Teil 2 - von Krutenau zur Universität

  • Auch hier zu Beginn eine kleine Kartenübersicht, einmal der Stadtplan von 1910:



    Hier erkennen wir, daß das heutige Schweizerviertel aus dem vorherigen Beitrag noch fehlt - südlich der Züricher Straße endete die Bebauung aufgrund des dortigen Militärgeländes bzw. der Kaserne. Außerdem fällt auf, daß die Neugestaltung im Umfeld der Magdalenenkirche noch nicht eingezeichnet ist - der Vorgängerbau war ja 1904 abgebrannt, der Neubau hingegen erst 1912 vollendet.


    Und hier die heutige OSM-Karte:



    Ausgangspunkt dieser Tour ist einfach der Endpunkt von Teil 1, der heutige Place d'Austerlitz und frühere Metzgerplatz. An dessen nordöstlichem Rand führt eine kleine Gasse, die Waisengasse nach Osten:



    Dort folgt dann der Waisenplatz, der noch vor ganz nicht so langer Zeit als Parkplatz genutzt wurde, aber von der Umgestaltung mit Bäumen sehr profitiert - für mich der schönste Altstadtplatz außerhalb der Altstadtinsel:



    Die Häuserreihe auf der rechten Seite markierte bis Anfang des 20. Jahrhunderts übrigens den südlichen Stadtrand von Straßburg:



    Das namensgebende Waisenhaus befand sich übrigens noch etwas weiter östlich und brannte gemeinsam mit der oben genannten Kirche sowie Teilen eines früher dort befindlichen Klosters ab.


    Von hier aus geht es nun nach Norden in ein Viertel, das ich als "kleinteiliges" Krutenau bezeichnet hatte, weil hier kleinteilige historische Bebauung dominiert. Daher biegen wir gleich am Waisenplatz nach Norden ab und sehen nun schon eines der Highlights des Viertels:



    Dabei handelt es sich um das frühere Hôtel Hammerer, einen Bau des Architekten Jean-Laurent Goetz von 1760, der ursprünglich aus Hessen stammte und vor allem für die Südseite des Straßburger Münsters bekannt ist, dessen Baustelle er von 1763 bis 1785 leitete.


    Das Gebäude wurde Ende der 1980er-Jahre saniert und dient heute als École primaire (also gewissermaßen "Grundschule") des Collège épiscopal Saint-Étienne, einer katholischen Privatschule unter Federführung des Straßburger Bischofs - deren weiterführender Zweig (École secondaire) übrigens heute auch schon gezeigt wurde - dabei handelt es sich um das "Katholische Gymnasium" an der Stephanskirche (Stephan = Étienne, siehe Vom Münster über die südöstliche Altstadt zum Broglieplatz).


    Hier nun weitere Gebäudeansichten:




    Und noch von hinten:



    Gleich daneben findet sich ein kurioses Gebäude:




    Dies ist die Tiefgaragenzufahrt des aufwendig sanierten Luxushotels "Rabenhof" oder "Cour du Corbeau" aus dem Jahr 1538, das vor rund 10 Jahren für fast 20 Mio. Euro rundum erneuert wurde. An Stelle der Zufahrt befand sich wohl ein nicht besonders wertvolles Gebäude von Anfang des 20. Jahrhunderts.


    Noch etwas weiter nach Norden sind wir schon wieder an der Ill angekommen, mit dem Blick auf das heutige Stadtmuseum:



    Und den rekonstruierten Alten Zoll:


    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Von hier aus wenden wir uns nun nach links und erblicken diesen Durchgang:



    Dahinter befindet sich gut versteckt der Rabenhof, dessen Geschichte hier ausführlich beschrieben wird. Wer es sich leisten kann, findet dort ein ruhiges und zentral gelegenes Hotel vor:



    Von hier aus geht es nun an der Ill Richtung Osten weiter, wobei sich besonders reizvollen Perspektiven ergeben.


    Der Rohan-Palast:



    Auch das Umfeld ist sehr attraktiv:



    Insbesondere diese Häuserzeile ist hervorzuheben, mit dem schönen Ehrmann-Haus von 1744 in der Mitte:



    Ziemlich genau auf Höhe dieses Hauses geht es jetzt aber wieder nach Krutenau, wo sich die Bebauung - nicht zuletzt aufgrund des Brandes von 1904 - nicht mehr kleinteilig präsentiert, sondern durch drei Bauten geprägt wird, die der Hl. Magdalena gewidmet sind - an dieser Stelle befand sich nämlich ein Ende des 15. Jahrhunderts erbautes Kloster der Magdalenerinnen, von dem nur noch ein Teil des Chors erhalten ist - seit dem Neubau der Magdalenenkirche unter Fritz Beblo 1912 als Kapelle im rechten Winkel an den Kirchenneubau angefügt.


    Hier die Kirche, die nach weitgehenden Zerstörungen 1944 bis 1958 wiederaufgebaut wurde:



    Hier nochmals die Kirche, diesmal mit der Magdalenenschule von 1869 im Vordergrund, erbaut durch den ersten Stadtbaumeister der deutschen Epoche, Jean Conrath:



    Und noch ein drittes Gebäude gibt es, das der Hl. Magdalena gewidmet ist, den langgestreckten Bau des heutigen Kindergartens Ecole maternelle Sainte-Madeleine, der auf einen Umbau eines Klostergebäudes Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgeht:



    Zur Orientierung: Geht man an diesem sehr langen Kindergarten weiter nach Süden, so erreicht man wieder den Waisenplatz. Wir gehen indes wieder zurück zur Ill und kommen an diesem kuriosen Gebäude vorbei:




    Dabei handelt es sich um einen über 400 Jahre alten Getreidespeicher im Eigentum der Stadt Straßburg, der jedoch ungenutzt ist.

  • Hier steht nur noch eine schmale Häuserreihe Richtung Ill:


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    Zurück an der Ill fällt der Blick auf das Katholische Gymnasium am Stephansplatz - ja, genau dieses Gebäude wurde schon in Vom Münster über die südöstliche Altstadt zum Broglieplatz angesprochen und gehört administrativ zum oben bereits gezeigten Stadtpalais Hammerer mit der entsprechenden Grundschule.


    Um mich selbst von oben zu zitieren:

    Das Gebäude wurde Ende der 1980er-Jahre saniert und dient heute als École primaire (also gewissermaßen "Grundschule") des Collège épiscopal Saint-Étienne, einer katholischen Privatschule unter Federführung des Straßburger Bischofs - deren weiterführender Zweig (École secondaire) übrigens heute auch schon gezeigt wurde - dabei handelt es sich um das "Katholische Gymnasium" an der Stephanskirche

    Hier nun das Gymnasium:


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    Und der gedrungene Bau der Stephanskirche:


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    A propos Kirche - auf der rechten Seite kommt nun die Wilhelmskirche, die den Fischern und Fluss-Schiffern gewidmet ist und in ihren Anfängen auf das 14. Jahrhundert zurückgeht. Nicht zuletzt aufgrund des weichen Bodens (an dieser Stelle gab es in Krutenau bis Ende des 19. Jahrhunderts noch Kanäle) waren zahlreiche Renovierungen erforderlich, auch derzeit wird die Kirche wieder renoviert.


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    Schild zu den Bauarbeiten:


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    Von hier aus geht es nun zu den bedeutenden größeren Bauwerken in Krutenau. Unmittelbar hinter der Kirche befindet sich die gleichnamige (Wilhelms-)Schule, ein Bau von Jean Conrath von 1856:


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    Gleich dahinter kommt schon das vermutlich bekannteste Gebäude in Krutenau, die frühere Tabakmanufaktur von Mitte des 19. Jahrhunderts (zu der ich sogar mal eine Monographie gekauft, aber bis heute nicht gelesen habe ...).


    Nach Kriegszerstörungen 1944 war die Manufaktur auch in der Nachkriegszeit noch in Betrieb, wird heute aber nach dem Ankauf durch die Stadt Straßburg für verschiedene Nutzungen umgebaut, von einem Uni-Institut bis zu einer Jugendherberge - siehe auch Straßburg: Frischer Wind zieht in alte Gemäuer - Straßburg - Lahrer Zeitung.


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    Die gigantischen Abmessungen kommen hier zur Geltung:


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  • Geht man die gesamte Tabakmanufaktur entlang und biegt dann wieder nach links ab ...


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    ... so kommen drei weitere Highlights. Das erste ist ein Gebäude, das auf dem alten Stadtplan einfach als "Akademie" eingezeichnet ist, es handelt sich um einen Bau von 1775 des damaligen Stadtbaumeisters Samuel Werner (in erster Linie bekannt durch das schon vorgestellte Gebäude des Oberkonsistoriums (gleich an der Thomaskirche, direkt an der Ill gelegen)):


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    Heute dient der Bau als berufsbildende Schule, seit der Renovierung im Jahr 2015 präsentiert sich die Fassade auch wieder in altem Glanz.


    Gleich daneben ein weiteres historisches Gebäude, das frühere Pharmazie-Lehrgebäude von 1842, seit 1910 als Zusatzgebäude der nahen Kunstgewerbeschule genutzt - das neue Pharmazie-Institut entstand ja am Arnoldplatz und wird in Kürze auch noch gezeigt.


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    Unmittelbar dahinter dann die bereits gezeigte Kunstgewerbeschule von 1892, erbaut von Edouard Roederer in Zusammenarbeit mit dem damaligen Stadtbaumeister Ott (der ja schon im Zuge seiner Bauten am Broglieplatz kurz angesprochen wurde).


    Es handelt sich um eines der ersten Jugendstilgebäude in Straßburg, besonders bemerkenswert die aufwendigen Keramikarbeiten.


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    Unterhalb der Uhr steht das Jahr der Erbauung (leider nicht erkennbar), die Schule steht inmitten des alten Botanischen Gartens von Anfang des 17. Jahrhunderts.


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    Weniger Meter weiter nördlich sind wir dann schon wieder an der Ill (Fun Fact: Das dazwischen befindliche Seniorenheim war die letzte Arbeit von Charles-Gustave Stoskopf, einem modernen Architekten, dem wir neben der Esplanade auch die häßlichen Neubauten am Eisernen Mann "verdanken").


    Hier aber der Blick auf die Ill und deren nördliche Ableitung, die um die Altstadtinsel herumführt:


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    Weniger Meter daneben fällt der Blick auf die Hohenlohe Straße, die zum Kaiserplatz führt, in der Mitte das monumentale Postgebäude von Ernst Hake (der als Postbaurat auf Postämter spezialisiert war - der Entwurf von Neckelmann im Stil der Neorenaissance wurde ja abgelehnt):


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    Die Hauptrepräsentationsachse der Neustadt, die Kaiser-Wilhelm-Straße zwischen Kaiserpalast und Neuer Universität:


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    Und hiermit sind wir auch schon an der Universität angelangt und Teil 2 komplett - in Teil 3 steht dann die gründerzeitliche Bebauung im Fünfzehnerwörth im Mittelpunkt.


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