Mannheim (Allgemeines)

  • In Mannheim wird gerade das Polizeipräsidium saniert.


    Leider hat man das Architekturbüro Trapez aus Hamburg mit der Neugestaltung beauftragt, das offenbar ein Händchen für kastige Anbauten an historische Gebäude hat (Siehe z.B. hier und hier). Es verfügte über Giebel und Türme. Natürlich wurde darauf verzichtet, das Stadtbild durch eine Rekonstruktion dieses Zustandes aufzuwerten. Im Gegenteil, wenn man genau hinsieht, bemerkt man, dass noch historische Substanz zerstört wurde. Der Unterbau der Türme wird nun auch noch weggebrochen, um die 50er-Jahre-Notbedachung der Türme noch etwas mehr in die Höhe zu ziehen.

    Das Architekturbüro schreibt dazu:

    Zitat

    Der Neubau für das FLZ auf dem Gebäude des Polizeipräsidiums Mannheim nimmt den Platz des in den 50er Jahren aufgestockten Geschosses ein. In seiner Typologie als „Dach“ des historischen Gebäudes setzt sich das neue vierte Geschoss als eigenständiges Element von der Ornamentik der historischen Fassade ab.

    Die ursprünglich als markante Eckpunkte mit Zwiebelkuppel ausgebildeten Ecktürme wurden nach dem zweiten Weltkrieg in sehr schlichter Bauweise ohne Bezug zum Bestand wieder aufgebaut. Der historische Dreiecksgiebel des Mittelrisalits entfiel ganz. Der Entwurf erhält die Türme in ihrer Schlichtheit der 50er Jahre und erhöht diese leicht. Neue geschossübergreifende hochformatige Fenster fassen den Turm wieder zu einer Einheit zusammen und betonen die Vertikalität der Türme. Der neue Sandstein nimmt Bezug auf die historische Fassade des Bestands, zeigt sich jedoch durch Maßstäblichkeit und Oberflächenbeschaffenheit moderner.


    Eine vertane Chance.


    Ein Bild des historischen Polizeipräsidiums seht man hier.


    Zustand vor der Sanierung hier.


    Zustand nach der Sanierung hier.


    Ursprünglich war wohl mal ein etwas gefälligerer Entwurf geplant, aus diesem wurde aber nichts. (hier)

  • Die Multihalle in Mannheim, welche anlässlich der BUGA 1975 errichtet wurde, gilt als eine der Ikonen der bundesdeutschen Moderne. Insbesondere die Dachkonstruktion von Frei Otto gilt als Baudenkmal von nationaler Bedeutung. Diese soll nun bis zur BUGA 2023 saniert werden.


    Zitat

    Die große, luftige Halle, die in der Architekturwelt schon früh als „Wunder von Mannheim“ gepriesen wurde, „solle unter Beibehaltung ihrer Kathedralenwirkung künftig wieder in ihrer vollen Größe genutzt werden“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung für die Stadträte. Sie eigne sich insbesondere für Sport- und Bewegungsangebote, für Ausstellungen, Märkte und kulturelle Veranstaltungen. Um das Dach freizustellen, sollten frühere Einbauten wieder entfernt werden.


    „Wir haben die Multihalle in ihrer Qualität und Bedeutung wieder entdeckt“, versicherte er. Mit ihrer Wiederbelegung habe man die Chance, „Mannheim ganz groß auf die internationale Landkarte zu setzen“.


    Das „Wunder von Mannheim“ wird saniert



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  • Eine allg. Frage an Mitglieder die Mannheim kennen: Wie findet ihr die Stadt punkto Attraktivität? Ich weiss vergleichsweise wenig darüber. Klar, Schloss, Jesuitenkirche und Wasserturm sind spitze, der Rest der Innenstadt mehrheitlich Nachkriegsschrott. Ich habe aber gelesen, dass Stadtviertel wie Jungbusch, Oststadt oder Schwetzingerstadt ziemlich geschlossene Gründerzeitquartiere sind, ist das korrekt? Wie seht ihr die Stadt im Vergleich zu anderen südwestdeutschen Städten wie Karlsruhe, Pforzheim, Heilbronn, Stuttgart oder Ulm? Eher im oberen oder unteren Drittel?

  • Ich würde hinsichtlich des Erhaltungszustands der Großstädte in BW folgende Einteilung machen:


    1. Heidelberg (sehr gut erhaltenes Stadtbild)

    2. Freiburg, Ulm, Karlsruhe, Reutlingen (gut bis mittelmäßig erhaltenes Stadtbild, Mischung aus Vorkriegs- und Nachkriegsarchitektur)

    3. Stuttgart, Mannheim (Innenstadt große Verluste, überwiegend Nachkriegsarchitektur, ein paar historische Ensembles, gut erhaltenes Stadtbild in den umliegenden Bezirken)

    4. Pforzheim, Heilbronn (nahezu vollständiger Verlust des historischen Stadtbilds, fast ausschließlich Nachkriegsarchitektur)


    Also stelle dich bei Mannheim auf ein mit Stuttgart vergleichbares Erlebnis ein.

  • In Mannheim war ich früher ziemlich oft, als ich noch in der Nähe gewohnt habe (bis 1997), seitdem war ich nur noch zweimal dort. Alles in allem fand ich Mannheim immer ziemlich unangenehm und unschön, Karlsruhe ist sicherlich wesentlich attraktiver.


    In den genannten Vororten war ich aber wohl noch nie, die wenigen Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt rechtfertigen meines Erachtens keinen Besuch. Aufgrund der attraktiven Umgebung mit Heidelberg, Schwetzingen, Speyer, Neckartal und der nahen Weinregion in der Pfalz kann man Mannheim aber ja mal kurz besuchen, wenn man sowieso in der Region ist.

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Auch wenn Stuttgart und Mannheim hinsichtlich ihres von Nachkriegsarchitektur geprägten Stadtbilds gut vergleichbar sind, so macht Stuttgart doch alles in allem den "schöneren" Eindruck, begünstigt durch seine reizvolle Lage sowie dem Schlossplatz als baulichen Höhepunkt im Zentrum.

  • Der Schlossplatz in Stuttgart ist sicher umwerfend. Ansonsten aber finde ich Mannheim angenehmer. Es ist weniger durch architektonische Monströsitäten verbaut. Die klare barocke Struktur der Stadt wurde beibehalten. Auch wurden so gut wie keine Verkehrstrassen und Autotunnel durch die Innenstadt gezogen.


    In Heilbronn finden sich nur in der unmittelbaren Innenstadt die Nachkriegsquartiere. Diese sind durchsetzt von erhalten Einzelbaudenkmalen. Daran anschließend finden sich Gründerzeit-Straßenzüge und vor allem ansehnliche historische Villen.


    Pforzheim wurde am stärksten verwüstet. In der Innenstadt existiert außer der Traditionsinsel am Schlossberg (St. Michael, Einnehmerei und Archivbau als Schlossreste) fast nur Nachkriegsarchitektur. Die Nordstadt aber ist gründerzeitlich geprägt. Bewegt man sich in die Stadtteile, z.B. nach Brötzingen, wird die Bebauung wieder weit historischer.

  • Wie sieht es denn mit der "Partyszene" Mannheims in Vergleich zu Stuttgart aus?


    Spass beiseite, Mannheim kenne ich nicht wirklich. 1992 war ich mal in der Innenstadt, weil ich wegen eines Festivals vor Ort war.


    Hier in der Schweiz hatte ich mal einen deutschen Arbeitskollegen. Der war aus Ludwigshafen und hat dann in Pforzheim studiert. Gewissermaßen vom Regen in die Traufe 😉 aber es schenkt sich wohl beides nichts.


    Letzten Sommer habe ich eine Nacht innenstadtnah in Karlsruhe verbracht. Es war sehr belebt aber das, was ich gesehen habe, hat mir weniger gefallen und ich würde Karlsruhe deutlich unter Freiburg einordnen

  • Karlsruhe gefällt mir persönlich besser als Freiburg, auch architektonisch (nur die Lage von Freiburg ist natürlich sehr viel schöner).


    Die "Party- und Eventszene" war in Mannheim schon vor 30 Jahren führend in Sachen Vielfalt und Bereicherung, aber inzwischen haben ja fast alle Städte "aufgeholt".

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Naja, weniger verbaut? Die Abbildung zeigt das Mannheimer Schloss (heute Universität) und seine Umgebung.

    Ich finde, das ist eine ziemliche Monströsität. Auch sonst finde ich das Stadtbild in Mannheim noch eine Spur hässlicher und vor allem vernachlässigter als in Stuttgart. Was nützt mir eine barocke Struktur mit Nachkriegsbaracken? Immerhin ist die Quadratestadt durch ihre Struktur übersichtlicher und weniger eingeengt als die Stadt im Talkessel. Daher fühlt man sich dort vielleicht etwas befreiter. Übrigens versuche ich bei der Bewertung beider Städte relativ unparteiisch zu sein, mein Großvater war gebürtiger Stuttgarter, meine Großmutter kam aus Mannheim. :)


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  • Von Karlsruhe bin ich eher enttäuscht, es ist abgesehen vom Schloss und dem Park sowie partiellen Gebäuden um den Marktplatz wirklich ziemlich seelenlos (aber gut was erwarte ich von so einer "Retortenstadt", die im WK 2 noch dazu stark zerstört wurde. Mannheim ist ziemlich ähnlich, trotzdem finde ich hat es mehr schönere Partien wie die Jugenstilbauten um den schönne Wasserturm,und es hat eine geschichtliche Tiefe die im 18. Jh. beginnt mit dem interessanten alten Rathaus mit Kirche kombiniert, die prachtvolle Jesuiten-Rokokokirche. Das Schloss finde ich auch beeindruckend, Google Maps und es gibt mit der nördlichen Neckarstadt ein gut erhaltenes Gründerzeitquartier:

    Google Maps

  • Als seelenlos habe ich Karlsruhe nie empfunden. Ich finde es ist eine freundliche, unaufgeregte Stadt angenehmer Größenordnung. Das verkehrsberuhigte Zentrum und der öffentliche Raum für Fußgänger ist im Vergleich zur Autostadt Stuttgart eine Wohltat.

  • Naja, weniger verbaut? Die Abbildung zeigt das Mannheimer Schloss (heute Universität) und seine Umgebung.

    Deshalb hatte ich "weniger" und nicht "nicht" geschrieben. Auf der Gartenseite des Schlosses befindet sich die Auffahrtrampe zur Brücke nach Ludwigshafen. Es gibt zwei davon. Aber diese liegen am Rand der Innenstadt direkt am Rhein. Die Mannheimer Innenstadt ist nicht von solchen Verkehrstrassen durchzogen wie der Konrad Adenauer-Straße in Stuttgart, die das Leonhards- und Bohnenviertel vom Rest der Stadt völlig abschneidet. Auch die Einfahrt nach Stuttgart über die Heilbronner Straße fand ich immer schrecklich. Hinzu kommt, dass sich dort die Modernisten-"Schickeria" der Architektenschaft scheinbar besonders austoben möchte, wovon das Europaviertel oder die in einem anderen Thread gezeigte Ballettschule nur Beispiele sind. Dagegen empfinde ich Mannheim regelrecht quadratisch-praktisch bzw. unaufgeregt. Aber das sind natürlich Geschmacksfragen.

  • Ja, da hast du vollkommen recht. Die B14 ist die größte Bausünde, die Stuttgart jemals angetan wurde. Und die Theodor-Heuss-Straße gegenüber ist nicht weniger schlimm für das Stadtgefüge. Deswegen schrieb ich auch wie angenehm mir die Verkehrssituation in Karlsruhe dagegen erscheint.


    PS: In die Stadt darf man eigentlich nur über die Neue Weinsteige fahren, wenn der erste Eindruck ein schöner sein soll.