Aktuelles zu Straßburg

  • Durch Zufall entdeckt und tatsächlich eine ganz neue Produktion:


    Mit der Straßenbahn nach Straßburg im SWR.


    Wirklich gut fand ich es aber nicht - im Wesentlichen wurde nur das Münster gezeigt, zur Straßenbahn erfuhr man auch fast nichts (erst recht nicht zur Vorgängerbahn von 1898). Dafür aber überraschend viel zu Kehl, von der Essigmanufaktur bis zum Epilepsiezentrum, in Sachen Architektur also nicht wirklich sehenswert (abgesehen von den Drohnen-Aufnahmen, die gibts in Youtube aber auch so).


    Wieso man als deutsche Moderatorin gleich zu Anfang eine Art Baskenmütze aufsetzen und "voilà" sagen und das ganze mit typisch "französischer" Musik Marke Camembert-Werbung unterlegen muß, erschließt sich mir nicht so recht. Skurriler Höhepunkt: das Interview mit dem Vertreter der Straßburger Verkehrsbetriebe mit der Frage: Sind Sie schon einmal mit der Straßenbahn gefahren? :lachen:


    Übrigens sind die Ansagen auch auf deutscher Seite (3 Stationen, letztes Wochenende selbst ausprobiert) nur auf Französisch inkl. Originalaussprache wie "omm läschär" für "am Läger" :blumen:

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Ja die Folgen "Expedition in die Heimat" habe ich früher auch gerne geschaut. Durch Zufall habe ich diese Sendung zu Straßburg auch direkt am Freitag Abend zur Premiere gesehen. In der Tat ist es ein wenig zum Fremdschämen, das "Französieren" der Moderatorin! Aber es ist Grunde ja nur ein Anbiedern an den aktuellen Zeitgeist, der antideutsch bzw antinational geprägt ist. Ja bloß nicht anmerken, dass Straßburg mal eine großartige deutsche Vergangenheit hatte, und am Besten so tun, als ob man in Bordeaux wäre disgust:)

    Außerdem scheint es ja den Elsässern zu gefallen, die sich ja selbst mehr als "Franzosen" mitlerweile sehen!


    Die Sendereihe an sich ist aber eher nicht so architekturlastig, es geht mehr um "Abenteuer" in der Natur, Herstellung von regionalen Produkte, Kunsthandwerk, etc... damit man das Publikum, das auch oft oberfächlich ist richtig "unterhält"...

  • Ich fand es nur seltsam, daß man Kehl so viel Sendezeit einräumt, das ist leider eine Stadt, die man nicht gesehen haben muß (die aber gigantisch von den Einkaufs- und Restaurantbesuchern aus Straßburg profitiert, gleich neben der Straßenbahnhaltestelle gibts jetzt sogar eine Brasserie ...).


    Der Qualitätsunterschied auch bei der aktuellen Architektur ist gigantisch, hochwertige Neubauten auf der Rheininsel gleich hinter der Brücke (siehe hier), einfallsloseste Billig-Architektur diesseits wie bei City Center Kehl.

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Ehrlich gesagt bin ich heilfroh dass Straßburg heute zu Frankreich gehört. Wäre es noch eine deutsche Stadt wäre das Stadtbild mit Sicherheit nicht mehr so gut erhalten und mit zahlreichen Bausünden durchsetzt. Es würde dann zwar besser zu Kehl passen, aber das muss ja wirklich nicht sein. 😉

  • Naja also Bamberg, was ich gerne mit Straßburg vergleiche, ist mindestens genauso gut erhalten geblieben und hat wunderbare Bausubstanz, auch farbenfrohes fränkisches Fachwerk und viele Wasserwege. Daher gehört es ja auch zum UNESCO Welterbe genauso wie Straßburg.

    Kehl ist in der Tat nicht wirklich berauschend, aber vorallem nur deswegen, weil es eine Hafenstadt ist ohne große Vergangenheit wie Straßburg und keine richtige Altstadt. Das war auch schon so vor 1945, sie scheint sehr klassizistisch im Kern zu sein vorallem am Marktplatz, vom Stil "Weinbrenners" wie Karlsruhe... Ist auch nicht so mein Geschmack.

    Ja die BRD hat nach 1945 zum größten Teil die Innenstädte schlechter wiederaufgebaut, keine Frage... Aber auch nicht überall in F hat man vorbildlich die Städte wiederaufgebaut siehe zb die Normandie Rouen, Le Havre, oder auch Calais...

    Es hat vielleicht auch etwas mit den verschiedenen Regionen zu tun: in Südwestdeutschland hat man idR wenig Rücksicht genommen nach dem Krieg ebenso wie Köln und NRW. Dagegen hat man sich in Franken und teilweise in Norddeutschland (Lübeck) mehr angestrengt!

  • Stichwort: Südwestdeutschland. Eben dazu würde Straßburg in dem Fall gehören, was meinen letzten Beitrag unterstreicht.

    Schon früher als ich klein war, fiel es mir etwas deutlich auf, wenn wir aus dem Urlaub von Frankreich zurückkamen. Noch vor der Grenze schöne, gut erhaltene Dörfer und Ortschaften, und gleich nach der Grenze die typisch bundesdeutsche Belanglosigkeit der genormten Wohnsiedlungen. Da gab und gibt es einfach kulturelle Klassenunterschiede zwischen beiden Ländern.

  • Königsbau : könnte - neben diversem anderen - auch mit dem starken Zuzug nach dem Krieg in BaWü zu tun haben, und mutmaßlich eher Wegzug im Elsaß, denke ich mal so... die ganzen Vertriebenen aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien wurden ja kontingentweise auf die verschiedenen Bundesländer verteilt und blieben dort. Darunter auch viele im Südwesten. Was im Elsaß war, weiß ich nicht, aber daß dort so viele Leute zuzogen, denke ich nicht, es wird eher ein Wechsel zwischen deutscher Administration während dem Krieg und Ersetzung durch französische danach gewesen sein.

  • Na, so hässlich ist Deutschland nun auch wieder nicht. ;)


    Ein französisches Rothenburg oder Dinkelsbühl? Gibt's nicht. Und Städte wie Quedlinburg, Goslar, Regensburg, Lübeck oder Bamberg kann man rein qualitativ gesehen schon mit den großartigsten französischen Altstädten vergleichen, keine Frage! Nur die (vor allem klassizistisch und gründerzeitlich geprägten) deutschen Großstädte sind -leider fast ausschließlich Kriegsbedingt- meist nicht mehr so berauschend wie früher. Das ist halt der große Unterschied zu den anderen europäischen Staaten, die ja meist zumindest noch eine ziemlich herausgeputzte Hauptstadt besitzen (da denke ich dann, neben NL, vor allem an Tschechien, Ungarn, Schweden, Dänemark, und wohl auch Russland, das ja eigentlich zwei Hauptstädte besitzt, historisch und kulturell gesehen).


    Die aus baukultureller ( ;) ) Hinsicht wohl schlimmsten Zerstörungen gab es mE. aber nicht in Berlin oder den anderen Millionenstädten, sondern gerade in den Städten, die vor 1944-'45 noch über eine großartige Altstadt verfügten. Vor allem Nürnberg zählte zu den Hauptsehenswürdigkeiten Europas, und Frankfurt, Braunschweig und Hildesheim waren bis zu ihrer Zerstörung die wohl bedeutendsten Fachwerkstädte überhaupt (nur Rouen konnte da mithalten, und gerade Rouen ist auch teilzerstört worden). Und fast wäre auch Rothenburg ein Totalverlust gewesen... Mir schauderts schon bei dem Gedanken, das wir eigentlich noch von Glück reden können, dass der Bomber Harris grundsätzlich keine Städte mit weniger als 100.000 Einwohner angreifen ließ!

  • Ehrlich gesagt bin ich heilfroh dass Straßburg heute zu Frankreich gehört. Wäre es noch eine deutsche Stadt wäre das Stadtbild mit Sicherheit nicht mehr so gut erhalten und mit zahlreichen Bausünden durchsetzt.

    Da hast Du vermutlich recht, wobei ja ab 1918 vor allem durch lokale Architekten aus dem Elsass weitergebaut wurde und somit wohl in jedem Fall eine große Kontinuität bei der Stadtentwicklung sichergestellt gewesen wäre. Generell ist aber festzustellen, das zeigen auch Beispiele z. B. aus Nancy, daß in Frankreich nach dem ersten Weltkrieg nicht dieser Bruch bei der Architektur stattfand und eigentlich fast unverändert weitergebaut wurde.


    Ohne die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich ab 1871 bestünde Straßburg auch heute wohl fast nur aus der Altstadtinsel, wahrscheinlich mit eher häßlichen Vororten in der Umgebung wie in Mülhausen - zwischen 1871 und 1910 hat sich die Bevölkerung ja mehr als verdoppelt, und die diversen Stadterweiterungen inkl. Neustadt wurden realisiert, was unter französischer Administration sicherlich nie erfolgt wäre.


    Es ist aber sicherlich richtig, daß man in Deutschland Straßburg nach den Zerstörungen 1944 nicht so weitgehend behutsam wiederaufgebaut hätte, auch hätte man sicherlich Bauten wie den Kaiserpalast nicht wieder instandgesetzt (angeblich auf die Initiative eines einzelnen Politikers und der "Amis du Vieux Strasbourg" zurückzuführen) oder gar die gründerzeitliche Neustadt unter Denkmalschutz gestellt und weitestgehend erhalten hätte.


    Naja also Bamberg, was ich gerne mit Straßburg vergleiche, ist mindestens genauso gut erhalten geblieben und hat wunderbare Bausubstanz, auch farbenfrohes fränkisches Fachwerk und viele Wasserwege. Daher gehört es ja auch zum UNESCO Welterbe genauso wie Straßburg.

    Das ist richtig, aber Bamberg wurde auch weitaus geringfügiger beschädigt, während Straßburg ja im Krieg 1870/71 im Norden und 1943/44 vor allem im Süden der Altstadt ziemliche Schäden davontrug, siehe z. B. hier.


    Ob das der Grund ist, weshalb von Finkwiler kaum noch etwas übrig ist, oder ob dies auf Nachkriegs-"Sanierungen" zurückzuführen ist, die es ja leider auch in größerem Umfang durch Totalabriß gab (übrigens gerade im Umfeld von Petite France), kann ich aber nicht sagen.


    Ein Kriegsverlust ist ja auch dies: Gibt es dieses Fachwerkhaus noch?

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Seit einiger Zeit ist das Primark-Gebäude fertig (Lage: schräg gegenüber des großen Einkaufszentrums Les Halles, nur wenige Gehminuten vom Eisernen Mann entfernt).


    Die ursprüngliche Bebauung wurde bereits 1968 abgerissen, dort entstand mit dem Parkhaus Kellermann eine der größten Bausünden der Altstadtinsel.


    Nach dessen Abriß entstand dann das heutige Gebäude, was tatsächlich eine Verbesserung darstellt:



  • Ich würde diesen Neubau ebenfalls als Bausünde bezeichnen, aber dergleichen fällt bei dem enormen Bestand an historischer Substanz in Straßburg nicht ins Gewicht, bildet stellenweise sogar einen interessanten Kontrapunkt. Eine Stadt ganz ohne zeitgenössische Architektur kann auch etwas museal erscheinen.

  • So sah das Primark-Gebäude im August 2018 aus:



    Übrigens gibt es noch ein weiteres Parkhaus im Norden der Altstadtinsel, allerdings gut versteckt:



    Es liegt gleich neben dem (früheren?) Druckereigebäude der Dernières Nouvelles d'Alsace, unmittelbar neben dem früheren Polizeipräsidium, das zwar schon ewig eingerüstet ist, aber auch immer weiter verfällt (vor allem auf der Rückseite).




    Wir befinden uns hier übrigens nur wenige Gehminuten nördlich des Broglieplatzes.

  • Habe gerade nochmal den Strang nachgelesen, ich dachte irrtümlich, dieses (in dem Primark ist) wäre das neue Gebäude und das alte Parkhaus hätte man abgerissen.

    Diese Mode mit vorgeblendeten Elementen gab es schon mehrmals, mir fallen dazu ad hoc Londoner Kinos in den 1960ern mit vorgehängten Kreisen ein, die im Wind flirrten (in den frühen Nullerjahren gab es Nähe S Hackescher Markt mal einen Laden, der zwecks Retrolook so verkleidet war), ebenfalls aus den 1960ern (68 eröffnet) das Benjamin-Franklin-Klinikum in Berlin-Lichterfelde mit vorgeblendeten "Mustern" (ich war da einmal kurz drin und mochte diese Fenstergitter garnicht), und in den 1990ern dann die DEBIS-Häuser am Potsdamer Platz mit ihrer Stabverkleidung.

    Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine mal gehört zu haben, das Kaufhaus am Alexanderplatz soll zur Anfangszeit auch mit Vorblendelementen behangen gewesen sein (vermutlich auch 1960er). Also scheint das in den 1960ern modisch der letzte Schrei gewesen zu sein, überall mußte es so ein Haus geben.

    In den 2010ern wurde am Kaiserdamm ein Autohaus gebaut, das, meine ich, auch ein paar teilverkleidete Fenster hat, aber nicht mit Stäben, sondern mit Alu-Blenden.

    Möglicherweise lebt das nun sporadisch wieder auf.