Beiträge von silesien

    Es stellt eben jeder andere Anforderungen und kommt zu unterschiedlichen Bewertungen, wir gehen wie selbstverständlich davon aus, daß eine zerstörte Stadt möglichst weiträumig und möglichst originalgetreu wiederaufgebaut werden sollte, für die meisten Menschen ist das überhaupt kein Kriterium.


    Denen reicht offensichtlich einzelnes Bauwerk wie der Kölner Dom oder ein Ensemble wie die Dresdner Elbfront aus, und der Rest ist scheinbar egal.


    Oder ihnen ist Architektur sowieso völlig gleichgültig, sie wollen gut einkaufen und möglichst wenig im Stau stehen ...


    Andere wiederum legen höchsten Wert auf möglichst originalgetreue Rekonstruktionen und "Ehrlichkeit", das heißt, man muß sofort sehen, daß etwas nicht original ist, dafür muß dann die einzelne rekonstruierte Kirche bis ins kleinste Detail stimmen, Umfeld gern aus Beton. Vielleicht gibt es auch Fans von 50er-Jahre-Architektur oder sogar Leute, denen die Prager Straße in Dresden wirklich gefällt?


    ursus möchte offensichtlich eine Flächenrekonstruktion, die wie aus einem Guß wirkt (ohne zwangsläufig flächendeckend original sein zu müssen), wobei die absolute oder relative Größe nicht so wichtig ist. Entsprechend wird Würzburg völlig abgelehnt und auf dieselbe Stufe mit Pforzheim gestellt, weil hier die wenigen Rekonstruktionen von Bauten im 50er-Jahre-Stil ergänzt werden, die deutlich als solche zu erkennen sind. Ein Verlust an originaler Bausubstanz scheint indes kein größeres Problem zu sein?


    Ich hoffe, ich habe es richtig zusammengefaßt.

    Die Sechs-bis achtspurige Straße ist reparabel

    Glaube ich nicht, weil der ganze Fernverkehr gebündelt durch die Stadt geführt wird, theoretisch könnte man vielleicht die Ost-West-Verbindung teilweise unterirdisch führen, wo sie Rechtstadt und Vorstadt zerschneidet ... aber geplant ist das sicherlich nicht, schließlich wird gerade die Brücke (die große Kreuzung unten in der Karte) komplett neu gebaut, mit 12 Spuren und noch der Straßenbahn dazwischen.


    strassennetzda.jpg


    Das bleibt daher sicherlich so:


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    Ich habe auch nicht den Eindruck, daß irgendwo außerhalb der Rechtstadt noch in einem irgendwie historisierenden Stil weitergebaut werden soll, und selbst dort geht der Trend ja eindeutig in Richtung "City-Häuser" fast wie in Dresden, die sofort als Neubauten erkennbar sind, nur halt mit einer Giebelimitation.

    3 km "klassische Stadt"... ist das wirklich so wenig, wenn man sich westdeutsche Städte anschaut?

    Ja, angesichts der Größe des Gesamtareals ist das extrem wenig, vor allem, wenn man bedenkt, daß z. B. Langfuhr abgesehen von den Gebäuden an der Großen Allee nur geringfügig beschädigt war und noch Jahrzehnte nach dem Krieg erhalten war:


    langfuhrer.jpg


    Das meiste verfiel und wurde abgerissen, dann teilweise "sozialistisch" neu gebaut, heute gibt es riesige Einkaufszentren und Hochhäuser. Heute gibt es noch ein kleines geschlossenes intaktes Viertel im Süden von Langfuhr und nördlich immer wieder Fragmente von Straßen, wobei die Häuser dann aber von oben seltsam aussehen, mit Betonflachdächern.


    Die obige Häuserzeile hat man offensichtlich auch irgendwie nachgebaut oder die Fassaden erhalten? Das ist allerdings dann die große Ausnahme.


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    Jedenfalls ging vom erhaltenen viel verloren, und das ist ein großes Defizit.


    Was die Altstadt betrifft, so sind solche Lösungen ja nicht wirklich gut, vor allem, wenn dasselbe Standardgebäude dann zig Mal wiederholt wird:


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    Noch ein weiterer Standard-Gebäudetyp der Altstadt:


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    Der Altstädtische Graben, extrem verbreitert und schlicht bebaut:


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    Das ist doch alles eher noch schlichter und schlechter als vielerorts in Würzburg?

    "Europa", auf sich allein gestellt, funktioniert einfach und hat niemals, auch unter allerungünstigsten Bedingungen nicht, so etwas wie Slums hervorgebracht

    Na ja, wenn ich mir die Geschichte Europas mit all den Kriegen ansehe, auch innerhalb Deutschlands ... wobei es natürlich auf anderen Kontinenten nicht anders war, aber diese Sicht der Dinge ist doch etwas sehr optimistisch.


    Im übrigen wird immer fälschlicherweise davon ausgegangen, im Nachkriegspolen sei von Anfang an der breite Konsens für Rekonstruktionen vorhanden gewesen, das ist aber definitiv nicht der Fall, und diese Rekonstruktionsphase endete meist auch schon etwa 1956 und danach wurde fast überall "modern" weitergebaut.


    Auch in Warschau flossen ja mehr Mittel in die moderne Gestaltung der Stadtmitte rund um den Kultur- und Wissenschaftspalast und das MDM-Viertel südlich davon als in die Altstadt, deren Wiederaufbaubehörden ja schon Ende der 40er Jahre wieder aufgelöst wurden.

    Jemand, der Baukultur auch als soziale, kulturelle Komponente betrachtet, legt hingegen den Fokus weit stärker auf die Entwicklung einer neuen Baukultur, die wieder lebenswerte europäische Stadtstrukturen im Ganzen schafft (durch Kleinteiligkeit, regionale Stilelemente, Funktionsmischung usw.usf.).

    Das sehe ich ganz genauso, auch wenn die bestehenden Strukturen natürlich - wenn überhaupt - nur sehr langfristig geändert werden können, schließlich ist ja meist alles flächendeckend bebaut.

    Umgekehrt, worin soll am DAnziger Status quo der Fehler liegen?

    Von der Innenstadt (Altstadt/Rechtstadt/Vorstadt) wurden bestenfalls 20 Prozent halbwegs in Annäherung an das Original aufgebaut, und auf diesen 20 Prozent steht vielleicht noch ein Viertel der ursprünglichen Baumasse. Von Niederstadt, Speicherstadt, Langgarten usw. reden wir da noch überhaupt nicht.


    Mitten durch diese Innenstadt wurde eine sechs- bis achtspurige Straße gelegt.


    Vorhandene Bebauung verfiel und wurde ebenfalls abgerissen, von 262 Quadratkilometern entfallen vielleicht 3 Quadratkilometer auf eine "klassische Stadt", wenn ich alle erdenklichen Vororte einrechne, in denen noch gewisse Reste des alten Danzig stehen (und diese Reste befinden sich teilweise nach wie vor in ruinösem Zustand).


    Das positive an Danzig ist eher, daß eben - um den Bogen zum obigen Zitat zu schlagen - bei der Stadtentwicklung inzwischen wieder diese "lebenswerten europäischen Stadtstrukturen" geschaffen werden, beispielsweise entlang der Mottlau, und daß der Rahmen, der durch die Strukturen der Rechtstadt vorgegeben wurde, heute an vielen Stellen Anlaß zu gelungenen Neubauten gibt.


    Ich denke aber, daß es interessanter wäre, Die größten und gelungensten Wiederaufbauprojekte zerstörter Städte mit weiteren Beispielen zu füllen.


    Was sind die gelungensten Wiederaufbauprojekte? Es wäre interessant, hier vielleicht ganz neue Projekte kurz vorgestellt zu bekommen, von denen viele noch gar nichts gehört haben.

    Zu Polen mache ich auch gern nochmals "Schleichwerbung" für dieses wirklich hochinteressante Buch:


    Kopfgeburten: Architekturreportagen aus der Volksrepublik Polen - nicht nur viele interessante Gebäude und Ensembles werden vorgestellt, vom "Rundling" in Posen bis zur Marszałkowska-Ostwand in Warschau, auch und gerade die Entstehungsgeschichte und die ganzen verschiedenen Strömungen und Epochen in der polnischen Nachkriegsarchitektur werden - mit einem teilweise skurrilen Humor - eingehend erläutert.


    U. a. versteht man auch, weshalb z. B. die Tuchhallen gleich neben dem Posener Rathaus im modernen Stil errichtet wurden, während ja andererseits das Gebäude der Stadtwaage gleich daneben, das ja vorher gar nicht mehr existiert hat, im Stil des 16. Jahrhunderts neu gebaut wurde. Oder man erfährt von den heimlichen Vorbereitungen für den Neubau des Posener Königsschlosses über Jahrzehnte hinweg, von dem zu kommunistischen Zeiten nur das Archiv rekonstruiert wurde ...

    der von dir gezeigte Versuch, das Danzig-Modell auf Würzburg zu übertragen, ist zu minimalistisch und geht zu sehr von den Danziger Gegebenheiten aus. Ein totalitär-traditionsbewusstes Würzburg wäre anders anzulegen, und zwar nicht nach dem Prinzip von Parallelachsen sondern nach dem Karreesystem:

    Das kommt meines Erachtens schon hin, auch von der Größenordnung her, wenn ich mich an den Einwohnerzahlen 1939 orientiere, entsprechend habe ich das hypothetische Würzburg kleiner angelegt als das Nachkriegs-"Reko-Danzig".


    Das besondere am Danzig-Modell sind ja die Parallelachsen und die Errichtung als "sozialistische Stadt", was Dir vorschwebt, wäre eher so etwas wie Posen:


    posen1.jpg


    Dazu schrieb ich ja schon zuvor, daß ich das auch besser fände als das heutige Würzburg, selbst wenn der Umfang der neuen "Altstadt" deutlich kleiner wäre.


    Außerdem wurde in Posen auch die westliche Innenstadt mit den überwiegend preußischen Bauten wieder geschlossen bebaut, wenn auch teilweise dezidiert modern. Es ist also nicht selbstverständlich, daß rundherum nur grüne Wiese verbleibt.


    Aber hier geht es um Städtebau, und hier liegt in der Tat ein Danziger Vorzug: Die neue Innenstadt wurde zur WOHNSTADT aus Wohnstraßen und mitnichten aus Einkaufsstraßen

    Das ist richtig, es handelt sich um historisierend verkleidete Wohnzeilen für Werftarbeiter, gebaut vom Kombinat für Arbeitersiedlungen und nach denselben Standards für die Innenausstattung wie bei den normalen Arbeiterwohnungen. Es gab noch ein Postamt, ein Kino (Neptun), einige Milchbars, Einkaufsstraßen waren im Kommunismus mangels Angebot ja eher nicht nötig.


    Was heute noch in der Danziger Innenstadt komplett fehlt, sind normale Supermärkte, es gibt zum Glück zentrumsnah das große Forum Gdansk-Einkaufszentrum, aber etwas größeres als die Mini-Lädchen im Zeichen des Frosches (Zabka) habe ich aber nicht gefunden - und da gibt es fast nur alkoholische Getränke und Knabberzeug.


    Im echten Danzig wurde recht umfassend Reklame gemacht, siehe z. B. das Schumannhaus gleich am Rechtstädtischen Rathaus mit großflächiger Reklame und großen Schaufenstern:


    neptuno.jpg


    Oder zum Schmunzeln - Werbung für Menschen im Hotel, also von 1932:

    menschehotel.jpg


    Diese Werbung wurde dann ab 1933 komplett zurückgebaut und größtenteils verboten, im Rahmen der großen "Stadtentschandelung" der Danziger NS-Zeit.


    Anders wohl Danzig (wo ich indes noch nie war). Aber jedenfalls sieht man keine Neonreklame, und ab dem 1. Stock scheint alles dem Wohnen vorgehalten zu sein. Und genau das macht "Urbanität" aus, nämlich Bewohner, Menschen!

    Wenn Du Danzig, Mannheim und Pforzheim noch nicht besuchst hast, solltest Du dies ggf. nachholen, um einen realistischeren Eindruck zu gewinnen. Dann würde hoffentlich auch ein Qualitätsunterschied zwischen Würzburg und Pforzheim auffallen und vielleicht auch ein realistisches Bild von Danzig entstehen.


    Danzig sieht nämlich zu 90 % so aus:


    danzig2.jpg


    Von diesen Wellenhäusern (Falowiec) gibt es 8 Stück, rund 860 Meter lang und mit 1900 Wohnungen pro Einheit:


    danzig3.jpg


    Allein darin wohnt ein Vielfaches der Bewohner der Rechtstadt, und die kaufen auch nicht in kleinen Läden ein (die gibt es in diesen Plattenbauvierteln nämlich auch nicht), sondern in riesigen Einkaufszentren mit den ganz normalen internationalen Ketten.


    Analog Warschau:


    warschau2.jpg


    Ob noch irgendwo eine Altstadt herumsteht, die bestenfalls den Parkplatz im Vordergrund ausfüllen könnte, ist für das heutige Warschau und dessen Bewohner im Alltag völlig egal:


    warschau.jpg


    Es sind hypermoderne Städte sozialistischer Prägung, die mit der klassischen europäischen Stadt mit einer Abfolge von Straßen und Plätzen nichts mehr zu tun haben.

    Allein, wie man an diesen Bildern unzweifelhaft erkennen kann, wurde auch diese Stadt von den Polen ohne jegliche Gewissensbisse (ohne Scham) vereinnahmt und, betreffend Geschichtsschreibung und städtebaulichen Erscheinungsbild, nach Kräften polonisiert.

    In Bezug auf die Geschichtsschreibung auf jeden Fall, hinsichtlich der Architektur eigentlich nicht so sehr - man stellte natürlich keine Bauten der "preußischen Zeit" her und riß diese teilweise trotz relativ guten Zustands ab, ansonsten war das angebliche "Goldenen Zeitalter" der Maßstab - daß praktisch alle Bauten von niederländischen/flämischen oder deutschen Architekten stammten und der Gesamteindruck eher wie in einer niederländischen Stadt ist, war da eigentlich egal.


    Was hätte man auch großartig selbst als "typisch polnisch" neu entwerfen können? Schließlich erinnern ja viele Ecken von Warschau oder Krakau eher an Italien als an Osteuropa.


    Wie schon mal erwähnt, gab es ja ab 1918 in Polen zwei große Richtungen, die "Jagiellonen" wie Pilsudski mit einem ausgeprägten Drang nach Osten (vgl. auch den Krieg gegen die Sowjetunion oder Föderationspläne) und die "Piasten" mit dem Drang nach Westen, das wird sehr schön in Die fremde Stadt ausgeführt.


    Zu Pilsudski kann man eine sehr ausführliche Doktorarbeit vom Herder-Institut herunterladen (Der Piłsudski-Kult und seine Bedeutung für den polnischen Staat 1926-1939), entsprechend geht es in seiner Lobpreisung auch um den Osten:

    Zitat

    Józef Piłsudski – das ist der Wille zum Leben und zum Sieg an der Schwelle zum unabhängigen Vaterland, der seinen Ausdruck fand in der unvergeßlichen Verteidigung von Lemberg und Wilna

    Bei Danzig war die Eingliederung also architektonisch kein Problem, eher schon bei Breslau, wo man schon künstlich irgendwie endlos weit in der Geschichte zurückgehen mußte (in eine Zeit, als es eigentlich noch gar kein richtiges Polen gab und die Piasten in Schlesien zudem untereinander verfeindet waren) und natürlich völlig ausblendete, daß Schlesien eigentlich über Böhmen zu Österreich kam (wobei sich z. B. Kasimir II. sogar freiwillig dem böhmischen König unterstellte) und somit eine sehr große Kontinuität bestand, die Piastenzeit zudem nur kurz war (eigene Sichtweise: es war immer polnisch, aber dann kamen die Preußen ...).


    Somit mußte man beim Wiederaufbau in Breslau auch größere Verrenkungen anstellen, um irgendwie eine "Kontinuität" oder "Glaubwürdigkeit" einer polnischen Stadt zum Ausdruck zu bringen (in Die fremde Stadt schön ausgeführt und beschrieben als "die Sakralisierung der Gotik"), dieses Motiv gab es in Danzig aber nicht.


    Einiges wurde schöner und prächtiger aufgebaut, aber nicht aus historischen Gründen verfälscht (sondern einfach nach eigenem Empfinden verschönert). Für den Rest waren wohl einfach keine Ressourcen mehr vorhanden, aber die kleinen Giebelhäuschen sind vom Typ ja Danziger Originale und haben keinen Bezug zu Polen.


    Interessanterweise war ja Danzig im großen Maßstab schon in den 30er Jahren zur Zeit der Danziger NS-Regierung wieder historisiert worden, nachdem zuvor das historische Erbe kaum geschätzt wurde, wichtige Gebäude verfielen (Englisches Haus, Ferberhaus, das Schlieffhaus wurde sogar abgetragen, die Fassade verkauft - und durch Polen rekonstruiert, deshalb gibt es dieses Gebäude heute praktisch doppelt), Fassaden wurden komplett umgebaut, Gebäude zusammengelegt oder mit riesigen Werbeaufschriften verunstaltet, es gab in den 20er-Jahren sogar einen Plan für umfangreiche Abrisse am westlichen Ende der Langen Gasse zugunsten moderner Architektur mit Flachdächern ...


    Aber vielleicht ist dieses Empfinden als "polnische Stadt" architektonisch durchaus von Vorteil für Danzig gewesen, denn mit Stettin konnte man beispielsweise überhaupt nichts anfangen und investierte daher auch nicht in den Aufbau der Innenstadt, sondern in die Neuausrichtung Stettins nach Osten hin, mit gigantischen Verkehrsbauwerken, in Danzig flossen die Ressourcen zuerst in die Rechtstadt, ab Anfang der 60er gab es dann andere Prioritäten, Neubauten im "internationalen" modernen Stil, aber auch groß angelegte Schulbau- oder Wohnungsbauprojekt auf der grünen Wiese.


    Ich hänge mal eine interessante wissenschaftliche Arbeit zu Stettin und Danzig an.

    Wie gesagt, ich finde zwischen Mannheim, Pforzheim oder Würzburg keinen substanziellen Unterschied, was den Neuaufbau betrifft. Ob architektonischer Müll rote Dächer hat oder nicht, bleibt sich in meinen Augen ziemlich gleich.

    Kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, es ist doch ein großer Unterschied, ob ich alle früheren Strukturen komplett plattmache und dann völlig grobschlächtige und riesige Betonklötze darauf stelle oder ob ich mich immerhin noch in eingeschränkter Hinsicht am vorherigen Zustand orientiere und eine gewisse Gestaltungssatzung einhalte.


    Wie oft warst du denn schon in diesen Städten?


    In Würzburg würde doch vielerorts eine andere Fassadengestaltung ausreichen, um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen, in Pforzheim ist in jeder Hinsicht alles verloren:






    Da hilft ja wirklich nichts mehr, bestenfalls noch Totalabriß ...


    Außerdem ist mir nicht klar, weshalb Ulm dann viel besser sein soll (Stichwort Bahnhofsviertel) oder Chemnitz gar gut?

    sollte man nicht das Postulat der "Wissenschaftlichkeit" aufgeben? Ist es nicht eine Danziger Lektion, dass es ohne diese Fessel, die in den allermeisten Fällen mangels hinlänglicher Dokumentierung ohnedies zum Scheitern führt, auch geht?

    Wie schon oben geschrieben, als Neubauprojekt, das für sich stehen kann, gefällt mir Danzig außerordentlich gut. Eine Rekonstruktion ist es nicht und sollte im Gegensatz zu anderen Städten wie Posen, Lublin oder Warschau auch gar nicht sein, sondern sich irgendwie lose an die frühere Stadt anlehnen.


    Bezogen auf Würzburg würde das Danziger Modell dann so aussehen:

    • repräsentative Bebauung entlang des Mains, die eine gewisse Größe der Bebauung erwarten läßt (zu Unrecht, weil dahinter meist gar nichts kommt)
    • zwischen Domstraße und Juliuspromenade vielleicht noch die Eichhornstraße nachgestalten, dazwischen die komplette Bebauung zugunsten grüner Wiese weglassen, dafür aber an den wenigen Straßen und am Oberen/Unteren Markt alles wie aus einem Guß wirken lassen, ohne sich großartig am Original zu orientieren
    • den Rest der Innenstadt entweder gar nicht oder mit Plattenbauten bebauen, in 100 Metern Entfernung von der Domstraße dann eine 125 Meter breite Verkehrsschneise, die über eine völlig neue Brücke über den Main führt

    Wäre die Alternative eine dichte Bebauung mit kompletten Gassenstrukturen, die authentisch wirkt, wie in Posen, wäre ich natürlich für das Posener Modell, vielleicht nur die halbe Altstadt aufbauen, die dafür aber überzeugend und zumindest halbwegs originalgetreu. Aber im Vergleich mit Danzig?


    Betrachtet man Danzig nicht als traditionell gestaltetes Neubauprojekt, sondern als Rekonstruktionsprojekt, dann habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung, wie man es bewerten soll.


    Eigentlich bin ich früher davon ausgegangen, daß zumindest die wenigen "Leitbauten" weitgehend originalgetreu aussehen und die dazwischen befindlichen Gebäude zumindest ansatzweise in Richtung der originalen (wenn auch häufig umgebauten) Gebäude tendieren.


    Tatsächlich sind die "Füllbauten" meist einfach nur Variationen des neu erfundenen Einheits-Giebelhauses, das auch an Stellen eingesetzt wird, wo überhaupt keine Giebelhäuser standen, aufwendige Details früherer Häuser fehlen dort sowieso.


    Gleichzeitig überzeugt der heutige Eindruck seltsamerweise, sobald man sich nicht mit dem Original beschäftigt hat, denn dann wirkt es plötzlich relativ armselig ...


    Wirklich verblüffend fand ich aber, wie groß die Abweichungen auch bei "Leitbauten" sind, mal abgesehen davon, daß die meist einfach aus einer Fassade vor einer größeren Häuserzeile bestehen. Entweder ist es nur ganz grob nachgestaltet oder sieht komplett anders aus, prächtiger und aufwendiger, aber ob es wirklich jemals ansatzweise so aussah?

    Es ist dazu anzumerken, dass solche unbebauten Flächen langsam mit modernen Giebelhäusern bebaut werden

    Das ist richtig, es handelt sich um das Stadthaus-Quartier von 2012 (füllt die Brachfläche aus, die in Das Mottlau-Ufer der Rechtstadt - vom Ankerschmiedeturm bis zum Fischmarkt unten gezeigt wird), das schon gezeigte Zentrum für maritime Kultur (Das Mottlau-Ufer der Rechtstadt - vom Ankerschmiedeturm bis zum Fischmarkt) und die neu errichtete Häuserzeile (Fleischbänke) an der Südseite der Heilig-Geist-Gasse (Fotos kommen noch).

    Lässt man den Verweis auf die praktisch ausschließliche Nachkriegsbebauung weg

    Dann wäre der Vergleich ja sinnlos, denn hier soll ja die Wiederaufbauleistung bewertet werden. Natürlich sah das Original-Würzburg ungleich besser aus, daran besteht ja gar kein Zweifel.


    Daher gibt es ja auch Die größten und gelungensten Wiederaufbauprojekte zerstörter Städte, um dort Wiederaufbauprojekte zu sammeln und vor allem auch den Umfang zu bewerten. Da würde ich es begrüßen, wenn Du da Einträge vornehmen könntest, laut der Vorlage:


    1. Größe des Areals


    absolut:

    relativ:


    2. Bebauung


    Umfang der Rekonstruktionen:

    Umfang der "angepaßten" Neubauten:

    Umfang der historisierenden "Neukreationen":


    kurzes Fazit:


    keine traditionelle europäische Stadt von hinlänglicher Bedeutung

    Ich muß ja nur nach Mannheim fahren, die kurfürstliche Residenzstadt, die ihren traditionellen Grundriß behalten hat, um festzustellen, daß es ungleich schlimmer geht. Inwiefern Pforzheim und Co. noch mit ihrer heutigen Struktur unter die "traditionelle europäische Stadt" fallen, weiß ich nicht, jedenfalls wäre das auf meiner persönlichen Skala sehr weit unten.


    "Gasse" in Pforzheim:


    IMG_0367_k.jpg

    Es geht jetzt nicht darum, den kommunistischen Städtebau, überhaupt in Vertreibungsstädten, wo überhaupt keine Nahebeziehung zum erhaltenen Vorbestand bestehen kann (weil ja eh nur "Feind" drinnen gewohnt hat), irgendwie schön zu reden

    Das wurde aber völlig anders gesehen, es handelte sich um "wiedergewonnene Gebiete", die schon seit der Neugründung Polens in Posen am "Institut für Westforschung" untersucht wurden, später gab es ab 1946 noch eine eigene Kommission, die sich eifrig polnische Namen ausdachte (so ähnlich wie bei Südtirol die Italiener).


    Entsprechend war Danzig laut vorherrschender polnischer Meinung eine polnische Stadt, die nur durch die Preußen besetzt wurde, daher wurden auch fast alle "preußischen Spuren" aus der Stadt getilgt und die "Preußen" vertrieben. Daß die Bevölkerung in Wahrheit immer weitaus überwiegend deutsch war und über Jahrhunderte dort lebte, wurde natürlich nicht zur Kenntnis genommen. Somit gab es schon einen Anknüpfungspunkt zu den historischen Bauten aus angeblich polnischen Zeiten (daß es kein einziges bedeutendes Bauwerk von einem polnischen Architekten stammte, spielte da keine Rolle).

    Ja, mir wären 20% Danziger Modell

    Damit meinte ich, daß die Fläche nur zu bestenfalls 20 % überhaupt irgendwie bebaut wurde, und das schließt Wohnblöcke und Hochhäuser mit ein. 20 % Rekonstruktionen wären natürlich sehr erfreulich, tatsächlich ist der Anteil der Rekonstruktionen selbst in der Rechtstadt deutlich geringer, vielleicht 2 bis 3 % insgesamt, und da muß man schon sehr großzügig sein und reine Fassadenrekonstruktionen und extrem stark abweichende Erscheinungsbilder tolerieren.


    Das neue Schöffenhaus direkt neben dem Artushof sieht z. B. ganz wunderbar aus, es entspricht aber keinem der Zustände, die auf alten Postkarten bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgt werden können, und ob es zum Goldenen Zeitalter wirklich mal so ähnlich wie heute aussah, wage ich doch sehr zu bezweifeln.


    Abgesehen davon kommt Danzig ja hinsichtlich des Wiederaufbaus eine Sonderrolle in Polen zu (eben gerade keine klassische Rekonstruktion), wenn wir jetzt z. B. Posen oder Lublin mit Würzburg vergleichen würden, dann würde ich Dir zustimmen, daß da Würzburg trotz der größeren Fläche deutlich zurückliegt.

    Gescholten zu recht. Diese typische, westdeutsche, versifft-modernistische Nachkriegsarchitektur bestimmt auch in dieser größeren Stadt (Würzburg) bis heute weite Straßenzügen zwischen mehr oder minder gut rekonstruierten Solitärgebäuden, Inseln und Abschnitten

    Na ja, es dürfte wenige Städte mit praktisch ausschließlicher Nachkriegsbebauung geben, die gepflegter aussehen und näher an der traditionellen europäischen Stadt angelehnt sind als Würzburg.


    Meist gibt es nämlich weder kleinteilige Strukturen noch irgendwie am historischen Vorbild orientierte Bebauung und das Ergebnis ist normalerweise sehr viel schlechter, der Erhaltungszustand viel schlechter (Pforzheim, Mannheim ist trotz Beibehaltung der Quadrate schrecklich, Magdeburg, Dresden oder Dessau sind nochmals viel schlimmer). Da würde ich schon gern ein wenig differenzieren und nicht alles gleichsetzen.


    Um Danzig bei weitem zu übertreffen, würde es in Würzburg ausreichen, Fassaden vorzublenden, die irgendwie original wirken, ohne großartig zu recherchieren, mehr wurde in der Danziger Rechtstadt in 80 % der Fälle ja auch nicht gemacht.

    Was also wurde mit diesen vermeintlich hehren, Modernisten würden sagen "ehrlichen", Kriterien gegenüber einem Wiederaufbau im Sinne Danzigs für die Menschen gewonnen?

    Wie schon in den Galerien anklang, stört mich der Phantasieaufbau weiter Teile der Danziger Innenstadt ja überhaupt nicht (weil finanziell wohl kaum mehr möglich war und die Alternative völlig unpassender Bauten viel schlechter wäre), auch wenn ich es etwas seltsam finde, wenn man sogar Leitbauten, deren Aussehen bestens dokumentiert ist, dann bewußt in völlig anderer Form aufbaut.


    Der Grund, aus dem Würzburg bei meinem persönlichen Vergleich deutlich besser abschneidet, ist einfach das Gesamtbild - Würzburg besteht im Gegensatz zu Danzig oder Warschau nicht zu 90 % aus Plattenbauten und riesigen Verkehrsschneisen.


    Warschau sieht realistischerweise so aus:


    IMG_5725_sil.jpg


    Oder so:


    IMG_5509_sil.jpg


    Und Danzig in seinen besseren Bezirken so:


    IMG_5163_sil.jpg


    IMG_5167_sil.jpg


    Da ist mir dann ein flächendeckend traditionalistisch orientiertes Würzburg doch lieber.

    Mit Nürnberg kann ich auch kaum etwas anfangen, Würzburg empfinde ich hingegen angesichts des Ausmaßes der Zerstörungen als überaus gelungen und ist vermutlich eines der größten und besten Wiederaufbauprojekte überhaupt (neben Leuven in Belgien, was aber eher zur "polnischen Herangehensweise" tendiert, nur qualitativ viel besser).


    Von der Zerstörung her bewegen wir uns in Würzburg und Danzig jeweils bei etwa 90 %.


    Siehe diese Schadenskarte, je dunkler, desto besser erhalten:


    zerstoerung.jpg


    Mir persönlich gefällt das heutige Danzig in weiten Teilen ausgezeichnet (sonst würde ich es ja auch nicht so intensiv behandeln), aber eher, weil man hier in loser Anlehnung an die frühere Stadt eine neue Stadt errichtet, die für sich stehen kann, ohne mit der architektonischen Vergangenheit völlig zu brechen (siehe z. B. all die hochwertigen Neubauprojekte entlang der Mottlau).


    Außerdem geht die heutige Stadtentwicklung fast überall in Danzig in genau die richtige Richtung, wobei die Nachkriegsstruktur der Rechtstadt die grobe Richtung vorgibt.

    ja, der Danziger Unterschied liegt aber darin, "dass es etwas gleichschaut", wie man bei uns sagt.

    Das ist tatsächlich der entscheidende Unterschied, man bekommt den Eindruck vermittelt, es sei zumindest in Anlehnung an das Original errichtet worden. Es ist zwar meist einfach nur ein langer Wohnblock, aber es wurden gekonnt sehr viele Phantasie-Fassaden vorgeblendet, so daß ein Eindruck von Geschlossenheit und Echtheit entsteht, den man in Würzburg fast nirgendwo hat.


    Zwar hat man dann 100 % simple Giebelhäuser mit völlig glatter Fassade, die alle fast identisch aussehen, wo zuvor alle möglichen Baustile mit teilweise sehr aufwendigen Gestaltungsmerkmalen existierten, aber es wirkt glaubhaft, wenn man sich nicht großartig damit beschäftigt.

    auch in Würzburg hätten sich Hauptachsen herausbilden lassen, die einen würdevollen Aufbaustil erfahren hätten und die erhaltenen Großbauten sinnvoll eingerahmt hätten.

    Das würde aber heißen:

    • man baut bestenfalls 20 % überhaupt wieder auf und läßt den Rest frei, mal versteckt, meist offen
    • man legt riesige Verkehrsschneisen mitten in die Innenstadt
    • man errichtet Hochhäuser und riesige Einkaufszentren in der Altstadt
    • man läßt die erhaltene Bebauung (z. B. an der Häkergasse) verfallen und ersetzt die Ruinen dann durch neue Phantasie-Bauten und baut generell weniger an historisierenden Bauten auf, als gleichzeitig verfallen (v. a. in Langfuhr)

    Würzburg ist nicht so leicht "konsumierbar", aber objektiv um Klassen besser.


    Mal einige Beispiele aus Danzig:


    Das Herz der Altstadt:


    IMG_4796_sil.jpg


    Selbe Straße zuvor:


    pfefferstadt.jpg


    Unbebaute Flächen der Rechtstadt über einen halben Kilometer Länge:


    IMG_4570_sil.jpg


    Komplette Leere in der Vorstadt.


    IMG_4633_sil.jpg


    IMG_4644_sil.jpg


    So sieht die Frauengasse von hinten aus (das ist sogar innerhalb des rot umrandeten Bereichs):


    IMG_4707_sil.jpg


    Keinerlei Bebauung mehr unmittelbar hinter dem Langen Markt (Schumannhaus von hinten):


    IMG_4485_sil.jpg


    Noch viel größere Leere in der nördlichen Rechtstadt:


    IMG_4817_sil.jpg


    Hier standen bis mindestens in die 60er-Jahre noch originale Häuser an der Johanniskirche:


    IMG_4864_sil.jpg


    Heute stehen hier Standard-Kopien ...


    Zum Thema "Originaltreue" der Leitbauten poste ich bei Gelegenheit noch Beispiele unter Danziger Gebäude im Wandel der Zeit


    Um das Fazit vorwegzunehmen: Ich war mir teilweise nicht sicher, ob ich die Gebäude richtig zugeordnet hatte, denn die Fassaden sehen teilweise komplett anders aus (und ich habe meine Zweifel, ob der Ist-Zustand jemals existierte).

    Danzig ist wirklich sehr speziell.

    Das ist richtig, wurde aber bewußt so gestaltet und stellt auch in Polen einen einmaligen Fall dar. Es handelt sich um keine groß angelegte Rekonstruktion, sondern um ein bewußtes Neubauprojekt, das sich lose an historische Vorbilder anlehnt.


    Ich schrieb in Danzig/Gdańsk seit 1945 - Wiederaufbau und aktuelle Entwicklungen

    Zitat

    Konkret wurde die Planung mit dem Zachwatowicz-Plan, so benannt nach dem zuständigen Generaldenkmalpfleger Jan Zachwatowicz. Demzufolge sollte eine neue Stadt für den neuen (sozialistischen) Menschen entstehen, weg von den als desolat empfundenen Wohnverhältnissen des Vorkriegsdanzig mit den engen (kapitalistischen!) "Wanzenbuden" und "vordergründigem" Prunk.

    Die neue Stadt sollte - um Zachwatowicz sinngemäß zu zitieren - "zwar nicht original in der Substanz, aber glaubwürdig in der Präsentation sein" ... es sollte also den originalen Eindruck vermitteln, ohne original zu sein. Wobei "nicht original" nicht bedeutet, daß man etwas ungefähr nachbaut, sondern eher, daß man etwas komplett neues entwirft, was aber auf den Betrachter "glaubwürdig" wirkt.


    Ich zitiere auch mal aus obigem Link zur Neuen Stadt im alten Gewand:

    Zitat

    Die historische Option hatte 1947 endgültig die Oberhand gewonnen und es wurde umgehend mit den ersten Planungsmaßnahmen begonnen. Die Wiederherstellung des historischen Stadtbildes war jedoch begrenzt auf die Rechtstadt, während die Danziger Altstadt und die Vorstadt mit moderner Wohnblockbebauung versehen wurden. Die Rekonstruktion des Stadtbildes in der Rechtstadt beschränkte sich jedoch nur auf die straßenseitigen Fassaden, der Innenausbau erfolgte dagegen nach modernen Grundsätzen des Arbeiterwohnbaus. Der Wiederaufbau der Rechtstadt wurde in die Verantwortung eines Arbeitersiedlungskombinats gelegt, die zukünftigen Bewohner sollten die Werftarbeiter der nahegelegenen Lenin-Werft sein. Damit konnte man auch den historisierenden Wiederaufbau im Sinne des Sozialismus rechtfertigen, was später unter dem Motto "Das Volk betritt die Innenstadt" auf den Punkt gebracht wurde. Die alte deutsche bourgeoise Stadt wurde somit durch eine polnisch-sozialistische Arbeitersiedlung abgelöst.


    Jacek Friedrich kann im Einzelnen darlegen, dass der Wiederaufbau der Danziger Rechtstadt nicht nach einem einheitlichen Plan erfolgte, vielmehr existierten für verschiedene Straßenzüge unterschiedliche Konzepte. Dies hing damit zusammen, dass Danzig eine Art "Probelabor" für die Stadtplaner, Architekten und Denkmalpfleger war und bei jeder Straße neue Varianten ausprobiert wurden. Die Planungen erfolgten im Spannungsfeld zwischen zwei Hauptfraktionen: Auf der einen Seite standen die Architekturhistoriker der Technischen Hochschule, die für eine möglichst genaue Wiederherstellung der Fassaden nach wissenschaftlichen Erkenntnissen eintraten, die andere Seite wurde repräsentiert durch die Architekten des "Miastoprojekts", die eine 'kreative' Herangehensweise forderten. Kreativ bedeutete dabei, dass historische Traditionen der Danziger Architektur in die Planungen mit einfließen sollten, aber nur im Sinne einer Inspiration für die modernen Architekten, deren Entwürfe sich ansonsten an den Prinzipien der zeitgenössischen Architektur orientierten. Zeitgenössisch hieß in diesem Fall 'sozialistischer Realismus', jedoch nur bis zur Zeit der Entstalinisierung in der Mitte der 1950er-Jahre. Danach verfocht die Architektenfraktion den Modernismus westlicher Prägung. Die tatsächlich errichteten Straßenzüge waren eine Kompromisslösungen, wobei insgesamt gesehen die historische Fraktion ein Übergewicht besaß. Es finden sich in der Rechtstadt aber auch wichtige Bauten der 'kreativen' Planungsgruppe, so wurden etwa an prominenter Stelle in der Langgasse gleich zwei große Bauten im Geist des sozialistischen Realismus errichtet, das Postamt von Lech Kadłubowksi (1950/52) sowie das Kino "Leningrad" von Jacek Żuławski (1953). Der augenfälligste Bau des Modernismus war zweifelsohne das Theater "Wybrzeże" von Kadłubowksi (1956-1967) am Kohlenmarkt.

    Einen Verdichtungsdruck in der Innenstadt gibt es nicht, hier wird langsam und meist sehr gekonnt nachverdichtet, aber mit sehr exklusiven Projekten, hier entstehen also keine Wohnungen für den Durchschnittsverdiener.


    Der Durchschnittsdanziger von heute wohnt zu 95 % in großen Plattenbausiedlungen und kauft in gigantischen Einkaufszentren ein, die er über vielspurige Straßen erreicht. Damit ist das ganze Areal auf mindestens 10 km Länge entlang der Küste bebaut, mit der heutigen Realität Danzigs hat die Rechtstadt genauso wenig zu tun wie die Warschauer Altstadt, die ungefähr die Größe des neuen Warschauer Fußballstadions (das ist 10 % kleiner ...) hat.


    Natürlich hat man auch in Warschau nicht die ganzen Hinterhöfe und Gassen nachgebaut, sondern vieles vereinfacht. Dennoch wirkt das Ergebnis wie eine (vielleicht teilzerstörte, vielleicht entkernte) organisch gewachsene Stadt und nicht wie ein Reißbrettprojekt.


    So verwinkelt war es früher:


    altstadtwar.jpg


    Zum Vergleich: Luftaufnahmen der Warschauer Altstadt - alles ist vereinfacht, auch hier gibt es leere Innenhöfe, aber die Anlehnung an das Vorbild ist viel ausgeprägter.

    an sich wäre das Danziger Modell in der sich auf obigem Bild präsentierenden schlichten Ausformung (natürlich sind die Hauptstraßenzüge ungleich aufwändiger und qualitätsvoller) nicht so schlecht für ähnlich schwer zerstörte westdeutsche Städte wie Nürnberg gewesen

    Das hätte meines Erachtens nicht funktioniert, das "Danziger Modell", das tatsächlich ziemlich einzigartig ist, funktionierte eigentlich nur in Danzig, weil

    • die Innenstadt durch wenige große Gassen in Nord-Ost-Richtung geprägt war (die komplette Gassenstruktur inkl. Bebauung dazwischen wurde ja fast völlig weggelassen)
    • die ursprünglichen Häuser eher klein und schlicht und relativ einheitlich waren, dadurch konnten einfach Fassaden vorgeblendet werden

    All dies hätte in Nürnberg nicht funktioniert und funktioniert eigentlich auch in Danzig nicht übermäßig gut.


    Wirklich aufwendig und qualitätsvoll ist eigentlich nur der doch recht kleine Kern des Rekonstruktionsvorhabens mit Abmessungen von etwa 200 mal 300 Metern, und selbst da muß man über grobe Abweichungen vom Originalzustand und freie Flächen hinwegsehen.

    Gassenfluchten mit alten Steinen und ungefähren alten Formen um erhaltene Häuser oder einzelne genauer rekonstruierte Leitbauten.

    Leitbauten gab es nur extrem wenige, selbst in der Langen Gasse, und auch hier gibt es fast immer nur eine Fassadennachbildung. Entsprechend ragt auch der Originalgrundriß des Uphagen-Hauses (das einzige Bürgerhaus mit originalem Grundriß) wie ein Fremdkörper in den sonst freien Hinterhof hinein.


    Schon in der Jopengasse ist keine erkennbare Anlehnung an die Originale mehr feststellbar, tatsächlich ist auch alles sehr einfach und günstig gebaut. Hierzu zitiere ich mich selbst:

    Zitat

    Umgesetzt wurde die Planung dann durch das Arbeitersiedlungskombinat (ZOR), denn in der Innenstadt sollten staatlich subventionierte Wohnungen für Werft- und Hafenarbeiter entstehen, wobei noch ein gewisses Budget für Fassadengestaltung zum üblichen Preisrahmen aufgeschlagen und separat zugeteilt wurde (bei einfachen verputzten Häusern in etwa in Höhe von 15 bis 20 %)

    Hintergrundinformationen gibt es z. B. unter Neue Stadt in altem Gewand — recensio.net


    Ich habe mal in roter Farbe den Rekonstruktionsbereich eingezeichnet und in blauer Farbe die grobe Nachzeichnung der Ost-West-Gassen:


    danziggesamt.jpg


    rechtstadt91zeug.jpg


    Mal zum Vergleich das so oft gescholtene Würzburg, mit 90 % noch stärker zerstört, hier wurde praktisch das gesamte zerstörte Areal kleinteilig und in loser Anlehnung an die vormaligen Strukturen bebaut:


    IMGP9210_DxO.jpg


    Hier kommen wir auf ein Areal von ungefähr 1500 m entlang des Mains mal 700 bis 1200 m in die Breite, was prozentual absoluten Rekord darstellen sollte.



    Daß es meist nicht so gut ankommt, liegt daran, daß die früheren Bürgerhäuser meist als Nachkriegsbauten erkennbar sind:


    IMG_9029_DxO.jpg


    Entsprechend ist Danzig gefälliger, aber nicht originaler, dafür aber ungleich kleiner hinsichtlich der Anlehnung an die Vorkriegsbebauung.


    Zur Beurteilung eine Schadensübersicht von Würzburg, hier wurde inkl. der Vororte fast alles zerstört:


    wuerzburg.jpg

    Nach diesem historischen Exkurs nun zurück zur aktuellen Bebauung, die ich mangels Zoom-Objekt nur schwer fotografieren konnte - schließlich endet die Speicherinsel ja knapp südlich des Krantors:


    IMG_4451_sil.jpg


    Die Bebauung zwischen Krantor und Johannistor sollte aber dennoch erkennbar sein:


    IMG_4452_sil.jpg


    Unmittelbar nördlich des Krantors befanden sich die schon oben gezeigten "schematischen" Nachbauten von Speichergebäuden, die dort niemals zuvor standen, sie wurden abgerissen und 2012 durch das Zentrum für maritime Kultur ersetzt.


    Das Gebäude paßt sich mit Backsteinfassade und Giebeln formal ein, ist aber dezidiert modern gestaltet und verfügt auch über ein gläsernes Fachwerkhaus für große Exponate.


    Immerhin konnte ich das Gebäude von hinten fotografieren:


    IMG_4835_sil.jpg


    Wiederum nördlich davon steht das Hotel Hanza von 1997, ein größeres Hotel, dem verschiedene Giebelfassaden in einem fast schon comicartigen Stil vorgeblendet wurde, ähnlich der Bebauung in Elbing.


    Hier das heutige Johannistor von der Seite, es wurde 1978 vom Polnischen Verband der Bauingenieure gebaut, Giebel und Form des Durchgangs wurden vom Original inspiriert, die gesamte rechte Gebäudehälfte ist eine Neuerfindung (ebenso wie die Fassade):


    IMG_4842_sil.jpg


    Zum Vergleich das originale Tor:



    Hinter dem Johannistor folgt dann bis zum Häkertor die "klassische" Wiederaufbauarchitektur mit einer historisierenden Häuserzeile, die ohne Bezug zur vormaligen Bebauung entstanden ist.


    Hier der Uferabschnitt am Häkertor, interessanterweise steht auf dem Gebäude "Fischmarkt", da hier vor dem Krieg ein riesiger Gründerzeitler stand, der das Tor bei weitem überragte, ist dies natürlich nicht authentisch:


    IMG_4865_sil.jpg


    So gesehen paßt das Gebäude natürlich gut zum Tor, das heute wie eine Kopie des Frauentors aussieht und bestenfalls zu 50 % mit dem Original übereinstimmt.


    Etwas weiter nördlich kommt dann nach einer kleinen Baulücke die Symfonia Residence von 2009, deren Name auf die Baltische Philharmonie verweist und die im typischen "Neo-Giebelhausstil" der 2000er-Jahre gestaltet wurde:


    IMG_4868_sil.jpg


    Dahinter ging die Bebauung entlang der Mottlau an der Fischbrücke ursprünglich weiter, hier eine historische Aufnahme kurz vor der Schwanenbastei:


    fischmarkt.jpg


    Heute ist der Fischmarkt, der sich ursprünglicherweise hinter dieser Häuserzeile befand, von der Mottlau aus sichtbar:


    IMG_4870_sil.jpg


    Ich könnte mir vorstellen, daß dies aus touristischen Gründen auch so bleibt ... Ansicht der heutigen Bebauung der Westseite des Fischmarkts:


    IMG_4873_sil.jpg


    Hier wurde wohl die größte Anlehnung an den Originalzustand erreicht, die Gebäudeformen wurden aufgegriffen, hier das Original:


    fischmarktalt.jpg


    Die Tobiasgasse, die am südlichen Ende dieser Häuserzeile nach Westen führte, wurde lediglich durch eine Lücke in der Bebauung symbolisiert:


    tobiasgasse.jpg


    Heute befindet sich dort auf einer Seite ein Häuserblock mit eher symbolischen Giebeln und auf der anderen Seite eine Brache. Auch die weitere Platzstruktur zum Altstädter Graben existiert nicht mehr, auch hier befindet sich heute keine Bebauung mehr.


    Daher weiter nach Norden, zum "Knick" der Mottlau mit dem Schwanenturm, rechts daneben das Hilton Hotel von 2010:


    IMG_4871_sil.jpg


    IMG_4874_sil.jpg


    Hier das gesamte Areal von der Bleihofinsel aus fotografiert:


    IMG_4985_sil.jpg


    Der Abschnitt hinter dem Knick der Mottlau trägt die Bezeichnung Am brausenden Wasser:


    IMG_4986_sil.jpg


    Derselbe Abschnitt, aber vom anderen Ufer aus fotografiert:


    IMG_4867_sil.jpg


    Hier gibt es noch eine Besonderheit - dieses Haus ist tatsächlich original! Ebenso die angrenzenden Gebäude:


    IMG_4876_sil.jpg


    Bei dem Lokal handelt es sich übrigens laut Danzig-Forum um das "Kubicki" bzw. frühere "Café international" und früheren Treffpunkt der polnischen Minderheit.


    Einige Eindrucke der weiteren originalen Bebauung:


    IMG_4877_sil.jpg


    Die beiden abschließenden Häuser sind meines Erachtens Rekonstruktionen, die Vorkriegsaufnahmen geben hier wenig her, aber anhand der Draufsicht von Google Earth würde ich aufgrund der Dachaufbauten auf Neubauten tippen:


    IMG_4878_sil.jpg



    Hier endet die Mottlaufront im Norden mit der Einmündung der Radaune in die Mottlau, Blick auf die Brabank:


    IMG_4881_sil.jpg


    Hier steht zwar keine historisierende Bebauung mehr, allerdings befanden sich dort auch nur Industrie- und Gewerbebetriebe wie die Germania Brotfabrik.


    Hiermit endet dieses Schwerpunktthema.

    Und hier der interessantere Abschnitt nördlich des Heilig-Geist-Tors (im Vordergrund ist offensichtlich eine Art von Flußschwimmbad an der Speicherinsel angebracht):


    dreiwahrzeichen.jpg


    Bild2.jpg


    Im Gegensatz zur vorherigen Wiederaufbauphase entschied man sich hier für eine freie Nachempfindung des Originals, mit gewissen postmodernen Anklängen.


    Ziemlich gelungen finde ich, wie das Motiv der unterschiedlich hohen "Vorbauten" mit ihren Flachdächern aufgenommen und erweitert wurde - es entstand nur eine einzige Reihe von Häusern, vor denen dann über die gesamte Breite diese Bauten errichtet wurden:


    IMG_4449_sil.jpg


    Etwas stärker herangezoomt, auf beiden Aufnahmen ist schon die Bebauung nördlich des Krantors zu sehen:


    IMG_4450_sil.jpg


    Hier sind in dieser Reihenfolge Johannistor (von 1978, mit dem weißen Giebel, steht vor der Häuserreihe näher an der Mottlau), Häkertor (bereits von 1958, mit den beiden schmalen Türmen, keine erkennbare Ähnlichkeit mit dem Vorkriegszustand) sowie ganz hinten neben dem Schiff der Schwanenturm (von 1967) zu erkennen.


    Außerdem ist zu erkennen, daß wieder eine neue Phase der Bebauung angebrochen ist, die sich von den historischen Vorbildern völlig löst.


    Hier die frühere Bebauung, ganz rechts der "Knick", der Schwanenturm ist ganz knapp nicht mehr zu sehen:


    mottlaurechts.jpg


    Und hier von oben gesehen, hinter dem Krantor verlief die Breitgasse direkt zum Holzmarkt:


    krantoralt.jpg


    frauenoben.jpg


    Krantor von Norden:


    krantor.jpg


    Die Frage, was davon neu entstanden ist, kann recht einfach beantwortet werden - abgesehen von den beiden Toren, die allerdings wohl in irgendeinem früheren Bauzustand rekonstruiert wurden, ist nichts davon entstanden - vielleicht abgesehen von einer sehr groben Nachempfindung der Westseite des Fischmarkts.


    Generell ging dem Aufbauprojekt in der nördlichen Hälfte nachhaltig die Puste aus, es entstanden einige schematische Nachbildungen von Phantasie-Häuserzeilen mit Giebelfassaden, fast immer ohne erkennbaren Bezug zu Originalen.


    Große Flächen blieben völlig unbebaut, wie diese Luftaufnahme von 1991 zeigt (siehe Areal links unten):


    rechtstadt91zeug.jpg


    Gleichzeitig verdeutlicht diese Aufnahme auch, daß Danzig in gewisser Hinsicht ein "Scheinriese" ist - die Straßenräume wurden grob nachgezeichnet, dazwischen ist grüne Wiese (meist auch heute noch).


    Auch wurde kaum rekonstruiert, der Anteil der völlig freien Fassadengestaltungen im historisierenden Stil ist extrem hoch, ich würde den Anteil der halbwegs originalgetreuen Rekonstruktionen auf unter 10 % schätzen, und das bei einer Bebauungsdichte von vielleicht 20 % der originalen Baumasse.


    Noch nicht einmal die Johanneskirche wurde instandgesetzt, das Budget reichte nicht einmal aus, um die letzten erhaltenen echten Bürgerhäuser zu erhalten, diese stürzten nach langer Vernachlässigung teilweise ein und wurden dann wie z. B. in Hirschberg durch Imitiationen ersetzt (vermutlich sind die zwei oder drei Gebäude an der Ecke Petersiliengasse und Häkergasse noch original).


    Hier eine weitere Aufnahme von 1991, in der Mitte die Johanneskirche, zwischen den beiden Toren wieder schematische Giebelhausbebauung:


    johannes91.jpg


    Hier der Bauzustand Anfang der 90er Jahre:


    cityhaeuservorher.jpg

    Ganz unten ist hier übrigens die Neuauflage des Damms zu sehen, deutlich verbreitert und nach Osten verschoben und mit schematischen Fachwerkhäusern bebaut (daher später mehr).

    Zum Vergleich nun noch alte Postkartenansichten dieses Abschnitts im "Herzen des Rekonstruktionsprojekts":


    mottlau1.jpg


    mottlau2.jpg


    mottlau3.jpg


    Abgesehen von kleineren "Optimierungen" gab man sich hier große Mühe, sich dem Originalzustand anzunähern, es wurden sogar "Nicht-Giebelhäuser" in Anlehnung an das Original errichtet.


    Zum Vergleich die heutigen Ansichten:


    IMG_4444_sil.jpg


    IMG_4445_sil.jpg


    IMG_4446_sil.jpg


    Wie schon oben gezeigt, endete die Bebauung entlang der Mottlau im Rahmen der ersten Wiederaufbauphase hier auch schon - mit Ausnahme des Krantors und des nördlichsten Tors, des Häkertors.


    Erst ab Ende der 70er Jahre ging das Aufbauprojekt hier weiter, mit dem Johannistor und Heilig-Geist-Tor sowie ab 1983 auch der Errichtung der Gebäude zwischen den Toren.


    Auf diesem Foto fehlt tatsächlich noch das Heilig-Geist-Tor, obwohl die lange Häuserzeile entlang der nördlichen Heilig-Geist-Gasse schon entstanden ist (die Südseite fehlt im östlichen Abschnitt selbst heute noch überwiegend):


    krantorsw.jpg


    Ebenfalls sichtbar ist nördlich des Krantors eine Art von neuzeitlichem Speichergebäude mit drei identischen Fassaden, das inzwischen abgerissen wurde.


    Zum Vergleich die Originalbebauung:


    krantor.jpg


    Hier Originalaufnahmen der Bebauung südlich des Krantors, zunächst die Komplettansicht bis zum Frauentor:


    mottlau4.jpg


    Vergleich zu heute, wir sehen hier den südlichen Abschnitt zwischen Frauentor und Heilig-Geist-Tor:


    IMG_4447_sil.jpg


    Und hier im Kontext mit dem Blick zurück nach Süden:


    IMG_4448_sil.jpg

    Nun zur Spitalgasse - diese ist im Süden zunächst noch sehr schmal:



    Danach erweitert sie sich aber platzartig, die angepaßten Neubauten erinnern mich irgendwie an die besseren Ecken von Nürnberg ...




    Gleich hinter der Häuserreihe befindet sich eine der Touristenecken von Straßburg - Korduangasse und Ferkelmarkt, Blick auf das Münster:


    Letztes Wochenende habe ich noch einen ziemlich großen Kriegsschaden entdeckt, der mir früher nie aufgefallen ist, weil er ziemlich gut "versteckt" ist - es handelt sich um die frühere Spitalgasse alias Spittelgässel oder heute offiziell Rue du Vieil Hôpital.


    IMG_2456_sil.jpg


    Diese Gasse verläuft parallel zum Alten Fischmarkt und beginnt unmittelbar nördlich der Großen Metzig (heutiges Stadtmuseum), der Alte Fischmarkt wurde bei derselben Bombardierung im September 1944 ebenfalls etwas in Mitleidenschaft gezogen, siehe auch obigen Beitrag Place des Tripiers.


    Originalbebauung, links die Große Metzig, rechts das Original des Alten Zolls (der leider nur sehr stark vereinfacht aufgebaut wurde):


    fischmarkt1.jpg


    Die schmale Gasse, die von der Großen Metzig nach Norden geht, ist die Spitalgasse. Ebenfalls zerstört wurden die beiden südlichsten Gebäude am Alten Fischmarkt, der sich vor 1944 so zeigte:


    fischmarkt2.jpg


    Das Gebäude links fehlt heute, es entstand wohl um das Jahr 1900, das Gebäude rechts ("Wiener ...") aus dem 17. Jahrhundert wurde bis 1957 ziemlich originalgetreu rekonstruiert.


    Links der Alte Zoll mit der sehr viel aufwendigeren Fassade, dahinter der Gründerzeitler:


    fischmarkt3.jpg


    Und in Gegenrichtung nach Süden:


    fischmarkt4.jpg


    Heutiger Zustand - eine kleine Grünanlage, dahinter in gelber Farbe das rekonstruierte Gebäude:


    IMG_4463_sil.jpg


    IMG_1873_DxO.jpg


    Hier mit der Großen Metzig im Vordergrund:


    IMG_0814_DxO.jpg