Frankfurt am Main - Gründerzeit zwischen Hauptbahnhof und Konstablerwache

  • In einem andern Strang hatte sich eine kurze Off-topic-Diskussion über einen entstellten Gründerzeitbau in Frankfurt a. M. und dessen Lokalisierung in historischen Ansichten ergeben. Aus diesem Grund möchte ich einige historische Ansichten mit Gründerzeitbauten am Strassenzug Kaiserstrasse - Rossmarkt - Zeil und einem Abstecher zum Opernplatz hier einstellen. Ich finde, Frankfurt hat hier ganz feine Bauten hervorgebracht, die nicht so überladen wirken wie die wilhelministischen Gründerzeitbauten in Berlin.



    - Hauptbahnhof und Bahnhofplatz

    - Die Kaiserstrasse vom Hauptbahnhof bis zu den Wallanlagen (Gallusanlage)

    - Im Bereich der Gallusanlage (ehemalige Wallanlage)

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    Zitat von giulio

    IMG_5160_sil01237fcbe92d880e.jpg

    Zitat von Löbenichter

    Kurz Off-topic: Diese Gründerzeitgebäude im Hintergrund sehen ja fürchterlich aus. Völlig abgenutzt, marode und entstellt. Hier wäre eine Totalsanierung mit Rekonstruktion unbedingt notwendig. Wie sahen diese vor 1945 aus?

    Zitat von Riegel

    https://goo.gl/maps/oa95cur6dnr9yy6f9

    Ich habe viele Ansichtskarten aus dem einst prachtvollen Gebiet 'Bahnhofplatz-Kaiserstrasse-Rossmarkt-Goetheplatz-Schillerplatz- Zeil-Konstablerwache', aber leider zeigt keine einzige die betreffenden Häuser. Das ganze Gebiet ist in diesem Stil verhunzt; nur einige Gebäude an der Kaiserstrasse haben ihr ursprüngliches Gesicht wieder zurückerhalten.

    Zitat von Heimdall

    Hier siehst Du das rechte Eckgebäude:file:frankfurt_am_main_roßmarkt_ak_1903.jpg

    Die Lokalisierung ging natürlich nicht so schnell vonstatten wie in den Zitaten hier. Aber sie ist für mich ein Anlass, hier einige Ansichten dieser Gründerzeitbauten im ursprünglichen Zustand einzustellen. Ganz verdutzt war ich, als ich die von Heimdall verlinkte Schwarz/weiss-Ansichtskarte auch in meiner Sammlung entdeckte, sogar in kolorierter Version.


    Rossmarkt-Goethedenkmal-1903-Nr.-3ux.jpg

    Rossmarkt, Südwestseite. 1903 gelaufene Ansichtskarte.


    Zunächst ein Plan mit den hervorgehobenen Strassen und Plätzen, deren einstige Pracht hier vorgestellt werden soll:


    frankfurt-gruenderzeit-stadtplan.jpg

    (Grundlage: Google Maps)

  • Hauptbahnhof und Bahnhofplatz



    Beginnen möchte ich beim Hauptbahnhof. Schon bei meinem ersten Frankfurt-Besuch 2005 fiel mir der imposante Bahnhof auf. Das Empfangsgebäude, das 1888 dem Verkehr übergeben wurde, hatte den 2. Weltkrieg relativ gut überstanden. Von den Bahnsteighallen waren die Gläser zerstört, nicht aber die Tragkonstruktion. Der Bahnhof wurde in den letzten Jahren nach denkmalpflegerischen Kriterien renoviert; zur Zeit steht die Freilegung der gewölbten Decke der Eingangshalle an. Ich möchte nicht all zu viele Worte und Bilder über den Bahnhof verlieren, da er im Web bestens dokumentiert ist. Bei Ebay finden sich oft auch Innenansichten.


    Hauptbahnhof 1902 Idealx

    Die Haupteingangshalle liegt in der Axe der Kaisertrasse und schliesst diese im Westen wirkungsvoll ab. 1902 gelaufene Ansichtskarte.




    Hauptbahnhof 1899

    Südliche Seitenansicht mit imposantem Heizungskamin und weiterer Bahnsteighalle. 1899 gelaufene Ansichtskarte.



    Der Bahnhofplatz ist gegenüber dem Empfangsgebäude abgerundet, sodass die ihn säumenden Bauten von diversen Standpunkten aus wirkungsvoll in Erscheinung treten. Das ganze Bahnhofviertel bis zur Taunausanlage (ehemalige Wallanlage mit barocken Schanzen) konnte erst nach der Betriebsaufnahme des neuen Bahnhofes erstellt werden, da hier noch drei ältere Bahnhöfe von drei unterschiedlichen Bahngesellschaften standen.

    Heutige Ansicht: Google Maps


    Bahnhofplatz-Panoramakarte-1905-klein.jpg

    1905 gelaufene Panorama-Ansichtskarte mit der südlichen Hälfte des Bahnhofplatzes. Von den abgebildeten Bauten stehen nur noch die beiden linken Eckbauten zur Kaiserstrasse hin. Vergrösserung




    Bahnhofplatz Schumann Theater 1910

    Nach links (Norden) folgt das Schumann-Theater, eine Mischung aus Theater und Zirkus. Das Gebäude konnte nach dem Krieg mit Ausnahme des Vorstellungsraumes wieder in Betrieb genommen werden. Später wurde es dennoch abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Ansichtskarte um 1910.




    Bahnhofplatz Carlton

    Am nördlichen Platzende stand das Carlton-Hotel. Auch dieses Hotel wurde durch einen Neubau ersetzt, nachdem es instandgestellt wurde. Ungelaufene Ansichtskarte um 1920/30.




    Bahnhofplatz Kaiserstrasse 1912

    Der Eingang zur Kaiserstrasse, südliche Seite. 1912 gelaufene Ansichtskarte. Die Dachgeschosse beider Eckbauten sind ein Totalverlust bis heute...




    Bahnhofplatz Kaiserstrasse

    Der Eingang zur Kaiserstrasse, nördliche Seite. Ungelaufene Ansichtskarte um 1910.




    Bahnhofplatz 1920 30

    Der Bahnhofplatz von Süden her um 1920/30.




    Bahnhofplatz 1937

    Der Bahnhofplatz von Norden her. 1937 gelaufene Ansichtskarte.




    Bahnhofplatz 1956

    Der Bahnhofplatz von Süden her auf einer 1956 gelaufenen Ansichtskarte. Die Bauten gegen die Kaiserstrasse tragen bereits die heute noch bestehenden Aufstockungen mit Notdächern. Das Schumann-Theater und das Carlton-Hotel stehen noch und sind in Betrieb.

  • Ohne Not hat man eines der großartigsten Platzensembles der Gründerzeit in Deutschland zerstört - weil man darin eben zu der Zeit nichts Erhaltenswertes mehr erkannte. Das Hotel Carlton war ein echter Knüller, ebenso das Schumann-Theater. Die verbliebenen Gebäude hätten endlich wieder ihre historischen Dächer und Kuppeln verdient.

  • Nachtrag zu folgender bereits gezeigter Ansicht:


    Hauptbahnhof 1899


    Südliche Seitenansicht mit imposantem Heizungskamin und weiterer Bahnsteighalle. 1899 gelaufene Ansichtskarte.


    Die südliche Seitenfassade und ihr nördliches Pendant fielen bereits 1924 einer Erweiterung des Bahnhofs in neokassizistischen Stil um drei Geleise pro Seite zum Opfer. Für die Verlängerung der Querhalle mussten diese Fassaden zwingend abgebrochen werden.

  • Ich füge mal 3 Aktuelle Bilder von Samstag hinzu.


    Eingang der Kaiserstraße.

    IMG_20191214_095214-1664x1248.jpg



    IMG_20191214_095204-1664x1248.jpg


    Und der Standort wo einst Schumann Theater und Carlton Hotel standen.

    IMG_20191214_095202-1664x1248.jpg


    Interessant finde ich das das Gebäude was am Standort der Hotel ist ebenfalls einen Turm hat.

  • Schade, da hat sich in den letzten zwei Jahren leider nichts zum Positiven getan. Als ich im Juni 2017 Abends um 19 Uhr bei 31°C in Frankfurt ankam, zückte ich auch gleich als erstes die Kamera:



    bahnhofplatz 20.06.2017 2812x

    Bahnhofplatz - Taunusstrasse. Am Hauptbahnhof 12 "Merkurbau" (mit Innenaufnahme), erbaut 1907.



    bahnhofplatz 20.06.2017 2811x

    Bahnhofplatz - Kaiserstrasse Nordseite. Am Hauptbahnhof 10 "Englischer Hof" (mit Innenaufnahme), erbaut 1902.



    bahnhofplatz 20.06.2017 2814x

    Bahnhofplatz - Kaiserstrasse Südseite.



    bahnhofplatz 20.06.2017_2813x

    Bahnhofplatz - Kaiserstrasse Südseite.



    Als ich über das Junior-Haus am Kaiserplatz recherchierte, bin ich auf die Seite einer Immobilienverwaltung gestossen. Eine gediegen gemachte Seite mit einigen Innenaufnahmen. So wie ich die Seite interpretiere, gehören die beiden Eckhäuser zur Taunusstrasse und Kaiserstrasse Nordseite hin immer noch der Familie, die diese beiden Häuser errichtete und das Immobilien-Verwaltungsunternehmen in 5. Generation führt. Interessant dabei ist ihre Firmenphilosophie, die in neun Zeilen zusammengefasst ist. Zwei Zeilen davon lauten:

    Zitat

    "Eigene langjährig bei uns beschäftigte Hausmeister und Haustechniker kümmern sich verantwortungsvoll und mit Leidenschaft um unsere Liegenschaften und Mieter.

    Wenn die Hausmeister und Haustechniker so prominent in der Firmenphilosophie erwähnt werden, darf man wohl noch Jahre von einer Rekonstruktion der Dachlandschaft träumen... Die beiden Häuser am Rossmarkt (s. erstes Bild dieses Stranges), welche diesen Strang überhaupt veranlassten, gehören ebenfalls in dieses Portefeuille.



    Weil ich gerade eine schöne Innenaufnahme der Eingangshalle des Hauptbahnhofs im originalen Zustand gefunden habe, und weil ja auch die Freilegung der jetzt noch verkleideten gewölbten Decke ansteht, doch nochmals zurück in den Hauptbahnhof, bevor es dann zur Kaiserstrasse geht:



    Hauptbahnhof-Eingangshalle-1900.jpg

  • Die Kaiserstrasse vom Hauptbahnhof bis zu den Wallanlagen (Gallusanlage)


    Über die Kaiserstrasse schrieb ich 2008 einen ausführlichen Beitrag im APH, wenigstens über die nördliche Strassenseite. Dies hatte damit zu tun, dass die Häuser der südlichen Seite nur kurze Zeit Sonnenlicht erhalten und demnach weniger fotografiert werden. Auch gab es damals Vogelschauansichten nur bei Bing-Maps, und da war die südliche Zeile auch nur schlecht erkennbar. Mit Google Maps ist das nun besser. In den vergangenen elf Jahren hat sich hier baulich einiges zum Positiven gewandelt.


    Bei Wikipedia gibt es über die Kaiserstrasse einen sehr anschaulichen Artikel. Allgemein sind dort die Artikel über Frankfurt sehr fundiert geschrieben.


    Die Kaiserstrasse beginnt am Rossmarkt und endet beim Hauptbahnhof; demgemäss auch die Häusernummerierung. Der erste Bauabschnitt entstand ab 1874 und verband das historische Zentrum mit den Westbahnhöfen. Diese lagen alle ausserhalb der einstigen Wallanlagen (heute Gallusanlage, anstelle der barocken Stadtbefestigung ab 1806 entstanden). Die Westbahnhöfe bestanden aus drei Bahnhöfen verschiedener Bahngesellschaften und lagen alle auf dem Gebiet des heutigen Bahnhofsviertels:

    - Taunusbahnhof (ab 1839)

    - Main-Neckar-Bahnhof (ab 1848)

    - Main-Weser-Bahnhof (ab 1850).



    Mk_Frankfurt_Bahnhofsviertel_Eintragungen.jpg

    Die drei Westbahnhöfe um 1860. Die Kaiserstrassse (rot) läge anstelle des Taunusbahnhofs und führte zur Wallanlage zwischen dem 'Gallusthor' und 'Taunusthor'. Die bogenförmige Verbindungsstrecke links zeichnet sich heute noch in der Grundform des heutigen Bahnhofplatzes ab (heutiges Bahnhofgebäude schwarz). Im Grundriss sind auch noch die einstigen Schanzen der Wallanlage erkennbar.

    (Karte gemeinfrei, aus Wikipedia)



    Nach Eröffnung des neuen Hauptbahnhofes 1888 konnten die alten Bahnanlagen abgebrochen werden. Auf deren Brachen entstand dann das Bahnhofsviertel. Zunächst wurde die Kaiserstrasse in grosszügiger Breite noch ohne Bebauung erstellt respektive verlängert:



    1024px-Parade_Kaiserstraße_1889.jpg

    Die Kaiserstrasse 1889 noch ohne Bebauung. Rechts schwach erkennbar das ehemalige Trassee der Taunus-Eisenbahn. Der Bahnhof ist natürlich symmetrisch gebaut; weil die Kaiserstrasse leicht schräg auf ihn zuläuft (siehe Abbildung oben), erscheint er hier asymmetrisch.

    (Bild gemeinfrei, aus Wikipedia)



    Ein weiteres Bild noch während des Abbruchs der alten Bahnanlagen:


    Frankfurt_Hptbhf_1888a.jpg

    Bahnbrache der ehemaligen Main-Neckar-Bahn. Heute stehen hier die beiden Baublöcke zwischen Kaiserstrasse-Elbestrasse-Münchener Strasse und Bahnhofplatz. (Bild gemeinfrei, aus Wikipedia)

  • Ich beginne nun mit der Kaiserstrasse bei der Einmündung in den Bahnhofplatz, auch wenn sie gemäss der Hausnummerierung dort endet. Ihre Baugeschichte begann ja 1874 am Rossmarkt, von wo aus sie bis zur Gallusanlage geführt wurde und so die drei Westbahnhöfe mit dem Zentrum verband. Auf halber Höhe befindet sich der Kaiserplatz, ein länglich-sternförmiger Platz, an dem fünf Strassen aufeinandertreffen und wo seit 1876 auch das Hotel 'Frankfurter Hof' seine Gäste empfängt. Erst mit der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofes 1888 und dem anschliessenden Abbruch der drei Westbahnhöfe konnte die Kaiserstrasse bis zum Hauptbahnhof verlängert werden. Bei ihrer Eröffnung 1889 war sie noch von keinen Bauten gesäumt (siehe zweitletztes Bild im vorangehenden Beitrag). Die Wikimedia-Commons-Seite ist bestens mit heutigen und historischen Abbildungen versehen.


    2008 schrieb ich im APH einen Beitrag über die Bahnhofstrasse, wo allerdings 'fotografisch-sonnenbedingt' nur die Nordseite zum Zuge kam. Dafür habe ich nun den Plan dort mit der Südseite ergänzt:



    kaiserstrasse-plan-2.jpg



    Es ist ein Bestandesplan, aus welchem die noch erhaltenen gründerzeitliche Bauten (rot) ersichtlich sind, die noch erhaltenen Bauten mit entstuckten Fassaden (blau) sowie die Nachkriegsbauten (gelb). Fehlende oder rekonstruierte Dächer sind mit farbigen Punkten hervorgehoben. Kaiserstrasse 48 ist zwischenzeitlich wieder frei restuckiert worden. Bei Nr. 66 ist ebenfalls eine Restuckierung nach freier Nachempfindung vorgesehen. Diverse Schaufensterrekonstruktionen sind im DAF und APH sporadisch gezeigt worden.


    Die folgende Flugaufnahme stammt wohl aus den späteren 1950er-Jahren. Das Flugzeug befindet sich über dem Gleisfeld des Bahnhof mit Blickrichtung gegen Osten in die Kaiserstrasse. Man erkennt an den Dächern besonders gut, welches unzerstörte Bauten und welches mit Notdächern reparierte Altbauten oder gar Neubauten sind. Das rechte Eckgebäude Bahnhofplatz 9 sieht man hier noch ohne die heutige Aufstockung, aber ebenfalls mit einem Notdach versehen:


    akbahnhofviertel-luft.jpg

    Aufnahme und Verlag Aero-Lux, Frankfurt a. M.



    Bereits in den 1920er-Jahren begann die Unsitte des Verhängens der Fassaden mit Reklametafeln, teilweise sogar bis zu den obersten Geschossen. Man sieht daran bereits die damalige Geringschätzung der sogenannten "Zuckerguss-Fassaden":


    akkaise1.jpg

    Vergrösserung

    Ansicht der nordseitigen Bebauung an der Kaiserstrase, Blick vom Hauptbahnhof ostwärts zur Gallusanlage; Ansichtskarte um 1940, Phot. Rolf Kellner, Verlag von Emil Hartmann, Mannheim.

  • Vor weiteren historischen Ansichten der gründerzeitlichen Bebauung möchte ich auf die drei Bauprojekte Kaiserstr. 48, 58 und 66 kommen.



    Die nachempfundene Fassadenrekonstruktion von Nr. 48 wurde gerade begonnen, als ich 2007 in Frankfurt weilte. Die Fassaden waren mit flachen Steinplatten verkleidet und wiesen gitternetzartige helle Ziereinlagen auf:


    kaise432.jpg

    Kaiserstr. 48 im Dezember 2007.



    kaise431.jpg

    Kaiserstr. 48: Spuren eines Simses mit Konsolen..



    2015 präsentierte sich das Haus so (Beitrag aus dem APH):

    Kaiserstraße 48:


    20150918_171114.jpg


    20150918_171127.jpg


    20150918_171123.jpg


    Natürlich reichen die Fassaden nicht ans Original heran, aber es ist trotzdem eine hochwertige Rekonstruktion geworden, die den ursprünglichen Ausdruck des Gebäudes vermittelt. Hier eine Ansicht der ursprünglichen Fassade mit bereits verändertem Erdgeschoss:


    Kaiserstrasse-1939.jpg

    Kaiserstr. 48 (rechts) bis 76. 1939 gelaufene Ansichtskarte.





    Bei Nr. 58 erfolgte ein Abriss des Nachkriegsbaus (Telefon-Technikgebäude oder Warenhaus?) und anschliessend ein moderner Neubau in der Kubatur des gründerzeitlichen Baus:


    kaise393.jpg

    Kaiserstr. 56 (rechts) und die inzwischen abgerissene Nr. 58 (links), mit Blick in die Elbestrasse, 2007.


    Im gleichen Zitat von Schloßgespenst sieht man auf dem ersten Bild den Neubau:

    Neubau Kaiserstraße 58:


    20150918_170950.jpg


    Ich kann damit nichts anfangen. Die Grundform zitiert unverkennbar die gründerzeitliche Bebauung, aber so abstrakt und grobschlächtig, dass das Ganze schon wieder wie ein Fremdkörper wirkt. Dachschrägen, aber keine Gauben, unpassende Fensterformen, und dann zwar einerseits einen Eckerker, der Bezug auf den gegenüber stehenden Altbau nimmt, aber der Eckturm ist viel zu hoch und verjüngt sich nach oben nicht, hat ein Flachdach. Eigentlich müsste man jetzt schon einen Umbau vornehmen.


    Den Kommentar von Schloßgespenst kann ich nur unterstützen.





    Nr. 66 ist ebenfalls ein entstuckter Gründerzeitbau. Heute sieht er so aus:

    Bahnhofsviertel: Sanierung, Um- und Neubau - Frankfurt am Main - Deutsches Architekturforum

    Eine für die Augen sehr mühsame Webseite mit wandernden Bildern und Textblöcken stellt das Umbauprojekt vor, demgemäss die Fassaden wieder aeine Aufhübschung erfahren sollen:

    CAIROS

    (unter 'Projektentwicklungen' das Bild unter dem zweiten Punkt, sowie weiter unten unter 'BIM - Die Planungsmethode der Zukunft' diverse Fassaden- und Grundrissansichten.)


    Meines Wissens wurde dieses Projekt noch nicht realisiert. Die projektierte Fassadenwiederbestuckung ist viel zu grobschlächtig und erinnert mich an ein Gebäude aus Lego. Die Fassaden sahen ursprünglich so aus:


    kaiserstrasse-66-kellner.jpg

    Ausschnitt aus der Ansichtskarte im letzten Beitrag.


    Ich persönlich wäre froh, wenn dieses Projekt nicht zustande käme, denn es verhindert auf lange Zeit hinaus eine bessere Rekonstruktion der Fassaden. Natürlich bleibt eine exakte Rekonstruktion der äusserst aufwändigen Sandsteinarchitektur (kein Stuck!) nur ein Traum mit sehr geringer Chance auf Verwirklichung. Eine Überarbeitung des Fassadenprojekts ist aber sehr vonnöten! Die originalen Fassaden glichen in der Architektur und dem gelben Sanstein sehr jenen von Kaiserstr. 56 (siehe Farbbild oben mit Kaiserstr. 56 und 58). Seine Giebel sind ebenfalls eine exakte Teilrekonstruktion. Beide Eckbauten könnten vom selben Architekten stammen.

  • Ein paar aktuelle und historische Ansichten von der Kaiserstrasse:



    kaise421.jpg

    Kaiserstr. 68-76.


    Das Eckhaus rechts, Nr. 68, hat mittlerweile auch eine Verbesserung am Erdgeschoss erhalten. Diverse Ladenfrontumbauten im Sinne einer Annäherung an den ursprünglichen Zustand sind im APH und im DAF vorgestellt.



    kaise73.jpg

    Kaiserstr. 60, 62/64 und 66. Kaiserstr.


    66 ist der purifizierte Gründerzeitbau, dessen projektierte Fassadenrenovation und Innenumbau am Schluss des vorangehenden Beitrages vorgestellt wurde.



    Kaiserstr. 62

    Kaiserstr. 62, einer der beiden zerstörten Gründerzeitbauten anstelle der heutigen Kaiserstr. 62/64.


    Die Fassaden der Reihenbauten sind allesamt symmetrisch aufgebaut (mit Ausnahme von Nr. 35). Die Variante von zwei Giebelaufsätzen über seitlichen Risaliten anstelle eines Mittelgiebels ergeben eine willkommene Abwechslung.



    Kaiserstr. 69 Panoptikum 1907

    Kaiserstr. 67/69 'Panoptikum' auf einer 1907 gelaufenen Ansichtskarte.


    Die Eckkuppel sowie das Dach und eines der beiden Quergiebelchen sind heute nicht mehr vorhanden, dafür aber ein Notdach. Das verunstaltete Erdgeschoss wurde vor einigen jahren verbessert. Rechts angeschnitten das neubarocke Eckhaus Nr. 71, das heute noch besteht... Gleiche Ansicht heute: Google Maps. Nr. 71 ist nicht mehr wiederzuerkennen!



    kaise70.jpg

    Kaiserstr. 56 mit rekonstruierten Giebelaufsätzen.


    Das Blechdach ist im Neigungswinkel (75° bis 80°) und Materialwahl leider misslungen. Solche zweigeschossigen Blechdächer mit viel zu steilen Neigungen über zwei Geschosse, Dacheinschnitten und überdimensionierten Dachfenstergruppen werden leider an der Kaiserstrasse immer mehr anzutreffen sein. Google-Ansicht mit Nr. 56 und dem Neubau Nr. 58: Google Maps. Auch die Nrn. 51, 53 und 75/77 haben misslungenen Dächer.



    kaise71.jpg

    Nördliche Seite der Kaiserstrasse in richtung der Gallusanlage.


    Links angeschnitten ist Kaiserstr. 48, noch vor der Restuckierung. In Bildmitte der Neubau Nr. 46 aus den 1980/90er(?)-Jahren. Dieser nimmt nur die halbe Grundfläche des ursrünglichen Baus auf, da mit dem Bau des Silvertowers dahinter ein neuer Platz, der Jürgen-Ponto-Platz, geschaffen wurde, der dadurch wohl besser an die Kaiserstrasse angebunden werden konnte. Städtebaulich ist dies als Nachteil für die Kaiserstrasse anzusehen, da sie durch diese Lücke aufgeschnitten wurde.



    Kaiserstrasse 1951

    Die Kaiserstrasse auf einer 1951 gelaufenen Ansichtskarte.


    Rechts angeschnitten Nr. 36, links der Erker von Nr. 35, dem einzigen asymmetrischen Reihenhaus in diesem Abschnitt der Kaiserstrasse. In Bildmitte das Eckhaus Nr. 48, noch vor der Entstuckung, aber bereits mit neuem Attikageschoss, das jüngst zugunsten der ursprünglichen Dachform wieder aufgegeben wurde.



    Kaiserstrasse 1951x

    Ausschnitt aus der vorangehenden Ansichtskarte.


    Rechts Nr. 48, dessen Fassade restuckiert wurde, anschliessend die heute ebenfalls noch bestehende Nr. 50. Nr. 52 nur noch bis zum 1. Obergeschoss, Nr. 54 offenbar Totalschaden. Schliesslich Nr. 56 mit den heute wieder rekonstruierten Giebelaufsätzen. Mit der abgeschrägten Ecke ist Nr. 58, wo dieses inzwischen auch wieder abgerissene Telecomgebäude oder Warenhaus stand. Die Brandmauer weiter links gehört zu Nr. 66, das heute purifizierte Eckhaus zur Moselstrasse, für dessen Fassaden eine Aufhübschung vorgesehen ist (siehe vorangehenden Beitrag).

  • kaise366.jpg

    Gleiche Ansicht 2007 wie auf der Ansichtskarte oben. Rechts die Häuser Nrn. 40, 42 und 44, die alle nach dem gleichen Grundrissschema (Hinterhaus mit zwei Verbindungsflügeln) möglicherweise vom gleichen Architekten erstellt wurden. Hinten die eingerüstete Nr. 48 anlässlich der Restuckierung.



    kaise360.jpg

    Kaiserstrasse ostwärts gegen die Gallusanlage. Die letzten beiden Gebäude zur Gallusanlage hin, Nrn. 32 und 34, fehlen heute und sind mit einem Sockelbau eines Hochhauses besetzt..



    kaise363.jpg

    Kaiserstr. 40. Für mich eine der schönsten Fassaden an der Kaiserstrasse.



    kaise368.jpg

    Kaiserstr. 40. Das Erd- und 1. Obergeschoss darf man mit Ausnahme des Mittelportals nicht anschauen!



    Kaiserstr. 37, Logensaal

    Kaiserstr. 37, Logensaal


    Aussenansicht heute: Google Maps.



    Kaiserstrasse 1906 Trenkler

    Der Häuserblock Kaiserstr. 32 - 46 von der Gallusanlage aus mit dem Manskopf-Uhrturm im Vordergrund. 1906 gelaufene Ansichtskarte, Verlag Trenkler&Co., Leipzig.


    Dieses Riesenteil mit 13m Höhe für lediglich vier Uhren ist für mich ein Beispiel des masslos überbordenden Historismus'. 1926 wurde es als Verkehrshinderniss bereits entfernt. Der Name geht auf seinen Stifter zurück:

    Gustav Manskopf stiftete seiner Vaterstadt 1887 die Renovierung des Gerechtigkeitsbrunnens auf dem Römerberg mit einer neuen Statue der Justitia in Bronze, 1889 den 13 Meter hohen Manskopfschen Uhrturm an der Kreuzung Kaiserstraße/Taunusanlage (1926 als Verkehrshindernis beseitigt) sowie den 1904 im Römerhöfchen aufgestellten Hercules-Brunnen.



    Kaiserstrasse 1898

    Ansicht der Kaiserstrasse von der Gallusanlage her. 1898 gelaufene Ansichtskarte.


    Die beiden Kopfbauten Nrn. 31 und 32 hatten identische Fassaden, aber unterschiedliche Breiten resp. Tiefen. Beide existieren heute nicht mehr. Dies war ein sehr häufiges Ansichtskartenmotiv, hier auf einer der frühesten Ansichten zusammen mit dem Manskopf-Uhrturm und dem Hauptbahnhof im Hintergrund..



    Kaiserstr. 32 1911

    Kaiserstr. 32 auf einer 1911 gelaufenen Ansichtskarte.

  • Im Bereich der Gallusanlage (ehemalige Wallanlage)



    Was genau mit dem Eckhaus Kaiserstrasse 32 (s. vorangehenden Beitrag) geschah, weiss ich nicht. Auf dem Stadtplan von 1944 ist dort bereits ein anderer Grundriss eingezeichnet.


    Wenn man die nächste Abbildung mit dem Nachfolgebau betrachtet, so könnte man meinen, dass hier ein frühes Hochhaus aus den 1930er-Jahren stünde. Jedenfalls erinnert es sehr an die ersten modernen Hochhausbauten in den USA. Gemäss der sehr empfehlenswerten Seite von Harald-Reportagen handelt es sich um den ersten Hochhausbau Frankfurts, der durch die damalige Rhein-Main Bank 1951 fertiggestellt wurde. Aufgrund des Stadtplans von 1944 und des architektonischen Ausdrucks frage ich mich, ob der Neubau schon vor dem Krieg geplant und zu bauen begonnen wurde.



    Kaiserstrasse um 1950

    Die Kaiserstrasse bei der Einmündung in die Gallusanlage mit dem Rhein-Main Bankneubau von 1951. Ansichtskarte.


    Das zwölfstöckige Hochhaus wurde dann fünfzig Jahre später abgerissen und an seiner Stelle 2003 das Gallileo-Hochhaus eröffnet. Den Zwillingsbau der alten Nr. 32, die Nr. 31, hat es im Krieg wohl auch erwischt, wie man an der Brandmauer am linken Bildrand sieht.



    Gallusanlage Hotel Fürstenhof 1903

    Hotel 'Fürstenhof' an der Gallusanlage und Kaiserstr. 31. 1903 gelaufene Ansichtskarte.


    Südlich an den Eckbau Nr. 31 anstossend bestand das 1902 errichtete Hotel 'Fürstenhof', dessen Betrieb 1910 wohl infolge schlechter Lage betreits wieder eingestellt wurde. Vorher stand hier das 1848 in Betrieb genommene Bahnhofgebäude der Main-Neckar-Bahn. Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt und wiederaufgebaut, nachdem bereits 1920 seine Eckkuppel abgetragen worden war. 1992 erfolgte ein Um- und Neubau, wobei vom ursprünglichen Gebäude nur die Fassaden und das Vestibül mit Treppenhaus erhalten blieben. Ins Bauprojekt einbezogen wurde auch die brachliegende Fläche von Nr. 31 (rechts), die mit einem postmodernen Neubau mit 'gründerzeit-hohen' Stockwerken überbaut wurde.



    Gallus und Taunusanlage vor 1926
    Gallusanlage mit Blick vom Schauspielhaus nordwärts zur Taunusanlage. In der linken Bildhälfte der Fürstenhof. Ansichtskarte vor 1926 (mit Uhrturm!).



    Gallus und Taunusanlage um 1950

    Gallusanlage mit Blick vom Schauspielhaus nordwärts zur Taunusanlage nach 1951. Hinter dem mit einem provisorischen Dach versehenen Fürstenhof das Hochhaus der Rhein-Main Bank. Kunst-Ansichtskarte.


    Südlich vom Fürstenhof bestand ein Kopfbau mit markantem, kuppelförmigem Dach, der den Krieg unbeschadet überstanden hatte. Um 1970 wurde er dennoch abgerissen und durch diese Drei-Scheiben-Schönheit ersetzt. Heutige Situation: https://goo.gl/maps/xamg4ca9etqigfnd9.



    Schauspielhaus 2
    Gallusanlage Richtung Schauspielhaus. Ansichtskarte um 1920/30.


    Die Wallanlage lief ursprünglich bis zum Main hinunter. Heute wird ihr Freiraum aber durch das Schauspielhaus abgeschlossen, das auf dem Boden der einstigen Wallanlage steht.



    Schauspielhaus 4

    Schauspielhaus und östliche Nachbarbebauung an der Neuen Mainzer Strasse. Ansichtskarte um 1910/20.

  • Kaiserstr.-28-1938.jpg

    Kaiserstr. 28. 1938 gelaufene Ansichtskarte.


    Besonders gefreut hat mich diese Ansichtskarte mit Kaiserstr. 28. Es handelt sich um ein mit Reklamen sehr verunstaltetes gründerzeitliches Kaufhaus, das mit seinen voll verglasten Fassaden in krassem Gegensatz zum westlich benachbarten Bankgebäude mit sehr schwerer Architektur steht. Es ist das zweite Haus an der Kaiserstrasse innerhalb der ehemaligen Wallanlagen.


    Mir wurde nicht sofort klar, dass ein Gebäude abgebildet ist, von dem ich schon lange eine Ansicht im ursprünglichen Zustand suchte. Nun kann ich nach über zehn Jahren den Bogen nun schliessen: