Wuppertal, das bergische Gründerzeitparadies (Galerie)

  • Schon vor längerer Zeit habe ich vorgehabt, eine Galerie zu Wuppertal zu erstellen, insbesondere weil es hier noch keine Illustrationen dazu gibt und es ein gewisses Interesse gibt bei vielen Forumern.


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    Wuppertal-Elberfeld um 1845. Damals noch eine eher ländlich geprägte Stadt.


    Wuppertal als zusammenhängende Stadt gibt es erst seit 1929. Davor waren Elberfeld (erstmals 1161 erwähnt) und Barmen (erstmals 1070 erwähnt) , heute nur noch Stadtteile die zwei größten Städte im Tal der Wupper. Wir schauen uns zunächst Elberfeld an mit seinen leider 1943 im letzten Krieg zerstörten Innenstadtbereich mit der Schwebebahn, anshcließend die viel besser erhaltene westliche Innenstadt, und die Villengürtel mit ihren gründerzeitlichen Meisterwerken an. Aber auch für Freunde älterer Bausubstanz haben Beyenburg und Ronsdorf Einiges zu bieten! Na dann los:trommeln:


    Beginnen wir am eher wenig einladenen Hauptbahnhof in Elberfeld. Das Empfangsgebäude wurde 1848 erbaut und stellt damit eines der ältesten Gebäude dieser Art dar.


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    Christian Liebscher - Eigenes Werk CC BY-SA 4.0


    Zustand 2014


    In der Nachkriegszeit hatte man das Erdgeschoss verhunzt. Der Ortsveband von Stadtbild Deutschland hatte den Vorchlag unterstützt, die Rundbögen im EG wiederherzustellen, doch die Bahn hatte es abgelehnt. Dennoch eine Besserung da das Geschoss wieder vom 60er Jahre Graus befreit wurde. Davor kam jedoch eine Einkaufspassage:


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    Zustand 2018


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    Ein schräger Neubau:


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    Es ist trotz alledem laut meinen Bekannten aus Wuppertal auch eine Verbesserung, da das Gebilde an einer Fußgängerbrücke steht, welche die stark befahrene B7 "versteckt".


    Über diese Brücke gelangen wir schnell in die Innenstadt. Davor aber sehen wir uns die Schwebebahn an, ein technisches Wunder, welches schon 1901 eröffnet wurde und praktisch einmalig ist auf de Welt. Außerdem ist es eines der sichersten Verkehrsmittel, welches sehr wenig Unfälle aufweist in seiner Geschichte:


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    Hier sieht man auch einen neuen Triebwagen hergestellt im spanischen Valencia:


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  • Über die Straße "Alte Freiheit" biegen wir nun links in die Calvinstraße:



    In diesem Bereich der Stadt ist praktisch ein Totalverlust der historischen Bausubstanz zu beklagen, die restlichen Altbauten wurden in der Nachkriegszeit stark verunstaltet...







    Der Kirchplatz:




    Die "City Kirche" früher die reformierte Kirche von Elberfeld, ist im Kern romanisch aus den 13. Jh. (Apsis), der Rest ist von 1689,nach dem Stadtbrand von 1687:





    Leider ist ausgerechnet dieses romanische Bauzeungis in einen desolaten Zustand...


  • Hier ist einiges unverständlich:

    Zum Empfangsgebäude werden augenscheinlich zwei verschiedene Bauwerke gezeigt. Was ist der Unterschied zwischen 2014 und 2018 abgesehen von den hier gezeigten ganz unterschiedlichen Hintergrundgebäuden? Was zeigt das erste Bahnhofsbild? Den Zustand mit verhunztem Erdgeschoß? Wie sieht dieses jedoch heute aus? Auf den Folgebildern ist es verdeckt?

    Inwiefern ist der schräge, jedoch recht ansprechende Neubau - offenbar unabhängig von seinen architektonischen Qualitäten - eine Verbesserung? Hat es überhaupt einen Vorgängerbau gegeben? Steht er an (=neben) oder auf einer Fußgängerbrücke?

    Ist die "City-Kirche" - was für eine barbarische Begriffsschöpfung - nun Kirche oder Café?

  • ursus carpaticus echt gut beobachtet:daumenoben:


    Erstens: zu dem Zeitpunkt des Besuchs war der ganze Bereich direkt um den Hbf gesperrt, sodass ich von dem Empfangebäude selbst leider kein Foto machen konnte.


    Hier hast du eine Ahnung, was für das EG vorgeschlagen wurde, und was stattdessen kommen könnte: Petition »Großer Bahnhof Wuppertal« - Wuppertalbewegung e.V.


    Aber offenbar ist noch alles offen wie ich gerade mitbekommen habe:


    Entscheidung über Hauptbahnhof bis Sommer 2020 - Wuppertal total: Aktuelle Nachrichten und lokale News


    Am Zustand hat sich wenig geändert, nur die rechteckigen Fenster unten sind eingebaut...


    Vor der Freilegung:



    Jty - Eigenes Werk CC BY-SA 3.0


    Danach:



    Atamari - Eigenes Werk CC BY-SA 4.0


    Zweitens: das andere gezeigte Gebäude ist die alte Reichsbahndirektion, nordwestlich vom Hbf gelegen.


    Drittens: der modernistische Neubau in dem sich ein "Primark" befindet, steht südlich neben der Fußgängerbrücke. Es ist ein Solitär. Früher war alles ein großer Platz (Bahnhofsvorplatz) mit vielen Bäumen der aber gefährlich war für Fußgängerwiegesagt wegen der durchfahreren B7.


    Und viertens: ja die Kirche wird seit 2002 auch als Café genutzt aber auch zt als Gotteshaus (so ist das Konzept dieser "City-Kirchen" auch in Saarbrücken mit der Johanniskirche ist das so). Aber Eigentümer bleibt die reformierte Kirche: Programm

  • Die Gegend vor dem Hauptbf ist nach meiner Erinnerung schwer zu fotografieren, weil da erst ein Hang und dann die breite, vielbefahrene Straße kommt. Da wo der Neubau mit den rechteckigen Löchern mit der Treppe dazwischen steht, waren um 2007 mE Büdchen, halbverfallene Behelfsbauten aus den 50ern, ein paar noch in Betrieb. Fachwerkliebhaber : stimmt das so oder ist es noch anders?

  • Loggia Ja du hast vollkommen recht. Mit der Einkauifspassage haben sie den Hang weiter abgetragen, daher auch eine komplitzierte Situation. Über das alte Street-View kann man sich die Vorsituation anschauen da waren in der Tat einige hässliche Nachkriegsbuden aber nicht dort wo dieser Primark Bau steht, sondern eher dort wo jetzt ein riesiger Busbahnhof steht: Google Maps


    Weiter gehts.



    Um den Kirchplatz gibt es noch einige Nachkriegsbaracken, darunter auch eine für die Touristeninfo:




    Ein alter Ladeneinbau hat sich noch erhalten:




    So sah der Grundriss des mittelalterlichen Städtchen aus:



    Das alte Rathaus, ein klassizistischer Bau wohl Mitte des 19. Jh. jetzt Von-der-Heydt-Museum:




  • Kirchstraße Ecke Wall ein Geschäftshaus im Retro-Stil der "neuen Sachlichkeit":




    Folgen wir der Wallstraße Richtung Norden zum Neumarkt:




    Hier steht das wunderbare neue Rathaus von Elberfeld. Es wurde vom Berliner Architekturbüro Reinhardt & Süßenguth von 1895-1900 errichtet und durch den deutschen Kaiser Wilhelm II mit seiner Frau neben der Eröffnung der Schwebebahn höchstpersönlich eingeweiht:




    Mit Jubiläumsbrunnen:



    Man sollte sich nur nicht umdrehen:


  • Schauen wir uns im Detail dieses prächtige Bauwerk deutscher Stadtbaukunst an:






    Das wunderschöne Eingangsportal schon mit Jugendstilanklängen:



    Werfen wir ein Blick ins Innere:




    Der Innenhof:



    Nordöstlich ein postmodernes Gebäude:



    Das Rathaus von Westen (Willy-Brandt Platz). Dieser angebrochene ehem. Innenhof war vor dem Krieg wohl geschlossen:




  • Das Elberfelder Rathaus scheint eine ähnliche Größe zu haben wie das in Charlottenburg - recht imposant. Das Charlottenburger ist noch ein bißchen jugendstiliger, aber beide haben hohe Türme und diese verwinkelte Struktur.

  • Auch hier die mich aufregende Unsitte, historische Fassaden als Plakatwände zu missbrauchen.

    Was stellt die so ansprechende junge Schlangentreterin (Bild unter der Justitia) dar?

    1. Angesichts des in diesem Stadtzentrum zu sehenden Nachkriegsschrotts erscheint mir das als das geringere Problem.

    2. Die Wahrheit.

    (Siehe hier: Figurenschmuck des Elberfelder Rathauses (2010) - Denkmal-Wuppertal.de)

  • Westlich des Neumarkts befindet sich der Kauhof. Die Fassade zum Platz zu ist aus den 1970ern:



    Dahinter in der Neumarktstraße entdecken wir die alte Fassade im Reformstil, 1911/1912 vom Wilhelm Kreis für das den Tietz-Konzern errichtet:



    Zur anderen Seite verunstaltet die "Schnecke" des Parkhauses die historische Fassade...



    Etwas weiter Richtung Westen eine positive Entwicklung: ein mit so einer Art Horten-Kacheln verunstaltetes historisches Kaufhaus wurde freigelegt:



    Gegenüber wieder verunstaltete Altbauten:





  • Neumarktstr / Herzogstr.




    Gegenüber:




    So nun höre ich auf euch mit hässlichen Bausünden zu quälen : wir verlassen jetzt die von den Alliierten stark zerstörte Innenstadt und gelangen nun in deutlich besser erhaltene Viertel:


    Laurentiustraße:



    Hier stehen die ersten klassizistischen Häuser der Stadterweiterung von Anfang-Mitte des 19. Jh. Doch hinter der Fassade sind es oft Fachwerkbauten:




  • In symbolträchtiger Art und Weise erscheint nun auch plötzlich die Sonne.


    Der Laurentiusplatz mit der klassizistischen Laurentiuskirche, 1828-1847 erbaut nach dem Elberfelder Stadtpatrons, des Hl. Laurentius geweiht.





    Das Innere wurde nach der Zerstörung 1943 bis 1974 rekonstruiert:









  • Verlassen wir wieder die Kirche. Wir stoßen auf mehrere historistische Kiosks in Fachwerkbauweise am Rande des Platzes:


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    In der Auer Schulstraße bekommen wir endlich ein Art "Altstadtgefühl" obwohl die meisten verschieferten Bauten aus dem 19., Jh. stammen:


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    Einmündung in die Luisenstraße:


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  • So so , die Wahrheit ist nicht nur umgangssprachlich nackt... diese Wahrheit ließe ich mir gefallen.


    auch der "Gabeljürge" erinnert an den dt. Osten, obzwar in Glatz gar kein solcher stand.


    Der Platzraum ist mit der eng ans Rathaus grenzenden Durchzugsstraße wohl recht unglücklich gestaltet.

    In der Auer Schulstraße bekommen wir endlich ein Art "Altstadtgefühl"

    es ist wohl zu bezweifeln, dass die Elberfelder Altstadt so schön gewesen ist.

    Abgesehen davon missfällt mir das Zentrum auf diesen Photographien gar nicht allzusehr.

    es ist doch noch einiges erhalten, und irgendwie spricht mich dieser Widerspruch zwischen den engen alten Straßen und dem weitgehenden Bebauungsschrott auf ganz merkwürdige Weise an.

    auch dieser Blick hat was:

    Elberfelder Rathaus Foto & Bild | world, nrw, deutschland Bilder auf fotocommunity