Das sozialistische Danzig der Nachkriegsjahre

  • Im Folgenden nun einige typische Ansichten des Nachkriegs-Danzig - und das war eben im wesentlichen nicht von Rekonstruktionen geprägt, sondern von dezidiert modernen Bauten, ob sozialistischer Realismus, Modernismus oder einfach Plattenbauten auf der grünen Wiese ...


    Zunächst eine kurze Landkartenansicht, das moderne Danzig der Nachkriegsjahre dehnte sich in erster Linie nach Nordwesten aus, in Richtung von Oliva.


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    Wrzeszcz = Langfuhr, Przymorze = Konradshammer (wörtlich übersetzt "bei dem Meer" - von der früheren slawischen Form "po more" stammt übrigens das Wort "Pommern")


    Die Neubauviertel schafften es teilweise auch auf zeitgenössische Ansichtskarten, wenngleich dort natürlich die historischen Motive dominierten.


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    Sicherheitshalber weist die Karte ausdrücklich auf das "polnische Danzig" hin, eine sehr frühe Karte aus den 50er Jahren, auf der die Lange Gasse noch nicht fertiggestellt war, unten rechts sehen wir eine Abbildung der Ulica Grunwaldzka, benannt nach dem Sieg gegen den Deutschen Orden, früher einfach Hauptstraße genannt:


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    Diese Karte hebt hingegen das "alte Danzig" hervor:


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    Neben dem noch nicht umbauten Krantor fällt hier ein weiteres Motiv aus Langfuhr auf, das Café Cristal von 1961:


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    Die Umbauung ganz im Stil der damaligen Zeit:


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    Hier eine Ansicht des weitgehend erhaltenen Langfuhr:



    Der Eindruck täuscht nicht, tatsächlich verfielen viele der erhaltenen Gebäude, das heutige Langfuhr präsentiert sich ziemlich fragmentiert, die historische Bebauung wird immer wieder von Neubauten und Brachen unterbrochen.


    Außerdem gab es Postkarten komplett mit Neubaumotiven:


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    Hier fällt das sehr lange Hochhaus unten rechts auf der Karte auf. Dabei handelt es sich um eine speziell für Danzig entwickelte Plattenbauserie, die sogenannten Falowiec-Häuser (falowiec = Welle). Die Besonderheit dieser insgesamt 8 Gebäude (7 stehen in Przymorze, 1 in Nowy Port = Neufahrwasser (gleich an der Westerplatte)) besteht in ihrer Wellenform, mit der die Dünenform der Landschaft interpretiert werden sollte.


    Das längste dieser Gebäude ist 860 Meter lang und umfaßt 1800 Wohnungen. Hier aus der Nähe zu sehen:


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    Und hier eingebettet in die übrige Bebauung:


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  • Hier nun noch eine Postkartenansicht der Danziger "Altstadt", in der bestenfalls im Süden einige Rekonstruktionen (Kirchen, Mühlen) vorgenommen wurden, der Norden wurde jedoch typisch sozialistisch mit Dominanten wie Hochhäusern entwickelt (bzw. gar nicht entwickelt, vgl. die ausgedehnten freien Flächen):


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    Zur Orientierung: Unten sehen wir Katharinen- und Brigittenkirche, der "halbe Kreisverkehr" im Norden ist der frühere Hansaplatz. Die beiden freien Flächen im Norden sind inzwischen bebaut, die nördliche mit dem Einkaufszentrum Madison von 2003, die südliche mit einem großen Bürogebäude.


    Hier der Blick vom Bahnhof auf die Altstadt, im Vordergrund das Vinimpex-Gebäude:


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    Unmittelbar dahinter befindet sich heute das Einkaufszentrum Madison, außerdem sind die städtebaulichen Dominanten der Nachkriegszeit zu sehen, das frühere Orbis-Hotel (heute Mercure) und Organika-Hochhaus.


    Übrigens war derselbe Architekt, Szczepan Baum, ein gebürtiger Warschauer, nicht nur an beiden Hochhäusern, sondern auch am Einkaufszentrum Madison und dem Miastoprojekt von 1965 beteiligt, mit dem das Haus der Technik mit den benachbarten Hochhäusern errichtet wurde.


    Hier das Haus der Technik (Dom Technika):


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    Von hier aus ein großer Sprung von der Altstadt in die Vorstadt - die Rechtstadt mit den Rekoprojekten wird separat vorgestellt.


    Hier eine alte Aufnahme des Vorstädtischen Grabens, der zwischenzeitlich nach Leningrad benannt war:


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    Eine weitere Ansicht des Vorstädtischen Grabens ganz im Westen:



    Man beachte den ruinösen Zustand des Gebäudes im Hintergrund, das gerade rekonstruiert wird, dabei handelt es sich um den Stadthof mit dem Brauereiturm (auf dem vorletzten Foto ist ja der Eckturm unten links zu sehen, auch dieser ist Bestandteil des Stadthofs).


    Hier der harte Kontrast zwischen den "modernen" Bauten der nördlichen Vorstadt und dem Beginn des Rekoprojekts:


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    Auch diese Aufnahme zeigt den früher dicht bebauten Poggenpfuhl, dort stehen heute noch diese Nachkriegsbauten, südlich davon ist ein großer Parkplatz:


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