Beiträge von silesien

    Vielen Dank, bei mir hat es seltsamerweise sehr lang gedauert, bis ich das ganze Straßburg entdeckt habe. Ich habe zwar über viele Jahre immer wieder das Zentrum besucht, bin aber seltsamerweise nie auf die Idee gekommen, mal gezielt in Vororte zu gehen oder gar Neubauprojekte zu dokumentieren. Über den Kaiserplatz oder Bahnhof bin ich da selten hinausgekommen ...


    Das hat sich eigentlich erst mit dem Internet geändert, plötzlich konnte man z. B. in Google Earth detailliert die komplette Stadt anschauen oder dank Websites wie Archi-Wiki (Qui sommes nous ? – Archi-Wiki) tatsächlich Informationen zu praktisch jedem Gebäude abrufen. Außerdem kann man heute angenehmerweise problemlos nach Büchern recherchieren und diese auch gleich online kaufen, das Straßburger FNAC war zwar gut sortiert, aber man war doch dann ziemlich auf das Sortiment festgelegt, das auch gerade vorrätig war.

    Das französische Gegenstück zur Kleinen Metzig ist die Aubette, das einzige Projekt des französischen Architekten Jacques-François Blondel in Straßburg, der ja einen Plan für die Neugestaltung Straßburgs im Auftrag der Stadt Straßburg ausarbeitete, den "Plan Blondel".


    Aufgrund von Geldmangel und nicht zuletzt wegen der späteren französischen Revolution wurde von diesem Plan indes mit Ausnahme der Aubette nichts realisiert - somit stellt es das einzige typisch französische Gebäude am Kleberplatz dar und bildet einen starken Kontrast zur restlichen Bebauung.


    Indes ist die Aubette (die ursprünglich als Hauptwache diente, daher der Name - "aube" = hier wurden in der "Morgendämmerung" die Tagesbefehle ausgegeben) selbst nicht ganz widerspruchsfrei und verkörpert selbst mehrere Gegensätze:


    Zum einen wurde das Gebäude 1870 mit Ausnahme der Hauptfassade zerstört, beim Aufbau in der deutschen Epoche durch Conrath wurde das Gebäude daher komplett neu errichtet und erhielt auch ein völlig neu gestaltetes Dach.


    Zerstörte Aubette:



    Wiederaufbauplan:



    Und zum anderen wurde 1928 ein Teil des Innenraums (nämlich die rechte Seite) komplett neu gestaltet, und zwar im Auftrag von Paul Horn, einem aus Mülhausen stammenden Architekten und Bauunternehmer, der bereits in Der Große Durchbruch - La Grande Percée (1910 - 1960) mit einigen Bauten präsentiert wurde (Gerberhaus, Union Theater und Nebengebäude zum Kleberplatz).


    Die Arbeiten wurden an den Straßburger Künstler Hans Arp, vor allem jedoch an Theo van Doesburg vergeben, der eine Inneneinrichtung im typischen Stil des De Stijl schuf, die 1928 fertiggestellt wurde - daher die Bezeichnung Aubette 1928.


    Die französische Wikipedia bietet einige Fotos der Inneneinrichtung, die zum Glück in weiten Teilen rekonstruiert wurde:


    Aubette (franz.)


    Somit also in vielfacher Hinsicht ein Gebäude, das ähnlich dem Januskopf Widersprüche in sich vereint: französische Hauptfassade, deutsches Dach und Hauptgebäude, außen historisch, innen modern ... für Handel und Kultur gleichermaßen genutzt.


    Nach den umfangreichen Informationen noch zwei Fotos:




    Und hier schon der Blick auf die nächsten Gegensätze, wobei ich natürlich meine Stoskopf-Fotos recycle ...


    Vom Broglieplatz geht es nun weiter nach Westen, in Richtung Eiserner Mann. Mit Meissengasse bzw. Am hohen Steg ist dies meines Erachtens die schönste "Großstadtstraße" in Straßburg, mit anspruchsvollerer Architektur als beim Großen Durchbruch.


    Entsprechend befinden sich dort auch teure Geschäfte, die Straßenbahn, die schon im 19. Jahrhundert hier verlief, verleiht der Straße zudem großstädtisches Gepräge:


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    Im Hintergrund ist hier bereits das Gebäude der Kleinen Metzig (= Kleine Metzgerei, wohl in Anlehnung an die Große Metzig direkt an der Ill) zu sehen, das unmittelbar nördlich der Aubette errichtet wurde, die allerdings nicht als Schlachterei, sondern als Wohn- und Geschäftshaus:


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    Hier aus der Nähe, rechts im Hintergrund ist schon der Eiserne Mann zu sehen:


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    Am Standort des heutigen Gebäudes aus dem Jahr 1900, das schon unter Gustave Oberthür (1872 - 1965) vorgestellt wurde, befand sich übrigens zuvor eine flache Markthalle aus dem Jahr 1840, die vormalige Verkaufsstände ersetzte (die Straßenbahn fuhr damals auch schon, und wie zu sehen, sogar in Richtung Kleberplatz):


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    Um auf das Leitmotiv dieses Strangs Bezug zu nehmen - meines Erachtens verkörpert die Bebauung mit Kleiner Metzig auf der einen und Aubette auf der anderen Seite in gleichem Maße wie das Kunstwerk den deutsch-französischen Dualismus.


    Die Kleine Metzig von Gustave Oberthür verkörpert dabei eindeutig die deutsche Seite (nicht umsonst wurde der Bau von Stadtbaumeister Ott betreut), mit der Bezugnahme auf alte Straßburger Architektur, der Anspielung auf die Alte Metzig, den Skulpturen, die Jakob Sturm und Daniel Specklin zeigen (also Persönlichkeiten aus Politik und Architektur aus der vor-französischen Zeit Straßburgs), und nicht zuletzt mit deutschen Sinnsprüchen wie dem Bodenmosaik mit dem Text "Wer will bauen an den Strassen, muss die Leute reden lassen" (heute noch erhalten).


    Hier nun weitere Fotos der Kleinen Metzig, Ansicht vom Hohen Steg (in etwa 100 Meter nördlich des Kleberplatzes):


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    Die Statue von Jakob Sturm:


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    Direkt südlich davon befindet sich die Aubette, der ähnlich wie beim Kunstwerk des Januskopfs der französische Part zukommt:


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    Die Gebäuderückseite der Kleinen Metzig:


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    Zwischen beiden Gebäuden befindet sich inzwischen eine Einkaufspassage, die als Cour de l'Aubette, also Hof der Aubette, bezeichnet wird. Zur Aubette in nächsten Artikel mehr, insbesondere auch zur Bedeutung der Aufschrift Aubette 1928.

    Zur Veranschaulichung der einzelnen Punkte nun dieser Stadtplan:


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    Das Kunstwerk befindet sich in Position 1.


    Hier ist festzuhalten, daß der Aufstellungsort des Kunstwerks ideal gewählt wurde - es befindet sich nicht nur zwischen Kaiserplatz (4) und Broglieplatz (5), sondern ist in etwa auch von Kaiserpalast (2) und Hôtel de Klinglin (3) in etwa gleich weit entfernt.


    Somit unterstreicht es allein schon durch seine Position den Kontrast zwischen dem gründerzeitlichen, wilhelminischen Kaiserplatz auf der einen Seite:


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    Kaiserplatz früher, Blick vom Kaiserpalast auf das Collegienhaus der Reichsuniversität:



    Und dem Broglieplatz auf der anderen Seite - dieser existierte zwar schon vor der Angliederung Straßburgs an Frankreich unter verschiedenen Namen (Großer Roßmarkt, Neuer Kornmarkt), erhielt aber erst 1740 durch den Marschall François-Marie de Broglie seine heutige Gestalt mit den langen Baumreihen.


    Zudem ist die Südseite des Platzes mit typisch französischen Adelspalais und daran anschließend den eindeutig französisch geprägten Bauten von Emile Salomon des 19. Jahrhunderts sicherlich der am stärksten französisch geprägte Ort der Altstadtinsel.


    Historische Ansicht:


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    Ansicht der Südseite des Broglieplatzes:


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    Französisch inspirierte Großstadtarchitektur von Salomon am anderen Ende des Broglieplatzes:


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    Verstärkt wird dieser Kontrast noch durch den Kaiserpalast am Kaiserplatz als Symbol des Kaiserreichs, sichtbar vom Denkmal aus:


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    Und hier eine historische Ansicht:


    kaiserpalast.jpg


    Vielleicht kein Zufall, daß dieses Gebäude nach 1918 "internationalisiert" und zum Sitz einer der ersten länderübergreifenden Organisationen wurde, der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt.


    Knapp neben dem Broglieplatz liegt indes das Hôtel de Klinglin, erbaut ab 1730 für den königlichen Prätor und heute Sitz des Präfekten als Symbol für Frankreich (übrigens während der deutschen Periode bis 1918 als "Statthalterpalais" als deutsches Regierungsgebäude genutzt und Unterbringungsort des Kaisers vor der Fertigstellung des Kaiserpalasts).


    Aktuelle Ansicht (man beachte die schußsicheren Glaswände):


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    Und eine historische Ansicht nach 1871, als das Gebäude weitgehend zerstört war:


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    Jein, in Straßburg wurde auch vielerorts noch bis Anfang der 60er Jahre ziemlich altstadtverträglich gebaut, Stoskopf und das Wohnviertel Esplanade sind da eher eine Ausnahme (von Stoskopf stammen übrigens auch die Sozialwohnungen gleich nördlich des früheren Hafens aus den 50er Jahren, in der Ecke Quai des Alpes).


    Mit Ausnahme von Neuhof ganz im Süden sind die Viertel wie Neudorf oder Ruprechtsau/Robertsau bzw. Städte und Gemeinden (die ja meist nicht eingemeindet wurden, sondern sich dem Gemeindeverband der Eurométropole angeschlossen haben) wie Schiltigheim, Bischheim usw. gar nicht so übel, bieten aber auch keine großen Highlights. Vielleicht mache ich noch mal eine Galerie zu Neudorf, da gibt es auch einige Bauten von Beblo und Co.


    Was mir gut gefällt, ist das Projekt der Zwei Ufer entlang des Rhein-Marne-Kanals, ganz im Süden von Straßburg gibt es mit der Gartenstadt Stockfeld sogar noch ein echtes Highlight (siehe Anhang).

    Garantiert nicht von Bäumen verborgen (welch gelungene Überleitung ...) wird indes eines der größten Schulprojekte von Beblo, nämlich das gigantische heutige Collège Louise Weiss, das ebenfalls 1906 entstand und sich bereits in Neudorf befindet.


    Bei der Gestaltung wurde auf die Straßburger Renaissance Bezug genommen, es bildet gemeinsam mit der 1934 von Paul Dopff errichteten École de la Musau ein größeres Schulzentrum.


    Wer mit der Straßenbahn von Kehl aus anreist, sieht es hinter der Haltestelle Jean Jaurès auf der linken Seite.


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    Der Schulhof in Richtung der Avenue Jean Jaurès (vermutlich früher: Basler Straße, allerdings scheint der Verlauf nicht ganz identisch zu sein):


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    Und die Rückseite:


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    Das Umfeld ist recht gemischt bebaut, teilweise stammen die Bauten noch aus der Zeit des Schulneubaus, teilweise aus den 30er Jahren, wobei stilistisch kaum Unterschiede auszumachen sind.


    Blick auf die Avenue Jean Jaurès:


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    Wer das große Neubauprojekt der Deux Rives näher kennenlernen möchte (siehe Das Projekt der zwei Ufer - Le Grand Projet Deux Rives - zwischen Straßburg und Kehl - Teil 1), zu dem Teil 2 zwar schon fotografiert ist, aber leider noch nicht veröffentlicht wurde, der kann von diesem Standort aus einfach nach Norden gehen und erreicht dann nach wenigen Minuten schon das neue Écoquartier du Danube:


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    Der weitere Weg von dort aus nach Westen über Étoile ins Zentrum verschafft einen guten Überblick über das Projekt inkl. der Straßburger "Hafencity".

    Weiter geht es mit dem Erweiterungsbau der Kaiserlichen Technischen Hochschule, wobei letztere bereits unter Johann-Karl Ott (1846-1917) gezeigt wurde - und zum Zeitpunkt der Erbauung 1895 buchstäblich allein auf weiter Flur stand:



    Hier ist der Erweiterungsbau von Beblo schon zu sehen, der 1906 bis 1907 errichtet wurde, das Gebäude dahinter liegt schon jenseits des Kölner Rings und ist heute noch unverändert erhalten, es zählt zu den ganz wenigen Gebäuden, die tatsächlich noch vor 1918 errichtet wurden:



    Im Jahr 1960 zog die Technische Hochschule aus und ein technisches Gymnasium wurde eingerichtet, das Lycée Technique Commercial René Cassin. Dieses verfügt über beide Gebäude sowie einen Erweiterungsbau, auch der Innenhof ist modern überbaut.


    Nochmals der Bau von Ott:



    Daran schließt sich nahtlos der Neubau an:



    Das Erbauungsdatum ist über der Tür nur teilweise lesbar ...




    Hauptfassade vom Kölner Ring aus:



    Die Fassade wird im Sommer von Bäumen verborgen:


    Nach langer Pause wieder mal eine neue Städtetour durch die Altstadt - inspiriert durch das Kunstwerk des Janusbrunnens von Tomi Ungerer. Wirklich viel neues wird es nicht zu sehen geben, dafür soll aber versucht werden, die architektonischen Gegensätze im heutigen Straßburg anhand eines kurzen Rundgangs etwas zu beleuchten.


    Der Brunnen geht auf einen Entwurf des Straßburger Künstlers Tomi Ungerer zurück und wurde von diesem bereits 1987 skizziert, errichtet wurde er dann erst 1998 anläßlich des Jubiläums der 2000-Jahr-Feier der Stadt Straßburg (mit viel Phantasie, wenn man die Römersiedlung Argentoratum berücksichtigt).


    Das Kunstwerk soll für die 'Geburt der Zivilisation' stehen, wobei das Aquädukt eine Anspielung auf die Römerzeit ist - darunter befindet sich dann ein rund 1,50 m hoher bronzener Januskopf, der für die "elsässische Geschichte zwischen Frankreich und Deutschland" stehen soll, ein Werk des Bildhauers Denis Roth.



    Leider war der Brunnen nicht in Betrieb, normalerweise würde dem Kopf das Wasser bis zum Mund stehen ...




    Meines Erachtens ist der Januskopf als solcher als Symbol für Straßburg ungeeignet, ursprünglich war es eine rein deutsche Stadt, heute ist es eine immer stärker durch Zuwanderung überformte französische Stadt - aber für die Kontraste zwischen deutscher und französischer Architektur, alt und neu ist es ein geeignetes Symbol.

    Zugegebenermaßen geht es in diesem Strang etwas unstrukturiert zu ... aber ich bemühe mich, jetzt erst einmal die weiteren Schulen abzuarbeiten, bevor andere Gebäude vorgestellt werden.


    Zunächst einmal wäre hier ein weiteres Gebäude zu nennen, das im Zusammenhang mit dem Brand an der Magdalenenkirche entstand - das Gymnasium direkt neben der Magdalenenkirche, errichtet ab 1913 nach Plänen aus dem Jahr 1909 und erst 1916 fertiggestellt - in Betrieb genommen wurde die Schule aber erst 1919.


    Benannt ist das Gymnasium nach dem Prediger Johann Geiler von Kaysersberg, dem auch eine Status an der daneben befindlichen Kirche gewidmet ist. Nach Zerstörungen 1944 wurde die Schule in den 50er Jahren wieder aufgebaut.


    Zur groben Einordnung - die hier nur angeschnittene Schule liegt an der Schiffleutgasse, dahinter befindet sich die Magdalenenkirche (oder genauer gesagt der erhaltene Chor der vorherigen Kirche):


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    Die Schiffleutgasse führt direkt zum Zürcher Platz:


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    Nochmals die Hauptfassade:


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    Blick in der Gegenrichtung auf die Altstadtinsel:


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    Blick über die Avenue du Général de Gaulle:


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    Die Straße stellt effektiv die Verlängerung des Nikolausrings (heute: Boulevard de la Victoire) dar, was auch in der Gestaltung zum Ausdruck kommt - in der Mitte zwischen den Fahrbahnen fährt auch hier die Straßenbahn in einer Art von Grünanlage:


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    Allerdings befindet sich das Rasengleis zwischen den Baumreihen, im Boulevard de la Victoire fährt die Straßenbahn zwischen Grünanlage und Fahrstreifen:


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    Blick auf das Gebäude der Juristischen Fakultät:


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    Blick nach Norden in Richtung Zitadelle:


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    Die "Funktionsgebäude" mit Einkaufsmöglichkeiten usw. hinter den Hochhäusern:


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    Das Herzstück - Place de l'Esplanade:


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    Auch hier gibt es wieder eine Durchfahrt, unmittelbar dahinter kommt schon der Park mit der Zitadelle.



    Teile der Universität und der Esplanade sowie der Park wurden schon gezeigt, und zwar in Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 2, Straßburger Parks


    Auch die Cité Rotterdam in der Nähe weist solche Durchfahrten auf, Fotos und Erläuterungen gab es schon unter Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 11, von Kehl über den Straßburger Hafen bis zur Cité Rotterdam

    Das zweite große Projekt von Stoskopf bestand im Neubauviertel Esplanade, das ab 1960 entwickelt wurde. Die Stadt Straßburg als Eigentümer des Areals verkaufte einen Teil im Westen an die Universität, die dort südlich der Reichsuniversität einen neuen Campus errichtete, der Rest wurde nach Beseitigung fast aller Kasernen im damals modernen Hochhausstil neu bebaut.


    Stoskopf entwickelte nicht nur die städtebauliche Konzeption, sondern entwarf auch einige Hochhäuser.


    Hier eine Übersicht über das Areal:


    osmesp.jpg


    Hier prallen buchstäblich vier Welten aufeinander:


    1 Botanischer Garten der Reichsuniversität, die Häuserzeile entlang der Sternwartstraße (heute Rue de l'Observatoire) stellt das östliche Ende der geschlossenen Bebauung vor 1918 dar


    2 hier endet der monumentale und im wesentlichen erst ab 1918 fertiggestellte Kölner Ring mit seiner historisierenden Bebauung


    3 hier befindet sich der Campus der neuen Universität


    4 und hier liegt das Neubauviertel Esplanade, getrennt von der Universität durch die Avenue de l'Esplanade, seit 1971 nach de Gaulle benannt - diese Avenue führt dann zum Hauptplatz, der nach wie vor Place de l'Esplanade heißt (im rechten Winkel geht von dort aus die Rue de Rome nach Westen und markiert den südlichen Rand des Universitätscampus)


    So sah das Areal unmittelbar vor Beginn der Bebauung aus, ganz unten links ist der frühere Spitaltor-Hafen zu sehen, heute als Rivetoile-"Hafencity" entwickelt, die Wohnblöcke nördlich davon stehen schon und gehören nicht zum Esplanade-Projekt:


    esplanade.jpg


    Aufnahme von 1967, das geschwungene Gebäude ist die Juristische Fakultät der Universität Straßburg:


    Esplanade_en_1967.jpg


    Hier sei noch auf zwei Plakate aus der Straßburger Fußgängerzone verwiesen, auf denen die Entstehung der heutigen Esplanade kurz skizziert wurde:


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    Im Folgenden nun die heutigen Ansichten - hier der Blick zum Kölner Ring (Position 2 in der Karte), rechts die Cité Léon Bourgeois von 1925, ein Projekt des sozialen Wohnungsbaus von Paul Dopff (siehe Paul Dopff (1885-1965)


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    Und das Kontrastprogramm in der anderen Richtung:


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    Kommen wir nun zu den Bauten von Stoskopf, die den Eisernen Mann heute prägen - dazu zählt neben dem Hochhaus, das nach Valentin Sorg benannt ist, vor allem auch das namenlose Gebäude Gerbergraben 3 mit seiner charakteristischen tunnelartigen Durchfahrt.


    Das Projekt wurde Mitte der 50er Jahre geplant und danach zügig umgesetzt, wobei der Platz Eiserner Mann deutlich vergrößert wurde.


    Hier gestrichelt die ursprüngliche Bebauung und in schwarzer Farbe die "riegelartige" neue Bebauung:


    planfer.jpg


    Zuvor gab es dort kleinteilige Bebauung wie das Kaufhaus Mathieu:


    mathieu.jpg


    Die Westseite des Kleberplatzes präsentierte sich vor 1955 noch so (die Aufnahme ist sicherlich sehr viel älter, da der Große Durchbruch noch nicht erfolgt ist):


    klebersto.jpg


    Anstelle des Rothen Hauses befindet sich ja heute das FNAC-Gebäude (trotz der grauen Farbe auch als Maison Rouge bezeichnet), die Gebäude auf der rechten Seite wurden für das oben genannte Neubauprojekt abgerissen.


    Dort befindet sich seitdem dieses Gebäude aus dem Jahr 1957, ebenfalls von Stoskopf:


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    Gleich daneben dann das Gebäude mit der Durchfahrt in Richtung Gerbergraben:


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    Und wiederum daneben der Tour Valentin-Sorg, 1955 erbaut, 48 Meter hoch und nach einem Gastronomen aus dem Elsaß benannt:


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    Das auffällige rote Haus wurde gleichzeitig erbaut:


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    Der Vollständigkeit halber noch das wenig attraktive Gebäude gegenüber - es stammt zwar auch aus den 50er Jahren, aber nicht von Stoskopf und stellt einen der wenigen Kriegsschäden dar, die vormalige Commerzbank wurde nach starken Beschädigungen abgerissen und schon 1950 durch dieses Gebäude ersetzt.


    Beim zweiten Projekt handelt es sich um die Neugestaltung des Ufers am Schiffleutstaden zwischen Rabenplatz und Zürcher Straße, also mit direktem Blick auf die südliche Altstadtinsel vom Alten Zoll bis zur Wilhelmskirche (deren Restaurierung jetzt ebenfalls abgeschlossen ist).


    Bei der Gelegenheit entstand noch eine Fußgängerzone, die nur ausnahmsweise befahren werden darf:




    Wilhelmskirche:


    Zwei Bauprojekte in Straßburg wurden abgeschlossen - einmal das Projekt NoLiStra südlich der Cité de la Musique et Danse, gleich neben dem Friedhof Saint-Urbain (und vom Busbahnhof aus bestens zu sehen).


    Früher befanden sich an dieser Stelle wenig attraktive Gebäude im Umfeld des früheren Hafens:


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    Das Areal war schon im Zuge der Errichtung des Rivetoile-Projekts beräumt worden, die Bebauung, bestehend aus betont farbenfrohen Würfeln, ist inzwischen abgeschlossen (NoLiStra steht übrigens für Notre Lieu Strasbourg).


    Ansicht von Süden:


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    Und in der Gegenrichtung, die dunkelgrauen Türme stellen übrigens ein Gestaltungsmotiv dar, das im Umfeld häufiger verwendet wird:


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    Im folgenden soll kurz ein Architekt aus Straßburg vorgestellt werden, der das Stadtbild nicht unbedingt bereichert hat, aber dennoch bedeutend ist: Charles-Gustave Stoskopf.


    Einerseits prägen seine Bauten den heutigen Eisernen Mann, andererseits war er als Städteplaner für die Auslegung des Neubauviertels Esplanade maßgebend, das ab den 60er Jahren südlich der Innenstadt entstand.


    Stoskopf wurde 1907 in Straßburg als Sohn des Künstlers Gustave Stoskopf geboren, der unter anderem als Maler, Autor und Theaterdirektor tätig war. Er studierte sowohl Architektur in Straßburg als auch an der Staatliche Hochschule der Schönen Künste in Paris und gewann bereits 1933 den Prix de Rome, die meisten seiner Bauten im Elsass (und alle in Straßburg) fallen aber in die Nachkriegszeit.


    Dazu zählen neben den Bauten am Eisernen Mann vor allem Sozialwohnungen, aber auch Hochhäuser im Neubauviertel Esplanade, zu dem er auch das Konzept ausarbeitete. Stoskopf stellte seine Tätigkeit als Architekt 1982 ein und übergab sein Büro an seinen früheren Büroleiter Walter Oehler, der ebenfalls aus Straßburg stammte und schon zuvor gemeinsam mit Alfred Fleischmann an den meisten Bauten von Stoskopf in Straßburg beteiligt war.

    Kommen wir nun zu einem der größten Gebäude Straßburgs, nämlich dem 1899 errichteten Kaiserlichen Hauptpostamt, das - wie schon in Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 6, Neustadt: vom Kaiserplatz zur Reichsuniversität (dort gibt es auch Fotos) angesprochen - an der Hauptrepräsentationsachse der Neustadt lag, der Kaiser Wilhelm Straße, mit einer weitgehend gespiegelten Fassade hin zur südlich davon verlaufenden Hohenlohe Straße*.


    Das Gebäude wurde von Ewald von Rechenberg entworfen, der als Architekt beim Reichspostministerium arbeitete und sonst keine Spuren in Straßburg hinterließ - wohl aber in Köln, wo ein sehr ähnliches Hauptpostamt errichtet, nach dem Krieg jedoch abgerissen wurde:


    http://www.bilderbuch-koeln.de/fotos/altstadt_nord_die_alte_hauptpost_denkmal_konservator_85828


    Hier die Originalansicht des Gebäudes in Form einer kolorierten Postkarte:



    Auf die Farbgebung würde ich nicht viel geben, häufig wurde phantasievoll nachkoloriert ... schwer beschädigt wurde das Gebäude dann bei einem Bombenangriff 1944. Dabei wurde vor allem der mittlere Gebäudeabschnitt zur Hohenlohe Straße hin beschädigt.


    Ehrlich gesagt bin ich mir unsicher, welchen Mittelbau diese Postkarte zeigt (vermutlich aber den der Kaiser Wilhelm Straße), da beide Fassaden sehr ähnlich gestaltet waren - der Turm in der Mitte fehlt nämlich heute auf beiden Längsseiten des Gebäudes:



    Beim vereinfachten Wiederaufbau des Gebäudes wurde die Fassade generell deutlich puristischer gestaltet, der Mittelbau wurde bewußt in abweichender Farbgebung und als schmuckloses Gebäude der damaligen Zeit gestaltet:


    Blick Hohenlohe Straße in Richtung Kaiserplatz:




    Und der Mittelbau:



    *ja, das ist die damalige Originalschreibung ohne Bindestriche

    Von einem der größten zu einem der kleinsten Projekte von Beblo - etwas weiter westlich am Schiffleutstaden 15 gelegen, wenige Gehminuten entfernt.


    Hierbei handelt es sich um den Abriß von zwei Fachwerkhäusern im Jahr 1911, die von Beblo umfassend untersucht wurden und zu einer Veröffentlichung zur alemannischen Holzbauweise in Strassburg im Jahr 1913 durch Beblo führten.


    Unmittelbar nach dem Abriß entstanden zwei massive Steingebäude mit charakteristischen Bögen, Blick in Richtung Osten:



    Die Bauarbeiten am Schiffleutstaden sind inzwischen weitgehend abgeschlossen, es wurde neu gepflastert. Hier nochmals die beide Gebäude:



    Etwas weiter westlich befindet sich der bedeutendste Kirchenbau von Beblo - die Magdalenenkirche. Wie schon mehrfach erwähnt, brannte die Kirche inkl. Waisenhaus im Jahr 1904 ab und wurde durch einen Neubau ersetzt, der wiederum im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde.


    Das Waisenhaus wurde übrigens nach Neudorf verlegt, Namen wie Waisenplatz oder Waisengraben oder -straße (heute entsprechend: Fossé des Orphelins, Rue des Orphelins usw.) blieben aber erhalten.


    Da es ja schon einen eigenen Bereich für Kirchen gibt, möchte ich mich bei den beiden Kirchen, an deren Errichtung Beblo beteiligt war, eher kurz halten.


    Zu Alt-Sankt-Peter verweise ich daher auf Kirchen in Straßburg, zur Magdalenenkirche hier einige Fotos.


    Hier der Blick von Norden auf den Kirchturm:


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    Bereits damals wurde Beton für den Bau verwendet, die Kirche entstand von 1910 bis 1912 und wurde 1913 geweiht.


    Hier eine eher ungewöhnliche Perspektive von Nordwesten, der Chor der alten Kirche blieb erhalten und diente heute als Kapelle, er ist im rechten Winkel zur neuen Kirche angeordnet:


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    Blick ins Innere - die Kirche war schon vor der teilweisen Zerstörung 1944 im Innenraum sehr schlicht gehalten und wurde 1958 wieder aufgebaut:


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    Auch hier fehlt die Hinweistafel nicht:


    IMG_3546_sil.jpg

    An dieser Stelle noch ein Nachtrag zu einem der obigen Beiträge, in dem das "Magasin Knopf" vorgestellt wurde:


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    Oben schrieb ich hierzu:

    Zitat

    In dieser Straße befindet sich das nächste Palais, Unverändert blieb jedoch in weiten Teilen die Rückseite des Gebäudekomplexes zur Neukirche hin, die bei einer Erweiterung im Jahr 1911 in Stein errichtet wurde.

    Hier nun Aufnahmen dieses rückseitigen Gebäudes, das sich direkt am Neukirchplatz befindet (also unmittelbar vor der Neukirche) und über eine große Uhr verfügt:


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    IMG_3474_sil.jpg


    Das rückseitige Gebäude liegt an einer kleinen Gasse, die direkt zu den Gewerbslauben führt, auf der linken Seite der Gasse ist wiederum das oben gezeigte Gebäude ("Sephora") zu erahnen:


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    Hier nochmals die Ansicht der Gasse von den Gewerbslauben aus:


    IMG_1601_DxO.jpg

    Bleiben wir beim Thema der Eckgebäude - auch Berninger und Krafft variierten natürlich ihre Entwürfe und errichteten an unterschiedlichen Orten ganz ähnliche Gebäude.


    Exemplarisch herausstellen möchte ich hier zwei Gebäude, die fast zur selben Zeit entstanden, nämlich 1896 und 1898.


    Das erste Gebäude ist das Eckhaus am Sebastian Brant Platz, der sich unmittelbar nördlich des Hauptgebäudes der Reichsuniversität befindet, unmittelbar östlich der Protestantischen Garnisonkirche und gleich an der Hauptachse der Neustadt, der Schwarzwald Straße.


    Es wurde für das Handelsunternehmen Weber und Schlumberger errichtet:



    Ansicht mit der Protestantischen Garnisonkirche im Hintergrund ("Paulskirche"):



    Zum Vergleich das zweite Gebäude, das am Metzger Platz errichtet wurde (heute: Place d'Austerlitz):



    Blickrichtung nach Osten zum Waisenplatz:




    Trotz gewisser Ähnlichkeiten bei der Gestaltung ist das zweite Gebäude kein kompletter Neubau, sondern das Ergebnis eines Umbaus mit Erweiterung.