• Sicher war den meisten von euch klar, dass jetzt noch eine Serie über die Altstadt südlich der Herrengasse folgen muss. Nicht wahr.

    Es sind zwei parallele Straßenzüge, die uns noch fehlen. Wir beginnen mit der südlicheren Raubergasse.

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    Sie wird von dieser Fassade geprägt, die in ihrer stilistischen Mixtur (Renaissance- Barock) so symptomatisch für die Stadt zu sein scheint:

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    Der Name des Bauwerks steht in großen Lettern über dem Eingangsbereich geschrieben:

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    Vis-à-vis noch eine Zeile von alten, urigen Bürgerhäusern, die bereits ein kleinwenig vorstädtisch anmuten:

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    In Richtung Hauptplatz dominieren Bauwerke des frühen 20. Jh., die jedoch nicht den Straßenraum zerstören:

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    Auch in der Gegenrichtung dominiert ein Gründerzeitschinken:

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    Die beiden Innenhöfe des Joanneums:

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    Dortselbst auch diese Darstellung des gar wilden steyrisch Wappentiers:



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  • Eh wir mit der Schmiedgasse, unserer letzten Station in dieser Stadtpartie fortfahren, wollen wir uns ein wenig mit dem wunden Punkt dieser wunderbaren Altstadt auseinandersetzen. Es handelt sich hiebei natürlich um das Rathaus, das das bürgerliche Herz der Stadt, den Hauptplatz, nach bei uns eindeutig überwiegender Auffassung doch einigermaßen beeinträchtigt.

    Man kann sagen, dass auch das historische Rathaus in Anbetracht des üblichen architektonischen Reichtums einigermaßen enttäuscht haben musste:

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    Pas de question, dieser Bau blieb deutlich hinter seinen Geschwistern zu Leoben, Radkersburg oder Marburg zurück!

    Dann kam dieser in seiner Kastenhaftigkeit bereits originelle Bau:



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    Im Jahr 1803 wurde das alte Rathaus dem Erdboden gleichgemacht und in den Jahren 1805 bis 1807 nach den Plänen von Christoph Stadler neu errichtet. Die 150.000 Gulden, die der Neubau kostete, wurden übrigens durch eine eigens hierfür eingeführte Weinsteuer aufgebracht ... Der in klassizistischem Stil gehaltene Neubau traf allerdings nicht ganz den Geschmack der Bevölkerung und sorgte für Unmut bei den Grazern.



    1869 wurde mit der Erweiterung des Rathauses begonnen, 1887 erfolgte die Grundsteinlegung für die neuen Teile des Rathauses. Nach den Plänen der Architekten Alexander Wielemans und Theodor Reuter wurde der klassizistische Altbau vom Anfang des 19. Jahrhunderts verwendet und in das Erdgeschoss sowie in das erste Stockwerk des Ost- und Nordflügels miteinbezogen. Die große Rathauskuppel entstand. Für die Expansion waren übrigens mehrere angrenzende Gebäude zugekauft worden, doch da sich die Eigentümer der Häuser Landhausgasse 6 und 8 gegen den notwendigen Abriss zur Wehr setzten, blieb der geplante Blockbau unausgeführt. Diese Tatsache kommt bei der Besichtigung des Innenhofes deutlich zum Ausdruck: Die stehen gebliebenen Häuser schieben sich weit in die Tiefe des Rathausgevierts und stören das Gesamtkonzept des Baus.

    Der letzte Satz ist natürlich sehr tendenziell - glücklicherweise blieben die alten Häuser bestehen! Ein klares Plus für die Herrengasse, die dadurch wenigstens im west. Bereich ihre Historizität erhalten hat!

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    Hier ist die aktuelle Situation ganz links zu sehen: der Rathausneubau rahmt die drei alten Häuser sozusagen ein, das städtebaulich lähmende Geviert blieb dadurch an dieser sensiblen Stelle erfreulich aufgelockert.

    Das heutige Ungetüm hat leider auch einige skulpturale Einbußen hinnehmen müssen, wie diese Ansicht aus der Zwischenkriegszeit zeigt:



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    1922 wurde die Fassadengestaltung in den oberen beiden Geschossen vereinfacht; 1957 wurde das ehemals reiche bauplastische Figurenprogramm, gestaltet von den Künstlern Hans Brandstetter, Karl Lacher, Karl Peckary, Emanuel Pendl und Rudolf Vital, größtenteils entfernt; der Verbleib der kulturhistorisch interessanten Kunstwerke ist unbekannt. Erhalten haben sich an der Westfassade über dem dortigen Portal zwei Sandsteinfiguren (Landsknechte) aus der Hand Hans Brandstetters (1892) und eine Sandsteinbüste aus der Hand Karl Lachers.
    1966 bis 1967 wurde die Außenfassade des Rathauses saniert. Bei einer Volksbefragung sprachen sich die Grazer dafür aus, das Rathaus in seiner altvertrauten Form zu erhalten, anstatt es auf die klassizistischen Formen zurückzuführen.

    Das hätte ich hier vorschlagen sollen, da hätte es wieder was gesetzt!

    (Sämtliche Zitate aus: graz.at/cms/beitrag/10058666/1088931

    Hier ein etwas sachkundigerer Kommentar:



    Die langwierigen Verhandlungen ärgerten die Grazer. Man spekulierte mit einer Verlegung des neuen Rathauses auf den Jakominiplatz oder den soeben geschaffenen Joanneumring – also wie in Wien an den Rand der Altstadt. Schließlich blieb alles beim alten und das Rathaus wurde nach Plänen der Architekten Wielemans und Reuter um- und ausgebaut. Am10. Dezember 1894 fand unter Vorsitz von Bürgermeister Ferdinand Portugall die erste Gemeinderatssitzung im neuen Rathaus statt, das mit seiner späthistoristisch- altdeutschen Fassade und den verspielten Erkern, Nischen und Balkonen wie aus einem Zuckerguss wirkte – nicht zu vergessen die Kuppel, die den Hauptplatz um 55 Meter überragt. Bald fand man aber den „Zuckerguss“ zu süß – und so kam es 1922 und 1927 zu Reduzierungen des üppigen Fassadendekors.

    1962 beschloss der Gemeinderat unter dem Motto „zurück zum Klassizismus“ einen Ideenwettbewerb für eine neue Rathausfassade. Eine Volksbefragung ging aber mit großer Mehrheit zugunsten der Renovierung der bestehenden Fassade aus. Die Grazer hatten ihr Zuckerguss-Rathaus schon sehr lieb gewonnen.

    austria-forum.org/af/Wissenssa…ark/Grazer_Rath%C3%A4user

  • Lieber Ursus, vielen Dank für die Bilder! Ich habe aber noch eine Bitte: ich kenne mich mit Graz leider überhaupt nicht aus und war nur mal als Kind dort, könntest du vielleicht die kunsthistorische Bedeutung der Stadt etwas beschreiben und in den mitteleuropäischen Kontext einordnen? Welche bedeutenden Kirchen und Palais gibt es dort und welchen Stellenwert haben sie im Vergleich mit anderen mitteleuropäischen Städten? Die Stadt scheint mir von den Bildern, die ich von ihr gesehen habe, sehr wertvoll zu sein und doch spricht man in kunsthistorischen Büchern eher wenig über sie. Oder täusche ich mich? Wenn du mir ein bisserl was über Graz erzählen könntest, wäre ich dir sehr dankbar, vielen herzlichen Dank!

    Das Landhaus ist auf jeden Fall schon mal sehr beeindruckend!

  • jaja natürlich, Graz wird bedeutungsmäßig nicht richtig eingeschätzt bzw erkannt.

    es zählte zu den 10-15 größten Städten des dt. Bundes.

    Auch vor der Zerstörung D.s gab es nur wenige dt Großstädte, die Graz wirklich übertreffen konnten.

    die Kirchen sind noch gotisch, daneben gibt es viel Renaissance, Manierismus und natürlich Barock - viele hochqualitative Palais und Bürgerbauten, ein barock überformtes mittelalterliches Großstadtbild ohne größere Störung. Nur der Ostteil wurde im Krieg ziemlich ramponiert, aber der war eher eine biedermeierzeitl. Erweiterung.

    Südl. und östlich der Alpen ist die Stadt immer schon ohne Konkurrenz gewesen, was mitteleuropäische Stadtbaukunst anbelangt.

  • Danke Ursus, aber könntest du - wenn du mal Zeit hast - das genauer ausführen? Welche Kirchen, Palais und Bürgerhäuser sind in deinen Augen besonders wertvoll und welche stilistischen Beziehungen haben sie zu anderen österreichischen (oder mitteleuropäischen) Städten, vor allem im Vergleich zu Wien? Das Landhaus ist auf jeden Fall schon mal etwas absolut Besonderes und übertrifft an architektonischem Wert sicher auch die Wiener Stallburg, dem einzigen bedeutenden erhaltenen Renaissance-Bauwerk Wiens (meines Wissens gab es an Renaissance in Wien aber sowieso nicht viel).

    Ich weiß, dass ich dich damit um einen großen Gefallen bitte und dass dies ein bissl Aufwand bedeutet, aber wer wenn nicht du könnte so eine Übersicht von Graz und einen Vergleich mit Wien erstellen? :)

  • Die Grazer neigen offenbar zu einem prächtigen, dekorierten Häuserstil, nicht zu einem puristischen, linearen.

    Es sind auf den Photos eine ganze Menge an Häusern mit floralen "Füllungen", was ich so bisher noch nicht gesehen habe.

    Bei denen würde mich interessieren, von wann das Haus und die Fassade ist - vielleicht gab es mal so eine Art Fassadenverschönerungswelle?

  • es ist jetzt so, dass ich in Sachen Graz und Steiermark überhaupt nicht der besondere Experte bin und momentan noch nicht weiß, inwieweit ich auf Leonnies und Loggias Wünsche und Anregungen überhaupt in der Lage bin, einzugehen. wahrscheinlich muss ich mich vorher ein bisschen einlesen. allerdings muss man schon vorausschicken, dass die Ausbildung eines Sonderstiles in einer Großstadt wie Graz eher eine Selbstverständlichkeit als eine Ausnahme darstellen dürfte. Mit Graz ist ja auch noch ein ganzes Bundesland verbunden, über das wir alle nicht allzuviel wissen. Insgesamt ist die Steiermark freundlicher, sonniger, verspielter und doch auch sehr gediegen.


    Bildergebnis für Pöllau


    Bildergebnis für radkersburg


    Ähnliches Foto


    Bildergebnis für leoben


    Bildergebnis für frohnleiten


    Bildergebnis für frohnleiten


    auch mit diesem da:


    Bildergebnis für pettau


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    Bildergebnis für ehrenhausen


    Bildergebnis für ehrenhausen


    Bildergebnis für maribor


    man muss sich mit den steirischen Barockkirchen und -klöstern und ihren Architekten auseinandersetzen, die dann auch Palais und Bürgerhäuser errichtet und gestaltet haben, ein Teil der Steiermark liegt heute bekanntlich in Slowenien, daneben muss man sich mit dem benachbarten Kärnten abgeben:


    Ähnliches Foto


    Bildergebnis für st veit an der glan


    Bildergebnis für st veit an der glan


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    kurzum, es ist schon eine Sch...arbeit, bis man soweit ist, ein paar locker klingende Sätze hinzuwerfen.

  • Lieber Ursus, ist kein Problem, ich hatte mir nur gedacht, dass du vielleicht eh ein paar lockere Gstanzln zum Thema Graz auf Lager hättest :wink: aber du musst dich nicht extra einlesen, kein Stress! Ich verstehe gut, dass das zuviel Aufwand ist. Aber vielleicht könntest du zu den Buidln noch dazuschreiben, wo das jeweils ist... das wäre nett!


    Edit: steht eh da, wenn man auf die Bilder klickt, musst es nicht dazuschreiben!