Raus aus der Großstadt: Baden-Württemberger zieht es aufs Land

  • Kann es sein, dass die Württemberger nach wie vor wie verrückt Häuser bauen (natürlich nur neue auf der grünen Wiese, Altbauten sanieren ist nicht des Württembergers Ding) und der Platz in den kreisfreien Städten knapp wird, so dass sie nun überwiegend in den Schlafstädten in der Nachbarschaft der großen Städte bauen? Auch dort wird ja mehr und mehr alles zugebaut. Mit "Land" hat das freilich wenig zu tun.

  • Genau so ist es. Die Umgebung von Stuttgart, insbesondere die Filderebene, kann man beim besten Willen nicht mehr als "Land" bezeichnen. Es handelt sich vielmehr um einen total zersiedelten Ballungsraum. Erst im Schönbuch und zur Schwäbischen Alb wird es wieder besser.

  • Homeoffice in der Vorstadt macht sich halt besser als in der engen Stadtwohnung. Man pendelt ja nicht mehr so oft, daß die Entfernung schmerzt. Und in der Stadt ist dank Gastro- und Veranstaltungsverbot ja auch nichts mehr los, also hockt man im Vorstadthäuschen. Oder die Studenten ziehen zurück zu ihren Eltern, mangels Geld und dank Onlinevorlesung.

  • Ist nicht nur in Baden-Württemberg so (kann ich aber aus eigener Betrachtung bestätigen die Region von Stuttgart bis Reutlingen ist leider ein einziger Siedlunhsbrei...). Im Saarland jedenfalls ist das halbe Gebiet auch zugebaut weil jeder ein "Häuschen im Grünen seit den 60ern haben wollte. Diese gesichtslosen Dinger bleiben aber wohl noch lange erhalten da sie in der Familie bleiben und dank eines der höchstens Eigentumsdichte innerhalb von Deutschland wird sich da nichts ändern außer dass viele vor sich rumgammeln werden da die Saarländer schlechter als der Bundesschnitt aus der C-Krise rauskamen und daher diese Häuser halten müssen um zu überleben... Gut in der Pfalz (Rheinebene), das Rhein-Main-Gebiet sowie NRW ist es nicht besser aber die haben wenigstens ordentliche historische Ortskerne...

  • Kann es sein, dass die Württemberger nach wie vor wie verrückt Häuser bauen (natürlich nur neue auf der grünen Wiese, Altbauten sanieren ist nicht des Württembergers Ding)

    Ja, kein Kaff ohne Neubaugebiet und das selbst tief im Schwarzwald. Manche Ort wandern gewissermaßen: Die Bevölkerung zieht in die Neubaugebiete und die alten Ortskerne veröden.


    Ist nicht nur in Baden-Württemberg so (kann ich aber aus eigener Betrachtung bestätigen die Region von Stuttgart bis Reutlingen ist leider ein einziger Siedlunhsbrei...).

    Nördlich von Stuttgart, bis nach Neckarsulm, ist es noch schlimmer.

  • Dieses Thema ist eigentlich auch ein Grund gewesen warum ich dafür bin dass die Bevölkerungszahl Deutschlands unbedingt schrumpfen soll! Wenn das so weitergeht wachsen ja immer mehr die Orte zusammen und das Ruhrgebiet ist somit überall. Nur in Japan ist es wohl auf der Welt so krass oder Singapur, Belgien und Niederlande vielleicht auch noch...

  • Ja, kein Kaff ohne Neubaugebiet und das selbst tief im Schwarzwald.

    Mein Dorf wo ich wohne ist ganz schlimm: rund 80% ist Neubaugebiet (ab den 1970er Jahren) der restliche "Ortskern" ist potthässlich und wurde zt im Krieg zerstört, oder man hat die Häuser verunstaltet danach bzw bis vor kurzem abgerissen...

  • Wäre mal ein interessanter thread: "Wo wohnt ihr?" Vielleicht gibt es einen Zusammenhang mit der Vorliebe für historische Orte und der eigenen Lebenssituation, in der genau dieser Faktor fehlt. Bei mir trifft dies zumindest zu, ich wohne in einer kleinen Gemeinde bei Stuttgart, in der kaum noch etwas auf die 700-jährige Vergangenheit hinweist, weil das meiste längst abgerissen wurde. Ein richtig belangloser Wohnort. Könnte ich es mir frei aussuchen würde ich längst woanders leben, z.B. in Esslingen.

  • Das verblüffende (verglichen mit Bayern) im Stuttgarter Raum ist für mich, daß selbst kleine Orte am Stadtrand ziemlich große Wohnblöcke haben, die man in vergleichbaren bayerischen Orten nicht finden würde.


    Häufig wird mitten in den Ort ein riesiges "modernes" Gebäude gesetzt, das jegliche Maßstäbe sprengt (z. B. Berkheim bei Esslingen), und die verkehrsmäßige Anbindung scheint auch eine Priorität zu sein. Nürtingen ist ja über eine gigantische Zufahrt an die Autobahn angebunden, in der Altstadt dann jede Menge maßstabsprengende Neubauten und am Bahnhof dominieren dann fast schon großstädtische Betonkonstruktionen. Meines Wissens wurde Nürtingen aber überhaupt nicht zerstört (?)

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Wäre mal ein interessanter thread: "Wo wohnt ihr?" Vielleicht gibt es einen Zusammenhang mit der Vorliebe für historische Orte und der eigenen Lebenssituation, in der genau dieser Faktor fehlt.

    Ich hatte mal vor Jahren eine Umfrage dazu im ApH gestartet Fazit: knapp die Hälfte der 49 Personen die teilgenommen haben wohnen in einem Neubau ab 1945. Ansonsten gibt es auch viele die in einem Gründerzeitler wohnen oder einen Gebäude der 20er-30er!


    https://www.stadtbild-deutschl…wohnen-im-altbau-umfrage/

  • Das verblüffende (verglichen mit Bayern) im Stuttgarter Raum ist für mich, daß selbst kleine Orte am Stadtrand ziemlich große Wohnblöcke haben, die man in vergleichbaren bayerischen Orten nicht finden würde.

    Das ist mein Eindruck von Württemberg schon, seitdem ich es die ersten Male gesehen habe. Das Land war in meinem Weltbild als Kind und Jugendlicher ein fremdes. Wenn man von uns in Schwaben hinübergeschaut hat in das Land, das, wie ich viele Jahre später erfahren sollte, für sich auch den Namen "Schwaben" in Anspruch nimmt, hat man ein hochentwickeltes, hinsichtlich der Infrastruktur überversorgtes Land mit Hochhäusern gesehen. Dieses Land war fremd, befremdend und faszinierend zugleich. Und alles war dort eine Nummer größer.

  • Irgendwann, so vielleicht Mitte 20, als ich ein bisschen mehr in der Weltgeschichte rumgekommen bin, habe ich dann immer mehr und immer konsequenter realisiert, dass in den anderen Ländern nicht alles größer ist, in Baden-Württemberg nicht und in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein schon gleich gar nicht. Und dass in Münchens Umgebung auch immer mehr alles zugebaut wird, habe ich schließlich auch immer weniger verdrängen können.