Zeitungsartikel über alliierte Bombenangriffe auf München

  • Heute ist in der Münchner Tageszeitung "Münchner Merkur" ein Artikel über die vor 75 Jahren verübten britischen Bombenangriffe auf München erschienen, erfreulicherweise ohne moralisierende und selbstbeschuldigende Zwischentöne; ein Foto vom zerstörten Palais Moy neben der Theatinerkirche erscheint sogar auf der Titelseite.

    Der Artikel beschreibt konkret und nüchtern das Ausmaß und die Abwicklung des Angriffes vom 17. Dezember 1944, bei dem vor allem die Innenstadt getroffen wurde und zahlreiche Kulturbauten zerstört wurden. Es steht auch drin, dass von 280 angreifenden Maschinen nur 4 Flugzeuge abgeschossen wurden, ein Zeichen dafür, dass die Luftabwehr zum damaligen Zeitpunkt kaum mehr präsent war.

    Es freut mich, dass dieses schwierige Thema in einer heutigen Tageszeitung neutral thematisiert und die Erinnerung daran hochgehalten wird!

    "An Sehenswürdigkeiten, die bloß das Auge erfreuen, ist ja diese Stadt so überreich. Ihre Straßen sind mit Kultur gepflastert, während die Straßen anderer Städte bereits mit Asphalt gepflastert sind. Die Vergangenheit reicht in die Gegenwart hinein, und daraus erklärt sich die bekannte Wiener Unpünktlichkeit. (...) In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Ja das ist erfreulich und tatsächlich findet man solche Artikel vor allem in den Lokalzeitungen, wo man sich in manchen Bereichen durchaus noch einen gewisse Nüchternheit und gesunden Menschenverstand bewahrt hat (im Vergleich zu den großen Blättern und den öffentlich-rechtlichen).

  • Bilder des zerstörten München sieht man im Vergleich zu anderen Städten wie Dresden, Berlin oder Nürnberg eher selten. München hatte nach dem Krieg auch das Glück, dass vieles wiederaufgebaut wurde. So ist es auch heute noch eine wirklich schöne Millionenstadt mit vielen historischen Ecken.

  • Hättest Du noch den Link zur Verfügung? Der Münchner Wiederaufbau ist sicherlich der mit Abstand beste der deutschen Großstädte, aber z. B. in Schwabing oder Maxvorstadt dominiert doch häufig triste 50er-Jahre Architektur.


    Was damals wohl die bestmögliche Lösung war, enttäuscht aus heutiger Sicht schon etwas, vor allem angesichts der wirtschaftlichen Stärke und den daraus resultierenden Möglichkeiten.

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Der Artikel ist in der Printausgabe des Münchner Merkur erschienen, ich hab ihn auf der Website des MM nicht finden können.

    Zum Münchner Wiederaufbau gibt es sehr viel Konträres zu sagen, neben vielen fantastischen Projekten gab es leider in der Innenstadt auch viel Erbärmliches, von weiten Teilen der Maxvorstadt und von Schwabing (zwei Bereichen, die besonders hart getroffen worden waren) ganz zu schweigen. Aber das ist ein längeres Thema... ich beschäftige mich seit einiger Zeit intensiv damit, weil ich im Münchner Ortsverband von Stadtbild Deutschland mittel- bis langfristig eine Initiative starten möchte, wie man bei Neubauprojekten den Aspekt der Stadtbildreparatur vermehrt in den Blickpunkt rücken und die Bürger mehr in die Entscheidung über Bauvorhaben einbinden kann. Und dazu gehört auch die Diskussion über die Resultate und Qualitäten des Wiederaufbaus und die Schaffung eines öffentlichen ästhetischen Bewusstseins. Das wird schwierig, weil es natürlich in München wie überall eine Spezlwirtschaft zwischen gewissen Investoren, Architekten und Lokalbaukommission gibt, die es zu demokratisieren gilt, aber einen Versuch ist es wert.

    "An Sehenswürdigkeiten, die bloß das Auge erfreuen, ist ja diese Stadt so überreich. Ihre Straßen sind mit Kultur gepflastert, während die Straßen anderer Städte bereits mit Asphalt gepflastert sind. Die Vergangenheit reicht in die Gegenwart hinein, und daraus erklärt sich die bekannte Wiener Unpünktlichkeit. (...) In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Hab den Film grad angeschaut, danke. Was die beiden Frauen erzählen, ist mir sehr nahegegangen, sie erzählen anschaulich, wie es war, in einem Luftschutzkeller zu sitzen, zu warten und nicht zu wissen, ob man wieder lebendig rauskommen würde... der Rest des Films ist aber leider sehr nüchtern und technisch, keine Erwähnung des architektonisch-kulturellen Verlustes, nur nackte Zahlen. Und natürlich auch keine moralische Diskussion... das ist in einem öffentlich-rechtlichen Sender heutzutage aber wahrscheinlich auch nicht zu erwarten.

    "An Sehenswürdigkeiten, die bloß das Auge erfreuen, ist ja diese Stadt so überreich. Ihre Straßen sind mit Kultur gepflastert, während die Straßen anderer Städte bereits mit Asphalt gepflastert sind. Die Vergangenheit reicht in die Gegenwart hinein, und daraus erklärt sich die bekannte Wiener Unpünktlichkeit. (...) In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Und natürlich auch keine moralische Diskussion... das ist in einem öffentlich-rechtlichen Sender heutzutage aber wahrscheinlich auch nicht zu erwarten.

    Nun das ist mir allerdings lieber, denn was würde denn heutzutage an moralischer Diskussion kommen. Im öff.-rechtl. doch wohl nur die Implikation, die Leute waren selbst Schuld. Dann lieber überhaupt keine Diskussion, die Bilder und die beiden Damen, die mir wie dir nahegegangen sind, sprechen für sich.