Adlershorst bei Zoppot

  • Im folgenden sollen einige Eindrücke aus Adlershorst bei Zoppot vermittelt werden - so zumindest die Bezeichnung auf historischen Postkarten.


    Tatsächlich liegt Adlershorst natürlich weiterhin nördlich von Zoppot, wurde aber 1920 von Deutschland abgetrennt und gemeinsam mit Gdingen dem Polnischen Korridor zugeschlagen, einer schmalen Verbindung Polens mit der Ostsee. Gdingen wurde damals im Eiltempo durch Polen von einem kleinen Dorf zu einer modernen Großstadt mit einem großen Hafen ausgebaut - der Stadt der klassischen polnischen "weißen Moderne", dazu später mehr in einem eigenen Artikel.


    Entsprechend ist heute Adlershorst unter der Bezeichnung Orłowo nicht nur ein Stadtteil von Gdingen (seit 1935), sondern effektiv mit Gdingen zusammengewachsen, auch wenn man an der Küste davon nichts merkt, weil hier ein größerer bewaldeter Höhenzug mit dem bekannten Kliff komplett unbebaut ist und Gdingen und Adlershorst voneinander trennt.


    Zur Entstehungsgeschichte des kleinen Bade- und Kurorts zitiere ich die Wikipedia (Hochredlau ist unmittelbar nördlich von Adlershorst gelegen und gehört auch zu Gdingen):

    Zitat

    Zu Hochredlau gehört das vom Seebad Zoppot aus wegen der schönen Aussicht viel besuchte (Restaurant) Adlershorst. Dieses zu Hochredlau gehörende Mühlengrundstück wurde 1828 von dem Bordschiffer Johann Adler und dessen Ehefrau, eine geborene Klotz, als Strandland von etwa 3 Morgen für 170 Taler dem Müller Bömelt abgekauft und in Erbpacht genommen. Der auch sonst geschäftstüchtige Adler wurde von der Kgl. Regierung zum «Seeschulzen» (Strandvogt) ernannt und richtete um 1840 hier einen kleinen Schankbetrieb für fremde Gäste ein. Der Name Adlershorst, als Etablissement von Fremden beigelegt, wurde 1857 als offizielle amtliche Bezeichnung übernommen.

    Das Gebäude des Adlerhorsts ist nicht erhalten, einen größeren Aufschwung als Badeort nahm Adlershorst dann erst ab 1920 durch polnische Gäste, zuvor stand der Ort ja mit Zoppot in direkter Konkurrenz und konnte da nicht mithalten.


    Zur groben Orientierung: Die Seebrücke von Adlershorst liegt knapp 4 km von der Seebrücke von Zoppot und knapp 10 km von der Westerplatte entfernt.


    Hier eine historische Ansicht des Kliffs, der Hochredlauer Kämpe gleich westlich des Strands:


    adler1.jpg


    adler2.jpg


    Hier ist auch erst einmal der durchgängige und breite Strand zu Ende, der gleich nördlich von Danzig in Brösen beginnt, dahinter ist der Strand deutlich schmaler, ist aber durchgängig zu begehen, bis er schließlich direkt am Hafen von Gdingen endet.


    Durch Adlershorst fließt der Katzbach, auf dem Foto fließt er noch östlich der Seebrücke in die Ostsee, inzwischen wurde die Mündung verlegt:


    adler3.jpg


    Damals war alles sehr naturbelassen, die wenigen Gebäude befanden sich im Westen in Nähe des Kliffs:


    adler4.jpg


    Der Weg links im Bild existiert noch, er wurde in eine kleine Parklandschaft integriert.


    Abschließend noch ein Anblick des Kurhauses von Adlershorst in Hanglage:


    adler5.jpg

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Nun einige aktuelle Eindrücke aus Adlershorst, da der Besuch ziemlich spontan war, habe ich einige der Hauptsehenswürdigkeiten nicht fotografiert, werde ich aber nachtragen.


    Daher einfach einige Eindrücke ... der Ort liegt direkt an der Hauptverkehrsachse zwischen Gdingen und Danzig, entsprechend kann er auch direkt mit der Metro erreicht werden, die hier aber etwas westlich der Straßenverbindung verläuft.


    Direkt am Bahnhof beginnt die Straße "Orłowska", die direkt zum Strand führt. Hier der Abschnitt direkt hinter dem Bahnhof:


    IMG_5077_sil.jpg


    Die Hauptverkehrsachse, die Aleja Zwycięstwa, führt von Gdingen durchgehend mehrspurig nach Danzig, zerschneidet unterwegs Langfuhr und mündet schließlich unmittelbar nördlich des Danziger Hauptbahnhofs in die zentrale Nord-Süd-Verbindung, die in etwa dem früheren Stadtgraben entspricht.


    Entsprechend ist auch der Verkehr für einen so kleinen Ort ziemlich stark:


    IMG_5078_sil.jpg


    Gleich daneben sehr gehobene Wohnbebauung, sicherlich für wohlhabendere Bürger aus Gdingen:


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    Hier kommt schon der Strand langsam näher:


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    Auch im Vorfeld des Strands wieder noble Wohnsiedlungen:


    IMG_5082_sil.jpg


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    Geschafft - wir sind am Strand angekommen, Blick nach Westen auf den angesprochenen Höhenzug und den früheren Ortskern:


    IMG_5084_sil.jpg


    Für das Gebäude des Adlerhorsts muß ich leider auf Wikipedia verweisen: klick


    Das Kliff im Hintergrund:


    IMG_5086_sil.jpg


    Die deutlich vergrößerte Seebrücke:


    IMG_5087_sil.jpg


    Seebrücke mit Kliff:



    Auf der Anhöhe wurde ein Weg oberhalb des Strands angelegt:




    Villen auf dem Weg zurück zum Bahnhof:




    Wieder am Bahnhof angekommen - welchen Sinn diese seltsame Konstruktion wohl haben soll=


    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes