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    Quelle: wikimedia.org, Oktobersonne, CC BY-SA 4.0


    In den den letzten Jahren wurde die Abtei Tholey und insbesondere die Kirche saniert. Das Kloster wurde 634 (!) das erste mal erwähnt und gilt somit als das älteste auf deutschem Boden. Vor einigen Jahren stand die Benediktinergemeinschaft auch schon mal kurz vor dem aus und sollte geschlossen werden, konnte aber gerettet werden und hat sich auch personell wohl wieder etwas erholt.


    Zum Abschluss der umfangreichen Arbeiten an der Kirche werden neue Fenster eingebaut. Der Chor erhält drei Fenster von Gerhard Richter, der ja bereits das umstrittene Fenster im Kölner Dom entworfen hat. Bislang sah der Altarbereich so aus.

    Besser als die vorher eingebauten Fenster, definitiv auch besser als in Köln würde ich sagen. Auf den wenigen Fotos, die man bislang sehen kann - klick- stören sie zumindest m.M.n. nicht, und das ist heutzutage auch schon was wert. Durch die Symmetrie und die Farbigkeit möchte ich fast behaupten, könnte man von weitem, oberflächlichen Betrachten an herkömmliche gotische Fenster denken. Freilich, aus katholischer Sicht (keinesfalls zu verwechseln mit „amtskirchlicher Sichtweise“) ist das natürlich etwas unbefriedigend wenig.

    Erinnert an Mandelbrot-Fraktal.


    Weitere Bilder:

    Die Richter-Fenster von Tholey - katholisch.de

    https://www.google.de/search?q=tholey+gerhard+richter
    St. Wendeler Land Nachrichten - Abtei Tholey: Erstes Richter-Fenster in München vorgestellt


    Die restlichen Fenster im Langhaus werden durch eine afghanische Künstlerin gestaltet:

    Erste neue Fenster für die Abtei Tholey: Farben-Rausch in Klosterkirche - Saarland - Bild.de

    St. Wendeler Land Nachrichten - Abtei Tholey – Zwei weitere Maqsoodi-Fenster eingebaut


    Auch hier: besser als vorher. Positiv fällt auf, dass es sich um konkrete, figürlich dargestellte Szenen handelt. Etwas negativ sehe ich, dass die Darstellungen teilweise über mehr als eine Fensteröffnung gehen, somit die Darstellungen recht großformatig werden und dementsprechend auch größere homogene Farbflächen erzeugen.
    Die Begründung für den Austausch der alten Fenster: Diese seien mittlerweile viel zu abstrakt, als das der normale Besucher da irgendetwas rauslesen könnte. Ja, das war eigentlich schon immer so (oder hatte damals jeder Kirchenbesucher ein Theologiestudium absolviert?), aber schön wenn diese Einsicht bei den Patres angekommen ist.


    Hergestellt werden sämtliche Fenster von Richter und Maqsoodi in der Hofglasmalerei van Treeck in München. Ein kurzer Bericht des BR findet sich hier. Ein etwas längerer Bericht des SR hier.


    Die Vorgänger-Fenster kann man hier sehen, typisch 60er Jahre, und aus meiner Sicht für die Kirche kein Verlust. Sie standen unter Denkmalschutz, und das Amt war wohl nicht begeistert, dass die Brüder sie austauschen. Man hat sich aber geeinigt, dass die alten Fenster ordnungsgemäß eingelagert werden.


    Interessant wäre auch zu erfahren, was mit den (neugotischen?) Vorvorgängern passiert ist, die man hier in diesem Bild von 1934 noch erkennen kann. Oder in diesem noch älteren Bild (Man beachte auch die unterschiedlichen Kanzeln!).


    Eine Kommentatorin des ö-r Rundfunks hält die Kirchensanierung insgesamt für gelungen, die Fenster der afghanischen Künstlerin aber für "Kitsch" (was auch sonst bei einer figürlichen Darstellung):

    SR-Mediathek.de: Kloster Tholey: "Fantasievolle und gehaltvolle Ideen müssen her"


    Interessant auch: der "Tholeyer Engel", der wohl bislang im Chorraum aufgestellt war, bekommt einen neuen Platz und wird durch diese gefällige (leicht veränderte ) Kopie einer auf dem Vorplatz stehenden Statue des Hl Mauritius ersetzt:

    mauritius.jpg


    Eine (teil-)erneuerte Orgel gabs auch: St. Wendeler Land Nachrichten - „Königin der Instrumente“ wieder eingebaut – Sanierung der Abteikirche schreitet voran


    Um das Nordportal gibt es derweil eine Posse: Da die Darstellung so verwittert war, so dass man nichts mehr erkennen konnte, plante das Kloster die Figuren - soweit ich auf der Montage hier erkennen kann - "nach alter Väter Sitte" nachzuschöpfen.

    Man hat die alten Steine ausgebaut. Diese sollten nun durch die Nachschöpfungen ersetzt werden, nur mit etwas hellerem Stein - um den zeitgenössischen Einbau sichtbar zu dokumentieren und damit der Denkmaldoktrin genüge zu tun. Das Denkmalamt war aber nicht informiert und ist überhaupt nicht begeistert. Der Denkmalschutz forderte rigoros, die alten Steine wiedereinzubauen. Das Kloster sagt, dass die Steine überhaupt nicht mehr stabil genug für einen erneuten Einbau sind. Passiert ist dann erstmal eine zeitlang nichts und das Kloster hat einen Bauantrag "stillgelegt". Nun, da sich die Sanierung dem Ende zuneigt, will man das Portal fertigstellen und geht wieder in die Offensive. Ausgang offen.

    Ein alter Bericht aus 2018 zum generellen Streit mit dem Denkmalschutz findet sich hier. Ein Nachfolgebericht von 2019 hier. Man hat wohl von Seiten des Klosters versucht so zu argumentieren, wie es normalerweise bei modernistischen Verunstaltungen "im Geiste des 2. vatikanischen Konzils" oft geschieht, nämlich das die Darstellung der Liturgie dienen sollten und dass das so in der verwitterten Form nicht möglich ist, konsequenterweise müssten sie also ersetzt werden - und dürften sie auch, da hier der Staat nicht oder nur sehr eingeschränkt mitreden darf. Der Denkmalschutz sieht das naturgemäß anders. Der Streit ging bis zum Kultusministerium und dem päpstlichen Nuntius.


    Wieder einmal ein Parade-Beispiel, wie Substanzfetischismus beim Denkmalschutz gute Lösungen verhindert.

    Ich hoffe das Kloster knickt nicht ein. Das alte Portal ist ja keinesfalls verloren. Man könnte ja irgendwie festschreiben, dass die alten Steine ordnungsgemäß gelagert werden, die Wissenschaft/der Denkmalschutz jederzeit Untersuchungen daran anstellen können und die Reste zugänglich sind, so wie man es ja auch bei den alten Fenstern bereits gemacht hat. Andere Gründe würden mir spontan nicht einfallen, warum man diese verwitterten Steine sehen wollte - schon gleich gar nicht Otto-Normalkirchenbesucher...


    Positiv hervorzuheben ist außerdem, sofern ich das von den Bildern beurteilen kann, das Lichtkonzept. Viel angenehmes indirektes Licht.*
    Bei aktuellen Kirchensanierungen hat das ja nicht immer Priorität.

    Weitere bemerkenswerte Projekte in den letzten Monaten/Jahren waren die Aufstellung mehrerer neobarocker, neuer schmiedeeiserner Tore. Die Anlage eines neobarocken Gartens mit Aufstellung eines neuen Brunnens. Die Aufstellung einer neuen dezent geschmackvollen Schranke rund um den Altarbereich (hier zu erkennen). Die Ergänzung des bestehenden Chorgestühl um einen an den Bestand angepassten(!) Teil (auch das nicht selbstverständlich, wenn ich mir das neue völlig unpassende Chorgestühl in Maria Stern anschaue).


    Vergessen sollte man nicht zu erwähnen, dass die ganzen Maßnahmen großzügig von der Unternehmerfamilie Meiser unterstützt wurden.


    Weitere interessante Infos, auch zum Streit mit dem Denkmalamt (man hatte sich wohl deswegen extra direkt dem Papst unterstellt) bietet der umfangreiche Wikipedia-Artikel zur Abtei,
    der Wikipedia-Artikel zu den Richter-Fenstern,

    und natürlich die Webseite und der facebook-Auftritt der Abtei.


    *Off Topic: Ich geh momentan in einer alten gotischen Kirche zur Messe. Dort hat man vom Altarbereich bis hinten die gleichen kranzförmigen Leuchter mit einfach nach oben und unten aufgedrehten Glühbirnen oder mittlerweile glühbirnenförmige LEDs. Wenn man etwas weiter hinten sitzt und
    nach vorne schaut ist es eine Qual, weil man ständig die nach allen Seiten strahlenden Glühbirnen im Auge hat. Deswegen schätze ich es, wenn sich die Verantwortlichen wirklich auch mehr als einen Gedanken über das Licht machen.

  • Einige Berichte zur Wiedereröffnung:

    Festwoche in Tholey


    In der saarländischen Abtei Tholey findet zum Anlass der Einweihung von Gerhard Richters Kirchenfenstern eine Festwoche statt. Um den erwarteten Kirchen- und Kunstbesuchern mehr bieten zu können, soll nun auch ein Besucherzentrum gebaut werden.

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    Ein kritischer Bericht:

    Tholey im Geldrausch? Die sanierte Abtei soll zu einem Besuchermagneten werden.


    Es war im letzten Jahr ein Paukenschlag: Die Abteikirche Tholey bekommt im Zuge ihrer Sanierung Fenster nach Entwürfen des wohl renommiertesten deutschen Künstlers Gerhard Richter. Nun sind sie eingebaut, die Abtei wird wiedereröffnet und die Gemeinde Tholey hofft auf einen Besucheransturm. 634 wurde die Abtei Tholey erstmals urkundlich erwähnt und gilt somit als die älteste Klosteranlage Deutschlands. In den letzten Jahrzehnten hatte sich ein Sanierungsstau angesammelt, der nun mit großer privater finanzieller Unterstützung behoben wurde. Mehr noch: Ein künstlerisch hochwertiger Einbau neuer Fenster soll die Abtei und die Gemeinde Tholey zu einem touristischen Magneten machen. Kann das funktionieren? Dieser Frage widmet sich Uwe Loebens anlässlich der ersten Veranstaltung in der sanierten Kirche.

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    Abtei Tholey : Die Welt schaut aufs Saarland – dank der Fenster von Gerhard Richter


    [...]


    und zu guter Letzt noch ein interessanter Beitrag zur Orgel:

    Ihre Wurzeln reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Damals wurde in die Abteikirche Tholey eine Orgel gebaut, deren prunkvolles Gehäuse bis heute zu sehen ist. Das Innenleben der Orgel wurde im letzten Jahr überarbeitet und erweitert. Bernhard Leonardy ist glücklich. Als Organist hat der die Arbeiten an der Orgel der Tholeyer Abteikirche engagiert begleitet. Nun hat die Orgelbaufirma Hugo Mayer das Instrument fertiggestellt.


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