• Ich habe mir noch einmal die Infobroschüre von Stadtbild für Hanaus Schlossplatz 2023 angeschaut. (Hier online einsehbar) Was ich für einen großen Fehler halte, ist der Verzicht auf Rekonstruktionsforderungen. Alles, was in der Broschüre geschrieben steht, ist im Prinzip richtig und gut. Sie haben sich viel Mühe gegeben, und das hat auch volle Anerkennung verdient. Aber es fehlt etwas, und das sind die Rekonstruktionen.


    Nehmen wir die Schlossplatzschule. Statt eine Rekonstruktion zu fordern, wird ein angepasster Neubau gefordert, der einzig durch den historisierenden Eckerker eine Verbesserung gegenüber dem Bestandsbau darstellt.

    Schlossplatzschule Hanau, Altstadt Hanau


    Nehmen wir die Neue Münze. Statt eine Rekonstruktion zu fordern, wird ein recht lahmer Erinnerungsbau im Stil der 50er Jahre der Öffentlichkeit präsentiert.

    Neue Münze, Altstadt Hanau


    Was im Prinzip richtig ist, ist es noch lange nicht strategisch und in der Praxis. 50er Jahre Architektur haben die Hanauer noch genug. Hier sollte eher um den Bestand und gegen die Umbauinteressen von Stadt und Investoren gekämpft werden. Was fehlt, sind historische Altstadthäuser. Stadtbild Hanau hatte offenbar Angst vor der eigenen Courage und ging mit der abgespeckten Kompromisslösung ins Rennen. Dieser fehlt aber die Begeisterung. Mit der Rekonstruktion von Fachwerk-Leitbauten hätte man eventuell die Bürger mitreißen können. Den darin herrscht Mangel in der Hanauer Innenstadt. Die angepassten Neubauten hätte man als Kompromiss anbieten können, wenn Rekonstruktionen aus Gründen der fehlenden Quellen/des fehlenden Bildmaterials überhaupt nicht möglich wären. Wer aber mit dem Kompromiss bereits den ersten Zug macht, wird keinen zweiten machen können, weil die "Gefährlichkeit" der Idee (im positiven Sinne) fehlt.


    Schade. Warten wir ab, wie sich die Sache in Hanau entwickelt. Vielleicht gibt es ja noch Chancen der Intervention in dem Areal.