Teil 6 - rund um die Frauengasse

  • Im folgenden ein eher kurzer Rundgang, der nur die Frauengasse zum Inhalt hat - eine kurze, aber sehr bedeutende Gasse, die vom Frauentor direkt zur Marienkirche führt.


    Weitere Informationen zu den Danziger Wassertoren wie dem Frauentor gibt es in Das Mottlau-Ufer der Rechtstadt - vom Ankerschmiedeturm bis zum Fischmarkt


    Sinnvollerweise beginnt man die Besichtigungstour einfach auf der Langen Brücke direkt an der Mottlau, hier das Tor in der Seitenansicht:


    IMG_4714_sil.jpg


    Und hier aus der Nähe:


    IMG_4714_sil.jpg


    Das Frauentor stammt ursprünglich aus dem späten 15. Jahrhundert, wurde 1945 zerstört und bis 1961 wieder aufgebaut, hier eine Aufnahme des zerstörten Tors:


    5._Brama_Mariacka.jpg


    Das Tor von hinten, von der Naturforschenden Gesellschaft steht nur noch der Turm vollständig:


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    Und hier noch eine Aufnahme der zerstörten Frauengasse, deren Wiederaufbau und heutigen Zustand ich in diesem Strang präsentieren möchte:


    89px-Ulica_Mariacka_po_bombardowaniu_Gdanska_po_1950.jpg


    Deutlich zu erkennen die Unterschiede bei den Beischlägen - im ersten Foto noch original, beim Wiederaufbau durch neue generische Unterbauten ersetzt, die dann teilweise mit originalen Beischlägen aus anderen Gassen ergänzt wurden.

    Noch eine weitere Ansicht der zerstörten Rechtstadt, man kann sich kaum zurechtfinden - die Frauengasse beginnt in etwa unterhalb der drei zerstörten Speichergebäude der Bleihofinsel an den Überresten der Naturforschenden Gesellschaft:


    Widok.jpg


    Hier ist die Frauengasse bereits wieder errichtet (ganz rechts), man beachte auch die drei modernen "Speichergebäude" gleich links neben dem Krantor, inzwischen wieder abgerissen:


    heilg.jpg


    Auf dem Foto wird auch gut der "fassadenhafte" Charakter des Wiederaufbaus deutlich, links und rechts jeweils eine Häuserzeile, dazwischen freie Flächen.


    Dieses Prinzip galt sogar für das Kerngebiet des Wiederaufbaus, hier sind die freien Flächen zwischen Frauengasse und Brotbänkengasse zu sehen, die selbst heute noch unbebaut sind:


    rechtmaria50.jpg


    Auch hier wird das Aufbauprinzip deutlich - lange Häuserzeilen in Ost-West-Richtung, keinerlei Bebauung entlang der alten Gassen in Nord-Süd-Richtung (Frauengasse ganz links im Bild):


    krantorsw.jpg


    Die Gasse als solche ist gut gelungen, hier der Originalzustand:


    00751v.jpg

    Aufnahme vermutlich von der Sternwarte aus:



    Und noch zwei alte Postkartenansichten:




    Und hier der heutige Zustand, bei dem natürlich auch wieder in Sachen Giebeln, Traufhöhen und Beischlägen jede Menge Abweichungen vom Original (Optimierungen) vorgenommen wurden:


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    Details an den Häusern:


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    Alles in allem ein sehr positiver und authentischer Eindruck - sofern man das Rekonstruktionsareal, das eben auf diese Gasse beschränkt ist, nicht verläßt.


    So sah das Areal ursprünglich aus, dicht bebaut, mit deutlich größeren Gebäudetiefen und meist ohne rückseitige Fassaden, da die Innenhöfe praktisch vollständig zugebaut waren:


    frauenoben.jpg


    Entsprechend ahistorisch der heutige Zustand, links die Bebauung entlang der Mottlau aus den 80er Jahren, rechts eine große freie Fläche und Phantasie-Rückfassaden:


    IMG_4696_sil.jpg


    Mäßiger Erhaltungszustand, Parkplätze und Bäume:


    IMG_4707_sil.jpg


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    Gassen in Nord-Süd-Richtung wurden nicht rekonstruiert, sondern nur durch eine Lücke in der Bebauung symbolisiert, hier verlief früher die Brocklosengasse:


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    Da auch die Südseite der Heilig-Geist-Gasse nicht rekonstruiert wurde, ist dort nur Leere - wir blicken im Hintergrund direkt auf die Nordseite der Gasse:


    IMG_4712_sil.jpg


    Entsprechend ist an dieser Stelle die Heilig-Geist-Gasse auch extrem verbreitert, sie besteht quasi aus einer frei nachempfundenen Nordseite und der Nordseite der Frauengasse mit Phantasie-Fassaden auf der Rückseite:


    IMG_4723_sil.jpg


    Das Prinzip, Nord-Süd-Gassen nur durch Freiräume in der Bebauung zu symbolisieren, führt am Ende der Gasse dazu, daß die letzten Häuser der Gasse (ganz links im Bild, zugebenermaßen nicht gut zu erkennen) unmotiviert im Leeren stehen:


    IMG_4717_sil.jpg


    Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, daß mit Ausnahme der königlichen Kapelle die gesamte Bebauung im Norden der Marienkirche weggelassen wurde:


    IMG_4718_sil.jpg


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    Indes ist das Problem sicherlich als solches bekannt und daher wird ziemlich gekonnt und mit gut angepaßter bis historisierender Architektur nachverdichtet.


    Hier sind die ursprünglich "im nichts stehenden" beiden Häuser am südlichen Ende der Frauengasse zu sehen, wir erkennen, daß links davon ein Neubauprojekt entstanden ist und auch rechts der Nord-Süd-Gasse (Pfaffengasse) gerade ein neues Bauprojekt entsteht:


    IMG_4680_sil.jpg


    Dasselbe Neubauprojekt von vorn:


    IMG_4715_sil.jpg


    Das neue Gebäude direkt an der Pfaffengasse sollte wohl in Kürze fertig sein:


    IMG_4714_sil.jpg


    Die große Stärke der heutigen Danziger Stadtentwicklung ist meines Erachtens, daß man die Schwächen des ursprünglichen Aufbauprojekts erkannt hat und jetzt gekonnt nachverdichtet - wie ja auch in Form des Projekts der Fleischbänke gleich daneben, das später gezeigt wird.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes