Danzig und die heutige Wahrnehmung in der Bundesrepublik

  • Zitat

    Die Kirche wurde später barock umgestaltet und 1945 mitsamt darin eingesperrten Zivilisten von der Roten Armee in Brand gesetzt, was seit dem Jahr 2000 auch auf einer Gedenktafel erwähnt wird.

    Ganz, ganz schrecklich... Wieder so ein russischer “Heldentat”, von dem heute keiner mehr was weiß. Genau diese gänzlich verschwiegenen Geschichten sind auch der Grund dafür, dass ich mit den heutigen “polnischen Westgebieten” und Ostpreußen nicht viel anfangen kann (ich erfuhr selbst erst 2013, dass ein Drittel des heutigen Polens bis 1945 rein Deutsch besiedelt war - sowieso wusste ich fast nichts von den doch recht zahlreichen alliierten Verbrechen, ganz im Gegensatz zur deutschen Besatzung (West-)Europas).

  • Es ist relativ unklar, wer am stärksten zur Zerstörung Danzigs beigetragen hat - offiziell die Luftangriffe überwiegend der Alliierten und die Kampfhandlungen bei der Einnahme, inoffiziell vermutlich eher die russischen Truppen nach der Einnahme und das überwiegend durch Brandstiftung. So ist es sicherlich auch kein Zufall, daß die Kirche des Hl. Nikolaus daher nicht angezündet wurde ...


    Dazu ein Beitrag der englischsprachigen Website der polnischen Presseagentur PAP:


    Incredible forgotten photos reveal true horror of Red Army’s destruction of Gdańsk


    Die Polen sahen Danzig bzw. Gdansk ja als Teil Polens (was es zuvor natürlich nie war), entsprechend gab es hier keinen Grund für Zerstörungen - dem Artikel habe ich übrigens auch die Information entnommen, daß die Ziegel "überwiegend aus Braunsberg in Ostpreußen gewonnen wurden", ich glaube das ehrlich gesagt nicht - so blitzartig, wie die neuen Gebäude im sowjetischen großindustriellen Bestarbeiter-System hochgezogen wurden, dürfte es sich eher um neue Ziegel und Baumaterialien gehandelt haben:


    hundegasse.jpg


    Letztere waren auch in der Planwirtschaft standardisiert, unter anderem erhielten ja die ersten aufgebauten Häuser der Rechtstadt alle dieselben Fenster noch dazu in genau derselben Höhe, was später geändert wurde.


    ich erfuhr selbst erst 2013, dass ein Drittel des heutigen Polens bis 1945 rein Deutsch besiedelt war

    Die offizielle Lesart auf deutscher Seite ist ja inzwischen offensichtlich auch eine andere, siehe auch den schon verlinkten Artikel aus der Augsburger Allgemeinen:


    Offensichtlich war Danzig fast immer eine "multiethnische, multikulturelle Stadt" (liegt ja grade im Trend), die mal - rein zufällig - zu Polen, zu Deutschland oder zu Preußen gehörte.


    Aus obigem Artikel:

    Zitat

    Mal war es polnisch, mal preußisch oder deutsch und vor langer Zeit auch vollkommen frei.

    Ziemlich ratlos läßt mich auch folgender Text im selben Artikel zurück:

    Zitat

    Die Motlawa fließt weit hinaus, bis sie in die Ostsee mündet. Doch zunächst führt sie wie ein Kanal vorbei an Häusern, an deren Fassaden noch zu lesen ist: „Colonialwarenhandel“, „Fischhandlung“, „Rösterei“. „Danzig“ und „Gdansk“ – eine Stadt mit zwei Namen. Der Verlauf ihrer Geschichte ist gespickt von Kehrtwenden und Wechsellaunen, zwischen polnischer und deutscher Kultur – und zwischen Glanz, Zerstörung und Wiederaufbau.

    Mal abgesehen davon, daß die Mottlau etwa 500 Meter nördlich der Altstadt am Polnischen Haken in die Tote Weichsel fließt, grüble ich auch schon seit geraumer Zeit herum, an welchen Gebäuden entlang der Mottlau angesichts eines Zerstörungsgrads von fast 100 % noch „Colonialwarenhandel“, „Fischhandlung“, „Rösterei“ oder „Danzig“ stehen könnten.


    Der polnische Name stand sicherlich auf den wenigen offiziellen Gebäuden, die Polen zur Zeit der Freien Stadt laut Völkerbund nutzen durfte (Post, Schulen), die waren aber nicht von der Mottlau aus sichtbar.


    Meines Erachtens ist der gesamte Artikel miserabel recherchiert ("Zu 90 Prozent wurde die Altstadt von Gdansk durch Angriffe im Zweiten Weltkrieg vernichtet und über Jahrzehnte hinweg aufgebaut. Ganz ohne Kitsch oder Experimente.") und ziemliche Fiktion, entspricht aber der Mainstream-Meinung.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Die offizielle Lesart auf deutscher Seite ist ja inzwischen offensichtlich auch eine andere, siehe auch den schon verlinkten Artikel aus der Augsburger Allgemeinen:


    Offensichtlich war Danzig fast immer eine "multiethnische, multikulturelle Stadt" (liegt ja grade im Trend), die mal - rein zufällig - zu Polen, zu Deutschland oder zu Preußen gehörte.


    Aus Wikipedia entnommen, das Ergebnis der Volkszählung der "Freien Stadt Danzig" von 1923:


    2020_06_23_11_05_21_geschichte_der_stadt_danzig_wikipedia.png(Farbliche Hervorhebungen sind von mir)



    Zwar gehörte die alte Hansestadt von 1454 bis 1793 formell zu Polen, stand unter dessen Schutzherschaft und genoß weitgehende Autonomierechte.


    Die Bürger Danzigs waren allerdings in all dieser Zeit in großer Mehrheit ethno-kulturell Deutsche.


    Es gibt auf Wikipedia eine Liste der Bürgermeister Danzigs von 1342 bis heute. Von 1342 bis 1945 trugen sämtliche Bürgermeister deutsche Namen. (Liste auf: deutsch, englisch, polnisch)



    List of mayors of Danzig


    Teutonic Order (1342 - 1454) [Anm.: Bürgermeister der Rechtstadt]

    • 1342–1347 – Dettloff von der Osten
    • 1342–1354 – Henrich Burmeister der Ältere
    • 1346–1355 – Steffen von der Osten
    • 1354–1374 – Hillebrand Müntzer
    • 1356–1360 – Johan von Stein
    • 1359–1372 – Johann Wallrabe der Ältere
    • 1361–1362 – Casper Bock
    • ...

    Kingdom of Poland (1454 - 1569):

    • 1454–1461 – Wilhelm Jordan
    • 1457–1461 – Jacob Falcke
    • 1461–1475 – Johann von Scheren
    • 1462–1478 – Johann von Walde
    • 1462–1478 – Johann Veere
    • 1470–1483 – Philipp Bischoff
    • 1477–1483 – Johann Angermünde
    • 1479–1501 – Johann Ferber
    • ...

    Polish–Lithuanian Commonwealth (1569 - 1793):

    • 1548–1577 – Johann Brandes
    • 1555–1588 – Constantin Feber
    • 1557–1578 – Johann Proite
    • 1558–1576 – Georg Kleefeld
    • 1577–1585 – Reinhold Möllner
    • 1578–1592 – Georg Rosenberg
    • 1581–1619 – Johann von der Linde
    • 1586–1602 – Daniel Zierenberg
    • ...
    • 1793 – Eduard Friedrich von Conradi


    Ausschnitt aus "Die Verteilung der Sprachen in Mittel-, Ost- und Südeuropa um 1910" :

    putzger_s.99-ausschnitt2.jpg?w=937

    (Quelle: Putzger „Historischer Weltatlas“, Cornelsen 1990, S.99)

  • Zwar gehörte die alte Hansestadt von 1454 bis 1793 formell zu Polen, stand unter dessen Schutzherschaft und genoß weitgehende Autonomierechte.

    Das wäre eine Aufgabe für einen Juristen, den damaligen Status Danzigs genau zu bestimmen - das Preußen königlichen Anteils unterstellte sich ja dem polnischen König direkt, und zwar vor der Gründung der Realunion von Lublin, als es jedoch schon eine Personalunion zwischen Litauen und Polen mit den litauischen Jagiellonen an der Spitze gab.


    Eine Übersicht über die Entwicklung dieser Union bietet die (sicherlich mit Vorsicht zu lesende) Wikipedia


    Danzig wiederum wurde im Rahmen des Großen Privilegs weitgehende Autonomie gewährt und konnte diese Eigenständigkeit - im Gegensatz zur restlichen Region - auch zu Zeiten der Realunion und teilweise mit kriegerischen Mitteln verteidigen.


    Vermutlich gehörte Danzig daher damals nicht zu Polen, sondern war eher so eine Art von direktem Kronbesitz der polnischen Krone, vielleicht vergleichbar mit den Kanalinseln oder der Isle of Man? Oder kann man diese heutigen Kriterien gar nicht anlegen, weil sich damals über solch einen theoretischen Überbau niemand Gedanken machte?

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • silesien: Ja, das ist alles sehr kompliziert, aber auch weil monarchisch-dynastische Verhältnisse eben mit den heutigen kaum vergleichbar sind (ich halte auch die Kanalinseln für am ehsten vergleichbar, in heutiger Zeit). Ich meine, Polen hatte ja auch mal August den Starken als König, aber deswegen hörte es ja auch nicht auf, Polen zu sein. Die "polnische Zeit" Preußens müßte man auch mal genauer anschauen. Und dann gab es doch noch das schwedische Intermezzo, jedenfalls in Pommern, war zu der Zeit Danzig etwa auch "schwedisch"?

  • Die "polnische Zeit" Preußens müßte man auch mal genauer anschauen.

    Das Preußen von damals war ja nicht das Preußen, an das wir heute denken - also Brandenburg-Preußen mit Berlin usw., es bezeichnete eher einen Teil des Deutschordensstaats, das Ordensland Preußen.


    Sehr verkürzt und vereinfacht spaltete sich davon der Westen ab und unterstellte sich freiwillig der polnischen Krone als eigenständiger Staat (wurde aber effektiv immer stärker von Polen kontrolliert, Danzig konnte sich dem aber widersetzen), während der Osten weiterhin zum Deutschen Orden gehörte, dessen Reste nach diversen Niederlagen jedoch zu einem polnischen Lehen wurden.


    Einzige Ausnahme war das Ermland, das zwar im Osten lag, mit einem Fürstbischof an der Spitze aber auch zum Königlichen Preußen gehörte (ging ab 1655 dann aber an Ostpreußen, über den schwedischen König).


    Der letzte Hochmeister, Albrecht, wandelte dann das Ordensgebiet in ein Herzogtum um, was von Polen genehmigt wurde - dabei spielte sicherlich auch die Tatsache eine Rolle, daß Albrecht über seine Mutter der Neffe des polnischen Königs war.

    Auch die politische Macht von König Sigismund erreichte ihren Höhepunkt, markiert durch die "Krakauer Huldigung" 1525, ein Markstein der polnischen Geschichte, den ein weiteres Mal Jan Matejko später bildlich umsetzte: Der König nahm die Huldigung durch den letzten Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Hohenzollern, entgegen, der auch sein Neffe war. Sie bedeutete faktisch die Kapitulation der Ordensritter, nachdem sie bei ihren Versuchen, mit militärischen Mitteln ihre alte Machtposition wieder herzustellen, gescheitert waren. Der polnische König stimmte der Umwandlung von Teilen des Ordensstaates in ein weltliches Herzogtum zu. Zusammen mit den Ländereien des preußischen Bundes entstand später daraus Preußen. Bei den Feierlichkeiten in Krakau aber dachte niemand an künftige Gegnerschaft, im Gegenteil: Polnische Adlige und Ordensritter feierten gemeinsam erst einen Dankgottesdienst auf dem Wawel und anschließend ein großes Fest.

    Es gab also das Köngliche Preußen im Westen, das die Keimzelle von Westpreußen bildete (sehr vereinfacht), das Herzogliche Preußen im Osten, das spätere Ostpreußen inkl. Ermland.


    Als Ostpreußen das polnische Lehen abschütteln konnte, im Separatfrieden des Vertrags von Wehlau, war der Weg frei für das spätere preußische Königtum (König in Preußen, nicht von ...).


    Ich meine, Polen hatte ja auch mal August den Starken als König, aber deswegen hörte es ja auch nicht auf, Polen zu sein.

    Das ist richtig, in Anbetracht der erlöschenden Dynastie der Jagiellonen wurde die Union von Lublin 1569 gegründet, und die zuvor über die Person des Königs in Personalunion verbundenen Länder Polen, Litauen (das den König stellte) und Königliches Preußen wurden in eine Realunion umgewandelt.


    Dadurch entstand die Adelsrepublik Polen-Litauen, in dem der sehr verbreitete Adel (mind. 10 Prozent der Bevölkerung) den König wählte, bevorzugt einen König aus dem Ausland, der sich möglichst wenig einmischte. August erlangte die Königswürde durch massive Bestechungszahlungen und viele Tricks, daraus entstand dann die Personalunion Sachsen-Polen, wobei August in Polen nicht wirklich viel zu melden hatte.


    Und dann gab es doch noch das schwedische Intermezzo, jedenfalls in Pommern, war zu der Zeit Danzig etwa auch "schwedisch"?

    Danzig gehörte aber nie zu Schweden, dank der Festung konnten die schwedischen Angriffe abgewehrt werden. Ebenso wie die Angriffe der Truppen der Realunion Polen-Litauen, allerdings mußte Danzig dafür ein hohes Lösegeld zahlen, erhielt jedoch den Status quo in Form der Autonomie bei.


    OT Der Danziger Stadtbaumeister Hans Kramer starb 1577 bei der Verteidigung Danzigs gegen den damaligen gewählten polnischen König Stephan Bathory, der gebürtig aus Ungarn kam.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Genau diese gänzlich verschwiegenen Geschichten sind auch der Grund dafür, dass ich mit den heutigen “polnischen Westgebieten” und Ostpreußen nicht viel anfangen kann (ich erfuhr selbst erst 2013, dass ein Drittel des heutigen Polens bis 1945 rein Deutsch besiedelt war ...).


    Ich danke "silesien" für den Aufwand und die interessanten Fotostrecken samt hilf- und aufschlussreichen Erläuterungen, die er hier über Danzig veröffentlicht. Das ist alles schon sehr interessant.


    Allein, wie man an diesen Bildern unzweifelhaft erkennen kann, wurde auch diese Stadt von den Polen ohne jegliche Gewissensbisse (ohne Scham) vereinnahmt und, betreffend Geschichtsschreibung und städtebaulichen Erscheinungsbild, nach Kräften polonisiert.


    Daher schliesse ich mich obigen Zitat des Niederländers an: mit den laut polnischer Geschichtsschreibung "wiedergewonnnenen Gebieten" (schon allein diese Begrifflichkeit!) kann ich nicht viel anfangen.


    Das nur fürs Protokoll, ansonsten wie gesagt mein Dank an silesien für seine informativen Beiträge in diesem Zusammenhang.

  • Allein, wie man an diesen Bildern unzweifelhaft erkennen kann, wurde auch diese Stadt von den Polen ohne jegliche Gewissensbisse (ohne Scham) vereinnahmt und, betreffend Geschichtsschreibung und städtebaulichen Erscheinungsbild, nach Kräften polonisiert.

    In Bezug auf die Geschichtsschreibung auf jeden Fall, hinsichtlich der Architektur eigentlich nicht so sehr - man stellte natürlich keine Bauten der "preußischen Zeit" her und riß diese teilweise trotz relativ guten Zustands ab, ansonsten war das angebliche "Goldenen Zeitalter" der Maßstab - daß praktisch alle Bauten von niederländischen/flämischen oder deutschen Architekten stammten und der Gesamteindruck eher wie in einer niederländischen Stadt ist, war da eigentlich egal.


    Was hätte man auch großartig selbst als "typisch polnisch" neu entwerfen können? Schließlich erinnern ja viele Ecken von Warschau oder Krakau eher an Italien als an Osteuropa.


    Wie schon mal erwähnt, gab es ja ab 1918 in Polen zwei große Richtungen, die "Jagiellonen" wie Pilsudski mit einem ausgeprägten Drang nach Osten (vgl. auch den Krieg gegen die Sowjetunion oder Föderationspläne) und die "Piasten" mit dem Drang nach Westen, das wird sehr schön in Die fremde Stadt ausgeführt.


    Zu Pilsudski kann man eine sehr ausführliche Doktorarbeit vom Herder-Institut herunterladen (Der Piłsudski-Kult und seine Bedeutung für den polnischen Staat 1926-1939), entsprechend geht es in seiner Lobpreisung auch um den Osten:

    Zitat

    Józef Piłsudski – das ist der Wille zum Leben und zum Sieg an der Schwelle zum unabhängigen Vaterland, der seinen Ausdruck fand in der unvergeßlichen Verteidigung von Lemberg und Wilna

    Bei Danzig war die Eingliederung also architektonisch kein Problem, eher schon bei Breslau, wo man schon künstlich irgendwie endlos weit in der Geschichte zurückgehen mußte (in eine Zeit, als es eigentlich noch gar kein richtiges Polen gab und die Piasten in Schlesien zudem untereinander verfeindet waren) und natürlich völlig ausblendete, daß Schlesien eigentlich über Böhmen zu Österreich kam (wobei sich z. B. Kasimir II. sogar freiwillig dem böhmischen König unterstellte) und somit eine sehr große Kontinuität bestand, die Piastenzeit zudem nur kurz war (eigene Sichtweise: es war immer polnisch, aber dann kamen die Preußen ...).


    Somit mußte man beim Wiederaufbau in Breslau auch größere Verrenkungen anstellen, um irgendwie eine "Kontinuität" oder "Glaubwürdigkeit" einer polnischen Stadt zum Ausdruck zu bringen (in Die fremde Stadt schön ausgeführt und beschrieben als "die Sakralisierung der Gotik"), dieses Motiv gab es in Danzig aber nicht.


    Einiges wurde schöner und prächtiger aufgebaut, aber nicht aus historischen Gründen verfälscht (sondern einfach nach eigenem Empfinden verschönert). Für den Rest waren wohl einfach keine Ressourcen mehr vorhanden, aber die kleinen Giebelhäuschen sind vom Typ ja Danziger Originale und haben keinen Bezug zu Polen.


    Interessanterweise war ja Danzig im großen Maßstab schon in den 30er Jahren zur Zeit der Danziger NS-Regierung wieder historisiert worden, nachdem zuvor das historische Erbe kaum geschätzt wurde, wichtige Gebäude verfielen (Englisches Haus, Ferberhaus, das Schlieffhaus wurde sogar abgetragen, die Fassade verkauft - und durch Polen rekonstruiert, deshalb gibt es dieses Gebäude heute praktisch doppelt), Fassaden wurden komplett umgebaut, Gebäude zusammengelegt oder mit riesigen Werbeaufschriften verunstaltet, es gab in den 20er-Jahren sogar einen Plan für umfangreiche Abrisse am westlichen Ende der Langen Gasse zugunsten moderner Architektur mit Flachdächern ...


    Aber vielleicht ist dieses Empfinden als "polnische Stadt" architektonisch durchaus von Vorteil für Danzig gewesen, denn mit Stettin konnte man beispielsweise überhaupt nichts anfangen und investierte daher auch nicht in den Aufbau der Innenstadt, sondern in die Neuausrichtung Stettins nach Osten hin, mit gigantischen Verkehrsbauwerken, in Danzig flossen die Ressourcen zuerst in die Rechtstadt, ab Anfang der 60er gab es dann andere Prioritäten, Neubauten im "internationalen" modernen Stil, aber auch groß angelegte Schulbau- oder Wohnungsbauprojekt auf der grünen Wiese.


    Ich hänge mal eine interessante wissenschaftliche Arbeit zu Stettin und Danzig an.