Teil 5 - von Petite France über den Mühlenplan nach Finkweiler

  • In diesem kleinen Rundgang soll Finkweiler (auch Finkwiler geschrieben, heute offiziell Finkwiller) kurz vorgestellt werden, ein kleiner und nur in Teilen erhaltener Stadtteil gleich südlich von Petite France. Im Wesentlichen ist von Finkweiler noch ein schmaler Streifen im Osten erhalten, der westliche Teil mit Kasernen, einer Tabakmanufaktur und Lagergebäuden wurde weitgehend abgerissen.


    So sah Finkweiler 1910 aus:


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    Anstelle der Tabakmanufaktur ist ein großer Platz entstanden, der im Norden noch historisch bebaut ist, das "Four. Magazin" (vermutlich für "fourrage" = Futter) ist ebenso verschwunden wie die beiden Kasernen und das "Kloster zum Guten Hirten", bei dem es sich vermutlich um einen Teil des Festungslazaretts handelte (?) - siehe hierzu diese Postkarte:


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    Interessanterweise gab es noch ein zweites Kloster gleichen Namens, ebenfalls nicht mehr vorhanden und an der Orangerie gelegen.


    Heute präsentiert sich Finkweiler wie in dieser Open Streetmap-Karte:


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    Sehenswert ist heute vor allem das frühere Gestüt, das mit hohem Aufwand in ein Luxushotel umgebaut wurde, sowie der daran östlich anschließende Teil bis hin zur früheren Drachenschule. Hierzu gab es schon eine kleinere Galerie unter Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 8, Krutenau, Börsenviertel und rund um das Bürgerspital - der jetzige Rundgang startet jedoch in Petite France und führt von dort in einem weiten Bogen über das Gestüt nach Osten.

  • Wir beginnen unseren Rundgang an einem der touristischsten Orte Straßburgs - dem Zix-Platz, von dem wir am nördlichsten Kanal, dem Schifffahrts-Kanal, entlang etwas weiter nach Westen gehen.


    Besonders interessant ist hier der Neubau des Luxushotels Régent Petite France auf der rechten Seite, zu dem es gleich noch weitere Informationen gibt:



    Von hier aus geht es weiter über die Fasanenbrücke zum Mühlenplan - von der Brücke aus ergeben sich reizvolle Blicke über den Kanal:




    Der Blick zurück nach Norden:



    Und hier ist auch schon das angesprochene Luxushotel zu sehen:





    Trotz des historisierenden Aussehens stammt es aus dem Jahr 1993 - und zwar vom selben Straßburger Architekten Paul Maechel, der auch den Neubau des Straßburger IKEA betreute :smile:


    An dieser Stelle befanden sich früher Mühlen aus dem 18. Jahrhundert, ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Wasserkraft nicht nur zur Stromerzeugung, sondern vor allem zur Eisherstellung verwendet, dort befanden sich die Eiswerke:



    Nachdem selbst nach dem Zweiten Weltkrieg noch bis zu 150 Tonnen Eis pro Tag hergestellt wurden, erfolgte die Schließung der Anlage 1990. Ein Großteil der Turbinen und des Maschinenraums wurde unter Denkmalschutz gestellt und in den Neubau des Hotels integriert.

  • Das Hotel gefällt mir, das sieht sehr heimelig aus...bis auf den Eingang. Da hat er sich wohl entweder nicht getraut, etwas Historistisches zusammenzufantasieren, oder es hat ihn schlicht der Einfallsreichtum verlassen. Das ist, autsch, brachial. So nett ich 1990er-Gebäude oft finde - es sind mit die verspieltesten und dekorativsten unter den Modernen -, diesen ausgesägten Ausschnitt finde ich schmerzhaft. -

    Daß die Eisherstellung schon Ende des 19.Jhdts anfing, hatte ich so nicht im Kopf, ich dachte immer, so um 1910, aber wie ich gerade Carl von Linde wikipädiere, hat der seine Eismaschinen tatsächlich 1877 patentiert, 1879 die Firma gegründet und ab 1884 brummte die dann stetig. - Von der Kühlung mit Eisstangen hat mir meine Mutter noch erzählt, d.h. die war wohl in den 1950ern noch üblich für kleine Lebensmittelläden mit Milchverkauf. Der Kühlraum hatte an der Decke ein Fach, in das man die Eisstangen einschieben mußte. WIMRE etwa alle 3 Tage mußte man neues Eis besorgen, das es in einem Eiswerk gab.

  • Von hier aus geht es nun weiter auf die südlichste der drei Flußinseln, die einzige, die nennenswert bebaut ist (am westlichen Ende der Inseln standen ja ursprünglich recht einfache Holzschuppen, die heute allesamt abgerissen sind).


    Kernstück ist hier der Mühlenplan oder Rue des Moulins, der bis zur Martinsbrücke reicht:


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    Am Ende befindet sich die Würtzmühl, eine frühere Gewürzmühle aus dem Jahr 1621, die später Öl produzierte und als Standort einer Chocolaterie diente. Das Gebäude wurde 2012 renoviert:


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    Hier ergeben sich interessante Ausblicke, einmal auf die Ill Richtung Osten:


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    In Richtung Altstadt über die Martinsbrücke mit dem Kinder- und Jugendtheater gleich an der Brücke:


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    Wir gehen indes in Richtung Süden weiter nach Finkweiler, wohin sich kaum noch Touristen verirren.

  • Zum Überqueren der Ill dient ein Steg aus dem Jahr 1867:



    Leider wurde die restliche Bebauung entlang des Ufers auf der Südseite überwiegend in den 70er Jahren fast völlig abgerissen - hier befinden sich jetzt halbwegs gut angepaßte Neubauten von Mitte der 1970er Jahre:




    Südlich der Uferfront gibt es glücklicherweise noch eine kleine "Insel" mit altem Baubestand - allerdings ist dieses Altstadtviertel nicht gerade groß und endet etwas weiter südlich mit dem Collège Lucie Berger, einem eher unschönen Konglomerat aus einem erhaltenen Gründerzeitbau und einer Reihe von ziemlich unpassenden Anbauten neuerer Zeit ...


    Hier aber die kleine Altstadtinsel, einmal nördlich der Finkweiler-Straße:



    Und die restliche Bebauung gleich südlich davon:




    Etwas weiter westlich davon befand sich früher die Tabakmanufaktur, heute ist dort ein großer ovaler Platz, der im Norden immerhin noch historisch bebaut ist, im Süden befindet sich eine ziemlich unattraktive Schule:



    Blick nach Norden, hier ist im Hintergrund die oben angesprochene Uferbebauung zu sehen:



    Wir befinden uns hier am Südrand der Gedeckten Brücken, also in unmittelbarer Nähe des touristischen "Hotspots" - dennoch wagen sich kaum Touristen über die Brücke: