Kritische Beiträge zur modernen Architektur

  • Sehr unterhaltsam, und hat Humor ("gute Bausünden - schlechte Bausünden"). Über die Beschreibungen mußte ich sehr lachen, und er hat ein echtes Sammelsurium an Sonderbarkeiten zusammengetragen.

  • Ah, bei seltenen Vornamen sollte man googeln. "Turit" war mir bisher noch nicht untergekommen.

    Nein, die Frau Fröbe sieht die Dinge nicht unbedingt so wie wir, aber der "Porträt"-Artikel hat eine ziemlich seltene Qualität: er nähert sich dem Thema "moderne Bausünde" mit einem leisen Humor.

  • Nein, die Frau Fröbe sieht die Dinge nicht unbedingt so wie wir

    Diesen Eindruck habe ich auch. Und angesichts der Sprüche der Modernisten, die die größten Stadtbildzerstörungen als ganz supertoll in den Himmel heben, weiß man nicht, ob man so manches ernstnehmen soll oder ob es Ironie ist. Denn die größte Ironie, das absurdeste Schönreden vom was Hässlichem, könnte ernstgemeint sein!

  • Ich glaube, Frau Fröbe mag einfach gelegentliche Skurrilitäten. Als welche manche in ihrer Zeit moderne Bauten nun wirken. Völlig einheitliche Straßenzüge, ob modern oder Gründerzeit, mag sie vermutlich nicht.

  • Der ungsägliche taz-Artikel neulich über Polizisten, die auf den Müll gehören, wurde ja im Nachhinein als "Satire" verteidigt. Umgekehrt scheint heute manches, was sich tatsächlich wie Satire liest, bitterernst gemeint zu sein. Und ich bezweifle, dass eine Publikation, die sich der "verkannten Moderne" widmet, zu selbstironischem Humor in der Lage ist. Mir scheint es eher als eine neue Taktik, selbst die offensichtlichsten Bausünden als etwas Liebenswertes umzudeuten. Hässlichkeit soll Kult werden. Nachdem man daran gescheitert ist, uns die Nachkriegsmoderne auf intellektuellem Weg näherzubringen, versucht man es jetzt mit emotionaler Mobilisierung, die sich in unserer postfaktischen Zeit ja als besonders wirkungsvoll erwiesen hat.

  • Ach, ich sehe das eher im Zusammenhang mit Moden bzw. modischen Haltungen.

    Es gab schon in den 1980ern so eine Art 1950er-Revival, d.h., die "Waver" hatten eine gewisse Affinität zu schrägem 50er-Jahre-Design und -Architektur (auch -Musik), das war aber eine ausgesprochene Minderheitsposition, und daß das angehalten hat, glaube ich nicht. Andere neigten eher zum Gründerzeitbau und seiner robusten Umnutzungsmöglichkeit.

    Turit Fröbe sehe ich eher in Tradition des Hangs zum Seltsamen, Abseitigen, den ich - nebenbei - manchmal auch bei Zeno am Werk sehe, nur eher auf ländliche Gebäude bezogen. Das ist, glaube ich, eine ganz eigene Haltung, die eben nicht die "Standards" setzt oder setzen will, sondern eher Sinn für das individuell Verbastelte hat.

    Ich selbst habe das selten mal, etwa mit meiner Begeisterung für die Staatsgalerie Stuttgart oder die Kirche Ara Coeli in Rom; im Normalfall möchte ich eher "Standard"-Gebäude, also solche, die von vornherein "passen" und nicht sowas aus Teilen Zusammengesetztes.

    Mit Elogen auf die "moderne Architektur" wurde ja noch nie gespart, insofern sehe ich nicht, daß sich da bzgl. emotionalem Zugang groß was geändert haben sollte - naja, vielleicht daß man an als "kann weg" markierte Gebäude jetzt mitunter Anhänglichkeit zeigt - aber gab es sowas nicht schon immer?

    Ansonsten, daß eine Zeitschrift, die sich der Moderne in der Architektur widmet, vor allem Betonklötze und 70er Jahre bringt, ist jetzt nicht so überraschend.

    Ich sehe das so, daß es seit mehr als 100 Jahren 2 Stränge in der Architektur gibt, die mehr gefällige und die mehr schachtelartige, und beide zu unterschiedlichen Anteilen zu jeder Zeit unterwegs sind. Derzeit wird extrem geschachtelt, aber ab und an gibt es auch was Gefälligeres zu sehen. Der "gefälligere" Strang ist also nicht tot, nur sehr an den Rand gedrängt.

  • Ob es das war, weiß ich nicht mehr, ich hatte was anderes, weniger renoviertes im Kopf, aber ich habe kein photographisches Gedächtnis und kann mich täuschen. Passen tut das Bild jedenfalls aber auch ganz gut.