Die größten und gelungensten Wiederaufbauprojekte zerstörter Städte

  • Vielleicht sollten wir mal besonders umfangreiche und - aus unserer Sicht gelungene - Wiederaufbauprojekte zerstörter Städte sammeln, bei denen ein möglichst großes Areal in Anlehnung an den unzerstörten Zustand rekonstruiert wurde.


    Kriterien könnten sein:

    • Größe des Areals (abolut und relativ), das in Anlehnung an den vorherigen Zustand gestaltet wurde (kleinteilige Strukturen, Beibehaltung des vorherigen Straßennetzes)
    • Umfang der Rekonstruktionen
    • Umfang der "angepaßten" Neubauten (also Nachkriegsbauten, die als solche erkennbar sind, sich aber hinsichtlich Größe, Dachform usw. an die vorherige Bebauung anlehnen)
    • Umfang der historisierenden "Neukreationen" (also Bauten, die völlig neu entworfen wurden, aber den Eindruck vermitteln, aus einer früheren Bauepoche zu stammen)

    Ggf. könnten wir nach einem Sammeln von Städten diese dann auch in einer Art Umfrage bewerten, um eine Rangliste zu erstellen.

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Da möchte ich allen voran Freiburg im Breisgau anführen.

    Die Altstadt war ja doch zum größeren Teil zerstört. Nur die Gebiete südöstlich und südlich des Münsters waren unversehrt geblieben, ebenso das Münster. Aber alles südwestlich, westlich und vor allem nördlich des Münsters wurden im November 1944 in Schutt und Asche gelegt.

    Man entschied sich beim Wiederaufbau zur weitgehenden Beibehaltung des historischen, mittelalterlichen Stadtgrundrisses, der noch die zähringische Planstadt (ähnlich einem römischen Kastell, aber geschwungenes Straßenkreuz) erleben läßt. Die Hauptmagistrale, die Kaiser-Joseph-Straße (Kajo) wurde allerdings aufgeweitet und die säumenden Gebäude in ihren EGs mit auf Pfeilern ruhenden Laubengängen geöffnet.

    In der Anfangsphase errichtete man noch angepasste, mittelalterlich wirkende Häuser, mit Erkern, Portalen, Treppengiebeln. Ein schönes Beispiel ist die Herrenstraße nordöstlich hinter dem Münster mit den wiederaufgebauten Herrenhäusern (Prälaten). In der Salzstraße wurden zwei Adelspalais äußerlich rekonstruiert. Insgesamt entstand in weiten Teilen ein harmonischer Übergang von den erhaltenen Altstadtteilen zu den Neubaugebieten.


    Zur Lage der Altstadt:


    Wir erkennen die schräg von Nord nach Süd verlaufende Kajo und ihre im Verhältnis zu den anderen Straßen und Gassen stark aufgeweitete Breite. Auffällig ist der lebendig wirkende, an fließendes Wasser erinnernde Schwung der Straßen und Gassen, typisch Freiburg, dazu noch die "Bächle" kleine Straßenkanäle mit fließend Wasser.


    Freiburg_Altstadt.jpg


    Eine kurze eben zusammen gesammelte Bildergalerie, die einige angepasste Neubauten vorstellen soll, bzw. modernisierte Rekonstruktionen.


    Nördlicher Münsterplatz, rechts die Stadtbibliothek als Neubau mit 2 über die ganze Fassade hochgezogenen Erkern. Links das modernisierte Kornhaus als nachempfundene Rekonstruktion in Resten der alten Umfassungsmauern.


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    Konviktstraße, im Rücken der Schloßberg, Neubauviertel 80iger Jahre


    File:Konviktstraße (Freiburg im Breisgau) jm60847.jpg - Wikimedia Commons

    CC-by-sa 3.0 deed.de


    Die Kaiser-Joseh-Straße, kurz Kajo, Richtung Martinstor. Rechts Bauten der Fünfziger mit den ersten Laubengängen


    Liebeserklärung an Freiburg | Erkunde die Welt

    Erkunde die Welt | Südbaden meets Reiselust%2F2015%2F09%2F25%2Ffreiburg%2F&psig=AOvVaw2rzft-QukewaMiI2z4TBWM&ust=1600245191759000&source=images&cd=vfe&ved=0CAMQjB1qFwoTCNDtp4Pg6usCFQAAAAAdAAAAABAZ


    Der erhaltene Teil der Altstadt, vom Münster ausgesehen:


    Mit der Bahn von Zürich Flughafen nach Freiburg (Breisgau) ab 18,90 €

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    Die Konviktstraße nach dem Krieg:


    Konviktstraße Freiburg im Breisgau ca. 1950 - Architekturforum Architectura  Pro Homine


    Alles Wiederaufbau in der Herrenstraße


    Freiburg

    eigenes Foto


    Wenn Beine aus dem Freiburger Bächle ragen - Stein

    Stein - Zeitschrift für Naturstein%2Ffreiburger-baechle%2F&psig=AOvVaw2sOm0aAzqGJ9ulOFikTP5r&ust=1600247015038000&source=images&cd=vfe&ved=0CAMQjB1qFwoTCOjxtejm6usCFQAAAAAdAAAAABAF


    Herrenstraße nach dem Krieg:


    Pin auf Historisches Freiburg


    Kajo am Bertholdsbrunnen, links angepasste Naubauten, rechts das rosa Kaufhof-Gebäude bereits modernisiert.

    Kaiser-Joseph-Straße (Freiburg im Breisgau) – Wikipedia

    www.wikipedia.org%2Fwiki%2FKaiser-Joseph-Stra%25C3%259Fe_(Freiburg_im_Breisgau)&psig=AOvVaw3OVPm-2KUhBiKdv9nz4kro&ust=1600245701838000&source=images&cd=vfe&ved=0CAMQjB1qFwoTCKjRrvbh6usCFQAAAAAdAAAAABAE


    Dieselbe Ansicht vor dem Krieg:


    Kaiser-Joseph-Straße (Freiburg im Breisgau) – Wikipedia



    Rechts nochmals die ersten Arkadenbauten:


    Kaiser-Joseph-Straße Freiburg - StadtPanorama

    360° StadtPanoramen - Panoramabilder deutscher Städte%2Ffreiburg%2Fkaiser-joseph-strasse.html&psig=AOvVaw3OVPm-2KUhBiKdv9nz4kro&ust=1600245701838000&source=images&cd=vfe&ved=0CAMQjB1qFwoTCKjRrvbh6usCFQAAAAAdAAAAABAn


    Der einzige historische Wiederaufbau in der Kajo, der Baslerhof, danach Breuninger Kaufhaus aus den 80igern:


    Basler Hof, Kaiser-Joseph Straße, Freiburg | Robert Cutts | Flickr

    www.flickr.com%2Fphotos%2Fpanr%2F4514627584%2Flightbox%2F&psig=AOvVaw3OVPm-2KUhBiKdv9nz4kro&ust=1600245701838000&source=images&cd=vfe&ved=0CAMQjB1qFwoTCKjRrvbh6usCFQAAAAAdAAAAABAu


    Kajo, Ecke Salzstraße, rechts ein Treppengiebelhaus der Wiederaufbauzeit:


    Datei:Kaiser-Joseph-Straße 203 (Freiburg im Breisgau) jm61441.jpg –  Wikipedia

    CC-by-sa 3.0 deed.de


    Schräg gegenüber:


    Bertoldsbrunnen - Stadtmitte Freiburgs

    Freiburg im Breisgau%2Fde%2Ffreiburg%2Fbertoldsbrunnen.php&psig=AOvVaw3OVPm-2KUhBiKdv9nz4kro&ust=1600245701838000&source=images&cd=vfe&ved=0CAMQjB1qFwoTCKjRrvbh6usCFQAAAAAdAAAAABA8


    Kajo Nr 244/246


    Datei:Kaiser-Joseph-Straße 244 246 (Freiburg im Breisgau) jm94444.jpg –  Wikipedia


    CC-by-sa 3.0 deed.de


    Die westliche Seite der Kajo nahe Bertholdsbrunnen:


    Freiburg, Baden-Württemberg, state of Germany (the art of … | Flickr

    www.flickr.com%2Fphotos%2F123406046%40N03%2F27629583871%2F&psig=AOvVaw3OVPm-2KUhBiKdv9nz4kro&ust=1600245701838000&source=images&cd=vfe&ved=0CAMQjB1qFwoTCKjRrvbh6usCFQAAAAAdAAAAABBI


    Damit soll es erst einmal genügen, vielleicht kann/mag Citoyen noch etwas beitragen!?

  • Super, vielen Dank - das wäre ja schon fast einen eigenen Strang wert! :applaus:


    Ich würde mich erst einmal aber mit einer ganz knappen stichpunktartigen Materialsammlung begnügen, damit wir erst einmal Städte sammeln. Vielleicht analog zu meinem ersten Beitrag:


    1. Größe des Areals


    absolut:

    relativ:


    2. Bebauung


    Umfang der Rekonstruktionen:

    Umfang der "angepaßten" Neubauten:

    Umfang der historisierenden "Neukreationen":


    3. Bewertung und kurzes Fazit:

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  • Ich war noch nie in Freiburg, aber die hier gezeigten Bilder der "Kajo" überzeugen mich überhaupt nicht. Ich präferiere eindeutig die Rigorosität von Ulms Neuer Mitte gegenüber diesen lächerlichen Freiburger Parodien althergebrachter Stile und Formen. So billig lässt sich ein würdevolles Stadtbild nicht wiederherstellen.

    Die wirklich brauchbaren Wiederaufbauprojekte stammen allesamt aus späten Jahren: Hildesheim als frühestes, Ulm, FF, DD. Mir gefällt auch Chemnitz sehr gut. wahrscheinlich wird auch Lübeck recht gut abschneiden.


    Hingegen scheint mir der Freiburger Rathausplatz sehr gut gelungen:


    Rathausplatz Freiburg - StadtPanorama

  • Ich war noch nie in Freiburg, aber die hier gezeigten Bilder der "Kajo" überzeugen mich überhaupt nicht.

    Das ist eben genau das, was ich mit "angepaßte Neubauten (also Nachkriegsbauten, die als solche erkennbar sind, sich aber hinsichtlich Größe, Dachform usw. an die vorherige Bebauung anlehnen)" meinte, dieser Baustil dominiert in Westdeutschland eindeutig und prägt z. B. auch Würzburg und Nürnberg.

    Mir gefällt auch Chemnitz sehr gut

    In Chemnitz war ich ein einziges Mal (sogar mit Übernachtung, 2004), und das hat mir auch gereicht. Einen noch schlimmeren Nicht-Aufbau als in der DDR gab es wohl fast nirgendwo, und der heutige Zustand mit den erhaltenen DDR-Bauten und den knallbunten Neubauten finde ich auch sehr unschön (einzige Ausnahmen sind die beiden Einkaufszentren Galeria Kaufhof und Roter Turm, aber die haben ja mit "Wiederaufbau in Anlehnung an das Vorbild" nichts mehr zu tun.


    Luftbild von Chemnitz: klick

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  • Freudenstadt nahm mit Stolz für sich in Anspruch, als erste Stadt Deutschlands den Wiederaufbau vollendet zu haben. Das war 1954. Früher kam mir die Stadt öde vor; inzwischen gefällt mir der 50er-Jahre-Heimatstil immer besser. Liegt es daran, dass dieser Stil nun auch historisch geworden ist? Oder werde ich älter und schaue nostalgisch auf eine Stadt, die sich seit meiner Kindheit kaum verändert hat?


    Der Marktplatz ist der größte in Deutschland.


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    Die Arkaden hat man als Gestaltungselement von der alten Stadt übernommen, doch die Häuser waren früher giebelständig. Vergleiche: ak-ansichtskarte-freudenstadt-markt-kirche-kurort-im-schwarzwald-kat-freudenstadt.jpg


    img_59385gkh9.jpg


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    Die Nordostecke mit dem Rathaus


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    In der Mitte des Platzes steht das Stadthaus. Es beherbergt heute ein nettes Heimatmuseum.


    img_5942nnjbs.jpg


    Bei der Stadtkirche findet man auch einige giebelständige Häuser


    img_5929hlkuo.jpg


    Die Stadtkirche ist das einzige historische Bauwerk von Rang in Freudenstadt. Die kostbare Innenausstattung ist allerdings 1945 weitestgehend verbrannt.


    img_5945r8jt3.jpg

  • @ursus. Wenn ich dich richtig verstehe ist dir ein rigoroser Bruch mit der Vergangenheit lieber als ein Wiederaufbau, der sich lediglich (oder immerhin) daran orientiert. Diesen Standpunkt akzeptiere ich, er dürfte aber nicht weit verbreitet sein. Auch das Thema Rekonstruktion ist davon betroffen. In einer Stadt wie Nürnberg müsste man dazu nur die Gebäude austauschen (siehe Pellerhaus), da die Platzhalter noch existieren. Hier liegt das Problem lediglich am fehlenden Willen. Wo könnte man dagegen in einer Stadt wie Dresden ansetzen, wo außerhalb der Altstadt nichts mehr davon gegeben ist? Es gibt keine historischen Straßenverläufe und Parzellen mehr. Dasselbe gilt für Magdeburg und Chemnitz. Hier wurden einfach jegliche historische Bezüge eliminiert. Was bleibt ist städtebauliche Ödnis, die sich kaum mehr substanziell verbessern lässt.

  • Es stellt eben jeder andere Anforderungen und kommt zu unterschiedlichen Bewertungen, wir gehen wie selbstverständlich davon aus, daß eine zerstörte Stadt möglichst weiträumig und möglichst originalgetreu wiederaufgebaut werden sollte, für die meisten Menschen ist das überhaupt kein Kriterium.


    Denen reicht offensichtlich einzelnes Bauwerk wie der Kölner Dom oder ein Ensemble wie die Dresdner Elbfront aus, und der Rest ist scheinbar egal.


    Oder ihnen ist Architektur sowieso völlig gleichgültig, sie wollen gut einkaufen und möglichst wenig im Stau stehen ...


    Andere wiederum legen höchsten Wert auf möglichst originalgetreue Rekonstruktionen und "Ehrlichkeit", das heißt, man muß sofort sehen, daß etwas nicht original ist, dafür muß dann die einzelne rekonstruierte Kirche bis ins kleinste Detail stimmen, Umfeld gern aus Beton. Vielleicht gibt es auch Fans von 50er-Jahre-Architektur oder sogar Leute, denen die Prager Straße in Dresden wirklich gefällt?


    ursus möchte offensichtlich eine Flächenrekonstruktion, die wie aus einem Guß wirkt (ohne zwangsläufig flächendeckend original sein zu müssen), wobei die absolute oder relative Größe nicht so wichtig ist. Entsprechend wird Würzburg völlig abgelehnt und auf dieselbe Stufe mit Pforzheim gestellt, weil hier die wenigen Rekonstruktionen von Bauten im 50er-Jahre-Stil ergänzt werden, die deutlich als solche zu erkennen sind. Ein Verlust an originaler Bausubstanz scheint indes kein größeres Problem zu sein?


    Ich hoffe, ich habe es richtig zusammengefaßt.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Ich lasse das Fazit erst einmal weg und verwende meine Vorlage zur Bewertung:


    Würzburg:


    1. Größe des Areals


    absolut: sehr groß

    relativ: extrem groß


    2. Bebauung


    Bebauungsdichte: sehr hoch

    strukturelle Übereinstimmung: (?)


    Umfang der Rekonstruktionen: gering

    Originaltreue der Rekonstruktionen: (?)


    Umfang der "angepaßten" Neubauten: hoch

    Umfang der historisierenden "Neukreationen": nicht vorhanden (?)

    Verlust vorhandener historischer Bebauung: (?)


    Danzig:


    1. Größe des Areals


    absolut: mittel

    relativ: sehr klein


    2. Bebauung


    Bebauungsdichte: sehr gering

    strukturelle Übereinstimmung: gering


    Umfang der Rekonstruktionen: gering

    Originaltreue der Rekonstruktionen: gering, Übergang zu "Neukreationen" fließend, kaum Verwendung erhaltener Reste


    Umfang der "angepaßten" Neubauten: mittel

    Umfang der historisierenden "Neukreationen": hoch

    Verlust vorhandener historischer Bebauung: relativ hoch (Vororte)


    Gern lasse ich mich zu Würzburg von Experten korrigieren, speziell auch hinsichtlich meiner Fragezeichen.


    P.S. Mir fallen immer mehr Kriterien ein, aber jetzt lasse ich die Vorlage so ...

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Ich hoffe, ich habe es richtig zusammengefaßt.

    Ich denke, das hast Du absolut zutreffend beschrieben bzw. zusammengefasst.


    Es ist klar, dass wir unterschiedliche Vorstellungen, Wünsche und Beurteilungskriterien haben. Vor diesem Hintergund ist eine objektive oder zumindest in unseren Augen einheitliche Bewertung des Wiederaufbaus verschiedener Orte eine Illusion. Dieser Strang kann daher imgrunde nur Wiederaufbauleistungen nennen und beschreiben, ohne dass wir erwarten können, dass alle davon begeistert sind. Freilich wollen wir nur Orte nennen, deren ein Wiederaufbau nicht offensichtlich von uns allen abgelehnt wird.

  • Würzburg

    relativ: extrem groß

    "Relativ" zur Größe der Altstadt oder zur Größe des zerstörten, wiederherstellungswürdigen Gebietes? In Würzburg läuft es in beiden Fällen auf "extrem groß" hinaus...

    Umfang der "angepaßten" Neubauten: hoch

    Kommt darauf an, was man als "angepasst" ansieht, insoweit schwer einzuschätzen. Dennoch würde ich sagen "relativ hoch". Ich nehme an, das sich "Umfang" als "relativer Anteil der angepassten an allen Neubauten" versteht. Es wäre auch die Frage, ob Zustand am Ende des Wiederaufbaus (z. B. ca. 1960) oder heute. Da es um die Qualität des Wiederaufbaus geht, dürfte der heutige Zustand nicht maßgeblich sein.

    Umfang der historisierenden "Neukreationen": nicht vorhanden (?)

    Mir fällt auf die Schnelle kein Beispiel dafür ein. Das müsste ich ein bisschen durchdenken.

    Verlust vorhandener historischer Bebauung: (?)

    Entschuldigung, aber was bedeutet das? Nach dem Krieg noch vorhandene Gebäude, die beim (bzw. durch den) Wiederaufbau zerstört wurden? Das wären in Würzburg schon relativ viele Gebäude...

  • Damit meinte ich intakte erhaltene Vorkriegsgebäude, die dann aufgrund von langer Vernachlässigung so stark herunterkamen, daß sie einstürzten oder abgerissen wurden.


    Musterbeispiel: Liegnitz (müßte Mitte der 60er Jahre gewesen sein), vielleicht auch Hirschberg oder Glatz, in der DDR Schwerin, auch für Erfurt war ja solches vorgesehen (inkl. mutwilliger Beschädigung von Fachwerkhäusern durch staatliche Einrichtungen)


    Oder Gebäude, die abgerissen wurden, weil sie dem Wiederaufbau im Weg waren oder einfach von Baustil, Aussehen usw. nicht mehr gefielen, z. B. Teile von Warschau in den 50er Jahren

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  • Neumarkt in der Oberpfalz



    Die Altstadt wurde stark zerstört, der Wiederaufbau betrifft demzufolge ein großes Gebiet (nach den Maßstäben von Klein- und Mittelstädten). Für meine Begriffe war der Wiederaufbau außerordentlich gut. Man muss aber sehen, dass in den untergeordneten Gassen viele einfache, kleine Häuser ganz im Stil der 50er-Jahre entstanden sind, deren Lebenszeit mittlerweile zu Ende geht. Ein großer Teil von ihnen ist bereits verschwunden und nicht selten durch unpassende, sich nicht einfügende Neubauten ersetzt worden. Es ist zu erwarten, dass dieser Vorgang noch weitergeht. Am Ende steht eine Altstadt, deren Bebauung im wesentlichen nur noch in der Hauptachse Obere und Untere Marktstraße attraktiv und altstadtgemäß ist. Der aktuelle Neubau eines Hochschulgebäudes am Residenzplatz hat eine neue Epoche eingeläutet: modernistische Großobjekte, die auf die historische Bauweise nahezu keine Rücksicht mehr nehmen. Damit ignoriert man den guten und vorbildlichen Wiederaufbau praktisch komplett.



    1. Größe des Areals


    absolut: groß


    relativ: extrem groß (ganze Altstadt)



    2. Bebauung


    Bebauungsdichte: mittel


    strukturelle Übereinstimmung: hoch



    Umfang der Rekonstruktionen: keine


    Originaltreue der Rekonstruktionen:



    Umfang der "angepaßten" Neubauten: hoch


    Umfang der historisierenden "Neukreationen": nicht vorhanden (?)


    Verlust vorhandener historischer Bebauung: alles durch Kriegszerstörung verloren oder heute noch vorhanden

  • Donauwörth



    1. Größe des Areals


    absolut: mittel


    relativ: sehr groß (nahezu ganze Altstadt)



    2. Bebauung


    Bebauungsdichte: hoch


    strukturelle Übereinstimmung: hoch



    Umfang der Rekonstruktionen: ein bedeutendes Gebäude


    Originaltreue der Rekonstruktionen: gering, mittel



    Umfang der "angepaßten" Neubauten: hoch


    Umfang der historisierenden "Neukreationen": nicht vorhanden


    Verlust vorhandener historischer Bebauung: nach dem Wiederaufbau einige Verluste, auch von bedeutenden Gebäuden

  • Rothenburg ob der Tauber



    Der Wiederaufbau des zerstörten Teils der Rothenburger Altstadt ist ein Sonderfall, da Rothenburg Inbegriff einer guterhaltenen historischen Stadt war und ist und ein nichtangepasster Wiederaufbau indiskutabel war.




    1. Größe des Areals


    absolut: mittel


    relativ: untergeordnet (ca. ein Viertel der Altstadt)



    2. Bebauung


    Bebauungsdichte: gering


    strukturelle Übereinstimmung: sehr hoch



    Umfang der Rekonstruktionen: mir keine Reko bekannt; teilzerstörte Bauten (insbes. Stadtbefestigung) vollständig wiederhergestellt


    Originaltreue der Rekonstruktionen: ...



    Umfang der "angepaßten" Neubauten: vollständig (alle Gebäude angepasst)


    Umfang der historisierenden "Neukreationen": gering (Gerlachschmiede, von unwissenden Touristen als Inbegriff eines alten, romantischen Gebäudes betrachtet)


    Verlust vorhandener historischer Bebauung: m. W. kein Verlust

  • Neustadt an der Donau



    Neustadt kenne ich nicht so gut, meine Einschätzung daher recht unsicher.



    1. Größe des Areals


    absolut: mittel


    relativ: groß (?)



    2. Bebauung


    Bebauungsdichte: gering


    strukturelle Übereinstimmung: hoch



    Umfang der Rekonstruktionen: mir nicht bekannt


    Originaltreue der Rekonstruktionen: ...



    Umfang der "angepaßten" Neubauten: hoch (?)


    Umfang der historisierenden "Neukreationen": mir keine bekannt


    Verlust vorhandener historischer Bebauung: m. W. kein Verlust

  • Weitere kriegszerstörte Altstädte in Bayern sind in Gemünden am Main, Uffenheim, Ellingen, Heidingsfeld (Stadt Würzburg) und Wöhrd (Stadt Nürnberg), sie können aber sicherlich nicht zu "den größten und gelungensten Wiederaufbauprojekten" (im Sinne des Strangtitels) gerechnet werden.