellen:



    Und in der Gegenrichtung zum Kleberplatz - die kleinen Kartuschen an der Fassade symbolisieren u. a. Elektrizität und Magnetismus (leider kaum zu erkennen):



    Tatsächlich zog 1915 noch die Elektrizitätsgesellschaft in ihr neues Gebäude um, die zuvor in der Kleinen Metzig beheimatet war (siehe Gustave Oberthür (1872 - 1965)), für mich eines der interessantesten Gebäude der Epoche.


    Somit also insgesamt eine "Auftragsarbeit", aber sicherlich eine gelungene - wobei vor allem der hohe gestalterische Aufwand gefällt, z. B. bei den Skulpturen, Kartuschen, Türgriffen, in den erhaltenen Innenräumen gibt es wohl sogar noch weitere Skulpturen und Malereien rund um die Elektrotechnik und bedeutende Wissenschaftler, insgesamt also ein künstlerischer Aufwand, der heute gar nicht mehr vorstellbar ist.


    Insgesamt fällt meine Bilanz des Großen Durchbruchs nicht eindeutig aus - einerseits wurde dafür viel historische Bausubstanz geopfert, andererseits wurden aber auch wirklich großstädtische bis monumentale Gebäude errichtet, die Straßburg auf der Altstadtinsel erst zur Metropole machen.


    Wie denkt Ihr darüber?

    Nun haben wir es schon fast geschafft und können noch einen Blick auf die Kirche am Ende der Neuen Straße werfen, die schon unter Kirchen in Straßburg ausgiebig beschrieben wurde.


    Wir sehen hier den Neubau von Alt Sankt Peter Katholisch, der von 1866 bis 1869 unter Jean Geoffroy Conrath (1824-1892) begonnen wurde und im neogotischen Stil gehalten war.


    Hier eine alte Ansichtskarte mit dieser Kirche, im Vordergrund verläuft der später angelegte Große Durchbruch (bzw. sogar durch die Kirche hindurch):


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    Entsprechend wurde im Zusammenhang mit dem Großen Durchbruch festgestellt, daß diese Kirche den Bauabschnitt in Richtung Kleberplatz behinderte.


    Daher wurde bereits 1912 ein neuer Plan durch Fritz Beblo (1872-1947) ausgearbeitet und noch im selben Jahr mit der Verkürzung dieser neuen Kirche begonnen.


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    Aufgrund des Kriegsausbruchs 1914 blieb die Kirche übrigens in diesem provisorischen Zustand, die Fassade wurde nur mit Holz verkleidet.


    Nach dem Kriegsende wurde dann die Planung von Beblo umgesetzt und ein weiterer Kirchturm mit neuer Fassade errichtet - die Fertigstellung war wohl 1920, bereits nach der Ausweisung von Beblo.


    Somit ist dieser Kirchturm gemeinsam mit dem daneben bis 1916 errichteten großen Geschäftshaus (unter anderem wurde hierfür auch das Pfarramt von Sankt Peter abgerissen) das letzte von Beblo errichtete Gebäude in Straßburg.


    Hier nun einige Fotos:


    Hier ist der Turm nach den Planungen von Beblo zu sehen, wir blicken hier in die Neue Straße hinein, das Gebäude links ist das frühere Verwaltungsgebäude des Elektrizitätswerks, das als letztes Gebäude vorgestellt werden soll.


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    Hier das oben angesprochene Geschäftshaus von Beblo, der Gebäudeteil ganz rechts ist eher eine "Attrappe", da aus Platzgründen wie schon angesprochen nur wenige Meter tief:


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    Und nochmals der Blick auf den katholischen Teil:


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    Am Ende der Neuen Straße befindet sich ein kleiner Platz, an dem von Norden her die Alte Weinmarkt Straße und die Kinderspielgasse einmünden, gleich dahinter endet die Altstadtinsel - die Straße wurde nicht bis zum relativ nahen neuen Bahnhof fortgeführt.


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    Nun kommen wir zum allerletzten Abschnitt, der einerseits durch die Bauten von Zache und Backes geprägt ist, andererseits durch Fritz Beblo (1872-1947):

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    Die beiden Gebäude im Vordergrund stammen von Zache und Backes inkl. des Gebäudes mit dem dunkelgelben Farbton, dessen Bau 1915 abgeschlossen wurde.


    Das elegant geschwungene Gebäude unmittelbar vor der Kirche stammt hingegen schon von Fritz Beblo und wurde erst während des Ersten Weltkriegs gegen 1916 fertiggestellt:


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    Bemerkenswert ist die Gestaltung des Übergangs zur Kirche, deren Pfarrhaus aus dem 17. Jahrhundert 1910 abgerissen wurde. Hier die vormalige Bebauung an dieser Stelle:


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    Es fällt anhand des Grundrisses auf, dass der hinterste Gebäudeabschnitt des Neubaus von Beblo gewissermaßen eine Art von "Attrappe" ist:


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    Tatsächlich ist dieser Abschnitt noch schmaler, als es auf dem Plan zum Ausdruck kommt, das Areal zwischen Neuer Straße und Langstraße ist heute nur einstöckig mit einem Supermarkt aus den 50er Jahren bebaut, wieso dieses Areal nicht besser genutzt wird, ist mir unklar.


    Auch dieser Bau wird mit einem Hinweisschild dokumentiert:


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    Zum Vergleich dieselben Ansichten noch vom Juni 2019:


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    Ja, daran erinnert es auch etwas, zum Glück gab es in diesem Areal jedoch keine Kriegsschäden.


    Wir haben jetzt schon fast das Ende des Großen Durchbruchs bzw. der Neuen Straße erreicht, auf der linken Seite ist bereits die Doppelkirche Alt-Sankt-Peter zu sehen, die bereits in Kirchen in Straßburg beschrieben wurde.


    Hierzu erst einmal ein historisches Fotos der Bebauung an der Nordseite, das zwischen 1934 und 1970 entstanden sein könnte:


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    1934, weil das Capitole-Kino schon steht, 1970, weil die eher unattraktive Bebauung im Vordergrund noch vorhanden ist, deren Alter ich nicht so recht einschätzen kann (eine Art von Notbebauung?.wirklich historisch wirkt es nicht):


    Angeblich stammen die Aufnahmen von 1959, ob die Gebäude damals wirklich schon abgerissen wurden und die Datierung stimmt, ist mir unklar:


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    Klar ist indes, daß die Neubauung, bestehend aus einer früheren Bank, heute als Hotel genutzt, vom Ende der 60er Jahre stammt:


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    Auch das Gebäude des Capitole-Kinos gibt es weiterhin:


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    Die verbleibenden Gebäude wurden indes alle noch zu Zeiten des Kaiserreichs geplant und nach originaler Planung fertiggestellt, im Extremfall jedoch erst nach 1918.


    An dieser Stelle einige Fotos, die ich unmittelbar vor der Grenzschließung auf schon weitgehend leeren Straßen aufgenommen habe.


    Hier blicken wir in Richtung Kleberplatz zurück, im Vordergrund rechts das schon oben kurz angesprochene, äußerst repräsentative Gebäude von Zache und Backes, dessen Besonderheit - die beiden Dachbalkone mit grünen Dächern - bestenfalls im Hintergrund schwach zu sehen ist:



    Dasselbe Gebäude nochmals, diesmal in der anderen Richtung, der Standort ist etwas weiter östlich:


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    Und noch etwas weiter östlich befindet sich dieses Gebäude, das zeitgleich errichtet wurde - und zwar für den Betreiber des Restaurants Valentin Sorg am Eisernen Mann (heute Namensgeber des dortigen Hochhauses):


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    Ich denke auch, daß diese Art der Bauweise damals bei Großbauten überwog, auch wenn es äußerlich nicht danach aussieht.


    Und da wir gerade beim Thema Beton sind ... ein ebensolches Bauwerk:


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    Nicht wirklich attraktiv, aber mit einer interessanten Entstehungsgeschichte, die uns schon zum nächsten Abschnitt des Neuen Straße und den dort tätigen Architekten überleitet - nämlich dem extrem produktiven Duo Otto Zache und Heinrich Backes, beide übrigens ursprünglich "reichsdeutscher" Abstammung, wobei Zache auch nach 1918 weiterhin aktiv blieb.


    Das Areal im Norden der neu angelegten Neuen Straße wurde ja - wie schon erwähnt - im Gegensatz zur Bebauung im Süden vor dem Ende des Ersten Weltkriegs nicht mehr fertiggestellt, abgerissen waren die vorherigen Bauten aber schon:


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    Eben an jener Stelle begann Zache 1937 mit dem Bau eines Gebäudes, dessen Bau (vermutlich Geldmangel) jedoch schon 1938 wieder eingestellt wurde, dieses Provisorium hatte bis 1967 Bestand, bis dann das oben abgebildete Gebäude aufgestockt wurde:


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    Das aber nur als Kuriosität am Rande und Überleitung zu den nächsten Bauten, die allesamt von Zache und Backes stammen, die als Duo nur zwischen 1905 und 1914 aktiv waren, aber in dieser Zeit extrem viele Projekte realisierten.


    So stammen unter anderem die Gebäude mit den Hausnummern 10, 14, 16 und 26 allesamt von den beiden, am interessantesten ist sicherlich das Gebäude mit der Hausnummer 26:


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    Es liegt unmittelbar neben dem Gerberhaus und wurde 1912 errichtet, besonders bemerkenswert ist der Durchgang, der den direkten Zugang zur Tucherstubgasse freigibt:


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    Übrigens ist auch an diesem Gebäude noch eine Tafel mit den Namen der Erbauer angebracht, und zwar auf der rechten Seite des Durchgangs (die hellbraune Fläche).

    Merci!


    Für die Kreuzung der Neuen Straße mit dem Gerbergraben (heute: Rue du 22 Novembre und Rue du Fossé des Tanneurs) greife ich auf etwas aktuellere Fotos zurück.


    Hier nochmals das Gerberhaus aus der Nähe:


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    Der Name des Gebäudes wird weiterhin auf einer Tafel genannt:


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    Neuerdings gibt es an vielen Orten Schautafeln zu Gebäuden und Architekten, so auch hier:


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    Interessantes Detail - gleichzeitig mit dem Gerberhaus errichtete Paul Horn auch dieses annähernd quadratische Gebäude gegenüber, das die Fassadengestaltung des Gerberhauses aufnimmt:


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    Unmittelbar hinter dem Kaufhaus Modern folgt ein weiteres Gebäude, das zeitgleich entstanden ist, das Frankenhaus, das von 1913 bis 1914 nach Plänen des Architekturbüros Heß errichtet wurde und seinen Namen von seinem Besitzer bekam - Jean Dern vom Schloßgut Schwanberg in Unterfranken:


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    Hier dasselbe Gebäude aus der Gegenrichtung aufgenommen, das Gebäude im Vordergrund fügt sich zwar harmonisch an, stammt aber vom Architekturbüro Muller und Mossler und wurde gleichzeitig mit dem Frankenhaus 1914 fertiggestellt:


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    Und nochmals beide Gebäude aus der Gegenrichtung, hinter der Querstraße ist schon das Gerberhaus zu sehen, ebenfalls von 1914 und ein weiterer Entwurf von Paul Horn:


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    Hier wurde also die Bebauung weitgehend noch vor Kriegsbeginn abgeschlossen, auf der gegenüberliegenden Nordseite war dies nicht der Fall.


    Das Eckgebäude von Louis Grunwald an der Ecke zum Kleberplatz wurde zwar auch 1914 fertiggestellt:


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    Die restliche Bebauung präsentiert sich hingegen uneinheitlich, am Anfang dieses Abschnitts sehen wir kleinteilige Bebauung, die teilweise bis auf das 16. Jahrhundert zurückgeht, und ein dezent modernes Gebäude von 1936 von Charles Geiger mit den charakteristischen abgerundeten Balkonen:


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    Das Gebäude im Hintergrund an der Querstraße stammt indes wieder von Paul Horn und wurde ungefähr 1912 errichtet:


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    Schräg gegenüber und aus der Nähe fotografiert - das schon oben angesprochene Gerberhaus von Paul Horn:


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    Das Hauptgebäude am Übergang ist sicherlich das Kaufhaus Modern von 1913, ein Gebäude von Krafft und Berninger, das im Wesentlichen zwar vor dem Ersten Weltkrieg erbaut, aber erst ab 1919 tatsächlich in Betrieb genommen wurde.


    Hier der fertiggestellte Rohbau von 1913:


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    In den Kriegsjahren diente es unter anderem als Warenlager, die eigentliche Eröffnung erfolgte dann wie gesagt 1919, entsprechend wurde letztes Jahr auch das offizielle Jubiläum gefeiert:


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    Magmod ist die Abkürzung für "Magasin modern", also die französischen Übersetzung des deutschen Namens.


    Heute trägt es den Namen Galeries Lafayette - wobei dieses Unternehmen übrigens von zwei Elässern 1893 gegründet wurde, und zwar von den Herren Kohn und Bader (letzterer ist auch der Gründer von Monoprix), der Name stammt von der Adresse des Stammhauses in Nähe der Pariser Oper.


    Hier muß ich unbedingt noch Fotos der Hauptfassade nachreichen, aufgrund der Lichtverhältnisse konnte ich nur in Richtung des Kleberplatzes fotografieren:


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    Auf diesem Bild ist noch ein weiteres Gebäude von Paul Horn zu sehen, das direkt an sein Union Theater anschließt, es markiert die neue Eckbebauung des Kleberplatzes:


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    Die Ausfahrt führt übrigens aus der Tiefgarage unter dem Kleberplatz heraus:


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    Hier nochmals der Blick zurück - die beiden Bauten von Horn auf der linken Seite und dahinter das oben auch schon angesprochene Gebäude von Charles Wolff, rechts das Kaufhaus Modern:


    Wir nähern uns nun dem Kleberplatz, bevor die Prachtbauten der unmittelbaren Vorkriegsjahre kommen, sehen wir zuerst noch zwei Nachkriegsgebäude auf der rechten Seite.


    Der unschöne Würfel stammt aus dem Jahr 1969, zuvor stand an dieser Stelle noch kleinteilige historische Bebauung, die aber nicht unbedingt besonders attraktiv wirkte:


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    Das weiße Gebäude im Vordergrund ist das VOX-Kino, dessen Bau bereits 1939 begonnen wurde. Aufgrund der Kriegsereignisse wurde der Rohbau aber erst 1948 fertiggestellt:


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    Auf derselben Seite folgt dann in Richtung Kleberplatz dieses Gebäude, das überraschenderweise aus dem Jahr 1925 stammt, obwohl es sich praktisch nahtlos an das daneben befindliche Gebäude von 1913 anpaßt:


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    Es stammt übrigens vom gebürtigen Straßburger Charles Wolff, dessen bekanntestes Gebäude sicherlich das Palais de l'Esca ist, der charakteristische halbrunde Bau, der schon mehrfach vorgestellt wurde (siehe z. B. Immeuble de l’Esca – STRASUNESCO).


    Gegenüber befindet sich ein spannendes Gebäude, das zum Spätwerk von Gustave Oberthür (1872 - 1965) gehört und in etwa 1926 errichtet und 2016 renoviert wurde.


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    Wie schon erwähnt, wurde ja das Hotel Rothes Haus am Kleberplatz Ende der 60er Jahre abgerissen:


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    Daraufhin wurde der Hotelbetrieb verlegt und das schon zuvor rote Haus bekam auch offiziell die Bezeichnung Maison Rouge (= Rotes Haus). Skurrilerweise trägt der Neubau am Standort des Rothen Hauses ebenfalls die Bezeichnung Maison Rouge, obwohl das Gebäude ja grau ist (hier im Hintergrund zu sehen, das Gebäude im Vordergrund von Louis Grunwald stammt von 1914):


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    Nun haben wir aber endgültig den Kleberplatz erreicht, wo der Große Durchbruch einen Knick um 90° nach Westen macht. Hinter dem Maison Rouge ist hier schon das frühere Kaufhaus Modern zu sehen:


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    Direkt gegenüber befindet sich das Gebäude des früheren Union Theaters, ein von Paul Horn entworfenes Kino, das ebenso wie das Kaufhaus Modern zumindest weitgehend noch vor 1914 fertiggestellt werden konnte:


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    Hier der oben angesprochene Knick, dort beginnt der letzten Abschnitt des Großen Durchbruchs:


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    Zuerst sollen jedoch noch weitere Gebäude am Übergang zwischen beiden Abschnitten vorgestellt werden.

    Nördlich dieses Abschnitts dominieren nun monumentale Bauten, die weitgehend miteinander harmonieren, obwohl sie aus ganz unterschiedlichen Jahrzehnten stammen - am Kleberplatz und westlich davon teilweise noch aus der Kaiserzeit, am nun kommenden Straßenabschnitt überwiegend aus den 20er bis 50er-Jahren.


    Rechts ist hier noch obige Bausünde zu sehen:


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    Auf der anderen Seite ein Gebäudekomplex von Mitte der 50er-Jahre von Eugène Roemer, der zwar in Paris geboren ist, aber in Straßburg studiert und überwiegend gearbeitet hat.


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    Wie erreichen nun bereits die Kreuzung mit der Langstraße/Grand'Rue, die auch der dortigen Straßenbahnhaltestelle ihren Namen gibt. Hier ein interessanter Blick auf die Thomaskirche im Westen:


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    Die Kreuzung mit der Straßenbahnhaltestelle bietet den letzten Rest an wirklich historischer Architektur in Form eines Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert, früher u. a. "Zur Ketten" genannt und als Brauhaus genutzt.


    Durch Abrisse entstand 1935 ein kleiner Platz, der entsprechend "Place de la Chaîne d'Or" (Platz der goldenen Kette) genannt wurde, seitdem ist dieser kleine Gebäudekomplex direkt von der Straße aus sichtbar:


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    Blick zurück nach Süden, wir sehen hier das "Strasbourg-Building" von 1928, der etwas seltsame Name kommt von der Baugesellschaft gleichen Namens:


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    Der Architekt ist übrigens Charles Wolff - derselbe Architekt, der auch das VOX-Kino schräg gegenüber entworfen hat.


    Anbei noch ein Foto des Gebäudes:


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    Und die Straßenbahnhaltestelle - hier wirkt Straßburg wirklich großstädtisch:


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    Die Frontpartie ist in dieser Form bei keinem anderen Wohnwagen vorhanden - auch nicht bei den beiden anderen Caravans des Herstellers.


    Das Blumendesign kostet Aufpreis und setzt sich auch am Heck fort - es gibt auch Holzimitationen oder einfach Dekorstreifen:




    Für den hochwertigen Aufbau und die Handarbeit ist der Preis relativ niedrig:



    Blick in die Sitzgruppe im Bug - das Frontfenster ist relativ hoch, die Seitenfenster gab es früher nicht:



    Ein Nachteil besteht darin, daß keine Oberschränke eingebaut werden können - außerdem gibt es keinen Gaskasten an der Front, der befindet sich seitlich unter dem Bett:



    Hochwertige Küche, leider ohne elektronische Zündung:



    Ordentlicher Möbelbau:



    Blick vom Bett aus in Richtung Sitzgruppe:



    Und in der anderen Richtung:



    Bett und gleich daneben die Dusch-/Toilettenkabine:



    Schickes Waschbecken:



    Und zum Abschluß noch die Dusche, die zwischen zwei ausklappbaren Kunststoffabdeckungen angebracht ist:




    Alles in allem ein hochinteressanter Exot mit leider nur einem einzigen Händler in Deutschland. Das wars mit den diesjährigen Caravanreportagen ... :smile:

    Und ganz zum Abschluß noch ein echter Exot, der mir allerdings recht gut gefallen hat - nicht von der CMT in Stuttgart, sondern von der Free in München letztes Wochenende.


    Bei dem Hersteller handelt es sich um LaMancelle, eine Mini-Manufaktur aus Le Mans in Frankreich, die zwar seit 20 Jahren zu Trigano gehört, aber weitestgehend in Handarbeit individuelle Wohnwagen in Kleinserie herstellt (angeblich nur rund 1 Wohnwagen pro Tag wird gefertigt).


    Hier erst einmal das ziemlich einzigartige Design, was allerdings nicht ganz ohne Nachteile ist:



    Hier gibt es weiterhin zwei Modelle, einmal den Deseo als kombinierter Wohnwagen/Motorradtransporter:




    Daher auch die Doppelachse, die normalerweise bei einem solch kleinen Wagen nicht nötig wäre - auch eine so große Heckklappe könnte mit der herkömmlichen Bauweise nicht realisiert werden.


    Um Motorräder mitnehmen zu können, kann das Heckbett hochgefahren werden, am Boden befinden sich Verzurrösen:



    Blick nach außen - auch der Tisch an der Seite ist klappbar:



    Dieselbe Bauweise gibt es auch in Form eines relativ teuren, aber sehr kleinen und leichten Mini-Caravans:




    Extrem niedriges Gewicht, auch dank einer recht minimalistischen Innenausstattung, dafür aber ein relativ hoher Preis:



    Blick ins Innere:



    In der Ecke ein Miniaturbad, gleich daneben der Tisch - es geht sehr eng zu:



    Der Möbelbau besteht aus "Revolution Cubes", also Leichtbauschränken mit abgerundeten Kanten:



    Der Schließmechanismus macht nicht gerade einen soliden Eindruck ... ähnlich minimalistisch das Bett:



    Schwer zu sagen, an wen sich der Wagen richtet - vielleicht an die Fahrer sehr kleiner Mittelklassewagen, die meist allein unterwegs sind? Ansonsten gäbe es für weniger Geld deutlich mehr Wohnwagen, wenngleich mit etwas höherem Gewicht.

    Abschließend nun noch ein Besuch bei Knaus aus der Nähe von Passau - dazu gehört auch noch Tabbert aus Hessen sowie weitere Markennamen wie Weinsberg.


    Tatsächlich gibt es Tabbert noch als eigenständigen Hersteller mit eigenen Aufbauten, Weinsberg ist nur noch eine Marke und wird im Konzernverbund gefertigt.


    Tabbert kommt die Rolle des Nobelherstellers zu, Knaus bietet eher Einsteiger-Caravans und Spezial-Caravans für Aktivurlauber an.


    Hier gibt es einerseits konventionelle Modelle wie den Sport & Fun, mit herkömmlichem Aufbau (Holzfachwerk und Styropor), dafür mit Details wie Dachreling und Hecktür:




    Spannender sind wohl die bereits letztes Jahr kurz vorgestellten beiden Modelle mit der neuen FibreFrame-Technologie, bestehend aus einer selbsttragenden Rahmenkonstruktion aus geschäumten, per Ultraschall verschweißten Polyurethan-Profilen.

    Werfen wir nun einen näheren Blick auf die Mini-Caravans. Das Preisniveau ist moderat, die Abmessungen garagentauglich:


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    Auch größere Varianten sind lieferbar, dann aber zu einem vergleichsweise hohen Preis:


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    Beim günstigen Modell ist das Aufstelldach entsprechend simpel:


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    Beim großen Caravan wirkt alles solider:


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    Innen kann ich tatsächlich nur unter dem hochgestellten Dach halbwegs stehen:


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    Besonders wohnlich wirkt der Innenraum nicht unbedingt:


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    Skurriler Einblick - ohne Abdeckung kann man bei hochgefahrenem Dach in die Toilette vom Wohnraum aus blicken, vermutlich muß hier noch eine weitere Trennwand im Inneren hochgeschoben oder eingesetzt werden:


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    Auf diesem Bild ist das Rechtstädtische Rathaus zu sehen, das den Übergang von Langem Markt zu Langgasse markiert:



    Die Langgasse mit Blick auf das gleichnamige Tor und den Stockturm:



    Dieselbe Ansicht, nur etwas weiter westlich:



    Ungefähr vom selben Standort aus der Blick in Gegenrichtung:



    Auch hier fällt wieder auf, daß das Vorkriegs-Danzig sehr viel mehr Vielfalt bei den Fassaden bot als die heutigen, fast immer gleichen Giebelhausimitationen.


    Mit dieser Ansicht der Langgasse ist dann der Teil mit historischen Ansichten abgeschlossen:


    Abschließend nun noch einige Postkarten mit dem Herzen der Rechtstadt, dem Langen Markt und der Langgasse.


    Wir beginnen am Grünen Tor direkt an der Mottlau:



    Hier der Blick in Gegenrichtung mit dem Neptunbrunnen:



    Der Neptunbrunnen aus der Nähe - man beachte die nicht gerade denkmalgerechten Werbeaufschriften auf dem Schumannhaus links im Bild:



    Hier der Blick nach rechts auf den Artushof, heute sicherlich das am besten rekonstruierte Gebäude am Platz:



    Der Blick zum Grünen Tor, der komplette Lange Markt ist hier zu sehen:


    Weiter nun zu Trigano aus Frankreich, dem Unternehmen, das durch die Übernahme von Adria zum europaweit größten Anbieter wurde und auch Fertighäuser anbietet.


    Adria wird weiterhin eigenständig geführt, abgesehen von einigen Nischenmarken vermarktet Trigano seine Produkte als Caravelair und Sterckeman, wobei unter beiden Namen praktisch identische Produkte angeboten werden.


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    Das ist alles ziemlich durchschnittliche Massenkost ohne besondere Highlights, dafür aber mit einer eher mäßigen Qualität und Verarbeitung:


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    Teilweise schief eingebaute Teile, extrem wacklige Türklinke aus günstigem Plastik:


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    Mäßige Polsterung:


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    Aber einige Besonderheiten hat der Konzern dennoch zu bieten, einerseits eine relativ fortschrittliche Aufbautechnologie:


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    Und andererseits Mini-Caravans mit extrem kleinen Abmessungen, die in fast jede Garage passen:


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    Weitere Besonderheit - die niedrige Bauhöhe, da das Dach am Aufstellort hochgefahren werden kann:


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    Dies gibt es in verschiedensten Ausführungen, mal solide, mal nur als eine Art von Folienkonstruktion.

    Hinter dem Krantor begann die Breitgasse, die direkt zum bereits ausgiebig gezeigten Holzmarkt führte. Deutlich bedeutender war indes die südlich parallel dazu verlaufende Heilig-Geist-Gasse, die am gleichnamigen Tor endete:




    Wieder einmal fällt auf, daß die heutige Bebauung sehr schematisch und weitgehend ahistorisch ist - das Original war viel vielfältiger und aufwendiger, wenn auch bei weitem nicht so geschlossen wie die heutige einheitliche Giebelbebauung.


    Wie aus obigem Stadtplan ersichtlich, beginnt die Jopengasse direkt am Zeughaus, ändert ihren Namen ab Marienkirche aber in Brotbänkengasse - immerhin bleiben wir beim Thema Ernährung, denn Jopen stand für Jopenbier.


    Hier das Zeughaus vom Kohlenmarkt aus:



    Und hier von der Rückseite - dort beginnt die Jopengasse:



    Einer der wenigen Orte, an denen im heutigen Danzig auch die Beischläge zumindest teilweise rekonstruiert wurden, von einer so aufwendigen Fassadengestaltung mit Skulpturen sind wir heute aber leider weit entfernt:



    Hier die Brotbänkengasse, Blick in Richtung Jopengasse mit der Marienkirche. Die heutige Bebauung ist komplett ahistorisch, es wurde zwar auch eine Häuserzeile errichtet (vgl. das weiße Gebäude in Bildmitte), allerdings weicht diese völlig vom Original ab und steht auch etwas unmotiviert im Leeren, da dahinter eine freie Fläche ist.



    Und hier das Ende der Gasse vor dem gleichnamigen Tor, das 1961 rekonstruiert wurde, auch hier gibt es wieder einige Beischläge:


    Los geht es im Süden auf der Höhe des Kuhtors, also am südlichen Rand der Rechtstadt - das Kuhtor führt über die Kuhbrücke auf die Speicherinsel:


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    Hier eine Ansicht aus etwas größerer Entfernung, vermutlich von der Grünen Brücke aus:


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    Es fällt auf, daß nicht nur die heutige Bebauung völlig abweicht, auch die Ufergestaltung ist eine völlig andere, die Häuser sind heute grob geschätzt 20 Meter von der Mottlau entfernt.


    Hier nun der Blick von der Kuhbrücke nach Norden, zu Grünem Tor und Grüner Brücke - über die damals noch die Straßenbahn fuhr, obwohl die alte Brücke viel filigraner war:


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    Dieselben Brücken, nur aus der anderen Richtung aufgenommen:


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    Beide Brücken konnten in der Mitte hochgeklappt werden, allerdings war die Durchfahrtsbreite sehr gering.


    Hier nun der Blick nach Norden über die "Lange Brücke", man das Hinweisschild Neufahrwasser-Westerplatte - wie schon erwähnt, geht die Bezeichnung auf das "neue Fahrwasser" zurück, eine neu ausgehobene Fahrrinne für die Schiffe aus dem 17. Jahrhundert (siehe hier).


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    Man beachte die abweichende Schreibweise - damals war die Rechtschreibung noch nicht standardisiert, entsprechend findet sich neben Krantor auch Krahntor oder eben Krahnentor wie auf dieser Postkarte (vgl. auch "Langebrücke" auf obiger Karte):


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    Kaum zu glauben - so unspektakulär sah das Krantor damals von der Rückseite aus:



    Das heutige Tor weicht nicht nur von der Baumasse und bei vielen Details ab, auch die Rückseite mit der reich gegliederten Fassade wirkt viel dramatischer.