Teil 2 - vom Altstädtischen Graben über die südliche Vorstadt zur Niederstadt und wieder zurück

  • Der folgende Rundgang soll einige Eindrücke aus einem Gebiet vermitteln, das wohl fast nie von Touristen besucht wird - nämlich der südlichen Vorstadt und den allerletzten Resten der Niederstadt.


    Beide Areale lagen außerhalb des Rekonstruktionsgebiets, entsprechend gibt es dort mit Ausnahme weniger wiederhergestellter bedeutender Bauten (Kirchen) und einiger historischer Überbleibsel überwiegend Neubauten oder Brachen.


    Auch hier darf natürlich eine Übersicht nicht fehlen:


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    Und ein Stadtplan von 1939:


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    Ausgangspunkt ist der schon gezeigte Altstädtische Graben bzw. dessen heutiges nördliches Ende, heute deutlich in Richtung der früheren Landesversicherungsanstalt verschoben:


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    Darunter führt eine "wilde" Unterführung in die Vorstadt:


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    Wir kommen am früheren Wiebenwall heraus, die gründerzeitlichen Verwaltungsgebäude sind hier erhalten und grenzen die Vorstadt nach Westen hin ab.


    Hier eine historische Ansicht von 1983, die diversen Anbauten existieren leider heute noch:



    Das erste Gebäude ist die genannte frühere Landesversicherungsanstalt, heute mit einer Reihe von unpassenden Anbauten ziemlich verunstaltet und von der Polizei genutzt:


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    Blick auf die südliche Fassade der Versicherungsanstalt:


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    Hier folgt nun eine größere Brachfläche, dahinter die Hauptsehenswürdigkeit, das frühere Franziskanerkloster mit der Kirche St. Trinitatis, die ganz zum Schluß gezeigt wird - in der Kirchgasse sind noch einige wenige Gebäude erhalten.


    Rechts ist ein Teil des Klosters zu sehen (früher als Gymnasium genutzt, heute als Museum):


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    Blick nach Norden, links ist das Forum Gdansk zu erkennen:


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    Das riesige Gebäude, das sich im Süden anschließt, ist die frühere Wiebenkaserne, heute wird es von der Verwaltung der Woiwodschaft Pommern genutzt, das Umfeld wird gerade erneuert:


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    Blick in Richtung Bischofsberg:


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    Die Haltestelle Petershagen, die auf dem obigen Stadtplan eingezeichnet ist, gibt es in neuer Form als Metro-Haltestelle Danzig-Zentrum, zu sehen sind aber nur die Oberleitungen ...

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • An dieser Stelle endet die Bebauung, daher biegen wir hinter der Kaserne nach Osten ab, wo der frühere Pulverturm der weißen Bastion aus dem 16. Jahrhundert zu sehen ist:


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    Rechts daneben das frühere Wohlfahrtsamt, heute als Informationsstelle für EU-Programme genutzt:


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    Leider habe ich es versäumt, das kleine Zeughaus als Hauptattraktion am südlichen Ende der Vorstadt zu fotografieren, daher ein Link zu Fotos im Danzig-Forum.


    Zwischen früherem Wohlfahrtsamt und Leegetor besteht eine offensichtlich teilweise noch bewohnte Ruinenlandschaft, die ich kommentarlos hier abbilde:


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    Gleich danach haben wir dann das Bassin der Alten Mottlau erreicht, frühere Bezeichnung der Straße Am Trumpfturm:


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    Gleich neben dem Bassin befand sich ja der frühere Güterbahnhof Leegetor, die letzten Reste wurden inzwischen abgetragen und die großflächigen "Überschwemmflächen", die sich gebildet hatte, inzwischen verfüllt, dazu später ein Foto.


    Hier gibt es starke Kontraste, einerseits weiterhin Brachen und Ruinen:


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    Andererseits touristische Erschließung, Punkthochhäuser als kommunistischen Zeiten und auch immer mehr gelungene und angepasste Neubauten - nur das (stehende) Wasser der Mottlau ist hier genauso wie am früheren Festungsgraben restlos veralgt:


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    John Maynard Keynes

  • Von hier aus geht es nun weiter nach Süden an einer (früheren?) Schule vorbei:



    Dort ist dann das Leegetor von 1626 zu sehen, das auch dem früheren benachbarten Güterbahnhof den Namen gab:




    Dahinter kommen dann die verbliebenen Bastionen und der Wassergraben ins Bild, hier die Bastion Gertrud:



    Impressionen aus der Umgebung:




    Blick zurück zur Innenstadt, links ist der Turm des Rechtstädtischen Rathauses zu sehen, die große leere Fläche ist zum größten Teil der frühere Güterbahnhof:



    Vorbei an der Bastion Maidloch wird das frühere städtische Pumpwerk mit der Steinschleuse erreicht:



    Die Steinschleuse wurde Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet und reguliert den Zufluß der Neuen Mottlau, die hier durch den Wassergraben in das Stadtgebiet geleitet wird. Sie diente einerseits dem Hochwasserschutz und andererseits der gezielten Überflutung der Wassergräben bei Angriffen.



    Das ganze Areal ist ziemlich verwildert, die Mottlau enthält viele Algen und Wasserpflanzen, hier der Verlauf nach Norden:



    Rechts ist die Bastion Wolf zu sehen, an den Bastionen ist keine Bebauung mehr vorhanden:



    Der Uferbereich entlang der Mottlau wird inzwischen entwickelt, zumindest das Westufer, im Süden entstanden ab 2010 die Mottlau Apartments:



    Dahinter - dieses Projekt befindet sich bereits auf der Speicherinsel, entstehen seit 2012 die Aura Apartments:



    Beide Projekte aus der Nähe:


    Erweiterung der bestehenden Apartments nach Norden hin:



    Und nochmals die Aura Apartments:


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    John Maynard Keynes

  • Nördlich der Bastion Wolf beginnt die Niederstadt, von der bis zum heutigen Vorstädtischen Graben relativ viele Fragmente erhalten sind, die sich in sehr unterschiedlichen Erhaltungszuständen befinden.


    Im folgenden einige Impressionen des südlichsten Teils der Niederstadt bis zum Thornschen Weg:


    Der Zustand reicht von gut:


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    Bis hin zu weniger gut:


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    Brachflächen:


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    Neubauten:


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    Skurrilitäten:


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    Von hier aus geht es nun wieder zurück nach Westen am Thornschen Weg entlang, der über eine Brücke wieder in die Vorstadt führt.


    Wir überqueren die Neue Mottlau und blicken zurück auf die Niederstadt bzw. den Steindamm am Ufer, die erhaltenen Gebäude könnten zu einer früheren Weizenmühle gehören:


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    Blick nach Süden auf den früheren Güterbahnhof Leegetor, auf alten Fotos waren zu Zeiten der Volksrepublik noch verschiedene Schuppen und Baracken zu sehen:


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    Wir überschreiten die Mottlau und erreichen wieder die Vorstadt.


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    Blick von der Brücke nach Norden, die Brücke im Hintergrund ist schon die Brücke des Vorstädtischen Grabens:


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    Blick nach Süden, das Bassin der Mottlau wurde ja schon zuvor von Süden aus gezeigt, am Ufer Punkthochhäuser aus den 50er-Jahren:


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    Ein erster Blick auf die Kirche St. Peter und Paul, deren Wiederaufbau erst 1958 begonnen und 2006 endgültig abgeschlossen wurde:


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    Die Kirche wurde Anfang des 16. Jahrhunderts nach einem Brand der Vorgängerkirche neu errichtet und brannte 1945 aus.


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    Wie zu erkennen ist, wurde das Umfeld nicht historisch gestaltet, es gibt eine Schule ... und ziemlich viel freie Flächen.


    Blick zurück auf die Speicherinsel:


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    Gigantische Brachflächen auf der einen Seite der Kirche:


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    Und ein Parkplatz auf der anderen Seite (Blick auf St. Trinitatis), wo einmal das Herz der Vorstadt war:


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  • Von hier aus nun ein kurzer Abstecher nach Norden, zum Vorstädtischen Graben, wo der Blick auf das abrupt beginnende Rekonstruktionsprojekt fällt:



    Direkt am Graben liegt der Butterplatz, zeitweise auch nach dem früheren Danziger Bürgermeister als Winterplatz bezeichnet (und wohl in Verkennung des Eigennamens durch Polen zuerst auch wörtlich als Winterplatz übersetzt ...).


    Dort steht einerseits das frühere städtische Gymnasium, ein Bau von Schinkel aus dem Jahr 1837:



    Westlich wird der Platz durch die ehemalige Kaiserliche Oberpostdirektion abgeschlossen, habe ich aufgrund des üppigen Baumbewuches leider nicht zufriedenstellend fotografieren können.


    Der Platz soll durch ein angepaßtes Neubauprojekt wieder revitalisiert werden, Informationen mit historischen Bildern gibt es beim Projektentwickler, leider nur auf Polnisch: klick


    Weitere Informationen zur Schule gibt es im Danzig-Forum, eine alte Postkarte zeigt den Platz:



    Wir kommen nun zum bedeutendsten Gebäude der Vorstadt, der Trinitatiskirche mit dem früheren Franziskanerkloster. Wie das Areal ursprünglich aussah, zeigen die historischen Ansichten unter Die Vorstädte - Altstadt, Vorstadt und Niederstadt inkl. Speicherstadt


    Heute fehlt das komplette Herzstück der Vorstadt ebenso wie fast die gesamte Bebauung nördlich davon.


    Blick nach Norden über den früheren Poggenpfuhl an St. Peter und Paul vorbei:



    Blick auf die große Brache im Zentrum der Vorstadt, heute ein großer Parkplatz, der schon oben gezeigt wurde, hier neue Perspektiven:




    Blick auf das frühere Kloster und heutige Nationalmuseum:




    An der Kreuzung der früheren Fleischergasse/Katergasse eine letzte Ruine:



    Weiterer Verlauf der Fleischergasse nach Norden:



    Zum Vergleich die historische Fleischergasse:



    Von hier aus nun weiter nach Westen zurück zum Ausgangspunkt, entlang der Kirchengasse. Auf der einen Seite steht hier die St.-Annen-Kapelle:



    Auf der anderen Seite ein Neubauprojekt im bewährten Rekonstruktionsstil, dahinter ist schon wieder die frühere Landesversicherungsanstalt zu sehen:



    Rückseite der Landesversicherungsanstalt:



    Somit ist dieser Rundgang beendet, wir sind wieder am nördlichen Ende der Vorstadt angelangt.

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