Der Große Durchbruch - La Grande Percée (1910 - 1960)

  • In diesem Schwerpunktthema möchte ich ein Großprojekt der Stadtumgestaltung in Straßburg ansprechen, das über einen sehr langen Zeitraum erfolgte - nach der Planung ab 1907 und einer ersten Realisierungsphase von 1910 bis 1918 wurde das Projekt schließlich unter neuem Namen ("Grande Percée") ab etwa 1927 fortgeführt und erst 1960 abgeschlossen.


    Damit verbunden sind übrigens zwei Neubauprojekte höchst unterschiedlicher Qualität, die für die Umsiedlung der betroffenen Bewohner angelegt wurden: die Gartenstadt Stockfeld vor 1914, die in sehr hoher Qualität ausgeführt wurde (neben Hellerau in Dresden eines der ersten Projekte in Deutschland - einige Bewohner erhielten auch im Fünfzehnerwörth neue Wohnungen) und die Erweiterung des Stadteils Neuhof durch Bauten in sehr zweifelhafter Qualität in der Nachkriegszeit - auch einer Gründe für den recht dubiosen Ruf dieses Viertels.


    Nach einer kurzen Einführung soll es natürlich auch aktuelle Fotos geben, ergänzt durch Beschreibungen der wichtigsten Gebäude.


    Informationen zu diesem Bauvorhaben in französischer Sprache gibt es - natürlich - in der Wikipedia, aber auch auf den Webseiten zu einer Ausstellung zum hundertjährigen Jubiläum des Großprojekts: 1910 : Attention travaux ! De la Grande Percée au Stockfeld - Archives de la ville et de l'Eurométropole de Strasbourg


    Mit diesem Großprojekt sollten zwei Ziele verwirklicht werden: einerseits eine Verbesserung der Wohnqualität auf der Altstadtinsel und andererseits die Herstellung einer leistungsfähigen Straßenverbindung zwischen dem neu errichteten Hauptbahnhof und dem neu geplanten (aber vor dem Krieg nicht mehr errichteten) neuen Stadtviertel im Süden.


    Während zur französischen Zeit kaum in Straßburg investiert wurde, änderte sich dies ab 1871 grundlegend - es wurde nicht nur die Neustadt errichtet, sondern auch viel in die Verbesserung der Lebensverhältnisse gerade der ärmeren Bevölkerungsschichten investiert. Dies ging einher mit einer Übertragung von Kompetenzen an die Straßburg selbst, mit der Errichtung z. B. von öffentlichen Bädern, aber auch mit der Einrichtung von Untersuchungskommissionen, Sanierungsfonds und immer höheren Mindestanforderungen an Wohnungen.


    Im Jahr 1907 wurde auf Bestreben des damaligen Bürgermeisters Rudolf Schwander die Planung durch den Stadtrat angenommen und ab 1910 mit einem geplanten Budget von rund 12 Mio. Mark die Umsetzung begonnen. Aufgrund des Ersten Weltkriegs wurde aber nur ein Teil des Projekts fertiggestellt, nämlich der Abschnitt zwischen dem Kleberplatz und dem Hauptbahnhof (fast vollständig) sowie größere Abschnitte südlich davon in Richtung Ill (bis knapp vor die Nikolaikirche) - vervollständigt wurde das Projekt dann in den Zwischenkriegsjahren (südliche Altstadtinsel) bzw. in der Nachkriegszeit (zwischen der Nikolaikirche und Börse), dazu aber später mehr.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Hier einige Übersichten und Fotos.


    Zunächst einmal sehen wir Straßburg zu Beginn des Großen Durchbruchs, noch mit dem historischen Verlauf der Gassen und Straßen im Jahr 1910:


    grandep5.jpg


    Hier ein Originalplan mit einem Teil der Planung bis zum Kleberplatz ganz links (nicht nach Norden ausgerichtet, müßte ungefähr um 90 Grad nach rechts gedreht werden):


    durchbruch.jpg


    Zum Vergleich: Straßburg heute, mit dem vollständigen großen Durchbruch:


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    Der Verlauf deckt sich ziemlich genau mit der grau eingezeichneten Straßenbahlinie, die vom Süden über Pont Saint-Nicolas nach Norden führt, allerdings knickt hier der Durchbruch nach Westen in Richtung des Bahnhofs ab (während die Straßenbahn weiter nach Norden zum Eisernen Mann fährt).


    3D-Visualisierungen aus Google Earth finden sich hier: 3D-Visualisierungen des Großen Durchbruchs (Straßburg) aus Google Earth


    Hier ein Beispiel für die Bebauung, die abgerissen wurde:


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    Abrisse auf der Altstadtinsel:


    grandep1.jpg


    grandep2.jpg


    Abrisse südlich der Altstadtinsel, zum Vergleich vor der Umgestaltung:


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    So sah die Uferbebauung um die Nikolaikirche ursprünglich aus - die Kirche war nahtlos in die Bebauung integriert. Hier die Kirche nach der Umgestaltung und den Abrissen - wie schon in Emile Salomon (1833-1913) angesprochen, wurde gegen 1905 ein neuer Eingang nebst Sakristei errichtet, der an der neuen Straße lag.


    grandep3.jpg


    Und noch eine Randbemerkung: Während Straßburg seit jeher eine durchgehende Straße von Ost nach West besaß (Lange Straße und ihre Verlängerung bis zur Judengasse), fehlt eine Nord-Süd-Verbindung in der Altstadtinsel.


    Eine solche sollte bereits mit dem Plan Blondel von 1765 errichtet werden, einschließlich einer repräsentativen Umgestaltung des heutigen Gutenbergplatzes - allerdings wurde dies aufgrund von Geldmangel und französischer Revolution nicht umgesetzt.


    Indes wurde dennoch das dort befindliche historische Rathaus abgerissen - großzügige Abrisse sind also keine Spezialität der heutigen Epoche:


    grandep6.jpg

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  • Beginnen wir nun mit den Fotos zum Großen Durchbruch, der ja in drei Teile untergliedert werden kann.


    Der südlichste Abschnitt wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg fertiggestellt und ist weitgehend reizlos, er reicht von der früheren Börse bis zur Ill:


    durchsil1.jpg


    Der mittlere Abschnitt bietet eine - überwiegend gelungene - Mischung aus verschiedenen Bauphasen:


    Der Bereich um den Kleberplatz ist am ältesten und wurde schon vor 1918 errichtet (aber nur teilweise in Betrieb genommen - so feiert ja das frühere Kaufhaus Modern erst dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen), zum weitaus überwiegenden Teil stammt die Bebauung hier aber aus der Zwischenkriegszeit (die letzten Lücken wurden nach dem Zweiten Weltkrieg geschlossen).


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    Tatsächlich noch vor 1918 fast komplett fertiggestellt ist der letzte Abschnitt, der vom Kleberplatz in Richtung Hauptbahnhof verläuft.


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    Hier zunächst einmal Ansichten der drei Abschnitte, alle in derselben Gehrichtung von der Börse über den Kleberplatz bis zu den beiden Kirchen Alt-Sankt-Peter fotografiert.


    Abschnitt 1:


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    Von den Bäumen verdeckt die frühere Börse, ganz im Hintergrund die charakteristischen geschwungenen Gebäude der 60er Jahre mit ihren Arkaden, dazwischen das bereits vorgestellte Blindenheim.


    Abschnitt 2:


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    Links die beiden Gebäude von Paul Dopff aus den 30er Jahren, rechts das Maison Lauth, dahinter nochmals zwei fast identische Gebäude (wohl die häßlichsten am gesamten Durchbruch).


    Abschnitt 3:


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    Links die heutigen Galéries Lafayette, die Tiefgaragenausfahrt ist gleich hinter dem Zeitungskiosk, aufgrund der ausgeprägten Bogenform ist nicht viel von der Straße zu sehen.

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    John Maynard Keynes

  • Beginnen wir nun ganz im Süden mit Abschnitt 1. Hier ist zunächst ein altbekanntes Gebäude zu sehen, nämlich die von Paul Dopff vollendete frühere Börse, die hier bereits ausführlich vorgestellt wurde: Paul Dopff (1885-1965)


    Dabei handelt es sich um das Gebäude links im Bild, aufgrund der vielen Bäume auf dem Platz ist es im Sommerhalbjahr nur so zu fotografieren ...



    Blick nach Norden, der große Durchbruch verläuft hier in einer langgestreckten Kurve:




    Hier folgt dann neben eher reizloser Nachkriegsbebauung der nächste alte Bekannte, das Blindenheim, das schon in Emile Salomon (1833-1913) ausführlich vorgestellt wurde:




    Blick in Richtung Metzgerplatz (heute: Place d'Austerlitz), unmittelbar südlich davon befand sich ja das Metzgertor als südliche Stadtgrenze, entsprechend kann es hier auch keine wirklich historische Bebauung geben.



    Nördlich dieser Linie gibt es durchaus historische Gebäude - allerdings wurden diese ja entlang des großen Durchbruchs schon Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen, so daß eine ausgedehnte Brache entstand, die durch kriegsbedingte Verzögerungen erst in den 60er Jahren vollständig bebaut wurde.


    Charakteristisch sind die Arkaden und die geschwungene Form, diese Gebäude entstanden ab 1960 und bilden die Bebauung auf der östlichen Seite.


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    John Maynard Keynes

  • Wirklich attraktiv ist die gegenüberliegende Bebauung auch nicht ...


    IMG_4339_sil.jpg


    Dafür gibt es hier interessante Blickbeziehungen ... Blick zum einzigen erhaltenen Stadttor, dem Spitaltor im Westen:


    IMG_4341_sil.jpg


    In der Gegenrichtung sind schon Alter Zoll und Münster zu sehen:


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    Weiter Richtung Norden kommt die Nikolaikirche ins Bild, deren Umbau ja schon in Emile Salomon (1833-1913) angesprochen wurde.


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    Auch wenn man es sich heute kaum noch vorstellen kann - die Kirche war in eine geschlossene Häuserzeile nahtlos integriert, erst durch umfangreiche Abrisse ist das heutige Erscheinungsbild einer frei stehenden Kirche entstanden. Entsprechend ist auch der gesamte Eingangsbereich eine Neuschöpfung von Emile Salomon.


    Die erforderlichen Abrisse sind durch Informationstafeln veranschaulicht:


    IMG_4347_sil.jpg


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    Hier nochmals die ursprüngliche Bebauung:


    grandep4.jpg


    Damit haben wir den ersten - und reizlosesten - Abschnitt des großen Durchbruchs abgeschlossen, der an der Ill endet. Von hier aus ergeben sich schon interessante Ausblicke auf die Altstadt:


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    Blick zurück zum ersten Abschnitt:


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  • Baulich ist wenigstens die gezeigte Partie in Ordnung, wenigstens keine Bausünden, aber auch nicht das Gelbe vom Ei. Vielmehr finde ich den Strassenzug trostlos, trotz des schönen Wetters, keinen Verkehrskollapses und gepflästerten Teilbereichen. Das wäre jetzt eine Strasse, die eine Bepflanzung mit Bäumen ertragen würde. Innerhalb von schmalen Gassen sind Bäume jedoch deplaziert, auch wenn viele Menschen sich mehr Bäume und vor allem überall wünschen. In mittelalterlichen Städten gab es nur punktuell auf Plätzen markante Einzelbäume, oder dann solche in privaten Höfen. Sonst waren sie eher baumlos. Nur sind die Strassendurchbrüche ab 1900 oft so breit, dass sie das 'mittelalterliche Mass' überschreiten und deshalb nach einer zusätzlichen Gliederung rufen.

  • Wirklich schön ist dieser kurze Abschnitt nicht, und interessant wird er eigentlich erst, wenn man die Geschichte dahinter kennt.


    Auf vielen Fotos des späten 19. Jahrhunderts fällt mir auf, daß damals die Plätze viel stärker begrünt waren, siehe auch mein Foto vom Kleberplatz:



    Danach wurde der Platz ja zum tristen Parkplatz, danach unzählige Male umgestaltet. Wenn ich mich recht entsinne, standen bei meinem letzten Besuch auf einem komplett gepflasterten Platz momentan nur noch am Rand einige Bäume, es gab auch mal eine Phase mit einer etwas üppigeren Begrünung, aber in Form von großen bepflanzten Holzkästen.


    Vgl. auch die frühere Gestaltung des Gendarmenmarkts, siehe Gendarmenmarkt / Land Berlin


    Zitat

    Der gärtnerische Schmuckplatz: Die städtebaulichen Veränderungen sowie die geänderten Nutzungen der umliegenden Bauten und die teilweise damit verbundenen gesellschaftlichen Umwälzungen in der Bewohnerschaft ließen bereits 1853 die Forderung nach Baumpflanzungen und gärtnerischen Anlagen auf dem Gendarmenmarkt laut werden. Im März des Jahres wurde in einem "Circular im Gensdarmenmarkt-Bezirk" aufgerufen, eine Verschönerung "durch Park-Anlagen, event. Linden-Alleen (...) um den ganzen Platz, vielleicht auch Lindenlauben: unbeschadet des Marktverkehrs" zu unterstützen

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  • Wir überschreiten jetzt die Ill nach Norden und erreichen die Altstadtinsel. Wie schon oben angemerkt, handelt es sich hierbei zeitlich um den mittleren Bauabschnitt, viele Bauten fallen in die Zwischenkriegsjahre, einige auch in die Nachkriegszeit (es ist sicherlich nicht überraschend, daß es sich dabei um die größten Bausünden handelt ...).


    Wie auch am südlichen Ufer der Ill gab es hier ursprünglich nur eine schmale Gasse westlich des Maison Lauth, entsprechend wurde hier sehr umfassend abgerissen:



    Das Maison Lauth bzw. dessen Umbaumaßnahme im Jahr 1869 wurde ja schon in Emile Salomon (1833-1913) angesprochen, dieses Gebäude blieb erhalten, auch die beiden dahinter befindlichen Gebäude stehen noch - allerdings wurden diese Gebäude aus dem frühen 18. Jahrhundert auch Ende des 19. Jahrhunderts umgestaltet.


    Alle anderen Gebäude bis zum Kleberplatz wurden hingegen ab etwa 1930 komplett abgerissen, hier zwei zeitgenössische Ansichten (Aufnahmeort: die 1869 neu angelegten Terrasse des Maison Lauth):




    Hier nun die heutige Ansicht:



    Zur Abrundung der Blick nach rechts - hier steht die Rekonstruktion des Alten Zolls, allerdings wurde die Rückseite stark vereinfacht aufgebaut (dazu unter Kriegsschäden in Straßburg - und was daraus wurde mehr).



    Heute wird die Straße vor allem durch monumentale Bauten geprägt:




    Gestaltet wurden diese beiden Gebäude mit ihren Arkaden durch einen bereits vorgestellten Architekten, nämlich durch Paul Dopff (1885-1965) - erbaut wurden sie 1933 bis 1934.


    Hier das oben angesprochene erhaltene Gebäude gleich nördlich des Maison Lauth:




    Und als Kontrastprogramm wiederum nördlich davon die beiden häßlichsten Gebäude der gesamten Straße, errichtet von 1956 bis 1958.




    Wenigstens ermöglicht die Lücke zwischen beiden Gebäuden den Blick auf das Münster ...


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  • Nördlich dieses Abschnitts dominieren nun monumentale Bauten, die weitgehend miteinander harmonieren, obwohl sie aus ganz unterschiedlichen Jahrzehnten stammen - am Kleberplatz und westlich davon teilweise noch aus der Kaiserzeit, am nun kommenden Straßenabschnitt überwiegend aus den 20er bis 50er-Jahren.


    Rechts ist hier noch obige Bausünde zu sehen:


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    Auf der anderen Seite ein Gebäudekomplex von Mitte der 50er-Jahre von Eugène Roemer, der zwar in Paris geboren ist, aber in Straßburg studiert und überwiegend gearbeitet hat.


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    Wie erreichen nun bereits die Kreuzung mit der Langstraße/Grand'Rue, die auch der dortigen Straßenbahnhaltestelle ihren Namen gibt. Hier ein interessanter Blick auf die Thomaskirche im Westen:


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    Die Kreuzung mit der Straßenbahnhaltestelle bietet den letzten Rest an wirklich historischer Architektur in Form eines Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert, früher u. a. "Zur Ketten" genannt und als Brauhaus genutzt.


    Durch Abrisse entstand 1935 ein kleiner Platz, der entsprechend "Place de la Chaîne d'Or" (Platz der goldenen Kette) genannt wurde, seitdem ist dieser kleine Gebäudekomplex direkt von der Straße aus sichtbar:


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    Blick zurück nach Süden, wir sehen hier das "Strasbourg-Building" von 1928, der etwas seltsame Name kommt von der Baugesellschaft gleichen Namens:


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    Der Architekt ist übrigens Charles Wolff - derselbe Architekt, der auch das VOX-Kino schräg gegenüber entworfen hat.


    Anbei noch ein Foto des Gebäudes:


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    Und die Straßenbahnhaltestelle - hier wirkt Straßburg wirklich großstädtisch:


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  • Wir nähern uns nun dem Kleberplatz, bevor die Prachtbauten der unmittelbaren Vorkriegsjahre kommen, sehen wir zuerst noch zwei Nachkriegsgebäude auf der rechten Seite.


    Der unschöne Würfel stammt aus dem Jahr 1969, zuvor stand an dieser Stelle noch kleinteilige historische Bebauung, die aber nicht unbedingt besonders attraktiv wirkte:


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    Das weiße Gebäude im Vordergrund ist das VOX-Kino, dessen Bau bereits 1939 begonnen wurde. Aufgrund der Kriegsereignisse wurde der Rohbau aber erst 1948 fertiggestellt:


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    Auf derselben Seite folgt dann in Richtung Kleberplatz dieses Gebäude, das überraschenderweise aus dem Jahr 1925 stammt, obwohl es sich praktisch nahtlos an das daneben befindliche Gebäude von 1913 anpaßt:


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    Es stammt übrigens vom gebürtigen Straßburger Charles Wolff, dessen bekanntestes Gebäude sicherlich das Palais de l'Esca ist, der charakteristische halbrunde Bau, der schon mehrfach vorgestellt wurde (siehe z. B. Immeuble de l’Esca – STRASUNESCO).


    Gegenüber befindet sich ein spannendes Gebäude, das zum Spätwerk von Gustave Oberthür (1872 - 1965) gehört und in etwa 1926 errichtet und 2016 renoviert wurde.


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    Wie schon erwähnt, wurde ja das Hotel Rothes Haus am Kleberplatz Ende der 60er Jahre abgerissen:


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    Daraufhin wurde der Hotelbetrieb verlegt und das schon zuvor rote Haus bekam auch offiziell die Bezeichnung Maison Rouge (= Rotes Haus). Skurrilerweise trägt der Neubau am Standort des Rothen Hauses ebenfalls die Bezeichnung Maison Rouge, obwohl das Gebäude ja grau ist (hier im Hintergrund zu sehen, das Gebäude im Vordergrund von Louis Grunwald stammt von 1914):


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    Nun haben wir aber endgültig den Kleberplatz erreicht, wo der Große Durchbruch einen Knick um 90° nach Westen macht. Hinter dem Maison Rouge ist hier schon das frühere Kaufhaus Modern zu sehen:


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    Direkt gegenüber befindet sich das Gebäude des früheren Union Theaters, ein von Paul Horn entworfenes Kino, das ebenso wie das Kaufhaus Modern zumindest weitgehend noch vor 1914 fertiggestellt werden konnte:


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    Hier der oben angesprochene Knick, dort beginnt der letzten Abschnitt des Großen Durchbruchs:


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    Zuerst sollen jedoch noch weitere Gebäude am Übergang zwischen beiden Abschnitten vorgestellt werden.

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  • Das Hauptgebäude am Übergang ist sicherlich das Kaufhaus Modern von 1913, ein Gebäude von Krafft und Berninger, das im Wesentlichen zwar vor dem Ersten Weltkrieg erbaut, aber erst ab 1919 tatsächlich in Betrieb genommen wurde.


    Hier der fertiggestellte Rohbau von 1913:


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    In den Kriegsjahren diente es unter anderem als Warenlager, die eigentliche Eröffnung erfolgte dann wie gesagt 1919, entsprechend wurde letztes Jahr auch das offizielle Jubiläum gefeiert:


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    Magmod ist die Abkürzung für "Magasin modern", also die französischen Übersetzung des deutschen Namens.


    Heute trägt es den Namen Galeries Lafayette - wobei dieses Unternehmen übrigens von zwei Elässern 1893 gegründet wurde, und zwar von den Herren Kohn und Bader (letzterer ist auch der Gründer von Monoprix), der Name stammt von der Adresse des Stammhauses in Nähe der Pariser Oper.


    Hier muß ich unbedingt noch Fotos der Hauptfassade nachreichen, aufgrund der Lichtverhältnisse konnte ich nur in Richtung des Kleberplatzes fotografieren:


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    Auf diesem Bild ist noch ein weiteres Gebäude von Paul Horn zu sehen, das direkt an sein Union Theater anschließt, es markiert die neue Eckbebauung des Kleberplatzes:


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    Die Ausfahrt führt übrigens aus der Tiefgarage unter dem Kleberplatz heraus:


    IMG_4388_sil.jpg


    Hier nochmals der Blick zurück - die beiden Bauten von Horn auf der linken Seite und dahinter das oben auch schon angesprochene Gebäude von Charles Wolff, rechts das Kaufhaus Modern:


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  • Unmittelbar hinter dem Kaufhaus Modern folgt ein weiteres Gebäude, das zeitgleich entstanden ist, das Frankenhaus, das von 1913 bis 1914 nach Plänen des Architekturbüros Heß errichtet wurde und seinen Namen von seinem Besitzer bekam - Jean Dern vom Schloßgut Schwanberg in Unterfranken:


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    Hier dasselbe Gebäude aus der Gegenrichtung aufgenommen, das Gebäude im Vordergrund fügt sich zwar harmonisch an, stammt aber vom Architekturbüro Muller und Mossler und wurde gleichzeitig mit dem Frankenhaus 1914 fertiggestellt:


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    Und nochmals beide Gebäude aus der Gegenrichtung, hinter der Querstraße ist schon das Gerberhaus zu sehen, ebenfalls von 1914 und ein weiterer Entwurf von Paul Horn:


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    Hier wurde also die Bebauung weitgehend noch vor Kriegsbeginn abgeschlossen, auf der gegenüberliegenden Nordseite war dies nicht der Fall.


    Das Eckgebäude von Louis Grunwald an der Ecke zum Kleberplatz wurde zwar auch 1914 fertiggestellt:


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    Die restliche Bebauung präsentiert sich hingegen uneinheitlich, am Anfang dieses Abschnitts sehen wir kleinteilige Bebauung, die teilweise bis auf das 16. Jahrhundert zurückgeht, und ein dezent modernes Gebäude von 1936 von Charles Geiger mit den charakteristischen abgerundeten Balkonen:


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    Das Gebäude im Hintergrund an der Querstraße stammt indes wieder von Paul Horn und wurde ungefähr 1912 errichtet:


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    Schräg gegenüber und aus der Nähe fotografiert - das schon oben angesprochene Gerberhaus von Paul Horn:


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  • Merci!


    Für die Kreuzung der Neuen Straße mit dem Gerbergraben (heute: Rue du 22 Novembre und Rue du Fossé des Tanneurs) greife ich auf etwas aktuellere Fotos zurück.


    Hier nochmals das Gerberhaus aus der Nähe:


    IMG_3484_sil.jpg


    Der Name des Gebäudes wird weiterhin auf einer Tafel genannt:


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    Neuerdings gibt es an vielen Orten Schautafeln zu Gebäuden und Architekten, so auch hier:


    IMG_3489_sil.jpg


    IMG_3490_sil.jpg


    Interessantes Detail - gleichzeitig mit dem Gerberhaus errichtete Paul Horn auch dieses annähernd quadratische Gebäude gegenüber, das die Fassadengestaltung des Gerberhauses aufnimmt:


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  • Für Häuser aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ist die Bauweise 'Stahlbeton-Skelettbau mit gemauerter Fassade' nichts Aussergewöhnliches mehr. Für Geschäftshäuser und Fabriken bereits die übliche Bauweise.

  • Ich denke auch, daß diese Art der Bauweise damals bei Großbauten überwog, auch wenn es äußerlich nicht danach aussieht.


    Und da wir gerade beim Thema Beton sind ... ein ebensolches Bauwerk:


    IMG_3488_sil.jpg


    Nicht wirklich attraktiv, aber mit einer interessanten Entstehungsgeschichte, die uns schon zum nächsten Abschnitt des Neuen Straße und den dort tätigen Architekten überleitet - nämlich dem extrem produktiven Duo Otto Zache und Heinrich Backes, beide übrigens ursprünglich "reichsdeutscher" Abstammung, wobei Zache auch nach 1918 weiterhin aktiv blieb.


    Das Areal im Norden der neu angelegten Neuen Straße wurde ja - wie schon erwähnt - im Gegensatz zur Bebauung im Süden vor dem Ende des Ersten Weltkriegs nicht mehr fertiggestellt, abgerissen waren die vorherigen Bauten aber schon:


    zache2.jpg


    Eben an jener Stelle begann Zache 1937 mit dem Bau eines Gebäudes, dessen Bau (vermutlich Geldmangel) jedoch schon 1938 wieder eingestellt wurde, dieses Provisorium hatte bis 1967 Bestand, bis dann das oben abgebildete Gebäude aufgestockt wurde:


    zache1.jpg


    Das aber nur als Kuriosität am Rande und Überleitung zu den nächsten Bauten, die allesamt von Zache und Backes stammen, die als Duo nur zwischen 1905 und 1914 aktiv waren, aber in dieser Zeit extrem viele Projekte realisierten.


    So stammen unter anderem die Gebäude mit den Hausnummern 10, 14, 16 und 26 allesamt von den beiden, am interessantesten ist sicherlich das Gebäude mit der Hausnummer 26:


    IMG_3482_sil.jpg


    Es liegt unmittelbar neben dem Gerberhaus und wurde 1912 errichtet, besonders bemerkenswert ist der Durchgang, der den direkten Zugang zur Tucherstubgasse freigibt:


    IMG_3483_sil.jpg


    Übrigens ist auch an diesem Gebäude noch eine Tafel mit den Namen der Erbauer angebracht, und zwar auf der rechten Seite des Durchgangs (die hellbraune Fläche).

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  • Ach, schau an. Das "Provisorium bis 1967", 37 angefangen und 38 abgebrochen, hätte ich für ein Nachkriegsprovisorium gehalten (naja, irgendwie doch nicht so ganz, die Proportionen der Fenster und des Eingangs sind nicht so richtig 50er-mäßig), weil z.B. in Berlin sehr viele solche einstöckige Läden in die Kriegsbrachen gesetzt wurden seinerzeit.

  • Ja, daran erinnert es auch etwas, zum Glück gab es in diesem Areal jedoch keine Kriegsschäden.


    Wir haben jetzt schon fast das Ende des Großen Durchbruchs bzw. der Neuen Straße erreicht, auf der linken Seite ist bereits die Doppelkirche Alt-Sankt-Peter zu sehen, die bereits in Kirchen in Straßburg beschrieben wurde.


    Hierzu erst einmal ein historisches Fotos der Bebauung an der Nordseite, das zwischen 1934 und 1970 entstanden sein könnte:


    neuestrasserh3.jpg


    1934, weil das Capitole-Kino schon steht, 1970, weil die eher unattraktive Bebauung im Vordergrund noch vorhanden ist, deren Alter ich nicht so recht einschätzen kann (eine Art von Notbebauung?.wirklich historisch wirkt es nicht):


    Angeblich stammen die Aufnahmen von 1959, ob die Gebäude damals wirklich schon abgerissen wurden und die Datierung stimmt, ist mir unklar:


    durchbruchsil2.jpg


    durchbruchsil1.jpg


    Klar ist indes, daß die Neubauung, bestehend aus einer früheren Bank, heute als Hotel genutzt, vom Ende der 60er Jahre stammt:


    IMG_4399_sil.jpg


    Auch das Gebäude des Capitole-Kinos gibt es weiterhin:


    IMG_4400_sil.jpg


    Die verbleibenden Gebäude wurden indes alle noch zu Zeiten des Kaiserreichs geplant und nach originaler Planung fertiggestellt, im Extremfall jedoch erst nach 1918.


    An dieser Stelle einige Fotos, die ich unmittelbar vor der Grenzschließung auf schon weitgehend leeren Straßen aufgenommen habe.


    Hier blicken wir in Richtung Kleberplatz zurück, im Vordergrund rechts das schon oben kurz angesprochene, äußerst repräsentative Gebäude von Zache und Backes, dessen Besonderheit - die beiden Dachbalkone mit grünen Dächern - bestenfalls im Hintergrund schwach zu sehen ist:



    Dasselbe Gebäude nochmals, diesmal in der anderen Richtung, der Standort ist etwas weiter östlich:


    IMG_3495_sil.jpg


    Und noch etwas weiter östlich befindet sich dieses Gebäude, das zeitgleich errichtet wurde - und zwar für den Betreiber des Restaurants Valentin Sorg am Eisernen Mann (heute Namensgeber des dortigen Hochhauses):


    IMG_3494_sil.jpg

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