Murnau am Staffelsee (Galerie)

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    In diesem Faden möchte ich Murnau in Oberbayern vorstellen. Murnau, ca. 70 km südlich von München am Rande der Alpen auf halber Strecke zwischen München und Innsbruck gelegen, wurde 1150 das erste Mal urkundlich erwähnt und war anfänglich eine einfache Poststation entlang der Römerstraße über den Brennerpass und Seefelder Sattel durch das obere Isar- und Loisachtal nach Augsburg. Ludwig der Bayer erhob es 1322 zum Markt und schenkte es dem Kloster Ettal, in dessen Besitz es bis 1803 blieb.

    Murnau war nie eine befestigte Stadt, sondern eine einfache Handwerker- und Kaufmannssiedlung und besitzt zudem (mit Ausnahme des Schlosses) keine mittelalterliche Bausubstanz mehr, da diese in mehreren großen Bränden in der 1. Hälfte des 19. Jh's vernichtet wurde. Diese Voraussetzungen lassen Murnau also zuerst einmal recht uninteressant erscheinen, doch kann man behaupten, dass es ein seltenes biedermeierliches Idyll darstellt; das Zentrum besteht aus einem beeindruckend langen, von Norden nach Süden verlaufenden Straßenmarkt (Gesamtausdehnung 700m), wie er typisch ist für Bayern und Österreich, welcher hier aber eben nicht durch im Kern mittelalterliche oder barocke Gebäude, sondern durch eine durchgehende biedermeierliche Bausubstanz geprägt wird: nahezu alle Gebäude stammen aus den Jahren 1835 bis 1851. Zudem ist Murnau eingebettet in eine wunderschöne Landschaft mit drei Seen (Staffelsee, Riegsee und Froschhauser See), dem bekannten Murnauer Moos und der Alpenkette mit Estergebirge, Wettersteingebirge und Ammergauer Alpen im Süden.

    Murnau war aufgrund dieser Landschaft und der Nähe zu München um 1900 ein gesuchtes Ziel für Maler, die Künstlervereinigung "Blauer Reiter" entstand hier in der Gegend. Wikipedia schreibt dazu: "Die beiden Künstlerpaare Gabriele Münter / Wassily Kandinsky und Marianne von Werefkin / Alexej Jawlensky hielten sich 1908 zum ersten Mal in Murnau zum gemeinsamen Malen auf. Ihre Bilder, die sie bis 1914 von dem Ort und seiner Landschaft malten, machten Murnau einem internationalen Kunstpublikum in der ganzen Welt bekannt. Diese Zeitspanne vor dem Ersten Weltkrieg meint in der Kunstgeschichte der Begriff „Murnauer Zeit“. Sie ist unmittelbar mit diesen vier Künstlern verbunden und kennzeichnet in der Malerei stilistisch die Entwicklung vom Expressionismus hin zur Abstrakten Kunst. Zu den herausragenden kulturellen Attraktionen Murnaus zählen heute das 1999 renovierte Münter-Haus („Russenhaus“), das Münter 1909 kaufte und in das sie mit Kandinsky einzog, sowie das Schlossmuseum mit seiner Kunstsammlung." Weitere Informationen hier.


    Zurück zur Architektur: das gesamte Ensemble aus Ober- und Untermarkt steht unter Denkmalschutz. Das Landesamt für Denkmalschutz schreibt hierzu:


    Ensemble Obermarkt/Untermarkt.

    Obermarkt und Untermarkt bilden ineinander übergehend die von Norden nach Süden in leichter Krümmung abfallende Hauptstraße des Marktes Murnau. Der lange Straßenmarkt, als Haupt- und Durchgangs-, Wohn- und Geschäftsstraße funktional als Kernbereich des Ortes ausgewiesen, entwickelte sich aus und an der mittelalterlichen Rottstraße von Innsbruck nach München. In den natürlichen Taleinschnitt zwischen die Hügel Dünaburg und Eichholz gelagert, ist der Straßenmarkt bereits im frühen Mittelalter von einer Burg beherrscht, die später zur Schlossanlage ausgebaut wird. Die Siedlung selbst, Ende des 12. Jh. erstmals urkundlich genannt, ist bischöflich Augsburgisches Dorf mit Handwerk, Gewerbe und Kleinhandel, ab 1322 kaiserlich gefreiter Markt, 10 Jahre später mit seinen Privilegien dem Kloster Ettal zugeschlagen (bis 1803). Der Ort bleibt auch in der folgenden Zeit primär handwerklich und gewerblich strukturiert, ohne eigentliche Industrialisierung. Der heutige Marktgrundriss ist weitgehend identisch mit der Parzellierung des 18. Jh. Nach drei Großbränden in der 1. Hälfte des 19. Jh. kam es sukzessive zu einer einheitlichen Bebauung: die Bürgerhäuser des Obermarktes entstanden nach dem Brand von 1835, die nach Süden liegenden des Untermarktes nach dem von 1837 und die des oberen Untermarktes nach 1851. Die ursprünglich schmucklosen Häuser wurden von 1906 bis 1910 unter der Leitung Emanuel v. Seidls mit Anspruch auf eine Gesamtwirkung farblich-dekorativ überarbeitet, fast durchgängig mit Fensterläden versehen und durch Embleme von Handwerk und Gewerbe bezeichnet. Der gegenwärtige Zustand zeigt infolge Überarbeitung in jüngerer Zeit nur noch rudimentär Spuren dieser Farbigkeit, vereinzelter noch figürliche Dekoration. Die beiden meist traufseitigen, manchmal auch giebelständigen Häuserzeilen verlaufen am Anfang und gegen Ende des Marktes hin zweigeschossig, in der Mitte dreigeschossig angehoben. Einziger Schmuck: profilierte Tor- und Fensterrahmungen, Sohlbank- und Traufgesimse, vereinzelt Fensterläden, Holztüren. In der östlichen Zeile bilden Mariahilfkirche, das neogotische Rathaus von 1842 sowie das Eckhaus Schloßbergstraße 2 mit seinem in den Straßenmarkt hineinragenden Erker Blickdominanten. In der westlichen Zeile setzt die weitausgreifende, breit gelagerte Brauerei Griesbräu am Obermarkt 35 und 37 einen Akzent, wie überhaupt die zahlreichen stattlichen Gasthöfe an das bis über die Jahrhundertwende hinaus stark entwickelte Braugewerbe erinnern. Hangabwärts grenzt das vorgeschobene Angerbräu (Untermarkt 44) mit Treppengiebel den Markt ab, hangaufwärts geht der Straßenmarkt in die Weilheimer Straße über. Die leichte Straßenkrümmung schafft Geschlossenheit in jeder Blickrichtung. Mitten im Straßenmarkt die um 1700 entstandene Mariensäule. Insgesamt ist der kleinstädtische Charakter mit bescheiden-biedermeierlichem Akzent gewahrt. Im Detail ist ein Verlust an historischer Architektursubstanz ablesbar: durch moderne Ladeneinbauten, Entfernung der Fensterläden, Veränderung der Fenster u.a.


    Die im obigen Text erwähnte Überarbeitung der ursprünglich schlichten und schmucklosen Häuser durch Emanuel v. Seidl finde ich sehr gelungen, wie sehr würde man sich heutzutage ähnliche Überarbeitungen in unseren trostlosen Nachkriegstädten wünschen... Die ebenfalls erwähnten modernen Veränderungen der Erdgeschoßzonen (Ladeneinbauten) sind natürlich zu bedauern und teilweise auch sehr störend; allerdings ist das Erscheinungsbild insgesamt doch sehr schön und anheimelnd, mehr kann man sich (leider) in einer heutigen Kleinstadt in Bayern nicht erwarten. Der mittlere und weitaus größte Teil des Marktes ist seit einigen Jahrzehnten Fußgängerzone, nur ganz im Norden und im Süden dürfen noch Autos fahren, eine angenehme Lösung.


    Ich habe den gesamten Unter- und Obermarkt fotografiert, dazu noch einige Ansichten aus Seitengassen sowie die zwei Kirchen. Durch die Länge des Marktes sind eine ganze Menge an Fotos zustande gekommen, ich bitte also um Ausdauer :-) doch ich denke, es lohnt sich!

  • Wir beginnen unseren Gang am Südende des Untermarktes und gehen langsam Richtung Norden zum Obermarkt.


    Untermarkt 44 Angerbräu:


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    Untermarkt Anfang rechte Seite mit Blick auf das Haus Kirchsteig 1 und Pfarrkirche St. Nikolaus:


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    Untermarkt 35:


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    Blick zurück nach Süden:


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    Untermarkt 30-24:


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    Untermarkt 27 (grünes Haus rechts) Richtung Norden:


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    Untermarkt 25 & 27:


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    Untermarkt 21-25:


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    Untermarkt 17-23:


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  • Untermarkt 44-24 Blick nach Süden (an einem diesigen Tag fotografiert, deswegen sieht man die Berge nicht):


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    Untermarkt 24-18:


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    Untermarkt 20,18,16 ff. Richtung Norden:


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    Untermarkt 19-29 (linke Häuserzeile) & 44 (grünes Treppengiebel-Haus in der linken Bildmitte) - 20 (rechte Häuserzeile):


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    Untermarkt 16 Pantlbräu:


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    Untermarkt 16 (Pantlbräu) ff. Richtung Süden, links der Erker von Schlossbergstraße 2:


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    Untermarkt 14 Richtung Norden:


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    Blick in die Schlossbergstraße nach Osten, links das neugotische Rathaus von 1842, im Hintergrund mit der weißen Giebelfassade das Schloss:


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    Das Haus Schlossbergstraße 2 an der Ecke zum Untermarkt:


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  • Super - Murnau kenne ich von einer ganzen Reihe von Besuchen, dieser langgezogene Markt wirkte auf mich immer äußerst elegant (allerdings läßt die Qualität der Bebauung außerhalb relativ schnell nach, abgesehen natürlich von schönen Einzelbauten).

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Das Rathaus (Untermarkt 13):


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    Blick auf die linke, dem Rathaus gegenüber liegende Seite des Untermarktes, Untermarkt 12 ff. Richtung Norden:


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    Untermarkt 12, 10, 8:


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    Untermarkt 8 (das hellblaue Haus: vor kurzem sehr schön renoviert, dabei die Fassadenmalerei erneuert), sowie 6 & 4:


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    Untermarkt 8 & 11 Richtung Süden:


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    Untermarkt 6:


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    Untermarkt 7-13:


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  • Untermarkt 4 (rotes Haus im Vordergrund) ff. Richtung Süden:


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    Blick nach Süden mit Mariensäule von 1700:


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    Untermarkt 4 & 2:


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    Untermarkt 3 & Mariahilfkirche:


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    Die Mariahilfkirche wurde ursprünglich als bürgerliche Stiftung zwischen 1653-55 ausgeführt und wurde nach Zerstörung 1703 wieder aufgebaut. Es handelt sich um einen kleinen kapellenartigen Saalbau mit Polygonchor und Rokoko-Innenausstattung. Eine sehr liebes und herziges Kircherl mit schöner Atmosphäre, die zu stiller Andacht stimmt.


    Hier einige Bilder von innen:


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    Deckenfresko:


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    Rückseitige Empore:


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    Chor der Kirche mit Haus Grüngasse 1:


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    Untermarkt 1 ff. Richtung Süden:


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    Das war der Untermarkt, ab hier beginnt der Obermarkt.

  • Es geht weiter mit dem Obermarkt. Untermarkt und Obermarkt gehen nahezu nahtlos ineinander über, nur auf der Westseite bildet die einmündende Postgasse eine kleine Unterbrechung, auf der Ostseite gehen die Häuser geschlossen weiter.


    Untermarkt 10-2 + Obermarkt 1 (das gelbe Haus rechts):


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    Obermarkt 1 ff. Richtung Norden:


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    Obermarkt 8 (links) & 3 (rechts) Richtung Süden:


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    Obermarkt 5 & 8 Richtung Norden:


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    Obermarkt 14-8 (Café Krönner):


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    Obermarkt 12 & 9 Richtung Süden:


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    Obermarkt 11-15:


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  • Obermarkt 15-25:


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    Obermarkt 17-25:


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    Obermarkt 19 & 21:


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    Obermarkt 19-37:


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    Obermarkt 20 (grau-beides Haus rechts) ff. Richtung Norden:


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    Obermarkt 24 & 22:


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    Obermarkt 30-22:


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    Obermarkt 28 & 35 Richtung Süden. Dieses Bild gibt sehr schön den Reiz von Murnau wieder: der langgestreckte Straßenmarkt vor der Bergkulisse.


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  • Obermarkt 29-35:


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    Obermarkt 36-30, dieser Teil des Obermarktes ist nicht mehr Fußgängerzone:


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    Obermarkt 31 ff. Richtung Norden, das langgestreckte klassizistische Gebäude ist der Grießbräu:


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    Obermarkt 35 (Haus vorne rechts) ff. Richtung Süden:


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    Obermarkt 36 & 37 Richtung Süden:


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  • Obermarkt 37 Grießbräu:


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    Blick in die von Westen nach dem Grießbräu einmündende Grießbräustraße:


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    Obermarkt 37-45:


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    Obermarkt 41-51:


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    Obermarkt 41 (links) & 46-40 (rechts):


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    Obermarkt 46-40:


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    Obermarkt 46 & 44:


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  • Das waren die Bilder zum Unter- und Obermarkt. Murnau ist sicherlich kein architektonischer Höhepunkt (dazu hat es auch viel zu wenig historische Bedeutung), z.B. ist das nicht weit entfernt liegende Bad Tölz mit seiner Marktstraße (zu der Markus bereits eine sehr schöne Galerie präsentiert hat) im Vergleich zu Murnau nochmal reichhaltiger und wertvoller und besitzt außerdem auch mittelalterliche und vor allem barocke Bausubstanz. Murnau ist aber gerade aufgrund der Tatsache, dass es sich um eine biedermeierliche Neuschöpfung aus den Jahren 1830-50 handelt und aufgrund der Länge, Geschlossenheit und der nach Süden zu den Bergen hin offenen Lage des Straßenmarktes durchaus etwas Besonderes.

    Die landschaftliche Einbettung ist dabei auch außergewöhnlich schön, wie wir noch sehen werden.

    dieser langgezogene Markt wirkte auf mich immer äußerst elegant (allerdings läßt die Qualität der Bebauung außerhalb relativ schnell nach, abgesehen natürlich von schönen Einzelbauten).

    Murnau ist ja auch historisch unbedeutend und immer sehr klein gewesen, da war außerhalb der Marktstraße nicht viel bebaut. Um 1900 haben sich allerdings einige Münchner in Murnau und Umgebung Villen bauen lassen, so dass es um den eigentlichen Ortskern herum noch einige schöne Landhäuser mit Gärten gibt. Murnau ist ein sehr gemütliches Fleckerl zum Leben, irgendwie auch wieder biedermeierlich...

  • Jetzt schauen wir uns ein paar Häuser in einigen Seitenstraßen an, es handelt sich hierbei allerdings nur um eine Auswahl und ist nicht erschöpfend. Wie Giulio schon richtig bemerkt hat, gibt es außerhalb der Marktstraße auch nicht mehr viel wertvolle Bebauung.


    Hier die vom Untermarkt nach Osten Richtung Schloss abgehende Schloßbergstraße (Nr. 6-2):


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    Schloßbergstraße 10-2:


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    Hausmadonna an der Schlossbergstraße 3:


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    Nun zum Schloss, welches am Ende der Schloßbergstraße liegt. Die älteste Burganlage geht auf das 13. Jh zurück, die heute sichtbare Anlage stammt aus dem 15. & 16. Jh: der Hauptbau mit stattlichem Zinnengiebel aus der 2. Hälfte des 15. Jh's und der Südflügel aus dem 16. Jh. Das Schloss wurde bis zur Säkularisation 1803 vom Kloster Ettal als Amts- und Wohnsitz des Pflegers sowie als Gerichtssitz genutzt. Im 19. Jh wurde es zu Schulzwecken umgebaut, weswegen von der ursprünglichen Innenausstattung nichts mehr übrig geblieben ist. Bis 1980 wurde es als Schule genutzt, dann bis 1993 zum Schlossmuseum umgebaut, welches neben Malerei aus dem 19. Jh (Landschaftsmalerei der Münchner Schule) und der Gruppe "Blauer Reiter" (hauptsächlich Bilder von Gabriele Münter) auch eine Dauerausstellung zu dem Schriftsteller Ödön von Horváth zeigt, der von 1923 bis 1933 regelmäßig seine Sommerfrische in Murnau verlebte. Weitere Informationen zum Schloss hier.


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    Westfassade:


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    Nun ein Foto vom Südrand des Schlossberges Richtung Süden auf die Berge, in der Mitte zu sehen das Wettersteingebirge mit Wettersteinwand, Alpspitze und Zugspitze, davor das Murnauer Moos:


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    Eine tolle Landschaft!

  • Nun weitere Hausansichten aus Seitenstraßen.


    Grüngasse in Richtung Osten:


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    Grüngasse in Richtung Westen, in der Bildmitte hinten der Chor der Mariahilfkirche:


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    Häuser wie diese sind typische Handwerkerhäuser in Murnau, zweistöckige traufständige Häuser, teilweise mit Dachgauben.



    Johannisstraße 18 aus der 1. Hälfte des 19. Jhs:


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    Pfarrstraße 21, ehem. Doppelbauernhaus, zweigeschossiger Flachsatteldachbau mit traufseitiger Laube und Zierbund, um 1770:


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    Ein ähnlicher ehemaliger Doppelbauernhof ist das Mesnerhaus Mayr-Graz-Weg 1, ein zweigeschossiger Flachsatteldachbau mit einfachem Zierbund aus der Mitte des 18. Jhs:


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  • Wie es sich für einen anständigen bayrischen Ort gehört, besitzt Murnau eine schöne Barockkirche: die Pfarrkirche St. Nikolaus. Weithin sichtbar steht sie am südlichen Rand des Schlossberges. An der Stelle der heutigen Barockkirche befand sich die 1134 erstmals genannte alte gotische Kirche St. Nikolaus, bis diese ab 1717 durch die neue Barockkirche ersetzt wurde (Weihe 1734). Wer die Kirche gebaut hat, ist nicht ganz klar; früher glaubte man, es könnten der Münchner Hofbaumeister Enrico Zuccalli oder Johann Michael Fischer gewesen sein. Aufgrund innenarchitektonischer Ähnlichkeiten mit der gleichzeitig entstandenen Wallfahrtskirche Einsiedeln in der Schweiz nimmt man aber inzwischen an, dass der dortige Architekt Caspar Moosbrugger der Ideengeber und der damalige Bauleiter von Ettal Pater Roman Deschamps der planende Architekt war.

    Von außen mutet die Kirche eher bescheiden an, es ist ein relativ schmuckloser Längsrechteckbau mit dreiachsiger, italienisch-barocker Giebelfassade im Westen; der Chor ist kreuzförmig mit zwei halbrund geschlossenen Chorseitenarmen; der Kirchturm mit Zwiebelhaube und Laterne ist in den Kirchenkörper integriert und steht auf dem gotischen Unterbau der alten Kirche.

    Angesichts dieses simplen Äußeren würde man sich innen einen länglichen Saalraum erwarten, doch weit gefehlt: den eintretenden Besucher überrascht ein Zentralraum, welcher durch ein dreischiffiges Emporenvorjoch vorbereitet und durch eine ebenfalls zentralisierte Choranlage fortgesetzt wird. Der überraschend weite Hauptraum präsentiert sich als kreisrund überkuppeltes Oktogon, ähnlich wie es auch in Einsiedeln zu sehen ist. Unter dem Oktogon befinden sich acht Bogenöffnungen, die sich in ihrer Höhe abwechseln: die vier Bögen zum Chor, den beiden Längsseiten und zur Orgelempore sind höher und stützen die runde Kuppel, die diagonal dazwischen liegenden Bögen sind etwas tiefer und stellen im Endeffekt nur Ausbuchtungen des Hauptgesimses dar; außerdem geben die niedrigeren Bögen den Blick frei in vier die Raumtiefe betonende Eckräume, in denen Seitenaltäre stehen (und im Falle der rückwärtigen Orgelempore zusätzlich die seitlichen Emporenräume). Gestützt werden die acht Bögen jeweils durch Doppelpilaster mit Kompositkapitellen.

    Der Chor ist kleeblattförmig und durch ein Vorjoch mit Logen vom Hauptraum getrennt.

    Laut Dehio darf diese Raumschöpfung als wichtige Vorstufe zu den Gestaltungen Johann Michael Fischers angesehen werden, was auch der Grund ist, weswegen man ihn lange als den Schöpfer dieser Kirche angesehen hat (was allerdings zeitlich nicht ganz hinkommt, da Fischer 1717 noch auf Lehrwanderschaft in Böhmen, Mähren und Österreich war).


    Die Stuckaturen stammen von Johann Baptist Zimmermann (Hauptraum 1724/25 und Chor 1729/30), die Fresken hingegen sind nicht original barock, sondern wurden Ende des 19. Jhs in neobarocker Manier geschaffen: die Chorfresken 1871/72 von Johann Michael Wittmer und Joseph Anton Schwarzmann, das Hauptfresko (das Jüngste Gericht darstellend) 1893-95 von Waldemar Kolmsperger. Ich weiß leider nicht, wie die Gewölbe vorher gestaltet waren und ob es vorher bereits andere Fresken gegeben hatte. Ich empfinde das Fresko des Hauptraumes aber als sehr passend und überzeugend; wenn ich nicht gelesen hätte, dass es nicht aus der Barockzeit stammt, hätte ich es nicht gemerkt. Die Fresken des Chorraumes schauen ein bissl nach Nazarenerstil aus und passen vielleicht nicht so perfekt in eine barocke Kirche. Der Rest der Ausstattung, d.h. die Altäre, Heiligenfiguren und Beichtstühle stammen überwiegend aus der Barock- und Rokokozeit.


    Hier eine Gesamtansicht von St. Nikolaus von Südwesten:


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    Nordseite:


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    Nordseite mit Kriegerdenkmal:


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    Chor:


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    Nun zum Inneren:


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    Sehr beeindruckend!


    Queransicht des vorderen Bereiches:


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    Rückseite:


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    Deckenfresko Hauptraum, hier sieht man auch schön die Bögen:


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    Deckenfresken und Stuckaturen im Chor:


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  • Deckenfresken Chor & Altar:


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    Kanzel & kleine Empore links:


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    Chor rechts:


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    Kirchenbank:


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    Orgel:


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    Das war's aus St. Nikolaus. Eine unerwartet großartige Kirche, die man sich in einem so kleinen und unbedeutenden Markt wie Murnau nicht erwarten würde!


    Übrigens: ich habe die Fotos auf Flickr gehostet, wo man sich auch höher aufgelöste Versionen der Fotos anschauen kann, was sich im Falle der Kirche sicher lohnt. Einfach auf die Fotos hier klicken, dann werdet Ihr zu Flickr weitergeleitet!

  • Nun zum letzten Teil meiner Murnau-Galerie: dem Friedhof. Der Friedhof von St. Nikolaus ist vielleicht der schönste Platz von Murnau und einer der schönsten Friedhöfe, die ich kenne. Er ist auf einen nach Westen und Süden hin abfallenden Hang gebettet und erinnert fast an einen Weinberg. Als katholischer Bayer habe ich von Haus aus eine Affinität zu Friedhöfen, ich liebe es, über die schmalen Wege zwischen den Gräbern zu spazieren, die schmiedeeisernen Kreuze und Grabsteine zu betrachten und mich auf eine Bank unter einen Baum zu setzen, um über das Leben, den Tod, frühere Zeiten und Leute und alles mögliche zu sinnieren. Ein schöner Friedhof überträgt mir das Gefühl von Ewigkeit und Ruhe, er erinnert mich daran, dass wir alle einmal diesen Weg gehen werden und uns mit unseren Ahnen in Gott vereinen werden. Das ist ein tröstlicher Gedanke.


    Friedhof mit Blick zur Kirche:


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    Friedhof Richtung Schloss:


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    Blick Richtung Ortskern:


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    Weg hinunter in den Ort:


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