Kriegsschäden in Straßburg - und was daraus wurde

  • Hier soll ein kleiner Überblick über die Kriegsschäden in Straßburg und deren Beseitigung gegeben werden - der Schwerpunkt liegt dabei auf dem 2. Weltkrieg, da aufgrund der umfassenden Umgestaltung und Überbauung Straßburgs im Kaiserreich (mitsamt Massenabrissen) die Schäden aus dem Krieg 1870/71 heute kaum noch nachzuvollziehen sind.


    Generell kann man festhalten, daß im Krieg 1870/71 die Schäden vor allem die nördliche/nordwestliche Altstadtinsel bis rund um den Broglieplatz betrafen (inkl. des Areals der heutigen Neukirche) und daß auch die Gegend um das frühere Steintor sehr stark beschädigt wurde (heute: Nähe Hagenauer Platz, also im äußersten Norden).


    Tatsächlich lag neben der Zitadelle im Süden (auch hier gingen viele Treffer daneben und beschädigten unter anderem das Münster und dessen Umgebung) eben gerade das Steintor im Norden im Fokus der Beschießung - mit entsprechenden "Kollateralschäden".


    Für nähere Informationen verweise ich hier auf die Wikipedia und auf diese Abbildung der Zerstörungen.


    Im Zweiten Weltkrieg wurde Straßburg 1943 und 1944 durch die US Army Air Forces (damals noch gar keine eigene Teilstreitkraft) bombardiert, glücklicherweise erreichte das Ausmaß der Zerstörungen bei weitem nicht das von anderen Städten. Betroffen war hier vor allem der Süden:


    Einerseits die südlich gelegenen Stadtteile wie Meinau und Neudorf, andererseits Krutenau und ein schmaler Streifen entlang der Ill inkl. der südlichen Altstadtinsel.


    Für Fotos verweise ich gern nochmals auf diese Seite:


    Strasbourg sous les bombardements


    Betroffen waren (siehe auch die Fotos) neben kleineren Ensembles vor allem der Alte Zoll, der Gutenbergplatz inkl. Alter Kanzlei, die Ecke um den Alten Fischmarkt, der Rohan-Palast, die Stephanskirche sowie das Hauptpostamt - alles entlang dieser Schneise der Verwüstung entlang der Ill gelegen.


    Weiter im Westen reichten die Zerstörungen weiter nach Norden, siehe diesen Diskussionsbeitrag (Gibt es dieses Fachwerkhaus noch?), und schlossen auch die Johanniskirche ein.


    Die Gesamtschadensbilanz beläuft sich auf rund 20 % Zerstörungen der Gesamtstadt (wobei nicht klar wird, was hier aus heutiger Sicht alles rückwirkend mit einbezogen wird) oder knapp 14.000 beeinträchtigte Gebäude - die meisten wohl nur teilzerstört und außerhalb des Zentrums gelegen.


    Die Anzahl der Gebäude in der Altstadt, die tatsächlich zerstört wurden, würde ich anhand der betroffenen Flächen deutlich niedriger schätzen, als ganz groben Anhaltspunkt maximal 100 Gebäude (?)


    Insgesamt kam Straßburg also einigermaßen glimpflich davon, so unzerstört, wie es das heutige Erscheinungsbild vermuten läßt, war es allerdings nicht.


    Im Folgenden möchte ich die einzelnen Schäden nacheinander durchgehen und dazu aktuelle Fotos liefern.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Bei den Bombardements wurden offensichtlich ausschließlich, bzw. mehrheitlich Sprengbomben abgeworfen, so sehen mir die Zerstörungen danach aus. Also keine Brandbomben und auch keine Flächenbombardierungen , wie in anderen Städten des Reichsgebietes. Eher einzelne Sprengbomben oder in begrenzten Pulks!?

  • Sicherlich keine gezielte Bombardierung des Stadtkerns, auch nicht mit dem Ziel, einen Flächenbrand auszulösen (Straßburg war ja eine besetzte Stadt, daher gab es auch keine entsprechenden Flächenbombardements).


    In der verlinkten Quelle wird davon gesprochen, die Bomber seien 1943 von einem Angriff auf Bosch bei Stuttgart zurückgekommen, vermutlich waren einfach noch Bomben übrig, die dann auf ein (schlecht recherchiertes) Ausweichziel abgeworfen wurden (mit Bomben zurückfliegen oder gar landen, war ja nicht möglich, zur Not wurde der Rest über dem Ärmelkanal abgeworfen).


    Außerdem war der Abwurf aus großer Höhe ungenau, vermutlich sollten 1944 der Hafen und die Bahnlinie nach Kehl zerstört werden. Angesichts der Fluggeschwindigkeit und der Größe der Bomberflotten war aber eine präzise Bombardierung durch die damals üblichen "Horizontalbomber" (daher ja auch die Entwicklung der Sturzkampfbomber) nicht möglich.


    Übrigens muß ich meine Schadenskarte noch ergänzen: auch die Verbindung zwischen Gutenbergplatz und Kleberplatz war betroffen, also die Straße An den Gewerbslauben.


    Hier habe ich eine Übersicht gefunden:


    1 FI - Bombardements de Strasbourg et dommages de guerre Archives de la Ville et l'Eurométropole de Strasbourg - Archives de la ville et de l'Eurométropole de Strasbourg

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  • Im Folgenden möchte ich einige der wichtigsten zerstörten Gebäude(ensembles) kurz vorstellen, beginnen möchte ich mit den wenigen nicht aufgebauten Ensembles.


    Beispiel Nummer eins liegt in Petite France, gleich nördlich des bekannten Zixplatzes mit der Zionskirche:


    IMG_4444_sil.jpg


    Der etwas rudimentäre Zustand dieser Kirche ist übrigens kein Kriegsschaden, sondern auf den schlechten Allgemeinzustand der Kirche nach dem Krieg zurückzuführen, (aufgrund dessen der kleine Turm abgerissen wurde).


    Etwas weiter nördlich, westlich des Gerbergrabens, ist aufgrund von Kriegsschäden ein neuer Platz entstanden, der in Anlehnung an die bereits vorhandene Müllergasse als Müllerplatz (entsprechend: Place des Meuniers) bezeichnet wurde.


    Vom Gerbergraben aus ist ein Neubau zu sehen:


    IMG_4445_sil.jpg


    Der Platz ist recht gefällig gestaltet:


    IMG_4446_sil.jpg


    IMG_4447_sil.jpg


    Hier in Richtung Süden zur Pflanzbadgasse, entweder die Haar- oder Müllergasse, mit dem Übergang zur historischen Bebauung:


    IMG_4448_sil.jpg


    Die weitaus größere Brachfläche mit dem provisorischen Parkplatz bzw. die Neubauten gleich westlich davon gehen nicht auf Kriegsschäden zurück, sondern auf eine "Sanierung" ab den 60er Jahren ...

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  • Ebenfalls auf Kriegszerstörungen von 1944 geht die Place des Tripiers zurück, zwischen Gutenbergplatz und dem Gebäude des Alten Zolls am Alten Fischmarkt gelegen.


    Der Name stammt übrigens von "tripes" (= Innereien, Kutteln, vgl. ital. "trippa") und bezeichnet wohl eine Metzgerei, in der Innereien verkauft wurden (schließlich war die Große Metzig ja gleich schräg gegenüber ...).


    Ein Foto der Kriegsschäden ist hier zu sehen: klick


    Ab 1957 wurde nach dem Abriß der zerstörten Gebäude eine kleine Grünanlage errichtet, auf der seit dem Jahr 2000 noch ein Weinfaß als Dekoration aufgestellt wurde.


    Blick zum Münster:




    Blick Richtung Gutenbergplatz:



    Und der gesamte Platz mit dem angesprochenen Weinfaß:



    So bedauerlich der Verlust an Gebäuden (inkl. des Gasthauses Zum Rindsfuß) auch ist, hier ist ausnahmsweise mal ein schöner Platz entstanden.

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  • Ja, in seltenen Fällen entsteht mal durch Gebäudeverlust ein richtig nettes Plätzchen zum Verweilen. Das ist hier offenbar der Fall, wie auch in Erfurt mit der Gotthardtstraße neben der Krämerbrücke, wo durch Verlust der am Wasser gestanden habenden Gebäude eine wunderschöne kleine Uferpromenade mit Krämerbrückenblick - viel frequentiert - entstanden ist.

    Städte verdichten und verdünnen sich über die Zeit, man muß die richtige Mischung finden.

  • Die größte Freifläche dieser Art, die mir einfällt, ist der Marienhof in München, direkt hinter dem Rathaus, gewissermaßen ein Dauer-Provisorium, das immerhin als Grünfläche besser gefällt als zuvor als Parkplatz.


    Wenn man unter Von 1925 bis heute – so hat sich die Stadt verändert die Fotos durchklickt, ist auch eine Luftaufnahme der Zerstörungen zu sehen, die dort wohl besonders stark waren.

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  • Zum Abschluß dieser kleinen Reihe mit kriegsbedingten Freiflächen (mehr gibt es auf der Altstadtinsel tatsächlich nicht) noch ein weniger gelungenes Beispiel, das sich unmittelbar südöstlich des schon umfassend vorgestellten Place du Marché Gayot befindet.


    Hier zogen sich die Schäden von der Ill bis knapp zur Südseite eben des Place du Marché Gayot hin (allerdings etwas nach östlich versetzt). Rekonstruiert wurde hier lediglich eine Häuserzeile in der Mitte, die teilweise auf das 18. Jahrhundert zurückging, bereits um das Jahr 1880 umgebaut und nach weitgehenden Zerstörungen 1944 Anfang der 50er Jahre verändert wieder aufgebaut wurde.


    Im Norden entstand dadurch der Place Mathias Mérian (bei uns eher als Matthäus Merian bekannt), im Süden wurde zur Ill ein Kindergarten errichtet, und zwar der Louis Pasteur-Kindergarten, wobei die Freifläche quasi als "Schulhof" dient. Getrennt werden beide Areale durch die oben erwähnte rekonstruierte Häuserzeile.


    Dieser Abbildung ist zu entnehmen, daß auch die Gebäude westlich des heutigen Place Mathias Mérian zerstört wurden, hier steht heute eine etwas chaotische Behelfsbebauung: klick


    Ebenfalls ersichtlich ist, daß die nordwestliche Ecke des Place du Marché Gayot ebenfalls zerstört wurde, was mir bislang nicht bekannt war, die Neubebauung fügt sich unauffällig ein und stammt tatsächlich aus dem Jahr 1950.


    Hier nun die Fotos:


    Die Neubebauung am Place du Marché Gayot:




    Der südliche Teil mit dem Kindergarten:


    IMG_4481_sil.jpg


    Rechts ist die rekonstruierte Häuserzeile zu sehen, die die beiden Plätze trennt:


    IMG_4479_sil.jpg


    Der Place Mathias Mérian nach Nordosten fotografiert:


    IMG_4478_sil.jpg


    Und die angesprochene Behelfsbebauung Richtung Westen:


    IMG_4480_sil.jpg

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  • Nun sollen die beschädigten Gebäude kurz vorgestellt werden, wobei ich mich ähnlich wie bei den Plätzen wieder von West nach Ost bewege.


    Das erste Gebäude ist die Johanniskirche alias Saint-Jean, die bereits in Bedeutende Bauten in Straßburg - vor 1871 vorgestellt wurde - hier nochmals der Link zur Wikipedia.


    Nach der praktisch vollständigen Zerstörung (mit Ausnahme der Außenmauern) erfolgte von 1961-65 die Rekonstruktion, ebenfalls zerstört wurde (und nicht aufgebaut) wurde das frühere Kloster, das aber zum Zeitpunkt der Zerstörung schon als Schule genutzt wurde.


    Hier einige neue Fotos vom Juni 2019:


    Ähnlich wie schon bei der Synagoge gibt es auch hier historische Ansichten und Informationen:


    IMG_4431_sil.jpg


    Blick vom Johannesstaden aus:


    IMG_4433_sil.jpg


    Hier geht es zum Innenhof:


    IMG_4430_sil.jpg


    Dort ist dann der schon angesprochene Neubau zu sehen:


    IMG_4432_sil.jpg


    Es scheint sich zum Glück um eine sehr punktuelle Zerstörung zu handeln, denn das Umfeld ist kaum beeinträchtigt. Weiter nach Süden in Richtung Petite France präsentiert sich der Johannesstaden ohne Brüche, erst am Übergang zum früheren Schlachthofstaden gibt es dann wieder Kriegsschäden, vgl. auch Gibt es dieses Fachwerkhaus noch?


    Hier indes die anschließende Bebauung:


    IMG_4434_sil.jpg

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  • Am stärksten zerstört wurde wohl der Alte Zoll (auch als Markthalle, Rabenmarkt oder Kaufhaus bezeichnet) beim Luftangriff vom 11. August 1944, hier blieben nur Teile der Außenmauern stehen.


    Erst im Jahr 1962 traf der Stadtrat die Entscheidung zum Wiederaufbau, heute erinnert eigentlich nichts mehr an die Zerstörung, diese fällt erst beim Vergleich mit dem ursprünglichen Bau auf.


    Hier eine Ansicht vor der Zerstörung:



    Und hier das zerstörte Gebäude, Blick nach Westen:



    Und in der entgegengesetzten Richtung, wir erkennen hinten rechts den Turm der Magdalenenkirche:



    Zum Vergleich nun die heutige Ansicht - die starken Vereinfachungen werden deutlich:



    Nichtsdestoweniger auch heute noch ein städtebaulich dominantes Gebäude, Ansicht von der Ill aus:




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  • Kommen wir nun zu einem der größten Gebäude Straßburgs, nämlich dem 1899 errichteten Kaiserlichen Hauptpostamt, das - wie schon in Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 6, Neustadt: vom Kaiserplatz zur Reichsuniversität (dort gibt es auch Fotos) angesprochen - an der Hauptrepräsentationsachse der Neustadt lag, der Kaiser Wilhelm Straße, mit einer weitgehend gespiegelten Fassade hin zur südlich davon verlaufenden Hohenlohe Straße*.


    Das Gebäude wurde von Ewald von Rechenberg entworfen, der als Architekt beim Reichspostministerium arbeitete und sonst keine Spuren in Straßburg hinterließ - wohl aber in Köln, wo ein sehr ähnliches Hauptpostamt errichtet, nach dem Krieg jedoch abgerissen wurde:


    http://www.bilderbuch-koeln.de/fotos/altstadt_nord_die_alte_hauptpost_denkmal_konservator_85828


    Hier die Originalansicht des Gebäudes in Form einer kolorierten Postkarte:



    Auf die Farbgebung würde ich nicht viel geben, häufig wurde phantasievoll nachkoloriert ... schwer beschädigt wurde das Gebäude dann bei einem Bombenangriff 1944. Dabei wurde vor allem der mittlere Gebäudeabschnitt zur Hohenlohe Straße hin beschädigt.


    Ehrlich gesagt bin ich mir unsicher, welchen Mittelbau diese Postkarte zeigt (vermutlich aber den der Kaiser Wilhelm Straße), da beide Fassaden sehr ähnlich gestaltet waren - der Turm in der Mitte fehlt nämlich heute auf beiden Längsseiten des Gebäudes:



    Beim vereinfachten Wiederaufbau des Gebäudes wurde die Fassade generell deutlich puristischer gestaltet, der Mittelbau wurde bewußt in abweichender Farbgebung und als schmuckloses Gebäude der damaligen Zeit gestaltet:


    Blick Hohenlohe Straße in Richtung Kaiserplatz:




    Und der Mittelbau:



    *ja, das ist die damalige Originalschreibung ohne Bindestriche

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  • Mir gefällt der heutige Zustand tatsächlich besser als der von früher. Das Gebäude wirkt schlichter aber gleichzeitig mächtiger und monumentaler, diese Eigenschaften beeindrucken mich immer wieder.

  • Wirklich aussagekräftig ist das Foto zugegebenermaßen nicht, zumal in der Umgebung auch ohne Kriegsschäden einiges abgerissen wurde... dennoch der Vollständigkeit halber der einzige dauerhafte kriegsbedingte Verlust in Krutenau, den ich schon im Zusammenhang mit dieser historischen Ansicht kurz angesprochen habe:


    strasilan-002.jpg


    Es handelt sich um das oben rechts mit 6 bezeichnete Areal, hier ist moderne Wohnbebauung entstanden, unmittelbar nördlich der Magdalenenkirche:


    IMG_3803_sil.jpg


    Die Wohnanlage trägt den Namen Les Bateliers, im Hintergrund ist es eine private Grünanlage zu sehen.

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  • Neulich sah ich eine Doku des BR über den deutsch-französischen Krieg von 1870/71, die mithilfe zeitgenössischer Fotografien illustriert wurde und die die Rolle Bayerns und Ludwig II. beleuchtete.

    Ich war sehr erstaunt, ja fast schockiert welche Kriegsschäden in Straßburg und im ganzen Land angerichtet wurden. Die historischen Fotografien stehen in nichts den bekannten Aufnahmen zerstörter Straßenzüge in den Städten des II.Weltkrieges nach. Der moderne Vernichtungskrieg schon ein wenig vorweggenommen.

    Diese Schäden wurden hier noch nicht behandelt, oder (außer kurze Erwähnung im Eingangspost)? Kenne nicht den ganzen Strang genau.

    Hier das sehenswerte Video, falls es interessiert:


    Fotografien für Ludwig II. | Doku : Bayern im Krieg von 1870/71

  • Vielen Dank! Explizit behandelt wurde es nicht, aber bei einzelnen Bauten immer auf eine mögliche Zerstörung hingewiesen und teilweise auch mit einem Bild dokumentiert.


    Während 1944 eine überschaubare "Schneise der Zerstörung" entlang der Ill erfolgte, mit einigen weiteren lokalen Treffern, wurde 1870/71 vor allem der Norden Straßburgs stark und teilweise flächendeckend zerstört, ab Broglieplatz bis zum Steintor - in der Wikipedia gibt es einen Belagerungsplan:



    Zur Steinvorstadt wollte ich auch schon lang mal eine Galerie machen, es ist die Gegend zwischen dem Einkaufszentrum les Halles und dem Hagenauer Platz, eigentlich trotz der komplett neuen Bebauung ab 1871 gar nicht so unattraktiv.

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  • dennoch der Vollständigkeit halber der einzige dauerhafte kriegsbedingte Verlust in Krutenau

    Hier nochmals einige Fotos, zunächst einmal eine Luftaufnahme, im Hintergrund die Tabakmanufaktur, die zum Glück nur leicht beschädigt wurde (vor allem in der Mitte, die Schornsteine wurden teilweise zerstört und später abgerissen):


    7_rue_de_la_Krutenau_Strasbourg_27439.jpg


    Auf dem großen dreieckigen Areal (links unten auf der Luftaufnahme) ist die schon oben gezeigte Wohnanlage Bateliers entstanden, entlang der dahinter verlaufenden Zürcher Straße sehen die heutigen Bauten so aus:


    IMG_4033_sil.jpg


    Durch die Tiefgarageneinfahrt ist ein Blick auf die Grünanlage im Innenhof möglich (leider ist das auf dem Foto aufgrund der starken Kontraste kaum zu erkennen):


    IMG_4034_sil.jpg


    Ursprünglich war die Zürcher Straße ja ein Kanal (bis 1872), über den verschiedene Brücken führten, daher auch der Name des kleinen Platzes zwischen Zürcher Straße und Tabakmanufaktur: Am Katzensteg oder heute Place du Pont au Chats, hier konnten Katzen auf einem kleinen Steg den Kanal überqueren.


    Dieser Platz wurde teilzerstört, auf dem in der obigen Luftaufnahme schon beräumten Areal "rechts" des Platzes ist 1964 ein mäßiger Neubau entstanden, der hier an der linken Bildkante ansatzweise zu sehen ist.


    Der restliche Platz ist durchaus charmant, im Hintergrund ist ein kleiner Brunnen zwischen den Bäumen zu sehen, der dem Dichter Johannes Fischart gewidmet ist und im Auftrag des Verschönerungsvereins von Emile Salomon errichtet wurde (besseres Foto folgt bei Gelegenheit):


    IMG_4035_sil.jpg

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  • Kommen wir nun noch zu Nummer 1 und 2 auf der obigen Postkarte, beide am Gutenbergplatz gelegen. Zum Glück waren die Schäden hier lokal begrenzt, bei Nummer 1 handelt es sich um das frühere Kanzleigebäude der Stadt Straßburg.


    Die Geschichte des Gebäudes scheint laut dieser Quelle nicht ganz geklärt zu sein, vermutlich entstand das Gebäude Mitte des 15. Jahrhunderts direkt neben dem früheren Straßburger Rathaus, der Pfalz, wurde nach einem Brand 1686 aber neu errichtet.


    Im Jahr 1944 brannte das Gebäude aus, so daß im wesentlichen nur die Außenmauern erhalten blieben. Bereits 1952 konnte indes das Äußere wiederhergestellt werden, im Inneren ist eine Bank untergebracht.


    Das Kanzleigebäude im Hintergrund, im Vordergrund die völlig zerstörten Gebäude in Richtung Münster:



    Hier wird das Gebäude wieder aufgebaut, links daneben der Neubau, der keine Schäden aufweist:



    Heutiges Erscheinungsbild:



    Anblick von der Spießgasse aus - dies leitet gleich zur Nummer 2 auf der Postkarte über, hier sind nämlich schon die Neubauten der 50er Jahre am Gutenbergplatz zu sehen:



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  • Hier nun eine Ansicht der Schäden in Richtung Münster:


    gutenberg1944.jpg


    Wir können erkennen, daß die beiden Eckgebäude an der Spießgasse völlig zerstört wurden, die angrenzenden Gebäude wurden teilzerstört und zumindest äußerlich originalgetreu wiederherstellt:


    gutenberg19442.jpg


    Hier der Vorkriegszustand (man beachte auch die Laubengänge - daher ja auch der deutsche Name Gewerbslauben der Straße, die im Norden zum Kleberplatz führt):


    gutenberg19445.jpg


    Und hier nochmals das Gebäude auf der rechten Seite auf einer alten Postkarte (zuletzt als Eisenwarenhandlung genutzt):


    gutenberg_schw.jpg


    Allerdings befanden sich damals schon beide Gebäude nicht mehr im Originalzustand, sondern wurden im 19. Jahrhundert komplett umgebaut. Beide Gebäude wurden bis Mitte der 50er Jahre wieder aufgebaut, das linke (Gewerbslauben 1) in Anlehnung an das Original, das rechte Gebäude in völlig neuer Form.


    Hier die Gesamtansicht:


    IMG_3941_sil.jpg


    IMG_3946_sil.jpg


    Blick in die Spießgasse, das betont nüchtern gestaltete Gebäude in der Mitte ist auch ein Neubau von 1955, der Vorgängerbau wurde 1944 ebenfalls zerstört:


    IMG_3944_sil.jpg


    Nochmals das Eckgebäude:


    IMG_3943_sil.jpg

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  • Der Vollständigkeit halber soll abschließend noch darauf hingewiesen werden, daß auch der Rohan-Palast direkt am Münster im August 1944 schwer beschädigt wurde, speziell am Westflügel:


    800px-2_place_du_Chateau_Strasbourg_58366.jpg


    Für aktuelle Fotos verweise ich auf Joseph Massol (1700-1771) - im Prinzip wurde das Gebäude ab 1950 originalgetreu rekonstruiert, allerdings weicht bei den rekonstruierten Teilen die Farbe der Steine etwas ab (z. B. auf dem vorletzten verlinkten Foto zu sehen, die Farbe ist intensiver und dunkler).


    Damit ist die Dokumentation der Schäden auf der Altstadtinsel und in Krutenau abgeschlossen, es fehlen noch die Schäden in den westlichen Vorstädten, hier wurde bislang ja lediglich die Johanniskirche mit Umfeld vorgestellt, siehe obigen Beitrag.


    Da dieses Areal schon 1870/71 stark zerstört und danach teilweise für Kasernen und teilweise für Industrie- und sonstige "Funktionsgebäude" wie das Gaswerk genutzt wurde (die später abgerissen wurden), sind etwaige Neubauten hier nicht unbedingt ein Indikator für Kriegsschäden. Entsprechend werde ich diesen Strang schrittweise ergänzen, wenn mir Zerstörungen bei der Recherche auffallen.


    Eine erste Zerstörung wurde bereits in Gibt es dieses Fachwerkhaus noch? angesprochen und beantwortet - nein, die Fachwerkzeile an der Weissturmbrücke und am Schlachthausstaden ist mit Ausnahme von zwei Fachwerkhäusern zerstört worden und präsentiert sich heute in mäßiger Nachkriegsbebauung.


    Originalzustand - das Gebäude ganz rechts existiert noch:


    800px-1_quai_Saint_Jean_Strasbourg_3800.jpg


    Zerstörungen von 1944:


    1_quai_Saint_Jean_Strasbourg_26712.jpg


    Hier das heutige Erscheinungsbild:


    IMG_3953_sil.jpg


    Unmittelbar südlich der Weissturmstraße gibt es noch zwei erhaltene Fachwerkhäuser, ziemlich genau in Bildmitte zu sehen.


    Hier das Gebäude, das auf der ersten Postkarte ganz rechts abgebildet war und erhalten ist (Ecke Johannesstraden - Kuss-Gasse):


    IMG_3955_sil.jpg


    Die Weissturmstraße wurde übrigens kürzlich für die Verlängerung der heutigen Straßenbahn komplett umgebaut (mit einem Rasengleis in der Mitte), dazu gibt es dann in einem anderen Strang noch Fotos (die "alte" Straßenbahn fuhr laut obigem Foto aber auch schon dort).


    Hier noch ein kleiner Kriegsschaden - der Katholische Bahnhof, schon beschrieben in Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 15, vom Bürgerspital über den katholischen Bahnhof bis zu Petite France, wurde offensichtlich von einer einzelnen Bombe getroffen, der Schaden wurde dann mit einem fast schon skurrilen Neubau behoben:


    IMG_0620_DxO.jpg


    Dachform und Balkone passen natürlich nicht zum restlichen Gebäude ...

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