Ludwig Levy (1854 - 1907)

  • Hier möchte ich noch einen weiteren Architekten kurz vorstellen, der zwar sehr wenig in Straßburg gebaut hat, aber auf den zwei der bekanntesten Gebäude zurückgehen - und zwar Ludwig Levy, nach dessen Entwürfen die beiden Ministeriumsgebäude am Kaiserplatz errichtet wurden.


    Ludwig Levy wurde 1854 in Landau in der Pfalz geboren und studierte an der Technischen Hochschule in Karlsruhe, wo er bereits 1907, also noch vor der Fertigstellung seines zweiten Minsteriumsgebäudes, auch verstarb. Er war als Architekt unter anderem in Frankfurt tätig und arbeitete dort auch mit Paul Wallot zusammen (bekannt durch den Berliner Reichstag - und den Dresden-Fans sicherlich auch durch das Ständehaus),


    Später gründete er ein eigenes Architekturbüro in Kaiserslautern, wurde Professor an der Baugewerkschule Karlsruhe und schließlich auch Baurat in Baden.


    Neben einigen öffentlichen Bauten entwarf er vor allem Sakralgebäude, eine Reihe an protestantischen Kirchen, in erster Linie aber Synagogen - die leider mit einer Ausnahme allesamt 1938 (bzw. in Straßburg und Lothringen 1940) in der NS-Zeit zerstört wurden - diese Ausnahme liegt in La Chaux-de-Fonds in der Schweiz.


    Sein erstes Gebäude in Straßburg war indes eine der wenigen Villen, die er entwarf (die gleichnamige Villa Levy) - danach folgte kurz vor der Jahrhundertwende um 1898 der Bau der Synagoge und fast zeitgleich der Zuschlag für den Bau des Ministeriums West, das dann bis 1902 errichtet wurde.


    Interessanterweise stammt von ihm auch die Villa Böhm in Neustadt an der Weinstraße, die durch Gauleiter Bürckel bewohnt wurde - obwohl Levy ja jüdischer Abstammung war und seine Frau sogar deportiert wurde.

  • Hier nun als erstes ein paar Worte zur Straßburger Synagoge, die ab 1898 anstelle einer Lagerhalle für Getreide (später als Zollamt genutzt) direkt neben der früheren Markthalle am Kleberstaden errichtet wurde - also ziemlich genau dort, wo heute das große Einkaufszentrum Place des Halles steht (und dem Namen nach noch an die alte Markthalle erinnert).


    Hier eine Ansicht der heutigen Bebauung:




    Hier gibt es tatsächlich kaum noch historische Bebauung, zumal auch der alte Bahnhof, der sich hinter der Markthalle befand, ebenso abgerissen wurde wie die frühere Gasanstalt.


    Die Synagoge bot rund 1600 Personen Platz und erinnerte wie viele andere Synagogen der damaligen Zeit an eine Kirche:


    synagoge1.jpg


    Hier sehen wir den Illkanal mit der Kirche St. Johannes im Hintergrund:


    synagoge2.jpg


    Und hier noch ein Foto der Synagoge unmittelbar vor ihrer Zerstörung aus dem Jahr 1939 - sie wurde zuerst angezündet und im Folgejahr gesprengt:


    synagoge3.jpg

  • Hier nochmals der frühere Standort der Synagoge, wo gerade eine kleine Baumaßnahme stattfindet:




    Weitaus interessanter sind jedoch die Fotos am Bauzaun:


    Die zerstörte Synagoge 1941:



    So sah sie zuvor aus:



    Und hier die frühere Ansicht, die Markthalle rechts davon steht nicht mehr, die Johanniskirche dahinter wurde ja wieder aufgebaut. Die Zerstörung der Kirche war wohl ein Zufallstreffer, die Bebauung in der Umgebung blieb offensichtlich erhalten:


  • Hier nun die beiden Ministerien von Levy direkt am Kaiserplatz, die durch die Hauptsichtachse der Neustadt, die Kaiser-Friedrich-Straße, voneinander getrennt werden.


    Dabei handelt es sich um das ältere Ministerium West, das bereits um die Jahrhundertwende herum entstand (1899 - 1902) und heute französische Finanzbehörden beherbergt, und um das Ministerium Ost, das letzte Verwaltungsgebäude der Neustadt, das noch vor dem Ersten Weltkrieg (1907 - 1911) errichtet wurde und in dem sich heute die Präfektur befindet.


    Beide Gebäude sind sich relativ ähnlich, Levy hatte 1898 den Fassadenwettbewerb für das Ministerium West gewonnen und wurde 1907 auch mit dem zweiten Gebäude östlich davon beauftragt. Aufgrund seines Todes bereits im Jahr 1907 wurde das Gebäude dann durch den Bauinspektor Schütz in Zusammenarbeit mit lokalen Architekten realisiert.


    Bemerkenswert ist der Fassadenschmuck, am Ministerium West stammt er von Johannes Rieger, am Ministerium Ost vom vielgeschäftigten Bildhauer Alfred Marzolff (der sicherlich einen eigenen Eintrag verdient hätte).


    Hier nun die Fotos:


    Das Ministerium West mit dem Kaiserpalast am linken Rand:



    Das Ministerium Ost:



    Ministerium West mit der Kaiser-Friedrich-Straße:




    Und vom selben Standort aus noch das Ministerium Ost: