Geisenheim (Galerie)

  • Geisenheim ist eine der älteste Ortschaften im Rheingau. Bereits 772 wurde das Dorf ursprünglich erwähnt! Doch bereits im 6 Jh. gab es menschliche Besiedelungen in Geisenheim. Vom Mittelalter bis in die Frühen Neuzeit gehörte Geisenheim zum Erzbistum Mainz, von 1806 bis 1866 zum Herzogtum Nassau, danach zum Königreich Preußen und seit 1946 zum Land Hessen. Seit 1864 darf Geisenheim sich auch Statd nennen.

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    Beginnen wir unseren Rundgang durch die Kleinstadt am Bahnhof von 1886:



    Schräg gegenüber, hinter einem Weinberg zu Südwesten liegt schon die erste bedeutendere Sehenswürdigkeit, das Schloss Schönborn aus dem 16. Jh.









    Der Fachwerkaufbau ist eine neuere Zutat des Baumeisters Heinrich Theodor Schmidt von 1875:


  • Der Blick zurück:



    Wir erkennen die neugotischen Doppeltürme der katholischen Pfarrkirche auch Rheingauer Dom genannt:





    Das Kirchenschiff mit Chor ist jedoch original gotisch aus dem 12-16. Jh.



    Treten wir nun ins Innere ein;



  • Von der spätgotischen Atmosphäre erinnert die Kirche innen sehr stark an St. Valentin von Kiedrich, welche wir uns schon ausführlich angesehen haben:




    Kreuzigungsgruppe aus dem 18. Jh.




    Die Seitenemporen erinnern auch stark an Kiedrich:



    Die Orgel von 1842 von den Gebrüdern Stumm erbaut:




  • Ein Höhepunkt von der Ausstattung der Kirche ist der Dreikönigsaltar im südlichen Seitenschiff. Er stammt von 1480 und wird dem südtiroler Künstler H.Klocker zugeschrieben:






    Das Hauptschiff in seiner räumlichen Wirkung:




    Im Chor der Hauptaltar von 1886:






  • Auf dem Bischof-Blum Platz, eine Mariensäule des 18. Jh.



    Gegenüber von der Kirche, Nr.. 4 dendrodatiert von 1517:



    Die Kreuzstreben sind typisch für diese Zeit und die Region:




    Anschließend Nr. 3 die ehemalige Frühmesserei aus dem 18. Jh.





  • Was der Spruch wohl bedeuten mag?


    si dominus custodierit domumistamfrustrav gilat (2?..)

    custodit eam R.H 1721 M.M.H


    ein i scheint zu fehlen, also wohl

    si dominus custodierit domum is tam frustra vigilat

    "wenn der Herr dieses Haus beschützen wird, wird es vergeblich bewacht"

    custodit eam

    "er/sie/es beschützt sie (Frau, Einzahl)"

  • Folgen wir nun weiter der Müller-Thurgau Straße:


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    Bis sie sich mit der Rheinstraße kreuzt. Nr. 7 ist der ehem. Zehnthof, im Kern von 1773, später bis 1899 als Weingut umgebaut:


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    Ein Block weiter, Ecke Rheinstr. , Kapellenstraße, ein aus 3 Bürgerhäusern entstandener Bau, im Kern aus dem 16. Jahrhundert, im 18-19. Jh. verändert:



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  • Über die Rüdesheimer Straße gelangen wir zum Rathaus, ein strenger, klassizistischer Bau des 19. Jahrhunderts:




    Daneben, dieses barocke Fachwerkhaus:




    Hinterm Rathaus, die Beinstraße:




    Nr. 9 der Bachelinsche-Hof von 1685, Sommersitz der Mainzer Familie Bachelin, jetzt Stadtbücherei:



    Gegenüber, Nr.8 aus dem 15. Jh.



    Verlassen wir nun den Ortskern . Doch keine Sorge: es gibt noch genug zu sehen wie zb das ehem. Palais Ostein, von 1766-73:




  • Ein deutlich katholischer Ort, mit den Marienfiguren an den Hausecken.

    In NL in Limburg gibt es das in manchen kleinen Orten auch.


    Nochmal zurück zu dem lateinischen Spruch, dem zweiten:

    custodit eam 1721

    domus, das Haus, ist feminin, das würde also bedeuten:

    er (der Herr) beschützt es (das Haus) 1721

    wurde das Haus vielleicht im Jahr 1721 renoviert oder gab es im Jahr davor vielleicht ein kleineres Unglück (kleiner Brand oder Blitzschlag oder angenagter Dachbalken oder sonstwas), und man reparierte danach, - also daß das Haus eigentlich älter ist als 1721, in diesem Jahr nur was dran gebaut wurde?

  • Fachwerkliebhaber : hm, hm. Ob die aufgeschriebenen Sprüche und Jahreszahlen Fake sind? Kann ich mir schwer vorstellen. Es mag vielleicht in dem Jahr, als Dehio es sah, noch verputzt gewesen sein - ja, Fake könnte sein, aber andernseits treten bei Renovierungen manchmal alte Muster (oder auch Sprüche) zutage, die man dann nachmacht.

    Man müßte vielleicht mal die Balken anbohren (Dendrochronologie), um mehr zu erfahren.