Samuel Werner (1720 - 1775) und sein Lehrmeister Jean Pierre Pflug (1676-1748)

  • Samuel Werner ist im Jahr 1720 in Straßburg geboren und absolvierte eine Ausbildung als Maurer und Steinmetz bei Jean Pierre Pflug - einem aus Forchheim stammenden Maurermeister, der "Werckmeister des Maurhoffs" und später "Lohnherr" wurde.


    Damals gehörte Straßburg zwar schon zu Frankreich, behielt aber im Wesentlichen seine Selbstverwaltung bei, dies änderte sich erst im Anschluß an die Französische Revolution - entsprechend waren die Bezeichnungen der einzelnen Funktionen nicht überregional standardisiert und sind auch heutiger Sicht auch nicht ganz einfach nachzuvollziehen. Beim "Werckmeister" handelte es sich wohl um eine Art obersten Inspektor des Bauwesens in Straßburg (siehe hier), der "Lohnherr" (oder "Lohner") war hingegen offensichtlich für die Vergabe öffentlicher Bauaufträge zuständig.


    Werner übernahm nach dem Tod von Pflug 1748 dessen Funktionen als Werckmeister und Lohnherr und konnte 1757 seine Position noch weiter ausbauen, als ihm der neu geschaffene Posten des "Bau-Inspectors" übertragen wurde, mit dem der frühere Posten des Lohnherrs ersetzt wurde.


    In Ermangelung von näheren biographischen Informationen zu Pflug werde ich einige seiner Bauten auch in diesem Strang kurz vorstellen, wer sich für deutschsprachige Originaltexte aus der damaligen Zeit interessiert, findet diese z. B. in Maisons de Strasbourg


    Alle Bauten beider Architekten entstanden übrigens in Straßburg und unmittelbarer Umgebung (Schiltigheim, Illkirch-Graffenstaden) - die bedeutendsten Gebäude sind sicherlich das Konsisitoriumsgebäude von Werner (gleich neben der Thomaskirche) und das Hauptgebäude des Straßburger Bürgerspitals von Pflug.

  • Kommen wir nun zum ersten Gebäude, nämlich dem angesprochenen Bürgerspital von Pflug. Nach einem verheerenden Brand des früheren Krankenhauses im Jahr 1716 wurde die Entscheidung zum Neubau an selber Stelle getroffen.


    Die Arbeiten begannen 1717 zuerst unter dem Stadtlohnherr François-Rodolphe Mollinger in einer ersten Phase bis 1725, danach erfolgten die weiteren Bauabschnitte nach Westen und Norden bis 1741 unter Pflug.


    Das Bürgerspital stellte die südliche Stadtgrenze von Straßburg dar, erst ab 1871 erfolgte ein weiterer Ausbau des Areals nach Süden mit diversen gründerzeitlichen Erweiterungsgebäuden. Auch heute wird das Areal weiter ausgebaut, mit dem riesigen Neubau des Nouveau Hôpital Civil im Westen sowie aktuell errichteten Erweiterungsgebäude nördlich des Bürgerspitals.


    Hier die Ansicht von Osten:


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    Man beachte die leicht geschwungene Form, die der früheren Stadtbefestigung folgte:


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    Die Abmessungen sind ziemlich gigantisch mit einer Länge von über 150 Meter, dahinter kommt noch die Katholische Kapelle:


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    Hier die Ansicht mit dem Spitaltor, dem einzigen erhaltenen Tor der Stadtbefestigung:


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    Die bisherigen Ansichten zeigten alle die Südfassade, hier die Nordfassade, links sind schon die ersten Neubauten in einem eigenartigen braunen Farbton zu sehen:


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    Generell ist der bauliche Zustand der Altbauten im Umfeld nicht der beste ... abschließend noch eine Ansicht mit dem Turm des Münsters ganz links, bei der Kapelle im Vordergrund rechts (deren Turm kaum noch zu sehen ist) handelt es sich um die Katholische Kapelle des Bürgerspitals, erst Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet, 1871 zerstört und kurz danach wieder rekonstruiert:


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  • Ein weiteres Gebäude, das von Pflug nach Vorplanung durch französische Architekten fertiggestellt wurde, ist das Hôtel de Klinglin, das von 1730 bis 1736 im Umfeld des Broglieplatzes errichtet wurde.


    Benannt ist dieser Stadtpalast nach dem königlichen Prätor François-Joseph de Klinglin, der in allerlei dubiose Geschäfte verwickelt war - so erhielt er das Grundstück für den Bau dieses Gebäudes für eine sehr geringe Summe und verkaufte es danach wieder an die Stadt Straßburg zurück (verbunden mit der Verpflichtung, ihn darin wohnen zu lassen). Nach geheimen Untersuchungen zu diversen Verfehlungen wurde er schließlich 1752 festgenommen und starb ein Jahr später als Häftling in der Straßburger Zitadelle ...


    Das Gebäude wurde 1870 weitgehend zerstört inkl. des Verlusts aller Innenräume und danach unter der Leitung von Jean Geoffroy Conrath (1824-1892) geringfügig verändert wieder aufgebaut. Danach diente es als Sitz des deutschen Statthalters ("Statthalterpalais") und als zeitweiser Aufenthaltsort des deutschen Kaisers bei dessen Besuchen bis zur Fertigstellung des Kaiserpalasts.


    Heute wird das Gebäude als Sitz des Präfekten genutzt und ist daher auch nur von einer Seite aus sichtbar - der Innenhof kann nicht besichtigt werden, außerdem ist eine Scheibe aus schußsicherem Glas am Zaun angebracht.


    Ansicht von der Ill aus:


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