Leipzig - Der Osten (Galerie)

  • Der Osten von Leipzig ist kein einfaches Thema. Im 19.Jahrhundert begann die Stadtentwicklung. Das grafische Viertel wurde Zentrum des deutschen Verlagswesens. Die noch weiter östlich gelegenen Dörfer entwickelten sich zunächst eigenständig, wurden dann aber eingemeindet. Im II. Weltkrieg das grafische Viertel stark zerstört. Heute ist von der einstigen Bedeutung nichts -oder kaum noch etwas- erkennnbar.


    Nur die EISENBAHNSTRASSE macht überregional Schlagzeilen.


    1231px-J.J.WeberReudnitzerStra%C3%9Fe.JPGQuelle: Wikipedia


    Das Graphische Viertel wurde im Zweiten Weltkrieg bei zwei Bombenangriffen am 4. Dezember 1943 und am 27. Februar 1945 zu mehr als 70 Prozent zerstört. Betroffen waren etwa eintausend Unternehmen. Bei einem Anlagenwert von etwa 216 Millionen Reichsmark betrug der Schaden etwa 162 Millionen Reichsmark. Es verbrannten geschätzt 50 Millionen Bücher, darunter allein 1,5 Millionen Bände des Fockschen Antiquariats.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegten viele der ursprünglich im Graphischen Viertel ansässigen Unternehmen ihren Sitz nach Westdeutschland...


  • Nach dem II. Weltkrieg wurde eher lieblos gebaut. Sowohl vor als auch nach 1990.

    Kaum thematisiert und darum besonders ärgerlich ist der Verlust von Thiemes Hof. Jürgen Schneider aus Königstein im Taunus hatte das Grundstück erworden.Während andere Projekte von den Banken übernommen und fertiggestellt wurden, verfiel Thiemes Hof immer mehr und musste 2003 abgerissen werden.



    Thiemes Hof 1884

    E. Blumenau [Public domain], via Wikimedia Commons




    Thiemes Hof 1930

    Unbekannt [Public domain], via Wikimedia Commons

  • Hier noch einmal die Straßenansicht in ähnlicher Position 2014.



    Die stadtgeschichtliche Entwicklung, das Auf und Ab ist noch deutlich erkennbar.


    Ungenutzte Gewerbebauten aus der Gründerzeit, Brachen, gründerzeitliche Wohnhäuser, Ost-Schulgebäude , Parkhäuser und villenartige Einfamilienhäuser aus den 1990er Jahren kann man bei einem 360°-Schwenk sehen.






    Eigene Fotos.

  • Leipzig hatte kurz nach 2000 noch ein heftiges Leerstandsproblem und die Bevölkerungsentwicklung hatte sich gerade halbwegs stabilisiert. Leipzig wurde in Schulmaterialien als exemplarisches Beispiel für eine Schrumpfenden Stadt gezeigt. In Ausstellungen zu shrinking cities gab es nur Beispiele, wie der Leerstand verwaltet werden soll. Hinter dem Hauptbahnhof sollte auf Brachflächen ein Hirschgehege entstehen.


    Am Hauptbahnhof 2014







    Ein Hirschgehege entstand zwar nicht, dafür Brachen und Parkplätze. (2015)



    Eigen Fotos.

  • Inzwischen drehen sich auch im grafischen Viertel die Kräne.



    In der laubfreien Zeit kann man verbliebene Gebäude aus längst vergangenen Zeiten betreachten.






    Daneben gibt es immer wieder Gründerzeit-Gebäude mit interessanten Details.





    Eigene Fotos.

  • Trotz der Verluste sind beim Landesamt für Denkmalpflege Sachsen noch eine ansehnliche Anzahl von Denkmalen unter "Leipzig - Zentrum-Ost" gelistet.

    Für die Chopinstraße 28 findet man dort folgenden Eintrag:


    Mietvilla, mit Einfriedung, Toranlage und Remisengebäude (mit Kutscherwohnung); repräsentative Putzfassade mit Sandsteingliederung, im Stil der Neorenaissance, platzbildprägende Lage am Marienplatz, zeitweise Wohnort des bedeutenden Psychologen Dr. med. Wilhelm Wundt (1832-1920), baugeschichtlich, ortsgeschichtlich und kunstgeschichtlich von Bedeutung

    2016 sah die Villa noch so aus:







    Eigene Fotos.

  • Die Villa Chopinstraße 28 war vor der Renovierung wesentlich stimmungsvoller und "renaissancemäßiger"...

    "An Sehenswürdigkeiten, die bloß das Auge erfreuen, ist ja diese Stadt so überreich. Ihre Straßen sind mit Kultur gepflastert, während die Straßen anderer Städte bereits mit Asphalt gepflastert sind. Die Vergangenheit reicht in die Gegenwart hinein, und daraus erklärt sich die bekannte Wiener Unpünktlichkeit. (...) In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Die Villa Chopinstraße 28 war vor der Renovierung wesentlich stimmungsvoller und "renaissancemäßiger"

    Leider geht unter den hiesigen Klimabedingungen der Verfall dann unerbittlich und schnell vonstatten.


    Das erste Wohnhaus von Clara und Robert Schumann ist noch im Original erhalten und dient heute überwiegend als (Privat-) Schule. Einige Räume werden auch als Museum genutzt.


    Wohnhaus in ehemals geschlossener Bebauung, mit Hofflügel, Vorgarten und Einfriedung; Vorderhaus mit Tordurchfahrt, reich gegliederte klassizistische Putzfassade mit Kolossalpilastern und Balkon, zeitweise Wohnhaus des Komponisten Robert Schumann (1810-1856), heute Museum und Schule, baugeschichtlich, kunstgeschichtlich und personengeschichtlich von Bedeutung







    Im September 2019 wurde die neu gestaltete Ausstellung eröffnet.




    Eigene Fotos.

  • Leider geht unter den hiesigen Klimabedingungen der Verfall dann unerbittlich und schnell vonstatten.

    Ja, stimmt schon, aber für einen (Neo-)Renaissancebau italienischer Prägung passt mE das perfekt homogene Cremeweiß nicht, ein Ocker- oder Erdton in Kalk wäre wesentlich passender gewesen. So wie er jetzt ist, hat der Bau nicht mehr die nötige Schwere und Strenge, er sieht nunmehr wirklich wie eine historistische Imitation aus. Aber trotzdem ist es natürlich immer noch ein schönes Gebäude.

    "An Sehenswürdigkeiten, die bloß das Auge erfreuen, ist ja diese Stadt so überreich. Ihre Straßen sind mit Kultur gepflastert, während die Straßen anderer Städte bereits mit Asphalt gepflastert sind. Die Vergangenheit reicht in die Gegenwart hinein, und daraus erklärt sich die bekannte Wiener Unpünktlichkeit. (...) In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Nicht nur die Gebäude werden wieder hergerichtet, sondern auch Grünanlagen wie der Rabensteinplatz. (2017)


    Der liegt etwas eingeklemmt zwischen dem Täubchenweg und der Dresdner Straße, umrundet von der Tram.





    Der historische Froschbrunnen wurde wieder erschaffen. 2017 wurde zunächst das Brunnenbecken aufgebaut.






    Eigene Fotos.

  • Die New York Times hat wieder ihre Liste "52 Places to Go" veröffentlicht. Leipzig steht auf dieser Liste.


    Die sächsische Metropole überzeuge mit ihrer modernen Wandlung: "30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung wurden die einst tristen Fabriken Leipzigs von Lofts, Galerien, Werkstätten, Clubs und Restaurants abgelöst." Hervorgehoben wird die lebendige Kulturszene und das Nachtleben der Stadt, in der auch Zehntausende Studenten leben. Dabei habe "das neue Berlin" seine Wurzeln nicht vergessen und beleuchtet 2020 in einer Ausstellung auch seine Industriegeschichte



    New York Times

  • Zum Deutschen Buchgewerbehaus in Leipzig berichtet Wikipedia folgendes:


    Lage

    Das Deutsche Buchgewerbehaus wurde im Leipziger Graphischen Viertel errichtet, von der Hospitalstraße (jetzt Prager Straße) gesehen hinter dem Deutschen Buchhändlerhaus zwischen Platostraße (heute Gutenbergplatz) und Gerichtsweg. Der Haupteingang lag an der Nordfassade an der später aufgelassenen Dolzstraße. In den 1930er Jahren entstand das Bugra-Messhaus als nördlicher Erweiterungsbau längs des Gerichtswegs mit Zugang vom Gutenbergplatz.

    Geschichte

    Der 1884 gegründete Deutsche Buchgewerbeverein war die Dachorganisation aller Verbände der graphischen Industrie. Er besaß zunächst kein eigenes Gebäude und nutzte Räume im Deutschen Buchhändlerhaus. Der schwedische Architekt Emil Hagberg errichtete 1898 bis 1901 ein Neorenaissancegebäude als Pendant zum Buchhändlerhaus. Neben Büros der buchgewerblichen Vereine enthielt das Haus Ausstellungsräume für eine Jahres-Novitäten-Schau, das Deutsche Buchgewerbe-Museum und eine Maschinenausstellung.



    Buchgewerbehaus

    Verlag Louis Glaser, Leipzig [Public domain]



    Im II.Weltkrieg schwer beschädigt, wurde es zunächst nur notdürftig wieder aufgebaut. Aber es wurde auch nicht abgerissen. Daher war die Grundsubstanz 2015 noch vorhanden.








    Eigene Fotos.