Krakau (Galerie) - ein kurzer Rundgang

  • Es ist einfach eine dieser amüsanten polnischen Transkriptionen wie "Belweder" (Belvedere) oder "Mariensztat" (-stadt) oder eben "Skwer" (Square) wie oben, die man aber wohl nur mit französischen Sprachkenntnissen errät (als ezelbryk: das Z am Anfang wird wie "sch" ausgesprochen).


    Das Erraten ohne Google wäre ein majstersztyk, mit Google erraten es auch hochsztapler. Weitere Wörter siehe Goethe.de

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Zoliborz

    Da es, wie Du sagst, ein majstersztyk sein dürfte, das Rätsel zu lösen, vage ich mich natürlich gern an die Lösung (sic, wer hat das Stilmittel bemerkt?) und stelle zur Diskussion, dass die zweite Worthälfte vielleicht soviel wie "Bursch" oder "Bursche" heißen könnte, also ein mehr altmodisches Wort für "Junge" oder "junger Mann". Die erste Worthälfte aber, mein lieber Scholli, will mir seine Bedeutung nicht kundtun. Wahrscheinlich ist das mit dem Bursch auch voll daneben, aber probiert will ich's halt haben...

  • Den letzten Zischlaut als obligaten Polonismus wegdenken, das hätte man vielleicht tun müssen. Aber wer von uns hat schon den Yperblik über polonische Obligatismen, ach ne, andersrum? Ursus, Du scheinst hier einen etwas tieferen Ainbligg in die Sprache zu haben als unsereins.


    Könnte es sein, dass "Zoliborz" soviel wie "giulio" bedeutet? Das Z zunächst in Sch umwandeln, dann in J, dann in G, und das B genauso wie den obligaten Zischlaut einfach omitten, äh weglassen?




    Aber um wieder zur Ernsthaftigkeit zurückzukehren: Die Sprachbarriere würde einen Besuch in Polen schon sehr erschweren. Man sieht auch daran, wie schwerwiegend die Sünde der Menschen in Babel war, so dass der Herr die Sprachen verwirren hat müssen.

  • Dann will ich es mal auflösen, es wird "scholjibosch" ([ʐɔˈlʲibɔʂ]) ausgesprochen und steht tatsächlich für französisch "joli" und "bord" (wobei die Ähnlichkeiten zu "bord" überschaubar sind), also "schönes Ufer" und bezeichnet einen Stadtteil von Warschau, der offensichtlich malerisch am Weichselufer liegt.


    Der wichtigste Platz ist der Plac Wilsona, der Herrn Wilson gewidmet ist (offensichtlich ist das "a" am Ende eine Genitivform? - jedenfalls werden auch Namen inkl. Vornamen mit Flexionsendungen versehen, vgl. Aleja Adama Mickiewicza in Krakau, und Einladungen an den deutschen Botschafter Michael H. Gerdt ergehen folglich an Michaela H. Gerdta :lachen: - das ist dann vermutlich ein Vokativ?).


    Nachtrag: überarbeitet nach Hinweis von ursa carpaticiczka.

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  • Ich glaub, dass du dich da irrst. rz ist mitnichten rs sondern r und sch gleichzeitig wie ř, meist in Ermangelung einer genauen Entsprechung mit rsch transkribiert.

    Einladungen AN sind wohl eher nicht genitivisch. Aber man müsste einen Experten wie Rastrelli haben....

  • Da hast Du tatsächlich recht: [ʐɔˈlʲibɔʂ] ist die Transkription, wobei das Ende als "sch" ausgesprochen wird (hätte ich vorher nachsehen können ...).


    Frag doch einfach per PN mal Gardone, der weiß es sicher.

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  • Nach diesem kleinen Exkurs nun weiter mit der Besichtigung - wir nähern uns dem Wawel:



    Blick zurück auf die mäßig attraktive Uferbebauung:



    Vor dem Wawel steht ein Übersichtsplan mit Kazimierz, die "Dietla" war früher wie schon beschrieben ein Nebenarm der Weichsel:



    Entlang der Mauer und vorbei am Sandomierska Turm ...



    ... geht es weiter auf den Wawel-Hügel:




    Polizei mit Segway:



    Und oben angekommen fällt der Blick auf die Kathedrale mit ihren angebauten Kapellen:



    Der heutige Zustand des Wawel ist in weiten Teilen auf die umfassenden Umbauten von Anfang des 20. Jahrhunderts zurückzuführen - zuvor verfiel das Areal viele Jahre bzw. wurde von österreichischen Truppen im 19. Jahrhundert als Kaserne genutzt, wobei die große freie Fläche durch Abriß der vorhandenen Bebauung entstand und als Exerzierplatz genutzt wurde.


    Beim Umbau zur Kaserne nahm man kaum Rücksicht und vermauerte auch die Arkaden im Innenhof, die heutigen Arkaden sind eine Neuschöpfung und stammen ebenfalls von Anfang des 20. Jahrhunderts.


    Hier nochmals der Blick auf die Kathedrale:



    Bei diesem Gebäude bin ich mir nicht sicher, ob es sich dabei komplett um eine Erweiterung aus der NS-Zeit handelt?



    Ist dies die "Ehrenhofanlage", die errichtet wurde, als Krakau der "Regierungssitz" des Generalgouvernements war? Der monumentale und wuchtige Stil erinnert jedenfalls an typische NS-Architektur. Weiß hier jemand mehr?

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  • An der Kathedrale fallen die wuchtigen Kapellen auf, von der Gestaltung fast so ähnlich wie in Breslau:





    Von hier aus wird nun der Wawel wieder verlassen ...




    ... und es geht in den südlichen Teil der Altstadt:




    Hier lebte der spätere Papst, der ja in der Nähe geboren ist und Krakau stets verbunden blieb (u. a. Promotion und Professur):



    Im südlichen Teil der Altstadt ist die Bebauung aufgelockerter, viele Häuser sind bescheidener, die Kirchen dafür um so prächtiger. Außerdem ist die Altstadt hier bestenfalls noch 300 Meter breit und wirkte auf mich fast kleinstädtisch (Eichstätt ...):



    Die bedeutendste Kirche ist sicherlich die Jesuitenkirche, gestaltet nach römischem Vorbild:



    Gleich daneben die deutlich kleinere und ältere Andreaskirche:




    Verlaufen kann man sich nicht, es gibt nur eine einzige Straße, die vom Wawel in Richtung Hauptmarkt führt, die Grodzka:




    Vorher kreuzt aber noch eine größere Straße in Ost-West-Richtung, die im Westen Franziszkanska und im Osten Dominikanska heißt - benannt nach den jeweiligen Kirchen Franziskanerbasilika und Dominikanerbasilika.


    Die Franziskanerkirche ist deutlich kleiner und hat ein angeschlossenes Kloster:





    Hier die Dominikanerbasilika:




    Kurioses Haus in der Umgebung, offensichtlich zum Schutz vor herabfallenden Fassadenteilen wurde hier ein schwarzes Netz gespannt:


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  • Das ist die slawische Kernstadt, das heutige Viertel Okol - mit so durchgestrichenem l am Schluss. Der Rest ist Erweiterung im Sinne des ostdt. Zentralmarktschemas.

    In Krakau ist wie auch in Schlesien ein Phänomen sehr bemerkenswert, nämlich die Verschmelzung von Renaissance und Historismus bis zur Unkenntlichkeit zu einem völlig amorphen Brei.

  • Außerdem scheint es so einige wertvolle Kirchen zu geben, die Jesuitenkirche muss ja mit Baubeginn 1597 eine der ersten Barockkirchen nördlich der Alpen sein, noch vor dem Salzburger Dom... wenn man die Jesuitenkirche nicht eh noch als manieristisch bezeichnen möchte.

    "Eine wesentliche Aufgabe der wahren Schönheit besteht darin, dass sie im Menschen eine heilsame Erschütterung bewirkt, ihn aus sich selbst herausholt, ihn der Resignation und der Gewöhnung an das Alltägliche entreißt, indem sie ihm die Augen des Herzens und des Geistes neu öffnet, ihm Flügel verleiht und ihn emporzieht."

    Papst Benedikt XVI.

  • Es ist tatsächlich wohl die erste Barockkirche in Polen, erbaut nach dem Vorbild von Il Gesù in Rom, den "kleinen Bruder" der Kirche vom selben Architekten in derselben Straße etwas weiter südlich, die Martinskirche, habe ich leider übersehen ...

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  • Vorbei an diesem schönen Gebäude ...


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    .. geht es nun wieder nach Norden, allerdings nicht zum Hauptmarkt, der hier schon wieder zu erahnen ist:


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    Sondern zum Kleinen Markt, der sich etwas östlich des Hauptmarkts befindet, gleich hinter der Marienkirche:


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    Bei der ansatzweise zu erkennenen Kirche handelt es sich um die Rückseite der Sankt-Barbara-Kirche:


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    Wir überschreiten den Platz:


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    Am Nordende befindet sich dieses Eckhaus:


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    Von hier aus die Mikolajska entlang, die sich am Hotel Amadeus aufteilt:


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    Im Hintergrund ist schon wieder die Grünanlage Planty zu sehen:


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    Hier beginnt nun mit Stradom eine Gegend, die den meisten Besuchern wohl unbekannt sein dürfte ... wobei sich die Attraktivität im nördlichen Abschnitt dieses Stadteils in Grenzen hält.


    Bemerkenswert immerhin das monumentale Szyszko-Bohusz-Gebäude der Zwischenkriegsjahre - benannt nach dem gleichnamigen Architekten


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    Somit haben wir die bereits angesprochene Jozefa Dietla-Straße erreicht (ja, die ist nach Josef Dietl benannt), die breiteste Innenstadtstraße auf einem trockengelegten Weichselarm, die im Süden fast parkähnlich mit großen Grünanlagen zwischen den Fahrspuren angelegt ist.


    Die Architektur ist durchaus großstädtisch, der Erhaltungszustand an der Grenze zu Kazimierz ist aber deutlich schlechter als im Zentrum:


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  • Kazimierz wurde 1355 als eigene Stadt gegründet und durch Österreich im Jahr 1800 nach Krakau eingemeindet.


    Effektiv gibt es zwei Stadtzentren, da Ende des 15. Jahrhunderts nach Pogromen die Krakauer Juden nach Kazimierz umgesiedelt wurden und in einem eigenen, von Mauern umgebenen Stadteil im Osten lebten - erst 1822 wurden die Mauern abgetragen und die Juden konnten sich frei niederlassen.


    Wir besichtigen erst den Westen, wo nördlich des Rathauses die Fronleichnamsbasilika liegt:





    Das Rathaus von Kazimierz liegt am Wolnica-Platz, von dort aus ist die obige Kirche zu sehen:



    Das Rathaus verlor nach der Eingemeindung nach Krakau seine Funktion und verfiel, befindet sich heute aber durchaus wieder in akzeptablem Zustand:



    Nochmals etwas südlich davon ein größeres Krankenhaus:



    Und an der Weichsel wieder reichlich heruntergekommene Bauten:




    Daher weiter in den Ostteil, wo ein großes Brauhaus mitsamt Freigelände kommt - wir befinden uns jetzt unmittelbar östlich der oben gezeigten Fronleichnamsbasilika:




    Nach einigen "wilden" Straßenzügen:



    Haben wir dann das Zentrum des jüdischen Kazimerz erreicht, wo es heute noch mehrere Synagogen gibt. Den Auftakt macht die Alte Synagoge, die heute ein jüdisches Museum enthält:



    Bei den Anbauten handelt es sich um die Frauenbetsäle:


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  • In Ermangelung von polnischen Sprachkenntnissen kann ich da leider auch keine Quellen auswerten, gefunden habe ich:

    Visiting today, it’s hard to imagine that Plac Wolnica was once equal in size and stature to Kraków’s Rynek Główny. When laid out as the town square of Kazimierz (Rynek Kazimierski) upon the town’s establishment in 1335, this space measured 195m by 195m (only 5m shorter on each side than Rynek Główny) making it the second largest market square in Poland, if not Europe. (...) Hardly the bustling marketplace it once was, today’s Plac Wolnica (named so since the end of the 18th century when it was granted the privilege of free trade) covers only a small fragment of the square’s original size. Fortunately the Town Hall which stood at its very centre has managed to survive. Falling into ruin after Kazimierz’s incorporation into Kraków in 1802, the Town Hall was taken over by local Jewish authorities who renovated it into its present neo-Renaissance style in the late 19th century.

    Mein Architekturführer erwähnt allgemein einen Stadtbrand von 1683, Plünderungen durch die Schweden, wann die umgebende Bebauung entstanden ist, weiß ich leider nicht, offensichtlich nur noch ein Fragment des ursprünglichen Platzes.

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  • Dann ist der Platz massiv verkleinert worden, offenbar vor allem im Süden, wo die schwächsten Häuser stehen. Das von dir photographierte Haus vor der Fronleichnamskirche ist in der Tat das Aufwendigste des Platzes.


    Es gibt auch eine zweite schöne Großkirche in Kasimir.