Teil 4 - vom Holzmarkt durch die Altstadt

  • Im folgenden soll im Rahmen eines Rundgangs die heutige Altstadt von Danzig vorgestellt werden, eine früher sehr dicht bebaute und teilweise ärmliche Gegend mit überwiegend kleinen und schlichten Häusern - wie auch die Rechtstadt im Norden nicht mehr so prächtig war wie in ihrem Herzen rund um den Langen Markt.


    Ein Teil der Altstadt wurde im 19. Jahrhundert abgerissen und durch prächtige Gründerzeitbauten ersetzt, in den Jahren von 1933 bis 1939 wurden große Summen in eine breit angelegte "Stadtsanierung" investiert, siehe hierzu auch die Doktorarbeit Stadt als Heimat, hierbei kam es auch in der Altstadt zu Rückbauten von Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert und einer - teilweise übertriebenen - Purifizierung.


    Von der Altstadt ist leider nur noch sehr wenig erhalten: neben den Großbauten entlang der Radaune nur eine einzige Zeile mit Bürgerhäusern sowie einige isoliert stehende Gebäude wie das frühere Garnisonslazarett, das Spendhaus sowie zwei Kirchen am nördlichen Rand. Entsprechend sollen hier auch verstärkt historische Ansichten gezeigt werden, um die heutige Bebauung besser einordnen zu können.


    Den Anfang sollen einige Übersichten machen, zuerst das historische Danzig:


    169870.jpg


    Hier ist die Altstadt das dicht bebaute Areal in in der obersten rechten Ecke, wobei der Altstädtische Graben als Trennlinie zur Rechtstadt nicht mehr ganz im Bild ist, dieser würde etwas oberhalb der Bleihofinsel ganz rechts im Bild die Mottlau erreichen.


    OT: Unten im Vordergrund ist das Milchkannentor zu sehen, dabei ist sofort ersichtlich, daß die heutige - durchaus gelungene - historisierende Bebauung in keinerlei Weise mit dem früheren Bauzustand übereinstimmt (errichtet Ende der 90er Jahre, übrigens auch von Stanislaw Michel).


    Hier nun eine Luftaufnahme der Altstadt von 1929:


    altstadt1929.jpg


    Zur groben Orientierung: Wir sehen rechts unten die Markthalle (hier verläuft die Häkergasse zum gleichnamigen Tor), links daneben befindet sich der Dominikanerplatz, von dem aus in Richtung Mottlau der Altstädtische Graben verläuft (dessen Bebauung mit den stark wechselnden Traufhöhen etwas chaotisch wirkt) und die Mottlau knapp nördlich des charakteristischen Knicks am Alten Fischmarkt erreicht.


    Links unten die beiden bedeutendsten Kirchen, Katharinen- und Brigittenkirche, dahinter eine sehr kleinteilige Gassenstruktur, hinter der das Garnisonslazarett von Schinkel zu sehen ist (ab 1925 als Polnische Post genutzt und somit geschichtlich relevant und erhalten, wenngleich nicht originalgetreu).


    Vermutlich trägt der kleine Platz in der linken Bildmitte, an dem mehrere Gassen zusammenlaufen, die Bezeichnung "Am Stein" - auf vielen alten Stadtplänen ist er unbezeichnet.


    Einen Bericht eines (vertriebenen) Danzigers zur zerstörten Altstadt findet man im Danzig-Forum, hier ein ganz kurzer Auszug zum Zustand im Jahr 1947:

    Zitat

    Der Kassubische Markt und der Faulgraben bestanden ausschließlich aus Ruinen und Trümmern. Auf ganz Pfefferstadt stand kein Wohnhaus, nur ganz einsam, aber wenigstens unzerstört, das Altstädtische Rathaus. Am Ende von Pfefferstadt bekam ich die Reste der Großen Mühle und der St.-Katharinen-Kirche zu sehen. Von der Großen Mühle war nur noch ein Teil der dicken Mauern vorhanden. St. Katharinen war schwer beschädigt, am Turm fehlten die zierliche Spitze und der Glockenstuhl. Weiter ging ich durch die Paradiesgasse. Der Name "Paradies" war nun reinster Hohn. In dieser Gasse stand kein Haus mehr. Genau so war es in der Baumgartschen Gasse. St. Bartholomäi war beschädigt. In Verlängerung der Paradiesgasse zum Hansaplatz zu, in der Kalkgasse, standen gerade noch zwei Häuser.

    Interessanterweise scheint die Häkergasse laut dem weiteren Bericht in weiten Teilen noch existiert zu haben, heute ist dort von Vorkriegsbebauung nichts mehr vorhanden, tatsächlich fehlte dort in weiten Teilen bis vor kurzem noch jegliche Bebauung, bis zur Errichtung des Stadthaus-Quartiers 2012.


    Die heutige Altstadt kann grob in drei Teile gegliedert werden - im Süden entlang des Altstädtischen Grabens steht meist schlichte angepaßte Architektur, der man deutlich die Entstehungszeit in den 50er Jahren anmerkt, im Gegensatz zur Rechtstadt wird nicht versucht, frühere Bauepochen nachzuahmen.


    Nördlich davon befindet sich dann das "Band der Rekonstruktionen", das direkt am früheren Stadtgraben (sprich: Hauptbahnhof) beginnt und sich entlang der Radaune bis zur Brigittenkirche zieht (grob geschätzt: knapp die Hälfte der früheren Ost-West-Ausdehnung), weiter östlich stehen dann noch die erwähnten Bauten der polnischen Post und des Spendhauses.


    Wiederum nördlich davon liegt der bei weitem größte Teil der heutigen "Altstadt" - dieser wurde zu Zeiten der Volksrepublik Polen nur sehr spärlich und mit konsequent modernen Architektur bebaut, darunter das Haus der Technik und die Hochhäuser des Miastoprojekts, entlang einiger früherer Straßen entstanden ziemlich anspruchslose Wohnzeilen.


    Einen guten Eindruck vermittelt diese alte Postkarte:


    altstadtnord.jpg


    Inzwischen wurde auf den freien Flächen nachverdichtet, mit moderner, aber zumindest bei Fassadengestaltung halbwegs angepaßter Architektur (Farbe, teilweise Backsteinoptik) - das Einkaufszentrum City Forum von 1998 wurde ja schon in Teil 1 der Rundgänge gezeigt.


    Das Haus südlich der weitläufigen Parkplätze ist übrigens das Haus der Technik von 1974 (Technische Lehranstalt) und stammt vom selben Architekten (Prof. Szczepan Baum) wie das vier Jahre später entstandene Orbis-Hotelhochhaus gleich daneben (von ihm stammt auch ein Teil der postmodernen Mottlau-Zeile nördlich des Krantors (Hotel Hanza 1997) und vergleichbare Bauten in Elbing, siehe hier).


    Am Ende der Einführung nochmals der Blick auf die heutige Altstadt von der Marienkirche aus, Stand August 2020:


    IMG_5240_sil.jpg


    Hinter der Nikolauskirche ist direkt der Altstädtische Graben zu sehen, gleich dahinter dann Katharinen- und Brigittenkirche.


    Hier der westlichste Teil der heutigen Altstadt, davor der heutige "Holzmarkt" als direkte Verlängerung des Grabens, in Anführungszeichen, da beide Plätze nur noch den Namen gemeinsam haben.


    IMG_5239_sil.jpg


    Am Holzmarkt soll auch der kommende Rundgang beginnen.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Wir beginnen unseren Rundgang nun auf dem Holzmarkt, der früher ein annähernd dreieckiger, ziemlich kleiner Platz war:





    In der Mitte befand sich das Kriegerdenkmal, das 1965 durch ein Denkmal des polnischen Königs Jan Sobieski ersetzt wurde - dieses stand ursprünglich in Lemberg und wurde im Rahmen der erzwungenen Umsiedlung der polnischen Bevölkerung nach Polen gebracht, wo es zunächst in Warschau stand.


    Hier eine frühere Ansicht des Nachkriegszustands, im Hintergrund das Pressehaus von 1950 und ein 1953 fertiggestelltes Stadthaus:



    Die Gassenstruktur rechts und links dieser Bebauung stimmt in etwa mit dem Vorkriegszustand überein, hier führten Töpfer- und Schmiedegasse in die Altstadt. Im großen und ganzen entspricht dieser Bereich des heutigen Holzmarkts den Abmessungen des früheren Platzes und wird auch durch die Verkehrsführung entsprechend gekennzeichnet.


    Dahinter erstreckt sich anstelle der - völlig zerstörten und abgetragenen Bebauung - heute eine große leere Fläche bis zum Turm Kiek in die Kök kurz vor der Markthalle (!)


    Frühere Ansicht, noch ohne die heutigen Bäume, links die Bebauung entlang des extrem verbreiterten und südseitig nur sporadisch bebauten Altstädtischen Grabens:



    Die Grünflächen waren früher dicht bebaut:



    Heute mildern Bäume und eine geschickte parkähnliche Gliederung den Eindruck der Leere, hier eine Aufnahme nach 1967 (das Theater der Küste steht schon):



    Skurriles Detail - das Gebäude links neben dem Theater der Küste, das sich hier noch im typischen Nachkriegsstil präsentiert, wurde inzwischen optisch mit vorgeblendeten Fassaden den Giebelhäusern angepaßt:



    Damit sind wir auch schon bei den heutigen Fotos angelangt - Impressionen vom heutigen Holzmarkt, zunächst der Blick auf die Katharinenkirche:



    Hier kommt die Weitläufigkeit des Areals zum Ausdruck, Blick nach Süden zum Theater der Küste:



    Aus der Nähe:



    Ansicht des Pressehauses:


    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Nochmals das Denkmal von Jan Sobieski:


    IMG_4743_sil.jpg


    IMG_4742_sil.jpg


    Heute beginnt die Bebauung in Richtung Osten erst an der früheren Laternengasse, die Reste der Stadtmauer sind auch auf Vorkriegsstadtplänen eingezeichnet, der heutige Zustand ist aber sicherlich nicht historisch, da nicht einmal mit der obigen Nachkriegsaufnahme übereinstimmt:


    IMG_4740_sil.jpg


    IMG_4741_sil.jpg


    Von hier aus aber nun in Richtung Altstadt, wir kommen daher nochmals am Pressehaus vorbei:


    IMG_4746_sil.jpg


    Hier geht es dann die frühere Schmiedegasse nach Norden, es dominiert angepaßte Nachkriegsarchitektur:


    IMG_4745_sil.jpg


    Blick nach Osten zum heutigen Altstädtischen Graben:


    IMG_4747_sil.jpg


    Blick in den Innenhof des Pressehauses, früher befand sich hier die zugehörige Druckerei:


    IMG_4748_sil.jpg


    Wenige Meter weiter nördlich kommt schon das Altstädtische Rathaus ins Bild, das direkt an der Radaune liegt - wir haben bereits den Rekonstruktionsbereich erreicht.


    IMG_4749_sil.jpg


    Das Rathaus stammt aus dem Jahr 1595 von Anton van Obberghen, einem flämischen Architekten, der auch das Große Zeughaus entwarf - es hat als eines von wenigen Gebäuden den Krieg überstanden, die Inneneinrichtung ging schon vor dem Ersten Weltkrieg aufgrund eines Umbaus im Inneren verloren.


    Dahinter verlief die Straße Pfefferstadt, die im 19. Jahrhundert mit prächtigen Gebäuden bebaut wurde - diese sind komplett verschwunden, nördlich des Rathauses befinden sich heute zunächst einmal dieselben angepaßten Nachkriegsgebäude wie südlich davon, danach kommt der große lange Riegel des bereits 1948 errichteten Scandic-Hotels und entsprechend anspruchslose Nachkriegsbauten.


    Hier ein Eindruck der Vorkriegsbebauung:


    pfefferstadt2.jpg


    pfefferstadt.jpg


    Anstatt gleich weiter nach Norden zu gehen, sollen erst einmal die Rekonstruktionen entlang der Radaune näher betrachtet werden.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Daher nun weiter nach Westen, wo eines der wenigen unzerstörten Gebäude zu sehen ist, das Haus der Pelpliner Äbte von 1612, ein Bau von Abraham van den Blocke, einem gebürtigen Königsberger Architekten flämischer Abstammung und Erbauer des Langgasser Tors.



    Das Gebäude diente bis 1823 als Unterkunft für Äbte des Klosters Pelplin, das im gleichen Jahr aufgehoben wurde.


    Hier eine Nachkriegsaufnahme, die oben zu sehende Erweiterung nach Norden ist späteren Datums, entsprechend ist die 1970 rekonstruierte Josefskirche zu sehen:



    Weniger Meter weiter westlich sind wir schon wieder am früheren Stadtgraben direkt neben dem schon in Teil 1 vorgestellten früheren Haus der Feuerversicherung:



    Um das Haus herum geht es nun wieder nach Osten, die erste rekonstruierte Kirche der Altstadt ist zu sehen - die Elisabethkirche von 1394, die bereits 1949 wieder aufgebaut wurde:



    Die Kirche diente bis zu ihrer Zerstörung 1945 rund 100 Jahre lang als Garnisonkirche und lag direkt am Stadtwall.


    Gleichzeitig ist die Kirche ein gutes Beispiel dafür, wie stark selbst Leitbauten neu gestaltet wurden, man vergleiche den heutigen Turm mit dem viel längeren originalen Turm:



    Die Bebauung im Vordergrund existiert ebenfalls nicht mehr, der früheren Stadtgraben wurde deutlich verbreitert, so daß die Kirche heute die Randbebauung der Altstadt nach Westen hin bildet.


    Bei dem Gebäude direkt daneben müßte es sich meiner Meinung nach um die ab 1956 aufgebauten zugehörigen Spitalgebäude handeln:



    Das Spitalgebäude von hinten:



    Und hier gemeinsam mit der Elisabethkirche (zur Orientierung: rechts ist schon der Turm des Hauptbahnhofs zu sehen):



    Drehen wir uns nun nach Osten, so ist die Josephskirche zu sehen:



    Die Kirche wurde bis 1840 von den Karmelitern genutzt, die die Kirche auch bis Ende des 15. Jahrhunderts errichteten, entsprechend ist die Kirche auf älteren Stadtplänen auch als "Weißmönchen-Kirche" eingezeichnet.


    Ursprünglich geplant war eine wesentlich größere Kirche, daher steht das ursprünglich geplante Kirchenportal auch heute noch deutlich vor der eigentlichen Kirche:



    Die Kirche wurde später barock umgestaltet und 1945 mitsamt darin eingesperrten Zivilisten von der Roten Armee in Brand gesetzt, was seit dem Jahr 2000 auch auf einer Gedenktafel erwähnt wird. Der Aufbau wurde - hier weichen die Quellen voneinander ab - vermutlich 1970 abgeschlossen, auch wiederaufgebaut wurde das Kloster gleich daneben:



    Das Gebäude, von dem ganz links ein kleiner Teil zu sehen ist, ist übrigens bereits das 1998 errichtete Einkaufszentrum, das Kloster ist der nördlichste Punkt des "Rekonstruktionsbands".

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Zitat

    Die Kirche wurde später barock umgestaltet und 1945 mitsamt darin eingesperrten Zivilisten von der Roten Armee in Brand gesetzt, was seit dem Jahr 2000 auch auf einer Gedenktafel erwähnt wird.

    Ganz, ganz schrecklich... Wieder so ein russischer “Heldentat”, von dem heute keiner mehr was weiß. Genau diese gänzlich verschwiegenen Geschichten sind auch der Grund dafür, dass ich mit den heutigen “polnischen Westgebieten” und Ostpreußen nicht viel anfangen kann (ich erfuhr selbst erst 2013, dass ein Drittel des heutigen Polens bis 1945 rein Deutsch besiedelt war - sowieso wusste ich fast nichts von den doch recht zahlreichen alliierten Verbrechen, ganz im Gegensatz zur deutschen Besatzung (West-)Europas).

  • Wir passieren die Josephskirche, hier der Blick auf die rückseitige Fassade:



    Gleich dahinter sehen wir wieder das altstädtische Rathaus von hinten, das inzwischen ziemlich isoliert steht:



    Dahinter wieder die einheitliche mittelmäßige Bebauung, die schon südlich davon vorhanden ist:



    Seit der Errichtung nach dem Krieg hat sich an der Bebauung nicht viel geändert:



    Vormalige Bebauung:



    Die heutige Bebauung bildet aber nur den Rahmen für die eigentlichen Höhepunkte der Altstadt, nämlich die "Mühlen" und Kirchen, die heute in eine Art von Parklandschaft eingebettet sind - früher war das Areal indes dicht bebaut:



    Rechts Mühlenwerkerhaus und Große Mühle, links dahinter eine Fachwerkzeile:



    Das Mühlenwerkerhaus stammt ursprünglich von Ende des 17. Jahrhunderts und wird gastronomisch genutzt:



    Wie hier zu sehen ist, handelt es sich um eine Totalrekonstruktion, die Große Mühle ist im Hintergrund:



    So sah das Ensemble im Original aus:



    Die Mühle wird gerade saniert und ist daher nicht zugänglich:




    Die früheren Anbauten fehlen heute:



    Früheres Erscheinungsbild, die Fortbildungsschule stand nördlich der Mühle an der Kleinen Mühlengasse, dort gibt es heute eine breite Durchgangsstraße bis zum Hansaplatz:


    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Hier die Durchgangsstraße, das grüne Hochhaus am Hansaplatz ist von hier aus zu sehen:


    IMG_4767_sil.jpg


    Und dieselbe Perspektive von etwas weiter südlich, rechts ist schon die Katharinenkirche zu erahnen:


    IMG_4777_sil.jpg


    Blick nach Osten zum Haus der Technik und Orbis-Hochhaus, die oben schon erwähnt wurden:


    IMG_4766_sil.jpg


    Etwas östlich der schon zu Zeiten des Deutschen Ordens erbauten Großen Mühle, die bis 1945 in Betrieb war (allerdings dann mit Dampf betrieben statt mit Mühlrädern) liegt die sogenannte Kleine Mühle, eine Totalrekonstruktion von 1964:


    IMG_4768_sil.jpg


    Dabei handelt es sich tatsächlich um ein Speicherhaus (und keine Mühle) direkt über den Radaune-Kanal, das um das Jahr 1400 herum entstand, also rund 50 Jahre nach der Großen Mühle.


    Blick auf die Katharinenkirche, Standort etwas südlich des südlichen Radaunekanals (die Radaune wird ja, wie auch oben zu sehen, an der Mühle in zwei Arme aufgeteilt):


    IMG_4775_sil.jpg


    Hier etwas weiter südlich auf der schon oben angesprochenen Kleinen Mühlengasse eine historische Aufnahme:


    katharinenkirche.jpg


    Und dieselbe Ansicht nochmals, nach der "Stadtsanierung" der 30er Jahre mit den Rückbauten gründerzeitlicher Fassaden:


    katharinenkirche30er.jpg


    Und so sieht es heute aus, das Eckhaus steht schon am Dominikanerplatz und ist als eines der wenigen Gebäude erhalten:


    IMG_4801_sil.jpg


    Und stellt somit eine absolute Ausnahme am Altstädtischen Graben dar:


    IMG_4802_sil.jpg

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • An dieser Stelle noch einige Worte zur Katharinenkirche - sie ist die größte und bedeutendste Kirche der Altstadt und stammt aus dem 13. Jahrhundert, der Kirchturm wurde jedoch erst Ende des 17. Jahrhunderts fertiggestellt und brannte gleich dreimal ab, nach 1945 zuletzt 2006 (entsprechend ist die Kirche auf Nachkriegsfotos oft ohne Turmhaube zu sehen).


    Unmittelbar östlich der Katharinenkirche liegt die Brigittenkirche, die zu Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut wurde, daneben befand sich bie Ende des 16. Jahrhunderts ein Kloster. Auch diese Kirche wurde zerstört und Anfang der 70er Jahre wieder aufgebaut, das Umfeld besteht leider nur aus einem großen Parkplatz:


    IMG_4778_sil.jpg


    Der Turm ist nach Südosten ausgerichtet, also entgegengesetzt zum Turm der Katharinenkirche:


    IMG_4779_sil.jpg


    Die große freie Fläche, die als Parkplatz genutzt wird, zeigt an, daß wir am Ende des Rekonstruktionsgebiets angelangt sind:


    IMG_4780_sil.jpg


    Lediglich am nördlichen Arm des Radaunekanals gibt es noch letzte Fachwerkhäuser - das Orbis-Hochhaus stellt einen starken Kontrast dar:


    IMG_4782_sil.jpg


    Verlauf der Radaune weiter nach Osten:


    IMG_4783_sil.jpg


    An schmucklosen Wohnbauten geht es weiter nach Norden auf dem früheren Schüsseldamm:


    IMG_4784_sil.jpg


    Ungefähr auf Höhe des Orbis-Hochhauses kommen dann nochmals zwei Kirchen, einmal die Bartholomäuskirche und die Jakobskirche.


    Hier der Blick auf die Bartholomäuskirche unmittelbar hinter dem Hochhaus, daneben noch letzte Altstadtreste:


    IMG_4785_sil.jpg


    Ansicht der Rückseite, die Kirche wurde ursprünglich Ende des 15. Jahrhunderts erbaut und bereits 1815 durch eine Explosion des Pulverturms zerstört, nach nochmaliger Zerstörung 1945 dient sie seit 1997 der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine:


    IMG_4786_sil.jpg


    Und die Ansicht der Vorderseite mit dem Turm:


    IMG_4789_sil.jpg


    Die Kirche liegt direkt am früheren Faulgraben, der nach Westen in den Kassubischen Markt überging, hier befindet sich noch ein kleiner historischer Anbau:


    IMG_4792_sil.jpg


    Die Statue zeigt Wladimir den Großen, laut Wikipedia "der bedeutendste Fürst der Kiewer Rus, der unter anderem die Christianisierung der Rus initiierte", hier wird der Bezug zur Ukraine sichtbar.


    IMG_4791_sil.jpg


    Im weiteren Verlauf in Richtung Kassubischer Markt gibt es dann betont moderne und großstädtische Bebauung:


    IMG_4794_sil.jpg


    IMG_4795_sil.jpg


    Vergleich zu früher - mit solch kleinen Häusern war der Faulgraben früher bebaut:


    altstadtgnilna.jpg

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Indes fehlt noch die deutlich kleinere Jakobskirche aus dem frühen 15. Jahrhundert, die ebenfalls 1815 durch die Explosion des Pulverturms beschädigt und ab 1817 als Marine-Navigationsschule genutzt und ab 1904 rückgebaut wurde.


    Erst seit 1947 wurde die Kirche wieder als solche aufgebaut und genutzt, sie befindet sich etwas östlich der Bartholomäuskirche:




    Weitere Informationen zur Kirche im Danzig-Forum - das Areal nördlich der Kirche wurde ganz zu Anfang in Teil 1 gezeigt, (Stichwort frühere Oberrealschule).


    Wir haben jetzt im Prinzip die Altstadt fast vollständig gesehen (abgesehen von den Einkaufszentren und sonstigen Neubauten), daher geht es wieder zurück auf der heutigen Rajska und früheren Paradiesgasse - die allerdings deutlich schmaler war und an der oben gezeigten Fortbildungsschule endete.


    Hier der Blick über die Rajska nach Norden, Standort schon wieder auf halbem Weg zur Radaune zurück:



    Wieder sind wir am Haus der Technik angelangt, das bereits ganz oben gezeigt und kurz angesprochen wurde:



    Inzwischen ist es allerdings umbaut:



    Geschafft - wir haben das "Band der Rekonstruktionen" wieder erreicht, auf der linken Seite ist die Kleine Mühle zu sehen:



    Und abschließend noch von vorn:



    Etwas habe ich aber noch angekündigt, bislang aber nicht gezeigt - die letzten verbliebenen originalen Häuser der Altstadt. Diese liegen direkt südlich der großen Mühle an der Halbengasse:



    Leider ist der Erhaltungszustand nicht besonders gut, es gibt jede Menge Schmierereien und einen ziemlich vergammelten Innenhof:



    Daher gleich wieder nach Süden zurück auf den Holzmarkt, die Häuserzeile wurde ja schon zuvor zu Vergleichszwecken gezeigt, Blick zurück auf die Altstadt:


    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes