Esslingen (Galerie)

  • ... oder eher um Esslingen herum. Inspiriert von der Abrißdiskussion zu Esslingen im APH habe ich am Freitag mal einige Fotos des betroffenen Areals gemacht und ergänze diese noch durch weitere Fotos (wobei Esslingen sicherlich eine wesentlich detailliertere Galerie verdient hätte - vielleicht reiche ich da noch einige Fotos nach).


    Hier ist Esslingen auf der OSM-Karte zu sehen - die Galerie beginnt am südlichen Ende der Ritterstraße, auf der Karte ist das die Einmündung der Ritterstraße in die Kreuzung der Kiesstraße (gewissermaßen "unten rechts" an der Maille :smile:).


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    Die Maille, eine Grünanlage auf einer Insel, die von zwei Neckarkanälen umflossen wird, trennt zwei in etwa gleich große Altstadthälften, wobei die Abrisse vor allem im westlichen Teil erfolgt sind, im östlichen Teil gibt es abgesehen von der Küferstraße kaum Geschäfte oder Lokale, das ist eher ein ruhiges Wohngebiet.

  • In einem anderen Forum postete jemand eine interessante Ansicht Esslingens aus der Zeit um 1840:


    https://www.stadtbild-deutschl…1-20190327-195956148-jpg/


    Das war anscheinend ein beliebtes Motiv im 19. Jahrhundert. Hier ist eine ganz ähnliche Darstellung, die 1840 im zweiten Band der "Original-Ansichten der historisch merkwürdigsten Städte in Deutschland" erschienen ist, "nach der Natur gezeichnet von H. Schönfeld":


    22769444318.jpg


    Dargestellt ist die heute verschwundene Mühle vor dem Mettinger Tor. (Die Mühle lag ungefähr hier: Google Maps - also außerhalb des Bereiches, der für die Umgehungsstraße geopfert worden ist.)


    Sehr viel realistischer ist die Mühle auf diesem Gemälde von Johannes Braungart dargestellt:


    Esslingen From The West Painting by Johannes Braungart


    Braungart hat noch weitere schöne Ansichten von Esslingen hinterlassen:

    Objekte [Raster] (Seite: 1) :: museum-digital:baden-württemberg

    Zum Beispiel diese Darstellung der Stadtmauer vor der Frauenkirche:

    06162327771.jpg


    Die Bebauung näher zum Mettinger Tor hin war eher spärlich. Man vergleiche diesen Plan: extern.php?f=2-5300713-1&typ=4 (ganz links im oberen Drittel die Spitalmühle).

    Der Bereich direkt vor dem Mettinger Tor wurde schon im 19. Jahrhundert weitgehend neu bebaut: https://media.gettyimages.com/…-1903-picture-id558234045 oder auch: 18483866989.jpg


    Gleichwohl existiert an der Mettinger Straße sogar noch ein Haus des 16. Jahrhunderts, das kurioserweise 1905 transloziert worden ist, nämlich das Haus Mettinger Straße 19: https://de.wikipedia.org/wiki/mettinger_stra%c3%9fe_19_(esslingen)
    Zur Translozierung siehe: Anzeige von Denkmalpflege um 1900 - die Translozierung eines Fachwerkhauses in Esslingen (dort auch eine gute frühe Darstellung der Situation vor dem Mettinger Tor)


    Die Situation direkt vor dem Mettinger Tor ist durch alte Ansichten gut dokumentiert, besonders schön durch ein Gemälde von Michael Neher aus dem Jahr 1847:


    1024px-Michael_Neher_001.jpg
    Michael Neher 001 [Public domain], via Wikimedia Commons


    Weitere Darstellung zum Vergleich:


    Domenico Quaglio 1818: DFG-Viewer: Stadt Esslingen am Neckar


    mi04628f01a.jpg
    Die ganze Bebauung rechts wurde abgerissen und man erkennt deutlich ein Stück der Stadtmauer.


    Auch im Umfeld sind etliche Bauten verschwunden, z.B. der viergeschossige klassizistische Bau am rechten Rand in dieser Photographie:

    https://media.gettyimages.com/…-1903-picture-id558234045

  • Wir beginnen also am südlichen Ende der Ritterstraße, die gerade nach Norden zum Marktplatz führt.


    IMG_4007_sil.jpg


    Von dort aus geht es weiter zur Maille, dem südlichen Teil einer Insel zwischen Roß- und Wehrneckar, hier der Roßneckar (ein Kanal):


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    Und die Grünanlage der Maille, mit der bebauten Brücke im Hintergrund.


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    Der Name Maille stammt wohl vom früher beliebten Spiel Paille-Maille (von dem auch der Name Pall Mall abgeleitet ist, vgl. die Tabakmarke).


    Ganz zum Schluß werde ich noch weitere Fotos der Maille und der bebauten Inneren Brücke präsentieren, die allerdings nicht aus dieser Fotoserie stammen.


    Der von der Bundestraße über die Vogelsangbrücke kommende Verkehr wird hier um die Altstadt herumgeleitet:


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    Einer der beiden Neubauten der Sparkasse präsentiert sich betont minimalistisch:


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    Hier die Vogelsangbrücke, wir sind jetzt schon fast am südlichen Ende der Altstadt (links ist die Sparkasse zu sehen):


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    Und hier die Neckarstraße gleich neben der Bahnlinie, die südliche Begrenzung der Altstadt (Blick vom Pliensauturm aus):


    IMG_4017_sil.jpg


    Weitaus attraktiver der Blick in Richtung Altstadt, hier die Pliensaustraße mit Blick auf die "Burg":


    IMG_4016_sil.jpg

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Zurück zum Pliensauturm mitsamt zugehöriger Brücke:



    Die restlichen Türme wurden abgebrochen, ein großer Teil der an sich zweitältesten Steinbrücke nördlich der Alpen ebenso. Im Boden ist momentan noch ein letzter Rest von Straßenbahnschienen zu sehen, hier fuhr die legendäre END-Straßenbahn, die eine enge Kehre um 90 Grad am Turm befuhr und dann über eine Rampe den Esslinger Bahnhof erreichte.



    Hier der Blick auf den Bahnhof, der seit dem Bau des neuen Omnibusbahnhofs und der neuen Straßenführung keine Verbindung mehr zu den Gleisen hat (es gibt eine Unterführung). Dahinter entstehen die üblichen Strichcode-Fassaden ...



    Die Rampe für Radfahrer zum Bahnhof:



    Eine endlos lang bestehende Baulücke:



    Der neue Omnibusbahnhof - außerdem gibt es noch weitere Abfahrtstellen für Busse, was die Nutzung nicht grade vereinfacht ...



    Weiter in die Bahnhofstraße, dieses Eckhaus sollte ja abgerissen werden, aufgrund von Protesten (vgl. die Berichte im APH) wurde es aber erhalten. Oder auch nicht - denn wer den Baufortschritt verfolgt hat, konnte feststellen, daß praktisch nur einige Balken der Fachwerkkonstruktion blieben. Umschlossen wird das Gebäude von den neuen Sparkassengebäuden, die fast ein wenig an das Kaufhaus Tirol in Innsbruck erinnern.




    Dahinter dann gleich der unschöne Kaufhausbunker:


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  • Nun um den Kaufhof herum, wo wohl ein Flächenabriß erfolgte, nur um neben dem Kaufhof noch einen Parkplatz zu errichten.




    Der Karstadt von hinten:



    Blick Richtung Altstadt, der Parkplatz ist eher ein Provisorium und nicht mal komplett geteert:



    Danach beginnt wieder die weitgehend erhaltene Altstadtbebauung:



    Und wir erreichen die Gasse Unterer Metzgerbach:



    Diese sieht intakt aus, es steht aber nur eine einzige Häuserreihe nach Süden:



    Blick in Gegenrichtung, die modernen Gebäude stehen schon wieder an der Bahnhofstraße:


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  • Stimmt - obwohl beide inzwischen zusammengehören und als "Galeria Karstadt Kaufhof" auftreten. Vielleicht warte ich einfach ab, bis die Schilder ausgetauscht werden :smile:


    P.S. "Galeria" ist natürlich ein seltsames Wort, eine Mischung aus "galleria" und "galerie", ähnlich seltsam ist das Schweizer Wort Secondos, wo ich mich immer frage - meinen die jetzt "secondi" oder "segondos"?

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  • Jetzt kommen wir langsam zu der Stelle, die einen Anstoß zu dieser Galerie gegeben hat - der Gegend westlich des Marktplatzes.


    Wir sehen hier die "Berliner Straße", die als Ringstraße um die komplette Altstadt herumführt und vom Bahnhof aus nach Norden verläuft:


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    Dort befindet sich die Schelztorhalle, eine Sporthalle:


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    Im Hintergrund ist das namensgebende Tor zu sehen:


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    Und hier aus der Nähe:


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    Hier war die Altstadt früher zu Ende, dahinter befindet sich damals wie heute der Roßmarkt, das Eckgebäude ist aber neueren Datums ...


    IMG_4041_sil.jpg


    Darin war übrigens endlos lange der Schlecker untergebracht, in dunklen engen Räumen und mit denselben Sperrholzregalen wie seit Jahrzehnten ...


    Hier die klassische Stadtansicht von Esslingen:


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    Das Fachwerkhaus auf der Insel wurde vor einigen Jahren mit sehr hohem Aufwand saniert:


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  • Hier nun die Ecke etwas weiter nördlich, wo offensichtlich Flächenabrisse stattgefunden haben - für die Ringstraße, aber auch für Polizei und Bürgeramt:




    Im Hintergrund die Frauenkirche, die von der Altstadt durch eine Verkehrsschneise getrennt ist.




    An einem mäßig gelungenen Neubau geht es jetzt aber weiter zum Marktplatz:




    Hier gibt es noch die dritte bedeutende Kirche, das Münster St. Paul:


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  • Das ist sehr erstaunlich, denn typischerweise haben solcherart Häuser - gerade mit solchen Querbändern - Flachdächer. Manche sind später umgebaut worden und haben dann doch noch ein Ziegeldach bekommen. Aber als bereits in den 1970ern gebaut kenne ich das eigentlich nur bei EFHs.

    Was nun besser oder schlechter angeht - kommt drauf an, was man betrachtet. Bezüglich Solidität und Trittschall sind 70er-Jahre-Bauten sicher mit die besten. Aber die meisten haben Probleme mit dem Waschbeton und dem Flachdach, was nicht so leicht zu reparieren ist.

  • Wir erreichen nun den Marktplatz, das Aushängeschild der Stadt Esslingen. Im Norden die Fachwerkzeile mit dem Neuen Rathaus (der Link zeigt auch noch Fotos der Verkehrsführung hinter dem Rathaus).





    Direkt hinter der Häuserzeile die Verkehrsschneise mit der Bushaltestelle:





    Das Neue Rathaus:



    Das Alte Rathaus (übrigens sind Motive aus Esslingen inkl. altes Rathaus im Kinderbuch Jakov und die sieben Räuber von Madonna zu sehen - der Illustrator lebte ein Jahr lang in Esslingen):


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  • Das Viertel östlich des Marktplatzes dürfte der älteste Teil Esslingens sein, es geht nun nach Süden am Alten Rathaus vorbei in Richtung Hafenmarkt mit der ältesten zusammenhängenden Fachwerk-Häuserzeile Deutschlands:


    Erst einmal der Blick zurück zum Neuen Rathaus:



    Und gewissermaßen die Keimzelle der Altstadt:




    Der eigentliche Platz, nach Süden hin nicht mehr so überzeugend bebaut:




    Möglicherweise wurde hier aber gar nichts abgerissen, da ja aus dem obigen Link von Tübinger (Link auf alten Stadtplan) ersichtlich ist, daß auch dieser Teil der Altstadt relativ locker bebaut war.


    Nördlich davon dann indes eine recht schöne und dichte Bebauung rund um Heugasse und Webergasse:






    Unmittelbar nördlich endet die Altstadt dann schon, wobei die Verkehrsschneise hier zum Glück nicht mehr vierspurig ist wie noch hinter dem Neuen Rathaus:



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  • Kurz vor meinem Straßburg-Kurzurlaub noch die restlichen Fotos der Galerie. Wir gehen nun um die restliche Altstadt Richtung Osten herum, wo vor einigen Jahren das Kongreßzentrum mitsamt Hotel, das sogenannte Neckar Forum gebaut wurde.





    Ohne größere Highlights nun wieder zurück in Richtung des Ausgangspunkts - allerdings nicht über die Ringstraße, sondern über die Küferstraße, der Straße im östlichen Teil der Altstadt, die allerdings etwas im Schatten der restlichen Einkaufsstraßen der Esslingen Innenstadt liegt, siehe auch Die Esslinger Küferstraße: Schönheit in Schieflage - Esslingen - Stuttgarter Nachrichten


    Der Eingang zur Küferstraße besteht im Wolfstor:



    Mit nicht wirklich gelungener Umbauung ...



    Blick nach Norden Richtung Ottilienhof:



    Die eigentliche Straße:




    Auf der halben Strecke der Blick nach Norden zum Blarerplatz mit der Franziskanerkirche (nicht zu sehen):



    Nun sind wir wieder fast am Ausgangspunkt angelangt, der Ritterstraße - kurz zuvor ist noch der zum Glück gut versteckte Neubau der Württembergischen Landesbühne von 1982 zu sehen:



    Und hier die Ritterstraße, an der der Rundgang seinen Anfang nahm:


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  • Und wie ganz zu Anfang angekündigt, gibt es noch einen kleinen Nachtrag, ohne den eine Esslingen-Galerie nicht vollständig wäre - und zwar zur Maille bzw. der bebauten Inneren Brücke.


    Der Ausgangspunkt ist im Prinzip wieder die Ritterstraße, die Fotos wurden aber an einem anderen Tag aufgenommen. Hier der Blick auf die Maille mit dem Roßneckar und dem Amtsgericht:



    Hier ist schon die Innere Brücke zu sehen:



    Wir nähern uns nun der Brücke:





    Deren Bebauung wohl aus dem 19. Jahrhundert stammt (?) - hier der Blick in Richtung Ritterstraße/Fischbrunnenstraße bzw. Palmscher Bau (leider verdeckt durch die Sonnenschirme):



    In der anderen Richtung geht die Brücke in die bereits erwähnte und fotografierte Pliensaustraße über:


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  • Weiter nördlich schließt sich der Roßmarkt an, ein langgezogener Platz, der am Schelztor (bereits weiter oben gezeigt) endet.


    Vorher kommt jedoch das Central-Theater, das älteste erhaltene Kino in BW:




    Unmittelbar dahinter dann der Roßmarkt:



    Und das Schelztor:



    Damit habe ich diese Galerie abgeschlossen - alles in allem ist Esslingen auf jeden Fall einen Besuch wert, für mich hinter Tübingen die zweitschönste Stadt der Region, deutlich vor Ludwigsburg, was zwar glücklicherweise auch nicht zerstört wurde, aber doch recht durchwachsen aussieht.

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