Krakau (Galerie) - ein kurzer Rundgang

  • Im folgenden möchte ich einige Eindrücke aus Krakau zeigen, vom Aufbau her angelehnt an den Rundgang durch Dresden, mit einer eher subjektiven Motivauswahl und leider auch nicht so vollständig, wie es bei einer so sehenswerten Stadt eigentlich erforderlich wäre (insbesondere fehlt leider die nördliche Vorstadt Kleparz völlig).


    Außerdem war das Wetter ziemlich wechselhaft, so daß ich auch nicht mit allen Aufnahmen völlig zufrieden bin ...


    Zuerst einige Worte zu Krakau - eigentlich scheint die Situation eindeutig zu sein: Warschau wurde fast völlig zerstört, Krakau als zweitgrößte polnische Stadt hingegen nicht, daher sind beide Städte grundverschieden und Krakau so etwas ähnliches wie Prag ...


    Tatsächlich ist es nicht so eindeutig - einerseits wurde in Warschau ja weitaus mehr rekonstruiert als nur die Altstadt - siehe auch diese Galerie - nämlich praktisch der gesamte Königsweg inkl. Teilen von Neuer Welt und Krakauer Vorstadt (das Rekonstruktionsprojekt erreicht damit eine Länge von knapp 4 km!), während andererseits Krakau zwar den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat, aber nicht nur zweimal durch schwedische Truppen (1655 und etwa 50 Jahre später nochmals) stark zerstört wurde, sondern auch Mitte des 19. Jahrhunderts durch einen 10 Tage dauernden Stadtbrand in Mitleidenschaft gezogen wurde.


    Außerdem ist Krakau nur aufgrund zahlreicher Eingemeindungen die zweitgrößte Stadt Polens, effektiv wirkt es auf mich auch heute noch eher kleinstädtisch, eher wie Landshut als München :smile:


    Tatsächlich hatte Krakau zum Zeitpunkt der Gründung der Republik Krakau im Jahr 1815 gerade einmal 25.000 Einwohner und wuchs bis zum oben genannten Stadtbrand auch nur bis auf 40.000 Einwohner an. Nach der Angliederung an Österreich bzw. Galizien wurde Krakau durch Österreich zu einer Festungsstadt ausgebaut, was wiederum das weitere Wachstum allein schon aufgrund von Platzmangel verhinderte.


    Tatsächlich bestand Krakau in der Zeit der Republik Krakau im wesentlichen nur aus der heutigen Altstadt, die ähnlich dicht bebaut war wie heute, und einer Reihe von sehr sporadisch bebauten und verarmten Vorstädten - von der Fläche her eine Kleinstadt mit etwa 1 km in Nord-Süd-Richtung und maximal 500 m in Ost-West-Richtung.


    Auf diesem Stadtplan, der allerdings schon von 1891 stammt, sind die historischen Vorstädte indes schon sehr dicht bebaut, tatsächlich wies Krakau von allen Städten in Österreich-Ungarn die höchste Bevölkerungsdichte auf:


    800px-Krakow_1891.jpg


    "śródmieście" bedeutet "Stadtmitte" und ist mit der Altstadt identisch, "Zamek" wiederum bedeutet "Schloß" und bezeichnet den Wawel, der sich südlich an die Altstadt anschließt.


    Um die Altstadt herum sind dann die Vorstädte (die Karte muß um 90 Grad gedreht werden, der Norden ist links) Kleparz (mit dem Jan-Matejko-Platz gibt es dort die den sehenswertesten Platz außerhalb der Altstadt), Piasek und Nowy Świat (=Neue Welt, vgl. den gleichnamigen Stadtteil in Warschau) angeordnet. Stradom lag zwar jenseits der Alten Weichsel (einem Nebenarm), war aber eine Vorstadt von Kazimierz.


    Kazimierz wiederum war ursprünglich eine eigene Stadt (die im Jahr 1800 eingemeindet wurde), die sogar durch einen später zugeschütteten Arm der Weichsel getrennt war und ein eigenes Zentrum aufwies ... oder vielleicht sogar zwei, da sie im westlichen Teil christlich und im östlichen Teil jüdisch geprägt war.


    Größer war Krakau damals tatsächlich nicht, wie aus diesem österreichischen Stadtplan hervorgeht:


    Krakau_Stadtplan_1896.jpg


    Eigentlich ist Krakau selbst auch heute nicht größer, denn das gesamte Wachstum erfolgte durch drei große Wellen an Eingemeindungen.


    Die erste begann in der Endphase der österreichischen Zeit ab 1907, als die Stadtbefestigungen fielen und die Stadtfläche von 6 auf zuerst 30 und später sogar 50 Quadratkilometer vergrößert wurde (und z. B. 1915 Podgorze eingemeindet wurde). Nach einer eher langsamen Stadterweiterung in den Zwischenkriegsjahren wurde Krakau dann ausgerechnet während der deutschen Besatzung massiv vergrößert und zwar auf nicht weniger als 168 Quadratkilometer.


    In die Zeit der Volksrepublik fallen dann all die Plattenbauten am Stadtrand sowie die Gründung und Eingemeidung von Nowa Huta als "proletarischem" Gegenstück zum "bürgerlichen" Krakau mit über 200.000 Einwohnern.


    Entsprechend besteht Krakau also aus einen ziemlich kleinen, aber extrem sehenswerten Zentrum, und einer ganzen Reihe an Sub-Zentren rundherum, die allerdings meist weder besonders sehenswert noch besonders gut erhalten sind (mit Ausnahme von Kazimierz und Teilen von Kleparz), grob geschätzt dürften 80 % der Fläche Krakaus auf Plattenbauviertel entfallen, die Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts blieb eher Stückwerk und auch mengenmäßig minimal (also kein Vergleich mit Prag mit seinen riesigen Altbaubeständen).

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  • Hier ein ungefährer Überblick des Rundgangs mit den Foto-Standorten (leider funktionierte der Tagger nicht wirklich exakt ...):



    Wir beginnen im Norden in der Umgebung des neuen Bahnhofs aus dem Jahr 2014, der sich indes hinter diesem großen Einkaufszentrum befindet:




    Wiederum hinter dem neuen, weitgehend unterirdischen Bahnhof befindet sich das Gebäude des neuen Busbahnhofs, so daß es gar nicht so einfach war, aus dem riesigen Komplex (übrigens zu 70 % von der EU finanziert) in die Stadt zu finden ...


    Gleich gegenüber sieht es noch nicht so modern aus, Blick nach Kleparz:



    Die alte Bahnhof von Mitte des 19. Jahrhunderts existiert weiterhin und wurde sogar saniert:



    Hier befinden wir uns nun schon am nördlichen Rand der Altstadt, die von einer langen Grünanlage (Planty) umschlossen wird, dort befand sich früher die Stadtbefestigung (die spätere österreichische Befestigung schloß ja die Vorstädte ein).


    Dort fällt der Blick auf das Städtische Theater von 1893, später dem Dichter Juliusz Słowacki gewidmet:



    An dieser Stelle befand sich zuvor eine Kirche mit säkularisiertem Kloster, die hierfür abgerissen wurden.


    Nördlich davon ein kurzer Blick auf Kleparz, bei dem Gebäude handelt es sich um die Schulaufsicht:



    Im Norden der Altstadt ist noch ein Rest der Stadtbefestigung erhalten, mitsamt der größten Barbakane in Europa neben dem Florianstor.


    Tor der Barbakane:



    Beginn der Stadtbefestigung:



    Weiterer Verlauf zum Florianstor:




    Und hier endet die kurze Stadtmauer auch schon:



    Gleich dahinter beginnt die Altstadt, hier das Eckgebäude direkt neben dem oben gezeigten Theater:


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  • Wir betreten nun die nördliche Altstadthälfte, die deutlich dichter bebaut ist als die südliche Hälfte), die meines Erachtens südlich der Ost-West-Achse Franziszkanska/Dominikanska beginnt (also knapp südlich des Hauptplatzes).


    Zunächst ein Blick zurück auf die Piaristenkirche:


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    Etwas weiter östlich geht es dann entlang der Florianska nach Süden (entsprechend ist auch das gleichnamige Tor im Hintergrund zu sehen):


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    Von derselben Straße aus fällt der Blick auf die Türme der Marienkirche, was auch die geringen Abmessungen der Altstadt verdeutlicht:


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    Nicht alle Gebäude befinden sich im Bestzustand:


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    Ein Blick auf die Johanneskirche, leider von hinten:


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    Jetzt sind wir schon fast am Hauptmarkt, Blick zurück:


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    Und der Blick auf den Markt:


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    Der riesige Platz ist beeindruckend - hier die Tuchhallen, die tatsächlich erst in der österreichischen Zeit ihr heutiges Aussehen erhielten:


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    Das Margrabska-Haus aus dem 14. Jahrhundert, kurz nach der Tuchhalle ähnlich umfassend umgebaut (etwa gegen 1880):


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    Die weitere Bebauung entlang des Platzes:


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    Das Denkmal für Adam Mickiewicz:


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    Blick auf die Marienkirche:


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    Generell fällt auf, daß der Platz ziemlich leer ist - abgesehen von den Tuchhallen gibt es nur noch die Adalbertkirche und den verbliebenen Turm des 1820 abgerissenen Rathauses, hier nochmals ein Blick auf die Marienkirche:


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  • Blick auf den Rathausturm:


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    Und auf die schon oben genannte Adalbertkirche:


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    Blick auf die Umbauung des Platzes:


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    Anstatt auch gleich noch den südlichen Teil der Altstadt zu besuchen, zu dem diese Straße führt:


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    Soll es in Richtung Westen gehen:


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    Bereits in rund 200 Metern Entfernung endet hier die Altstadt an einem Grüngürtel:


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    Bei der oben bereits abgebildeten Kirche handelt es sich um die Annakirche:


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    Gleich südlich davon befindet sich die Jagiellonen-Universität (einer der Rektoren war übrigens zugleich Bürgermeister, nämlich Joseph Dietl, nach dem auch eine Straße benannt ist, die auf einem zugeschütteten früheren Weichselarm verläuft, dazu später mehr):


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    Somit haben wir den Ring erreicht, in diesem Abschnitt Podwale genannt und recht großstädtisch bebaut:


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    In Richtung Süden zunächst noch ähnlich prächtige Architektur:


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    Dieses Gebäude wurde überraschenderweise bei Wer kennt's sofort erraten:


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    Es handelt sich um das "Technikhaus" von 1907, eines der ersten Jugendstilgebäude in Krakau.

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  • Was mich erstaunt ist die Winzigkeit der "eigentlichen" Stadt. Wenn da nach so ein paar Schritten schon wieder der Grüngürtel kommt (ehem. Wall oder Festungsanlagen o.ä.), dann sind das ja wirklich nur wenige Straßenzüge und ein riesiger Platz. Die Stadt muß ja über Jahrhunderte relativ wenig Einwohner gehabt haben, das hätte ich nicht gedacht - in meinem Hirn war Krakau immer als "bedeutend" verzeichnet - und die Gebäude sind auch sehr sehenswert! - aber offenbar ist es im Vergleich zu Prag allenfalls eine Mittelstadt.

  • Für polnische Verhältnisse ist es aber auch eine wirklich hochbedeutende Stadt! Neben Krakau sind dort ja nur sehr wenige Altstädte (Torun, Lublin, Zamosc - mehr fällt mir da einfach nicht ein) überhaupt erhalten geblieben - sowas wie Stralsund, oder gar Görlitz, scheint es im heutigen Polen also tatsächlich nicht (mehr) zu geben...

  • Lublin wurde meines Wissens recht umfassend zerstört und dann in Teilen wieder aufgebaut, unzerstört blieb neben Krakau vor allem Lodz, was aber nicht gerade mit besonderen historischen Gebäuden aufwarten kann.


    Krakau war aber - wie im ersten Beitrag erwähnt - eigentlich immer eher eine Kleinstadt, die auch nicht großartig organisch wuchs, sondern ihre heutige Bevölkerungszahl Eingemeindungen verdankte (so ähnlich wie Bozen oder Maribor, die ja strukturell auch eher Kleinstädte sind, auch Hamburg ist ja vor allem durch das Groß-Hamburg-Gesetz gewachsen, das eigentliche Zentrum ist ja relativ klein).


    Die Vorstädte haben in Krakau eine Breite von maximal 500 Metern, im Süden ist die Altstadt nur noch so 300 Meter breit und besteht im Wesentlichen aus einer einzigen bedeutenden Straße in Nord-Süd-Richtung.


    Die Warschauer Altstadt ist indes noch viel kleiner, mit ungefähr 400 x 300 Metern.

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  • Die Warschauer Altstadt ist indes noch viel kleiner, mit ungefähr 400 x 300 Metern.

    Hm, welche Ausmaße hatten denn Prag, Frankfurt a.M., Nürnberg? Im MA waren Städte ja eh ziemlich klein.

    Kann es sein, daß man bei Warschau, Krakau die "gründerzeitlichen Erweiterungen" vermißt, die es in so vielen deutschen Städten gibt? Sind die polnischen Städte im 19.Jhdt vielleicht weniger gewachsen wie die deutschen?

  • Krakau ist alles andere als klein. Der slawischen Kernsiedlung unter dem Wawel wurde der riesige deutsche Zentralmarkt samt rechteckigem Straßennetz angefügt.

    Klarerweise ist dieses Straßennetz Richtung Wawel bzw seitlich davon kleiner disponiert als in der entgegensetzten Richtung:




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    Diese Ausdehnung kann man doch keineswegs als gering ansehen! Dieses Bild ist überdies noch nicht vom Ring aufgenommen.



    IMG_1339_DxO.jpg


    Die Krakauer Altstadt ist kaum kleiner als die Wiener Innenstadt. Die großen Metropolen bestehen alle aus einem Konglomerat diverser Zellen bzw Stadtzentren oder Schwesterstädten bzw Stadtteilen. Wien ist diese Entwicklung durch die Türkenpest bis 1683 verwehrt geblieben. Krakau ist offensichtlich nach der frühen Vertreibung der Deutschen nicht mehr so recht gewachsen und blieb auf sich beschränkt. Zu optimistisch angelegte Stadtzentren bzw gescheiterte Städte sind im Osten durchaus häufig zu beobachten. Die eingemeindeten Vororte sind bis auf Kazimierz, das auch über einen großen Ring verfügt (mit heute allerdings marginalisierter Randbebauung) nicht besonders bedeutend.

  • Bei Nürnberg komme ich bei einer kurzen Messung auf 1400 mal 1900 Meter innerhalb der erhaltenen Altstadtmauern, also deutlich mehr.


    Warschau hatte schon eine recht bedeutende gründerzeitliche Stadterweiterung, die allerdings fast komplett zerstört wurde, war ansonsten eine russische Provinzstadt, deren Erscheinungsbild auch durch die Russen deutlich umgestaltet wurde, siehe z. B. hier oder hier (mittleres Bild). Die Altstadt hatte in dieser Zeit keine Bedeutung mehr, verfiel und wurde rundherum mit anspruchslosen Gebäuden zugebaut, so schön wie heute war das Original nie ... bedeutender war da sicherlich die Krakauer Vorstadt südlich der Altstadt, die ja auch teilrekonstruiert wurde (Ansicht z. B. hier).


    Krakau konnte ja aufgrund der Stadtbefestigung kaum wachsen und war letztlich auch eine unbedeutende Provinzstadt geworden, vielleicht vergleichbar mit Städten wie Brügge (einstmals bedeutend, dann lange Jahre fast vergessen, was andererseits gerade den früheren Zustand so gut konservierte). Außerdem grenzte Krakau ja zu Zeiten der Republik Krakau direkt an der Weichsel schon an Österreich bzw. an andere Städte wie eben Kazimierz (die dann zwar eingemeindet wurden, aber mit ihrem eigenen Zentrum und ihren eigenen Vorstädten wie Stradom eben schon existierten und auch keinen Platz für eigenes Wachstum der Stadt Krakau boten).

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  • Nürnberg kann man heute schwer abschätzen, weil fast nichts mehr steht. Abgesehen davon ist es auch eine zusammengesetzte Doppelstadt. Als größte Altstädte des Reichs galten Köln, Augsburg und Magdeburg, von denen bekanntlich nur noch die Zweitgenannte über nennenswerte Altstadtreste verfügt. Wien lässt sich nicht vernünftig abmessen, was dort als "Altstadt" anzusehen ist reine Philosophiefrage, zumal recht bald jenseits des Ringes bedeutende Altbauquartiere anschließen. Die eigentliche, also lange ummauerte Innenstadt war mit einem Durchmesser von etwa 800 m nicht sehr groß.

  • Anhand der fast vollständig erhaltenen Stadtmauer läßt sich die Größe der Nürnberger Altstadt doch gut abschätzen, da komme ich dann auf die ungefähr 1900 mal 1400 Meter.


    Nürnberg Mitte des 19. Jahrhunderts:



    Krakau Mitte des 19. Jahrhunderts (sogar noch vor dem Stadtbrand 1850):



    Die Vorstädte existierten nach den Zerstörungen 1655 und 1702 offensichtlich fast nicht mehr, die Nürnberger Altstadt dürfte mindestens die vierfache Fläche aufweisen.

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  • Ja, die ummauert gewesene Stadt ist recht klein, aber daß die prospektiven Erweiterungsgebiete[1] außerhalb der Mauer gar so schütter bebaut sind - da müssen doch wohl ziemliche Zuzugshemmnisse bestanden haben, auch wenn ich nicht weiß, was da genau los war.


    [1] Die sind explizit Przedmiesce=Vorstadt benannt, die Stadtplanung war also schon ganz richtig auf Erweiterung aus; aber nur die Stradom-Vorstadt kommt auf eine einzige komplett mit Häusern gesäumte Straße, bei den anderen Vorstädten nicht mal das - da sind immer Gärten und Wiesen dazwischen.

    Habe gerade ein bißchen wikipädiert, die Zerstörung der Vorstädte geschah wohl im 2. Nordischen Krieg, der als Ergebnis eine starke Verkleinerung des vorher zusammenhängenden Gebiets Polen-Litauen-Weißrußland-Ukraine hatte. Die Karte von 1655 mit der schwedischen und russischen Besetzung zeigt eine Grenze ähnlich der heutigen Ostgrenze Polens... ist das die Linie, auf die England und Rußland sich stets einigen?

  • Nürnberg kann man heute schwer abschätzen

    Es gibt nicht so viele Städte, bei denen man so deutlich ablesen kann, wo die Außengrenze der Altstadt verläuft, wie das in Nürnberg der Fall ist. Nicht nur im Grundriss, auch in der Ansicht ist das duch die mächtige Stadtbefestigung überall unübersehbar. Auch im Alltag gibt es ein Bewusstsein der gedanklichen Trennung von Altstadt und Neustadt. Nürnberg ist geradezu das Idealbeispiel für eine in der Gegenwart deutlich wahrnehmbare Altstadtgrenze, und das als Großstadt. München etwa kann das überhaupt nicht bieten; nur im Westen und Südwesten kann man die Altstadtgrenze noch einigermaßen leicht ablesen.


    weil fast nichts mehr steht.

    Der Umstand, dass von der historischen Bebauung viel verlorengegangen ist, heißt mitnichten, dass die Altstadtgrenze nicht mehr wahrnehmbar wäre. Und selbstverständich gehört das ganze Gebiet innerhalb der Stadtbefestigung zur Altstadt.


    Abgesehen davon ist es auch eine zusammengesetzte Doppelstadt.

    Nur weil Nürnberg von der Pegnitz durchflossen ist, ist es noch lange keine "Doppelstadt". Es ist ja nun auch nicht so, dass alle möglichen zentralen Einrichtungen doppelt vorhanden wären. Dieser Eindruck entsteht vielleicht anhand der Pfarreien mit ihren Kirchen. Dass manches mehrfach vorkommt, ist aber eine ganz normale Erscheinung in großen Städten.


    Nach dieser Logik könnte man vielleicht Berching als "Doppelstadt" ansehen, dies im Gegensatz zu Nürnberg insoweit ein Stück weit zu Recht, weil die Sulz hier schon eine gewisse Trennung verursacht, die auch städtebaulich ihren Ausdruck findet.

  • da müssen doch wohl ziemliche Zuzugshemmnisse bestanden haben, auch wenn ich nicht weiß, was da genau los war.

    Nach dem Goldenen Zeitalter des 16. Jahrhunderts kam eine Reihe von Katastrophen - die Pest, die Nordischen Kriege, der Bedeutungsverlust durch die Verlegung der Hauptstadt. So halbierte sich die Bevölkerungszahl von 14.000 Einwohnern im 16. Jahrhundert bis zum Ende des 18. Jahrhunderts und stieg erst im 19. Jahrhundert wieder an.


    Laut meinem Architekturführer waren die Vorstädte aber immer eher ärmlich, heute ist es eine ziemliche Mischung aus unterschiedlichster Bebauung, in der aber eine Reihe von Sehenswürdigkeiten "versteckt" sind.


    Wirklich groß sind die Vorstädte aber auch heute nicht, ungefähr 400 bis 600 Meter, die Struktur ist klar erkennbar, da die nach Juliusz Słowacki und Adam Mickiewicz benannte Ringstraße im Westen auch heute noch deren Ende klar markiert:


    krakauosm.jpg


    Im Südosten gehörte Stradom ja gar nicht zu Krakau, sondern zu Kazimierz, obwohl diesseits der Alten Weichsel gelegen, dort verläuft heute die nach Joseph Dietl benannte Straße.


    Die Frage nach der polnischen Ostgrenze ist aufgrund des Doppelstaats Polen-Litauen recht komplex zu beantworten, Litauen war ja früher eine Großmacht, durch Heirat mit Polen verbunden, wobei die östlichen Gebiete in den gemeinsamen Staat von Litauen (die Jagiellonen stammten ja auch aus Litauen) eingebracht wurden - allerdings war dort gar nicht Litauisch die Amtssprache, sondern Ruthenisch (also eine mit dem Russischen eng verwandte Sprache). Vermutlich gehörten große Teile dieser Gebiete eher formal zu Litauen und spalteten sich möglichst schnell wieder ab.


    OT Der allseits bekannte Lukas Podolski leitet seinen Namen von Podolien ab :smile:

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  • Zeno, das ist mir schon klar hinsichtlich Nürnberg. Ich ging von Touristenperspektive aus. Man hat nicht mehr das Gefühl, in einer Altstadt zu sein, daher reflektiert man nicht über deren Größe.

    So viel ich weiß, wurden die beiden Stadtteile erst im 16. Jh vereinigt.

    Die beiden Stadtpläne kann man mangels Maßstäblichkeit nicht gut vergleichen. Krakaus "Neustadt" dürfte 600x 600m² tatsächlich nicht übersteigen, wobei 200x200 Freifläche ist.

    1900x1400 wäre 2.660.000, das wäre sogar das 7,4 fache von Krakaus "Neustadt". Das "Okol"-Viertel unter der Burg fällt flächenmäßig nicht ins Gewicht.

  • Ah, die Stradom-Vorstadt gehörte als Brückenkopf also bereits zu Kazimierz...

    Die polnisch-litauische Union ist ja ein ganz spezieller Fall, so ein Vielvölkerstaat wie die kuk-Monarchie, allerdings früher "explodiert"... das HRR brauchte ja auch Jahrhunderte, um sich vom 30jährigen Krieg zu erholen, aber in Polen-Litauen scheint das mit den Nordischen Kriegen ja noch länger gedauert zu haben, wenn man sich Krakaus Stadtentwicklung betrachtet...

  • Nach der Theorie nun die Praxis, wir werfen noch einen Blick auf die Rückseite der Jagiellonenuniversität:


    IMG_1378_DxO.jpg


    Und betreten die Vorstadt Neue Welt über die Jablonowskich-Straße:


    IMG_1379_DxO.jpg


    Der Erhaltungszustand der Gebäude wechselt stark:


    IMG_1382_DxO.jpg


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    Auf der rechten Seite kommt ein kleiner Platz, der Skwer Brora Hansona als Grünanlage, umgeben vom Plac Sikorskiego (Skwer = Square, Plac = Platz :tongue: - wer errät ohne Google, was Zoliborz heißen könnte?)

    IMG_1381_DxO.jpg


    Geht man von hier aus nach Süden, kommt man zu einem kleinen Platz, der eigentlich eher der Auftakt zu einer größeren Straße ist, der Retoryka. Dort befindet sich ein Denkmal für Pilsudski und die vier Legionäre:


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    Dort gibt es die Herz-Jesu-Kirche von 1900 zu entdecken:


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    Gegenüber befindet sich eine "Kunstturnhalle" laut Internet-Recherche, stilistisch ähnlich der Kirche:


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    Das Eckgebäude zur querenden Pilsudski-Straße:


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    Reizvolle Fassaden am Auftakt der Retoryka-Straße:


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    Leider wird das Niveau nicht gehalten:


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    Zwischendurch wieder historische Abschnitte, aber teilweise vernachlässigt bzw. mit Neubauten durchsetzt:


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    Die Straße führt direkt nach Süden zur Weichsel, nach Süden hin überwiegt dann die Bebauung neueren Datums:


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    Hier sind wir schon direkt an der Weichsel angekommen:


    IMG_1395_DxO.jpg


    Blick zum Wawel:


    IMG_1396_DxO.jpg

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