Beurteilung des Stadtumbaus von Paris unter Haussmann

  • Jetzt habe ich dich verstanden Ursus. Wirklich! Im tiefsten Herzen liebst du nämlich Würzburg, nur bist von seinem Verlust von 1945 so enttäuscht dass es von einer Liebe zur Stadt schnell zum Gegenteil umgeschlagen ist...

    Ein bisschen geht es mir mit dem alten Paris vor Haussmann: Mensch war das ein Fachwerktraum fast einmalig( neben Nürnberg, Frankfurt und jetzt auch zt Ulm ebenfalls sehr herbe Verluste;( )Und dann kam dieser Haussmann und hat alles mittelalterliche verwinkelte wegen seiner blöden Sichtachsen und dem Sauberkeitswahn und der Monumenlität vernichtet für Mietsgebäude die zwar alle schöne Ornamente haben aber im Grunde alle gleich gebaut sind so dass man sich teilweise verlaufen kann bei der Gleichheit...

  • Ich weiß vom Pariser Fachwerk sehr wenig oder richtiger nichts. Aber feststeht, dass in Paris genug Kleinviertel erhalten geblieben sind, vor allem in St. Germain, daneben das gotische Viertel Le Marais. Fachwerk findet man allerdings nirgendwo, was mich verwundert.

    Jedenfalls braucht man sich über Paris städtebaulich keinen Kummer zu machen, überhaupt als Deutscher. Es ist genug Altstadt in Fülle erhalten. Dazu ist die Stadt bausündenfrei, und der Haussmann-Historismus sieht wenigstens verglichen mit dem Würzburger Normalmüll unvergleichbar schöner aus, erfüllt also seine städtebaulichen Aufgaben.


    Damit verglichen sind größere deutsche Barockstädte ein bevorzugtes Ziel der Bombengeschwader geworden: Würzburg, Münster, Mainz, Dresden, München, Saarbrücken ...

    nur Bamberg blieb verschont.

    Bei Fachwerkstädten ist die Bilanz ungleich günstiger.

  • Jedenfalls braucht man sich über Paris städtebaulich keinen Kummer zu machen, überhaupt als Deutscher. Es ist genug Altstadt in Fülle erhalten. Dazu ist die Stadt bausündenfrei, und der Haussmann-Historismus sieht wenigstens verglichen mit dem Würzburger Normalmüll unvergleichbar schöner aus, erfüllt also seine städtebaulichen Aufgaben

    Das trifft es überhaupt nicht zu. Paris war bevor dieser Haussmann alles umgestaltet hatte eine großartige mittelalterliche Metropole, wie es sie in Europa so bis auf FFM; Nürnberg, etc.. nicht gegeben hatte

    https://i.pinimg.com/originals…334898fd0d26f95fbd98a.jpg


    https://c8.alamy.com/comp/F95HMB/medieval-paris-F95HMB.jpg


    Die Ausdehnung der Stadt damals war auch enorm, nur mit Köln, Rouen, und vielleicht Nürnberg zu vergleichen:


    https://i.imgur.com/XYbnMo3.jpg


    Paris um 1550:


    Sorbonne:






    Es gab auch ganz viele bebaute Brücken wie die Krämerbrücke in Erfurt:



    CC BY-SA 3.0 https://commons.wikimedia.org/…e_des_mariniers_DooFi.jpg


    Hier noch ein tolles 3D-Computermodell wie das mittelalterliche Paris aussah:


    https://www.paristoric.com/ima…e_m%C3%A9di%C3%A9vale.jpg


    https://www.vodkastrawberry.co…/12/paris-medieval-3D.jpg


    https://p1.storage.canalblog.com/13/73/119589/106053946.jpg


    https://paris-atlas-historique…10+petit-pont-1501664.jpg


    Dieses Bild mit den Fachwerkhäusern und Notre Dame ein Traum:


    https://www.sequanamedia.com/c…rueneuve-notredame-3D.jpg


    Daher ist Haussmann für mich ein Bauverbrecher! Diese tausendfache Reproduktion von seinen elitären Gebäuden sind zwar sehr monumental, aber kein Ersatz für das alte Paris. Es gibt auch nur wenig Reste die er stehengelassen hatte damals siehe ab hier: Auf den Spuren des mittelalterlichen Paris


    Paris braucht auf jeden Fall so ein Art Dom-Römer Viertel wie in Frankfurt, wo man das mittelalterliche Paris nochmal erleben kann...

  • Aber wie weit war dieses mittelalterliche Fachwerk-Paris im 19. Jahrhundert noch vorhanden?


    Im englischsprachigen Wiki-Artikel zu Haussmans Wirken finden sich einige Fotos aus den 1850ern, auf denen ich keine mittelalterlichen Fachwerkbauten finden kann:


    https://en.wikipedia.org/wiki/…n%27s_renovation_of_Paris

    bzw. ab hier

    https://en.wikipedia.org/wiki/…,_ca._1853%E2%80%9370.jpg

  • Nö, Paris ist mit allen Stadtteilen ungleich größer als die erwähnten Städte, Prag inclusive.

    Was trifft überdies nicht zu? Dass eine Haussmann-Straße schöner ist als die Schönbornstraße (ohne Neumünster etc) ? Ist doch nicht dein Ernst!

    Der Abriss der Ile-France musste natürlich ein ganz besonderer Frevel gewesen sein, das ist klar...

    Aber mit einem Dom-Römer-Projekt wird das wohl nichts... Auch die Ile ist längst historisch geworden, als Paris des Victor Hugo, und der Handlungsbedarf ist jetzt nicht so drastisch wie in FF...

    Dazu dürfte das Pariser FW so gut wie nicht dokumentiert sein.

    Und wie Platz schreibt: von einer Fachwerkstadt müssten viel mehr spuren vorhanden sein, und zwar bis heute, da es noch viele Altstadtgassen gibt, überhaupt in Saint-Germain-des-Prés

  • Aus dieser Zeit gibt es leider sehr wenige Fotos (war ja erst die Pionierszeit der Fotografie...) Die Gebäude mit den engen Gasse aus Stein gibt es ja zt heute noch aber die Fassaden sind eher frühes bis Mitte 19. Jh. (Ausnahme 18. Jh. auf der Ile Saint Louis.


    Aber wie im verlinkten Artikel gut dargestellt hat Haussmann viele Schneisen durch die Ile de la Cité und die nördl und südl. angrenzde Altstadt gebohrt. Eine Ahnung von der einstigen Bausubstanz kann man noch an der Nordseite der Ile de la Cité haben:


    https://www.google.de/maps/@48…9.54t/data=!3m1!1e3?hl=de


    https://www.google.de/maps/@48…!2e0!7i16384!8i8192?hl=de

  • Was trifft überdies nicht zu? Dass eine Haussmann-Straße schöner ist als die Schönbornstraße (ohne Neumünster etc) ? Ist doch nicht dein Ernst!

    Das alte Paris ist für mich dennoch ein viel größerer Verlust. Würzburg war keine tolle mittelalterliche Fachwerkstadt auch vor 1945 nicht, sondern eher barock überformt (dafür ist der heutige Klon mit seinen (Teil-)Rekos gar nicht mal so schlecht). Aber so eine Fachwerkgroßstadt, ja wohl im Verlustbereich von Frankfurt, Nürnberg, Ulm, Hildesheim, Braunschweig (obwohl selbst die wohl mikrig dagegen sind, etc..

  • Das war ja auch ein Adelsviertel und im 17-18. Jh wurde dort viele Stadtvillen errichtet. Und doch wenn du dir meine Galerie zu Paris angeschaut hättest, es gibt noch Fachwerkhäuser aber es ist höchstens eine Handvoll heute erhalten...

  • Wü ist natürlich Barockstadt, weil der Barock eigentlich fast alles erfasst und überformt hat. Für mich mehr als Passau und Salzburg. Und was den Klammerausdruck anbelangt, so ist für mich das genaue Gegenteil richtig. WEIL es eine faszinierende und auch leichter rekonstruierbare Barockstadt war, ist der heutige Klon ganz besonders furchtbar schlecht. Ein Hildesheim flächig zu rekonstruieren ist schlicht unmöglich.

    Ich hab mir deine Galerie angeschaut, schon seinerzeit, schon im Hinblick auf meine eigene Reise, aber die Beispiele sind in der Tat mickrig. Was ist eine Handvoll für eine solche Metropole... wie willst du davon ein Dom-Römer-Quartier herleiten bzw rekonstruieren?


    ich würde mit der Verschiebung ab Tübinger # 28 anfangen. die Debatte gehört auch eher nach Würzburg allgemein, weil ständig Querverweise bestehen.

  • Ein interessantes Thema, jedenfalls interessanter als meine Erwerbsarbeit.


    Im Marais stehen tatsächlich zwei mittelalterlich wirkende Fachwerkhäuser in der Rue Francois Miron: https://goo.gl/maps/PDW5zEFgjc1z67LM8


    Allerdings hat man Ihnen das Fachwerk anscheinend in den 1960ern aufgeklebt:

    https://vivrelemarais.typepad.…bages-francois-miron.html (mit Vorher-Nachher-Foto)

    https://www.histoires-de-paris…mbage-rue-francois-miron/


    Laut letzterem Link hat die Stadt Paris aufgrund des Brandrisikos schon 1607 offenes Balkenwerk und Giebel (wenn ich das richtig verstehe) verboten, woraufhin die Fachwerkbauten verputzt wurden.


    PS: Sagt mir, wenn dieses dilettantische Googeln mehr nervt als nützt, möchte hier ungern den Rastrelli 2.0 geben :wink:

  • Allerdings hat man Ihnen das Fachwerk anscheinend in den 1960ern aufgeklebt:

    Ich habs mir mal in der Schnelle durchgelesen: 1607 gab es wegen Brandschutz in der Tat einen Erlass, Giebel abzubauen und vor allem: Fachwerk zu verputzen mit dem typischen weißen "pariser" Kalk. Dieser blieb eben haften bis 1960, damals haben die Architekten das Fachwerk wieder freigelegt und restauriert. ;)

    Daher kann ich mir vorstellen, dass auch bei den anderen alten Fotos manch ein Haus aus Fachwerk war, es war nur verputzt und sah so aus wie Steinbau...

  • Ich habs mir mal in der Schnelle durchgelesen: 1607 gab es wegen Brandschutz in der Tat einen Erlass, Giebel abzubauen und vor allem: Fachwerk zu verputzen mit dem typischen weißen "pariser" Kalk. Dieser blieb eben haften bis 1960, damals haben die Architekten das Fachwerk wieder freigelegt und restauriert. ;)

    Daher kann ich mir vorstellen, dass auch bei den anderen alten Fotos manch ein Haus aus Fachwerk war, es war nur verputzt und sah so aus wie Steinbau...

    Da war die im ersten Link zitierte alte Frau wohl eine unzuverlässige Zeitzeugin :-D

  • Ja ich glaube die Frau hat die Ergänzung des Fachwerks gemeint (vielleicht war es zt so beschädigt, dass es nicht mehr zu retten war, daher hatte man teilweise mit "Brettern" wie sie sagt nachgeholfen.) ABer in den Kommentaren drunter steht auch was von der Freilegung.