Beiträge von silesien

    Daß dort in unmittelbarer Nähe des Altstädtischen Rathauses das Gerberviertel lag, glaube ich ehrlich gesagt nicht, schließlich sollten ja solch "unreinen" Gewerbe aus der Stadt verbannt werden. Ich könnte mir vorstellen, daß ein entsprechendes Viertel eher außerhalb der Stadtmauern lag, z. B. entlang der Radaune beim früheren Fischerviertel westlich der Stadtbefestigungen, das ist aber eine reine Mutmaßung.


    Die Mühle war bis 1945 in Betrieb und brannte dann komplett aus, tatsächlich war nur noch die Wand erhalten, die oben auf "Große Mühle und Fortbildungsschule" zu sehen ist, rundherum stand nur noch die Umfassungsmauer der früheren Mühlräder. Das Innere der heutigen Mühle ist somit völlig neu und dient als Verkaufsfläche (die Kleine Mühle gleich daneben war übrigens nie eine Mühle, sondern diente als Lagergebäude für die Große Mühle).


    Die Große Mühle wurde 1836 auf Dampfmaschinen umgestellt, vermutlich wurden die Mühlräder dabei entfernt (?) Am Erscheinungsbild änderte sich dadurch wenig, weil die relativ kleinen (maximal 18) Räder hinter den beiden Umfassungsmauern auf beiden Seiten verborgen waren - die Radaune wird um die Mühle ja in zwei Kanälen herumgeführt.


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    Wie schon mehrfach erwähnt, konnte die Altstadt kaum mit der Rechtstadt mithalten und war eher eine ärmere Wohngegend. Entsprechend hält sich auch die Anzahl der Ansichtskarten in Grenzen, die fast immer nur die Hauptsehenswürdigkeiten zeigen - die Kirchen und die Mühlen.


    Hier eine Übersicht über die Altstadt mit der Katharinenkirche:



    Die Kirche aus der Nähe, die kleinteilige Bebauung fällt auf:



    Die Kirche wurde gern mit der großen Mühle und dem Müllergewerkehaus abgebildet, beide wurden rekonstruiert:



    Diesen Anblick gibt es weiterhin:



    Mit dem Gewerkehaus:



    Die Große Mühle aus der Nähe:



    Gleich daneben, die Fortbildungsschule, diese existiert wie - mit Ausnahme des Rathauses - die gesamte frühere Bebauung nicht mehr:



    Das Rathaus gibt es noch, das Umfeld ist aber nicht mehr sehr attraktiv:



    Abschließend noch eine Aufnahme der Hohen Seigen, einer Uferstraße entlang der Radaune, die durch die Altstadt fließt und an der auch die Mühlen liegen. Die Hohe Seigen lag am nördlichen Ufer, die Niedere Seigen am südlichen Ufer, rund 250 Meter flußabwärts der Mühle:



    Hier befinden sich heute Parkplätze und Plattenbauten aus kommunistischer Zeit.

    Auf dem letzten Bild ist ganz oben links ein "Knick" am Flußlauf der Mottlau zu sehen, dort befand sich der Fischmarkt, der schon den Übergang zur Altstadt markiert.


    Hier die zugehörige Übersichtskarte:


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    Auf dieser Luftaufnahme sehen wir eine dichte Bebauung rund um den Schwanenturm herum, der Fischmarkt ist der längliche Platz parallel zur Mottlau:


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    Hier noch die zugehörige Ansicht von der Mottlau aus, der Uferabschnitt trug den Namen "Am brausenden Wasser":


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    Und aus der Nähe:


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    Von der Bebauung ist nichts erhalten geblieben, lediglich der Schwanenturm steht noch. Daneben wurde in Richtung Nordosten 2010 ein Hilton-Hotel errichtet, südlich des Turms ist eine freie Fläche.

    Hier eine ganz ähnliche Ansicht, allerdings als Foto:



    Eine Aufnahme der Speichergebäude aus der Nähe, vermutlich aus der Zwischenkriegszeit (aufgrund der polnischen Bezeichnung Poznan):



    Das nördliche Ende der Speicherinsel mit Blick zur Bleihof-Insel:



    Der sogenannte Königliche Packhof, der östliche Uferabschnitt zwischen den beiden Inseln:



    Und hier noch die zugehörige Luftaufnahme:


    Weiter nun mit Niederstadt und Speicherstadt - hier der Überblick:


    speicherg.jpg


    Leider gibt es kaum Postkarten mit der Niederstadt, hier eine Ansicht von Mattenbuden von der Speicherinsel aus:


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    Die bedeutendste Straße der Niederstadt war der Langgarten mit der Kirche St. Barbara, abgesehen von dieser Kirche ist kaum noch etwas erhalten:


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    Deutlich besser ist die Speicherinsel dokumentiert, auch wenn hier die meisten Postkarten die Milchkannengasse zeigen, also die Verbindungsstraße zwischen Langgarten und Langer Markt.


    Hier eine Ansicht des Milchkannentors von Süden, von Mattenbuden aus fotografiert:


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    Aus der Nähe:


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    Hier der Blick in die Milchkannengasse, die heutige Bebauung wirkt zwar alt, ist aber erst nach dem Ende des Kommunismus entstanden:



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    Diese Aufnahme entstand kurz vor der Zerstörung, es fällt auf, dass die Straßenbahn nicht mehr durch den kleinen Turm fährt (bereits mit einem Gitter versehen):


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    In Richtung Rechtstadt war eine gründerzeitliche Sparkasse entstanden, in einem ähnlichen Stil wie bei den Gebäuden am Kohlenmarkt:




    Und hier die Speicherstadt mit der Sparkasse links, rechts die Rechtstadt mit Grüner Brücke und dahinter Kuhbrücke


    Wie aus diesen beiden Postkarten ersichtlich ist, wurde die Reichsbank südlich des Hohen Tors (hier als Hauptwache bezeichnet) erst nach dem Danziger Hof errichtet:




    Die Reichsbank stammt von 1906 und wurde von Max Hasak entworfen, einem auf Bankgebäude spezialisierten Architekten. Dieses Gebäude ist in stark modifizierter Variante samt Nebengebäude noch erhalten, hier das Originalgebäude:



    Wie oben schon angesprochen, verlief bzw. verläuft hinter dem Gebäude die Reitbahn - diese wurde glücklicherweise komplett rekonstruiert:



    Damit sind wir auch schon am Ende unseres Rundgangs angekommen, südlich davon wurden noch weitere Verwaltungsgebäude errichtet, die teilweise noch erhalten sind, so die Polizeidirektion (erhalten) und die Landesversicherungsanstalt.


    Das gründerzeitliche Polizeigebäude:




    Und abschließend noch eine Gesamtansicht, die auf der rechten Seite schon die Vorstadt mit dem großen Komplex aus Trinitatiskirche und ehemaligem Franziskanerkloster zeigt:


    Kommen wir nun zum Herzstück der Stadterweiterung, dem Bereich um den Kohlenmarkt mit dem angrenzenden Dominikswall bzw. der Reitbahn.


    Dieser Bereich wurde in den Nachkriegsaufnahmen schon teilweise gezeigt, da er zumindest teilrekonstruiert wurde - insbesondere das Hohe Tor ist hier zu nennen (das natürlich nicht gründerzeitlichen Ursprungs ist).


    Beginnen wir im Norden des Kohlenmarkts - hier befand sich die "Kaffeemühle", ein 1801 auf private Initiative errichtetes Theater, dessen Reste nach dem Krieg abgerissen wurden, um 1967 das Theater der Küste zu errichten:


    stadttheater1.jpg


    Als Foto der Zwischenkriegsjahre:


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    Hier die Bebauung in Richtung Westen:


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    Das eigentliche Highlight besteht natürlich in Stockturm und Hohem Tor am südlichen Ende des Kohlenmarkts, der hier in die Reitbahn übergeht - man beachte die Umbauung des Stockturms, die nach dem Krieg entfernt wurde:


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    Hier blicken wir nun auf das gesamte Ensemble in Richtung Rechtstadt, eine der schönsten Stadtansichten von Danzig:


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    Das parkartige Areal vor den Gebäude war der Dominikswall, der Kohlenmarkt befand sich hinter dem Danziger Hof, die Reitbahn hinter dem Reichsbankgebäude rechts.


    Ursprünglich verlief hier ein Wall der Stadtbefestigung, von dem nur das Tor erhalten blieb - links davon entstand als erstes Gebäude 1898 das Hotel Danziger Hof, dessen Ruine leider abgerissen wurde:


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    Und gleich nochmals in etwa dieselbe Perspektive:


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    Parallel zum oben gezeigten Stadtgraben verlief kurz hinter dem Holzmarkt bis zum Hansaplatz die sogenannte "Pfefferstadt", kein Stadtteil, sondern der Name einer Straße (siehe Übersicht Ziffer 3).


    Hier eine Ansicht der prächtigen und vollständig verschwundenen Bebauung im Norden, wo sich Stadtgraben und Pfefferstadt trennen:


    pfefferstadt.jpg


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    Weiterer Verlauf in Richtung Süden:


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    Hinter dem südlichen Ende der Pfefferstadt kam die Schmidegasse, an die sich der Holzmarkt (Ziffer 4 oben) anschloß - bzw. anschließt, denn dieser Platz existiert weiterhin, wenngleich mit mäßig gelungener Nachkriegsbebauung und deutlich vergrößert.


    Der Platz mit dem Kriegerdenkmal in der Mitte:


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    Im Jahr 1919:


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    Und jeweils mit Blick zur Rechtstadt:


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    Damit nun der Überblick nicht komplett verloren geht, nochmals eine detailliertere Karte des Herzstücks der Stadterweiterung:



    1 steht für den Elisabethwall mit dem bereits abgebildeten Generalkommando. Hier eine Ansicht des Elisabethwalls:



    An diesen schließt sich unmittelbar südlich der mit 2 gekennzeichnete Dominikswall an - hier der Blick nach Norden mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal direkt neben dem Hohen Tor:



    Hier das Denkmal aus der Nähe, ebenfalls wieder in Richtung Norden. Beim Gebäude gleich rechts neben dem Denkmal handelt es sich um das Hotel Danziger Hof:


    Etwas südlich des Hauptbahnhofs, wo der Elisabethwall beginnt, ist das sogenannte Generalkommando zu sehen:



    Dabei handelt es sich um das 1901 auf dem Gelände der früheren Elisabethbastion errichtete Generalkommando der preußischen Armee, nach Gründung der Freien Stadt Danzig als Sitz des Hochkommissars des Völkerbunds und heute als Neues Rathaus der Stadt Danzig genutzt (nur für repräsentative Zwecke).


    Eine weitere Ansicht des Gebäudes:



    Ziemlich genau auf derselben Höhe befindet sich Neu-Danzig, mit dem Neugarten als zentraler Straße, die dann weiter östlich direkt zum Generalkommando führt - im Wesentlichen ist diese Bebauung erhalten geblieben (Blick in Richtung Altstadt/Rechtstadt):



    Hier blicken wir ebenfalls auf Neu-Danzig, allerdings von der anderen Seite aus (Nähe Bahnhof) - die "Promenade" führte westlich des Bahnhofs vom Neugarten in Richtung Hansaplatz, beim "Regierungsgebäude" handelt es sich um das Königliche Oberpräsidium:



    Unmittelbar östlich des Regierungsgebäudes befand sich ursprünglich der Semischplatz, der später in eine kleine Parkanlage umgestaltet wurde, den sogenannten Irrgarten:


    Auf diesem Kartenausschnitt, der um 90 Grad gedreht ist, kann das Areal noch etwas detaillierter gezeigt werden (rechts = Norden) - man beachte auch die kleinen 3D-Zeichnungen von Gebäuden:


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    Hier derselbe Plan nochmals, jetzt mit Ziffern:


    danziggrundzahl.jpg


    Dabei kennzeichnen die Ziffern:

    1. Hansaplatz
    2. Hauptbahnhof, hier beginnt auch der Stadtgraben
    3. oberhalb der Ziffer befindet sich "Neu-Danzig", eine kleine Stadterweiterung, vor allem mit öffentlichen Gebäuden
    4. links der Ziffer befindet sich der Kohlenmarkt
    5. links der Ziffer ist der Holzmarkt zu sehen
    6. hier befindet sich der Heumarkt

    Beginnen wir nun ganz im Norden mit dem Hansaplatz - heute im wesentlichen eine freie Fläche mit Plattenbauten und einem Hochhaus im Norden, damals noch hochwertig bebaut:


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    Eine "Oberrealschule" war übrigens ein naturwissenschaftliches Gymnasium ohne Latein.


    Hier eine Ansicht von 1909, wir befinden uns hier am damaligen nördlichen Stadtrand:


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    Zwischen Hansaplatz und Hauptbahnhof befand sich der Stadtgraben, der im Stil der Gründerzeit bebaut wurde.



    Auf Höhe des Bahnhofs:




    Am südlichen Rand dieser Bebauung befand sich die Elisabethkirche, die zeitweise als Garnisonkirche diente:



    Hier nun der Bahnhof, der auch heute noch existiert - die gründerzeitliche Pracht im Hintergrund ist leider komplett verschwunden (Blick in Richtung frühere Altstadt).


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    Hier eine Bahnhofsansicht in der entgegengesetzten Richtung, rechts der Hagelsberg:


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    Blick über die Gleisanlagen nach Norden, die Kirche St. Elisabeth auf der rechten Seite steht wieder:


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    Hier wird offensichtlich die gesamte neue Bebauung als "Neu-Danzig" bezeichnet, meist wird darunter nur der Bereich westlich der Gleisanlagen verstanden.

    Wahrscheinlich bin ich inzwischen etwas zu pingelig, aber ... ich lese gerade die Gebrauchsweisung zu Polen und finde wieder jede Menge Fehler, z. B.:


    "die Straße Neue Welt (in Warschau) ist eine originalgetreue Rekonstruktion aus der Vorkriegszeit und endet direkt in der Altstadt" ... nein, es ist (wie der Rest der Rekonstruktionen auch) ein idealisiertes Best-of früherer Jahrhunderte, das es so nie gab - und vor allem endet die Straße nicht in der Altstadt, sondern in der Krakauer Vorstadt rund 1,2 km vor der Altstadt. So etwas führt dann schon zu Zweifeln, ob der Rest der Inhalte ähnlich fehlerhaft sein könnte.

    Merci - aber mir ist das Forum für die Veröffentlichung am liebsten, da kann ich noch nachträglich Inhalte ändern und ggf. auch diskutieren. Außerdem würde eine offizielle Veröffentlichung schon an den Bildrechten scheitern ...

    Auf Youtube entdeckt:



    Generell gibt es auf dem Youtube-Kanal des staatlichen polnischen Fernsehens extrem viele ähnliche Dokumentationen unter dem Titel "Poland in Undiscovered", auch zu kleinen Städten.

    Wir verlassen nun die Langgasse durch das Langgasser Tor und sehen den Stockturm:



    Dieser kommt deutlich puristischer daher als das Original, da die Umbauung mit kleinen Häusern beseitigt wurde.


    Hier im Kontext - links Stockturm, rechts Langgasser Tor mit Georgshalle, im Hintergrund das Theater der Küste am Kohlenmarkt:



    Und hier nochmals Langgasser Tor mit Georgshalle:



    In Richtung Kohlenmarkt nach Norden und von dort zum Zeughaus, hinter dem die Jopengasse beginnt:



    Leider habe ich nur eine Miniatur-Luftaufnahme der Vorkriegssituation, zu sehen ist das ursprüngliche Theater, links davon der Holzmarkt und rechts davon das Zeughaus:



    Bei der Jopengasse gab man sich große Mühe und rekonstruierte sogar in großer Anzahl wieder die Beischläge, Blick zurück auf das Zeughaus:



    Und in Farbe:



    Und der Blick zur Marienkirche:



    Auch dieser noch in Farbe:



    Abgesehen von den Autos weist auch das Fehlen von Bebauung ab Höhe der Kirche auf eine Nachkriegsaufnahme hin - dort endet die Jopengasse jedoch bereits und geht in die Brotbänkengasse über, die teilweise erst ab 1976 rekonstruiert wurde.


    Als absolut letztes Foto der Nachkriegsaufnahmen möchte ich noch die Königliche Kapelle präsentieren, in etwa auf Höhe des Übergangs Jopen- zu Brotbänkengasse gelegen, aber nördlich der Marienkirche:



    Jetzt aber soll es mit dem "originalen" Danzig der Vorkriegsjahre weitergehen.

    Von hier aus nun weiter über die Langgasse zu den drei Toren, die am Ende dieser Gasse kommen: Langgasser Tor (auch Goldenes Tor genannt), dahinter Stockturm (wenngleich dieser Turm schon früh seine Funktion als Tor verlor) und Hohes Tor.


    Blick über die Langgasse zum Langgasser Tor, darüber der Stockturm:


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    Damals fuhr hier noch die Straßenbahn - das scheint sogar das Modell von 1952 zu sein, das im Film (Filme über Danzig) gezeigt wurde:


    stockt1.jpg


    Zum Vergleich - die Vorkriegssituation:


    001.jpg


    Und in der anderen Richtung mit der Vorkriegs-Straßenbahn:


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    Und hier noch zum Vergleich die Vorkriegs-Bausituation mit Blick zum Stockturm, in der dichten und etwas chaotischen Bebauung fällt die Langgasse fast nicht auf, heute stehen ja nur noch die beiden Häuserreihen rechts und links - aber sofern man die Langgasse nicht verläßt und nicht hinter die Häuserreihen blickt, ist die Illusion weitgehend perfekt:


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    Im Prinzip hätte ich die Fotos natürlich auch in Die wiederaufgebaute Rechtstadt - Ansichten und Perspektiven präsentieren können, und teilweise läßt sich eine gewisse Überschneidung nicht ganz verhindern.


    Dennoch dachte ich, daß das "Herz" des Rekonstruktionsprojekts, nämlich Lange Gasse/Langer Markt und die nördliche Parallelstraße, die Jopengasse, einen eigenen Strang verdient haben.


    Außerdem möchte ich hier einzelne Vorkriegsaufnahmen zum Vergleich präsentieren, für die es ja eigentlich einen eigenen Bereich unter Das historische Danzig gibt.


    Wir beginnen mit dem Grünen Tor an der Mottlau:


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    Unmittelbar dahinter beginnt schon der Lange Markt, der hinter dem Rechtstädtischen Rathaus in die Langgasse übergeht:


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    Am Ende des Langen Markts kommen auf der linken Seite die Königlichen Häuser, in denen der polnische König mitsamt Gefolge residierte - im Gegensatz zu seinem Nachfolger Lech Walęsa verschmähte er nämlich seine Gemächer im Grünen Tor :smile:


    Diesselbe Ansicht in Farbe, hinter den Königlichen Häusern kommt ein rotes Haus, das den Übergang zur Langen Straße markiert - dies ist das Schumannhaus, dessen Fassade tatsächlich besser aussieht als im Original ...


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    Blick auf die rechte Seite des Langen Markts, den Königlichen Häusern gegenüber gelegen - Neues Schöffenhaus und rechts daneben das Goldene Haus (mit den vier Figuren):


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    Hier in etwa dieselbe Ansicht wie zuvor, allerdings ist hier der Artushof ebenfalls abgebildet (ja, das ist tatsächlich der Nachbau und nicht das Original):



    Und hier eine Vorkriegsaufnahme, anstelle der Bauten im Vordergrund entstanden "optimierte" Füllhäuser, also ohne Flachdach:


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    Im Folgenden möchte ich einige Informationsquellen nennen, die sich als sehr nützlich erwiesen haben.


    Zunächst einmal einige Bücher:


    Absolut unverzichtbar ist der Architekturführer Danzig, der bei DOM Publishers in Berlin erschienen ist - wie alle Bücher aus dieser Reihe, die ich bislang erworben habe, extrem informativ und zudem übersichtlich aufgebaut, mit vielen Übersichten, Luftaufnahmen und Hintergrundinformationen. Einziges Problem sind die teilweise einsprachig polnischen Bezeichnungen, die eine gewisse Recherche erfordern.


    Der Verlag hat selbst zu sonst wohl nie dokumentierten Städten in Osteuropa Monographien im Angebot und bietet auch Spezialliteratur zu sehr speziellen Themen - von menschlichen Bauten auf dem Mond bis hin zum Städtebau unter Salazar in Portugal ... Link: Series – DOM publishers


    Sehr schwer zu lesen, aber ziemlich informativ ist die Doktorarbeit Neue Stadt in altem Gewand von Jacek Friedrich, die vor allem auf polnischen Originalquellen basiert und den Wiederaufbau bis 1960 abdeckt. Link: Neue Stadt in altem Gewand


    Nur noch antiquarisch erhältlich ist das Buch Das alte Danzig von Maria Bogucka von 1980, im polnischen Original indes schon 1967 in Warschau erschienen. Eine Fülle von Informationen über das Leben in früheren Jahrhunderten, teilweise mit Vorsicht zu beurteilen, da aus der typisch polnischen Sicht geschrieben, einfach mit Google nach Bezugsquellen suchen, mein bestens erhaltenes Exemplar gab es für 10 Euro.


    Was praktische Reiseführer betrifft, mag sich jeder selbst in der Buchhandlung umsehen, ich habe "CityTrip Danzig" vom Reise Know-how Verlag erworben, da mir diese Reiseführer generell von der Aufmachung her zusagen, natürlich als Architekturführer nicht wirklich verwendbar, aber mit vielen praktischen Infos und sehr lesbar aufbereitet. Link: Startseite | Reise Know-How Verlag


    Was historische Stadtpläne betrifft, kann ich zwei Anbieter empfehlen.


    Einmal ist dies Pharus mit einer Vielzahl von teilweise großformatigen Reproduktionen und Nachdrucken, die erst auf Bestellung angefertigt werden, hier habe ich mir zwei großformatige Vorkriegs-Stadtpläne gegönnt und gerahmt (nicht ganz günstig, um die 35 Euro). Link: Pharus-Shop — Karten und Stadtpläne aus über 100 Jahren


    Als zweites ist Blochplan zu nennen, dieser Anbieter ist speziell zu Osteuropa sehr gut sortiert, die Pläne sind günstig auch über Amazon erhältlich. Als Besonderheit gibt es Pläne mit historischer und aktueller Bebauung, bezüglich Danzig inkl. der deutschen und polnischen Namen. Auch sind beide Stadtpläne nochmals in einem eigenen Plan überlagert, damit Änderungen sofort festgestellt werden können. Habe ich auch für Breslau erworben, meines Erachtens unverzichtbar - Link: Stadtplanerei BLOCHPLAN - Startseite

    Zuerst ein kurzer Blick auf die Mottlau mit der Speicherinsel, die Abschlußbebauung an der Mottlau wurde hier noch nicht errichtet:


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    Zur Orientierung: links das Krantor, das hohe Gebäude rechts im Bild ist das Haus der früheren Naturforschenden Gesellschaft, und wiederum rechts davon ist der einzige erhaltene Speicher im Norden der Speicherinsel zu sehen, der Deo Gloria genannt wurde. Die Speicherruine an der Nordspitze der Speicherinsel wurde vor kurzem rekonstruiert, der deutsche Name ist mir nicht geläufig (auf polnischen Plänen als "długa droga = langer Weg" bezeichnet).


    Eben von dieser Ruine aus blicken wir nun auf die Rechtstadt mit dem noch nicht umbauten Krantor:


    krantorfarbe.jpg


    Aber der Reihe nach - von Süden nach Norden. Die Bebauung endet im Süden am Ankerschmiedeturm, der auf diesem Foto noch teilzerstört ist und kein Dach hat:



    Auf diesem Foto sehen wir den südlichen Abschnitt der Mottlau-Bebauung mit dem Grünen Tor auf der linken und dem Brotbänkentor auf der rechten Seite:


    mottlau75.jpg


    Bezeichnet ist diese Ansicht mit dem Jahr 1975, wobei das Gebäude südlich des Grünen Tors offensichtlich gerade erst errichtet wird. Generell sind diese Jahresangaben aber mit Vorsicht zu bewerten, es scheint aber plausibel zu sein, da auf diesem früheren Foto (frühe 60er Jahre?) tatsächlich südlich des Grünen Tors eine Lücke zu sehen ist, während gerade die Bebauung südlich des Frauentors im Rohbau steht:


    mottlau86sw.jpg


    Hier klafft an derselben Stelle noch eine Lücke:


    mottlausw.jpg


    Weil es aus heutiger Sicht so surreal wirkt, hier eine weitere undatierte Aufnahme des Mottlauufer, die aber auf jeden Fall vor 1986 entstanden ist:

    marienmott.jpg


    Angeblich von 1986 stammt diese Ansicht, deutlich zu sehen ist, daß die Bebauung mit Ausnahme des Krantors nördlich des Frauentors nicht vorhanden ist (einzige Ausnahme: das 1958 aufgebaute Häckertor ganz im Norden, aufgrund der Biegung der Mottlau nicht mehr zu sehen):


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    Und weitere Fotos mit aus heutiger Sicht sehr skurrilen Motiven, in etwa aus derselben Zeit:


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    Die Häuserzeile links im Bild zeigt die Heilige-Geist-Gasse, die damals noch frei von der Mottlau aus sichtbar war. Immerhin war damals anstelle der nicht aufgebauten Südseite dieser Gasse noch eine Art von Grünanlage vorhanden:


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    Teile der Südseite werden übrigens momentan nach archäologischen Grabungen gerade in einer Art von postmodernem Stil neu errichtet.


    Hier nochmals ein Blick auf das freistehende Krantor, ganz im Hintergrund sind die Werftanlagen zu sehen, an der Mottlau steht im Norden das Häckertor mit den beiden Ecktürmen, vom Johannistor sind nur einzelne Reste zu sehen - daher dürfte das Foto von Mitte der 70er Jahre stammen:


    krantorgilb.jpg


    Das folgende Foto kann ich hingegen genau einordnen, es stammt von 1986, als die Lücke zwischen Frauentor und Krantor mit einer lose an die Vorkriegsbebauung anknüpfenden, fast schon postmodernen Bebauung geschlossen wurde:


    mottlau86.jpg


    Natürlich wurden diese Ansichten damals auch auf Postkarten gezeigt, links ist das Frauentor zu sehen:


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