Aktuelle Meldungen zum Thema "Architektur"

  • Vor kurzem ging eine Meldung über eine EU-Richtlinie durch die Presse, welche die Charta von Venedig in verschärfter Weise aufnimmt. Konkret hieß es in dem Papier, daß bei EU-geförderten Baumaßnahmen Ergänzungen an Denkmalen im zeitgenössischen Stil vorzunehmen sind. In Westeuropa ist diese Praxis ja leider längst üblich, aber nun wird sie EU-weit, zumindest für geförderte Bauten, "empfohlen" (Artikel 16). Rekonstruktionen sollen ausdrücklich nur in Ausnahmefällen gefördert werden (Artikel 19). Auf nationale Projekte, wie wir sie gegenwärtig beispielsweise in Ungarn sehen, dürfte diese Richtlinie also keine Auswirkung haben, sofern keine EU-Förderung vorliegt. Hier ein Pressetext dazu.


    Jenseits des Atlantiks sieht es für die abendländische Architekturtradition gerade besser aus: Jüngst erschien ein Entwurf für eine Verfügung des US-Präsidenten mit dem Titel: “Making Federal Buildings Beautiful Again”. Der Entwurf sieht für bundesstaatliche Bauten, insbesondere Regierungsgebäude und Bundesgerichte, „den klassischen Architekturstil (gemeint ist der [Neo-]Klassizismus) als den bevorzugten und Standardstil“ vor. Dieser lege Wert auf Schönheit, respektiere das regionale architektonische Erbe und nötige der Öffentlichkeit Bewunderung ab.


    Wo vom klassischen Stil abgewichen werde, müsse die Gestaltung mit großer Sorgfalt und Rücksichtnahme erfolgen, um eine schöne Gestaltung zu finden, welche die Würde, den Unternehmergeist, die Kraft und Stabilität der amerikanischen Selbstverwaltung vermittle. „Architektur im brutalistischen oder dekonstruktivistischen Stil und die davon abgeleiteten Stile verfehlen diese Anforderungen und sollen nicht verwendet werden.“ Bei Renovierung unpassender Bauten solle eine Erneuerung im klassischen Stil in Erwägung gezogen werden.


    Die etablierte Architektenschaft und die Presse laufen dagegen Sturm: Klick, Klick, Klick, Klick... Und in der FAZ: Klick.

    Witziger Kommentar auf Twitter:

    the panic is understandable... if i were in the business of designing ugly buildings, i wouldn't want normal people getting involved.

  • Dafür verschwurbelt man hier nach alter Schönredens-Manier den Leuten ihren guten Geschmack selbst bei den banalsten Wohnaccessoires, wie einer Aufbewahrungsbox. Gerade beim Suchen im Netz bei toom.de entdeckt. Ich setze es mal hier rein. Gerne aber auch verschieben:

    Zitat


    Die Beton-Kollektion ist eine erstklassige und einzigartige Aufbewahrungslösung aus Kunststoff mit Beton-Optik und Haptik. Jede Box ist multifunktional einsetzbar, bequem dank Loch-Griffen an den Seiten und mit und ohne Deckel stapelbar. Mit einem kühlen Grauton verleiht die Beton-Serie jedem Raum Ihres Zuhauses eine entspannte und doch raffinierte Atmosphäre.

    Curver Aufbewahrungsbox 'Beton' M, rechteckig ǀ toom Baumarkt


    :augenrollen:

  • Lieber Schortschibähr, das ist ein schönes kleines Beispiel für ein Phänomen, das man immer wieder beobachten kann: daß eine kleine „Elite“ – hier die Bauhausarchitekten – eine Meinung vorgibt, woraufhin jene, die auch zur „Avantgarde“ gehören wollen – Journalisten, Politiker, Akademiker – die Meinung übernehmen, worauf wiederum die Werber und schließlich die „normalen Leute“ folgen. Begründet wird das dann mit dem Satz: „Das hat/macht/meint/wählt/sagt man jetzt so.“ Kaum eine Angst ist größer als diejenige, nicht dazuzugehören.

  • Der Mensch ist kein Einzelgänger, sondern ein soziales Wesen... Man nennt das Isolationsangst.

    Ja. Daran ist per se auch nichts Verwerfliches, im Gegenteil. Problematisch ist nur die zunehmende Einseitigkeit der "Eliten" seit ca. '68. Der leider kürzlich verstorbene Sir Roger Scruton war der Meinung, daß die sog. kleinen Leute im Grunde ihres Herzens mehrheitlich konservativ seien, aber als Orientierung unter den Intellektuellen fast nur Progressive vorfänden. Deshalb finde ich die Meldung über den Entwurf der Trump-Administration interessant. Immerhin für etwa die republikanische Hälfte der US-Amerikaner könnte das Vorbildcharakter haben.


    Der Deutschlandfunk gibt jetzt auch seinen gebührenfinanzierten Senf dazu, angereichert mit Zitaten Nikolaus Bernaus:

    „Es gibt in konservativen Kreisen nicht nur der USA – auch in Europa hat man das – einen ganz tiefen Hass auf diese Gebäude aus Glas, Beton und Stahl und Holz“, beschreibt Architekturkritiker Nikolaus Bernau das Verhältnis zur gebauten Moderne. „Die werden als nicht spezifisch interpretiert, als nicht machtvoll genug, als nicht aussagekräftig genug. Da gibt es ganz direkte Angriffe auf Gebäude. Das ist zweifellos die Forderung nach einer Architektur der Macht.“

    Jawohl, weg mit den Gebäuden aus Holz! In der Informationsspalte werden wir über die Hintergründe aufgeklärt:

    Als Gegner moderner Architektur hat sich der US-Präsident schon mehrfach geoutet. Nun will er unter anderem ein „President’s Committee for the Re-Beautification of Federal Architecture“ einsetzen. Mitglieder sollen Vertreterinnen und Vertreter konservativer Architektur sein – etwa aus der „National Civic Art Society“. [...]

    Dass es solche Bewegungen auch in Deutschland gibt, zeigen hier vergangenheitsorientierte Pseudo-Rekonstruktionen wie der Platz um die Dresdner Frauenkirche, das Berliner Stadtschloss, die Garnisonkirche in Potsdam oder die so genannte „Frankfurter Altstadt“.

    (Hervorhebung von mir)

  • Ich gebe mal Äußerungen zur Zukunft unserer Städte kommentarlos wieder, die Peter Cachola Schmal, Leiter des Frankfurter Architektur-Museums, beim Neujahrsempfang der "Grünen" in Offenbach getätigt hat. Dass er dort als Redner auftrat, dürfte seinen parteipolitischen Sympathien entsprechen. Cachola Schmal sieht die europäischen Städte in Zukunft als abgeschottete, grüne Museumslandschaften.

    Ich zitiere aus der Printausgabe der Offenbach-Post vom 17.2.2020, S.9:

    Zitat

    Einen dunkelgrauen Blick auf die Städte der Jahre 2050 bis 2100 wirft Cachola Schmal. Anhand von informativen, aber in viel zu schneller Abfolge präsentierten Schaubildern macht er deutlich, dass sich die Metropolen des Südens und des Ostens anders entwickeln werden als die der Nordhalbkugel. Die Demografie werde dafür sorgen, dass etwa Lagos in Nigeria zu einem kaum noch beherrschbaren Moloch mit mehr als 80 Millionen Einwohnern und Indien das bevölkerungsreichste Land der Erde werde. Im Gegensatz dazu würden in den grünen und ruhigen Metropolen des überalterten Nordens geradezu paradiesische Zustände herrschen. "Diese Städte werden zu besichtigungswürdigen Museen", meint Cachola Schmal.
    Weil diese Diskrepanz zu Wanderungsbewegungen in Richtung Norden führten, Europa aber keine Ertrinkenden mehr im Mittelmeer sehen wolle, werde die "erste Grenze der Festung Europa" in die Sahara verlagert. "Die Drecksarbeit überlassen wir dem Süden". Funktionieren werde das alles im Übrigen nur durch die totale Überwachung via Gesichtserkennung, die etwa in China schon beängstigend weit sei.