Ulm (Allgemeines)

  • Jetzt 24, also schon nicht mehr sooo jung. Meine Faszination fuer Deutschland ist aber erst 2013 entstanden, und nicht schon damals.


    Diese Faszination wird uebrigens von meinen Landsleuten meist nicht geteilt! D. ist zwar nicht mehr verrufen, aber die Leute werden hier immer anglophiler (frueher, vor 1990, war man oft auch noch francophil, jetzt aber nicht mehr!) also besucht man in ganz Deutschland heute nur noch Berlin, und sonst nichts mehr. Sowieso findet man Europa irgendwie nicht mehr interessant, weil nicht “exotisch” genug...

  • Gänstorbrücke



    Die Gänstorbrücke hält nicht mehr lange. Noch ca. 5 Jahre, dann ist sie nicht mehr befahrbar. Aber vielleicht ist ihre Lebenszeit schon vorher zu Ende. Höchste Zeit also, den Neubau voranzutreiben. Damit sie noch möglichst lange hält, hat man sie nun für Fahrzeuge > 24 t gesperrt. Aber vor ein paar Tagen ist schon wieder einer mit 60 t drübergefahren. Wenn das so weitergeht, kann man sie auch gleich ganz sperren.


    Nun, der Neubau ist beschlossene Sache, da führt kein Weg drumherum. Und plötzlich kommt die Nachricht, dass der nördliche, auf württembergischen "Boden" stehende Teil der Brücke unter Denkmalschutz steht. Wenn das eine Überraschung ist, dann wohl vor allem, weil man in Baden-Württemberg aus der Denkmalliste ja ein Geheimnis macht. Wie soll der Normalmensch auch auf die Idee kommen, dass es sich bei der Brücke um ein Baudenkmal handelt, wenn sie nach einer ganz normalen Betonbrücke aus der Nachkriegszeit ausschaut und sie auf bayerischer Seite auch nicht als Baudenkmal gilt? Die Beteiligten stört das freilich nicht groß und breit. Sowas wird eher als Formsache betrachtet. Die Möglichkeit, dass die Brücke wegen dem Denkmalschutz stehenbleibt, steht nicht zur Debatte. Zweimal minus ist plus. Wir sind ja schließlich in Württemberg. Bis zur Flussmitte zumindest.


    Google Maps


    gaenstorbruecke-zwischen-ulm-und-neu-ulm-wird-abgerissen-28060552.html

    marode-gaenstorbruecke-ulm-zum-abriss-vorgesehenes-bauwerk-steht-zur-haelfte-unter-denkmalschutz-31924043.html

    gaenstorbruecke-das-voellig-marode-denkmal-id54924916.html



    OT:

    Aber kann man sich nicht noch eine andere Möglichkeit vorstellen?

    Die Brücke wird nur auf bayerischer Seite zurückgebaut. Und der nördliche Teil bleibt stehen, denn der Denkmalschutz wird in Württemberg ja schließlich ernstgenommen. Ein technisches Denkmal der Nachkriegszeit, entstanden in zwei Phasen,1950 und 2020, das hat was. Mit dem Hochhaus des Maritim-Hotels im Hintergrund und dem Brückentorso im Stil des Freivorbaus gibt das ein grandioses Ensemble! Da muss man sich in Avignon warm anziehen, bei einer solchen Konkurrenz! Der Kirchtum doppelt so hoch wie ein normaler, die Brücke halb so lang wie eine normale, das ist Ulm.

  • Schelergasse 4



    Das großartige Haus wurde saniert.



    Die Vorderseite, von der Schelergasse aus gesehen (links im Bild):


    Bild 7515

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    Bild 7516

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    Die Rückseite, vom Ochsengässle aus gesehen:


    Bild 7517

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    Bild 7518

    Ze-7518.jpg

  • Das ist so ziemlich das stattlichste noch erhaltene Ensemble von Bürgerhäusern in Ulm. Erfreulich also, dass man dieses wichtige Haus endlich saniert hat. Die Rückseite ist allerdings ein Schlag aufs Auge. Ich frage mich auch, wie viel noch von der originalen Fachwerkkonstruktion übrig ist, wenn man einen solchen Riesenerker an der Außenwand aufhängen kann. Zumindest die Rückseite muss weitestgehend ersetzt worden sein.

  • Die Forumsgalerien haben ja bisher hauptsächlich die Architektur der Wilhelminischen Zeit gezeigt. Aber es gibt in Straßburg natürlich auch eine große Altstadt mit mittelalterlicher Baukunst, zauberhafte Gassen und Plätze, das überwältigende Münster. Ulm kann da, jedenfalls vom Gesamteindruck eines geschlossenen Stadtbilds, beim besten Willen nicht (mehr) mithalten.

  • Ich bin kein Ulm-Experte, auch wenn ich schon öfters in Ulm war - aber nennenswert Fachwerkbauten gibt es da doch nur noch nördlich des Münsters, und selbst da stehen fast überall Neubauten dazwischen, laut Website der Stadt Ulm wurde die Altstadt zu über 80 % zerstört.


    Außerdem gibt es noch das sehr schöne, aber sehr kleine Fischerviertel, wobei es da aber auch ziemlich viele angepaßte Neubauten gibt.


    In Straßburg gibt es auf jeden Fall sehr viel mehr Altbausubstanz, aber original erhaltene Bauten, die vor 1500 entstanden sind, dürften tatsächlich prozentual gesehen eher selten sein, vielleicht noch am ehesten nordöstlich des Münsters (Judengasse mit Nebengassen wie Fasanengasse, das Viertel weiter südlich ist ja 1682 abgebrannt) und westlich davon um den Alten Fischmarkt herum, vielleicht auch noch weiter an der Langen Straße entlang nach Westen.

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Über den Zerstörungsgrad von Ulm haben wir uns schon oft unterhalten, und auch darüber, dass die 80% für viele weitaus zu hoch gegriffen scheinen. Ich war von der Stadt ziemlich angetan, so sehr, dass ich die Zerstörungen gar nicht so als Beeinträchtigung empfunden habe, aber das ist wohl sehr subjektiv und vielleicht meiner damaligen Stimmung geschuldet gewesen. Jedenfalls gibt es vier Bereiche mit sehr bedeutender mittelalterlicher Bebauung, neben dem erwähnten Bereich nördlich des Münsters, der ziemlich groß ist und dem Blauviertel noch den Bereich südlich des Rathauses, der nicht eben geschlossen, aber doch sehr bedeutend um im Ganzen sehr gefällig ist und dazu noch ein Viertel namens Auf dem Kreuz, das auch über eine erstaunliche Geschlossenheit verfügt. Zieht man in Betracht, dass in den dazwischen liegenden zerstörten Vierteln auch noch was herumsteht und dass es in Ulm ein paar sehr gute Wiederaufbauleistungen gibt, und dass mir - im Gegensatz zu anderen - die Neue Mitte sehr zusagt, muss Ulm recht gut aussteigen.

    Straßburg kenn ich einfach nicht. Auf Bildern wird immer nur dasselbe gezeigt, Münster, Haus Kammerzell und Petit France, die hier vertretenen Galerien zeigen ein hübsches, gefälliges Stadtbild, das natürlich dem Durchschnittsbild einer heutigen deutschen Großstadt weit überlegen ist, aber mich ganz und gar nicht vom Hocker haut. Ein Vergleich mit Erfurt erscheint mir geradezu absurd, auch was sogar die gezeigten Leistungen des Historismus betrifft. Ich denke jedenfalls, dass Straßburg vor 44 nicht mit Ulm mithalten konnte. Heute ist das natürlich anders, aber den Beweis, dass Straßburg um so vieles besser ist, muss man mir noch erbringen.