Beiträge von silesien

    Hier nun Eindrücke vom Holzmarkt der Nachkriegsjahre, der ebenso wie der südlich davon befindliche Kohlenmarkt weiterhin weitgehend unverändert besteht.



    Links sehen wir den Turm "Kiek in die Kök", dahinter beginnt der Altstädtische Graben, der am charakteristischen Knick der Mottlau endet - früher war das Gebiet dicht bebaut, die Grünanlage ist wohl eher eine Notlösung. Bei dem großen Gebäude hinter der Stadtmauer handelt es sich um die Nikolaikirche.


    Das Denkmal zeigt übrigens den polnischen König Jan Sobieski und stand früher in Lemberg/Lwów - es wurde ähnlich wie viele andere Denkmäler und Kirchenausstattungen ab 1945 in die neu entstandene VR Polen gebracht.


    Hier nochmals der extrem verbreiterte Altstädtische Graben mit bestenfalls mäßig angepaßter Architektur:



    Und hier der Blick auf die Rechtstadt mit dem Denkmal, das Gebäude rechts ist das Theater der Küste von 1967, das anstelle der sicherlich rekonstruktionsfähigen Ruine des dortigen Theaters errichtet wurde:



    Und dasselbe Theater von Süden aus - es trennt Holzmarkt und Kohlenmarkt (rechts das Zeughaus):



    Von hier aus nun ein weiter Sprung nach Osten, leider habe ich hier nur sehr wenige Fotos. Wir sehen hier mein einziges Bild von der Speicherinsel mit dem Milchkannentor, das alt wirkende Gebäude links daneben ist tatsächlich auch aus der Nachkriegszeit:



    Das Hochhaus rechts im Bild steht noch, das flache Gebäude daneben hingegen nicht mehr, hier sind halbwegs angepaßte Wohngebäude entstanden.


    Geht man vom Milchkannentor den Langgarten nach Osten, so erreicht man das Langgarter Tor - inzwischen ist es rekonstruiert, steht jedoch praktisch im Nichts:




    Zum Abschluß noch einige Impressionen aus der südlichen Vorstadt, aufgrund der weitgehenden Zerstörungen gibt es hier - abgesehen vom Süden - kaum mehr Sehenswertes.


    Am bedeutendsten ist sicherlich der Komplex der Trinitatiskirche mit dem früheren Franziskanerkloster, später als Gymnasium und heute als Museum genutzt:




    Blick in Richtung Rechtstadt nach Norden - hier kommt keine Bebauung mehr außer einigen Plattenbauten:



    Weiter geht es dann in einem neuen Strang mit etwas erfreulicherem - der rechtstädtischen Bebauung entlang der Mottlau.

    Bevor ich einige Impressionen der wiederaufgebauten Rechtstadt teilen möchte, zunächst eine Reihe von Ansichten der nur teilrekonstruierten Umgebung.


    Beginnen möchte ich im Norden, in der Nähe der Werft, hier ein Nachkriegseindruck aus der Schichaustraße, gleich nördlich des Hansaplatzes:


    schichau.jpg


    Ich habe Schwierigkeiten, den genauen Ort zu ermitteln, da hier inzwischen die meiste Bebauung verschwunden ist - ggf.handelt es sich um die erhaltenen Bauten am Stiftswinkel.


    Genau zuordnen kann ich hingegen natürlich die folgenden Bilder, einmal den erhaltenen Bahnhof im Jahr 1959:


    bahnhof59.jpg


    Und in den 70er Jahren:


    bahnhof70er.jpg


    Übrigens wurde der Entwurf für den Bahnhof aus Kostengründen in sehr ähnlicher Form in Colmar im Elsaß nochmals verwendet, der Turm ist fast identisch, das Gebäude etwas abgewandelt.


    Direkt östlich des Bahnhofs befindet sich die Altstadt, hier bestehen die heutigen Hauptsehenswürdigkeiten aus den Mühlen und den Kirchen.


    Hier die Große Mühle mit der Katharinenkirche gleich dahinter, damals noch ohne vollständig rekonstruierten Turm:


    muehle.jpg


    Dieselbe Ansicht nochmals - heute wäre dieses Foto nicht mehr möglich, weil zwischenzeitlich ein kleines Fachwerkhaus (das Mühlenwerkerhaus) vor der Mühle wieder aufgebaut wurde:


    muehlealt2.jpg


    Hinter der Katharinenkirche steht die Brigittenkirche, Blick nach Norden mit dem früheren Heveliusz-Hotel, heute Mercure:


    brigitten82.jpg


    In der entgegengesetzten Richtung befindet sich das unzerstörte frühere Altstädtische Rathaus (gleich westlich der Großen Mühle), die umgebende Bebauung ist jedoch restlos verschwunden:


    altrathaus.jpg


    Hier die anschließende Bebauung in Richtung Norden, die dann aber schnell in Brachen bzw. Hochhäuser übergeht:



    Ganz im Osten der Altstadt das Gebäude der Polnischen Post (übrigens ein Bau von Schinkel von 1844), die ja ebenfalls am 1. September 1939 angegriffen wurde:


    post.jpg


    Südlich der beiden Kirchen befindet sich der Altstädtische Graben, von dem leider fast nichts mehr erhalten ist.


    Relativ gelungen indes die Bebauung am nördlichen Holzmarkt, der nach Osten hin in den Graben übergeht - es handelt sich um das Haus der Presse von 1950.


    presse.jpg

    Hier nun noch eine Postkartenansicht der Danziger "Altstadt", in der bestenfalls im Süden einige Rekonstruktionen (Kirchen, Mühlen) vorgenommen wurden, der Norden wurde jedoch typisch sozialistisch mit Dominanten wie Hochhäusern entwickelt (bzw. gar nicht entwickelt, vgl. die ausgedehnten freien Flächen):


    altstadtnord.jpg


    Zur Orientierung: Unten sehen wir Katharinen- und Brigittenkirche, der "halbe Kreisverkehr" im Norden ist der frühere Hansaplatz. Die beiden freien Flächen im Norden sind inzwischen bebaut, die nördliche mit dem Einkaufszentrum Madison von 2003, die südliche mit einem großen Bürogebäude.


    Hier der Blick vom Bahnhof auf die Altstadt, im Vordergrund das Vinimpex-Gebäude:


    metropol.jpg


    Unmittelbar dahinter befindet sich heute das Einkaufszentrum Madison, außerdem sind die städtebaulichen Dominanten der Nachkriegszeit zu sehen, das frühere Orbis-Hotel (heute Mercure) und Organika-Hochhaus.


    Übrigens war derselbe Architekt, Szczepan Baum, ein gebürtiger Warschauer, nicht nur an beiden Hochhäusern, sondern auch am Einkaufszentrum Madison und dem Miastoprojekt von 1965 beteiligt, mit dem das Haus der Technik mit den benachbarten Hochhäusern errichtet wurde.


    Hier das Haus der Technik (Dom Technika):


    heveliusdomt.jpg


    Von hier aus ein großer Sprung von der Altstadt in die Vorstadt - die Rechtstadt mit den Rekoprojekten wird separat vorgestellt.


    Hier eine alte Aufnahme des Vorstädtischen Grabens, der zwischenzeitlich nach Leningrad benannt war:


    leningrad.jpg


    Eine weitere Ansicht des Vorstädtischen Grabens ganz im Westen:



    Man beachte den ruinösen Zustand des Gebäudes im Hintergrund, das gerade rekonstruiert wird, dabei handelt es sich um den Stadthof mit dem Brauereiturm (auf dem vorletzten Foto ist ja der Eckturm unten links zu sehen, auch dieser ist Bestandteil des Stadthofs).


    Hier der harte Kontrast zwischen den "modernen" Bauten der nördlichen Vorstadt und dem Beginn des Rekoprojekts:


    vorstadt2.jpg


    Auch diese Aufnahme zeigt den früher dicht bebauten Poggenpfuhl, dort stehen heute noch diese Nachkriegsbauten, südlich davon ist ein großer Parkplatz:


    vorstadt1.jpg

    Im Folgenden nun einige typische Ansichten des Nachkriegs-Danzig - und das war eben im wesentlichen nicht von Rekonstruktionen geprägt, sondern von dezidiert modernen Bauten, ob sozialistischer Realismus, Modernismus oder einfach Plattenbauten auf der grünen Wiese ...


    Zunächst eine kurze Landkartenansicht, das moderne Danzig der Nachkriegsjahre dehnte sich in erster Linie nach Nordwesten aus, in Richtung von Oliva.


    zweistadt.jpg


    Wrzeszcz = Langfuhr, Przymorze = Konradshammer (wörtlich übersetzt "bei dem Meer" - von der früheren slawischen Form "po more" stammt übrigens das Wort "Pommern")


    Die Neubauviertel schafften es teilweise auch auf zeitgenössische Ansichtskarten, wenngleich dort natürlich die historischen Motive dominierten.


    polskig.jpg


    Sicherheitshalber weist die Karte ausdrücklich auf das "polnische Danzig" hin, eine sehr frühe Karte aus den 50er Jahren, auf der die Lange Gasse noch nicht fertiggestellt war, unten rechts sehen wir eine Abbildung der Ulica Grunwaldzka, benannt nach dem Sieg gegen den Deutschen Orden, früher einfach Hauptstraße genannt:


    langfuhrgrun.jpg


    Diese Karte hebt hingegen das "alte Danzig" hervor:


    wiekowd.jpg


    Neben dem noch nicht umbauten Krantor fällt hier ein weiteres Motiv aus Langfuhr auf, das Café Cristal von 1961:


    langfuhrcristal.jpg


    Die Umbauung ganz im Stil der damaligen Zeit:


    cristals.jpg


    cristalf.jpg


    Hier eine Ansicht des weitgehend erhaltenen Langfuhr:



    Der Eindruck täuscht nicht, tatsächlich verfielen viele der erhaltenen Gebäude, das heutige Langfuhr präsentiert sich ziemlich fragmentiert, die historische Bebauung wird immer wieder von Neubauten und Brachen unterbrochen.


    Außerdem gab es Postkarten komplett mit Neubaumotiven:


    przymorze3an.jpg


    Hier fällt das sehr lange Hochhaus unten rechts auf der Karte auf. Dabei handelt es sich um eine speziell für Danzig entwickelte Plattenbauserie, die sogenannten Falowiec-Häuser (falowiec = Welle). Die Besonderheit dieser insgesamt 8 Gebäude (7 stehen in Przymorze, 1 in Nowy Port = Neufahrwasser (gleich an der Westerplatte)) besteht in ihrer Wellenform, mit der die Dünenform der Landschaft interpretiert werden sollte.


    Das längste dieser Gebäude ist 860 Meter lang und umfaßt 1800 Wohnungen. Hier aus der Nähe zu sehen:


    prymorze2.jpg


    Und hier eingebettet in die übrige Bebauung:


    prymorze.jpg

    Nochmals ein Blick auf die Rechtstadt, diesmal von der anderen Seite.


    rechtstadt91zeug.jpg


    Im Vordergrund rechts der Kohlenmarkt mit dem neu errichteten Theater, links unten ist eine große Brache zu sehen, deren nördliche Hälfte vor kurzem erst bebaut wurde.


    Hier fällt die geringe Bebauungsdichte auf - und daß das neue Danzig praktisch auf der grünen Wiese gebaut wurde, denn abgesehen von einigen Bürgerhäusern blieb fast nichts übrig ...


    ... außer der Nikolaikirche, der Markthalle gleich daneben und der mäßig beschädigten Johanniskirche, die hier zu sehen ist:


    johannes91.jpg


    Die Reihe an Bürgerhäusern rechts der Johanniskirche blieb völlig erhalten, verfiel aber nach dem Krieg und wurde teilweise durch neu gebaute Giebelhäuser ersetzt.


    Ganz unten links ist das Johannistor von 1978 und rechts davon das Häckertor von 1958 zu sehen, die Bebauung dazwischen dürfte von 1986 stammen. Rechts neben dem Häckertor gibt es nur Behelfsbebauung, inzwischen wurde die Bebauung entlang der Mottlau jedoch fertiggestellt und wird später vorgestellt.

    Abschließend noch ein Blick auf die Rechtstadt von der Mottlau aus:



    1 zeigt nochmals die Lagerhalle, die schon im obigen Übersichtsbild neben der Ziffer "4" zu sehen war - insgesamt ist die Entwicklung der Speicherinsel in den letzten Jahren durchaus erfreulich


    2 markiert den Standort des Radisson SAS Hotels aus dem Jahr 2009, einem sehr gelungenen Projekt an historischer Stelle (dort befand sich ursprünglich das Hotel de Leipzig)


    3 zeigt die Stelle südlich der Königlichen Kapelle, an der derzeit einige Bürgerhäuser sowie das Reko-Projekt An den Fleischbänken errichtet werden


    4 zeigt die erst wenige Jahre zuvor (etwa 1986) fertiggestellte Abschlußbebauung zur Mottlau hin

    Das ist völlig richtig, durch die Befestigungsanlagen und die Hügel im Westen gab es nur eine minimale gründerzeitliche Erweiterung entlang der Westseite des früheren Wassergrabens. Das meiste Wachstum spielte sich damals wie heute nordwestlich der eigentlichen Stadt Danzig ab, in einem langen Streifen über Zoppot bis nach Gdingen, das Ballungsgebiet wird entsprechend ja auch als "Dreistadt" bezeichnet.

    4 zeigt den Milchkannenturm mit der gleichnamigen Gasse, die direkt zum Langen Markt führt - hier fehlt jegliche Bebauung, die historisch wirkenden Gebäude stammen komplett von 1998, die Behelfsbebauung im nördlichen Teil der Insel wurde abgerissen, hier entstehen gerade angepaßte Neubauten


    5 fehlt, weil ich mich verzählt habe biggrin:)


    6 zeigt einen Teil der Niederstadt, das frühere Mattenbuden, hier ist nichts erhalten geblieben, immerhin wurden ganz im Norden am Langgarten einige Giebelhäuser frei nachempfunden, südlich davon ist noch etwas alte Bebauung erhalten geblieben, diese ist aber eher ein Fragment und wird inzwischen durch angepaßte Neubauten ergänzt


    7 zeigt den verbliebenen Rest von Wassergraben und Bastionen im Süden, hier entsteht gerade eine Grünanlage, die früher angelegten "wilden" Gärten wurden entfernt

    Hier nun einige Eindrücke vom Danzig zum Ende der Volksrepublik Polen, die Fotos dürften in etwa von 1991 stammen. Zum Thema Rekonstruktion verweise ich auf Danzig/Gdańsk seit 1945 - Wiederaufbau und aktuelle Entwicklungen - damit klar wird, warum es so aussieht wie auf den folgenden Fotos :smile:


    Hier Vorstadt, Rechtstadt und Altstadt, fotografiert nach Norden:



    Und hier Speicherinsel und Niederstadt:



    Auch hier dürften natürlich die Erläuterungen nicht fehlen:



    1 damals gab es offensichtlich noch den Güterbahnhof Leege Tor, gleich darüber ist übrigens das Bassin zu sehen, in dem der frühere Hauptarm der Mottlau im Süden endet


    2 zeigt den Norden der Vorstadt, hier hat sich leider seitdem kaum etwas geändert, die große leere Fläche zwischen St. Trinitatis und St. Peter und Paul existiert noch, die Plattenbauten wurden saniert und entlang der Mottlau entstanden kleinere Wohnprojekte


    3 die Speicherinsel ist entweder ungenutzt oder mit provisorischen Schuppen bebaut, die Stelle, an der sich die "3" befindet, ist weiterhin unbebaut, in Richtung Mottlau sind historisierende Gebäude entstanden, auf der anderen Seite ein größeres Wohngebiet mit moderner Bebauung

    1 zeigt das Uphagenhaus, der Anbau war als Fragment erhalten und wurde erst 1998 wieder komplett aufgebaut - es verdeutlicht die vor der Zerstörung übliche Tiefe der Häuser, die nur bei diesem einen Gebäude wiederhergestellt wurde


    2 markiert den Standort des "Löwenschlosses", eines prächtigen und bereits 1953 rekonstruierten Baus aus dem Jahr 1569, hier fällt die abweichende Gebäudetiefe auf - bei besonders herausragenden Gebäuden wurde auch eine größere Fläche bebaut (aber auch nicht immer, das Ferberhaus links der "2" hat die normale Tiefe)


    3 zeigt den Standort des Neptun-Kinos, hier wurde auch die Fläche zwischen den Gassen bebaut


    4 markiert den Standort des Postamts (links der 4), hier wurde in etwa dieselbe Fläche wie beim teilzerstörten Vorkriegsbau bebaut, wenn auch im Stil des sozialistischen Realismus


    5 zeigt den Kern des Rekonstruktionsareals, hier gibt es auch Gassen in Nord-Süd-Richtung


    6 wiederum zeigt ein weiteres Beispiel für eine weitere aufwendige Rekonstruktion - das Englische Haus von 1979, vermutlich das bedeutendste Gebäude der zweiten Rekonstruktionsphase der 70er Jahre

    Diese Ansicht zeigt in etwa dieselbe Blickrichtung wie bei der obigen "Totalansicht", allerdings mit Schwerpunkt auf der Vorstadt - ganz oben sind noch das Rathaus der Rechtstadt sowie die Marienkirche zu erkennen:


    danzigvork.jpg


    Die Vorstadt ist praktisch vollständig verschwunden, es gibt noch die beiden Kirchen St. Peter und Paul sowie St. Trinitatis (links) mit Kloster, ansonsten noch einige Überbleibsel der Vorkriegsbebauung und viele Brachen und Plattenbauten.


    Nochmals dieselbe Blickrichtung, diesmal aber steht die Innenstadt mit den Hauptsehenswürdigkeiten und dem Langen Markt im Mittelpunkt:


    256-009.jpg


    Wir bemerken die extrem dichte Bebauung - und daß z. B. unten rechts in der Hundegasse viele Gebäude gar keine Giebel hatten. Am langen Markt verfügen zwei Gebäude auf halber Höhe des Markts sogar über ein Flachdach.


    Hier nun ein Blick auf die Altstadt in Richtung Osten:


    altstadt1929.jpg


    Wir erkennen rechts die Markthalle der Rechtstadt, gemeinsam mit der daneben befindlichen Nikolaikirche das einzige unzerstörte Großgebäude.


    Von der Altstadt existieren nur noch die Katharinen- und Brigittenkirche unten links im Bild (sowie die nicht abgebildete historische Mühle) - ansonsten gibt ein wenig Giebelhaus-Nachbauten, moderne Wohnzeilen und nördlich des Bildausschnitts auch Hochhäuser - und die polnische Post, aus historischen Gründen.


    Selbe Blickrichtung, aber Blick auf die Rechtstadt vom Bischofsberg aus:


    136648.jpg


    Das lange Gebäude links unten im Bild existiert noch (das Polizeipräsidium), die Kuppel dahinter gehörte zur nicht aufgebauten Großen Synagoge, anstelle der im Mai 1939 abgerissenen Synagoge wurde vor kurzem das Szekspirowski-Theater errichtet, in anderen Teilen der Welt ist der Autor auch als Shakespeare bekannt ... :smile:


    Die Gebäudezeile unten rechts (mit der früheren Landesversicherungsanstalt) fehlt heute genauso wie die gesamte weitere Bebauung bis hin zur Mottlau, hier ist heute die Verkehrsschneise des Vorstädtischen Grabens.

    Ab ungefähr 1949 wurde ein Teil der Rechtstadt wieder aufgebaut ("Recht" wohl im Sinne von "rechte Stadt", also eigentliche Stadt), den ich blau eingezeichnet habe:


    danzigreko.jpg


    Ungefähr in zwei Dritteln der Nord-Süd-Ausdehnung dieses Gebiets habe ich nochmals eine Linie eingezeichnet, das südliche Areal entfällt auf das "flächendeckende" Rekonstruktionsgebiet, das im Norden fließend in eine Art von "punktuellem" Rekonstruktionsgebiet übergeht.


    "Flächendeckend" bedeutet allerdings nicht, daß wirklich jedes Haus der Vorkriegszeit (auch nicht idealisiert oder polonisiert) wieder aufgebaut wurde, sondern nur, daß versucht wurde, den alten Raumeindruck und die alten Strukturen halbwegs und teilweise sehr "kreativ" zu rekonstruieren - und zwar durch das Errichten langer Häuserzeilen mit standardisierter Breite in Ost-West-Richtung mit vorgeblendeten historischen oder pseudo-historischen Fassaden entlang der bedeutenden Gassen und Straßen - in Nord-Süd-Richtung wurde hingegen der Straßenverlauf in den meisten Fällen nur durch Lücken in der Bebauung angedeutet.


    Ebenso wurde zwischen diesen langen Häuserreihen überwiegend auf Bebauung verzichtet - die Gebäudezeilen sollten von der Rückseite erschlossen werden, die Grünanlagen waren für die Nutzung durch die Bewohner vorgesehen (sind aber recht schnell verwildert und heruntergekommen).


    Wenn man strenge Maßstäbe anlegt, wäre bestenfalls der Bereich um den Langen Markt bis zur Südseite der Marienkirche eine echte Flächenrekonstruktion - hier befinden sich alle Highlights mit Rathaus, Artushof, Goldenem Haus usw., wurden tatsächlich auch die alten Gassenstrukturen nachgebildet und relativ stark verdichtet.


    Diese Phase der Rekonstruktion entfällt auf die Jahre 1949 bis 1961, ich würde mal ganz grob schätzen, daß der Umfang der Bebauung maximal ein Viertel der Vorkriegsbebauung ausmacht (eher noch weniger).


    "Punktuell" bedeutet, daß in einer zweiten Rekonstruktionsphase ab Anfang der 70er Jahre bis etwa 1981 weitere Rekonstruktionsprojekte im Norden der Rechtstadt stattfanden (Bau der restlichen Stadttore nördlich des Krantors, Vervollständigung der Bebauung entlang der Mottlau südlich des Krantors, vereinzelt weitere Bürgerhäuser, teilweise aber bewußt ohne Anlehnung an Vorkriegsbauten). Auch wurden jetzt endlich die wenigen verbliebenen Vorkriegsgebäude rund um St. Johannes gesichert oder saniert, die vorher teilweise eingestürzt waren - weil diesem Bereich in der unmittelbaren Nachkriegszeit keine Mittel zugeteilt wurden.


    Generell präsentierte sich dieses Areal zum Ende des Kommunismus ziemlich uneinheitlich - in weiten Teilen Brache, teilweise die klassische Ost-West-Bebauung (aber nicht durchgehend, z. B. fehlt die komplette Südseite am Anfang der Heilig-Geist-Gasse), teilweise auch Nord-Süd-Bebauung wie am Damm (die Straße heißt heute wörtlich übersetzt "Grobla", ist aber ahistorisch hinsichtlich Bebauung und Lage - um den Blick auf die Katholische Kapelle zu ermöglichen, wurde die Straße verbreitert und verschoben).


    Abschließend ein Luftbild, auf dem das oben gesagte zu den Rekonstruktionsarealen deutlich erkennbar wird:


    256-010.jpg


    Wir sehen die langen Ost-West-Zeilen, die seit der Wende durchaus gekonnt nachverdichtet werden, links unten sehen wir das einzige komplett rekonstruierte Bürgerhaus (das lange Haus mit der auffälligen gelben Farbe), in dem sich das Stadtmuseum befindet:


    Das Uphagenhaus, das erst 1993 bis 1998 seinen rückseitigen Anbau und damit seine volle historische Größe erhielt (früher waren die meisten Häuser ähnlich tief, beim Wiederaufbau wurde meist ahistorisch eine vereinfachte Version der Schaufassade auf der Rückseite gespiegelt).


    Die große Schneise im Vordergrund stellt den extrem verbreiterten Altstädtischen Graben dar (heute mit Shakespeare-Museum, anonsten überwiegend verwilderte Grünanlagen, ursprünglich als Verkehrsbauwerk mit Parkplätzen konzipiert), die Speicherinsel ist im Norden noch unbebaut, im Süden der Speicherinsel ist ansatzweise die Phantasiebebauung entlang der Milchkannengasse zu sehen - das Foto würde ich daher auf grob 2010 (plus/minus 5 Jahre) datieren.

    Anbei nun eine Luftaufnahme mit einer Gesamtansicht von Danzig - die Bezeichnung "Totalansicht" übertreibt also nicht:


    totalansicht.jpg


    Hier dieselbe Karte nochmals kommentiert:


    totaltext.jpg


    1. westlich der Stadt erhebt sich ein Höhenzug, der ebenfalls mit Festungsanlagen geschützt wurde, wir sehen den Bischofsberg im Süden und den Hagelsberg im Norden, Teile der Maueranlagen sind noch zu erkennen
    2. hier verlief der westliche Teil der Bastionen mit dem Wassergraben, dieser wurde ab etwa 1893 verfüllt und im Süden als Exerziergelände genutzt
    3. zeigt den Bahnhof Lege Thor (die Schreibung ist uneinheitlich, häufig auch Leege oder Leeges Tor)
    4. zeigt die Speicherinsel, ungefähr auf Höhe der 4 verläuft heute die große Ost-West-Trasse über den Vorstädtischen Graben, etwas oberhalb der 4 sehen wir ...
    5. den früheren Langgarten, die schönste Straße der Niederstadt, die am Milchkannentor die Speicherstadt in Richtung Langer Markt/Lange Gasse der Rechtstadt durchquerte, in etwa hier befindet sich eine Art von pseudohistorischer Bebauung auf der Speicherinsel von 1998, die unmittelbar südlich der Milchkannengasse verläuft.
    6. hier befand sich zum Zeitpunkt der Aufnahme wohl schon die Kaiserliche Werft, später wurden die Werftanlagen zu kommunistischen Zeiten deutlich ausgebaut, später bekannt durch die Aufstände der Werftarbeiter, die zur Gründung der Gewerkschaft Solidarność führten
    7. etwas unterhalb der 7 befand sich die Altstadt, ein Ort, an dem eher Handwerker und einfachere Gesellschaftsschichten lebten
    8. die Rechtstadt, nach 1945 schwerpunktmäßig als Arbeitersiedlung für die Werftarbeiter durch das Arbeitersiedlungskombinat ZOR neu errichtet
    9. die Vorstadt, ursprünglich nur sehr sporadisch bebaut, die abgebildete Bebauung dürfte wohl nicht besonders bedeutend gewesen sein und lange nach der Blütezeit Danzigs entstanden sein

    Hier nun ein Stadtplan, der das Danzig von Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt:


    Danzig.jpg


    Wir erkennen weiterhin eine recht übersichtliche Stadtstruktur, die durch die zahlreichen Bastionen vorgegeben wird:

    • eine große (künstliche) Insel im Westen mit der Altstadt im Norden, Rechtstadt in der Mitte und Vorstadt im Süden, getrennt durch den Altstädtischen Graben im Norden (der am Holzmarkt beginnt) bzw. Vorstädtischen Graben im Süden
    • zwei Inseln östlich davon, die Speicherinsel im Süden und Bleihofinsel im Norden, getrennt durch die Mottlau
    • und die halbkreisförmige Niederstadt, die den östlichen Rand der Stadt bildet

    Ende des 19. Jahrhunderts wurden große Teile der Bastionen beseitigt und die zugehörigen Wassergräben verfüllt - heute ist nur noch im Süden etwas von den Wassergräben zu sehen.


    Entsprechend präsentierte sich Danzig um die Jahrhundertwende wie auf folgendem Stadtplan:


    Danzig-Innenstadt-1896-560x880.jpg


    Dadurch war es möglich, die Stadterweiterung im Westen besser an die Altstadt anzubinden (unter anderem Standort des neuen und heute noch erhaltenen Bahnhofs) - wirklich viel wurde dort aber nicht gebaut.

    Werfen wir nun einen Blick auf das "klassische" Danzig, wie es bis Ende des 19. Jahrhunderts inklusive der Stadtbefestigungen erhalten blieb - danach wurde ja der Wassergraben im Westen zugeschüttet und die Stadt erweiterte sich zumindest etwas.


    Danzig_1687.jpg


    Wirklich viel tat sich nach dem Endes des Goldenen Zeitalters dann städtebaulich nicht mehr, lediglich die unbebauten Flächen unten auf dem Stadtplan wurden bebaut. Der Plan ist übrigens um 90° gedreht, oben auf der Karte liegt der Westen.


    Hier ein Ausschnitt des Stadtplans mit Anmerkungen:


    Danzig_1687_b.jpg


    • 1 und 2 zeigen die Anhöhen im Westen der Stadt, hier wurden Befestigungsanlagen errichtet, 1 zeigt den Bischofsberg, 2 den Hagelsberg
    • 3 zeigt den ungefähren Standort des Hakelwerks (siehe Entwicklung der Stadt Danzig bis 1945) entlang der Radaune, einem kleinen Nebenfluß der Mottlau
    • 4 kennzeichnet die Lage der Altstadt, die eher von einfachen Leuten besiedelt war und erst rund 150 Jahre nach der Rechtstadt das Stadtrecht erhielt - zwischen 3 und 4 befand sich ungefähr die Junge Stadt des Deutschen Ordens, dort befinden sich heute in etwa die Werften (noch an Namen wie Jungstädtische Gasse ersichtlich)
    • 5 in etwa hier befand sich die Ordensburg, die nach dem erfolgreichen Unabhängkeitskrieg durch die Stadt Danzig abgerissen wurde
    • 6 hier befindet sich die Rechtstadt, die ja teilrekonstruiert wurde
    • 7 hier ist die Speicherinsel mit der oben erwähnten Neuen Mottlau darunter (eigentlich im Osten)
    • 8 dies ist die Langgarten, damals noch nicht bebaut, dieser führt zu erhaltenen Langgarter Tor im Osten, das Stadtviertel wurde als Niederstadt bezeichnet
    • 9 hier wird die Mottlau über den Wassergraben und die Steinschleuse (übrigens auch heute noch) in das Stadtgebiet geleitet
    • 10 Mündung der Mottlau in die Danziger Weichsel
    • 11 dies ist die Danziger Vorstadt, die heute leider nur noch ein Fragment ist

    Und noch ein letztes Foto, das den Vorstädtischen Graben der Nachkriegszeit zeigt:


    graben.jpg


    Hier wird auch deutlich, daß das Rekonstruktionsprojekt abrupt endet, in etwa auf Höhe der Hintergasse. Früher war der Graben nur eine schmale Gasse, inzwischen ist er eine riesige und ziemlich verwilderte (im Gegensatz zum Foto) Schneise, die die Vorstadt von der Rechtstadt trennt.


    Entsprechend zeigt sich auch der Nachteil des staatlich und zentral geplanten Wiederaufbaukonzepts:


    Der Vorteil bestand in der einheitlichen Durchführung und dem großen Umfang, der Nachteil darin, daß außerhalb des Rekonstruktionsareals keine Möglichkeiten für Rekonstruktionen mehr bestanden, schließlich gab es weder private Investoren noch private Grund- oder Hausbesitzer.


    Gleichzeitig mußte der Staat die Mittel für den Bau der Gebäude aufbringen, ohne daß eine Gegenfinanzierung in Form von Mieten vorhanden gewesen wäre - die Mieten waren ja hochgradig subventioniert und nicht kostendeckend. Entsprechend verursachte die Bebauung Kosten ohne Erlöse und blieb daher im planwirtschaftlichen System immer ziemlich "aufgelockert", siehe auch die Zentren von Chemnitz oder Dresden, wo ja vielerorts überhaupt nichts gebaut wurde.


    Dies wird selbst im Herzen des Rekonstruktionsareals deutlich:


    Hier die Struktur der Danziger Rechtstadt, wie sie sich vor der Zerstörung präsentierte:



    Ogarna = Hundegasse, Dluga = Lange Gasse bzw. Langer Markt, Piwna = Jopengasse, oben in der Mitte die Marienkirche


    Dieselbe Ansicht aus dem Jahr 1959:



    Wir bemerken eine stark verringerte Bebauungsdichte, im Wesentlichen wurden nur die großen Gassen in Ost-West-Richtung nachgezeichnet, lediglich im Umfeld des Langen Markts geht es in Richtung einer aufgelockerten Flächenrekonstruktion.

    Abschließend zur unmittelbaren Nachkriegszeit noch Fotos des Aufbaus.


    Hier sehen wir die Bauten im Westen der Hundegasse im Rohbauzustand:


    hundegasse.jpg


    Es ist zu erkennen, daß die Gebäude gemauert wurden - es sind also keine Plattenbauten und auch keine standardisierten Bauserien. Zu erkennen auch das sehr generische Erscheinungsbild der Bauten, bei denen meist einem Gebäude bis zu 4 Fassaden vorgeblendet wurden - in Langer Gasse, Jopengasse und Brotbänkengasse achtete man mehr auf Variation und Details als in der eher unbedeutenden Hundegasse.


    Dieselbe Ansicht, die Häuser sind jetzt aber zumindest äußerlich fertiggestellt:


    hundegasse2.jpg


    Nicht alle Fassaden verfügen über Türen, die Erschließung erfolgt ja von der Rückseite und zudem erstrecken sich fast alle Gebäude über mehrere Fassaden.


    Hier blicken wir vom Turm der Marienkirche in Richtung Mottlau:


    heilg.jpg


    Dabei kommt das oben angesprochene Konzept der "neuen Stadt" gut zum Ausdruck, das in langen Häuserzeilen ohne Quergassen mit ausreichendem Abstand für Grünanlagen und Gärten bestand - die dann leider schnell herunterkamen und heute mit großen Bäumen bewachsen sind.


    Wir erkennen auch, daß keine Bebauung in Richtung Mottlau vorgesehen war und erst in einer zweiten Phase rund 20 Jahre später erfolgte.


    Dasselbe Bild, jetzt aber mit näheren Informationen:


    heilgff611b7096f6dbda.jpg


    1 zeigt die Frauengasse, den nördlichen Abschluß der flächendeckenden Rekonstruktion - vgl. das Bild der Zerstörung oben. Hier wird auch der fassadenhafte Charakter des Wiederaufbaus deutlich, rechts und links der Häuser steht nichts, die Gassen wurden nicht wieder aufgebaut, sondern nur durch Lücken in der Bebauung symbolisiert - daher ist die Bebauung der beiden Häuserzeilen nicht durchgängig, sondern an zwei Stellen unterbrochen.


    2 zeigt die Heilige-Geist-Gasse, hier wurde nur die Bebauung auf der nördlichen Seite in Form der langen Häuserzeile nachempfunden, die südliche Bebauung wird erst heute schrittweise nachgereicht (auch der Gebäudekomplex Bei den Fleischbänken entsteht ja gerade neu) und wurde damals weggelassen


    3 hier ist das Konzept der bewußten Lücken in den Häuserzeilen besser zu sehen, hier verlief die Zwirngasse (auch heute nicht wieder hergestellt)


    4 hier ist der weitere Verlauf der Zwirngasse zur Breitgasse zu sehen - früher waren nur die Straßen und Gassen unbebaut, die gesamten Flächen zwischen den heutigen Häuserzeilen waren bebaut. Historisch korrekt endet die Gasse in der Breitgasse, daher ist bei Ziffer 6 auch keine Lücke in der Bebauung mehr vorhanden.


    Es fällt auch auf, daß nur an den Stellen eine Straße angelegt wurde, an denen es auch früher eine gab - also bei Ziffer 3 in Richtung Mottlau, jedoch nicht bei Ziffer 4


    5 zeigt uns das bereits 1958 aufgebaute Krantor, nördlich und südlich davon gab es jedoch keine Bebauung, auch Johannistor ganz im Norden und Heilig-Geist-Tor (das die Heilige-Geist-Gasse zur Mottlau hin abschloß, oberhalb der Ziffer 2 ist noch ein Fragment zu sehen) wurden erst um das Jahr 1980 nachträglich errichtet


    6 markiert das endgültige Ende des Aufbauprojekts im Norden der frühen Phase bis 1961, der Bildausschnitt ist geschickt gewählt und suggeriert das Vorhandensein langer Häuserreihen, tatsächlich hörte die Bebauung aber in der Breitgasse ungefähr am Ende des Bildausschnitts auf, dahinter gab es bis vor kurzem eine große Brache (dort wurde vor wenigen Jahren ein Komplex mit modern interpretierten Giebelhäusern errichtet)


    Und nicht zuletzt markiert "6" auch den ungefähren Standort des Johannistors, das inzwischen in eine postmoderne Bebauung entlang der Mottlau eingebettet ist.

    Nach all der Theorie und den Übersichten nun einzelne Ansichten von Straßen, Plätzen und Gebäuden - zum wiederaufgebauten Nachkriegs-Danzig gibt es ja einen eigenen Bereich (Das heutige Danzig), dort werde ich auch verschiedene Nachkriegsepochen dokumentieren.


    Zunächst nun Fotos des zerstörten Danzig:


    Die Ansicht zur Mottlau, in der Mitte ist noch der Turm des Gebäudes der naturforschenden Gesellschaft zu erkennen, das abgerundete Gebäude im Hintergrund ist das Krantor ohne den mittigen Holzaufbau:



    Blick über die Reste der Frauengasse mit den Beischlägen auf das Frauentor, der obige Turm ist ebenfalls erkennbar:



    Das Rechtstädtische Rathaus ist schon wieder aufgebaut, Marienkirche und königliche Kapelle teilrekonstruiert, das Umfeld ist völlig beräumt (vermutlich Mitte der 50er Jahre):



    Blick auf die Marienkirche von der Jopengasse aus:



    Das Zeughaus am Ende der Jopengasse:




    Blick von der Langen Gasse auf das zerstörte Rechtstädtische Rathaus, um Hintergrund die Ruine des Grünen Tors:



    Nochmals die Lange Gasse, jetzt aber in der anderen Richtung mit dem Langgasser Tor, dahinter ist der zerstörte Stockturm zu sehen:



    Und abschließend noch der Stockturm von der anderen Seite aus:


    5 weist auf das Kino Neptun von 1953 hin, der Eingang besteht aus zwei weitgehend identischen Teilfassaden im Stil von Bürgerhäusern, aber deutlich als Nachkriegsbau zu erkennen


    6 zeigt zwei Gassen in Nord-Süd-Richtung, die im Gegensatz zum restlichen Innenstadt-Aufbauprojekt tatsächlich nachgezeichnet wurden: oben den Damm, unten die Goldschmiedegasse - der Damm ermöglicht den Blick auf die Königliche Kapelle, die von König Jan Sobieski gestiftet wurde (siehe Entwicklung der Stadt Danzig bis 1945), und wurde zu diesem Zweck verbreitert, etwas verlegt und mit dezidierten Nachkriegshäusern bebaut, die Goldschmiedegasse wiederum ermöglicht den Blick auf den Turm der Marienkirche


    7 zeigt deutlich die Struktur mit den langen Häuserzeilen ohne Bebauung dazwischen, die Abschlußbebauung Richtung Mottlau wurde erst in den späten 80er Jahren realisiert (vgl. auch rechts davon die Heilige-Geist-Gasse, die nur auf einer Seite aufgebaut wurde)


    8 hier sehen wird die weitgehend beräumte Speicherinsel, die historisch wirkende Bebauung entlang der Milchkannengasse stammt komplett aus den 90er-Jahren, die eingezeichneten Speicherhäuser werden nach neuer Planung erst gerade eben errichtet


    9 der extrem verbreiterte Vorstädtische Graben, in der früheren Vorstadt stehen Punkthochhäuser


    10 die bereits angesprochene Ausnahme bei der Nord-Süd-Bebauung - hier war früher die Große Gerbergasse, die bis zur Kohlengasse weiter in Richtung Altstadt aufgebaut wurde (die Ziffer befindet sich zwischen Zeughaus und Jopengasse)


    11 zeigt die königliche Kapelle bzw. die freie Fläche davor, die zerstörte Bebauung wurde beräumt und bis heute nicht wiederhergestellt


    12 zeigt exemplarisch eine große nicht bebaute Fläche im "punktuellen" Rekonstruktionsgebiet, in dem viel Stückwerk blieb, in Richtung Mottlau sind hier 2012 Townhouses entstanden, die im APH kürzlich gezeigt wurden

    Hier sehen wir nun die Aufbauplanung anhand eines 3D-Modells:


    planung.jpg


    Auf dem Foto blicken wir auf die Rechtstadt in Richtung der Speicherinsel, im Vordergrund der schon oben angesprochene Kohlenmarkt, deutlich erkennbar die Marienkirche in Bildmitte, rechts daneben der Turm des Rechtstädtischen Rathauses.


    Auch hier natürlich wieder mit Beschriftungen:


    planungafbed4d9f68fbe60.jpg


    1 ist der Kohlenmarkt, im Modell ist schon das "Theater der Küste" von 1967 zu sehen, das anstelle des dortigen früheren Theaters aus dem 19. Jahrhundert errichtet wurde, oberhalb der "1" sehen wir das rekonstruierte Zeughaus, dahinter führt eine der zwei langen Gassen des "flächendeckenden" Rekonstruktionsprojekts zur Mottlau (Jopengasse)


    2 markiert den Standort des Hotels Danziger Hof, hier wurde 1961 ein Möbelhaus errichtet, später von der Fluglinie LOT genutzt (das Motiv der goldbedampften Scheiben wurde später noch öfter aufgenommen)


    3 zeigt uns den Beginn der Bebauung der Rechtstadt, nämlich die Hundegasse - der Teil der Hundegasse in Richtung Mottlau folgte aber erst sehr viel später, der große Gebäudekomplex links der "3" zeigt uns das Postgebäude von 1952 im dezidiert "sozialistisch realistischen Stil" - hier wurden die erhaltenen Fassaden aus dem 19. Jahrhundert abgerissen, es sollten Imitationen von Bürgerhäusern dem Komplex vorgeblendet werden, auf Wunsch der polnischen Post wurde jedoch ein Gebäude im sozialistischen Stil ("Stalin-Klassizismus") errichtet


    4 zeigt das Rechtstädtische Rathaus, darüber rechts der Lange Markt und darüber links die Brotbänkengasse, in Richtung Mottlau dann Grünes Tor bzw. Brotbänkentor - deutlich erkennbar die höhere Verdichtung der Bebauung ("Zentrum der Rekonstruktion")