Nancy - Teil 1: Die Altstadt (Lothringen, Galerie)

  • Beginnen wir nun mit den Galerien zu Nancy.

    Als Erstes wird die eher kleine Altstadt vorgestellt:



    Bevor wir mit der Entdeckungstour beginnen, ein wenig Geschichte: die Stadt Nancy, zu deutsch auch früher Nanzig, ist wesentlich jünger als Metz. Erst 1050, wo Metz schon längst zu einer Bischofsstadt sich etabliert hatte, ist die Burg "Nanciacum" des lothringer Herzogs Graf Gerhard errichtet worden. Schritt für Schritt ist um diese Burg eine Besiedelung entstanden, die 1265 Stadtrechte erhielt. Später wurde die Stadt dann Hauptstadt des Herzogtums Lothringens, welches vom 9. Jahrhundert an Teil des Heilgen römischen Reiches deutscher Nation war. Am 5. Januar 1477 versuchte der Burgunder Karl der Kühne Nancy in einer Schlacht zu erobern. Er scheiterte damit. Bei einem Sieg hätte es eine komplett andere europäische Geschichte gegeben: das Burgunderreich hätte dann von der Nordsee bis ins Jura einen Poller darstellen können und somit wäre wohl Frankreichs spätere Eroberungspolitk an den Rhein unmöglich geworden! Unter den lothringischen Herzögen Anton und vorallem Karl III blühte die Stadt auf: unter Letzterem wurde Anfang des 17. Jahrhunderts die Neustadt gebaut. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt und die Region stark verwüstet. Der Kupferstecher Jacques Callot hat dies dokumentiert, Nanzig wurde von französischen Truppen oft heimgesucht und besetzt. 1737 wurde dann Lothringen getauscht mit der Toskana, der Herzog musste dort hinziehen und sein Hof. Anstelle von ihm ist der Polenkönig Stanislaus Leszczyński der Herrscher geworden . Er ließ den berühmten Place Stanislas errichten. Nach seinem Tod 1766 wurde die Stadt und das Herzogtum dann endgültig an Frankreich einverleibt.

    Um 1900 wurde die Stadt dann zu einem wichtigen Zentrum des französischen Jugendstils, "Art nouveau" genannt.


    Nun aber zu den Bildern. Den Anfang macht der lothringer Herzogspalast, der von 1502 bis 1512 im spätgotischen Stil mit Renaissanceelementen errichtet wurde unter den Herzögen René II und Antoine/ Anton von Lothringen:



    Sehr prunkvoll und fantasiereich der Haupteingang:





    Vom Stil her ist es sehr ähnlich an das Château de Blois an der Loire:



    Über dem Reiter, das Wappen des Herzogtum Lothringens:



  • Seit 1840 steht das Gebäude unter Denkmalschutz "monument historique". 8 Jahre später, 1848, ist das lothringische Museum / musée lorrain hier eingezogen:


    Die Rückseite zum Garten zu mit klassizistischen Flügel:




    Anschließend der spätgotische Teil:




    Mit dem Gesims erinnert er aber mehr an die Renaissance:





  • Dieser Teil beherbergt auch einen Arkadengang mit spätgotischen Gewölbe:




    Sehr interessant die Architektur mit den "gargouilles" den Wasserspeiern, die man eher an Kirchen und Kathedralen dieser Zeit findet:





    Der Gang selbst erinnert schon mehr an einen Kreuzgang:




  • Noch ein paar Fotos vom imposanten Gewölbe.


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    Gegenüber, auf der anderen Seite des Hofes, befindet sich ein eher schlichter Gebäudekomplex, wohl spätes 19. Jahhrundert:


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    Das Portal ist älter (17-18. Jh.):


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    Dieser Bau wird abgerissen für einen modernitischen, sehr unpassenden neuen Empfangsbereich des Museums, wie die folgenden Fotos und Visualisierungen zeigen:


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    Wenigstens das rechts anschließende Gartenpavillon mit Brunnen bleibt erhalten:


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    Mehr Informationen zum Projekt: Le palais en chantier - Visitez le Musée lorrain à Nancy


    Es gibt aber auch Widerstand dagegen:

    https://www.facebook.com/aprn-nancy-rayonnement-2358660354358342/?fref=pb&hc_location=profile_browser


    Edition de Nancy Ville | Un recours engagé contre le chantier du Musée Lorrain

  • Auch wenn der schlichte Bau des 19. Jahrhunderts bis auf dem aelteren Portal wahrlich nichts Besonderes ist, ist dessen (geplanten) Abriss dennoch sehr bedauerlich, denn heute kann leider kein einziger Architekt so ein Ensemble noch sinnvoll ergaenzen!

  • Befassen wir uns nun mit den einfachen, mehrstöckigen Bürgerbauten in der Altstadt. Diese stammen meist aus der Renaissancezeit, also vom 16-17. Jahrhundert. Doch manche haben auch einen spätgotischen Kern. Meist gehen die durchschnittlichen Altstadthäuser in Nancy in die Tiefe des Grunstücks, das heißt, mit langen, schmalen Hausfluren und Durchgängen gelangt man zum Innenhof, der oft wie in Nürnberg mit Galerien, Wendeltreppen, etc... "geschmückt" sind.

    Anders als in Metz ist die Altstadt von der Fläche aber winzig. Es domoniert zudem auch ein völlig anderer Baustein, nämlich der weiße Kalkstein (von Euville)


    Beginnen wir unseren Rundgang in der Hauptstraße Grande Rue, gegenüber vom lothringischen Herzogspalast:



    An der Ecke zur Rue St. Michel, dieses bemerkenswerte, im Kern spätgotische Haus mit Erker:






    Schräg gegenüber, neben dem Herzogspalast, die spätgotische Franziskaner-Barfüßerkirche St. Francois des Cordeliers, 1482-87 errichtet jetzt ebenfalls Teil des lothringischen Museums:




    Das Innere:


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  • Besonders sehenswert ist die Ausstattung der Kirche:


    Das letzte Abendmahl:



    Das 6 Meter hohe Grabmal des lothringischen Herzogs René II :


    Beeindruckend ist auch die Seitenkappelle, ein zentralistischer Kuppelbau aus der Renaissancezeit:

    Sie gehört heute noch zum Hause Habsburg, da die Lothringer sich seit dem 18. Jahrhundert mit den Östereichern liiert haben Ein sehr berühmtes Ergebnis dieser ehelichen Vereinigung ist der berühmte Kaiser Franz Joseph I.. Noch der Kaiser Otto von Habsburg hieß mit Zusatz "von Lothringen" und heiratete sogar seine Frau Regina Prinzessin von Sachsen-Meiningen. in dieser Kirche hier in Nancy 1951!






  • Wieder zurück zur Hauptstraße mit ihren Renaissancehäusern:


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    An der Ecke zur Rue de Guise, die Apotheke:


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    Die Nr. 92 das ehem. Hôtel de Chastenoy aus dem 16. Jh. mit prächtigen Renaissanceportal:


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    In der Rue du Petit Bourgeois hat man interessante Einblicke in die Hinterhöfe:


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  • Die Porte de la Craffe, schon von guilio gezeigt, ist das einzigste erhaltene mittelalterliche Stadttor der Altstadt. Es wurde 1436 errichtet:



    Dahinter steht ein neuzeitliches Außentor von 1615:




    Über die kurze Rue de la Citadelle gelangt man zur Porte de la Citadelle von 1598. Die Skultpuren zur Feldseite sind spätere Zutaten des 19. Jh.




    Nun geht es zurück in die Altstadt. Wir schauen uns nun genauer die Seitengassen an. In der oberen Rue du Petit Bourgeois:



    ein recht interessanter Erker, der schräg aus dem Gebäude herauskommt...




  • Nördlich davon, die Rue du Haut-Bourgeois mit Adelspalais des 18. Jh.






    Versteckt in einem Innenhof, ein hübscher ehem Renaissance-Wandbrunnen;



    In der Rue des Loups das barocke Hôtel des Loups (Wolfstadthaus) aus dem 18. Jahrhundert. Am Eingang sind sogar Wölfe angebracht:





  • In der Rue St- Michel stehen einige interessante Renaissancehäuser:



    Über die kleine Rue St. Èpvre werfen wir einen Blick auf die gleichnamige, neogotische Kirche:



    Nochmal in der Rue St. Michel:




    An der Ecke zur Rue Monseigneur Trouillet, das prächtige Hôtel de Haussonville, 1545-52 errichtet. Ursprünglich zwei getrennte Häuser, die dann verbunden wurden:




    In der Rue Trouillet befindet sich der wundervolle Innenhof mit Galerien:



  • Noch ein paar Fotos davon. Heute befindet sich in dem einstigen Hôtel particulier (Adelsresidenz in Innenstadtlagw) ein wirklich Hotel mit 4 Sternen!





    Zur Rue St. Michel zeigt sich das Anwesen aber wieder typisch im eher strengen, französischen Renaissancestil:




    Die Nachbarhäuser wohl ebenfalls ehem. Stadtpalais mit großen Einfahrtstoren:





    Biegen wir nun links in die Rue de la source:


  • Hier befinden sich mehrere Renaissance und Barpckhäuser wie zb die Nr. 39 aus dem 16. Jh.. (rechts im bild) und sein linker Nachbar, Nr. 37 aus dem 18. Jh.




    Nr. 29 aus der zweiten Hälfte des 16 jahrhunderts:



    An der Ecke zur Rue du Cheval Blanc, dieses stattliche Renaissancepalais, das Hôtel de Lillebonne wohl 17. jh. jetzt Jugendzentrum:





    Nun verbreitet sich die Rue de la Source zu einem Platz mit Stadthäusern des 18. Jahrhunderts:




    In der Rue du Cheval blanc gibt es noch einige Renaissancehäuser:






  • Auch die Nachbargasse, die Rue de la Charité, kann einige Renaissancehäuser vorzeigen.



    Nr. 14, Ende 16. Jahrhundert;




    Nr. 18, das Hôtel de Lemoncourt im Kernb älter, Portale des 18. Jh. Die hellen Farben und die Bauweise machen einen sehr mediterranen Eindruck:



    Die Gasse führt zum Place St. Epvre (zu deutsch: St. Aper-Platz):





    Er ist nach der Kirche St. Epvre / St. Aper benannt. Aper war ein Bischof von Toul, zu dem Nancy im Mittelalter gehört hatte:

    Die heutige Kirche selbst ist ein neogotischer Bau. Der Vorgänger war eine kleine gotische Kirche von 1436-51, die selbst ein Nachfolger eines ersten Gotteshauses von 1080 ist. Hier ein Stich dieser zweiten mittelalterlichen Kirche:



    Die heutige Kirche stammt von Prosper Morey und wurde 1864-74 erbaut:



    2012 hat hier sogar Christoph von Habsburg-Lothringen geheiratet!


  • Südlich von der Kirche befindet sich der Place du Colonel Fabien:



    Im Hintergrund das Hôtel de Ludres oder de Custines aus dem 18. Jh.




    An der Rue Lafayette dieses Stadtpalais des späten 18. Jahrhunderts:






    Anschließend, ein weiteres Stadthaus:



    An der Kreuzung mit der Rue Callot/ Rue Rue de la Monnaie, der Place Callot ein Reiterdenkmal der Jeanne d'Arc von 1890:


  • Die Rue de la Monnaie mit dem Hôtel de la monnaie (Münze) aus dem 18. Jh. jetzt Département-Archiv:



    Rue Callot;



    Östlich von der Kirche St. Epvre befindet sich die Rue Pierre Gringoire, später Rue du maure qui trompe (Zu deutsch: Straße des betrügenden Maurens ^^), einige Häuser der Renaissancezeit und ältere:





    Hier sind sogar gotische Fenster eingebaut!




    Ein Blick in die Rue du Moulin:






  • Diese Straße mündet nun in die untere Hauptstraße, der grande Rue. Vom Anfang bis zum Herzogspalast gibt es noch einige in teressante Gebäude zu entdecken.


    Ecke zur Rue des Maréchaux:


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    Nr. 5 mit Renaissance-Doppelportal:




    An der Ecke zur Rue Carnot, die Nr. 7 aus dem 16. Jahrhundert mit stadtbildprägenden Erker. Es war das Haus des Hofmalers Médard Chuppin;




    Sehr rar für frankophone Städte diese Eckerker. Eigentlich was eher Deutsches! (ielleicht der damalige Einfluss des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation):




  • Die Nr. 13 an der Ecke zur Rue du Maure qui trompe, aus dem 16. Jh.






    Nr 14:


    Nr. 23 mit reich verzierter Fassade, ein Teil des Hôtel de Lignéville, 16-17 Jh.



    Nr. 31, Haus der Goldschmiede Vallée, https://de.wikipedia.org/wiki/jacques_callot



    An der Ecke zur Rue du duc Antoine, das Geburtshaus von Jacques Callot ebenfalls 16-17 Jh.



    Nun haben wir unseren Rundgang durch die Altstadt vollendet. An dem alten Herzogspalast kündigen diese Kolonnaden, die die Place de la carrière begrenzen, die Stadterweiterung an, die ich euch als Nächstes vorstelle:



    --- Ende ---