St. Gallen - Mauern und Einfriedungen

  • Für ein Projekt in St. Gallen, bei welchem wir anregen möchten, dass bei Neubauten oder Renovationen von Stützmauern mehr Rücksicht auf die Ästhetik genommen wird, sammeln wir Bildmaterial. In erster Linie soll hier also eine Galerie von Mauern in St. Gallen entstehen, ohne grosse Erläuterungen oder baugeschichtliche Rückblicke. Wie ich schon im Einleitungsartikel über St. Gallen geschildert habe, ist die Topografie der Stadt sehr unwegsam und erfordert für Bauvorhaben - seien es Gebäude oder Strassen - oft grosse Erdbewegungen und Stützmauern.

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    schwarz = Kloster und Stadt vom 10. bis 14. Jh., gestrichelt = Stadterweiterung ab E. 14. Jh., grau = heutige Bebauung, Äquidistanz der Höhenkurven = 20m (Grafik: Riegel)


    Ein Höhenkurvenplan, in welchem das besiedelte Gebiet grau unterlegt ist, veranschaulicht die Lage der Stadt in einem von West noch Ost verlaufenden Tal. Die Landschaft fällt im Norden flach ab Richtung Bodensee. Im Süden spürt man schon das voralpine Gebiet mit vielen Tälern, Schluchten und Hügelzügen.

    Im daraus zitierten Beitrag finden sich Stadtpläne und Erläuterungen dazu. Ein Inhaltsverzeichnis wird dann folgen, wenn mehrere Beiträge vorhanden sind.



    buchstrasse stadtansicht 30.07.2007 0046

    Blick vom Südhang (Buchstrasse) über die in der Talsohle gelegenen Altstadt auf den Nordhang. Während der Südhang vor allem den Freudenberg und die Bernegg (dazwischen die Mühlenenschlucht mit Harfen- und Schäflisberg) umfasst, besteht der Nordhang aus einer langgegzogenen Moräne, dem Rosenberg. Juli 2007.



    rosenberg 30.12.2008 2279

    Teil des Rosenbergs mit Villen und Mehrfamilienhäusern an der Müller-Friedberg-Strasse, Dierauerstrasse und Dufourstrasse. Dezember 2008.

  • Entgegen der Einleitung werde ich das erste Quartier genauer beschreiben, denn hier hatte ich meine ersten dreissig Lebensjahre verbracht und ich kenne es wie meine eigene Hosentasche. Es befindet sich am Übergang vom mittleren zum östlichen Rosenberg. Der Rosenberg ist etwa 2 km lang und wurde vor allem zwischen 1880 und 1914 mit an die 200 historistischen, Jugendstil- und Reformstilvillen überbaut. Für die Liebhaber dieser Architektur ist dies ein richtiges Eldorado!


    Hier finden sich viele schöne historische Namen wie Leimat, Adlerberg, Apfelberg, Neuberg und Schönbühl. Im Zentrum dieses Beitrages steht die Leimatstrasse, die einst als eine Hauptverbindung von St. Gallen direkt "über den Berg" nach Konstanz führte. Freilich gibt es verschiedene Wege, die mit "Alte Konstanzer Strasse" bezeichnet werden (Unterer und Oberer Leimatweg, Gerhaldenstrasse). Seit spätestens dem 18. Jahrhundert bildete die ohne Steigungen auskommende, den Rosenberg umgehende St. Jakob-Strasse/Langgasse am Hangfuss die Hauptverbindung durch den Kanton Thurgau nach Konstanz.


    Von der Leimatstrasse weiss ich nur aus der Literatur (Röllin), dass sie 1850 neu erstellt wurde, was aber nicht stimmen kann. Sie ist bereits in Zubers Stadtplan von 1828 mit der heutigen Linienführung eingezeichnet; ihren genauen Ursprung kenne ich nicht. Der Untere Leimatweg dürfte aber älter als die Strasse selbt sein und schon Jahrhunderte auf dem Buckel haben.




    leimat 1828

    Stadtplan 1828.


    Unten rechts verläuft die St. Jakob-Strasse ohne nennenswertes Gefälle von der Altstadt aus durch den Kanton Thurgau nach Konstanz. In Bildmitte in geschwungenem Verlauf die Leimatstrasse, oben rechts der ältere, quer zum Hang verlaufende Untere Leimatweg. Auf dem kleinen Wiesenstück südlich des Leimatweges und dem kleineren Weg (heute nicht mehr vorhanden) stand bis 1836 der Galgen. Die beiden Wege oben sind die Vorläufer des Apfelbergweges, der durch die Erschliessung des ganzen Quartiers ab 1900 in seinem Verlauf abgeändert wurde.


    Während entlang allen Ausfallstrassen an den Hangfüssen (Rosenbergstrasse, St. Jakob-Strasse/Langgasse und Rorschacher Strasse) vor allem Landhäuser mit Gartenanlagen und weitere Wohnbauten bestanden, waren die Hänge Wiesland mit Obstbäumen, welche durch am Hang angesiedelte Landwirtschaftsbetriebe unterhalten wurden. Auf der Hangkrete wiederum standen einige grossbürgerliche "Sommerhäuser". Die Hänge wurden erst ab den 1870er-Jahren mehr oder weniger systematisch überbaut, was teilweise grosse Erdbwewegungen und Stützmauern erforderte.




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    Stadtplan 1863.


    Der Stadtplan von 1863 zeigt die Leimatstrasse nach ihrer Korrektur von 1850. Einfriedungen und Stützmauern sind mit roten Linien dargestellt, womit die beiden nicht voneinander unterschieden werden können. Durch Schattierungen kann man allerdings erahnen, welches reine Stützmauern sind. 1887 wurde die Strasse verbreitert und 1891/92 ausgebaut. Die Jahrzahlen dienen der allfälligen Datierung der Stützmauern. Allerdings ist noch nicht verifiziert, was für Arbeiten an der Strasse wann genau ausgeführt wurden, aber mindestens hat man mit diesen Angaben mal Anhaltspunkte.


    Spannend und teilweise bis heute das Quartierbild prägend ist der bis zu drei Meter tiefe Strasseneinschnitt oben, unmittelbar links des rechten Weihers (Dieser Stauweiher wurde als Wasserreservoir für die unten an der St. Jakob-Strasse 1839 eröffneten Strafanstalt St. Jakob erstellt; der Weiher links diente wohl der Versorgung der beiden privaten Springbrunnen des Hauses "Schönbühl", Leimatstr. 7, das - 1784 in Speicher(AR) errichtet - 1853 von dort nach St. Gallen "gezügelt" wurde. Der Stauweiher dürfte also 1853 angelegt worden sein. Beide Weiher existieren nicht mehr. In St. Gallen gab es im 19. Jahrhundert zahlreiche solcher Stauweiher an den Hängen, deren Wasser aber nicht der Trinkwasserversorgung, sondern vielmehr als Wasserreservoir bei Feuersbrünsten und dem Betrieb von Springbrunnen und Manufakturen diente).



    leimatstrasse um 1890

    Leimatstrasse um 1890. Links die Einmündung des Apfelbergwegs, seit 1912/13 Böcklinstrasse; rechts anstelle des weissen Zaunes heute die Einmündung der zwischen 1907 und 1913 erstellten Dianastrasse. Gebäudenummern von links nach rechts: Leimatstr. 23, 25 (erstellt zw. 1887 und 1891) und 26. Städtisches Bauarchiv.


    Die etwa fünf Meter hohe Stützmauer besteht im unteren Bereich aus bis zu zwei Meter langen Sandstein-Bossenquadern und im oberen Teil aus kleineren Tuffstein-Bossenquadern. Sie ist allerdings erstmals im Stadtplan von 1903 einzgezeichnet, während die älteren Pläne hier eine Felswand vermerken. Ich vermute aber, dass sie bereits von den Strasssenausbauten von 1887 oder 1891/92 stammt.


    Die talseitige Mauer war etwa drei Meter hoch. Beide Mauerkronen stellen wohl das gewachsene Terrain dar, während die Leimatstrasse hier nachträglich drei Meter abgetieft wurde, um ein gleichmässigeres Gefälle zu erhalten. Gemäss dem Stadtplan von 1863 erfolgte diese Tieferlegung bereits 1850 oder vielleicht noch früher.

  • leimat 1913

    Stadtplan 1913.


    1909 wurde Leimatstr. 23 durch das heute noch bestehende Mehrfamilienhaus "Auf der Mauer" ersetzt. Dabei erfuhr die Mauer keine Veränderung. Auch die auf ihre Krone führende Treppe gehörte bereits zum Vorgängerbau, wie auf der Fotografie von etwa 1890 im letzten Beitrag knapp zu sehen ist.



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    Leimatstrasse 23 "Auf der Mauer" von 1909 auf einer 1911 gelaufenen Fotoansichtskarte. Sammlung Riegel.


    Zwischen 1907 und 1913 erfolgte der Bau der Dianastrasse, die ostseits der Leimatstrasse abzweigt. Hierzu war die Beschneidung des Grundstücks samt Stützmauer von Leimatr. 26 erforderlich.


    Als direkte Verbindung von der nördlichen Altstadt/Unterer Graben wurde als Notstandsarbeit wegen der Arbeitslosigkeit 1912/13 auch die Böcklinstrasse erstellt. Sie mündet anstelle des Apfelbergwegs in die Leimatstrasse ein und liegt wesentlich tiefer als der Apfelbergweg. Die Höhendifferenz wird nun mittels einer abgewinkelten Treppe bewerkstelligt.



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    Leimatstr. 23 bis 32 nach dem Bau der Dianastrasse (Abzweigung nach unten rechts). Das giebelständige Haus ganz rechts, "zur Rosenburg" Leimatstr. 28a, war ein landwirtschaftliches Wohnhaus in Bohlenständerbauweise von 1563 und wurde vor zwanzig Jahren trotz Denkmalstatus im Innern restlos ausgehöhlt! 1920 gelaufene Fotoansichtskarte, Sammlung Riegel.




    leimat 1948

    Stadtplan 1948.


    Die einschneidendste Massnahme geschah hier 1934, als die bergseitige Mauer zugunsten einer Verbreiterung der Böcklin- und Leimatstrasse zurückversetzt wurde und dadurch massiv höher ausfiel. Zur Auflockerung der neuen Mauer wurden allerdings einige Quader der alten Mauer wieder eingesetzt. Das nördliche Ende der alten Mauer in der Biegung um Leimatstr. 25 überdauerte dabei bis heute. Am Beginn der neuen Mauer bei der Böcklinstrasse wurde als Auftakt aus dem Abbruchmaterial eine Trockenmauer aufgeschichtet.




    leimat 2018

    Stadtplan 2018.


    Zuguterletzt wurden um 2000 zur Verkehrsberuhigung einige Kreuzungen durch Strassenverengungen redimensioniert. Der Verlauf der Leimatstrasse folgt nun annähernd wieder jenem der Vorgängermauer... Überhaupt wurden die Verkehrsberuhigungsmassnahmen optisch unbefriedigend ausgeführt und sind dadurch diesem wertvollen historischen Quartier nicht würdig, insbesondere weil kurz darauf auch eine Tempo-30-Zone eingeführt wurde!

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    Rest der wahrscheinlich 1887 oder 1891/92 erstellten Stützmauer vor Leimatstr. 25.



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    Die untersten beiden Steinlagen bestehen aus Sandstein, die darüber folgenden aus Tuffstein. Als Abschluss wurden dicke Sandsteinplatten und schliesslich ein Eisengeländer aufgesetzt.



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    Tuffstein ist wenig witterungsbeständig, was hier an den zahlreichen Ausbrüchen ersichtlich ist.



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    Leimatstrasse 23 über der Mauer von 1934, die aus Beton besteht und anschliessend mit einem Kieselwurf verputzt wurde. Ihr oberer Abschluss besteht aus einem betonierten Sims in den Dimensionen der Sandsteinplatten der Vorgängerin. Im oberen Bereich wurden zur Auflockerung Tuffquader der alten Mauer eingefügt (links knapp sichtbar). Bei Leimatstr. 25 wurde wieder das alte Eisengeländer aufgesetzt und über dem restlichen Teil ein neues Staketengeländer.



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    Anlässlich der Strasseneinengungen zur Verkehrsberuhigung wurde die Strasse um 2000 teilweise von der Mauer abgerückt. Dadurch entstanden Restflächen, die mit Bodenbedeckern bepflanzt wurden.



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    Blick in die Böcklinstrasse. Ein Teil der Restflächen wird vom Tiefbauamt benutzt. Im Winter steht hier eine äusserste Schönheit von einem Salzsilo... So richtig lieblos wurden gegen Falschparkierer zwei Steinblöcke aufgestellt und mit Teer eine Auffahrtsrampe hingekleckst. Über der Mauer Böcklinstr. 55/57.



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    Ein Blick zurück zu Leimatstr. 23.



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    Die Mauer ist im mittleren Bereich im Verhältnis zu den darüber stehenden Bauten - hier Böcklinstr. 55/57 - viel zu hoch.



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    Zur Erschliessung von Böcklinstr. 55/57 wurde eine Treppe eingefügt. Kleines architektonisches Detail: über der zurückspringenden Mauerpartie besteht kein Abschlussgesims, was den Einschnitt noch unterstreicht. Oben rechts am ersten Mauerstück ist die Jahrzahl "1934" eingelassen.



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    Als Auftakt zur Stützmauer wurde an der Böcklinstrasse wohl aus dem Abbruchmaterial der alten Mauer eine Trockenmauer aufgeschichtet. Für die Natur und den Anblick äusserst wertvoll, und wie man sieht, hat sie schon seit 86 Jahren Bestand! Im Hintergrund die Treppe zum Apfelbergweg hinauf, der ursprünglich an der oberen Wiesenkante zur Leimatstrasse hinab führte.



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  • Ein Mauerkonglomerat beim Brunnen an der Kreuzung Leimatstrasse - Heinestrasse verbinde ich sehr mit meinen Kindheitserinnerungen, vor allem aber den Brunnen.



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    Brunnenplätzchen bei der Abzweigung der Heimatstrasse von der Leimatstrasse, dahinter der Garten von Leimatrasse 28. Im Brunnen eingemeisselt die Jahrzahl "1886".


    Lokalisierung auf der bereits im vorletzten Beitrag gezeigten Fotografie:


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    Leimatstr. 23 bis 32 nach dem Bau der Dianastrasse (Abzweigung nach unten rechts). Das giebelständige Haus ganz rechts ist die "Rosenburg" Leimatstr. 28a. Rechts davon die Scheune Heinestr. 1. Vor ihnen verläuft der steile Untere Leimatweg (nicht sichtbar), der durch den Bau der Heinestrasse und Dianastrasse um 1905 / 1910 in der Höhenlage angepasst und mit Treppen versehen wurde. 1920 gelaufene Fotoansichtskarte, Sammlung Riegel.




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    Leimatstr. 28 und 28a. Um einen ebeneren Garten zu erhalten, wurde er vor 20 Jahren aufgeschüttet und das Bord oberhalb der Mauer mit Felsblöcken versehen. Die Auffahrt rechts führt zu Heinestr. 1 und 3.


    Die Mauern gehören zu Leimatstr. 28 und 28a. Letztere wurde 1563 wohl als Bauernhaus als ein mit Bohlen ausgefachter Wandständerbau errichtet. Der Anbau von Nr. 28 erfolgte in den 1750er-Jahren. Die zugehörige Scheune Heinestr. 1 wurde in den 1950er-Jahren zu einem Wohnhaus umgebaut. Östlich folgt ein weiteres bäuerliches Wohnhaus Heinestr. 3. Auf den Stadtplanausschnitten im zweit- und drittletzten Beitrag ist die Häusergruppe oben rechts jeweils angeschnitten.


    Vor 1886 sah die Situation so aus:


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    Leimatstr. 28/28a und Heinestr. 1, 3. Links verläuft die Leimatstrasse, und nach rechts unten führt der in seiner Höhenlage noch nicht korrigierte Obere Leimatweg. Die Auffahrt zu Heinestr. 1 und 3 war damals schon vorhanden. Bemerkenswert ist die anstossende Trockensteinmauer, die - allerdings verputzt - heute noch existiert! Die heute daran links anschliessende entstand dann beim Bau der Heinestrasse um 1905. Die wohl um 1880 gepflanzte Tanne war bis ins Jahr 2000 zu einem mächtigen Baum angewachsen und wurde dann für die bessere Benützungsmöglichkeit des Gartens gefällt. Foto vor 1886, städtisches Bauarchiv.



    (Zusatzbemerkung zur Jahrzahl "1886" am heutigen Brunnentrog:


    Auf dem Stadtplan von 1903 ist der Brunnen noch am alten Standort eingezeichnet. Freilich handelt es sich um einen der Übersichtspläne über die ganze Stadt, die wohl nicht bis ins letzte Detail exakt nachgeführt wurden. Dies betrifft insbesondere jene im Massstab 1:15'000. Die Pläne im Massstab 1:5'000, zu welchen auch derjenige von 1903 gehört, sind genauer. Es wird sohl so sein, dass nach der Erstellung der Heinestrasse um 1905 ein vorhandener Brunnentrog von 1886 hier aufgestellt wurde, der den älteren Brunnen ersetzte. Die einfachste Brunnensäule wohl von 1905. Diesbezüglich ist die Datierung der Fotografie mit "vor 1886" mit Vorsicht zu geniessen; sicherer wäre "vor 1905".)

  • Mauern an der Leimatstrasse von der Kreuzung Böcklinstrasse an abwärts bis zur St. Jakob-Strasse



    Auf der Bergseite der Leimatstrasse findet sich eine durchgehende Mauer von der Böcklinstrasse an abwärts bis über die Abzweigung des Apfelbergwegs. Sie beginnt bei Leimatstr. 21 beinahe auf Bodenhöhe, um bis Nr. 13 allmählich auf über zwei Meter Höhe anzuwachsen. Sie gehört zu verschiedenen privaten Liegenschaften.


    Die Mauerabschnitte weisen ein ansehnliches Alter auf und bestehen durchwegs aus Sandstein, mit Ausnahme eines kürzlich erneuerten Teils in Beton infolge eines Tiefgarageneubaus. An Baudaten für die Leimatstrasse kennen wir 1850, 1887 und 1891/92. Es ist aber schwierig, diese aufgrund der Quaderbearbeitung und anderer Merkmale den einzelnen Mauerabschnitten zuzuordnen. Mittels des Studiums archivarischer Quellen dürfte die exakte Bestimmung aber möglich sein.


    Die meisten Stützmauern gehören zu den Liegenschaften und nicht zu den Strassen. Die wenigsten sind im Besitz der Stadt und fallen somit nicht in deren Aufgabenbereich. Bei Mauern in öffentlichem Besitz war meistens die Neuanlage oder Verbreiterung einer Strasse der Grund dafür, dass dort die Zuständigkeit der Stadt anheim viel. So gehört die Eingangs vorgestellte hohe Stützmauer an der Leimatstrasse/Böcklinstrasse grösstenteils der Stadt; nur der oberste, noch erhaltene Bereich der älteren Mauer bei Leimatstr. 25 ist in privater Hand. Bei der Strassenverbreiterung 1934 hätte man unmöglich den Hausbesitzern die Kosten für die Neuerstellung der Mauer aufbürden können, zumal sie ja gar nicht die Urheber der Baumassnahme waren.



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    Leimatstr. 21.


    Während 1934 die Strasse noch verbreitert wurde, fanden um 2000 zur Verkehrsberuhigung diverse Strasseneinengungen statt. Bei Leimatstr. 21 erfolgte dies leider auf der falschen Strassenseite: vor den Anfang der historischen Mauer wurde ein Beet mit Bodenbedeckern angelegt, das seitdem nur Unterhaltskosten generiert. Die dritte Dimension der Strasse (Mauer, Hecke) wurde hier negiert, und man erhält kurz den Eindruck, als stünde man irgendwo in einem locker bebauten, flachen Einfamilienhausquartier. Der Eindruck einer historischen Strasse und einem historischen Quartier wurde dadurch geschmälert.




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    Leimatstrasse mit Stützmauer vor Böcklinstr. 58.


    Vor dem Nachbarhaus Böcklinstr. 58 hat sich ein sehr baufälliges Stück dieser Mauer noch im Originalzustand erhalten. Lediglich die Krone wurde in den frühen 1970er-Jahren zurückversetzt leicht erhöht, nachdem das Gartenniveau allmählich Talwärts erodiert war. Diese Mauer ist wohl nicht mehr sanierbar, da die meisten Sandsteinquader recht stark verwittert sind und in einzelne Schichten zerfallen. Früher oder später wird hier wohl eine Betonmauer ihre Stelle einnehmen, da es sich bei der Liegenschaft nicht um ein Liebhaberobjekt handelt.




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    Tiefgarage an der Leimatstrasse.


    Bis vor kurzem lief die Mauer in gleicher Bautechnik und Alter vor den nächsten Liegenschaften Böcklinstr. 56 - 50 und Leimatstr. 15 durch, wo sie beim Apfelbergweg endete. Leider wurde kürzlich unter den Gärten von Böcklinstr. 50 - 54 eine Tiefgarage erstellt und die historische Mauer durch eine leicht reliefierte Betonmauer ersetzt.




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    Wohl gab man sich bei der Gestaltung der Ein-/Ausfahrt Mühe, aber die Geschlossenheit des historischen Strassenlaufs wurde damit dennoch aufgerissen. Links folgt Leimatstr. 15 mit der Fortsetzung der historischen Mauer. Als Mauerkrone fungiert ein billigster Maschendrahtzaun .




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    Bei Böcklinstr. 48/50 (linkes Haus mit Fachwerkgiebel) handelt es sich der Überlieferung nach um die spätmittelalterlichen "Blatternhäuser" (Wohnhäuser abseits der Stadt für Pestkranke) aus dem späten 16. Jahrhundert. Tatsächlich weisen auch sie wie Leimatstr. 28a eine jahrhundertealte Wandständerkonstruktion als Grundgerüst auf.




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    Mauer vor Leimatstr. 15.


    Die Mauer selbst ist wohl älter als das 1902 erstellte Wohnhaus und in einem schlechten Zustand. Eine oberflächliche Sanierung scheint noch möglich, aber eine Ausbauchung im unteren Bereich weist darauf hin, dass die Mauer ihre Aufgabe nicht mehr allzulange erfüllen kann. Bei einem Alter von etwa 130 Jahren (Datierung siehe nachfolgenden Beitrag) darf man sagen, dass die Sandsteinquader ihren Zweck nun sehr lange erfüllt haben!




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    Abzweigung des Apfelbergwegs (früher Apfelbergtreppe und noch früher Leimattreppe) zwischen Leimatstr. 13 und 15.


    Solche Treppen aus Holzstufen mit Hinterfüllung aus Teer (früher Kies) sind typisch für St. Gallen. Wegen der federnden Holzbalken sind sie angenehm zu betreten, sei es hinauf oder hinunter, und bei Regen und Schnee sind sie erstaunlich Rutschfest. So wie vor vielen Jahren ein Buch über alle 200 Brücken der Stadt erschienen ist, sind nun seit einem Jahr auch alle Treppen mit ihrer Geschichte und Gestalt in einem Buch erfasst:

    http://www.vgs-sg.ch/katalog/n…n-haus-fr-die-natur-h8dlf


    Hier endet auch die einst ununterbrochene Mauer. Vermutlich wurde sie in einem Zug bei einer der Erneuerungen der Leimatstrasse 1887 oder 1891/92 erstellt, denn auf dem sehr verlässlichen Stadtplan von 1863 ist sie noch nicht vorhanden. Ihre Bautechnik aus eher kleinen Sandsteinbossenquadern und kräftigen, unprofilierten Abdeckplatten ist auf den ersten Blick durchgehend dieselbe.

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    Leimatstr. 13. Weiter oben die Böcklinstrasse.


    Leimatstr. 13 thront über einer Mauer, die mir schon immer besonders gefallen hat. Sie wird regelmässig unterhalten, was man an den hellen Ausfugungen sieht. Die Abdeckplatten aus Sandstein werden zwar nach und nach durch Zement ersetzt. Der Bewuchs der Mauer wird auf ein tolerierbares Mass beschränkt, sodass die Wurzeln die Sandsteinkanten nicht wegsprengen. Darüber fasst ein uraltes Eisengeländer den Garten ein, der vorwiegend mit einheimischen Pflanzen besetzt ist. Die Mauer kenne ich nun schon seit über fünfzig Jahren in diesem Zustand und sie ist für mich ein perfektes Zusammenspiel von Statik, Ästhetik, Alterungswürde und Einklang mit der Natur.


    Bemerkenswert sind die Stufen im Wiesenhang: Diese rühren durch das regelmässige "Mähen" durch Schafe her. Wie an steilen Berghängen üblich, treten die weidenden Tiere allmählich solche Stufenlandschaften heraus, die für ein Stadtbild ungewöhnlich sind. Am ganzen Rosenberg haben sich nur hier im Gebiet Leimat-, Böcklin- und Müller-Friedberg-Strasse grössere, unbebaute Flächen erhalten und zeugen vom früheren Bild des Rosenbergs als Wiesenhang mit Obstbäumen.




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    Ausschnitt aus der Mauer bei Leimatstr. 13.


    Die Sandsteinquader weisen keine Bossen auf, sind dafür aber gestockt mit fein belassenem Rand.




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    Leimatstr. 13.


    Das zugehörende Haus stammt wohl aus dem frühen 19. Jahrhundert. Auf Zubers Stadtplan von 1828 ist es bereits samt Vorgarten eingezeichnet. Das Mansarddach - nicht mehr wie im Barock mit geschwungener Mansardkontur, sondern gerader - lässt es am ehesten ins erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts datieren. Die Mauer, die sich von der Steinmetztechnik der benachbarten Mauer unterscheidet, stammt auch frühestens von 1887, denn auch sie fehlt noch im Stadtplan von 1863. Allerdings ist dort bereits auch eine abgewinkelte Stützmauer, aber ein bisschen näher am Haus und mit einem andern Winkel zu diesem, eingezeichnet. Möglicherweise wurden die Steine dieser älteren Mauer für die heutige wiederverwendet.


    Bemerkenswert ist die Neigung der Oberkante, die nicht dem Strassengefälle folgt, sondern annähernd horizontal ist. Dadurch entfaltet die Mauer vielmehr die Wirkung eines Gebäudesockels als nur die einer Hangstützmauer.




    Mit den nächsten zwei unteren Gebäuden hat es eine besondere Bewandtnis: Eine klassizistische Scheune/Remise (ohne Hausnummer) von 1802 und das klassizistisches Wohnhaus Leimatstr. 7. von 1784. Beide standen bis 1853 im 5 km entfernten Speicher (AR) und wurden vom damaligen Besitzer kurzerhand nach St. Gallen an die Leimatstrasse "gezügelt". Dies war infolge der Bauweise des Wohnhauses in Blockbau relativ leicht möglich.


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    Remise/Scheune, 1802 in Speicher errichtet und 1853 nach St. Gallen versetzt.




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    Detail der Einzäunung, dahinter die "Rasenmäher".


    Die Sechspassmotive und die bekrönenden Tannenzapfen und Eicheln erinnern an die Neugotik. Das Geländer kann also durchaus aus der Bauphase von 1853 stammen. In St. Gallen bestand bereits seit 1828 die Eisengiesserei und Maschinenwerkstätte von Michael Weniger, die 1853 von seinem einstigen Angestellten Franz Saurer übernommen wurde. Gusseiserne Ausstattungsteile waren im damals noch kleinen St. Gallen keine Seltenheit. Und falls dieses Geländer tatsächlich von 1853 stammen sollte, könnte es ein Frühwerk der im selben Jahr gegründeten, mittlerweile seit 170 Jahren in der ganzen Welt agierenden Firma Saurer sein. Ein Grund genug, um es unter Schutz zu stellen! Dass dem Geländer eine Wertschätzung zukommt, zeigt, dass es vor zehn Jahren von der Stadt zur Korrektur der engen Kurve um einen knappen Meter zurückversetzt und originalgetreu wiederaufgebaut wurde, freilich nicht mehr mit einem Sockel und Pfeilern aus Sandstein, sondern Beton und Verputz.




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    Garten unterhalb des Hauses "Schönbühl", Leimatstr. 7.


    Die erste Korrektion der Leimatstrasse 1850 und das "Zügeldatum" des Hauses 1853 fallen beinahe aufeinander, woraus das Erstellungsdatum der Mauer durchaus auch in diese Zeit postuliert werden darf.




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    Detail der Stützmauer von Leimatstr. 7.


    Die Bearbeitung und Grösse der Sandsteinquader ist fast identisch wie bei Leimatstr. 13, nur das hier der fein belassene Rand schmaler ist. Auch die Eisengeländer unterscheiden sich kaum voneinander. Die Oberkante der Mauer folgt hier nicht dem Strassengefälle, sondern ist treppenförmig ausgebildet.