Straßburg in alten Postkarten

  • Anbei möchte ich einige Postkarten mit historischen Motiven zu Straßburg präsentieren. Den Anfang macht die Postkarte, die schon im Ratespiel auf 1966 datiert wurde.


    Hier die Postkarte nochmals:


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    Wir blicken hier über die Altstadtinsel in Richtung Rhein/Deutschland, bei den Hochhäusern im Hintergrund handelt es sich um das neu entstandene Viertel Esplanade (vorher gab es dort Militärgelände bzw. Kasernen), unterhalb der Hochhäuser kommt dann der neue Universitätscampus und wiederum unterhalb davon befindet sich Krutenau. Links oben befindet sich das Stadtviertel Fünfzehnerwörth (ganz oben links ist der Park der Orangerie zu sehen),


    Hier dieselbe Karte mit einigen Anmerkungen:


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    1 - die rekonstruierte Johanniskirche ist bereits fertiggestellt, sie war von 1944 bis 1964 nur noch als Ruine erhalten, nicht rekonstruiert wurde das frühere Kloster und spätere Gymnasium (dort gibt es heute moderne Bebauung und eine kleine Grünanlage)


    2 - die leider erfolgten Abrisse am Alten Weinmarkt in Richtung Großer Durchbruch (früher: Neue Straße, heute: Straße des 22. November) ermöglichten die Zeitbestimmung


    3 - das Hotel Rothes Haus steht noch - Fotos folgen auf anderen Postkarten


    4 - das Broglie-Kino von 1913 steht noch - wurde leider später für das heute schmucklose "Le Broglie" abgerissen (wobei der Bau des Kinos natürlich auch schon ein Frevel war, da hierfür ein Stadtpalast aus dem 16. Jahrhundert abgerissen wurde (Rathsamhausen)


    5 - leider beginnen gleich neben Petite France Abrißarbeiten für eine Art von Kahlschlagsanierung, die heutigen Gebäude stammen von Mitte der 70er, unmittelbar oberhalb der "5" sehen wir eine freie Fläche, heute als "Place des Meuniers" bezeichnet (Müllerplatz), dieser Platz geht auf Kriegszerstörungen von 1944 zurück und bestand früher nicht (spontan fällt mir als weiteres Beispiel für einen neu entstandenen Platz der Place des Tripiers ein - zwischen Gutenbergplatz und Altem Zoll, am Alten Fischmarkt, ebenfalls auf nicht rekonstruierte Gebäude zurückgehend)


    6 - hier hat sich etwas verbessert: die heutigen Grünanlagen an den Kanälen sind sehr viel schöner als die damaligen Baracken


    7 - hier wurde leider ab Ende der 60er auch munter abgerissen, siehe diese Vergleichsfotos: Bain Finkwiller


    8 - hier befindet sich heute die "Straßburger Hafencity" (Rivetoile), auf dem Foto noch der recht triste alte Zustand, die Speichergebäude werden heute ja neu genutzt (Mediathek usw.)

  • Und hier noch die zweite Postkarte des Ratespiels:



    Vorläufig noch ohne Anmerkungen, dafür aber mit einer Ergänzung, einer weiteren Postkarte, die meines Erachtens zum ziemlich genau gleichen Zeitpunkt entstanden ist:


  • Da vermutlich niemand mehr die zweite Karte lösen wird, hier die Auflösung:


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    1 - das Kanzleigebäude am Gutenbergplatz, von dem seit 1944 nur noch die Außenmauern stehen, wurde noch nicht rekonstruiert (also vor 1952)


    2 - diese beiden anderen Gebäude am Gutenbergplatz reichen eigentlich für die Lösung schon aus, das rechte Gebäude wurde 1950 wieder aufgebaut, das linke 1951 bis 1954


    -> entsprechend wird die Postkarte wohl von 1951 stammen


    Hier übrigens der Vorgängerbau des linken Gebäudes:


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    Das "Schwabenlädchen", eine Art von "Baumarkt" - der heutige Bau fügt sich harmonisch ein, kann aber mit dem Original nicht mithalten.


    Die restlichen Anmerkungen sind vielleicht noch ganz interessant:


    3 - hier sehen wir den heutigen Place des Tripiers/Kuttelplatz, wohl so benannt nach der daneben befindlichen Straße - diesen Platz gibt es erst seit 1957, die Reste der 1944 zerstörten Häuser wurden abgerissen, so daß dieser Platz entstand


    4 - wenn man genau hinschaut, sieht man auch hier eine kriegsbedingte Brache, dort befindet sich heute ein Platz, der Matthäus Merian gewidmet ist, sowie ein Kinderkarten (diese Stelle ist auf der zweiten Postkarte deutlich besser zu sehen)


    5 - hier fehlt das Gebäude des Alten Zoll, zerstört 1944 und erst 1962-65 wieder aufgebaut, daher auch meine Vermutung, das Rätsel sei einfach, das Gebäude im Vordergrund ist das frühere Sparkassengebäude (siehe Jean Geoffroy Conrath (1824-1892)), das Gebäude dahinter die Große Metzig von Hans Schoch (1550 - 1631)


    6 - hier der einzige größere kriegsbedingte Verlust an Bausubstanz in Krutenau, der Rest geht auf eine etwas rabiate Stadtsanierung zurück, dort steht heute ein angepaßtes Wohngebäude mit Grünanlage


    7 - und hier noch die Behelfsbauten entlang des Großen Durchbruchs ganz im Süden, die heutigen unattraktiven Bauten stammen von Anfang der 60er Jahre

  • Dann hier die "regulären" Postkarten, also ohne Rätsel und Luftaufnahmen.


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    Die beiden Bauten von Neckelmann, die katholische Kirche Jung St. Peter und gleich daneben der Justizpalast - sieht fast noch genauso aus, der Justizpalast wurde umfassend entkernt und umgebaut, das Äußere blieb jedoch erhalten.


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    Die katholische Garnisonkirche St. Mauritius am Arnoldplatz, schon oft gezeigt, die Postkarte wird wohl in etwa von 1910 stammen, da die Bebauung entlang der Schwarzwaldstraße schon fortgeführt wurde - man sieht aber in Hintergrund die völlig fehlende Bebauung in Richtung Kehler Tor.


    Und gleich noch eine kolorierte Karte:


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    Der Kleberplatz, rechts die auch heute noch vorhandene Aubette, das Straßenbahnhäuschen gibt es ähnlich wie das Hotel Rothes Haus leider nicht mehr (das große Gebäude im Hintergrund, erbaut um 1900, Abriß Mitte der 70er). Man beachte auch die damals generell sehr üppige Platzbepflanzung - da noch schwach "Rothes Haus" zu lesen ist, sicherlich vor 1918 entstanden.

  • Nochmals dieselbe Ansicht, diesmal schwarzweiß:



    Hier eine Luftaufnahme der Innenstadt, von Osten aus fotografiert - diese beiden Karten wurden ja schon in Kleines Ratespiel - wann war's statt wo ist's ausgiebig besprochen:



    Und hier noch mit dem Lager für Holzstämme:



    Hier ein Foto des Broglieplatzes - abgesehen vom Bau des Le Broglie (ganz rechts) und des Neubaus der Banque de France (auf der Postkarte aber nicht zu sehen) hat sich kaum etwas verändert:



    Der Bahnhof noch ohne die seltsame vorgehängte Glasfassade:



    Wie schon erwähnt, ist die Fassade nach wie vor vorhanden und sogar in Top-Zustand. Die Glaskonstruktion wurde anlässlich der Ernennung zum TGV-Bahnhof vorgehängt und ist mit einer Art von "Metallstangen" befestigt.

  • Die "Höhere Töchterschule" von Ott (siehe Gustave Oberthür (1872 - 1965)) - abgesehen vom etwas minimalistisch rekonstruierten Postgebäude im Hintergrund ist diese Ansicht glücklicherweise fast unverändert weiterhin vorhanden:


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    Ebenfalls schon im Ratespiel präsentiert - die frühere Ansicht des Schiffleutstadens, der Turm wurde abgerissen, der Kanal gleich dahinter verfüllt, dort verläuft heute die Zürcher Straße:


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    Und zum Abschluß noch eine Postkartenansicht der Großen Durchbruchs in Richtung Kleberplatz - vermutlich zur Zeit des III. Reichs entstanden, da die Straße damals als "Straße des 19. Juni" bezeichnet wurde (am 19. Juni 1940 erreichte die Wehrmacht Straßburg).


  • Anbei noch einige weitere historische Ansichten von Straßburg. Den Anfang macht der Alte Zoll (auch als Markthalle oder Kaufhaus bezeichnet), da der kleine Anbau im Vordergrund bereits steht (1880 von Conrath als Sparkassengebäude errichtet und später als Kindergarten genutzt), ist die Datierung von 1904 plausibel.



    Man beachte, daß die aufwendige Gestaltung der Gebäuderückseite des Zolls heute nicht mehr existiert, hier wurde beim Wiederaufbau einfach eine lange Mauer errichtet.


    Hier ein Blick auf den Gutenbergplatz in Richtung Ill, das Gebäude mit der Aufschrift "Nähmaschinen" existiert heute noch in fast identischer Form, es stammte ursprünglich aus dem 18. Jahrhundert, die auffällige Verglasung im Dachbereich geht auf einen Umbau aus dem Jahr 1904 für ein Fotostudio zurück:



    Hier nochmals der Gutenbergplatz mit Blick auf den Neubau, das Erweiterungsgebäude des früheren Rathauses (die längst abgerissene Pfalz auf dem Platz):



    Verglichen mit dem heutigen Zustand nach der weitgehenden Zerstörung im Zweiten Weltkrieg präsentierte sich die Fassade aufwendiger (wobei das Gebäude nach der Zerstörung während der französischen Revolution auch damals nicht mehr im Orignalzustand war).

  • Hier ein weiteres Gebäude, das 1944 teilweise zerstört und danach stark vereinfacht aufgebaut wurde - das Hauptpostamt:



    Nicht nur, daß die Fassade deutlich vereinfacht wurde, der zerstörte mittlere Abschnitt wurde auch bewußt in einer anderen, leicht rötlichen Farbe rekonstruiert, so daß das Ausmaß der Zerstörung auch noch heute ersichtlich ist.


    Nicht wiederaufgebaut wurde indes - dies habe ich ja schon mehrfach angesprochen - das bei einem Brand im Jahr 1904 zerstörte Areal mit Magdalenenkirche, Kloster und Waisenhaus:



    Hier wurde die Magdalenenkirche durch Fritz Beblo errichtet, Informationen und Fotos gibt es unter anderem in Teil 2 - von Krutenau zur Universität


    Als vorläufig letzte Ansicht hätte ich noch das Ende des Großen Durchbruchs mit den beiden Kirchen Alt-Sankt-Peter zu bieten - auf dem die noch erhaltene alte Bebauung auf der rechten Seite auffällt. Hier entstand ab 1934 das Gebäude des Kinos "Central", die restlichen Arbeiten im Umfeld der Kirche wurden weitgehend noch während des Ersten Weltkriegs abgeschlossen (insbesondere der Bau des Verwaltungsgebäudes des Elektrizitätswerks gleich dahinter).