Bensheim (Allgemeines)

  • Bensheim – eine Stilkritik

    Die Diskussion im APH zu Marktplatz und Rathaus der schönen Fachwerkstadt Bensheim an der Hessischen Bergstraße reizte mich zu einer kleinen Stilkritik in 10 Akten:


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    1 Bensheim 1646. Die romanisch-gotische Pfarrkirche St. Georg, davor wohl das quergestellte Rathaus von 1470. Märchendeutschland.


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    2 Der Marktplatz 1840, aber im Zustand wie um 1800, der letzten ästhetisch noch unverdorbenen Epoche. Nun mit barockem Rathaus.


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    3 1830. Romanischer Turm in klassizistisches Gewand gesteckt wie ein Konfirmand in den zu groß geratenen Anzug.


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    4 Da darf das Rathaus nicht nachstehen (1856). Dachumbau wie bei einem Provinzbahnhof der Zeit.


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    5 Unpassender Fassadenanstrich um 1900

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    6 1903: Bensheim spielt Großstadt und baut das Rathaus im Jugendstil um.


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    7 1950: Nach Kriegszerstörung wäre die Chance zum Wiederaufbau des barocken Rathauses da.


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    8 Statt dessen Abriß des Rathauses, Neubau einer schlichten Kirchenfassade und immerhin Wiederherstellung des klassizistischen Inneren.


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    9 1980 Bau des Stadthauses (1979), das 2019 schon wieder abgerissen wird.


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    10 2019. Kurzzeitig ist eine Teilrekonstruktion in Anlehnung an das barocke Rathaus geplant, dann mischen sich die Bürger ein. Als Ergebnis mehrerer Diskussionsveranstaltungen kristallisiert sich heraus, daß man irgendwie mehr Blick auf St. Georg haben will (manche auch nicht, schließlich sei eine solche Dominanz einer bestimmten Religion/Konfession im Stadtkern nicht mehr zeitgemäß) – und auf jeden Fall mehr grün. Das Fragezeichen paßt also sinnbildlich ganz gut. Eine jede Zeit bekommt die Bauten, die sie verdient.


    Bildquellen:

    Wikipedia – Matthäus Merian: Bensheim 1646

    Bensheim.de – Der Marktplatz im Wandel der Zeit (PDF) (Abb. 2–8 u. 10)

    Museumsverein Bensheim (Abb. 9)

  • Danke für die schöne Zusammenfassung! Interessant ist auch, wie die Bensheimer mit ihrer Kirche umgegangen sind. Abgesehen davon, dass sie beim Wiederaufbau den romanischen Turm noch ganz aberissen haben, finde ich das Resultat doch beachtlich, vor allem den Innenraum und auch, dass zusätzlich zwei Chorfllankentürme dazu kamen. Wenn man weiss, dass der Architekt der Sohn des Mainzer Dombaumeisters war, versteht man das.

    st._georg_(bensheim)