Metz - Teil 2: Altstadt rund um die Kathedrale

  • Nun zeige ich euch die eigentliche Stadt Metz. Fangen wir zuerst an mit der Altstadt. Da wir gerade die Kathedrale besichtigt haben, schauen wir uns direkt mal am Hauptplatz davor, dem "Place d'armes" (zu deutsch "Waffenplatz" da hier das Militär appellierte (Metz war zeitweise die größte Festungsstadt Mitteleuropas). Dieser wurde wie wir in der Krypta erfahren haben von Blondel, dem berühmten frz. Architekten der Klassik angelegt. Der Platz wurde nämlich so angelegt, dass alle damaligen 4 Mächte direkt gegenüber jeweils mit ihren Bauten (das Rathaus im Osten als Bsp. der bürgerlichen Macht, das Gegenstück die Kathedrale im Osten als Vertreter kirchlicher Macht, zur Nordseite die ehemalige Wache für das Militär und im Süden das ehemalige Stadtparlament mit Gericht für die judikative Macht!

    Fangen wir beim Rathaus (Hôtel de ville) an. Es wurde 1761-1771 errichtet natürlich im örtlichen Jaumont-Stein. Ein paar Außenansichten:


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    Man merkt von der Baumasse her, wie sehr dieser Gebäuderiegel den Platz nach Osten hin dominiert. Für uns deutsche Betrachter ist die Schlichtheit des französischen "Barocks", auch eher gewöhnungsbedürftig (daher nenne ich Bauten aus dieser Zeit lieber im frz. klassischen Stil):

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    Im Eingangsbereichs befinden sich unten von rechts nach links die Flaggen Frankreichs, der EU, der Stadt Metz (schwarz und Weiß stammen noch aus der mittelalterlichen Zeit als Metz deutsche freie Reichsstadt war), die Fahne Lothringens (natürlich mit den drei gestümmelten Adlern) und wieder der Trikolore.


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    Nachts:

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    Betreten wir die Empfangshalle, welche leicht gewölbt ist:


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  • Vielen Dank, Metz zählt für mich zu den Geheimtips unter den Städten - leider viel zu unbekannt selbst in Süddeutschland.


    Wenn ich genau hingesehen habe, ist Metz übrigens im Vorspann von Da will ich hin (Sendereihe mit kurzen Reiseberichten) zu sehen und war auch Gegenstand einer der ersten Sendungen 2011, vielleicht daher auch der Vorspann.

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Im Eingangsbereich befinden sich noch einige Erklärungstafeln in Frz. und Deutsch zu den Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten in Metz:








    Da ich zu einer Veranstaltung im Rathaus eingeladen war (bzw. sogar mitorganisiert habe), hatte ich auch einen freien Zugang zu den Prachträumen des ersten Obergeschoss. Über das großzügige Treppenhaus gelangt man dorthin:




    Diese Fahnen befanden sich nur während der deutsch-französischen Woche "Metz est wunderbar":




  • Erstaunt haben mich die Plastikstreifen mit den eingeprägten Buchstaben, sowas gibt es doch schon lange nicht mehr, oder? Ich erinnere mich jedenfalls daran, daß das in den 70ern/80ern unentbehrliches Bürozubehör war; aber danach?? Und die ausgeschnittenen Textstücke und Bilder auf der Stellwand "Arsenal" sind auch voll die 80er-Jahre-Fanzine-Optik, als man gerne mit Kleber hantierte. Selbst große Plakate sind doch inzwischen auf Plottern billig druckbar, und Satz ist eigentlich auch recht billig - es erstaunt mich halt nur, daß da offenbar seit den 1980ern keiner was dran geändert hat.

  • "Gedankenlos" würde ich das nun nicht nennen wollen. Im Gegenteil, es gab offenbar jemand, der sich Mühe gab. Aber halt eben keinen professionellen Satz/Druck danach, diese Stufe hat man sich gespart.

    Im Berliner Zoo waren bis vor vielleicht 3 Jahren die Tierbeschreibungen an den Volieren und Gehegen übrigens ähnlich "selbstgebastelt" in ihrer Druckpräsentation, und im Bröhan-Museum noch selbstgebastelter.

    Inhaltlich sind solche Sachen meist völlig iO, aber man sieht halt, daß die Stadt/der Verein da kein Geld reinstecken wollte bzw. der "Chef vonns Janze" keinen Sinn für öffentliche Präsentation hat.

  • Nach dem Besuch des Rathauses schauen wir uns nun das ehemalige Stadtparlament an, an der westlichen Seite des Platzes:


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    Davor befand es etwas weiter dahinter in Richtung Markthallen das alte Stadtparlament aus dem Mittelalter, "Palais des Treizes" genannt


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    Links davon die Straßenkreuzung mit der Rue Fabert, und der Straße "En Fournirue"


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    Der Verbindungsbau mit dem Rathaus beherbergt eines der besten Bäcker von Metz:


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    Hier sieht man bei genauem Hinschauen auch Spuren des Krieges:


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    Blick zurück zur Kathedrale:


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    Das Gegenstück am anderen Ende des Platzes, die ehem. Militärwache, ist nun zum Fremdenverkehrsamt umfunktioniert:


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    Blick vom Sitzungssaal auf den Platz:


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  • Gegenüber vom Stephansdom, zur Westseite, befindet sich die Markthalle. Sie wurde ursprünglich im 18. Jh. als Bischofspalast geplant, doch aufgrund des Geldmangels konnte man nur das Erdgeschoss fertigstellen. IM frühen 19. Jh. wurde die Bauruine dann aufgrund der zentralen Lage zu einer Markthalle umgebaut:


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    Der ehemaligeoffene Ehrenhof


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    Dahinter befindet sich der Place de la Chambre, mit seinen hübschen Häusern aus den 18. Jh. bildet er ein sehr urbanes Ensemble:


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    Von hier aus hat man den wundervollen Blick auf die Nordseite der Kathedrale:




    Im Sommer stehen Palmen in Kübeln auf den Platz und vermitteln somit ein sehr mediterranes Flair:


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  • Eine Litfaßsäule im alten Stile, jedoch in den 1990er Jahren aufgestellt, ziert ebenfalls den Platz:


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    Der nordöstliche Teil des Platzes wird immer schmaler und mündet in die Straße Rue du vivier:




    Diese Straße führt von der Place d'Armes am Chor der Kathedrale vorbei den Berg hinunter zum Moselarmufer:





    Die Häuserzeile an der Einmündung zur Rue des Piques sind im warmen gelblichen und weißen Farben gestrichen fast eine Ausnahme für Metz, da man in der Altstadt eher die Fassaden in einen "rauhen" etwas patinierten Putz eher hält. Mir gefallen sie ganz gut, da die Farbe mMn sehr gut mit den Fensterahmen aus Jaumontstein harmonieren!



    Die Zeile von der Moselfront:



    Die rue des Piques ist eine autofreie, sehr enge mittelalterlich anmutende Gasse:



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    Für mich als Mittelalterfreund bietet Metz auch neben den zahlreichen Gotteshäusern aus dieser Zeit auch eine für unsere Breitengraden beeindruckende Anzahl an mittelalterlichen Profanbauten, die man durchaus mit Regensburg vergleichen kann. Das erste Gebäude dieser Art befindet sich in dieser Gasse und war ein ehemaliger Speicher der Antoniusordens, und stammt aus dem 16. Jh. Mit seiner Höhe, die die umliegenden Häuser überragt und seinen Zinnen sowie den Fenstergruppen, die schon an die Neuzeit erinnern, ist es ein Zeugnis der alten Reichsstadt;


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    Im unteren Bereich haben sich noch gotische Fenster erhalten:


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    Noch mehr Infos in französischer Sprache:


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    In seinen rechten und linken Nachbarhäusern befindet sich ebenfalls so manch gotisches Maßwerk:


    Das rechtsliegende "Haus zur Lilie" mit Renaissanceportal:


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    Mit Innenhof, der zur Straße offen ist:


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    Rechts sieht man noch Renaissance-Arkaden:


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  • Das linke Nachbarhaus, die Gaststätte zur Stadt Lyon:


    Die Straßenfassade eher 18. Jh:


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    Im Winter erkennt man ohne das zugegebenermaßen idyllische Grün aber besser die architektonischen Details:

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    An der Einmündung zur Uferstraße Quai Felix Maréchal, dieses Haus mit intergrierten Arkadengang;


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    Von hier aus hat man einen guten Blick auf die Insel des Kleinen Saulcy, zu der ich noch später im Detail zurückkomme:


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  • Folgen wir nun der Quaistraße. Man entdeckt beim genaueren Hinschauen auch hier Gotisches!




    Alt (auf "alt" gemacht beim zweiten Blick!) und Neu auf postmoderner Art miteinander verbunden, ich finde es nichtmal so schlecht heute würde es viel schlimmer sein in grau-weißer Neubauhaus-Manier...



    Einmündung zur Rue des jardins (Gärtenstraße). Hier dominieren Gebäude aus dem 19. Jh. :



    Gegenüber:



    In der Gärtenstraße befindet sich auch ein typisch deutscher Gründerzeitler mit roten Backstein und Neorenaissanceformen kontrastiert er das Ensemble aus Altsadthäusern:






    Die Straße mündet in den Place d'armes. Die ehem. Militärwache von der Rückseite:



    Und die rue du viviert, von der rue des jardins aus gesehen:


  • Erst heute ist es mir aufgefallen, dass Metz oft ein wenig wie das alte Köln aussieht! Vor allem die Abwechslung aus "burgartigen" Bauten des Mittelalters, glatten Putzfassaden des 18. Jahrhunderts und der deutschen Gründerzeit gaben die beiden Städte, bis zur Zerstörung Kölns, ein doch recht ähnliches Gesicht. Nur die typisch rheinische Romanik fehlt!

  • Schauen wir uns noch die Straße "Rue Fabert" an, welche die Südseite des Domplatzes mit dem Jakobsplatz (Place St. Jacques) verbindet. Sie ist mit Fassaden vorwiegend des 19. Jh. geprägt:



    Blick zurück zur Kathedrale: der Seitenflügel des ehemaligen Stadtparlaments, welcher Anfang des 20. Jh. errichtet wurde:




    Nun aber zum Place St. Jacques. Er war schon zur Römerzeit ein Forum mit Markt, und bis 1907 stand hier noch eine Markthalle für Gemüse. Heute ist es eines der belebtesten Plätze der Stadt mit zahlreichen Cafés und Restaurants, sozusagen das "Wohnzimmer" der Stadt:



    Dieser Platz ist gerade aus architektonischer Sicht sehr interessant, denn er besitzt Häuser mit verschiedensten Stilrichtungen. Fangen wir an der Nordseite an im Uhrzeigersinn. An der Ecke zur Rue Fabert steht dieses Gebäude mit historistischen Ladeneinbau:





    Anschließend zwei Häuser weiter die ehemalige Börse mit klassizistischen Säuleneinbau aus dem 18. Jh:



    Vor dem Haus, in der Mitte des Platzes befindet sich die Säule mit der Statue der Unseren Lieben Frau von Metz (Notre Dame de Metz) von 1924: