Kriegsschäden in Straßburg - und was daraus wurde

  • Hier soll ein kleiner Überblick über die Kriegsschäden in Straßburg und deren Beseitigung gegeben werden - der Schwerpunkt liegt dabei auf dem 2. Weltkrieg, da aufgrund der umfassenden Umgestaltung und Überbauung Straßburgs im Kaiserreich (mitsamt Massenabrissen) die Schäden aus dem Krieg 1870/71 heute kaum noch nachzuvollziehen sind.


    Generell kann man festhalten, daß im Krieg 1870/71 die Schäden vor allem die nördliche/nordwestliche Altstadtinsel bis rund um den Broglieplatz betrafen (inkl. des Areals der heutigen Neukirche) und daß auch die Gegend um das frühere Steintor sehr stark beschädigt wurde (heute: Nähe Hagenauer Platz, also im äußersten Norden).


    Tatsächlich lag neben der Zitadelle im Süden (auch hier gingen viele Treffer daneben und beschädigten unter anderem das Münster und dessen Umgebung) eben gerade das Steintor im Norden im Fokus der Beschießung - mit entsprechenden "Kollateralschäden".


    Für nähere Informationen verweise ich hier auf die Wikipedia und auf diese Abbildung der Zerstörungen.


    Im Zweiten Weltkrieg wurde Straßburg 1943 und 1944 durch die US Army Air Forces (damals noch gar keine eigene Teilstreitkraft) bombardiert, glücklicherweise erreichte das Ausmaß der Zerstörungen bei weitem nicht das von anderen Städten. Betroffen war hier vor allem der Süden:


    Einerseits die südlich gelegenen Stadtteile wie Meinau und Neudorf, andererseits Krutenau und ein schmaler Streifen entlang der Ill inkl. der südlichen Altstadtinsel.


    Für Fotos verweise ich gern nochmals auf diese Seite:


    Strasbourg sous les bombardements


    Betroffen waren (siehe auch die Fotos) neben kleineren Ensembles vor allem der Alte Zoll, der Gutenbergplatz inkl. Alter Kanzlei, die Ecke um den Alten Fischmarkt, der Rohan-Palast, die Stephanskirche sowie das Hauptpostamt - alles entlang dieser Schneise der Verwüstung entlang der Ill gelegen.


    Weiter im Westen reichten die Zerstörungen weiter nach Norden, siehe diesen Diskussionsbeitrag (Gibt es dieses Fachwerkhaus noch?), und schlossen auch die Johanniskirche ein.


    Die Gesamtschadensbilanz beläuft sich auf rund 20 % Zerstörungen der Gesamtstadt (wobei nicht klar wird, was hier aus heutiger Sicht alles rückwirkend mit einbezogen wird) oder knapp 14.000 beeinträchtigte Gebäude - die meisten wohl nur teilzerstört und außerhalb des Zentrums gelegen.


    Die Anzahl der Gebäude in der Altstadt, die tatsächlich zerstört wurden, würde ich anhand der betroffenen Flächen deutlich niedriger schätzen, als ganz groben Anhaltspunkt maximal 100 Gebäude (?)


    Insgesamt kam Straßburg also einigermaßen glimpflich davon, so unzerstört, wie es das heutige Erscheinungsbild vermuten läßt, war es allerdings nicht.


    Im Folgenden möchte ich die einzelnen Schäden nacheinander durchgehen und dazu aktuelle Fotos liefern.

  • Bei den Bombardements wurden offensichtlich ausschließlich, bzw. mehrheitlich Sprengbomben abgeworfen, so sehen mir die Zerstörungen danach aus. Also keine Brandbomben und auch keine Flächenbombardierungen , wie in anderen Städten des Reichsgebietes. Eher einzelne Sprengbomben oder in begrenzten Pulks!?

  • Sicherlich keine gezielte Bombardierung des Stadtkerns, auch nicht mit dem Ziel, einen Flächenbrand auszulösen (Straßburg war ja eine besetzte Stadt, daher gab es auch keine entsprechenden Flächenbombardements).


    In der verlinkten Quelle wird davon gesprochen, die Bomber seien 1943 von einem Angriff auf Bosch bei Stuttgart zurückgekommen, vermutlich waren einfach noch Bomben übrig, die dann auf ein (schlecht recherchiertes) Ausweichziel abgeworfen wurden (mit Bomben zurückfliegen oder gar landen, war ja nicht möglich, zur Not wurde der Rest über dem Ärmelkanal abgeworfen).


    Außerdem war der Abwurf aus großer Höhe ungenau, vermutlich sollten 1944 der Hafen und die Bahnlinie nach Kehl zerstört werden. Angesichts der Fluggeschwindigkeit und der Größe der Bomberflotten war aber eine präzise Bombardierung durch die damals üblichen "Horizontalbomber" (daher ja auch die Entwicklung der Sturzkampfbomber) nicht möglich.


    Übrigens muß ich meine Schadenskarte noch ergänzen: auch die Verbindung zwischen Gutenbergplatz und Kleberplatz war betroffen, also die Straße An den Gewerbslauben.


    Hier habe ich eine Übersicht gefunden:


    1 FI - Bombardements de Strasbourg et dommages de guerre Archives de la Ville et l'Eurométropole de Strasbourg - Archives de la ville et de l'Eurométropole de Strasbourg