Teil 3 - von der Universität über den Arnoldplatz zur Orangerie

  • Hier verlassen wir den südlichen Teil der Altstadt und begeben uns in den östlichen Teil der Neustadt, der vor 1918 nur noch teilweise bebaut werden konnte - vor allem erfolgte die Bebauung in der Umgebung der neu gegründeten und erbauten Reichsuniversität, aber auch in der Umgebung der zahlreichen Kasernen im östlichen Teil des Fünfzehnerwörth, die im Zuge der Neubauung des Areals (Hochhausviertel Esplanade ...) abgerissen wurden.


    Allgemeine Informationen zum Fünfzehnerwörth oder Conseil des XV gibt es hier: Einführung in das Stadtviertel Fünfzehnerwörth/Conseil des XV - heute ist der Bezirk organisatorisch aufgeteilt, der Norden wird nach dem gleichnamigen Park als "Orangerie" bezeichnet


    Und auch ein Blick in Historische Stadtpläne kann sicherlich nicht schaden - besonders interessant ist hier der mittlere Stadtplan mit der ursprünglichen Planung (erster Beitrag) und der Stadtplan weiter unten mit der Bezeichnung "Strassburg mit Vororten" - der gibt ziemlich genau die dann tatsächlich umgesetzte Struktur des Viertels mit der (fast) kompletten Bebauung vor 1918 wieder.


    Es gibt viele reizvolle Möglichkeiten, um von der Universität an den Arnoldplatz zu gelangen - direkt über das Universitätsgelände (siehe Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 5, von der Paulskirche rund um die alte Reichsuniversität wieder zurück an die Ill), parallel dazu über den monumentalen Nikolausring (mit dem Jugendstilbad als Höhepunkt) oder entlang der Goethestraße mit ihren Villen ... hier soll aber die Schwarzwaldstraße gewählt werden, da aus Zeitgründen im Rahmen dieses Rundgangs der Rest dieser monumentalen Hauptverkehrsachse der Neustadt nicht besichtigt werden kann.


    Auch hier zunächst zwei Übersichtskarten, einmal von 1910 - die Grenzen der Bebauung stimmen weitgehend mit dem Zustand von 1918 überein, da die ganz große Bautätigkeit zu diesem Zeitpunkt schon abgeflaut war (nach Norden und Osten kamen noch einige Gebäude hinzu):


    strasfunfsil.jpg


    Und eine OSM-Karte von heute - die Bebauung der deutschen Zeit ist sicherlich zu gut 95 % erhalten, bis in die Nachkriegszeit wurde das Viertel dann vollständig bebaut, vieleorts als harmonische Erweiterung der vorhandenen Bebauung und vor allem gemäß der deutschen Planung des Straßennetzes (was durchaus nicht selbstverständlich ist, da in weiten Teilen noch nichts stand):


    strasfunfosm.jpg


    Hier hier noch die passende 3D-Visualisierung: 3D-Modelle zu Straßburg in Google Earth

  • Wir begeben uns daher etwas weiter nach Norden zum Sebastian Brant Platz - und ignorieren die unschöne Bebauung auf der einen Seite ... :wink: ... und blicken lieber in Richtung Elsässer Straße und Vogenstraße - die Straße ist ja immer dieselbe, nur der Name ändert sich (auch heute noch):


    IMG_3911_sil.jpg


    Die Eckbebauung in Form der Villa Back wurde schon vorgestellt: Bedeutende Bauten in Straßburg (1871 bis 1960)


    IMG_3909_sil.jpg

    Hier die in Richtung der heutigen EU-Institutionen führende "Ruprechtsauer Allee" (heute: Robertsau), nicht flächendeckend perfekt, aber dennoch einen Abstecher wert - mit aufgelockerter Bebauung auf der linken und zu Anfang Blockrandbebauung aus der Gründerzeit auf der rechten Seite. Impressionen zu dieser sehr sehenswerten Straße gibt es in Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 9, Rundgang durch den Westen des Stadtviertels Fünfzehnerwörth


    Hier ein kurzer Einblick:


    IMG_3907_sil.jpg


    Wir gehen daher die Schwarzwaldstraße in Richtung Osten weiter, wo die Katholische Garnisonkirche zu sehen ist:


    IMG_3912_sil.jpg


    IMG_3815_sil.jpg


    Das mehrfach erweiterte Archivgebäude wurde auch schon vorgestellt, und zwar in Bedeutende Bauten in Straßburg (1871 bis 1960) - eine gewisse Doppelung ist in diesem Abschnitt nicht zu vermeiden:


    IMG_3916_sil.jpg


    Somit erreichen wir schon die Katholische Garnisonkirche St. Mauritius am Arnoldplatz - für mich einer der bemerkenswertesten Straßburger Plätze (und garantiert ohne Touristen):


    IMG_3919_sil.jpg


    Der Platz markiert das östliche Ende der geschlossenen Bebauung aus der deutschen Epoche vor 1918 - und die Straßenführung überrascht hier durch einen Knick in Richtung des früheren Kehler Tors.


    Darin kommt wohl der Einfluß des österreichischen Architekten und Städteplaners Camillo Sitte zum Ausdruck, nicht nur in der Abkehr vom rechteckigen Stadtgrundriß (vgl. frühere Planungen mit der jetzigen Anlage der ringförmigen Straßenführung am Antwerpener Ring und der Schweighauser Straße - siehe obigen Stadtplan), sondern auch eben in diesen Knick am Arnoldplatz, in dem alle von Sitte vorgesehenen Gestaltungselemente zusammenkommen:


    • die Stadt wird gegliedert, Stadträume entstehen (durch die Straßenführung)
    • die vorgesehene städtebauliche Dominante ist vorhanden (die Kirche)
    • es gibt die von Sitte vorgesehene Grünanlage (nämlich den Botantischen Garten)
    • und das Gartenmotiv wird jenseits der Straße wieder aufgegriffen - in Form einer speziellen Vorgartenverordnung - so ist nicht nur die Schwarzwaldstraße bis zum Arnoldplatz begrünt, sondern auch die Verbindungsstraße vom Arnoldplatz zum Antwerpener Ring - die Ludwigshafener Straße

    Eine Reihe von Platzimpressionen gibt es unter Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 9, Rundgang durch den Westen des Stadtviertels Fünfzehnerwörth - hier nur noch ein Foto des dort angesprochenen früheren Pharmazeutischen Instituts (vgl. Teil 2 dieses Rundgangs - das frühere Institut wurde zur Erweiterung der Kunstgewerbeschule in Krutenau genutzt):


    IMG_3921_sil.jpg


    In der Umgebung des Platzes gibt es architektonisch viel zu entdecken:


    Die prächtige Bebauung entlang der Sternwartstraße, die den Universitätscampus nach Osten hin abschließt, die ich bereits in Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 5, von der Paulskirche rund um die alte Reichsuniversität wieder zurück an die Ill gezeigt habe.


    Die nahen Gebäude des sozialen Wohnungsbaus aus dem Zeitraum von etwa 1900 bis 1930, der monumental angelegte Kölner Ring (auf dem Stadtplan oben nur als "Ring" eingezeichnet, unten rechts neben dem Proviantamt) - und natürlich die gründerzeitliche Bebauung in Norden des Platzes, die im Folgenden vorgestellt werden soll.

  • Nachdem gerade die Theorie in Stadtentwicklung Straßburg 1880 bis 2016 in Übersichtskarten besprochen wurde, kommen wir nun zur praktischen Umsetzung dieser Bebauungspläne.


    Bevor es weiter Richtung Norden zur Orangerie geht, soll die Gegend etwas weiter östlich erkundet werden. Hier gibt es an der Kreuzung Schwarzwaldstraße/Kölner Ring herausragende Beispiele für den sozialen Wohnungsbau der Zwischenkriegsjahre, hier Bauten von Mitte der 20er Jahre von Paul Dopff (Eckgebäude) und gleich daneben ein Bau von 1911 der Gebrüder Bürkle:


    IMG_3922_sil.jpg


    Und gegenüber aus den 30er Jahren von Emile Deuchler:


    IMG_3923_sil.jpg


    IMG_3924_sil.jpg


    Blick auf den Kölner Ring nach Norden,


    IMG_3925_sil.jpg


    Das frühere Proviantamt direkt an der Einmündung in die Schwarzwaldstraße, nördlich davon wird die Bebauung immer neuer, der breite Mittelstreifen wird als Parkplatz/Wochenmarkt genutzt:


    IMG_3926_sil.jpg


    IMG_3927_sil.jpg


    Geht man die Schwarzwaldstraße wieder zum Arnoldplatz zurück, so stammen die Häuser direkt an der Straße meist aus der Zeit vor 1918, die Bebauung der Seitenstraßen ist neueren Datums, passt sich aber einigermaßen der vorhandenen Bebauung an.


    Ein Musterbeispiel hierfür sehen wir hier am Anfang der Speyerer Straße (Rue de l'Argonne), das Eckgebäude stammt von 1905 (oben im Stadtplan schraffiert), das angrenzende Gebäude von 1955, weiter im Norden kommen dann wieder ältere Gebäude (ebenfalls schraffiert) - insgesamt entsteht aber ein einigermaßen harmonischer Gesamteindruck.


    Das Eckhaus:


    IMG_3929_sil.jpg


    Und hier der Blick in die Speyerer Straße, das etwas niedrigere Gebäude mit der Hausnummer 8 im Hintergrund stammt übrigens von Siegfried Simmonds von 1914, einem speziell in diesem Viertel sehr aktiven Architekten und Bauunternehmer:


    IMG_3928_sil.jpg


    Von hier aus nun aber wieder zurück zum Arnoldplatz und von dort aus nach Norden. Hier nochmals der Platz, der etwas unschöne weiße Würfel wurde vor knapp einem Jahr fertiggestellt:


    IMG_3930_sil.jpg


    Hier die Gründerzeitbebauung, die noch kurz vor dem 1. Weltkrieg fertiggestellt werden konnte, hier die Mannheimer befindet sich links, die St. Mauritius Straße rechts:


    IMG_3931_sil.jpg


    IMG_3932_sil.jpg

  • Hier geht es nun die Mannheimer Straße weiter nach Norden, die Bebauung stammt überwiegend aus der Zeit vor 1906, erst direkt am Antwerpener Ring ist die Bebauung aus der letzten Bebauungsphase der deutschen Epoche:




    Die sehenswerte und gepflegte Bebauung zieht sich hier bis zur Ill parallel zur Schwarzwaldstraße:



    Hier sehen wir nun schon den Antwerpener Ring, der Blick fällt nach Westen auf eine Villa von 1906 (die 1991 abgerissen werden sollte, was zum Glück im Gegensatz zu den gegenüberliegenden Gebäuden verhindert werden konnte):



    Die komplette Bebauung auf der linken Seite stammt aus der Zeit kurz vor dem 1. Weltkrieg, hier sind - ebenso wie an der Sternwartstraße - zwei Architekten bzw. Bauunternehmer zu nennen, die viele dieser Gebäude errichteten:


    Siegfried Simmons (siehe oben) und Edmund Kern, wobei letzterer auch in der Sternwartstraße wohnte.


  • Von hier aus geht es nun weiter nach Norden, die Bebauung lehnt sich stilistisch an die Gründerzeit an, ist aber neueren Datums - und wurde schon in Bedeutende Bauten in Straßburg (1871 bis 1960) thematisiert.


    Daher nur noch zwei Fotos des dort beschriebenen Gymnasiums St. Clotilde und der Umgebung;


    IMG_3938_sil.jpg


    IMG_3941_sil.jpg


    Unmittelbar nördlich davon beginnt dann das bereits angesprochene Villenviertel. Die meisten Gebäude stammen aus der Zeit nach 1918, gleich das Auftaktgebäude auf der rechten Seite stellt aber eine Ausnahme dar - das Gebäude wurde von 1912 bis 1917 für den Unternehmer Julius Oppenheimer von einem Berliner Architekten erbaut. Oppenheimer wurde 1920 ausgewiesen, heute befindet sich darin die dauerhafte Vertretung Frankreichs beim Europarat:


    IMG_3943_sil.jpg


    Durch aufgelockerte Villenbebauung geht es nun weiter zur Orangerie:


    IMG_3942_sil.jpg


    IMG_3944_sil.jpg


    IMG_3945_sil.jpg


    Schon wenige hundert Meter weiter nördlich kommt auch schon der Park der Orangerie, wo das Nachkriegsgebäude Bowling de l'Orangerie zu sehen ist:


    IMG_3947_sil.jpg


    IMG_3948_sil.jpg


    Blick auf den Park, der gestalterisch zweigeteilt ist: Der westliche Abschnitt ist deutlich älter und etwa ab 1740 entstanden, er präsentiert sich deutlich schlichter als der östliche Teil, der erst 1895 für die Industrie- und Gewerbeausstellung gebaut wurde und künstliche Seen, Hügel und Grotten mit Wasserfall aufweist.


    IMG_3949_sil.jpg


    Im westlichen Teil befindet sich der Pavillon Joséphine von 1804 bzw. dessen Rekonstruktion von 1968 nach einem verheerenden Brand:


    IMG_3950_sil.jpg


    IMG_3951_sil.jpg


    IMG_3952_sil.jpg


    Im Hintergrund ist nun schon das Gebäude des Europarats zu sehen, was zu Teil 4 überleitet - hier werden kurz Eindrücke von den diversen Bauten der europäischen Institute gezeigt, bevor es über die Gartenstadt gleich daneben wieder zurück ins Zentrum geht.


    IMG_3953_sil.jpg