Stuttgart in alten Ansichten

  • Schloßstraße (heutige Bolzstraße) um die Jahrhundertwende. Gegenüber dem alten Zentralbahnhof (rechts im Bild) wartende Pferdefuhrwerke, die Vorläufer der heutigen Taxistände. Im Hintergrund der 1898 erbaute Friedrichsbau. Links im Bild das Hauptpostamt und Hotel Royal, beides zerstört. Die Bebauung auf der rechten Straßenseite blieb im Wesentlichen bis heute erhalten. Der Bahnhof wurde 1925-26 - unter Erhalt des Portikus - zu einem Ufa-Kino umgebaut (heute Kino Metropol).


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  • Im Hintergrund der 1898 erbaute Friedrichsbau

    Um so enttäuschender die heutige Unterbringung des Varietés auf dem Pragsattel in so einer Art schnell hochgezogener Industrie-Lagerhalle mit Holzwänden ... immerhin ist es jetzt innen fast schöner als in dem Vorgängerbau von 1994, als das Varieté ja in einem unterirdischen Raum mit viel Beton untergebracht war.


    Siehe auch Damals - Friedrichsbau Varieté und Friedrichsbau Varieté in Stuttgart: Aus rund und bunt wird eckig und schwarz - Stuttgart - Stuttgarter Zeitung - ein wenig mehr könnte man schon in die Kultur investieren.

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Gälte es, das schönste Foto von Alt-Stuttgart zu prämieren, würde diese Aufnahme von 1930 vermutlich in die Endauswahl kommen. Hier stimmt einfach alles. Zu sehen ist der Schillerplatz mit Stiftskirche und Fruchtkasten, links im Bild das Hotel "König von England" und im Hintergrund das Rathaus. Letztere zwei Gebäude würden auf einem heutigen Vergleichsbild in dieser Form fehlen.


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  • Das Rathaus bei Nacht, es durfte nur gut 50 Jahre in dieser Form existieren (1905-1956). Die Tatsache dass es diesen Anblick nicht mehr gibt, weil nach dem Krieg eine falsche Entscheidung getroffen wurde, ist für einen Stuttgarter mit Herz bis heute kaum zu verarbeiten.


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  • Die Alte Kanzlei mit der Merkursäule - einem ehemaligen Wasserturm von 1598 - und dem Kosakenbrünnele am Postament der Säule. Das Ensemble ist erhalten - wenn auch mit einzelnen Veränderungen, z.B. das kunstvolle schmiedeeiserne Gitter auf der Plattform, das nach dem Krieg durch ein schlichtes Stabgitter ersetzt wurde.

    Aufnahme aus den 20er Jahren.


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  • Na, da hast Du ja wieder eine recht lebendige Straßenszene des alten Stuttgart ergattert!

    Was mich an dieser und vielen anderen Aufnahmen mit Passanten fasziniert, also an Momentaufnahmen des Straßenlebens aus jener Zeit, ist diese authentische Tiefe, die mich schier in das Bild hineinzieht, die Straßenszenen empfinden und fühlen läßt, die Geräusche werden hörbar, die Gerüche, der Raumeindruck, die Stimmen der Leute. Gleich schlendere ich auf der linken Seite der Straße entlang und schaue mir die Auslagen der vielen kleinen Läden an ... Zeitreise Stuttgart!

  • Was mir speziell auf Ansichten des alten Stuttgarts auffällt, ist oft das eher kleinstädtische Aussehen, abgesehen vom Schloss und dem Rathaus von 1900. Hat dies mit dem Fehlen von (zu) oppulenten Gründerzeitbauten wie in Berlin und Frankfurt zu tun? Auch im Vergleich mit München fällt mir dies auf. Gerade die letzte Ansicht könnte durchaus beispielsweise auch in Konstanz aufgenommen worden sein, wären da nicht die Tramschienen. Die Farbaufnahme vom Schillerplatz weiter oben fällt ebenfalls in diese Kategorie. Die ehemaligen grossen Giebelhäuser am Marktplatz findet man in dieser Grösse auch in kleineren Städten Baden/Württembergs. Trägt auch die Durchgrünung Stuttgarts dazu bei, dass bei mir dieser Eindruck erweckt wird?

  • Ja, es ist die kleinteilige Gestaltung, die verschiedenen Fassaden mit den vielen kleinen Details, die u. a. das damalige Stuttgart (wie auch viele andere Städte) so reizvoll machten. Etwas, das im Zuge der Zerstörungen und Abrisse, der "autogerechten" Stadt und der glatten und nicht mehr regionalen Einheitsfassaden mit ihren abweisenden Farben in weiten Teilen verloren ging.

    ist diese authentische Tiefe, die mich schier in das Bild hineinzieht

    Diesen Effekt hatte ich mal bei einem meiner ersten Dresden-Besuche, noch in den Vor-Internet-Zeiten. Ich fuhr etwas planlos durch die endlose Tristesse der Johannstadt, bis dann plötzlich zwischen Fetscherplatz und Herz-Jesu-Kirche noch historische Bausubstanz erhalten war - das motiviert zum Aussteigen und Erkunden der Umgebung, etwas, das heutiger Städtebau nicht mehr leistet.

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Ach, guck, zwischen Fetscherplatz und Herz-Jesu-Kirche. In der Nähe (Krenkelstraße) wohnten meine Großeltern. In der Kirche haben meine Eltern geheiratet. Die Gegend kenne ich von klein auf, wenn wir die Großeltern im Osten besuchten!

    Die Gründerzeitbauten dort haben mir mein Bild von alter Architektur geprägt, mein Sehen geschult. Ich schaute beim Vorbeilaufen immer total beeindruckt die Fassaden an. Gut, daß mich mein Papi an der Hand führte, sonst wäre ich allweil über den Randstein gestolpert, ... ! :smile:

  • Die Bautätigkeit war während der Gründerzeit in Stuttgart enorm, allerdings entstanden dabei keine Prachtstraßen wie in Berlin, München oder Frankfurt, dafür ausgedehnte Wohnviertel wie der heutige Stuttgarter Westen. Besonders die Königstraße hatte ein deutlich großstädtisches Erscheinungsbild mit stattlichen, repräsentativen Geschäftshäusern zu bieten, jedoch in der Opulenz und Qualität auch nicht vergleichbar z.B. mit der Frankfurter Kaiserstraße. Auch die Wohnhäuser, zumeist 4- oder 5stöckig, reichen hinsichtlich des Aufwands der Fassadengestaltung in der Mehrzahl nicht an die genannten anderen Städte heran, es ging schon damals einfach schwäbisch-bescheidener zu. Eine weitere Stuttgarter Eigenart kam hinzu: Die meisten Straßenzüge wurden nicht durchgängig sondern immer mit einer Abstandsfläche zwischen den Gebäuden errichtet, dem sogenannten "Bauwich". Daher fehlt in Stuttgart zumeist die eindrucksvolle Ensemblewirkung geschlossener gründerzeitlicher Häuserreihen, die wir aus anderen Städten kennen.

    Stuttgart hatte zur Jahrhundertwende auch deutlich weniger Einwohner als die Metropolen heutiger vergleichbarer Größenordnung wie Frankfurt oder Leipzig. Aufgeholt bzw. überholt hat die Stadt diese erst in der Nachkriegszeit, von der Stuttgart heute städtebaulich geprägt ist. Eigentlich erscheint Stuttgart in seinen innerstädtischen Ausmaßen auch heute noch eher wie eine 300.000 Einwohner-Stadt, die tatsächlich doppelt so hohe Einwohnerzahl erklärt sich auch durch zahlreiche Eingemeindungen.

  • Die Gegend kenne ich von klein auf, wenn wir die Großeltern im Osten besuchten!

    Faszinierend - bin extra letztes Jahr bei meiner "Stadtwanderung" vom Albertplatz über die Waldschlößchenbrücke zum Fetscherplatz zu Fuß gegangen - und wieder war es südlich der Elbe der erste "Wohlfühlort". Das soll es aber auch mit dem OT im Stuttgart-Strang gewesen sein.

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Man könnte meinen das oberste in Naturstein ausgeführte Stockwerk sei einmal anstelle des Daches aufgestockt worden. An die Adresse der heutigen Architekten gewandt, die gerne alte Gebäude aufstocken und meist eine ästhetische Bruchlandung fabrizieren. Schaut es Euch ganz genau und gut an wie man's ohne Brüche und doch klar erkennbar macht!!!

    (PS: mir ist schon klar, daß da nix aufgestockt wurde und der Bau von Anfang an so geplant war, oder!?)

  • Für einen Bau von 1921/23 ist das noch eine sehr konservative Architektur. Ein paar Neubarocke Elemente sind noch vorhanden. In den 1920er-Jahren kam bereits der Neo-Neoklassizismus auf, dessen Formenschatz die Naziarchitektur dann übernnahm. An den Expressionismus anmutende Gebäude gibt es ebenfalls in dieser Zeit.

  • Eine seltene Farbaufnahme, entstanden wohl um 1940. Im Vergleich zu heute hat sich auf den ersten Blick wenig verändert. Der Rathausturm (hier links im Bild neben der Stiftskirche) existiert nicht mehr in dieser Form. Auch die Baumreihe zwischen Königsbau und Schlossplatz wurde nach dem Krieg beseitigt. Die Straßenbahn nimmt die Kurve von der Planie in die Königstraße, diese oberirdische Strecke gibt es heute nicht mehr. Dahinter die Rückseite des Prinzenbaus am Schillerplatz und das in meinem letzten Beitrag bereits gezeigte Bankgebäude, beides erhalten. Das Gebäude rechts im Bild mit dem hohen gewölbten Dach ist der Salamander-Bau, seine Fassade wurde vor ein paar Jahren "kritisch" rekonstruiert.


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  • Tübinger Straße, 1901. Die meisten Gebäude existieren noch heute, Ausnahme die Eckbebauung zur Christophstraße, die im Hintergrund rechts einmündet. Im Vordergrund kreuzt die Sophienstraße. In dem linken Eckhaus bzw. hinter dessen erhaltener Fassade befindet sich heute das Einkaufszentrum Gerber. Das Gebäude mit der Kuppel am Ende der Straße (eigentlich ist es ihr Anfang, Tübinger Straße 1) habe ich im Strang "Historische Architektur in Stuttgart" bereits gezeigt. Die Straßenbahn verkehrt hier heute nicht mehr, stattdessen ist die Tübinger Straße ein "Shared Space", in dem Fußgänger, Radfahrer und Autos gleichberechtigt sein sollen. Keine Ahnung was aus diesem Experiment langfristig wird.


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