Metz - Teil 3: Südliche Altstadt und Zitadelle

  • Im dritten Teil unserer Stadtentdeckung durch das alte Metz schauen wir uns das südwestliche Alstadtviertel an bis zur ehemaligen Zitadelle:



    Ja bisher haben wir nur einen winzigen Teil der Altstadt gesehen im Vergleich zum Rest, der noch kommen wird!


    Von oben betrachtet, sieht dieses Viertel mit seinen Straßensystem sehr rechtwinklig aus. Dies hat den Grund, dass es den Grundriss der römischen Stadt, die einst dort stand, folgt, welche wie das alte Trier zb. ein sehr regelmäßiges Straßennetz hatte.


    Starten wir mit der "architektonischen Schnitzeljagd" an der Ecke rue du petit-Paris mit der Rue Serpenoise . Hier stehen gleich zwei gründerzeitliche PRachtbauten:


    Dieses rosafarbene Eckhaus ist schon vom deutschen Jugendstil im Giebel beeinflusst.



    Es ist erst seit Kurzem in rosa gestrichen:




    Früher war es im zarten gelb gehalten, welches mMn viel besser gepasst hat, da die Nachbarhäuser vom gelben Jaumontstein geprägt sind:




    Gegenüber, ein wirklich gut erhaltenes Kaufhaus um die jahrhundertwende, welches heute noch genutzt wird und auch Innen teilweise aus der Originalzeit stammt:







  • Ein paar Innenansichten von diesen historischen Kaufhaus:







    Direkt gegenüber, zur Straße Rue de la tête d'or (Goldkopfstraße), der Haupteingang zum Einkaufszentrum St. Jacques aus den 1970er Jahren, vor ein paar Jahren modernisiert:



    Schräg gegenüber zur Rue Serpenoise:


  • Die Rue Serpenoise ist die Hauptgeschäftsstraße von Metz.Sie ist nach dem alten Stadttor "Porte serpenoise" benannt, welche nach der alten römischen Siedlung "sacrpone" (das heutige Dieulouard im Département Meurthe-et-Moselle). Hier befinden sich die meisten Boutiquen.



    Schmales Mietshaus neben den Jugendstileckhaus vom ersten Beitrag, ein Backsteinhaus aus den 1920ern:



    Ein Stück weiter ein hübsches Neorenaissancegebäude:





    Ein weiteres Kaufhaus aus der deutschen Zeit, um 1910 wohl errichtet. (siehe die starke Risalitenbildung, ein Merkmal des Reformstils). Heute befindet sich dort die französische Kaufhauskette "Printemps" hinter dieser Fassade und der des Nachbarhauses. Die Gebäude wurden vor über 10 Jahren komplett entkernt, daher ist im Inneren nichts aus der Ursprungszeit erhalten_






  • C&A befindet sich schräg gegenüber in einem sehr großzügigien Bau des Art-Décos:




    Es gibt aber auch modernistische "Brüche" wie zb dieses Eckhaus, das ehemalige Verlagshaus des "Républicain lorrain":




    Oder dieses postmoderne Gebäude an der Rue du Lancieu:




    A-propos Postmoderne: dieser interessante Baukomplex stammt ebenfalls aus dieser Architekturepoche . Er wurde von vorne auch von silesien dokumentiert:


    Hier gibt es auch neuere Bebauung hart an der Grenze zur Bausünde - die größte echte Bausünde der Innenstadt, das Einkaufszentrum Saint Jacques ist glücklicherweise ziemlich gut versteckt.


    Besonders interessant ist dazu jedoch der Innenhof, der gleichzeitig als Passage zur Rue des Clercs dient:




    Die Gestaltung erinnert ein wenig an Hunderwasser in den Details:


  • Besonders interessant der gläserne Überbau an der Rue des Clercs, der aber auch historische Elemente wie Fensterstürze an der Seite mit integriert:








    Bleiben wir nun in der Rue des Clercs. Gegenüber, ein barockes Stadtpalais mit großer ehem. Toreinfahrt:



    Nach dem Einzug von Nespresso:


  • Schauen wir uns zunächst den westlichen Teil dieser Straße an, der wesentlich besser erhalten ist. Es befindet sich zur rechten Seite der zur Straße offene Hof des städtischen Finanzamts:



    Gegenüber, ein mehr oder weniger gut angepasster Neubau, wenigstens vom lokalen Baustoff her:




    Zur Kreuzung mit der rue du Palais/ Palaststraße, dieses prunkvolle Gründerzeithaus mit Eckerker:








  • Gegenüber, vor der Kreuzung, also noch in der Rue des Clercs, ein prächtiges, Neorenaissancegebäude aus der Mitte des 19. Jh.



    Es gibt noch einige Mietshäuser dieses Typus in der näheren Umgebung:



    Das Gegenstück vom vorhin gezeigten Eckbau mit zugegebenermaßen, kleineren Erker, befindet sich an der selben Kreuzung, nur zut Rue du Petit Paris /Kleinparisstraße;







    In den 1980er Jahren wurde dieses alte Kaufhaus mit einen postmodernen Anbau versehen für eine große französische Modekette, welche vor 2 Jahren ihre Verkaufsfläche wieder halbieren ließ:





  • So sah die Situtation vor etwa 100 Jahren aus:


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    Gegenüber ist die Häuserzeile mit Ladeneinbauten komplett erhalten geblieben:


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    Das erste Haus der Palaststraße, gegenüber vom Erkerhaus, in dem jetzt der amerikanische Mc. Donalds untergebracht ist:7


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    Nun wird die Bebauung ausschließlich historisch:


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    Diese Gebäude mit Terrasse als Abschluss anstelle eines Daches erinnern schon sehr mit den verschnörkelten Geländern an südlichere Länder:


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    Von der Rue Ambroise Thomas haben wir noch einen letzten Blick auf das Westwerk der Kathedrale:


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    Schräg gegenüber, ein sehr protziges Kino um die Jahrhundertwende errichtet:


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  • Am Kino links mündet die parallel zur Rue des Clercs laufenden Straße "En Nexirue". Von der Wortbildung her ist sie eigentlich auf den ersten Blick französisch, doch wenn man genau hinschaut, wurde sie von der deutschen Sprache beeinflusst, da das rue wie im Deutschen am Ende hinter der Bezeichnung sich befindet. Es gibt noch ein paar wenige Bsp in der Altstadt mit Straßen, die so ähnlich genannt sind.


    Gegenüber vom Kino, ebenfalls ein Gründerzeitler:





    Daneben ein kleines, auf dem ersten Blick unscheinbares, aber womöglich mittelalterliches Haus:




    Wieder auf der anderen Seite, die Nr. 5 im interessanten "Zackenstil", zwar um 1900 erbaut, doch vom Wesen her irgendwie expressionistisch:



    Kommen wir nun zum Höhepunkt dieser Straße: das Hôtel de Gargan, ein mittelalterlicher Wohnturm aus dem 15. Jh. , ein weiteres Zeugnis für die Stadtpatrizier in Metz:





    Das große schwere Eingangstor wirkt wie das einer Burg:





  • Schräg gegenüber befindet sich eines der sich am besten einfügenden Neubauten mMn in der gesamten Altstadt. Man hat im Grunde alles richtiggemacht: von der regionalen Baumaterialwahl (Jaumontstein) bis zu den Klappläden cclap:) Es ist also möglich!






    Noch ein Stück weiter, die Nr. 15 ist wieder ein prächtiges Mietshaus aus der Mitte des 19. Jh. Besonders die prunkvolle verzierte Tür hat es mich angetan:







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    Zurück auf der rue du palais: dieser ändert wenn man sie in Richtung Mosel geht, mehrmals den Namen, in "Rue Pierrre Hardie" und schließlich in "Rue de la Paix" zu deutsch Friedenstraße:


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    Ein weiteres wunderbar im italienischen Barockstil geschmücktes Gebäude aus der Mitte des 19. Jh., die alte Post;


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  • Gegenüber vom Postgebäude mündet die Rue aux Ours / Bärenstraße. Sie hat eine interessante Mischung aus Gebäude unterschiedlichster Stilepochen:




    Die Nr. 4 ist im Kern ein mittelalterliches Anwesen, im 18. Jh. verändert:



    Anschließend wurde in der deutschen Zeit ein Gründerzeitler in einer sehr schmale Baulücke errichtet, ein schöner Kontrast mit der völlig anderen Materialwahl, dem rosanen Sandstein aus den Vogesen bzw Pfälzerwald:




    Hinter einem 50er Jahre Neubau dann noch zwei Stadtpalais typisch wie sie für das 18. Jh. in Frankreich sind, mit dem großen Tor in einer Mauer eingelassen, der den Innenhof zur Straße hin trennt, jedoch eine Nachschöpfung von 1869 :




    Sein rechter Nachbar ähnlich gestaltet nur mit zusätzlichen runden Turm im Innenhof:


  • Auf der anderen Straßenseite, zunächst ein Adelspalast des 18. Jh. ebenfalls hinter einer Mauer versteckt:


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    Links anschließend das ehemalige Kloster St. Arnulf, welches im 18. Jh. umgebaut wurde, jetzt gehört es dem Militär:


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    Von Google Maps sieht man noch von oben den Kreuzgang:


    Google Maps


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    Zurück zur Hauptstraße:

    Kurz bevor wir an der Mosel gelangen, sind noch zwei Gassen, rechts und links, die in die Hauptstraße einmünden. Die rechte Gasse, die rue du Faisan, führt zum Place de la Chambre, dem wir schon im vorherigen Teil mit der Nordseite der Kathedrale gesehen haben:


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  • Nun schauen wir uns den restlichen Teil der Rue de la Paix/Friedensstraße an:


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    In der Rue St. Louis:


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    Die Rue Ste. Marie ist die linke Straße, welche in die Hauptstraße einmündet. Sie ist auch am malerichsten im ganzen Viertel. Hier befinden sich einige Restaurants:


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    Hinter diesem gut angepassten Neubaukomplex befand sich zu römischen Zeiten ein kleines Amphitheater.


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    Leider nichts mehr davon erhalten außer ein paar Keller... Der Grundriss der Straße mit seinemleichten Bogen erinnert noch daran. Noch im Mittelalter gab es noch beachtliche Reste, wie dieser Stich von Chastillan von 1604 zeigt:


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    Le petit édifice de spectacle - Historiametensis


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    Wenn man nun noch weiter geradeaus geht, nennt sich die Straße dann Rue sous St. Arnould, da wir uns direkt unter dem ehem. KLoster befinden:


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    Hier steht noch ein prächtiges Mietshaus des 19. Jahrhunderts:


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    Sie endet dann an der ehemaligen Festungsmauer, jetzt Straßendamm der Rue du Juge Pierre-Michel

  • Die zweite Möglickeit wäre in die sehr kurze Rue du Moxen-pont (Mittelbrücke-Straße) zu gehen:



    Dort biegen wir rechts in die Impasse St. Jean (Sackgasse St. Johann) ab. Sie führt steil hinunter durch die im Kern mittelalterlichen (ja teilweise durch das Amphitheater auch römischen!) Gebäude direkt an das Ufer des Moselarms:










    Blick auf die Insel "Petit-Saulcy" mit der evangelischen Kirche (wird später in einer eigenen Galerie detailliert dokumentiert)



  • Besonders bei Sonnenuntergang ist es sehr romantisch dort :*


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    Hinter der Uferpromenade befindet sich eine alte Gastwirtschaft. Dadrüber ragt der Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung heraus:


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    Von oben hat man ein guten Blick auf die Umgebung: Hier der Turm der ehem Garnisonkirche (links) sowie die ev. Stadtkirche (rechts) zu sehen beides Bauten aus der deutschen Kaiserzeit!


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    Und in Richtung Wasserbecken und ehem. Zitadelle, die wir uns später nochal genauer anschauen:)


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  • Etwas weiter Moselarmabwärts befindet sich das Gebäude des Kanuvereins, im historisierenden normannischen Fachwerkstil errichtet:




    Ein wenig weiter beginnt der kleine Seitenkanal mit Schleusenwärterhaus., diesmal aber eindeutig im deutschen Fachwerkstil;






    Hinter diesem Gebäude erkennt man jenseits des Wassers noch die Mauern der ehem. Zitadelle:





    Dieser Bereich wurde dann in der Kaiserzeit zu einem wunderschönen städtischen Garten umgestalet, mit kunstlichen griechischen Tempel: