Metz - Teil 9: Die mittelalterliche Stadtbefestigung

  • Diese letzte Galerie zum alten Metz widmet sich der mittelalterlichen Stadtmauer. Die heute noch erhaltene Stadtbefestigung der alten freie Reichstadt Metz stammt aus dem 13. Jh. und sollte das Outre-Seille Viertel, damals noch eine Vorstadt, schützen. Mit Aufkommen der Artillerie im 16. Jh. und dem Bau modererer Festungen im Glacis-System von Vauban, ist die mittelalterliche Stadtmauer obsolet geworden, sodass die letzten Erneuerungen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammen. Ein Glück für uns, da wir somit einen weitgehend authentischen Bestand vorfinden :)


    Beginnen wir mit dem über einem Kilometer langen Weg entlang der Stadtmauer an der Brücke Pont des Grilles am Moselam:





    Der erste Turm, der Tour des tisserand, oder auch Tour des tanneurs, ist benannt nach den Gerbern. Denn jede Zunft im Mittelalter musste sich um einen Turm (ungefähr die Hälfte der 67 ehmaligen Stadttürme) für den Erhalt und dem Schutz kümmern, wie eine Partnerschaft praktisch:



    Abwechselnd habe ich im Winter und im Frühling Fotos aufgenommen:




    Ein womöglich verbautes ehem. Tor:



  • Noch ein paar andere Türme:



    Tour des Wercolliers:



    Tour des Coustelliers:



    An der Einmündung zur Seille dann eine Bastion, neuzeitliche Zutat, vor dem mittelalerliche Mauergürtel:





    An der Spitze der tour de diable, der sogenannte "Teufelsturm", der 10 Meter breit ist:






    Im Inneren befindet sich viel Müll :






  • An der ehem. Einmündung zum 1906 verschütteten Seillearm, der wie schon angemerkt, das Viertel Outre-Seille mit dem Rest der Alstadt getrennt hatte, befindet sich noch heute als letzter Rest der breite Bogen der Stadtmauer, der einst das Wasser überspann:



    Anschließend, der Tour des esprits ("Geisterturm"), auch Tour des barbiers gennant aus dem 15. Jahrhundert:











  • Der Tour der Chandellier, der Kerzenzieherturm aus dem 14. Jh:





    Hier wird die Stadtmauer erneut unterbrochen, diesmal aber durch die Brückenkonstruktion des Boulevard Victor Demange:



    Dahinter folgt noch ein weiterer Mauerabschnitt bis zum deutschen Tor:



  • Das Beste hebt man sich bekanntlich zum Schluss auf, nämlich das Deutsche Tor (la porte des Allemands). Es wurde nach dem Deutschen Orden benannt, der in der Nähe bei St. Eucaire seinen Stützpunkt hatte. Die zwei Türme zur Stadt zu sind der älteste Bestand und stammen noch aus dem 13. Jh. Das Vorwerk jenseits der Seille 1445-80 errichtet, wurde im 16. Jh. durch die Laubengänge auf der Brücke ergänzt zu einer Einheit. Nach Zerstörungen im 17. Jh. sind die Zinnen abhanden gekommen, welche dann 1862 wieder restauriert wurden. Nach teilweiser Zerstörung 1944 wurde das Tor erneut saniert, zuletzt 2013!


    Während der damaligen Sanierung hatte man auch gleich sehr anschaulich die verschiedenen Bauepochen auf einem Banner gezeigt:



    Von der Stadtseite:






    Wenn die winterliche Abendsonne die jaumontseintlastigen Türme anstrahlt, ergibt es eine magische Erscheinung:





  • Steigen wir nun die Treppe des nordöstlichen Turmes aus dem 15. Jh hinauf.



    Es befindet sich sogar ein Kaminzimmer im runden Turm...




    Von der Plattform über dem Arkadengang können wir die Aussicht auf den Innenhof der Toranlage...




    ... sowie auf die Rue des Allemands ins Outre-Seille Viertel genießen:








    --- Ende ---