Danzig von oben - Blick von der Marienkirche

  • Im Folgenden möchte ich einige Fotos zeigen, die ich auf dem Turm der Marienkirche aufgenommen habe. Zunächst jedoch einige Impressionen der Kirche bzw. des Aufstiegs auf den Turm.


    Gleich am Eingang befindet sich die Astronomische Uhr aus dem 15.Jahrhundert (bzw. vermutlich deren Nachbau):



    Blick in das Kirchenschiff:



    Der Aufstieg auf den Turm erfolgt zuerst über eine extrem enge und steile Wendeltreppe, die ich als sehr beengend empfunden habe, es gibt auch keine Möglichkeit, sich festzuhalten.


    Immerhin kann man am Abschluß dieser Treppe das Gewölbe von oben sehen:




    Der Aufstieg im Turm ist dann sehr viel angenehmer, es gibt breite Treppen:




    An der Mauer sind historische Ansichten von Danzig angebracht:




    Hier noch mit der Synagoge auf der linken Seite:


    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Das ist ja interessant, dieser Blick auf das Gewölbe! Ich hätte nicht gedacht, daß man da die Gewölberippen sieht, ich hätte erwartet, daß das oben "glatt" ist bzw. eine durchgängige, wenn auch stark gewölbte Decke. Anscheinend ist die Überwölbung nur sehr "leicht", und es sollte nicht mal jemand drauf laufen, weil das zu schwach ist? Jedenfalls ein interessanter Fakt, ich hätte mir gotische Gewölbe (gut, das ist ein Nachbau, aber der wird nicht so sehr anders als das Original sein..) deutlich massiver vorgestellt.

  • Gute Frage, inwiefern das Gewölbe nach dem Krieg denkmalgerecht instandgesetzt wurde ... vielleicht weiß hier Riegel mehr?


    Im Folgenden nun einige Ausblicke, die ersten beiden Fotos zeigen den Blick nach Süden:


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    In der Bildmitte ist der Turm des Rechtstädtischen Rathauses zu sehen, dahinter bzw. links davon befindet sich der Lange Markt. Die Vorstadt ist kaum noch erhalten, dafür ist die Speicherinsel inzwischen wieder teilweise bebaut.


    Besonders auffällig die große unbebaute Fläche direkt zwischen Langer Markt und der dahinter parallel dazu verlaufenden Hundegasse.


    Hier etwas gezoomt, die Bebauung geht schon kurz hinter der Speicherinsel in eine aufgelockerte moderne Bebauung über und endet dann vollständig - im wesentlichen zieht sich das heutige Danzig in Richtung Gdingen nach Westen hin, in Richtung Osten endet Danzig indes auch heute noch gleich hinter dem Langgarter Tor:


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    Wir wenden uns nun ein wenig nach links, direkt auf die Marienkirche läuft die Frauengasse zu, dahinter die neu erbaute "Front" auf der Speicherinsel entlang der Mottlau, mit der die Mottlau endlich wieder auf beiden Seiten gefaßt wird:


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    Gleich links neben der Frauengasse sind inzwischen einige Gebäude an den Fleischbänken rekonstruiert worden, zuvor war die Südseite der Heilig-Geist-Gasse in Richtung Mottlau ja unbebaut geblieben:


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    Auch hier fallen wieder die großen freien Flächen zwischen den Gassen auf, die inzwischen mit Bäumen buchstäblich zugewachsen sind:


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    John Maynard Keynes

  • Von hier aus geht der Blick nun noch etwas weiter nach links, wir sehen die Bleihofinsel mit dem Riesenrad auf der rechten Seite, in der Bildmitte sind die Werftanlagen schwach zu erkennen.


    Bei den beiden Kirchen handelt es sich um die Johanneskirche auf der rechten und die Nikolauskirche auf der linken Seite - die Johanneskirche wurde als einzige zu Zeiten der Volksrepublik Polen nicht aufgebaut, in ihrer unmittelbaren Umgebung sind die einzigen originalen Bürgerhäuser erhalten (von denen jedoch einige verfielen), die Nikolauskirche wurde wiederum als einzige Kirche nicht zerstört:



    Nochmals etwas weiter nach links geschwenkt - jetzt ist die Nikolauskirche besser zu sehen, unmittelbar dahinter verläuft der deutlich vergrößerte Altstädter Graben, der nach links in den ebenfalls stark vergrößerten Holzmarkt übergeht.


    Hinter dem Altstädter Graben beginnt die Altstadt, von der nur ein schmaler Streifen entlang der Radaune (Mühlen, mehrere Kirchen) rekonstruiert wurde, dahinter sind die Hochhäuser des Miastoprojekts der 70er-Jahre zu erkennen:



    Stärker herangezoomt, der Norden der Rechtstadt wurde nur noch ziemlich sporadisch bebaut:



    Hier geht der Blick nach Westen, wir sehen das Zeughaus der Rechtstadt ganz links unten, rechts daneben das Theater der Küste und direkt unter der Wetterfahne den Bahnhof, dahinter liegt der Hagelsberg:



    Blick auf den Kohlenmarkt mit dem Stockturm auf der linken Seite, im Hintergrund mittig Neu-Danzig, dahinter beginnen große Plattenbaugebiete, die sich bis nach Gdingen ziehen.


    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Gute Frage, inwiefern das Gewölbe nach dem Krieg denkmalgerecht instandgesetzt wurde ... vielleicht weiß hier Riegel mehr?

    Ich glaube, dass das gar keine Rippengewölbe sind, sondern lediglich aus Backstein gemauerte Gewölbe, denen Scheinrippen aufgesetzt wurden. Bei echten Rippengewölben kan man von oben her aber auch oft die vorstehenden Rippen beobachten; oft sind auch zusätzliche Rippen auf grosse rippenlose Gewölbe aufgebracht worden, um ein Ausnkicken der Gewölbe zu unterbinden (vor allem im Barock).


    Wenn man den Grundriss betrachtet, sind wohl nur die Chor-, das Vierungs- und Turmgewölbe Rippengewölbe.

  • Hm. D.h., man müßte den darunterliegenden Raum mal von innen sehen, ob er nun Rippen hat oder nicht.

    Jetzt beim nochmal Betrachten komme ich eh ins Grübeln über das zweite Bild, das durch den Drahtzaun hindurchfotografiert ist: ist das womöglich eine wildgeformte Betondecke, und gar nicht verputzter Backstein? Daß man keine nackten Ziegelsteine sieht, fällt mir erst jetzt als sonderbar auf, bei beiden Bildern. Ich meine, hätte man je vor der Jetztzeit oben auf dem Gewölbe verputzt? Ich habe noch nicht auf viele Gewölbe draufgeschaut, aber so wie jederzeit Sparsamkeit an Material und Aufwand an unsichtbaren Stellen des Gebäudes üblich war, denke ich nicht, daß man das machte?

  • Vom Innenraum her sieht es mir nach aufmodellierten Rippen aus. Dass Backsteingewölbe dachseitig verputzt wurden, war normal. In diesem Beitrag siehst du die Gewölbe der Kathedrale von St. Gallen aus den 1760er-Jahren, ebenfalls von oben. Sie sind aus Backsteinen gemauert, von oben verputzt und mit aufgemauerten Rippen gegen Stauchen und Bauchen versehen, obwohl sie raumseitig keine Gliederung aufweisen.

  • Das Verputzen ist also doch normal? War das immer so, also auch schon in der Romanik und Gotik, oder hat man das später gemacht? Was hat man sich davon versprochen - es kam ja noch ein Ziegeldach drauf?

  • Für Backsteingewölbe gibt eine Verputzschicht zusätzliche Festigkeit, indem auch die Fugen sicher verschlossen werden. Teilweise können diese Schichten recht stark sein, und oft sind sie mit Fasern oder Haaren armiert.


    Wie das bei romanischen und gotischen Kirchen, für deren Gewölbeflächen teilweise recht grosse Steinblöcke verwendet wurden, gehandhabt wurde, weiss ich gerade nicht. Man müsste da nach Innenaufnahmen von Dachstühlen suchen; bei Notre Dame in Paris sind wohl einige Aufnahmen zu finden.