Marienwerder (Allgemeines)

  • Im westpreussischen Marienwerder, dessen Ordensschloss und Kathedrale zwar den Krieg überlebt haben, dafür aber die Altstadt vollständig ausradiert wurde, versucht man nun die von Plattenbauten dominierte ehem. Altstadt mit Giebelhäusern aufzuhübschen und zu verdichten. Wie immer sehr löblich was die Polen in ehemals deutschen Städten unternehmen um es für die Einwohner attraktiver zu gestalten. Die einen Gebäude sind gelungen, andere eher weniger. Aber wenn man das Konzept weiterhin anwendet, verschwinden bald die Plattenbauten aus dem Zentrum und das ist das Wichtigste.



    Marienwerder - Bauprojekt

  • MArienwerder ist weniger durch Krieg als durch nachträglichen Abriss (angeblich um Steine für Warschau zu lukrieren) ausgelöscht worden. Ohne Rekonstruktion des (neogot.) Rathauses sind diese postpostmodern-billigen Schmonzes einen Dreck wert.

  • MArienwerder ist weniger durch Krieg als durch nachträglichen Abriss (angeblich um Steine für Warschau zu lukrieren) ausgelöscht worden. Ohne Rekonstruktion des (neogot.) Rathauses sind diese postpostmodern-billigen Schmonzes einen Dreck wert.


    Ja aber wenn man genau hinschaut, ist bei der Kirche durch die Neubauten bereits eine enge Gasse entstanden. Ausserdem finde ich das Vorhaben löblich, besser als die x-te Schuhschachtel.


    Aber es stimmt, das alte Rathaus fehlt schmerzlich und sollte rekonstruiert werden.



  • Das ist qualitativ weit hochwertiger als das was in Anklam entstehen soll.

    Ganz meine Meinung. Es ist eine Ordnung zwischen den Häusern unter sich, sie passen zusammen. Auch bei den Farbgebungen, die zwar ein ganz kleines Bisschen mutiger hätte ausfallen dürfen. Die einzigen beiden Kritikpunkte sind wieder einmal die Loggien (Löcher gehören einfach nicht in eine Schaufassade, es sei denn, dass sie als Hingucker/Akzent über einem Eingang oder in einem Giebeldreieck platziert werden) und die zu niedrigen Geschosshöhen. Daraus resultieren quadratische bis zuweilen sogar querliegende Fenster. 30 bis 40 cm Mehrhöhe pro Geschoss hätten der Architektur gut getan.


    An einem so erhabenden Platz ist nur das Beste gut genug.

    Und davon ist DAS Lichtjahre entfernt.

    Jedenfalls fällt diese Bauweise nicht unter Russenkitsch, und ich finde sie um Meilen besser als das, was in Anklam entstehen soll. Auch das postmoderne Experiment 'Saalgasse' in Frankfurt kann noch lange nicht damit mithalten. Bild 29 hat es mir angetan, ausser eben, dass die Fensteröffnungen gedrungen wirken.


    Ohne Rekonstruktion des (neogot.) Rathauses sind diese postpostmodern-billigen Schmonzes einen Dreck wert.

    Als postmodern kann man diese Neubauten keinesfalls bezeichnen. Wohl gibt es vielleicht einige Elemente der Postmoderne, aber die muss man wirklich suchen. Postmodern heisst für mich ein Spiel mit den Grundformen, also Quadrate, Dreiecke, Kreise und Zahnstochersäulen. Vielleicht schon fast ein kindisches Spiel (wird deshalb die Postmoderne oft belächelt?). >> Saalgasse in Frankfurt und auch hier.


    Mit Lübeck ist das Projekt schwer zu vergleichen, da dort individuelle Bauherren und Architekten mittels Wettbewerben zum Zuge kamen und so eine grössere Vielfalt erreicht wurde als in Marienwerder.

  • Über das kann man elend lang diskutieren, auch ich mit mir selber, da ich mit mir keineswegs so grün bin, wie es scheinen mag. Man Geschmacksinn sagt einfach unterm Stich: nein, Kitsch und und Geschichtsfälschung. Irgend was widerstrebt mir, diese ganze Geschichte, dieser Schauplatz namenlosen Elends und Untergangs, der jetzt mit ein paar so großkotzigen Fassaden behübscht werden soll, als ob nichts passiert wäre. Vielleicht bin ich hier so destruktiv-gehässig wie die Linken und ihre Zuchtmeister bei unserem Städtebau, die auch nicht anders können, als nur auf "unsere dunkle Vergangenheit" zu verweisen und alles Schöne ablehnen. Aber hier ist es doch wirklich nicht so einfach. Wer heute da wohnt, hat keine Ahnen von hier aus der Vorkriegszeit. Es kommt mir so vor, man wolle jemand anderer sein. Mir kommt das zwischen Verfall, Sozialismus und Schäbigkeit angesiedelte Stadtbild angemessener vor als diese protzigen Lauben, die außerdem eher an Böhmen/Mähren als an diesen Landstrich erinnern.

    Obwohl:

    marienwerder - Google-Suche


    es ist wirklich "ähnlich". Aber eben doch eine Spur zu großkotzig.

    Ja, ich bin da auch hin- und hergerissen.

    Natürlich kann man das nicht mit Anklam vergleichen. Anklam ist einfach geschichtsvergessen. Ohne Bewusstsein, ohne Geld, ohne Geschmack- da kann nichts Rechtes herauskommen.

  • als ob nichts passiert wäre

    Aber das ist doch gerade ein Zug der Vitalität einer Stadt: nach dem großen Stadtbrand/der Seuche/welcher Katastrophe auch immer wird sie wieder aufgebaut, und wenn es die wirtschaftlichen und poltitischen Verhältnisse zulassen, sogar mitunter schöner als zuvor.

    Hätte man Dresden zerbombt lassen sollen? Nicht wirklich, oder?

  • Das alte Ostdeutschland wurde 1945 aber nicht nur zerstört, sondern vollkommen ausgelöscht! Dresden und Nürnberg sind auch heute immer noch deutsche Städte, Marienwerder, Danzig und Elbing hingegen schon lange nicht mehr...

  • Folglich zieht es mich dort auch nicht hin.


    Beispiel Danzig:


    2020_06_23_11_05_21_geschichte_der_stadt_danzig_wikipedia.png


    Es gibt auf Wikipedia eine Liste der Bürgermeister Danzigs von 1342 bis heute. Von 1342 bis 1945 trugen sämtliche Bürgermeister deutsche Namen. (Liste auf: deutsch, englisch, polnisch).


    Es gibt für mich keinen Grund mir Gdansk, Wroclaw oder Szczecin anzusehen (nach polnischer Geschichtsschreibung: "die wiedergewonnenen Gebiete"), dafür bin ich zu sehr Patriot und auch zu stolz.


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    Off-topic, ich weiss ...

  • Na ja, ich hab da halt einen anderen Ansatz.


    Nehmen wir an irgendjemandem gelingt es meinen Vater, über intrigantes Wirken aus seinem Häus'lein (welches er von seinem Vater geerbt hat) rauszuschmeissen. So würde ich doch gewiss nie daran denken, den neuen Herren in diesem Häus'lein Besuch abzustatten und das erwarte ich auch von meinem Sohn ...


    Es wird niemals Frieden in Europa geben, bis Preußen ausradiert ist und die deutsche Hauptstadt von Berlin nach Frankfurt am Main verlegt wurde, da Berlin auf slawischem Land steht. Nur mit einer Revision der slawischen Niederlage kann Deutschland sicher niedergehalten werden.24


    (Quelle: Stefan Scheil„Polen 1939: Kriegskalkül, Vorbereitung, Vollzug“, S.41/42)

  • Apropos: Ich kannte wem aus einer sudetendeutschen Familie (mitterlweile verstorben), die folgendes Ritual pflegt: ein mal pro Jahr fährt sie in ihrer alte Heimat, Mastig im Riesengebirgsvorland, besucht dort ihr altes Haus, heute angeblich in niederländischem Besitz, aber praktisch leerstehend, steigt über den Zaun und macht dort mit Mitgebrachtem ein Picknick.

    Das würde ich nicht tun.

  • Erst mit völligem Vergessen ist "Marienwerder" völlig ausgelöscht.

    Na ja, nicht hinfahren bedeutet ja nicht zwangsläufig vergessen. Immerhin kann man Bilder ansehen und Geschichten erzählen. Das gilt umso mehr für jene Städte, die ihr Antlitz drastisch, bis hin zur Unkenntlichkeit veränderten (Elbing sei hier als Beispiel genannt).


    Selbst habe ich keine Wurzeln im alten deutschen Osten, wohl aber mein Sohn, dieser hat Schlesische über seine Mutter, bzw. über deren Grosseltern. (Meine Grossmutter väterlichseits widerum war eine Volksdeutsche aus Kroatien, deren Vorfahren aus dem Schwäbischen über Ungarn dorthin wanderten)


    Ich stamme ja gebürtig aus der alten Hauptstadt der Oberpfalz. Diese hatte vor dem Krieg ca. 28.000 und nach dem Krieg knapp 40.000 Einwohner. Dieser Bevölkerungsanstieg ist hauptächlich durch vertriebene Sudetendeutsche aber auch auf Schlesier zurückzuführen. Der neue Bürgermeister der Stadt hört auf den Namen Cerny (auf dem Gymnasium hatte ich einen Mathe-Lehrer gleichen Namens) und ist gewissermassen ein Zeugnis der damaligen Umwälzungen.


    Die Reputation der Tschechen in der Generation meiner Eltern war - so meine ich - im gesamten ostbayerischen Raum miserabel. Dazu zirkulierten viele zu viele Geschichten über Art und Weise dieser Vertreibung. Zum Teil Geschichten, die an die Nieren gehen ...


    Natürlich war ich früher öfter in Tschechien und in vielen Dingen fühlte ich mich dort heimischer (gerade die Ess- und Trinkkultur betreffend) als in manchen Regionen der BRD. Zuletzt war ich beruflich in Mähren ...